Sie sind hier: Herzlich Willkommen

Technische Analyse Portal

Was ist das Technische-Analyse-Portal und wie Sie davon profitieren?

Das Portal für den technischen Analysten.

In einem umfangreichenreichen Nachschlagewerk werden sämtliche Grundlagen wie die Dow Theorie, Charttypen, Trendfolgeindikatoren und vieles mehr rund um die technische Analyse anschaulich dargestellt und auf den Punkt gebracht. Auch ein ausführliches Glossar lässt Begriffe wie Candlestick Chart, Euro Stoxx Indizies, Fibonacci Zahlen oder einfach nur Aktienanleihe nicht ungeklärt. Alles was an Begriffen unklar scheint, wird hier in einfachen Erklärungen zu finden sein. So kann jedermann erfolgreich an der Börse aktiv tätig werden oder lediglich nur sein Wissen vertiefen. Eine hervorragende und unabhängige Informationsquelle, auf die niemand verzichten sollte.

Erstklassige Redakteure mit erstklassigen Diensten.

Komptetente und erstklassige Redakteure aus den Bereichen technische Analyse stellen sich ausführlich vor und erzählen ihre Erfolgsgeschichte. Sie geben Ihnen Tipps wie Sie zu erstklassigen Anlagemöglichkeiten kommen und lassen Sie dort an ihren erfolgreichen Anlegestrategien teilhaben. Hier im TA-Portal haben Sie die Möglichkeit sich erste Informationen von verschiedenen Diensten zu Themen wie Devisen, Trendfolge oder auch Targetmethode zu verschaffen. Zu jedem dieser TOP 5 Dienste liegen Leseproben sowie Lesermeinungen für Sie bereit. Nur hier geben Redakteure wie Michael Proffe, Ph.D Hans Weigl, Andreas Wolf und einige mehr vorab einen Ausblick in ihre Arbeit.

 

Aktuelle Marktberichte der Experten

Henrik Voigt

Steht ein neuer Börsencrash bevor?

 

von Henrik Voigt (01.10.2013)


mein in der letzten Ausgabe bevorzugtes Korrekturszenario setzt sich wie erwartet durch. Aktuell lastet insbesondere die Nichteinigung auf eine Erhöhung der Schuldenobergrenze in den USA auf den Märkten. Diese hatten bis zuletzt noch auf eine Einigung gehofft, doch sie blieb aus. Erinnerungen an den Börsencrash vom August 2011 werden wach, als es um das gleiche Thema ging. Sind die Sorgen berechtigt?


Die USA haben seit 1917 eine gesetzliche Schuldenobergrenze, innerhalb derer das US-Finanzministerium ermächtigt ist, alle notwendigen Kredite zur Finanzierung fast aller staatlichen Aufgaben aufzunehmen. Diese Schuldengrenze wurde regelmäßig vom Kongress angehoben. In den vergangenen 50 Jahren schon 78 Mal. Nicht immer konnte man sich rechtzeitig einigen, was zu „Government Shutdowns“, also der temporären Zwangsbeurlaubung zahlreicher Regierungsbehörden aus Geldmangel, führte. Aktuell haben wir wieder so einen Shutdown. Das heißt, mit der gestern ausgebliebenen Einigung im Budgetstreit werden ca. ein Drittel aller US-Behörden schließen müssen. Im Zuge des letzten Budgetstreits im August 2011 kam es zu crashartigen Börsenturbulenzen, weil das wochenlange Hickhack zwischen den beiden politischen Blöcken im Vorfeld den USA unter anderem die erste Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit seit dem Jahr 1941 einbrachte. Kann sich ein solches Szenario wiederholen?

 

Ein US-Haushaltsnotstand war nie ein Grund zur Panik, sondern stets günstige Kaufchance

Sehr unwahrscheinlich. Betrachten Sie nur die letzten 16 Government Shutdowns in den Jahren 1976 bis 1996 (ja, solche Ereignisse waren eine zeitlang fast schon Routine). In keinem dieser Fälle kam es zu nachhaltigen Störungen an den Finanzmärkten. Im Gegenteil: Die Behördenschließungen hielten in der Regel immer nur ein paar Tage an, bevor sich die Streithähne im Kongress dann doch immer wieder einigen mussten. Die Börsen stiegen kurz darauf teils kräftig.  Ein solches Ereignis ist also kein Grund, sich Sorgen um Ihr Aktiendepot zu machen. Erst recht nicht, wenn Sie in unsere weitgehend krisenfesten Titel im Investoren-Depot investiert haben. Nutzen Sie vielmehr die Kursrückgänge zur Aufstockung derjenigen Positionen, bei denen Sie noch unterinvestiert sind.

 

USA spätestens seit 2001 chronisch klamm – der Markt gewöhnt sich wieder daran

Ich fürchte, wir werden noch etliche solcher Shutdowns erleben. Und die Märkte werden sich wie in den 70er und 80erJahren wieder daran gewöhnen. Die guten Jahre der Clinton-Regierung mit Haushaltsüberschüssen, Wirtschaftsboom und den Sanierungserfolgen der Staatsfinanzen gingen ja bereits 2001 zu Ende. Danach folgten nur noch Krisen, Kriege und Stagnation. Allein der Irak-Krieg soll nach Berechnungen des Wirtschaftswissenschaftlers Joseph E. Stiglitz etwa 3 Billionen Dollar verschlungen haben. Die Finanzkrise ab 2007 führte laut dem IWF zu Gesamtkosten von 11,9 Billionen US-Dollar, wovon ein großer Teil auf die USA entfielen, von denen die Krise ausging. Diese Krise brachte wesentlich niedrigere Steuereinnahmen sowie höhere Sozialausgaben und zudem teure fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen zur Wachstumsankurbelung. Das US-Budgetproblem wird also nicht nur vorübergehender Natur sein, sondern uns in den kommenden Jahrzehnten weiter beschäftigen – bis zur Staatspleite eines (hoffentlich noch fernen) Tages. Das Gute daran:
Schon aus diesem Grund sind neue Kriege wie etwa in Syrien gar nicht führbar, weil einfach zu teuer.

Dabei gibt es in den USA selbst angesehene Juristen (u.a. auch Ex-Präsident Clinton), die die derzeit heiß umkämpfte Schuldenobergrenze für verfassungswidrig halten und die Meinung vertreten, dass sich das Finanzministerium daher nicht daran halten müsste. Faktisch beschließt der US-Kongress einmal die (kreditfinanzierten) Staats-Ausgaben und stimmt später noch einmal getrennt darüber ab, ob diese (im Rahmen der Schuldengrenze) auch tatsächlich bezahlt werden sollen. Ziemlich absurd, denn eigentlich müsste der Ausgabenbeschluss allein schon ausreichen, um den Haushalt als „abgesegnet“ gelten zulassen. Das Finanzministerium teilt diese Ansicht derzeit allerdings nicht. Und so werden wir künftig häufiger einen neuen Streit zwischen Republikanern (Mehrheit im Repräsentantenhaus) und Demokraten (Mehrheit im Senat) über diese Schuldengrenze sehen.

Mehr als ein paar Wochen Haushaltsnotstand können sich die USA allerdings nicht leisten, dann müssen sich die Parteien einigen. Eine befristete Zwangsbeurlaubung von Staatsbediensteten und verspätete Gehaltszahlungen mögen noch verkraftbar sein. Bei einem Dauerzustand käme es jedoch auch zu einer Nichtbedienung fälliger US-Staatsanleihen. China ist der größte Gläubiger der USA und hätte dann womöglich ein milliardenschweres Problem mit der Entsorgung von US-Treasuries als Altpapier. Die Kreditwürdigkeit der USA würde daraufhin massiv in Frage gestellt sein, die Zinsen und damit die Kreditkosten würden drastisch steigen. Wenn das Land überhaupt noch neue Kredite bekäme, denn die Anleger würden aus US-Anleihen flüchten. Ein Anleihencrash wäre die Folge, gegen den die US-Notenbank machtlos wäre. Die Pleite der USA wäre schlagartig ein nicht mehr länger zu leugnender Fakt. Die USA wären das neue Griechenland. All die Jahre der Verschleierung wären dann umsonst gewesen, das Wirtschaftswachstum würde schlagartig ausgebremst
werden, mit gravierenden Negativwirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft.

Alles nur politische Manöver

Aber glauben Sie wirklich, die USA lassen es jetzt schon so weit kommen? Die beiden großen US-Parteien wissen um diese explosive Gefahrenlage. Es wird bei politischen Manövern bleiben. Auch im August 2011 hatte man sich (ein klein wenig spät) doch noch schnell geeinigt. Auch diesmal wird es wieder eine Einigung geben. Die Frage ist nur, ob fünf vor oder wieder erst fünf nach zwölf. Davon werden die Auswirkungen auf die Märkte abhängen. Immerhin notieren die USBörsen derzeit recht satt im Jahresplus. Die Neigung der Großanleger, diese Gewinne zu sichern, ist daher sehr ausgeprägt. Wenn das aber alle gleichzeitig tun, haben wir tatsächlich eine erhöhte Absturzgefahr. Den nahenden Weltuntergang sehe ich aber weiterhin nicht, sondern höchstens kurzfristige Reaktionen an den Märkten.

 

 

Politbörsen sind kurz, Korrektur ist Ihre Chance

Immerhin zeigen die Stimmungsindikatoren bereits jetzt schon wieder Pessimismus an. Jetzt, wo noch gar nichts passiert ist. Geht es weiter abwärts, dann sehen wir schnell einen extremen Pessimismus, der bisher stets die nächste Rally garantiert hat und der die beste Grundlage für antizyklische Käufe ist. Ich würde also den derzeitigen Budgetstreit nicht als Risiko, sondern als Chance sehen. Als Chance auf die Kursgewinne, die nach der Einigung folgen werden. So, wie es zuletzt auch im Jahr 2011 der Fall war. Denn vergessen Sie bitte nicht: Politische Börsen haben stets kurze Beine. Zudem steht das saisonal üblicherweise sehr starke vierte Quartal bevor und wir haben eine statistisch extrem hohe Gewinnwahrscheinlichkeit von satten 93% für eine Jahresendrally nach dem starken Septemberauftakt in diesem Jahr. Grund genug für uns, bald wieder aktiv zu werden.

 

Henrik Voigt

Der Herbst wird ein Geschenk

von Henrik Voigt (20.08.2013)

 

mein in der letzten Ausgabe beschriebenes Korrekturszenario für die Aktienbörsen entpuppt sich inzwischen als Punktlandung. Betroffen sind vor allem die von einem möglichen Liquiditätsentzug betroffenen US Märkte. Zusätzlich wirkt sich die derzeit schwache Saisonalität aus, erschwerend kommen die zurzeit dünnsten Umsätze des Jahres hinzu. Entsprechend schwer werden Sie derzeit auf ihren Durchhaltewillen geprüft. Seit Monaten bewegen sich die Kurse scheinbar zufällig, aber volatil seitwärts. Trends sind Mangelware, immer mehr Anleger werfen das Handtuch.

Sie tun das bitte nicht! Denn vor Ihnen liegt die profitabelste Zeit des gesamten Jahres. Wir müssen an den Aktienbörsen vielleicht noch vier Wochen einer unberechenbaren Korrekturphase ertragen, dann erwarten uns die besten Einstiegschancen seit über einem Jahr. Seit Jahresbeginn kein Trend mehr Der DAX lief in diesem Jahr fast nur volatil seitwärts, ebenso der EuroStoxx.

Aktuell sind beide wieder in dünner Luft angekommen. Es könnte in den kommenden Wochen mit einem neuen Verkaufssignal zunächst abwärts gehen. Einen nachhaltigen Ausbruch nach oben erwarte ich erst ab Mitte September. Ähnlich verhält es sich bei den US-Börsen. Sie stiegen zwar bis Mai, kennen seither aber auch keinen Trend mehr. Viele Schwellenländer sind sogar erheblich unter die Räder gekommen. China und Japan konnten sich nach größeren Einbrüchen gerade einigermaßen berappeln, Gold fiel in einen Bärenmarkt und liegt auf Jahressicht trotz Erholung noch deutlich im Minus. Alles in allem gab es also nicht viel zu lachen bisher. Für dieses gnadenlose Durcheinander mit ständig wechselnden Börsenfavoriten und Kursrichtungen hält sich unser Depot wacker. Warum sollte sich an diesen für uns unvorteilhaften Bedingungen aber in den kommenden Wochen etwas ändern?

Fünf gute Gründe für eine neue Rally

Dafür sprechen viele gute Gründe: Zum einen kommt mit dem Ende der Ferienzeit endlich wieder Volumen in den Markt und damit werden die Kursbewegungen wieder berechenbarer. Wenn viele Aufträge gleichzeitig ausgeführt werden müssen, fällt es kriminellen Marktteilnehmern deutlich schwerer, die Kurse heimlich nach ihren Vorstellungen zu manipulieren. Untersuchungen gegen diverse Großbanken wegen Kursmanipulationen laufen ja bereits in faktisch allen Märkten, egal ob Zinsen, Edelmetalle, Aktien usw. Diese sprechen Bände. Es wurde systematisch betrogen und die Aufklärungsquote ist gering.

Zweitens ist die Saisonalität ab Oktober wieder extrem positiv für Aktien. Das wird sich positiv auswirken, da die Aufwärtstrends bei Aktien ungebrochen sind und keine Trendwendeformationen in Sicht sind. Drittens verschwindet die Unsicherheit über die Ausgestaltung der US-Geldpolitik Mitte September. Viertens kommt jetzt allmählich wieder eine Abkühlung in die noch immer recht optimistische Anlegerstimmung. Grundvoraussetzung für eine längere Rally ist Anlegerskepsis und damit geringe Investitionsquoten. Wer traut diesem Markt jetzt noch große Sprünge zu? Nicht einmal ich, aber das wird sich in den kommenden vier Wochen völlig ändern, wenn die jetzt angeschobene Entwicklung so weiterläuft.

Zuvor Korrektur-Ende abwarten

Aktuell haben wir noch eine rekordhohe Shortposition der Commercial Hedgers in den USA. Das bedeutet, das smart money setzt derzeit massiv auf fallende Börsenkurse in den USA. Wie zuletzt im September 2012 und im Mai 2013. Jedes Mal gab es in den Wochen danach eine Korrektur von etwa 5 bis 8 % im S&P 500. Würde sich dieses Szenario jetzt wiederholen – und es spricht viel dafür – dann sehen wir in einigen Wochen den S&P 500 bi ca. 1570 Punkten und damit an den Tiefs der Juni-Korrektur. Bis dahin haben die Commercials voraussichtlich ihre Shorts längst wieder eingedeckt (ich werde darüber berichten), und wir hätten eine wirklich einmalige Einstiegschance für eine Jahresendrally auf die von mir schon mehrfach genannten 1800 Punkte. Das sind immerhin rund 15 Prozent ungehebeltes Aufwärtspotenzial, welches wir dann gehebelt umsetzen werden, um noch deutlich mehr für Sie herauszuholen.

Was kann schiefgehen? Nun, die US-Notenbank könnte die Lage am Aktienmarkt falsch einschätzen und den Geldhahn zu schnell und zu weit zudrehen, so dass es eine crashartige Verkaufswelle wie im Jahr 2011 geben kann. Sie sehen allerdings schon an der vorsichtigen Herangehensweise der US-Notenbank mit einer sehr langen Vorbereitsundzeit für die Märkte, dass die Fed ihre Lektion aus zwei Mini-Crashs in den letzten Jahren sehr wohl gelernt hat. Zudem sichern wir uns mit Stopps und Absicherungspositionen ab. Diese Strategie kostet in Seitwärtsphasen wie aktuell zwar etwas Performance, rettet aber das Depot, wenn es wirklich einmal ernst werden sollte. Wenn sich hingegen die erwarteten neuen Rallys ab Herbst entwickeln, dann brauchen wir keine Absicherungen mehr und können dann ganz befreit unsere gehebelten Gewinne genießen.

Henrik Voigt

Rally jetzt mit zweitem Motor

von Henrik Voigt (06.08.2013)

Die Notenbanken wiederholen mittlerweile im Wochentakt ihre Niedrigzinsversprechen. Statements aus der vergangenen Woche: Leitzinsen bleiben "für längere Zeit auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau" (EZB) bzw. Anleihenkäufe werden zunächst unvermindert fortgesetzt, bis sich die Lage am Arbeitsmarkt substanziell verbessert hat (US-Notenbank Fed). Mit diesen gebetsmühlenartig wiederholten Aussagen sollen die Kollateralschäden der Ausstiegsdiskussion vom Mai/ Juni, insbesondere die steigenden Zinsen, wieder bereinigt werden. Von Seiten der Geldpolitik droht den Märkten also nicht nur keine Gefahr. Nein, diese bekommen weiter massiven Rückenwind.

Aber wie sieht es mit dem anderen Hauptantriebsfaktor steigender Kurse, mit der Konjunktur, aus? Die laufende Berichtssaison verläuft ja bekanntlich durchwachsen. Trotzdem gab es keine nennenswerten Rückschläge an den Börsen, was für einen weiter aufwärts strebenden Markt spricht. Immerhin haben beispielsweise die Unternehmen im S&P 500 ihre Gewinne seit Ende 2008 bis heute dennoch mehr als verdoppelt.

Unerwarteter Aufschwung

Und es bahnen sich bereits wieder positive Überraschungen auf der Konjunkturseite an: die zuletzt gemeldeten Einkaufsmanagerindizes –wichtige Gradmesser für die künftige Wirtschaftsentwicklung – fielen ungewöhnlich stark aus. In den USA sahen wir den größten Monatsanstieg seit 17 Jahren (!) und China hat es unerwartet zurück in die Wachstumszone geschafft. Und selbst in den Krisenherden Europas Spanien, Frankreich und Italien scheint der Trend zu einer Rezessionsverschärfung eindeutig gestoppt oder sogar umgekehrt worden zu sein.

In Italien geht die Regierung inzwischen sogar davon aus, dass die längste Rezession seit dem 2. Weltkrieg noch in diesem Jahr überwunden werden kann, dass das 4. Quartal wieder die ersten positiven Zahlen hervorbringen wird und auch dass das Gesamtjahr 2014 positiv wird. Ob das reines Wunschdenken ist, werden die kommenden Monate zeigen. Auf jeden Fall ist die Chance da, dass eine unerwartet anziehende US-Wirtschaft und ein ausbleibender Einbruch in China zusammen mit der lockeren Geldpolitik den Konjunkturkarren auch im rezessiven Europa nochmals aus dem Dreck ziehen kann. Und das wäre wirklich eine faustdicke Überraschung, zumal europäische Aktien wegen des bislang nahezu nicht mehr vorhandenen Wachstumspotenzials von den Anglern gemieden und dadurch günstig bewertet sind.

Gefahr der Überschuldung bleibt

Dass die gesamte Schuldenkrise mit ein bisschen Wachstum gleich vorbei ist, wäre jedoch eine zu vermessene Annahme. Die Schulden steigen weltweit und auch in Europa trotz aller Sparprogramme immer weiter. Italiens Haushaltsdefizit etwa lag im Juli bei 8,8 Milliarden Euro – nach 2,0 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das ist mal eben eine Vervierfachung! Frankreich will keine Maßnahmen ergreifen, um das Defizit im laufenden Jahr zu begrenzen (es wird bei 3,7 Prozent des BIP und damit deutlich über den Maastricht-Kriterien erwartet). 

An den Börsen wird das Schuldenthema jedoch derzeit nicht thematisiert. Es ist ja auch hinlänglich bekannt wie auch die Methoden, es sorgsam unter den Teppich zu kehren. Solange es hier keine drastische Eskalation gibt – und die erwarte ich in den kommenden Wochen schon aus wahltaktischen Gründen nicht – wird es keinen Einfluss auf die Börsen haben. 

Dort sind andere Themen wichtig. Die US-Märkte sind auf neue Allzeithochs vorgerungen und befinden sich damit in einem widerstandsfreien Bereich. Solange hier die richtigen Sektoren die Rally anführen und die Stimmung nicht erneut überkocht, kann die Rally noch weiterlaufen, als wir uns das vielleicht vorstellen können.

Bullenmarkt technisch völlig intakt

Gefahr droht einem Bullenmarkt in der Regel dann, wenn nur noch wenige Indexschwergewichte die Aktienrally tragen, während die Masse der Aktien bereits stagniert oder fällt. Diese Situation ist derzeit nicht zu befürchten, da seit vielen Monaten ausgerechnet der SmallCap-Index Russell 2000 zu den stärksten US-Indizes gehört. Solange die kleinen Aktien so gut im Rennen liegen, muss mir als Charttechniker nicht bange werden.

Gleichzeitig findet der Markt immer neue Sorgenthemen, an denen er sich immer wieder hochziehen kann. Beliebtes Dauerthema: Ausstieg aus QE 3. Solange Sorgen thematisiert werden, glaubt die Masse nicht an immer weiter steigende Kurse und ist demzufolge auch nicht dick investiert. Die „wall of worry“, die einem Bullenmarkt Treibstoff gibt, bleibt intakt. Zurzeit sehen wir das auch bei vielen Stimmungsindikatoren. Beispiel: Während die US-Börsen seit Wochen immer neue Allzeithochs machen, geht der Bullenanteil der USPrivatanleger stetig zurück. Zurzeit liegt er bei 35.6%, damit unter dem langjährigen Durchschnitt von 38.9% – und meilenweit von den Euphorienivaus über 65 % der platzenden dotcom-Blase entfernt.

Fazit: Die Zinsen bleiben unten, die Wirtschaft zieht gerade wieder an – aus fundamentaler Sicht ein sehr gutes Umfeld für Aktien. Aus technischer Sicht sind die Aufwärtstrends intakt, die Marktbreite ist tadellos – alles in Butter. Die Stimmung kocht dabei noch nicht über, im Gegenteil: gerade jetzt neigt der Markt wieder zur Skepsis, was sich an mehreren Indikatoren gut ablesen lässt. Wenn fundamentales Umfeld, Markttechnik und Sentiment so gut zusammenspielen gibt es nicht den geringsten Grund, die Börsen zu meiden. Diese Rally wird noch ein ganzes Stück weiterlaufen. Sobald sich meine Einschätzung diesbezüglich ändert, lasse ich es Sie natürlich wissen. Derzeit gilt es jedoch, dick investiert zu sein.

Henrik Voigt

Ist der Bulle etwa kugelsicher?

von Henrik Voigt (30.07.2013)

 

Viermal im Jahr stürzen sich die Anleger auf den wohl wichtigsten fundamentalen Kurstreiber der Aktien: das Gewinnwachstum der Unternehmen. Unglücklicherweise fällt dieses, wie schon die gesamte Konjunktur, mau aus. Die laufende US-Bilanzsaison enttäuscht. Und das trotz immer weiter im Vorfeld gesenkter Erwartungen der Analysten

Laufende Berichtssaison: Enttäuschend

Diese erwarteten am 01. Oktober 2012 für den S&P 500 im 2. Quartal 2013 noch eine Gewinnsteigerung von +10 %, am 01. Januar 2013 dann nur noch +8 %, am 01. April 2013 nur noch +6% und am 01. Juli 2013 gerade noch +3%. Jetzt gehen die Konsensschätzungen der Analysten nur noch von einem Gewinnwachstum von +2,4% im 2. Quartal aus. Da die US-Unternehmen traditionell die unmittelbar vor der Berichtssaison abgegeben Analystenschätzungen um 2 bis 3 % übertreffen – das gehört zu den Spielchen an der Wall Street – dürfte am Ende ein Gewinnwachstum von etwa 5 % herausspringen. Nicht gerade viel angesichts der luftigen Kurshöhen. Wobei bisher erst ca. 80 der 500 Unternehmen im S&P 500 ihre Zahlen abgeliefert haben. Neben den reinen Ergebnissen werden vor allem die Ausblicke auf die kommenden Monate aufschlussreich sein.

Wird die Fiskalklippe in den USA die Gewinne drücken? Oder wird das schwache Wachstum der Weltwirtschaft ihre Spuren in den Ergebnissen hinterlassen? Immerhin stammen 40 % der Gewinne der S&P 500-Unternehmen aus dem Ausland. Auf der anderen Seite stagnieren die Lohnkosten in den USA und die Rohstoffpreise in USDollar fallen seit nunmehr zwei Jahren schon, was sich wiederum positiv auf die Gewinne auswirken dürfte. Außerdem dürften die gigantischen Aktienrückkaufprogramme der US-Unternehmen im Laufe dieses Jahres ausgeweitet werden, was einen positiven Effekt auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis hat, weil die Zahl der freiverfügbaren Aktien dadurch sinkt. 

Was kann diesen Bullenmarkt stoppen?

Alles in allem ist die Lage an der US-Gewinnfront also nicht sonderlich rosig. Und dennoch: Die Leitbörse der Welt, der amerikanische S&P 500, erlebt seit dem März 2009 den stärksten Bullenmarkt seit Ende des 2. Weltkrieges. Und trotz aller Schüsse auf den Bullen – wie Fiskalklippe, Ölpreisanstieg, italienisches Wahldebakel, Zypernpleite, Wachstumseinbruch in China, QE 3 - Beendigungsabsichten, steigende Zinsen, schwaches Handelsvolumen an den Börsen, Abwärtsrevisionen der Unternehmensgewinne etc. – rennt dieser Bulle einfach weiter. Das ist aus der Sicht des logisch denkenden Ökonomen mehr als erstaunlich. Aus Sicht des Charttechniker allerdings folgerichtig. Ich habe Ihnen dazu eine ausführliche Analyse auf Seite 7 zusammengestellt, die Ihnen gleichzeitig verrät, wann es für den Bullen wirklich gefährlich werden wird.

Derzeit sind wir noch nicht an diesem Punkt. Ich gehe davon aus, dass es spätestens nach der Bundestagswahl zu weiteren, sehr unangenehmen Überraschungen in Sachen Eurokrise und Bankenpleiten geben wird. Ein dritter Schuldenschnitt für Griechenland wird sehr wahrscheinlich kommen. Womöglich auch ein erster für Spanien oder Portugal. Aber es wird gleichzeitig die üblichen Liquiditätsmaßnahmen der EZB geben, etwa eine weitere Zinssenkung und einen neuen Langfrist-Tender für die Banken zur Refinanzierung. Damit werden die Probleme wie gewohnt auf die Zukunft verschoben statt gelöst. Aber die Rechnung wird dann eben nicht jetzt, sondern erst in ein, zwei Jahren präsentiert werden müssen. Und solange werden die schlechten Nachrichten weiter für Volatilität, aber nicht für eine grundsätzliche Trendwende nach unten sorgen. Jedenfalls jetzt noch nicht. Dafür ist die Skepsis gegenüber dem Aktienmarkt noch zu groß.

Trotz luftiger Kurshöhen: Große Skepsis

Ein Beispiel: In vier der letzten fünf Monate haben Anleger US-Aktienfonds netto verkauft – trotz steigender Kurse, berichtet das Investment Company Institute in den USA. Gleichzeitig ergab die Stimmungsumfrage der American Association of Individual Investors, also der US-Privatanlegervereinigung, in diesem Jahr einen durchschnittlichen Optimistenanteil von 38 % gegenüber 41 % im 10-Jahre-Durchschnitt. Das heißt, wir haben in diesem bisher für US-Aktien sehr positiven Jahr weniger Optimisten als in den letzten 10 Jahren, die zwei ausgewachsene Bärenmärkte mit einschlossen. Das ist schon ziemlich verrückt.

Nehmen wir die gesunde Anlegerskepsis und die absolut tadellose Charttechnik zusammen, dann komme ich nicht umhin, für die US-Börsen in diesem Jahr weiter steigende Kurse zu sehen. Trotz meiner großen Bauchschmerzen mit Blick auf die fundamentale Situation. Diese scheinen die Börsen angesichts weiter in Aussicht gestellter geldpolitischer Kosmetik bis zum unvermeidlichen Zahltag aber ignorieren zu wollen. Also sollten wir das als Anleger auch tun, uns aber gleichzeitig als Steuerzahler und Bankkunden auf ungemütliche Zeiten vorbereiten. Der 01. August bringt uns hier beispielsweise die Mithaftung bei Bankenpleiten. Wie Sie diesem Umstand und vielen anderen Hässlichkeiten moderner Europa-Politik entgehen, hatte ich Ihnen ja bereits in meinem Sonderreport zur Europäischen Bankenunion vor gut einer Woche mitgeteilt. 

Als Anleger gilt es darüber hinaus, mit stärkeren Schwankungen an den Börsen umzugehen. Auch wenn die Volatilität in den kommenden Wochen eher weiter sinken dürfte, so wird es immer mal wieder ein oder zwei Tage mit heftigen Rückschlägen geben. Wir in DAX Profits etwa streuen unser Risiko, gehen in die stärksten Märkte und sichern uns mit Gegenpositionen ab. Trendwenden entstehen aus solchen Eintagsfliegen jedoch in der Regel nicht, wie wir schon aus dem vergangenen Jahr gelernt haben.

 

Henrik Voigt

Schulden statt Wachstum

von Henrik Voigt (23.07.2013)

 

Von Anfang an war eigentlich klar: das mit der Sparpolitik wird nichts mehr. Sie kommt einfach die Kleinigkeit von ein paar Jahrzehnten zu spät. Die Schuldenberge sind schon viel zu groß, um noch abgestottert werden zu können. Über Lippenbekenntnisse zum Sparkurs kamen die Politiker deshalb nie hinaus. Und so verwundert es kaum, dass die Staatsverschuldung der Eurozone im ersten Quartal des Jahres weiter zugelegt hat. Nämlich von 90,6 auf 92,2 Prozent der Wirtschaftsleistung, was 8,75 Billionen Euro entspricht.

Deshalb verabschiedet man sich jetzt ganz offiziell von der Sparpolitik. Wenn man gegen mehr Schulden nichts unternehmen kann, sind sie eben wieder „in“. Die Weltwirtschaft sei zu schwach, verkündeten die Finanzminister der G-20 am Wochenende. Sie vereinbarten daher mehr Wachstumsimpulse und damit mehr Schulden. Das Gelddrucken geht weiter. Man müsse zuerst wirtschaftliches Wachstum sicherstellen.

Damit wird sich auf lange Sicht weder etwas am schwachen Wachstum ändern, dass seine Ursachen in Strukturproblemen wie Überschuldung, Überkapazitäten und Überalterung der Bevölkerung hat. Noch wird sich an den immensen Schuldenbergen etwas ändern. Außer, dass sie noch größer werden. Man hat sich quasi für Schulden statt Wachstum entschieden, obwohl man Wachstum trotz Schulden wollte, und verkauft das jetzt als den großen Wurf. 

Abkehr von der Sparpolitik pusht Aktien

Die kurzfristig orientierten Börsen jubeln dennoch. Wenn lauthals die Vorteile der expansiven Geldpolitik in den USA und Japan gerühmt werden, bleibt diese den Märkten als eine der Hauptantriebskräfte für steigende Preise erhalten. Wenn schon die zweite und langfristig wichtigere Hauptantriebskraft, die Gewinndynamik der Unternehmen, deutlich nachgelassen hat. So kann die gerade angelaufene Sommer-Rally an den Aktienmärkten trotz mauer Quartalsbilanzen weitergehen, auch wenn die fundamentale Grundlage dafür doch sehr zu wünschen übrig lässt. Wie übrigens schon seit über zwei Jahren. Geldpolitik kann eine ganze Weile eine Menge Missstände überdecken. Zum Beispiel:

Die lahme Erholung der Wirtschaft in den USA. Oder die Crash-Gefahr in China, wo der Export unter Druck und die Banken in Schieflage geraten, das Wachstum einbricht. Südeuropa steckt tief in der Rezession, die Schuldenberge wachsen weiter. Japan drückt massiv die eigene Währung und riskiert dabei den Schuldenkollaps (Schuldenquote derzeit bei unvorstellbaren 200 Prozent des BIP!).

Neue Runde der Konkursverschleppung

Keine Frage: Irgendwann muss es krachen. Aber nicht ausgerechnet vor einer Bundestagswahl und nach dem neuen Bekenntnis zu mehr Schulden. Die G-20 haben gerade eine neue Runde der Konkursverschleppung eingeläutet. Die von Deutschland geforderten Schuldenbremsen wurden von den USA kassiert, die mehr Wachstum wollen. Die EZB gießt zusätzlich Öl ins Feuer und akzeptiert jetzt auch fragwürdige ABS-Papiere als Sicherheiten der Banken. Im Jahr 2007 waren diese Papiere eine der Ursachen für die immer noch laufende Finanzkrise. Jetzt sollen sie Liquidität schaffen. Wohl bekomm`s.

Damit ist der Zustrom billigen Geldes in die Finanzmärkte bis auf weiteres gesichert. Wir werden noch eine veritable Blasenbildung erleben, bevor der Vorhang endgültig fällt. Das sollten Sie wissen, um nicht den rechtzeitigen Absprung zu verpassen. Einstweilen kann das Spekulieren und Wetten aber weitergehen. Die Schuldenberge wachsen mit, die Abwertung der Währung wird in Kauf genommen. Ein weltweiter Währungskrieg („Abwertungswettlauf“) ist ja bereits in vollem Gange. Auch wenn dieser offiziell gern totgeschwiegen wird.

Ölpreis ebenfalls mit starker Sommer-Rally

Neben den trotz mauer Wirtschaftsdaten steigenden Aktienkursen fallen auch die deutlich anziehenden Ölpreise ins Auge. Hier liegt noch immer deutliches Aufwärtspotenzial in diesem Sommer von ca. 20 Prozent, seit die USA ernsthaft eine militärische Aktion gegen Syrien erwägen. Ein Militärschlag in den kommenden Wochen ist wohl nicht mehr auszuschließen. Die Ursache für die steigenden Ölpreise kann aber auch nur charttechnischer Natur sein, seit hier ein mehrjähriges Konsolidierungsdreieck nach oben aufgelöst wurde. In der gegenwärtigen heißen Phase der Spekulation und des billigen Geldes stürzen sich dann gleich ganze Heerscharen von Hedgefonds auf den Basiswert und machen erst Recht einen Trend aus einem ansonsten nur kleinen Hüpfer. Auch hier wir sind bereits seit Wochen engagiert und werden die entsprechenden Positionen bei einer günstigen Gelegenheit aufstocken.

Henrik Voigt

Sommer-Rally beginnt jetzt

von Henrik Voigt (16.07.2013)

Die Aktienbörsen stehen in den Startlöchern für eine Sommer-Rally. Wie kommt der plötzliche Sinneswandel der Märkte trotz steigender Zinsen zustande?

In den USA werden die steigenden Zinsen einfach als Ausdruck einer wieder anziehenden Konjunktur umgedeutet. Auch wenn dort eigentlich das Wachstum seit 2 Jahren rückläufig ist, macht ja nichts. Manche Daten sind zuletzt positiv gewesen. In Europa funktioniert das leider nicht. Zu klar ist der Rezessionskurs, zu eindeutig die Pleiterisiken in den Peripherieländer. Der Zinsanstieg beruht hier klar auf einer wieder gestiegenen Risikowahrnehmung bei europäischen Staatsanleihen. Griechenland hat bisher keine einzige Sparforderung der Troika erfüllt und erreicht inzwischen eine massivste Überschuldung von 170 % des BIP, Portugals Regierung und Wirtschaft sind so stabil wie Wackelpudding, Frankreich, Italien und der Rettungsschirm EFSF wurden abgestuft usw. Dementsprechend schwer hat es zum Beispiel auch der DAX (violett im Chart), mit den US-Börsen in diesem Jahr mitzuhalten: (Chart: zum öffnen hier klicken)

USA: Neue Allzeithochs beenden Korrektur 

Egal. Wir haben ja unsere Retter von der Notenbank. Was die US-Börsen schneller erkannten als der DAX, da sie bereits wieder auf oder über ihren Allzeithochs notieren. Korrektur beendet. Beim DAX steht hinter einer Sommer-Rally aber noch immer ein kleines Fragezeichen. Zu optimistisch waren die Anleger an den jüngsten Tiefs noch immer, während wir beim S&P 500 bei vielen kurzfristigen Stimmungsindikatoren bereits einen sehr starken Pessimismus gesehen hatten. Beispielhaft soll das der Fear/Greed-Index von CNN verdeutlichen, der Ende Juni fast schon eine ausgewachsene Untergangsstimmung anzeigte: (Chart: zum öffnen hier klicken)

Jetzt hat er schön wieder nach oben gedreht, ist aber noch nicht überhitzt. Eine solche Bereinigung ist typisch für einen kurzfristigen Boden. Und ideal für unsere Sommer-Rally. Auch charttechnisch sehen die US-Indizes nach den neuen Allzeithochs sehr gut aus, die noch dazu von ungewöhnlich vielen Aktien mitgetragen wurden. Auch dies ist ein hervorragendes Signal für eine gesunde Rally. Beim DAX ist die Marktbreite hingegen noch ziemlich miserabel. Er wird es also nicht ganz so leicht haben.

Notenbanken heizen wieder kräftig ein

Inzwischen gibt es auch von der Seite der Notenbanken wieder grünes Licht für Aktien. EZB und Bank of Japan verlängern die Happy Hour der Geldpolitik wenig überraschend auf unbegrenzte Zeit. Doch auch der bisherige Unhold US-Notenbankchef Bernanke am am vergangenen Mittwoch wieder von seinem Drosselungskurs an der Gelddruckmaschine ab. So überraschend eigentlich auch nicht für unsere Leser. Die ganze Ausstiegsdebatte in den USA hielten wir ohnehin nur für ein Manöver. Den Markt schien die Rücknahme des Ausstiegsszenarios aber so zu überraschen, dass es für einen Kurssprung über entscheidende Widerstände reichte.

Kurzfristig wäre nach den starken Gewinnen der Vorwoche eine Verschnaufpause normal. Danach sollte die Sommer-Rally weitergehen – wahrscheinlich bis Anfang September. Kursziele auf der Oberseite finden Sie in dieser Ausgabe. Zwei Dinge würden eine solche Rally allerdings gefährden: starker Verkaufsdruck über mehrere Tage und ein zu schnelles Überschießen der Stimmung in die alte Euphorie vom Jahres-Start. In diesem Fall bekämen wir lediglich eine nervige Fortsetzung der Korrekturphase und müssten uns wieder defensiver positionieren. Bislang deutet allerdings rein gar nichts auf die hässliche Variante.

Wir sind bestens positioniert

Wir haben uns deshalb in den aussichtsreichsten Indizes positioniert. Der spekulative Nasdaq 100 Index dürfte selbst den starken US-Markt in den kommenden Rallywochen abhängen, weil hier eine Bärenfalle für Antrieb sorgt. Der deutsche MDAX arbeitet gerade an einem Ausbruch nach oben. Er ist in den letzten Jahren stets der stärkste deutsche Index gewesen. Und der thailändische SET 50 Index im Langfristdepot ist einer der stärksten Indizes weltweit in den letzten 5 Jahren gewesen. Sobald er an seine gewohnte Stärke anknüpft, werden die Notierungen erneut durch die Decke gehen. Die Aktienbörsen werden unsere Hauptstoßrichtung im Depot, wenn es mit der beginnenden Sommer-Rally so weitergeht.

Als spekulative Beimischung für den Renditekick werden wir weiterhin Devisen und Rohstoffpositionen im Trading-Depot haben. Aus stimmungstechnischer Sicht sind die in den letzten Monaten stark verkauften Währungen australischer Dollar, japanischer Yen und britisches Pfund reif für eine Erholung, während der US-Dollar stark rückschlagsgefährdet ist. Bei den Edelmetallen dürfte es nach dem Ende der laufenden Zwischenerholung zu erneuten Preiseinbrüchen kommen, ebenso wie bei den Soft-Commodities. Öl sehe ich hingegen weiter stark. Derartige Trades laufen bereits oder in Kürze.

Henrik Voigt

 

Zentralbanken am Ende?

von Henrik Voigt (09.07.2013)


Ursprünglich wollte die Europäische Zentralbank die Märkte am vergangenen Donnerstag mit einer erneuten Zinssenkung um 25 Basispunkte beglücken. Dieses Vorhaben scheiterte im EZB-Rat jedoch am Widerstand der Nordländer (u.a. Deutschland und Holland), wie „Der Spiegel“ kürzlich berichtete. Die Zentralbank musste sich deshalb mit Verbalmanövern begnügen. Und so ließ EZBChef Draghi verlauten, dass der Kurs der lockeren Geldpolitik weiter fortgesetzt werde, dass es kein Inflationsproblem gäbe und dass die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum auf dem derzeitigen Niveau oder darunter bleiben werden. Damit auch jeder Anleger merkt, dass am Gelddrucken weiter festgehalten wird.

Geholfen hat es bisher aber nichts. Früher wären solche Äußerungen direkt für den Start einer monatelangen Rally an den Aktien-Börsen gut gewesen. Das kurze Strohfeuer beim DAX erlosch aber schon am Tag nach der EZB-Sitzung. Aber was viel schlimmer ist: die Anleihenzinsen der Pleitekandidaten in Südeuropa setzen ihren Höhenflug fort und erreichen jetzt nicht mehr tragbare Niveaus. Für portugiesische Anleihen sind jetzt schon wieder 8 Prozent Zinsen fällig.

Zinsexplosion bringt Eurokrise zurück

Zudem hagelt es weitere Hiobsbotschaften von der Europäischen Schuldenfront (Portugal weitet Defizit deutlich aus, Griechenland möglicherweise vor Stopp der Hilfskredite nach mangelnden Reformerfolgen, Italien stoppt Begleichung von Rechnungen an inländische Unternehmen etc.). Während aufgrund von Ausfall-Sorgen für die Schulden der Pleitekandidaten Europas immer höhere Zinsen fällig werden, sinkt gleichzeitig der Außenwert des Euro in Erwartung einer weiteren Lockerung der Geldpolitik. 

EZB-Chef Draghi dürfte bald nicht mehr um sein lange angekündigtes, aber sehr umstrittenes und deshalb nie umgesetztes OMT-Anleihenkaufprogramm herumkommen. Was den Euro-Verfall weiter beschleunigen wird. Ob diese Maßnahme dann noch in der Lage sein wird, den Zinsanstieg zu bremsen oder gar umzukehren, steht in den Sternen.

Drastischer Zinsanstieg auch in den USA

Noch Besorgnis erregender ist die Situation aber in den USA, dem größten Schuldner der Welt. Es gab eine dramatische Zinsverdoppelung für deren Staatsanleihen von 1,4 auf zuletzt 2,7 Prozent innerhalb eines Jahres, das meiste davon geschah in den letzten 6 Wochen. Wenn dieser Anstieg weiter ungebremst voranschreitet, kann er zu einem Zusammenbruch der USA unter der Zinslast führen. Die US-Arbeitsmarktdaten – selbst gesetzte Messlatte für eine Drosselung der lockeren USGeldpolitik - werden zum Bumerang. Denn sie werden stetig besser und forcieren damit den Zinsanstieg weiter, der erst im Bereich um 3 Prozent auf Widerstand trifft. Höhere Zinsen sind in der aktuellen Überschuldungsund Stagnations-Situation höchst problematisch auch für die Aktienmärkte.

In Europa wie in den USA und Japan verlieren die Notenbanken weiter die Kontrolle über die Zinsentwicklung. Sie stecken gewaltig in der Zwickmühle. Lassen Sie die Druckerpressen weiterlaufen, um die Zinsen im Zaum zu halten, erschaffen sie neue Blasen, die bald wieder platzen und den letzten Rest Konjunktur abwürgen. Straffen Sie die Geldpolitik, steigen die Zinsen vorzeitig auf ein dem enormen Ausfallrisiko angemessenes Niveau und würgen dadurch die Konjunktur ab. Ich denke, wir werden momentan Zeugen für einen weiteren Schritt in Richtung des Endes des ungedeckten Papiergeldsystems. Auch und gerade weil das weder die aktuelle Goldpreisentwicklung noch die Schwerpunkte in den Massenmedien derzeit nahe legen. Aber das ist ja gerade ein Kennzeichen dramatischer Entwicklungen: die Masse kann oder will erst Notiz davon nehmen, wenn es zu spät ist.

Crash-Zutat a lá 2011: Dramatischer Kontrollverlust der Zentralbanken

Während diese Entwicklung bereits an den Devisen- und Anleihenmärkten eingepreist wird, kann man das von den Aktienbörsen bisher nicht behaupten. Hier kapriziert man sich noch immer auf kurzfristig wichtige Ereignisse wie etwa die heute traditionell mit den Zahlen von Alcoa beginnende, neue Quartalsberichts-Saison. Das Erwachen an den Aktienmärkten kommt meist spät, aber dafür umso drastischer. Wie zuletzt im Sommer 2011, als es nach dem ersten Aufflammen der Eurokrise im Zuge drastisch steigender Anleihenzinsen mit den Kursen beim DAX rapide bergab ging. Die Ursachen liegen mit einem drastischen Zinsanstieg heute genau wie damals! Bereits unter 7500 Punkten würden die meisten Depots ins Minus rutschen. Stopp-Loss-Verkäufe wären die Folge, die wie damals ungeahnte Ausmaße erreichen können, wenn alle gleichzeitig zur schmalen Tür hinauswollen. Für derartige Verkäufe würde noch großer Bedarf bestehen, denn die bisherige Korrektur hat beim DAX noch kaum Verkäufe in großem Stil ausgelöst. Die jüngsten sentix-Stimmungsdaten zeugen nämlich weiter von hohem Optimismus unter den Anlegern. Damit kann sich die Geschichte zwei Jahre nach dem letzten Sommercrash wiederholen. Bereits Mitte/ Ende Juli könnte es losgehen - pünktlich zum nächsten großen Verfallstermin (19.07.).

Wir sind einer der ganz wenigen Börsendienste im deutschsprachigen Raum, der diese Entwicklung antizipieren und mit ersten Anfangspositionen sogar darauf setzen. Mehrere hundert Prozent Gewinn sind möglich, wenn der Stein weiter ins Rollen kommt. Unser Vorteil dabei: eine Absicherung der Positionen ist mit sehr nahe liegenden Stopps möglich.

Henrik Voigt

Sommercrash und Mega-Chance?

von Henrik Voigt (02.07.2013)

 

So langsam scheint es den Märkten zu dämmern, dass das mit dem Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik nicht ganz so heiß gegessen wird, wie es (hoch-)gekocht wurde. Die Wirtschaftsdaten der Eurozone sind schwach, die aus den USA waren zuletzt ebenfalls nicht berauschend und selbst der letzte große Wachstumsträger China kam zuletzt konjunkturell ordentlich unter die Räder. Ein Abschied von der Notenpresse unter diesen Umständen? No way! 

Zinsanstieg hat bereits Schaden angerichtet 

Aber ist da jetzt gleich alles wieder gut und die Kurse steigen direkt wieder? Möglich wäre selbst das, aber nicht sehr wahrscheinlich. Die ganze Exit-Diskussion hat eine Lawine steigender Zinsen rund um den Erdball losgetreten. Und die macht sowohl den Aktien als auch der Konjunktur zu schaffen. Aktien werden bei höheren Zinsen gegenüber Anliehen unattraktiver, Geld fließt aus dem Aktienmarkt heraus in Anleihen. Außerdem wird die Spekulation auf Kredit teurer, Investitionen werden schneller unrentabel, Kreditkosten steigen. Nicht nur für Kredite von Häuslebauern und Unternehmen, sondern auch für die bereits hochverschuldeten Staaten.

Dazu kommt, dass wir seit über einem Jahr stagnierende Unternehmensgewinne und stark steigende Kurse an den Börsen sahen. Das geht auf Dauer nicht gut und muss in einer Korrektur wieder ins Reine gebracht werden. Diese sehen wir jetzt. Korrekturen können in überspekulierten Märkten allerdings auch schnell aus dem Ruder laufen, wie zuletzt im Sommer 2011. Manchmal leicht dazu schon eine falsche Äußerung eines Notenbankers oder Politikers.

Die Europäische Zentralbank reagierte in der vergangenen Woche auf die Entwicklung zunächst nur verbal,indem sie ein neues Anleihenkaufprogramm für Staatsanleihen aller 17 Euro-Staaten ankündigte. Die Märkte wird das allerdings erst dann beruhigen, wenn ein solches Programm wirklich konkret umgesetzt wird. EZBChef Draghi hat seit dem vergangenen Sommer zu viel angekündigt und zu wenig davon umgesetzt. Gott sei Dank, möchte ich sagen. Denn sonst wäre es um die Bilanz der Zentralbank noch schlechter bestellt als es jetzt ohnehin schon ist. Die Märkte aber ticken anders. Sie denken nicht an die langfristigen Folgen, sie wollen Taten sehen und am liebsten Stützungskäufe a là Japan.

Zentralbanken derzeit zu untätig

Die US-Notenbank spielt derweil nur Zaungast und tut vorerst nichts gegen die steigenden Zinsen. Dabei könnte der Zinsanstieg die wacklige Erholung am USImmobilienmarkt erneut in die Knie zwingen. Sie wird also bald handeln müssen. Im Markt kursiert das Gerücht, dass spätestens bei einem Zinssatz von 3 Prozent für zehnjährige US-Staatsanleihen (aktuell bei 2,5 %) eine Rücknahme oder Verschiebung der wohl ab September geplanten Drosselung der US-Anleihenkäufe angezeigt ist. Oder alternativ bei einem 20prozentigen Kurseinbruch am US-Aktienmarkt. Das entspräche einem Kursstand von ca. 1350 Punkten beim S&P 500. Nach unten wäre also noch reichlich Platz für die laufende Korrektur, bevor die Kavallerie erneut zu Hilfe eilen wird. Und solange die Notenbanken nur Zuschauer spielen, wird dieses Abwärtspotenzial wohl auch noch ausgereizt werden. 

Fantastische Einstiege voraus

Das wäre allerdings gut für uns. Denn eine Korrekturfortsetzung bei Aktien und Rohstoffen brächte uns zunächst Raum für weitere kurzfristige Spekulationen wie in den letzten Wochen, wo wir eine regelrechte Gewinnserie verbuchen konnten (siehe Trade-Liste im Anhang). Es kommt aber noch viel besser. Wenn sich die Börsenstimmung dabei weiterhin so schön abkühlt, wie in den letzten Wochen, dann werden wir im Laufe dieses Sommers den größten Pessimismus seit einem Jahr erleben. Und wieder attraktivere Bewertungen. Und damit eine fantastische Einstiegsgelegenheit in Richtung des traditionell starken Jahresendes. Wenn Börsen und Konjunktur einbrechen, dann wird es erneut ein Aufdrehen des Liquiditätshahnes durch die Notenbanken geben müssen. Die Märkte werden dann einfach wieder steigen. Es gilt also, neben den Shortspekulationen des Sommers eine mögliche, große Bodenbildung noch vor dem Herbst im Auge zu behalten. Denn dieser Boden dürfte die womöglich beste Einstiegschance seit über einem Jahr bieten.

Für unser neues Langfristdepot wird dieser Sommer wohl die perfekte Gelegenheit für große gewinnträchtige Investitionen in derivatefreie, sichere Werte mit Blick auf die kommenden Jahre einer noch ausufernden Notenbankblase. Für unser spekulativer ausgerichtetes Trading-Depot hingegen ergibt sich die Chance, wieder auf größere Trends zu setzen und nicht mehr so oft hin und herspringen zu müssen. Wobei das ja auch seinen Reiz hatte in den letzten Wochen. Wir haben zwar kleinere Brötchen gebacken, dafür aber viele in kurzer Zeit. Die letzten Trades waren fast alle Volltreffer(S&P 500 Long +60%, Barrick Gold Short +36 %). Trotz der schwierigen Marktlage haben wir hier die richtigen Ein- und Ausstiege punktgenau getroffen.

Henrik Voigt

 

Alles nur ein großer Bluff…

von Henrik Voigt (25.06.2013)

 

… aber die Märkte glauben trotzdem daran. Seit der letzten US-Notenbanksitzung in der vergangenen Woche ging es kräftig abwärts an den Börsen. Der S&P 500 hat inzwischen 9 % von seinem Jahreshoch verloren, der DAX bereits über 10 %. Das sind bisher ganz normale Korrekturen. Wenn der ungebremste Anstieg der Zinsen für US-Staatsanleihen allerdings mit dieser Geschwindigkeit weitergeht, wo die zehnjährigen inzwischen mit über 2,6 % Rendite notieren, kann schnell ein ungeordneter Crash daraus werden. Spätestens bei einem Zinsniveau von 3 % wird die US-Notenbank wieder eingreifen müssen und dann wird wohl die ganze QE 3-Ausstiegsdiskussion der vergangenen Woche(n) als großer Schwindel entlarvt.

Denn wenn die Zinsen in den USA noch stärker steigen und die Preise von Aktien, Immobilien und Anleihen regelrecht einbrechen, dann haben diese Vermögensverluste zweifellos genau die negativen realwirtschaftlichen Folgen, die die US-Notenbank als Vorwand für weitere Stützungskäufe braucht. Wie bereits in den letzten Ausgaben gesagt: Ich glaube dass die Fed mit ihrem Geschwätz über eine Reduzierung der Anleihenkäufe nur blufft.

Bernanke kann keinen „Exit“

Bernanke weiß, dass wir nur eine künstliche KonjunkturErholung haben, die am Stützungstropf „seiner“ Notenbank hängt. Die ganze Illusion einer Erholung verschwindet, sobald dieser Förderverein seine Arbeit einstellt. Die ganze Diskussion um eine Reduzierung der Anleihenkäufe hat aber einen bestimmten Zweck. Zum einen muss wenigstens der geldpolitische Anschein gewahrt bleiben, damit der Außenwert des US-Dollars nicht zu schnell den Bach runtergeht. Zum anderen will man Blasenbildungen an den Märkten möglichst lange hinauszögern. Dazu sind scharfe Korrekturen wie aktuell ganz nützlich.

Wir werden noch früh genug in diesem Jahr einen Kurswechsel bei der Fed sehen, die dann „ganz plötzlich“ aufgrund der ach so unerwartet eingetrübten wirtschaftlichen Lage wieder über eine Ausweitung der Anleihekäufe reden wird. Und diese dann wenig später in die Tat umsetzen wird. Die Märkte dürften bereits bei den leisesten Anzeichen für ein derartiges Vorgehen recht zügig wieder einen Boden bilden und dann weiter an ihrer bisher nur ansatzweise sichtbaren Blasenbildung weiterarbeiten. Dieser Zeitpunkt rückt nach früheren Erfahrungen allerdings erst dann näher, wenn der S&P 500 wenigsten s 20 % Vom Hoch verloren hat.

Der Sommer bringt ein wichtiges Tief

Die Kurse werden dann wieder steigen und die Illusion vom durch die Notenbank geschaffenen Reichtum, die leider nur auf einer Vermögenspreis-Inflation basiert, wird weiter genährt werden. Die zugrundeliegenden Fundamentaldaten am Aktienmarkt und in der Wirtschaft werden sich dadurch auch weiterhin nicht verbessern, sondern verschlechtern. Aber das kennen Sie ja bereits aus den letzten beiden Jahren. Die Fachwelt nennt diesen Vorgang „crack up-Boom“ oder Katstrophenhausse. An dessen Ende steht ein finaler Zusammenbruch eines nicht mehr lebensfähigen Systems. Aber das muss Ihnen keine Angst machen. Zum einen können Sie es ohnehin nicht abwenden (sich darauf vorbereiten allerdings schon). Zum anderen scheinen Auswege aus dieser Situation in den USA bereits durchgespielt zu werden. Weiter geht es also immer.

Die naheliegende Frage ist aber: Wie machen Sie das Beste daraus? Auf dem Bankkonto ist Ihr Geld EU-weit nicht mehr sicher, unter dem Kopfkissen frisst es die Inflation. Anleihen verbieten sich wegen des Insolvenzrisikos der Schuldner, Immobilien sind in der Rege zu illiquide und zu leicht mit Strafsteuern zu belegen. Gold verliert derzeit drastisch an Wert (warum es dennoch eine gute Versicherung sein kann, das zeige ich Ihnen in einer Sonderausgabe in Kürze).

Unsere Sommer-Strategie

Bleiben eigentlich nur noch Aktien. Die Idee ist nicht neu, aber faktisch jeder Anleger kommt irgendwann darauf. Warum also nicht den laufenden Sommer mit seinen Korrekturen für einen günstigeren Einstieg in den Aktienmarkt nutzen, sobald wir wieder echten Pessimismus sehen? Mir hat in den letzten Monaten die Mischung aus ambitionierter Bewertung und euphorischer Stimmung an den Aktienbörsen überhaupt nicht gefallen. So bin ich größtenteils draußen geblieben oder habe mich auf Kurzzeit-Trades verlegt. Jetzt kühlt sich diese Euphorie ab, die Bewertungen sinken. Noch ein gutes Stück abwärts und es locken wieder risikoarme Käufe. Der DAX ist den Fundamentalisten zufolge etwa 8000 Punkte wert. Das lohnt jetzt noch nicht wirklich. Aber wir dürften für den Antizykliker interessante Niveaus im Laufe dieses Sommers noch erreichen. Sie müssen dann nur noch den Mut haben, auch zu kaufen. Erst Recht mit der Erwartung, dass die Notenbanken ohnehin wieder den Geldhahn aufdrehen werden.

Die Frage ist natürlich dann: Wo investieren? Und hier komme ich mit meinem Langfrist-Depot ins Spiel. Ich habe mich bisher bewusst mit Investments zurückgehalten, weil ich erwarte, dass Sie Vieles in den kommenden Wochen noch deutlich billiger bekommen können. Aber die grundsätzliche Depotstruktur steht bei mir seit Monaten fest. Halten Sie sich jederzeit für die entsprechenden Empfehlungen bereit. Daneben werden wir beim Trading natürlich auch wieder aktiver sein können, wenn die hohe Volatilität wieder etwas zurückgeht und wir wieder berechenbarere Trends sehen. 

Der Sommer wird noch heiß. Er wird viele Anleger auf dem falschen Fuß erwischen, die zu spät auf die falschen Pferde gesetzt haben. Sie wissen aber, was auf Sie zukommt. Sie sehen die Chance, die sich vor Ihnen auftun und brauchen nur noch auf meine Signale zu warten.

 

Henrik Voigt

Eine Sensation bahnt sich an

von Henrik Voigt (18.06.2013)

 

Die Aktienbörsen werden derzeit von zwei gegenläufigen Kräften beeinflusst: Das in den meisten Industrienationen sehr schwache Wachstum zieht die Vermögenspreise nach unten. Die künstlich hohe Liquidität bzw. die niedrigen Zinsen der Notenbanken ziehen die Preise nach oben. Letztere Kraft hatte in den letzten 12 Monaten die Oberhand, so dass sich die Bewertungen bereits sehr weit von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten entfernt haben. Auf lange Sicht wird die große Kluft zwischen den Finanzmärkten und der Realwirtschaft nicht bestehen bleiben können. Entweder wird sich das Wirtschaftswachstum beschleunigen und damit die hohen Bewertungen rechtfertigen. Oder es kommt irgendwann zu einer größeren Preis-Korrektur.

Der Beginn dieses „irgendwann“ war vermutlich der Mai 2013, denn die Aktienbörsen befinden sich seitdem in einer Korrektur, die bisher sehr moderat verläuft. Aber diese Korrektur kann im Laufe der nächsten Wochen durchaus noch sehr viel tiefer laufen als sich das so mancher Anleger derzeit vorstellen kann. Die Überspekulation der letzten Monate muss ja irgendwann abgebaut werden. Derartiges geschieht häufig in zähen Sommer-Korrekturen, wenn ein Großteil der Anlegerschaft im Urlaub weilt. Die Aussicht auf eine mögliche Drosselung der Liquiditätszufuhr durch die Notenbanken ist diesmal der Anlass dafür.

Anleihenblase droht zu platzen

Ich gehe aber weiter davon aus, dass es weder einen kräftigen Konjunkturaufschwung noch ein drastisches oder gar dauerhaftes Ende der lockeren Geldpolitik geben wird. Beides können sich die Notenbanken nicht

leisten. Der Grund dafür ist ganz einfach: Sie haben mit den jahrelang zu niedrigen Zinsen die größte Anleihenblase aller Zeiten geschaffen. Die Aussicht auf einen neuen Wirtschafts-Boom würde die Inflationserwartungen und damit die Markt-Zinsen in die Höhe schnellen lassen. Das gleiche geschähe bei einem Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik, da die Zinsen nur durch die Anleihenkäufe der Notenbanken künstlich niedrig gehalten werden. Die Folge: Der in den letzten Jahren weiter gestiegene gigantische Schuldenberg würde bereits bei leicht höheren Zinsen implodieren, da einerseits die Zinskosten durch die Decke gehen, andererseits sofort wieder Bonitätszweifel aufkommen.

Dass das kein Schauermärchen, sondern eine realistische Möglichkeit in den kommenden Jahren ist, hat erst kürzlich ein führendes Mitglied der englischen Notenbank klar gemacht. Andy Haldane, Chef für Finanzstabilität bei der Bank of England, sagte kürzlich in einem Artikel im „Guardian“, die Zentralbanken hätten bewusst eine Anleihe-Blase geschaffen, indem sie elektronisches Geld zur Stimulierung in die Wirtschaft gepumpt hätten. Das Platzen dieser Blase sei derzeit ein akutes Risiko, wenn es zu einer „ungeordneten Umkehr bei den Renditen für Staatsanleihen“ (also zu einem Zinsanstieg) käme.

Dieser deutet sich bereits an. Beispielsweise in den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt. Die Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen stiegen allein seit Anfang Mai von 1,6 auf 2,2 % und damit mehr als in den gesamten letzten 12 Monaten. Es fehlt nicht mehr viel und der Zinstrend kehrt sich um – in eine Zinsrally. Verheerend für ein stark verschuldetes Land wie die USA, die mit höheren Zinsen näher an den Staatsbankrott rücken würden. In Japan und anderen hochverschuldeten Ländern beobachten wir ähnliche Tendenzen. Die Notenbanken werden sich eine Diskussion um ein Zurückfahren der lockeren Geldpolitik also nicht mehr lange leisten können. Einen kräftigen Aufschwung allerdings auch nicht. Dieser ist aber ohnehin kaum zu erwarten. Wir dürften also im Laufe des Sommers bald wieder ein Bekenntnis zur lockeren Geldpolitik und dauerhaft niedrigen Zinsen sehen. Lange können damit weitere Preisblasen beispielsweise bei Aktien und Immobilien nicht verhindert werden. Irgendwann ist diese Politik endgültig am Ende. Aber was dann?

USA doch mit Exit-Plan?

Möglicherweise wird in aller Stille bereits an einem ExitPlan in den USA gearbeitet. Eine Gesetzesinitiative unter der Führung des republikanischen Kongressabgeordneten Kevin Brady (die H.R. 1176: Centennial Monetary Commission Act of 2013) vom 14. März 2013 verfolgt das Ziel „die Geldpolitik der Vereinigten Staaten zu untersuchen, alternative Geldsysteme zu bewerten und eine Empfehlung über den künftigen Kurs der Geldpolitik abzugeben”. Es ist sogar die Rede von der möglicherweise größten Reform des US-Notenbanksystems seit dessen Einführung im Jahr 1913. Das kann auch eine Rückkehr zum Goldstandard bedeuten.

Es wäre tatsächlich eine Sensation, wenn die USA urplötzlich wieder mit einer gedeckten und damit werthaltigen Währung antreten würden, während Europa noch unter der erfolglosen klassischen Geldpolitik des Italieners Draghi und seiner Schuldenlast zusammenbricht. Was an diesen Überlegungen tatsächlich dran ist, wird sich bis zum 30. Juni 2014 zeigen. Dann will man dem US-Kongress einen Bericht mit den Ergebnissen der Untersuchung und den entsprechenden Empfehlungen vorlegen.

Insbesondere kurzfristig dürften die Märkte aber zusätzlich noch von anderen Faktoren gesteuert werden. Einer davon ist die jüngste Eskalation in Syrien, wo die USA nach den jüngsten Giftgasvorwürfen gegen die syrische Regierung womöglich kurz vor einem direkten militärischen Eingreifen stehen. Diese Nachricht war bereits der Auslöser für das plötzliche Anspringen der Ölpreise in der vergangenen Woche. Weiter deutlich steigende Ölpreise würden die Sorgen bezüglich schwachen Wachstums und steigenden Zinsen noch verstärken und damit weiter dämpfend auf die Aktienkurse wirken.

Henrik Voigt

Korrektur schon gelaufen?

von Henrik Voigt (11.06.2013)

 

Das wichtigste Ereignis in diesem Monat (oder vielleicht im gesamten Sommer) dürfte die nächste US-Notenbanksitzung am 19. Juni sein. Der Markt hat die Furcht vor einem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik im Vorfeld dieses Termins bekanntlich als Anlass für die jüngste Korrektur genommen. Vorsorglich sind die Börsen im Vorfeld gefallen, nachdem sich immer mehr Notenbankmitglieder in jüngster Zeit in Richtung eines Ausstiegs aus dieser Politik geäußert hatten. Die Finanzmedien haben das Thema zusätzlich künstlich aufgebauscht. Droht also in der nächsten Woche ein Börsen-Crash, wenn die Fed Ernst macht? 

Den letzten derartigen Crash hatten wir bekanntlich im Sommer 2011, als die US-Notenbank aus ihrem damaligen Anleihenkaufprogramm QE 2 ausgestiegen war. Sie hat daraus gelernt und wird den gleichen Fehler nicht wiederholen. Erst vor wenigen Tagen beruhigte FedMitglied Charles Plosser die Börsen mit seiner Aussage, dass etwaige Sorgen um ein baldiges Ende der umfangreichen Anleihenkäufe der US-Notenbank (Fed) übertrieben seien. "Die Märkte scheinen das sehr ernst zu nehmen, und ich denke, das ist wahrscheinlich ein Fehler" so Plosser am vergangenen Donnerstag.

Unsicherheit und Korrektur wird noch länger anhalten 

Die US-Konjunkturdaten waren in letzter Zeit auch nicht so berauschend, dass eine Straffung der Geldpolitik zum jetzigen Zeitpunkt bereits verantwortbar wäre. Man wird einen konjunkturellen Unfall durch einen zu frühen Ausstieg unbedingt vermeiden wollen. Andererseits will man aber auch die Börsen nicht unnötig anheizen, weil damit die nächste Blase vorprogrammiert wäre. Die „verbale Abkühlung“ der letzten Wochen in Richtung „Überlegungen über einen baldigen Ausstieg“ wird uns also erhalten bleiben, ohne dass jedoch ein schneller Ausstieg droht. 

Allenfalls eine Drosselung der Anleihenkäufe gegen Ende des Jahres ist wahrscheinlich. In Fachkreisen wird eine Reduktion um 25 Mrd. Dollar monatlich beginnend ab September oder Dezember diskutiert. Die Unsicherheit über Zeitpunkt und Ausmaß der Drosselung wird die Börsen also den ganzen Sommer lang begleiten und die Spekulation etwas dämpfen, wenn es die Notenbank geschickt anstellt. Spätestens, wenn die Eckdaten der Drosselung bekannt sind, wird jedoch die nächste Rally starten. Erst Recht, wenn es sich lediglich um eine marginale Drosselung der Liquiditätszufuhr handelt (wir reden ja nicht über einen Liquiditätsentzug!).

Kein Exit-Plan, also spätere Blasenbildung

Denn einen wirklichen Ausstiegsplan hat die USNotenbank gar nicht, denn die US-Märkte hängen am Tropf der Geldpolitik wie kein anderer Markt. Ohne einen geordneten Exit aber wird es in wenigen Jahren eine neue Spekulationsblase und eine neue Finanzkrise geben. Ich bin gespannt, wie die Fed dieses Dilemma lösen will. Auf Jahressicht bedeutet es für Sie als Anleger: Nach der laufenden Korrektur dürfte es zunächst weiter aufwärts gehen mit den Kursen. Zumindest solange, bis wir eine vollständige Blasenbildung sehen, die die nächste ernste Krise einläuten wird. Es empfiehlt sich also, mit der eigenen Anlagestrategie äußerst flexibel zu bleiben und stärker auf die Shortseite zu wechseln, wenn sich typische Anzeichen einer Blasenbildung mehren.

Auf kurze Sicht geht es für uns erst einmal um die Frage, ob die Ende Mai gestartete Korrektur schon wieder vorüber ist. Diese Frage ist aktuell noch schwer zu beantworten. Positiv ist, dass viele meiner Indikatoren so weit abgekühlt sind wie gegen Ende der letzten Korrekturen im Frühjahr und Herbst 2012. Negativ ist, dass die jüngste Korrektur weder zeitlich noch preislich wirklich als Korrektur zu bezeichnen ist. Und auch die eher mittelund langfristig ausgerichteten Stimmungsindikatoren sind noch immer viel zu optimistisch.

Kurzfristig weitere Abkühlung möglich

So berichtet der Hulbert Financial Digest, dass die USBörsenbriefe jetzt zwar “nur” noch zu 51 % in Aktien investiert sind – immerhin ein 6-Wochen-Tief. Allerdings sind wir damit immer noch im euphorischen Extrembereich und weit von einem für antizyklische Einstiege günstigen Pessimismus mit Werten im negativen Bereich entfernt. Die Korrektur könnte in diesem Sommer also länger laufen als das viele Analysten derzeit für möglich halten. Aber es werden sich im Hinblick auf die 2. Jahreshälfte dann auch sehr gute Einstiegschancen bieten – sowohl für unser Trading- als auch für unser neues Langfrist-Depot. Die kommenden Wochen werden also eher etwas für kurzfristig orientierte Trader an den Aktienbörsen. Wenn Sie also schnell reagieren können, sind immer wieder ein paar Hundert Euro mit KurzfristTrades schnell verdient (wie bei unserem S&P 500-Papier, welches heute glattgestellt wurde). Einzig im Devisenbereich werden wir mittelfristige Bewegungen sehen, die sich mit ruhiger Hand sehr profitabel handeln lassen. Die Gewinne sind hier größer, erfordern aber auch mehr Geduld. Der Euro-Trade – aktuell 138 % im Plus - ist hier nur der Anfang. Weitere Währungen werden insbesondere gegen den US-Dollar aufwerten. Mehr dazu in Kürze, wenn sich sichere Einstiegsmöglichkeiten bieten.

 

Henrik Voigt

Aktien-Korrektur läuft

von Henrik Voigt (05.06.2013)

 

Da ich hochwasserbedingt noch immer zwischen Wasserpumpe, Bautrockner und Computer hin- und herwechseln muss und mir zusätzlich noch eine Erkältung eingefangen habe, heute nur in aller Kürze:

An den Aktienbörsen ist eine wahrscheinlich mehrmonatige Korrektur angelaufen. Nach dem Commitment of Traders Report (USA) wetten die Commercials, also das „Smart Money“, derzeit mit einer rekordhohen Shortposition auf fallende Kurse am US-Markt. Sie haben in der Regel Recht. Wie zuletzt im Herbst 2012. Der laufenden Korrektur ging an den US-Börsen zusätzlich eine dramatisch abnehmende Marktbreite während der letzten Hochs Ende Mai voraus. Ein weiteres Indiz für eine größere Korrektur von 1 bis 3 Monaten Dauer. Darüber hinaus liefen US-Dollar und US-Aktienmarkt gleichzeitig nach oben und fallen inzwischen gemeinsam. Ein seltener Einklang, aber für beide ebenfalls kurzfristig negativ.

Auch bei einigen Währungen sehen wir Extreme: Während die Kleinanleger extrem stark im US-Dollar „long“ positioniert sind, sind sie beim Britischen Pfund und beim Australischen Dollar extrem stark „short“ positioniert. Das geht in der Regel schief. Wir haben bei EUR/USD schon die Gegenseite eingenommen und werden das bei den anderen genannten Währungen in Kürze auch tun. Zusätzlich wird das Langfristdepot in die laufende Korrektur hinein schrittweise bestückt. Je günstiger, desto besser.

Henrik Voigt

Lassen Sie sich jetzt keinen Bullen aufbinden

von Henrik Voigt (28.05.2013)

 

Die Börsen sind kurzfristig überspekuliert und korrekturanfällig. Das belegen verschiedene Daten, die teils historisch einmalige Stände erreicht haben. Beispiele:

In den USA werden bei längeren Rallys an den Börsen gerne die spekulativeren Indizes Russell 20000 oder Nasdaq 100 gekauft.Derzeit erreichen die Wetten auf weitersteigende Kurse in diesen Indizesjahrelang nicht gesehene Rekordmarken.Die „Long-Quote“ (Verhältnis bullische zu bärischen Wetten) erreicht hier das Niveau von 14:1! Vergleichen Sie ruhig einmal diese Indikatoren mit vorangegangenen Topps beim S&P 500. Zu viel Optimismus tut der Börse selten gut.

Skepsis? Wo?

Nun handelt essich dabei aber keineswegs um eine Ausnahmeerscheinung bei einem bestimmten US-Index. Auch in den bei US-Tradern beliebten Rydex Funds sehen wir ein ähnliches Optimismus-Extrem. Hier beträgt die „Long-Quote“ 5:1. Ähnlich hohe Niveaus sind in der Geschichte sehr selten. Sie wurden nur am 02.04.2012 und am 17.09.2002 erreicht – also direkt vormehrmonatigen Korrekturen.

DAX ersäuft momentan in Zuversicht

Die Euphorie ist aber keineswegs auf denUS-Markt beschränkt. Auch die deutschen Privatanlegerstrotzen mittlerweile vor Optimismus. So legte der Comdirect-Brokerage-Index für die Anlageklasse Aktien zuletzt besonders deutlich von 111,9 Punkten im Vormonat auf 126,0 Zähler im April zu und damit auf den höchsten Stand seit Mai 2012. Ebenfalls ein Niveau, was seinerzeit zu einer mehrmonatigen Korrektur führte (oberhalb von 100 Punkten signalisiert der Index eine Zunahme der Kaufbereitschaft).

Für den antizyklisch agierenden Anleger dürfte das seit vier Monaten wieder wachsende Interesse der Privatanleger an Aktien ein ernstes Warnsignal sein. Denn wenn stark steigende Aktienkurse vor allem eher schlecht informierten Privatanlegern geschuldet sind, sehen wir häufig zeitnah größere Rückschläge am Markt.

So ist es auch kein Wunder, dass bei demAusmaß der Überspekulation bereits eher unbedeutende Nachrichten wie in der vergangenen Woche (Stichwort Bernanke und China) ausreichen, um manche Märkte direkt in eine crashartige Korrektur zu schicken. Wie beim japanischen Nikkei-Index geschehen, der an einemTag in der Spitze glatt 2000 Punkte bzw. 13 Prozent verlor und in den letzten Tagen noch weiter abbröckelte. Für die kommenden 1 bis 3 Monate erwarte ich deshalb eine ausgeprägte Korrektur, auch wenn kurzfristig durchaus noch einmal letzte neue Jahreshochs nicht auszuschließen sind.

Nach Korrektur bessere Einstiege möglich

Abgesehen von dieser Korrektur sind steigende Kurse im weiteren Jahresverlauf aber dennoch wahrscheinlicher als fallende (von bestimmten Einzelaktien einmal abgesehen). Zum einen kühlt die Anlegerstimmung in Korrekturen erstaunlich schnell wieder ab. Zum anderen sind die Notenbanken mit ihrer Flutung der Märkte mit neuer Liquidität noch lange nicht am Ende. Sie werden vermutlich erst dann mit ihrer lockeren Geldpolitik aufhören, wenn sich die nächste große Spekulationsblase gebildet hat. Bis dahin lässt man es bei verbalen Abkühlungen und „Nachdenken“ über einen Ausstieg bewenden, wie letzte Woche von US-Notenbankchef Bernanke gesehen.

In dieser Situation werde ich das geplante, neue Langfristanlage-Depot noch nicht bestücken. Ich möchte dafür die anstehende Sommer-Korrektur nutzen, wo Sie in die meisten der neuen Positionen ca. 5 bis 15 Prozent billiger einsteigen werden als heute. Bei einem konservativen Langfristdepot ist das bereits eine halbe Jahresperformance, die Sie mit etwas Geduld zusätzlich herausholen können.

Kurzfristig noch Geduld gefragt

Unterdessen werden wir die Korrekturphase für kurzfristige Trades vermehrt wieder im Index- und Devisenbereich nutzen. Speziell beim Handeln von Korrekturen (also gegen den herrschenden Trend) ist es jedoch wichtig, dasssich ähnlich wie im April ein halbwegs verlässlicher Korrekturtrend gebildet hat (den wir ja seinerzeit auch erfolgreich mit dem DAX gehandelt hatten). Aktuell ist es noch nicht so weit. Auch hierist also zunächst Geduld angesagt.

Europa wird abgehängt

von Henrik Voigt (21.05.2013)

 

Die Wachstumsaussichten für Deutschland befinden sich nun schon seit zwei Jahren beständig auf dem Rückzug (siehe Grafik am Ende).

Inzwischen kämpft unsere Wirtschaft mit einer Rezession, die Gewinne der DAX-Unternehmen sind rückläufig. Wen das nicht kümmert, ist die Börse... die ja angeblich der Entwicklung vorausläuft. Die Kurse steigen trotzdem munter von einem Hoch zum nächsten. Die meisten Experten sind ratlos, empfehlen aber unbekümmert dennoch den Einstieg. Als ob die gute Laune der Börse nicht ebenso schnell wieder verschwinden könnte. Wie bereits an den markanten Hochpunkten in den Jahren 2000 und 2007. Keiner wusste damals wirklich, was gespielt wird. Aber jeder wollte fröhlich mitmischen. Und verpasste dabei den letzten guten Ausstieg.

Beim DAX ist wieder Märchenstunde

Damals hörten wir ganz ähnliche Kommentare wie heute. Aktien wären ungewöhnlich günstig (wie das wohl geht nach einer Kursverdoppelung), der Einstieg sei ideal, das Zinsumfeld günstig, der DAX „muss“ auf 28.000 Punkte steigen, ein massiver Aufschwung stehe unmittelbar bevor. Man könnte heute zeitweise meinen, die alten Kommentare von damals wurden lediglich wieder aus den Schubladen geholt. 

Die Fakten jenseits der Traumtänzer an den Börsen sehen leider ernüchternder aus: Aus der relativ überschaubaren Immobilienblase des Jahres 2007 ist eine weltweite Schuldenkrise geworden, die Staaten und Banken faktisch insolvent hat werden lassen. So dass diese jetzt zur „Sanierung“ auf die Vermögen der Unternehmen und Sparer direkt zugreifen, wie zuletzt im Falle Zyperns geschehen. Ein nennenswerter Schuldenabbau bei den Staatsfinanzen hat trotz gegenteiliger Beteuerungen nicht stattgefunden. Im Gegenteil: die gerade erst mit dem Fiskalpakt in Europa eingeführten Schuldenbremsen werden bereits wieder über Bord geworfen.

Daneben hat die viel zu lasche Geldpolitik der EZB dazu geführt, dass die Privatschulden in den EU-Südstaaten derart angewachsen sind, dass die dortigen Banken vor dem Zusammenbruch stehen. Die EU versucht zwar noch schnell, über eine Bankenunion eine Gemeinschaftshaftung aller Sparer in Europa zu zimmern. Aber diese Maßnahme wird wohl zu spät kommen. Die Lage in Italien beispielsweise kippt bereits. 

Als wäre das nicht schon schlimm genug, breitet sich die Rezession in Europa weiter aus, was sinkende Steuereinnahmen und damit einen sinkenden Spielraum für Rettungsmaßnahmen zur Folge hat. An den Börsen wird trotzdem gezockt, was das Zeug hält. Die Kreditspekulation hat inzwischen das Niveau des Jahres 2000 (Spekulationsblase) deutlich überschritten.

West-Börsen: Paradies für Zocker

Dabei sind die Börsen nie so anfällig für heftige Rückschläge gewesen wie heute: Der Anteil der Algo-Trades, also des rein von Maschinen erdachten und ausgeführten Handels, ist unvorstellbar groß geworden. In Europa läuft seriösen Schätzungen zufolge mittlerweile die Hälfte aller Transaktionen, in den USA sogar bereits 70 % aller Orders voll automatisiert ab. Viele davon im Hochfrequenzbereich mit extrem kurzen Haltedauern. 

Niemand weiß, wohin das noch führen wird. Wir haben bereits seit Längerem eine absolut gegenläufige Entwicklung zwischen Konjunktur und Börsenkursen – im allgemeinen Indiz für eine beginnende Blasenbildung. Die „Unfälle“ durch Maschinen an den Börsen nehmen zu. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Blitz-Crash im Mai 2010? Oder an den Kus-Sturz am 1. August 2012? In beiden Fällen waren die Maschinen mit ihren automatisierten Aufträgen Schuld. Und das waren keine Einzelfälle. Laut der amerikanischen Börsenaufsicht gab es allein an den US-Börsen seit Juli 2010 über 100 (!) unbegründete Kursstürze. Auslöser war jedes Mal der automatische Hochfrequenzhandel. Auch die deutschen Börsen sind davon betroffen. Die Schäden für den Anleger immens. Wenn Sie sich an den Börsen aber nicht mehr an objektiven Maßstäben wie Konjunkturanalyse oder technische Analyse orientieren können, dann wird Börse zum reinen Lotteriespiel.

Als direkte Konsequenz aus diesen Überlegungen werden wir uns in diesem Börsendienst aus kurzfristigen Transaktionen in Zockermärkten zurückziehen. Dazu zähle ich inzwischen Europa und die USA. Ich werde ab der nächsten Ausgabe zunächst zusätzlich zum Tradingdepot ein Langfrist-Depot auflegen, welches ausschließlich in denjenigen Regionen investiert sein wird, welche ein großes und nachhaltiges Wachstum, eine moderate Bewertung sowie eine vernünftige Geldpolitik aufweisen. In den geplanten Zielgebieten sind automatische Handelssysteme bisher kaum oder gar nicht vertreten (die Zocker kennen diese Märkte noch nicht oder diese sind zu klein dafür).

Neues Langfrist-Depot in Vorbereitung

Der Anlagehorizont wird mittel- bis langfristig sein, Transaktionen werden so selten wie möglich, aber so häufig wie nötig stattfinden. Das Depot wird schrittweise im Laufe des Frühjahrs und Sommers aufgebaut werden, vorzugsweise in Korrekturen der entsprechenden Börsen. Und ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich sage, dass ein ganz großer Investitions-Schwerpunkt in Asien liegen wird. Wenn die derzeit laufende Entwicklung genauso weitergehen sollte wie jetzt, dann werden uns viele asiatische Länder in den kommenden Jahrzehnten im Lebensstandard deutlich abhängen. Die dortigen Börsen werden einen gigantischen Bullenmarkt erleben ähnlich wie in den USA der 80er und 90er Jahre. Da möchte ich gern über den ganzen Zeitraum mit dabei sein. Sie auch? Ab der nächsten Ausgabe geht es los…

Henrik Voigt

Geht die Hausse weiter?

von Henrik Voigt (14.05.2013)

 

Auch wenn ich im Gegensatz zur Masse der Analysten nach den neuen Allzeithochs bei DAX und Dow nicht davon ausgehe, dass wir es hier mit einem langfristigen Bullenmarkt oder gar mit einer neuen Ära der Aktien zu tun haben, so rechne ich aufgrund der charttechnischen Konstellation nicht mit einem baldigen Trendwechsel nach unten. Eine erneute Korrektur dürften die Börsen bis zum Sommer allerdings sehen. Die gerade erreichten, neuen Allzeithochs locken zunächst weitere Käufer an. Auch solche, die erst durch die BILD-Zeitung zur Börse gekommen sind und sich üblicherweise nicht mit der Thematik befassen. 

Zudem gießen die Zentralbanken mit ihrer fortgesetzt lockeren Geldpolitik weiter Öl ins Feuer. Sparbuchzinsen sind in Zeiten solcher finanzieller Repressionen schon lange unattraktiv, Anleihen verbieten sich schon wegen der gebotenen lächerlichen Minizinsen, bei Rohstoffen ist seit fast zwei Jahren nichts mehr zu holen – bleiben nur noch Aktien. Immerhin liegt die Dividendenrendite bei über der Hälfte der Unternehmen im S&P 500 noch oberhalb von 1,7 %, was der aktuellen Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen entspricht. Doch bei diesem Zinsniveau spielen Sie gerade einmal die Inflationsrate ein. 

Einstieg? Später, nicht jetzt!

Ob Aktien also tatsächlich als Investment in diesen Zeiten taugen, hängt demnach maßgeblich davon ab, ob die Kurse weiter steigen. Die Luft ist zumindest am US-Markt dünn geworden. Ein Shiller-KGV bei derzeit 25 zeigt ziemlich genau jenes Niveau an, auf welchem in der Vergangenheit bisher jeder Bullenmarkt endete. Nur die Internetblase des Jahres 2000 erlaubte noch höhere Bewertungen bei immerhin 40. Mag sein, dass die extrem laxe Geldpolitik der Notenbanken diesmal wieder eine ähnlich große Blase erzeugt. Dennoch wäre mir ein Einstieg auf dem gegenwärtigen Kursniveau zu riskant.

Der DAX steht bewertungsmäßig deutlich besser da. Das Durchschnitts-KGV (KGV = Kurs-Gewinn-Verhältnis) liegt derzeit bei 12, der langjährige Durchschnitt aber bei 18,5. Es gibt viele Analysten, die daraus ein 50 prozentiges Aufwärtspotenzial für die Kurse ableiten, was natürlich grober Unsinn ist. Zum einen sinken die Gewinnerwartungen für die deutsche Wirtschaft derzeit deutlich und wir können froh sein, wenn wir nicht wie RestEuropa in die Rezession abrutschen. Sinkende Gewinne aber machen Aktien selbst bei stagnierenden Kursen teurer (das KGV steigt). Und zum anderen hatten wir am Topp im Jahr 2007 auch ein „unterdurchschnittliches“ KGV von 14. Was den DAX aber überhaupt nicht daran hinderte, von 8100 auf 3600 Punkte zu fallen. Allein vom Bewertungsniveau „KGV“ auf ein mögliches Aufwärtspotenzial zu schließen, ist wohl reines Wunschdenken.

DAX erst bei 5800 Punkten „abgesichert“

Eine bessere Methode, die nicht durch zu optimistische Gewinnschätzungen verzerrt wird, ist die Orientierung am Buchwert der DAX-Unternehmen, also an der echten Substanz. Im Jahr 2000, als der DAX erstmals mit der 8000er Marke flirtete, lag dieser Buchwert bei lediglich 2800 Punkten. Da war also sehr viel heiße Luft in den Kursen enthalten. Nur wenig besser sah es im Jahr 2007 aus: 4500 Punkte betrug damals der reine Buchwert des Indexes. Heute, wo wir zum dritten Mal den 8000er Bereich sehen, sind es dagegen 5800 Punkte. Das heißt: Sollte der Index stark einbrechen, dann beginnt ab diesem Niveau eine starke Unterbewertung, was den weiteren Kursverfall bremsen sollte. Der DAX wäre unter 5800 Punkten also ein echtes Schnäppchen.

Derzeit notiert er jedoch um die 8300 Punkte. Kein Schnäppchen, auch wenn Sie in vielen Postillen immer wieder das Gegenteil lesen. Einen unmittelbar bevorstehenden Trendwechsel nach unten sehe ich aber trotzdem in keinem Chart – im Gegenteil: Mit den neuen Allzeithochs bei S&P 500 und beim DAX und den absolut intakten langfristigen Aufwärtstrends kann es sogar noch 10 oder 20 Prozent weiter aufwärts gehen. Ein DAX bei 10.000 Punkten ist also durchaus möglich, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich. Und dennoch wäre der Bärenmarkt seit dem Jahr 2000 damit noch nicht zwangsläufig vorüber, eine anschließende Kurshalbierung auf 5000 Punkte oder noch deutlich tiefer noch immer wahrscheinlich (lesen Sie dazu auch meine ausführliche Analyse in Ausgabe 18 im Archiv nach).

Lassen Sie sich also nicht einlullen: Für eine echte, jahrzehntelange Hause fehlen Wachstum, Anlegerskepsis und echte Unterbewertung. Auch ein langfristiger Bärenmarkt lässt temporär neue Allzeithochs zu, auf die später allerdings kräftige Kurseinbrüche folgen.

Ich gehe davon aus, dass die Rechnung für die zuletzt nicht mehr fundamental unterstützte Aufwärtsbewegung seit dem März 2009 dem Langfrist-Anleger im kommenden Jahr präsentiert wird. Allerdings von deutlich höheren Notierungen aus als heute. Denn für die nächsten Monate erwarte ich lediglich moderate Korrekturen. Neben der wieder aggressiveren Haltung der westlichen Notenbanken sind mehrere Faktoren dafür verantwortlich:

1. Die Allzeithochs am US-Markt (Welt-Leitbörse) verfestigen sich und dürften zunächst weitere Käufer anziehen, Verkaufsdruck fehlt.

2. Die Yen-Abwertung stellt zusätzlich billige Liquidität zur Verfügung. Sie treibt die Aktienkurse weltweit und wird noch längere Zeit anhalten. 

3. Schlechte Wirtschaftsdaten werden derzeit vom Markt „gekonnt“ ignoriert, allein die Aussicht auf weiterhin billiges Geld zählt. Der klassische Mechanismus einer spekulativen Übertreibung.

4. China dürfte in diesem Jahr nach zwei Jahren eher verhaltener Entwicklung ein Comeback feiern, was auch die westlichen Börsen stützen dürfte.

Kurzfristig dürfte die saisonal schwächste Zeit für Aktien von Mai bis September für Korrekturen sorgen. Anschließend rechne ich nochmals mit deutlich höheren Kursen vor allem in der 2. Jahreshälfte, im kommenden Jahr mit einem ernsten Einbruch. Die Kursschwäche der kommenden Wochen sollte also im Hinblick auf das wohl stärkere 2. Halbjahr zu Käufen genutzt werden. Allerdings nicht in den überbewerteten US-Märkten oder im wachstumsfreien Europa. Nein, wir legen unseren Anlageschwerpunkt weiter auf bestimmte Schwellenländer, die mit hohem Wachstum, niedriger Verschuldung und moderater Bewertung glänzen. Käufe erfolgen nur in größere Rücksetzer hinein.

Hernik Voigt

 

Im Westen nichts Neues

von Henrik Voigt (10.05.2013)

 

In der letzten Ausgabe hatte ich mich mit der Langfristperspektive der westlichen Aktienmärkte auseinandergesetzt und festgestellt, dass sich sowohl der DAX als auch die US-Börsen derzeit nicht in einem echten Bullenmarkt befinden dürften. Das schließt neue Allzeithochs bis zu 20 Prozent über den alten Rekordständen aus dem Jahr 2007 nicht aus, zumal die Notenbanken wie zuletzt die EZB am 02. Mai immer wieder mit geldpolitischen Lockerungen in die Märkte hineinpfuschen. Echtes Wachstum als Basis für nachhaltige Kursgewinne erreichen sie damit nicht. Für Deutschland hofft man in diesem Jahr beispielsweise auf ein Wachstum von gerade einmal 0,2 Prozent. Wie passt das zu einem DAX auf Allzeithoch? Gar nicht.

Märkte wieder „zinsbesoffen“

Wir sehen derzeit eine liquiditätsgetriebene, spekulative Übertreibung, die entweder in Kürze korrigiert wird. Oder in eine echte Blase führt, die dann etwas später, aber umso heftiger platzen wird. So war es im Verlauf der Geschichte immer, wenn Notenbanken eine Überschuldungskrise mit einer laxen Geldpolitik bekämpfen wollten. Es bildeten sich neue Kreditblasen, die später platzten und die ursprünglichen Probleme noch drastisch verschlimmerten. Eine dieser Kreditblasen entsteht derzeit an der Leitbörse USA, wo die Spekulation auf Kredit ein Niveau erreicht hat, was zuletzt nur im CrashJahr 2000 übertroffen wurde. Ein ernstes Warnsignal, dass die Luft an den Börsen sehr dünn geworden ist. 

Andererseits sind die Trends aber mit den jüngsten neuen Allzeithochs noch intakt. Alle sauberen Verkaufssignale der westlichen Börsen vom April wurden mit dem Zinsschritt der EZB und der „Verbalintervention“ der US-Notenbank Anfang Mai - QE 3 soll jetzt doch wieder sehr lange fortgesetzt werden – umgehend wieder negiert, was einige unserer Shortpositionen ausgestoppt bzw. ins Minus gebracht hat. So ist das leider in stark von Notenbanken manipulierten Märkten: man kann sich auf nichts mehr wirklich verlassen. Allerdings auch nicht darauf, dass die Rally ewig weiterläuft. Dennoch steht das Musterdepot heute aufgrund der klugen Positionsauswahl trotz der recht starken und in den letzten beiden Wochen unnützen Shortausrichtung fast 400 € besser da als vor meinem Urlaub vor 2 Wochen. Hier zahlt sich die Absicherungs-Strategie nach beiden Seiten aus. Es ist nun sehr unwahrscheinlich, dass DAX oder S&P 500 in dem jüngst vorgelegten Tempo weiter steigen. Eine Korrektur käme uns für einen profitablen Abbau mancher Position nicht ungelegen. 

Andererseits gibt es aber auch Märkte, die einen Einstieg jetzt oder in Kürze noch lohnend erscheinen lassen, da diese fundamental und technisch sehr viel gesünder dastehen als die rein liquiditätsgetriebenen westlichen Börsen. Einer davon ist Hongkong, wo wir über den Hang Seng Index investiert sind und bereits sehr schöne Anfangsgewinne einfahren konnten. In China, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt, soll sich das Wachstum in diesem Jahr zwar von 10 auf etwa 8 Prozent abkühlen. Aber 8 Prozent Wachstum ist ein Wert, von dem wir in Europa auch in den nächsten Jahrzehnten nicht einmal zu träumen wagen! 

Die echten Chancen warten in Asien

Selbst wenn man von den in mancher Hinsicht etwas zweifelhaften chinesischen Wirtschaftsdaten noch ein paar Punkte abzieht, so ergibt sich hier ein ungewöhnliches Potenzial für die dortigen Börsen. Die noch dazu über einen großen Nachholbedarf verfügen. Denn der Hang Seng Index notiert derzeit noch etwa 5 Prozent unter seinem Stand vom Frühjahr 2011, während etwa der DAX schon rund 10 Prozent darüber steht. Bei einem erhofften Wachstum von gerade noch 0,2 Prozent. Wobei die deutschen Prognosen in den letzten Jahren eigentlich immer unterboten wurden. An diesen Zahlen sehen Sie, wo in diesem Jahr der Bauer den Most holt.

Auch charttechnisch sieht der Hang Seng Index sehr gut aus. In den letzten beiden Jahren hat sich ein großes Konsolidierungsdreieck gebildet, welches kurz vor der Auflösung nach oben steht. Solche großen Kursmuster entladen sich immer mit einem ungeheuren Potenzial. Oberhalb von 24.000 Punkten findet ein großer Ausbruch mit Kursziel 32.000 Punkte statt – das sind satte 50 Prozent ungehebeltes Aufwärtspotenzial vom jetzigen Kursstand aus! Sobald die Kurse diese Marke geknackt haben, bauen wir unsere Anfangsposition hier deutlich aus. Die Chancen, dass dies gelingt, stehen übrigens sehr gut. 

Es gibt aber sogar noch attraktivere Märkte in Asien. Ich komme gerade von einer Reise nach Thailand zurück. Die Eckdaten dort sind unglaublich beeindruckend: Wirtschaftswachstum 2012 18,5 % (!), Arbeitslosigkeit 0,5 %, stabile Währung, Aktienrally mit immer neuen Allzeithochs (gut fundamental untermauert trotz 50 % Plus seit Juni 2012), KGV derzeit rund 14. Bewertung also ähnlich wie beim DAX, nur eben mit echtem Wachstum, nicht bloß einer sterbenden Hoffnung darauf. Das wird unser nächstes großes Investment, wobei ich dafür Rückschläge abwarten möchte und schrittweise einsteige. Auch in weitere asiatische Märkte, die charttechnisch und fundamental gut dastehen. 

 

Börsen an der Schwelle zum Bullenmarkt?

von Henrik Voigt (29.04.2013)

Die Stuttgarter Anlegermesse ist vorüber, auf der ich in jedem Jahr meine beliebten Strategie-Vorträge halte. Da viele Leser jedoch den Aufwand eines Messebesuches scheuen, ich Ihnen diese wichtigen Informationen aber auch nicht vorenthalten möchte, erhalten Sie heute diese Sonderausgabe von DAX Profits. In dieser werden wir uns ausschließlich mit den mittel- und langfristigen Kursaussichten an den Aktienbörsen beschäftigen.

Wie Sie wissen, hatte der DAX Mitte März die 8000er Marke erreicht. Das erstaunt angesichts der seit 2 Jahren ungebrochen abwärts gerichteten Wirtschaftsdaten und dem Wiederaufflammen der Europäischen Schuldenkrise. Andererseits weckt es unangenehme Erinnerungen an die letzten beiden Male, wo es der Index in diese Kursregionen schaffte: nämlich an die Jahre 2000 und 2007. Diesen beiden letzten Gelegenheiten folgten nämlich verheerende Kursstürze. Einmal auf 2200 und einmal auf 3600 Punkte. Sie fragen sich sicher: Kann das jetzt wieder passieren?

Exklusive Studie in dieser Ausgabe

Ich gebe Ihnen in dieser etwas anderen Wochenausgabe eine fundierte Antwort auf diese berechtigte Frage. Berührt sie doch auch unsere strategische Ausrichtung im DAX Profits Musterdepot in den kommenden Monaten enorm. 

Zuvor aber zum aktuellen Marktgeschehen. An den USBörsen wird sich spätestens in den kommenden Tagen entscheiden, ob eine Toppbildung stattfindet, die zu einer 10 bis 15prozentigen Indexkorrektur führen wird. Das würde natürlich auch die meisten anderen Börsen mit abwärts ziehen. Die europäischen stärker, die asiatischen weniger. 

Machen die Amerikaner trotz der Schwäche ihrer Vorläuferindizes und trotz der in den letzten Wochen dramatisch abnehmenden Marktbreite dennoch neue Hochs, so gehe ich von einem ausgedehnteren Toppbildungsprozess aus. Der die erwartete Korrektur eben später, dafür aber heftiger bringen wird. Einen solchen ausgedehnten Prozess sahen wir übrigens im Jahr 2011. An den folgenden Crash erinnern Sie sich bestimmt noch.

Aktuell ist es so, dass sehr viel nervöses Kapital viel zu spät in den Markt gekommen ist, um ja nicht mit der Performance hinterherzuhinken. Bereits kleine Korrekturen würden bei dieser großen Anlegergruppe ausreichen, um Verluste zu bewirken und damit Zwangsverkäufe zu provozieren. Das ist nicht der Stoff, aus dem eine stabile Rally besteht. Mal ganz abgesehen von der nicht einmal ansatzweise abgebauten Anleger-Euphorie vor allem in den USA, die sich nicht im Geringsten auf eine gute Fundamentalentwicklung stützen kann.

Korrekturbedarf an den Börsen bleibt

Im Gegenteil: Wir sehen derzeit einen typischen Frühjahr-Dämpfer bei den Wachstumsdaten. Wie in den letzten 3 Jahren auch (siehe Grafik mit dem Einkaufsmanagerindex für die USA, China sieht ähnlich aus, Europa deutlich schlechter). Die laufende US-Bilanzsaison verläuft ungewöhnlich enttäuschend (bisher die drittschlechteste der letzten 40!). Mit der unangenehmen Folge, dass US-Aktien jetzt auf Basis ihrer erwarteten Gewinne so teuer sind wie seit vielen Jahren nicht mehr. Den Markt stützen hier aber noch die zahlreichen Dividendenanhebung und Aktienrückkäufe der Unternehmen. Erst, wenn sich das Blatt hier wendet, ist die Weltleitbörse reif für einen neuen Bärenmarkt. Eine Korrektur ist in dieser Situation aber nicht mehr lange aufzuschieben.

Henrik Voigt

Noch keine Entwarnung

von Henrik Voigt (23.04.2013)

Nach den vergleichsweise starken Kurseinbrüchen der Vorwoche beginnt die neue Woche eher ruhig. Die Stimmung der Anleger hat sich durch die leichte Erholung wieder deutlich verbessert. Politische Überraschungen vom Treffen der Finanzminister der G20-Staaten am Wochenende sind ausgeblieben. Damit hat das Forum die ultralockere Geldpolitik der Japaner quasi legitimiert, was den Yen weiter schwächen wird. Gut für unsere Hebelposition auf EUR/JPY.

Gleichzeitig schwelt die Euro-Krise weiter, weil es keine Einigkeit darüber gibt, ob man diese mit einem Sparkurs oder mit Wachstumsimpulsen beendet kann. Das heißt aber auch, dass die Wirtschaft weiter einbrechen wird. Es gibt eine einfache, aber grundlegende ökonomische Regel: Sobald ein Staat eine Verschuldungsquote von 90 % des BIP (Bruttoinlandsprodukt) nachhaltig überschreitet, wird das Wachstum automatisch negativ. Wo soll es auch herkommen, wenn die öffentliche Hand kein Geld mehr ausgeben kann und stattdessen die Steuern immer weiter erhöhen muss?

Wachstum stirbt im Schuldensumpf

Schauen Sie sich die Euroländeran. Diejenigen die am schwächsten wachsen, die haben gleichzeitigauch die höchste Verschuldung (Stand 2012, Tendenz steigend): Griechenland 162 %, Italien 127 %, Portugal 124 %, Irland 122 %, Belgien 100 %, Spanien 89 %... Frankreich stand Ende 2012 bereits bei über 90 % und dürfte als nächster großer Krisenkandidat ins Wanken geraten – immerhin ein Euro-Kernland. Deutschland ist mit 82 % auch nicht mehr weit von der kritischen Schwelle entfernt. Die heute gemeldeten Einkaufsmanagerindizes für Deutschland zeigten sich somit im rezessiven Bereich weiter rückläufig. Das verheißt nichts Gutes für die Wirtschaftsentwicklung der kommenden Monate. Die betroffenen Staaten wachsen nicht mehr, weil die Schulden zu hoch sind. Sie könnensich aber auch nicht entschulden, weil kein Wachstum mehr da ist (oder sogar eine Rezession alles verschlingt). Ein Teufelskreis. 

Banken brauchen 1,2 Billionen frisches Geld

Die Eurokrise ist also mitnichten vorüber – sie flammt gerade ordentlich wieder auf, nachdem mandachte, alle Problemfein mit Rettungspaketen und Geldpolitikunter den Teppich kehren zu können. Und so ganz nebenbei benötigendie europäischen Banken in den kommenden Monaten noch einmal 1,2 Billionen Euro an neuen Hilfskrediten (nach dem bisher schon einmal 1,84 Billionen Euro in diversenRettungspaketenversenkt wurden. Unvorstellbar, nicht? Es bleibt abzuwarten, ob ein Teil dieser Gelderjetzt direkt vom europäischen Sparer kommen wird oder ob die EZB mit weiteren Notkrediten einspringt.

Die Konsequenz wird sein, dass weiter Kapitalaus Europa abgezogen wird. Ein Teil fließt nach Japan, um dort das Strohfeuer der Geldpolitikzu nähren. Ein Teil in die USA, ein Teil in bestimmte Emerging Markets, die ein stabiles Wachstum auch unabhängig von den stark unter Druck geratenen Rohstoffpreisen halten können (Indonesien, Malaysia, Singapur, Türkei). Wir werden deshalb an den Börsen eine zweigeteilte Strategie fahren: short auf Europa, long nach einer ausgiebigen Korrektur in den anderen genannten Märkten. Das Ganze aufgeteilt auf die aussichtsreichstenEinzeltitel und Indizes. 

Neue Chancen bei Basismetallen?

Daneben sind weitere Devisenpositionengeplant. Pfundund Yen-Abwertung sind längerfristige Trends, die wir mit Positionen begleiten wollen. Teilweise warte ich hier noch bessere Einstiegs-bzw. Aufstockungszeitpunkte ab. Der Euro wird es mittelfristig weiter schwer haben, außer gegen den Yen.

Ein großes Thema der kommenden Monate könnte auch ein Rohstoffcrashvor allem bei den konjunktursensitiven Basismetallen werden, der seine Ursachen wohl in der unerwartet starken Abkühlungder chinesischen Wirtschaft hat. Wir sind hier bereits mit einem Short auf eine Bergbauaktie aktiv und werden ähnliche Positionen bei einer Trendverfestigung aufstocken. 

Ganz aktuell: Soebenlief die Meldung über den Ticker, es habe einen Anschlag auf das Weisse Haus gegeben und US-Präsident Obamasei verletzt. Die Kursebrachen kurzzeitigheftig ein. Die Meldung wurde aber direkt wieder dementiert. Mal sehen, wie die Märkte dieses Ereignis verdauen. Immerhin war der letzte Anschlag in Boston überausreal. Gerade die Kursmuster an den Rohstoffmärkten lassen ein plötzliches Schockereignis in den kommenden Wochen befürchten.

Henrik Voigt

 

Ab jetzt Deflation?

von Henrik Voigt (17.04.2013)

 

Den Auftakt dieser Woche muss man in vielen Depots bereits als „Schwarzen Montag" betrachten: Aktien brachen ein (USA und Europa zwischen 2 und 4 % je nach Index), viele Rohstoffe gaben sehr deutlich nach, bei Gold und Silber gab es ein regelrechtes Schlachtfest mit den größten Tagesverluste seit 1980! Heute setzt auch der DAX mit einem 200-Punkte-Rutsch noch einen drauf. Unser Depot konnte glücklicherweise sogar davon profitieren, was an unserer defensiven Strategie liegt. Diese macht sich gerade in solch hässlichen Börsenphasen bezahlt. Darüber hinaus sollten Sie sich aber fragen: Wirken sich diese auffälligen Kursbewegungen auch noch in Zukunft aus oder sehen wir bald wieder eine Rückkehr zur Normalität?

„Schwarzer Montag" als Startpunkt?

Wenn Edelmetallpreise an einem Tag drastisch einbrechen, an dem gerade - wie am Montag - ein Terroranschlag in den USA stattfindet, dann stellt sich zunächst einmal die Frage, ob der Bullenmarkt bei Gold und Silber nicht erst einmal vorbei ist. Wenn dem aber so wäre, dann dürfte Inflation in den kommenden Jahren kein Thema mehr sein. Mit gutem Grund, denn die Rohstoffpreise gemessen am CRB-Index fallen bereits seit Mitte 2011, also seit 2 Jahren. Was wiederum die Frage nach sich zieht, wie schlimm es tatsächlich um die Weltkonjunktur bestellt ist. Denn fallende Rohstoff-Preise deuten auf eine schwache Nachfrage und damit auf eine anhaltend schwache Konjunktur (ein Überangebot als Ursache des Preisrückganges können wir ausschließen).

Rohstoffpreise bilden sich aus Angebot und Nachfrage. Aus charttechnischer Sicht deuten sich sogar weitere Preisrückgänge beim CRB (also bei Rohstoffen an), da erneut eine Aufwärtstrendlinie gebrochen wurde und der übergeordnete Abwärtstrend seit dem Hoch im Jahr 2008 intakt ist. Für die Edelmetallpreise gilt zunächst Ähnliches.

Edelmetalle und Rohstoffe deuten also auf ein anhaltend deflationäres Umfeld mit einer schwachen Weltkonjunktur hin. Und damit wären wir wieder beim Aktienmarkt: Wie lange wird die Rally an den Aktienbörsen in einem deflationären und konjunkturell schwachen Umfeld wohl noch dauern? Wenn Aktien nicht mehr als Inflationsschutz gebraucht werden (wie schon zuvor Edelmetalle und Rohstoffe) und keine deutlichen Gewinnsteigerungen der Unternehmen mehr zu erwarten sind, dann werden die Börsen wohl nicht mehr allzu lange steigen können. Was Ihnen ganz neue Chancen eröffnet. Immer dann, wenn Trends scheinbar ewig weiterlaufen, sollten Sie vorsichtig werden. Und bei einer Trendumkehr auf die Shortseite wechseln. 

Einzelwerte noch vielversprechender

Am Aktienmarkt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bissich die Korrelation zu den Rohstoffen negativ auswirken wird. Eine echte Trendwende braucht jedoch viel Zeit (in der Regel mehrere Monate). Ansätze dazu sehen wir bereits beim DAX, nicht jedoch am US-Markt. In dieser unfertigen Situation spielen Sie am besten Einzeltitel. Starke Aktien auf der Longseite, Schwäche auf der Shortseite. Wir können ja neuerdings sogar Rohstoffaktien handeln (z.B. die Freeport-Empfehlung von gestern), die saubere und eindeutige Chartsignale liefern. Speziell in diesem Bereich erwarte ich weitere Kursrückgänge, die sich profitabel handeln lassen. Im Rohstoff- und Edelmetallbereich gibt es noch eine Menge Schieflagen, die füreinen weiteren Anpassungsbedarf sorgen werden. Daneben werden wir zunehmend im Devisensektor tätig, wo sich bei einzelnen Pairs wirklich langfristige Trends anbahnen, wo Sie über viele Monate profitabel dabeibleiben können. Der Yen-Trade ist nur ein erster Schritt gewesen.

Mein Ziel in den kommenden Monaten ist es, eine profitable und krisenfeste Depotstruktur zu erreichen und die noch immer recht hohe Cashquote durch aussichtsreiche Investitionen zu senken. Am Jahresende erwarte ich ein deutliches zweistelliges Prozentplus.

Hernik Voigt

 

Neue Chancen, die sich lohnen

von Henrik Voigt (09.04.2013)

Endlich ist es soweit: nach monatelangem Geplänkel scheinen sich die Aktienbörsen nun endgültig für den Korrekturmodus entschieden zu haben. Wie in jedem Frühjahr der letzten 3 Jahre übrigens (Start immer direkt nach dem Großen Terminverfall Mitte März). Tendenziell erwarte ich fallende Kurse bis etwazum nächsten Großen Terminverfall Ende Juni. Sobald auch die US-Indizes Abwärtstrends bilden, wird das Potenzial auf der Unterseite mit mehr Sicherheit und größeren Positionen handelbar, was Ihnen höhere Profite bringen wird. Bisher stehen diese Bewegungen erst an ihrem Beginn.

Börsen jetzt endlich in Korrektur

Nachdem die Rally an den Aktienbörsenbereits seit Monaten in Stocken gerät, sehen wir jetzt erste gravierende Trendbrüche beim DAX und bei einigenUS-Indizes mit Vorläufercharakter. Die Charts beginnenallmählichnach unten zu drehen. Sie sind ohnehinso stark überkauft, dass ein Einstieg nicht mehr lohnt. Von den üppigen Bewertungen einmal ganz zu schweigen. Dazu kommt die immer noch viel zu optimistische Anlegerstimmung. Vor allem in den USA, wo einer der wenigen, langfristig aussagekräftigen Stimmungsindikatoren (gemeint ist die Umfrage von Consensus Inc.) im extrem euphorischen Bereich fast auf ein 25-Jahres-Hoch gestiegen ist. Das Mindeste, was in einer solchen Situation zu erwarten ist, ist eine mehrmonatige Korrektur. 

Gerade an den US-Börsen wird es ab dieser Woche spannend. Mit Alcoa startetegestern die neue Berichtssaison. Die Zahlen fielen übrigens besser als erwartet aus. Interessanter wird aber die Börsenreaktionheute Abend sein. Reicht dieses Ereignis nochmals für ein neues Hoch oder sind die Kräfte bereits erlahmt? Im letzteren Fall dürfte die Korrektur in den kommendenTagen an Schärfe zunehmen. Sehen wir hingegenein neues Jahreshochzumindest beim Dow Jones Index, dann er warte ich eine ausgedehntere Toppbildungsphase. Neben diesen charttechnischen Aspekten müssen die Börsen in den kommenden Wochen noch die Anfang März in Kraft gesetzten, automatischen Ausgabekürzungen verdauen, die erste hässliche Spuren in den US-Konjunkturdaten hinterlassen. Einen Vorgeschmack lieferten die monatlichen US-Arbeitsmarktdaten am vergangenen Freitag, die für einen Kursrutsch sorgten. Mehr negative Daten dieserArt verträgt eine immer noch zu euphorische Börse aber nicht ohne Kursrückgänge. 

US-Markt mit weiteren Überraschungen

Gerade auf den Arbeitsmarkt werden sich die Ausgabenkürzungen verheerend auswirken. Gelingt dem US-Parlament bis zum 15. April immer noch keine Einigung auf ein langfristiges Budget (bisher gilt nur ein Übergangsbudget), werden die Bezüge der Behörden nach einer neuen Regel bis zu einer Lösung zurückgehalten: mit noch nicht absehbaren Folgen. Bis zum 19. Mai muss zudem die Schuldenobergrenze des Landes angehoben werden. Ansonsten droht ein Staatsbankrott. Die kommenden Wochen werden somit turbulent werden. Und gewinnträchtig, wenn Sie auf der richtigen Seite des Marktes stehen. Mit den ersten Spekulationen auf fallende Kurse seit vielen Monaten haben wir hier den Fuß in der Tür. Bereit zum Aufstocken, wenn die KursSchwäche sich verfestigt. Erstmals jetzt auch mit US- und Währungs-Positionen, die sehr aussichtsreich sind. 

Als ob dies alles noch nicht genug ist, steht die Gefahr eines Atomkrieges zwischen den USA und Nordkorea im Raum. Sollten die nordkoreanischen Drohgebärden von der Supermacht ernst genommen werden, dann rechne ich fest mit einem US-amerikanischen Erstschlag auf das kommunistische Land. Auch das dürfte für die Börsen sicher nicht sehr lustig werden. Zumindest nicht für den klassischen Aktienanleger. Wir sind hingegengut vorbereitet. Unsere Aktien-Shorts würden dann noch schneller an Wert gewinnen. Ich habe allerdings noch ein weiteres, sehr aussichtsreiches Papier unserem Musterdepot in der vergangenen Woche beigemischt: Einen Euro-YenLong. 

Euro-Yen sehr aussichtsreich 

Der Euro ist stimmungstechnisch in den letzten Wochen stark unter die Räder gekommen, so dass hier eine Erholung überfällig ist. Europa ist zusätzlich als einziges großes Währungsgebiet nicht von der Kriegsgefahr direkt betroffen. Zusätzlich hat die japanische Notenbank ihre eh schon laxe Geldpolitik weiter gelockert, was den Yen weiter sehr deutlich schwächt. Die Kriegsgefahr in der Region schwächt die japanische Währung zusätzlich, so dass wir von weiteren Kursgewinnen bei EUR/JPYausgehen können. Zusätzlich zu den 35 Prozent, die in den wenigen Tagen seit Empfehlung bereits entstanden sind. Zentralbankmanipulationen können Sie dadurch endlich einmal fürsich profitabel nutzen. Weitere aussichtsreiche Empfehlungen aus dem Währungs,-Rohstoff- und Aktiensektorhabe ich derzeit in Vorbereitung. Halten Sie sich also bereit, Ihr Depot weiter zu füllen.

Henrik Voigt

Zypern ist nur der Testlauf

von Henrik Voigt (26.03.2013)

 

Seit der gestrigen „Rettung“ Zyperns vor der Staatspleite mittels Enteignungen der dortigen Sparer ist klar: die „Euro-Retter“ gehen endgültig über Leichen. Und Sie haben Zugriff 

auf jedes Bank-Konto in Europa. Nur scheinbar trifft es mit einer Bemessungsgrenze von 100.000 Euro nur die wohlhabenderen Sparer. Diese Regelung, die wohl zur Vermeidung eines sofortigen europaweiten Bankensturm getroffen wurde, ist erst der Anfang. Denn wenn diese Sparer – dazu gehört auch fast der gesamte zypriotische Mittelstand einschließlich Firmenkonten – plötzlich um bis zu 40% seines Vermögens beraubt wird, dann hat das erhebliche konjunkturelle Auswirkungen. Unternehmen können dann weder Gehälter zahlen noch Rechnungen begleichen, Privatleute schrauben ihren Konsum auf das Nötigste herunter. Zypern befindet sich bereits in einer Rezession. In den nächsten 5 Jahren dürfte die Wirtschaft nun nochmals um 20 Prozent schrumpfen. Wie in dieser Situation die Staatspleite ohne neue Gelder von außen noch abgewendet werden soll, ist mir absolut schleierhaft.

Zypern ist das Modell für Europa 

Wenn Sie nun denken, Zypern ist weit weg: weit gefehlt. Ganz bewusst wurde diese in der Tat eher unbedeutende Volkswirtschaft in Europa ausgewählt, um einen Feldversuch zu starten, der Modellcharakter zunächst für andere Länder mit großem Banksektor (Luxemburg, Slowenien, Malta) oder hohen Staatsschulden (Portugal, Spanien, Italien) hat. Und am Ende wird es auch Deutschland treffen, das über den ESM bis zum Hals mit in diesem Sumpf steckt. Bundesfinanzminister Schäuble hat am Sonntag erklärt, dass auch die deutschen Sparguthaben nur solange sicher sind, solange kein Euro-Land pleitegeht. Und Jeroen Dijsselbloem, der Chef der Eurogruppe, machte gestern in aller Deutlichkeit klar, dass der Bailout für Zypern eine Vorlage für künftige Banken-Bailouts in der EU sei. Banken sollen künftig nicht mehr mit Steuermitteln gestützt werden, sondern es sollen „Aktionäre und Gläubiger zur Rekapitalisierung der Bank beitragen und wenn nötig auch die nicht-versicherten Kontoinhaber“.

Massiver Kapitalabzug aus Europa steht bevor

Mit dieser Aussage dürfte er einen europaweiten Bankensturm und nie dagewesenen Kapitalabzug ausgelöst haben. Denn eines ist jedem Sparer, jedem Investor, jedem Unternehmen jetzt klar: das Geld ist in Europa nicht mehr sicher. Eine von Niemandem gewählte Troika aus Funktionären von EU, IWF und EZB greift ohne jede Rechtsgrundlage direkt nach den Bank-Konten der EU-Bürger und Unternehmen. Dabei wird sich am Grundsatzproblem „Überschuldung“ aber nicht viel ändern. Nachdem all die bisherigen Sparprogramme und Zinsmanipulationen die Verschuldung nicht gesenkt, sondern erhöht haben, besorgt man sich kurzfristige Liquidität von den Konten, ohne das eigentliche Problem (zu viele Schulden, zu hohe Zinsen, zu wenig Wachstum und damit dauerhafte Steuereinnahmen) auch nur anzutasten. Wie man in Griechenland gesehen hat, bringen auch Schuldenschnitte überhaupt nichts: Die Probleme werden am Ende immer auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis man in Brüssel auf die Idee kommt, neben den Bankkonten eine allgemeine Vermögensabgabe einzuführen, die dann auch alle anderen besteuerbaren Vermögensteile betrifft. Diesbezügliche, üblicherweise teure Studien diverser Banken und Beratungsunternehmen liegen bereits seit Jahren vor, die Pläne dazu existieren in der Schublade. 

Veränderte Lage erfordert veränderte Anlagestrategien

Wir werden uns also auf eine völlig neue Zeitrechnung einstellen müssen, in der Eigentum wie zu Sowjetzeiten nicht mehr sicher ist und vor dem Zugriff eines Unrechtsstaates geschützt werden muss. Wie eine weitgehend unsichtbare und effektive Vermögensaufteilung aussehen kann, das werde ich Ihnen im April/ Mai in mehreren Sonderausgaben von DAX Profits zeigen. Soviel vorweg: Mit einem gehebelten Zertifikatedepot weit unter der momentan praktikablen Enteignungsgrenze von 100.000 € - unser Musterdepot lautet auf 30.000 €, bewegt aber tatsächlich bei "normaler Auslastung" ein Vielfaches dieser Summe - haben Sie zweifellos unschätzbare Vorteile. Während der wahre Kapitaleinsatz durch den Hebel verschleiert wird (und 

damit nicht besteuerbar ist), können Sie dennoch flexibel agieren und halten den Rest Ihres Vermögens dezent im Hintergrund. Mehr dazu in Kürze. Bis dahin tun Sie bitte nichts Unüberlegtes. Etwas mehr Cash als üblich von der Bank zu holen, ist sicher ratsam. In Panik jetzt irgendwelche Sachwerte zu kaufen oder die Konten leerzuräumen, wäre aber der falsche Weg. 

Mit einem möglichen, massiven Kapitalabzug aus Europa in den kommenden Monaten dürften nämlich auch die Börsen stark unter Druck geraten. Einerseits durch den Abzug von Investorengeldern, andererseits durch die Unsicherheit, wie sich dies auf die ohnehin schon schwache Konjunktur auswirkt. Nicht zuletzt besteht die Gefahr einer neuen Liquiditätskrise der Banken. Reif für eine Korrektur sind die Märkte ja ohnehin. Ob sich nun ein mehrmonatiger Abwärtstrend etabliert, von dem wir auch über Indexzertifikate profitieren können, muss sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Märkte laufen eh schon seitwärts, was unserem DAX-Korridorschein zugute kommt. Ansonsten sehe ich noch keinen zuverlässigen Ansatzpunkt, die 

Cashquote massiv herunterzufahren, solange sich der Markt nicht für eine neue Richtung entschieden hat. Die Gefahr, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, ist noch zu hoch. Mit der gegenwärtig neutralen Depotstruktur kann aber nichts passieren. Geht es weiter seitwärts, profitieren Sie sogar davon, was dem Großteil der Anleger nicht möglich ist.

Wendepunkt Verfallstag

von Henrik Voigt (19.03.2013)

 

Mein in der letzten Ausgabe geäußerter Verdacht, dass wir ab Montag (also dem Tag nach dem großen Terminverfall) den Beginn einer Korrektur sehen, hat sich voll bestätigt. Wir haben folgerichtig gestern ein Seitwärtspapier auf den DAX gekauft. Einerseits, um unsere letzte Aktienposition abzusichern. Andrerseits, weil wir von dieser Phase profitieren wollen. Die Grafik unten zeigt Ihnen deutlich, dass es im direkten Umfeld von Terminverfallstagen fast immer zu mehrwöchigen oder mehrmonatigen Trendwechseln kommt.

 

Beim DAX rechne ich seit Monaten im Laufe des ersten Quartals mit dem Beginn einer größeren Korrektur. Was wir bisher bekommen haben, ist eine unberechenbare und volatile Seitwärtsphase. Kaum handelbar mit Aktien oder Indexzertifikaten, aber ideal für unser DAX-Korridorzertifikat, welches ich zu geeigneten Zeitpunkten gern noch um ein weiteres Papier mit längerer Laufzeit und größerem Puffer ergänzen werde. Ansonsten gilt es vorerst weiter, das Pulver trocken zu halten, da noch nicht sicher ist, ob der DAX wirklich auf dem jetzigen Niveau dreht oder zuvor noch ein Stück höher läuft.

US-Leitbörse: Insider mit ungewöhnlich starken Verkäufen

Die US-Leitbörse sieht charttechnisch nach weiter steigenden Kursen aus. Aber auch dort braut sich hinter den Kulissen weiteres Unheil zusammen. Die dortigen Börseninsider verkaufen, was das Zeug hält. Gemäß dem Börsendienst Insider Insights ist der gleitende 4-Wochen-Durchschnitt des Insider Buy/Sell Ratios Ende Februar unter die Alarmschwelle von -80% gefallen (das heißt, die Insiderverkäufe überwiegen die Käufe bei weitem). Das geschieht nicht oft, zuletzt im September 2012, März 2012, und Juli 2011. In allen drei Fällen gab es zunächst noch starke Börsen mit einem deutlichen Schluss-Spurt nach oben (vermutlich, um die letzten Schafe in den Markt zu locken). Kurz darauf setzten aber sehr deutliche Korrekturen ein, die in den meisten Fällen auch sehr profitabel handelbar waren. Spätestens innerhalb von 5 Wochen nach diesem Alarmsignal kam es immer zu deutlichen Kursrückgängen. Aktuell befinden wir uns in Woche 3 nach dem Hissen der roten Flagge. Spätestens Ende März dürfte also eine größere Korrektur beginnen (Korrektur, nicht Trendwende). Wenn dieser und viele andere Indikatoren erneut richtig liegen, wovon ich ausgehe.

Zypern-Bailout geht nach hinten los

Ein möglicher Anlass für diese Korrektur dürfte schlichtweg die Kapitalflucht aus Europa sein. Nach dem Einfrieren von Geldern ohne gesetzliche Grundlage und der anschließenden Teilenteignung der Bankkunden in Zypern (die auch Ausländer mit Konten bei dortigen Banken trifft) dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis ähnliche Modelle in anderen südeuropäischen Krisenstaaten angewendet werden. Mit Einsparungen allein konnte die Verschuldung ja bisher nicht abgebaut werden, also holt man sich das Geld jetzt wohl zunehmend direkt bei den Sparern. Mögen manche Aktien-Bewertungen in Europa noch so verlockend sein: Mit dem Risiko einer teilweisen oder vollständigen Enteignung wird kaum ein Investor noch sein Geld in Europa anlegen wollen. Das könnte sogar für den DAX gefährlich werden, wenn der deutsche Markt in Sippenhaft genommen wird. Zunächst rechne ich aber eher mit Auswirkungen auf die Südländer und den EuroStoxx, der bereits wieder eine auffällige Schwäche zeigt.

Henrik Voigt

Neues Allzeithoch, na und?

von Henrik Voigt (12.03.2013)

 

Der Dow Jones Index hat in der vergangenen Woche ein neues Allzeithoch erreicht, was mit viel Mediengetöse begleitet wurde. Viele Analysten sehen darin ein Zeichen dafür, dass die Rally jetzt erst richtig in Fahrt kommt. Sie gehen davon aus, dass die meisten anderen Indizes ebenfalls in Kürze neue Allzeithochs erreichen müssen. Während ich der letzteren Auffassung zustimme, widerspreche ich der erstgenannten Meinung entschieden. Warum?

Paradox: Auch in Bärenmärkten werden Allzeithochs erreicht

Die neuen Allzeithochs werden sicher letzte Käufer mobilisieren und die Indizes insgesamt noch ein Stück höher treiben. Allerdings sollten Sie das langfristige Bild im Auge behalten. Und da haben wir seit Ende der Neunziger Jahre einen großen Bärenmarkt in Form einer volatilen Seitwärtsbewegung sowohl in Europa als auch den USA vorliegen. Dieser Bärenmarkt ist demjenigen der Sechziger und Siebziger Jahre sehr ähnlich, als die Kurse sich ebenfalls sehr volatil seitwärts bewegten. Neue Allzeithochs gab es damals wie heute auch in dieser Phase. Nur, sie haben ebenso wenig eine längerfristige Bedeutung wie neue Mehrjahrestiefs. Diese Börsenphase kann wie damals auch durchaus 20 Jahre anhalten (aktuell sind es etwa 13 Jahre). Sie sollten dabei immer wissen, ob wir gerade „oben“ oder „unten“ sind und Ihre Strategie danach ausrichten. Nur eine Etablierung der Kurse mindestens 20 Prozent über den alten Allzeithochs brächte einigermaßen Gewissheit, dass ein neuer Bullenmarkt beginnt. Ein solcher Anstieg ist mit der gegenwärtigen Euphorie und Sorglosigkeit unter einem Großteil der Anleger aber äußerst unwahrscheinlich.

Entscheidend sind also nicht neue Allzeithochs bei einem Index, sondern fortgesetzt neue Hochs bei möglichst vielen Indizes und das Halten und Ausbauen dieses Niveaus, was traditionell von Skepsis und Pessimismus begleitet wird. Die Stimmung an den Börsen hat sich aber durch die Konsolidierung der letzten Wochen nur leicht abgekühlt und wird in Kürze erneut überkochen, wenn die positive Tendenz anhalten sollte. Aus fundamentaler Sicht – wichtig für die mittel- und langfristigen Aussichten an den Börsen – steckt Europa in der Rezession, die USA angesichts der automatischen Ausgabenkürzungen kurz davor. Gleichzeitig sind die Marktkräfte nach der langen Rally bis in die Nähe der Allzeithochs bereits verbraucht, was man an den überhitzten Chartbildern erkennen kann. Kurzfristig mag für die Momentumspieler noch etwas Restpotenzial drin sein, mittelfristig wird es für die Börsen schwierig. Da sich die fundamentalen Einschätzungen weiter eintrüben, werden Aktien nun zunehmend als "zu teuer" wahrgenommen.

Verdächtig: Der Markt ist zum Minenfeld geworden

Neuerdings neigt der Markt zudem zu einer erstaunlichen Nervosität, wie wir leider in der vergangenen Woche selbst erfahren mussten. Negative Überraschungen, z.B. bei den Quartalszahlen, werden nicht mehr einfach „verdaut“, sondern die betreffenden Titel werden regelrecht „hingerichtet“. Uns erging es leider mit IVG so, andere Anleger haben Ähnliches in den letzten Wochen zusätzlich bei Metro, Axel Springer, Grammer, Elring Klinger usw. erlebt. Es handelt sich also nicht um Einzelfälle. Nein, der Markt wird allmählich zum Minenfeld. Die Konzentration auf die längerfristigen Aussichten ist passé. So etwas sehen wir häufig einige Wochen vor größeren Korrekturen. Das letzte Mal vor rund einem Jahr, als Solar- und Stahlwerte plötzlich in den Fleischwolf kamen.

Am Freitag ist Hexensabbat (dreifacher Terminverfallstag), was zumindest schon einmal erhöhte Volatilität in dieser Woche garantiert. Häufig war der Tag nach diesem Ereignis der Startpunkt von Korrekturen. Vor einem Jahr begann direkt danach die Frühjahrkorrektur, die den DAX 1300 Punkte kostete. Nun ist das allein kein Grund, dass sich die Geschichte wiederholen muss. Aber gerade mit den jüngsten Entwicklungen sollten Sie diesen Termin gut im Auge behalten. Erst Recht, falls die Kurse ohne Unterbrechung und mit vielen Kurslücken bis zu diesem Tag ansteigen sollten und dadurch der Trend erneut überhitzt. Mit dieser ganzen Gemengelage im Rücken ist es nicht ratsam, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Wir setzen deshalb mit kontrolliertem Risiko (also hoher Cashquote) vorläufig noch auf steigende Kurse, Wir werden aber vorbereitet sein, falls der Trend kippt. Das ist besser, als mit vollem Depot auf dem falschen Fuß erwischt zu werden und wir können so mit einem freien Kopf und Cashpolster agieren.

 

Henrik Voigt

US-Markt zieht den DAX hoch 

von Henrik Voigt (05.03.2013)

 

Die erhoffte Einigung im US-Haushaltsstreit ist ausgeblieben. Damit traten am vergangen Freitag automatische Haushaltskürzungen in historisch einmaliger Dimension in Kraft. Das Wirtschaftswachstum in den USA dürfte dadurch um 0,6 Prozentpunkte gebremst werden. Das aber bedeutet dann eine neue Rezession, da das Land im 4, Quartal 2012 aber nur noch ein Wachstum von +0,1 % aufweisen konnte. Nicht nur die USA wird dies Wachstum kosten, sondern die gesamte Weltwirtschaft. Die Börsen haben diese Aussichten bisher allerdings wenig gekümmert. 

 US-Budgetkürzungen bringen Tiefschlag für das Wachstum

Interessanterweise fallen die weltweit wichtigsten Frühindikatoren für die Konjunktur, nämlich die Preise für Öl und Kupfer, bereits seit zwei Wochen. Gerade der Ölpreis weißt eine hohe Korrelation zum Aktienmarkt auf. Hier bahnt sich also Unheil an. Solange die harten Daten aber noch nicht einbrechen, können die Kurse noch stabil bleiben. Der starke US-Markt zieht den deutschen Markt womöglich sogar noch einmal auf ein neues Jahreshoch. Das böse Erwachen kommt dann eben etwas später. Unser Indikator für Topps und Böden beim Weltleitindex S&P 500 zeigt die Gefahr bereits deutlich. Dieser ist zwar auch nicht unfehlbar, aber besonders an kurzfristigen Topps ist er zuverlässig. Er hat die rote Zone von oben nach unten verlassen und zeigt damit ein Verkaufssignal. Demnach dürften wir beim S&P 500 in Kürze ein wichtiges Topp sehen und anschließend sehr tief korrigieren - ähnlich wie im Jahr 2011. Dies ist auch wichtig für den DAX. Denn nur wenn der US-Markt korrigiert, sind weitere (profitabel handelbare) Kursrückgänge am heimischen Aktienmarkt wahrscheinlich und wir könnten dann zeitweise auf der Shortseite aktiv werden. Andernfalls ist die Longseite noch zu bevorzugen. In den letzten Wochen war allerdings gar keine sinnvolle Positionierung möglich. In keiner der beiden Kursrichtungen. Denn was uns der Markt insgesamt seit Jahresbeginn präsentiert hat, war und bleibt extrem schwer zu handeln. In der aktuellen Phase wird Handeln bestraft. Dennoch habe ich mich heute erstmals wieder etwas aus der Deckung gewagt – IVG und Jungheinrich sehen einfach zu verlockend nach einem baldigen Ausbruch nach oben aus. Womöglich endet die nervige Zappelphase vom Februar 

einfach ganz abrupt, und dann wird in wenigen Tagen wieder eine Menge Geld verdient werden können.

Februar mit kleinem Plus abgeschlossen – Outperformance zum DAX wächst

Die meisten meiner Trader-Kollegen haben im Februar nichts als Verluste einfahren können. Jeder klagt über den unhandelbaren Markt. Aber keiner wartet wie wir einfach einmal ab, wie sich die Dinge entwickeln. Insofern bin ich sehr zufrieden mit unserer „Seitenlinien-Strategie“. Wir haben im Februar ein Plus von 0,25 % erwirtschaftet, während der DAX bei minus 0,44% liegt. Das Minus bei den meisten aktiven Tradern war deutlich größer. Auch wenn unser Monatsergebnis nicht berauschend ist, so kann man angesichts der Marktverhältnisse – täglich große Eröffnungslücken, absolute Richtungslosigkeit, enorme Volatilität – damit zufrieden sein. Zumal Verhältnisse wie im Februar die Ausnahme sind. Es kommen bald wieder bessere Zeiten, wo wir wieder aktiver werden können und weitere Gewinne einfahren. Ich vermute, es wird zunächst noch etwas auf der Longseite zu holen sein, danach aber für mehrere Monate auf der Shortseite des Marktes. Bleiben Sie also unbedingt flexibel. Die Börsen werden uns in Kürze zeigen, dass sie nicht zur Einbahnstraße geworden sind.

 

Henrik Voigt

Gefährliche Euphorie 

von Henrik Voigt (26.02.2013)

 

Was von den US-Stimmungsindikatoren derzeit gemeldet wird, hat es wirklich in sich. Es vergeht kaum eine Woche, in der wir nicht eine Meldung erhalten, dass wieder einer dieser Indikatoren ein neues Mehrjahreshoch oder gar Allzeithoch markiert. Diese Euphorie ist alles andere als schön. Denn das kann bedeuten, dass wir nicht nur eine kleine Korrektur sehen werden, sondern dass die Gefahr einer ausgewachsenen Trendwende samt neuem Bärenmarkt besteht. Die Charttechnik müsste in diesem Fall allerdings eine mehrmonatige Umkehrformation zeigen, was bisher nicht der Fall ist. Wir dürfen also weiter darauf hoffen, dass es nach der laufenden Korrektur wieder aufwärts geht. Die Korrektur muss den Markt allerdings noch weiter bereinigen. Denn die bisher keineswegs abgebaute Euphorie zeigt auf jeden Fall eines: nämlich dass jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt für mittelfristige Investments ist. Dieser wird sicherlich kommen, und dann sind wir auch dabei.

US-Fondsmanager leichtsinnig wie nie

Und die Euphorie ist riesig. Jüngstes Beispiel ist der NAAIM
Survey of Manager Sentiment, eine Stimmungs-Umfrage unter USFondsmanagern, die es seit 7 Jahren gibt. Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Indikators kletterte der Wert auf 104 %, das heißt, die US-Fondsmanager spekulieren im Durchschnitt jetzt sogar gehebelt auf weiter steigende Kurse. Zum Vergleich: am letzten Bullenmarkthoch 2007 hatten wir eine Investitionsquote von lediglich 82 %. Oberhalb von 80 % wird es generell kritisch, eine Korrektur ist sehr wahrscheinlich. Und jetzt 104 %... . Gleichzeitig weisen die Werte für die Cashreserven der Fonds Allzeittiefs und die für die Angst im Markt (VIX, CS Fear Barometer) Mehrjahrestiefs auf. Die Masse steckt bis über beide Ohren ohne jede Angst gehebelt im Aktienmarkt. Das ging noch nie lange gut. 

Neue Euro-Schwäche drückt auf die Börsen

Gleichzeitig hat der Euro seinen Erholungs-Aufwärtstrend seit dem vergangenen Sommer gebrochen, was neues Ungemach für die Eurozone signalisiert. Sollte sich hier ein neuer Abwärtstrend bilden, dann dürfte auch der DAX erheblich unter Druck geraten. Aus diesem Grund finden Sie eine aktuelle Euro-Analyse in dieser Ausgabe. Durch das Ergebnis der gestrigen Parlamentswahlen in Italien hat sich dessen Situation nicht gerade verbessert. Ersten Prognosen zufolge dürfte das Mitte-Links-Bündnis unter Pier Luigi Bersani Wahlsieger sein, gefolgt vom Mitte-Rechts-Bündnis von Silvio Berlusconi. Es zeichnen sich aufgrund der zersplitterten Stimmenverteilung eine schwierige Regierungsbildung und äußerst instabile Mehrheitsverhältnisse im italienischen Senat ab. Damit drohen Stillstand und eventuell sogar gleich wieder Neuwahlen.Diese Instabilität kommt nun zu einer Zeit, wo der Markt (DAX, Euro und nun auch US-Börsen) 

ohnehin schon angeschlagen ist. Dieses Ereignis kann dazu führen, dass die Märkte nun endgültig in eine schärfere Korrektur übergehen, wie wir das ansatzweise gestern und heute bereits gesehen haben.

US-Notenbank setzt noch einen drauf

In dieser ohnehin nicht ganz unkritischen Situation kam in der vergangenen Woche ausgerechnet von der US-Notenbank der Warnschuss für die Börsen, dass man spekulative Übertreibungen nicht fördern möchte und über eine vorzeitige Straffung der Geldpolitik nachdenkt. Das würde der Rally zusätzlich einen Großteil des Nährbodens entziehen, nachdem die Konjunktur ohnehin nur schleppend läuft und die Gewinnausblicke der Unternehmen während der gerade beendeten Bilanzsaison merklich vorsichtiger geworden sind. Ob die Notenbank in dieser Frage jedoch tatsächlich ernst macht oder lediglich für „verbale Abkühlung“ sorgt, dass erfahren wir erst auf der nächsten Fed-Sitzung am 19. und 20. März. Die Börsen reagierten auf die Überlegungen zuerst jedenfalls schockiert, fingen sich aber danach zunächst wieder. Momentan bereitet mir die Gesamtsituation erhebliche Sorgen. Wir haben eine zunehmende Volatilität, eine nicht einmal ansatzweise abgebaute Euphorie, ernste Korrekturanzeichen in den Charts und eine sich eintrübende Intermarketsituation (Euro, Öl, Kupfer angeschlagen). In dieser Situation verweilen wir vorerst weiter an der Seitenlinie. Das Risiko eines plötzlichen 

Schockereignisses/ Kurseinbruches ist so hoch wie nie in den letzten Jahren. Und dieses Risiko lohnt sich einfach nicht bei dem geringen Aufwärtspotenzial, das die Märkte in den kommenden Wochen vielleicht noch besitzen. Nach einer längeren Korrektur sieht das wieder anders aus, selbst wenn diese nur flach verläuft. Denn langfristig gibt es zu Aktien kaum eine wirkliche AnlageAlternative. Es sei denn, die ganze Welt stürzt in eine schwere Rezession. Die ist derzeit jedoch nicht in Sicht. Kein Grund also, gleich komplett das Handtuch zu werfen. Vorsicht ist derzeit aber goldrichtig.

 

Henrik Voigt

US-Rally bald zu Ende?

von Henrik Voigt (19.02.2013)

Die meisten europäischen Aktienindizes befinden sich seit Wochen in Korrekturen, da macht auch unser DAX keine Ausnahme. Noch hält sich bei vielen Anlegern die Hoffnung, dass es sich dabei nur um eine kurze und schmerzlose Verschnaufpause handeln wird und dass es gleich wieder aufwärts mit den Kursen geht. Zumal die USBörsen ja weiter steigen - von dort wird bekanntlich die große Kursrichtung vorgegeben. 

US-Börsen: Spekulationsneigung kippt, Rally bald am Ende

Wir bei DAX Profits sehen die jüngste Entwicklung etwas kritischer. Europa macht nach unserer Einschätzung lediglich den Anfang einer größeren Korrektur, die auch bald die USA erreichen wird. Und dann hätten die noch immer stark überinvestierten Anleger mit größeren Kursverlusten zu kämpfen. Denn unser Indikator zeigt klar, dass die Rally auch in den bisher starken USA in den kommenden Monaten zunächst von einer deutlichen Korrektur abgelöst werden wird. Nach Indexverlusten von 15 bis 20 % wurde die Rally damals wiederaufgenommen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es diesmal anders sein wird. Zumal wieder ein Frühjahr und damit ein typischer Korrekturzeitpunkt vor der Tür stehen. Es bedarf nur noch des charttechnischen Startschusses für diese Korrektur. Und der kann jeden Tag fallen.

Zusätzlicher Kursdruck aus Übersee zu erwarten

Sobald auch die USA in einer Korrektur stecken, dürften sich die Kursrückgänge am deutschen Aktienmarkt zunächst beschleunigen, da wir hier seit einigen Wochen bereits eine relative Schwäche vorliegen haben. Solange, bis der Markt einige Hundert DAX-Punkte tiefer eben wieder bereinigt ist und womöglich zu alter Stärke zurückfindet. Sobald sich dieser Zustand abzeichnet, werden wir schrittweise wieder auf der Käuferseite stehen. Denn eine Trendwende nach unten erwarte ich nicht, sondern eine Rally, die den DAX nach dieser Korrektur auf deutliche neue Jahreshochs führen wird. Da jedoch zum jetzigen Zeitpunkt ohne US-Beteiligung noch nicht
absehbar ist, wie weit die Korrektur läuft und wie lange sie dauern wird, halten wir uns vorerst mit neuen Positionen zurück und warten auf den richtigen Moment, um wieder zuzuschlagen. Geduld und Disziplin sind nicht umsonst eine der wichtigsten Tugenden eines Traders. Ich rate Ihnen eindringlich, bestehende Aktienpositionen abzusichern oder zu verkaufen, um in einigen Wochen erheblich günstiger wieder einzusteigen.

Henrik Voigt

Die „Schafe“ sind zurück

von Henrik Voigt (13.02.2013)

 

Diese Meldung erregte großes Aufsehen: An den US-Börsen sind im Januar die Privatanleger wieder zurück an die Märkte geströmt, um auch noch schnell reich zu werden! US-amerikanische Aktienfonds verzeichneten im Januar Mittelzuflüsse auf Drei-Jahres-Hochs. Oder überhaupt Mittelzuflüsse, denn in den letzten drei Jahren hatten die US-Privatanleger ihre Bestände in steigende Kurse hinein ja stets konsequent abgebaut. Ganz besonders stark noch im Dezember 2012 übrigens (siehe Grafik). Und jetzt sind sie endlich aufgewacht, um ganz schnell noch an der Börse reich zu werden. Na, dann wird es ja jetzt nur noch aufwärts gehen, oder?

Kontraindikator US-Privatanleger/ Aktienfondzufüsse

Nein, das Gegenteil ist der Fall. Wenn der US-Privatanleger aufwacht, sein Geld wieder in Aktien steckt, ist höchste Vorsicht geboten. Dann ist die nächste Korrektur nämlich nicht weit. So, wie etwa Anfang 2010, Mitte 2011 oder Anfang 2012. Auch da folgte auf das wiederkehrende Vertrauen der Privatanleger innerhalb weniger Wochen jedes Mal eine größere Korrektur (Ausmaß zwischen 10 und 20 % beim S&P 500). Diese kalte Dusche quittierten diese dann wieder mit teils rekordhohen Mittelabflüssen, anstatt zu kaufen. Sie sehen also: diese Anlegergruppe eignet sich sehr gut als Kontraindikator.
Ein Grund für die Rückkehr der Privatanleger ist der Optimismus der Börsenbriefe. Nach Angaben des Hulbert Financial Digest haben die Börsenbriefe in Bezug auf den Nasdaq ihr exposure auf diesen Index auf 94% ausgeweitet, sind also voll investiert. Das ist sehr ungewöhnlich, denn seit dem Jahr 2000 gab es bisher lediglich eine Woche, die dieses Optimismus-Niveau überschritt: das war die vom 31. März 2000. Wie Sie wissen platzte in jener Woche die Internetblase und ein dreijähriger Bärenmarkt begann. Auf zu viel Euphorie folgt eben meist ein gewaltiger Kater.

Die Insider verkaufen bereits in Scharen

Der Euphorie der Privatanleger und Börsenbriefe steht der Rückzug der Insider gegenüber. Diese verkaufen sowohl am deutschen als auch am amerikanischen Aktienmarkt Bestände mit ungewöhnlichem Tempo. Ein weiteres Warnzeichen, dass sich die Rally vorerst ihrem Ende nähert. Gleichzeitig sind die Gewinnschätzungen der Unternehmen im S&P 500 für das nächste Quartal so stark eingebrochen wie seit 6 Jahren nicht mehr. Ein weiteres Zeichen, dass sich größeres Ungemach den Börsen nähert. Steigende Unternehmensgewinne sind immerhin die Hauptantriebsfeder für steigende Kurse. Während die Masse noch Party feiert, hat die Musik schon längst aufgehört zu spielen. Bald werden sie es merken und verzweifelt den Ausgang suchen, an dem sich wieder alle zur gleichen Zeit drängeln. Wir werden dann plötzliche starke Kurseinbrüche sehen. Aber wir haben unsere Schäfchen längst ins Trockene gebracht.
Müssen die Börsen jetzt direkt fallen? Nein, nicht zwangsläufig. Charttechnisch sieht es am US-Markt derzeit noch gut aus. Erst am vergangenen Freitag gelang hier noch ein Ausbruch auf neue Jahreshochs. Der Aufwärtstrend ist zwar schon sehr weit fortgeschritten, kann sich aber noch fortsetzen. Mich würde es nicht wundern, wenn die US-Indizes noch bis zu 5 Prozent weiter steigen würden (wobei das nicht zwingend ist). Um auch den letzten Kleinanleger aus der Reserve zu locken. Dann dürfte allerdings urplötzlich die Korrektur einsetzen, die sich dann wieder einige Monate hinziehen wird.

Zieht der Dow den DAX noch ein letztes Mal nach oben?

Das Seltsame an der momentanen Situation ist, dass sich der deutsche Aktienmarkt (vor allem der DAX) wie auch der europäische (EuroStoxx) bereits in Korrekturen befinden. Normalerweise laufen diese aber mit den US-Börsen konform. Es gibt nur zwei Möglichkeiten, dieses Dilemma aufzulösen: Entweder, der DAX wird zunächst noch einmal von weiter steigenden US-Indizes auf neue Jahreshochs nach oben geschleift, bevor die eigentliche Korrektur beginnt. Eine solche Situation hatten wir bereits im Februar 2011. Oder aber, der Ausbruch der US-Börsen auf neue Hochs am vergangenen Freitag wird direkt von den Bären gekontert und die US-Börsen bekommen viel schneller ihre Korrektur als gedacht. In diesem Fall dürfte sich die Korrektur beim DAX noch deutlich beschleunigen.
Auf jeden Fall gilt es jetzt erst einmal, die Füße ruhig zu halten. Es lohnt sich nur bei ausgewählten Einzeltiteln, Korrekturen tatsächlich zu handeln. Ansonsten ist die Gefahr zu groß, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Es lohnt sich noch weniger, jetzt bereits massiv auf steigende Kurse zu setzen oder Verluste auszusitzen. Die beste Strategie in solchen Marktphasen besteht darin, einfach an der Seitenlinie abzuwarten, bis sich der Sturm wieder legt und dann in aller Ruhe auf ermäßigtem Niveau wieder zuzugreifen, während die Masse Verluste einstecken muss. Denn wie in den vergangenen Ausgaben immer wieder gesagt: Nach der bereinigenden Korrektur ist eine weitere Aktienrally in diesem Jahr sehr wahrscheinlich. Und dann locken wieder enorme Chancen mit wenig Risiko.

Henrik Voigt

Rezession – und nun?

von Henrik Voigt (15.01.2013)


Es war eine kleine Überraschung: am vergangenen Freitag musste das Bundeswirtschaftsministeriums (BWMi) einräumen, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2012 geschrumpft ist. Rezession? Wo kommt die denn plötzlich her, wo doch angeblich die Eurokrise hinter uns liegt?!

Konjunktur: Stabilisierung, aber keine Trendwende

Für 2013 hofft das Ministerium zwar auf eine deutliche Belebung der Konjunktur. Allein der Blick auf die Wirtschaftsdaten zeigt, dass eine echte Trendwende bisher nicht in Sicht ist.

Einkaufsmanagerindizes und Leistungsdaten sind nach wie vor rückläufig. Mit viel gutem Willen kann man eine Verlangsamung des Schrumpfungsprozesses feststellen. Das Erstaunliche daran ist, dass der Abschwung bereits seit 2 Jahren läuft. Wir haben es also mit einem sehr hartnäckigen Prozess zu tun. Der sich noch dazu trotz einer hochgefahrenen Verschuldung weiter fortsetzt. Allein in den letzten 4 Jahren hat sich die Weltverschuldung von 64 Bio. auf über 96 Bio. $, also um 50% erhöht. Was sagt uns das?

Mehr Schulden treiben die Aktienkurse, nicht die Konjunktur

Mehr Schulden helfen uns auch nicht mehr aus der Konjunkturflaute heraus. Der Abschwung scheint außer Kontrolle zu geraten. Ungeachtet des letzten Statements europäischer Größen wie Barroso, van Rompuy oder Schäuble, die gerade in den letzten Wochen immer wieder das Ende der Krise gesehen haben wollen. Wie passt das zur Börsenentwicklung mit Kursen, die in den letzten 2 Jahren – also während des ganzen Abschwunges – sogar leicht gestiegen sind? Auf den ersten Blick eigentlich gar nicht. Aktienkurse haben ursprünglich einmal die konjunkturellen Erwartungen des Marktes widergespiegelt. Beide (Aktienkurse und Konjunktur) entwickeln sich aber offenbar seit 2 Jahren gegenläufig. Das ist sicher eine Folge der (Zins-) Manipulationen der Zentralbanken. Die große Preisfrage ist: Wie lange hält dieser Zustand an?

Die Aktienrally endet in der nächsten Blase

Antwort: Wenn die breite Masse wieder komplett in Aktien investiert ist, wird an den Börsen der nächste mehrjährige Kurseinbruch starten. In der vergangenen Woche sahen wir bereits in den USA Mittelzuflüsse in den Aktienmarkt auf einem Rekordniveau, welches zuletzt am letzten Bullenmarkthoch im Jahr 2007 zu verzeichnen war. Haben wir es also bereits mit einer Spekulationsblase zu tun? Nein, denn die Mittelzuflüsse einer einzigen Woche sind nicht wirklich aussagefähig. Kurzfristig ist es kein gutes Zeichen für die US-Börsen, wenn es ausgerechnet an den Jahreshochs einen großen Mittelzufluss gab, der es jedoch nicht schaffte, entscheidende Widerstände zu knacken. Ein Blick auf den 6-Wochen-Durchschnit bei den Mittelzuflüssen gibt jedoch für die langfristigere Perspektive Entwarnung. US-Aktienfonds verzeichnen auf dieser Basis immer noch Mittelabflüsse. Von einem extremen Optimismus der Masse sind wir also noch weit entfernt.

Damit kann sich auch die Aufwärtstendenz bei Aktien in diesem Jahr weiter fortsetzen, auch wenn wir sicher noch im 1. Quartal eine stimmungsbedingte Korrektur sehen werden. Diese insgesamt positive Einschätzung für die Börsen mache ich von 2 Bedingungen abhängig: Es gibt keine schwere Rezession und die Liquiditätszufuhr der Notenbanken bleibt erhalten. Bereits wenn eine der beiden Bedingungen wegfallen würde, könnte die fragile Aktienrally beendet sein. Für dieses Jahr gilt also: Investieren in Aktien lohnt sich (schon wegen der fehlenden Anlagealternative), aber es muss sehr umsichtig geschehen.

Kurzfristig Einzeltitel spielen, nach Korrektur wieder breiter investieren

Kurzfristig bleiben die Aussichten noch durchwachsen. Positiv: Der DAX befindet sich in einer Konsolidierung, hat aber gute Chancen in den nächsten Tagen auf neue Jahreshochs auszubrechen, sofern die US-Indizes mitspielen. Diese kämpfen aber derzeit noch immer mit ihren Hochs aus dem vergangenen Jahr, die bisher jeden weiteren Anstieg deckeln. Erst darüber ist wieder mit Rückenwind für den DAX zu rechnen. Zusätzlich haben wir weiter die latente Gefahr einer größeren Korrektur im 1. Quartal, da die übertriebenen Kursanstiege seit Sommer 2012 erst noch verdaut werden müssen. 800 Punkte über der 200-Tage-Linie ist die Luft für den DAX sehr dünn. Auch wenn es durchaus noch 1000 oder mehr Punkte werden können: früher oder später fiel der Abstand zu dieser wichtigen Durchschnittslinie stets auf null, was in der Regel mit einem Kurseinbruch zustande kam. Schon aus diesem Grund sind wir aktuell vorsichtig mit neuen Positionen und konzentrieren uns lieber auf aussichtsreiche Nachzügler oder Aktien mit bereits abgeschlossenen Korrekturen als auf den Index selbst. Nach einer größeren Korrektur würde das Chance-Risiko-Verhältnis jedoch wieder sehr viel besser aussehen und ein Auffüllen des Depots gestatten.

Henrik Voigt

Wann kommt die Korrektur?

von Henrik Voigt (08.01.2013)



Die aktuelle Börsenphase erinnert mich etwas an den Jahreswechsel 1999/2000. Damals gab es vor dem Wechsel ins neue Jahrtausend in einer extrem sorglosen Börsenphase kurzzeitig ein Innehalten, eine Investitionszurückhaltung. Als sich der Jahreswechsel jedoch problemlos gestaltete, wich diese wieder der allgemeinen Euphorie. Die Rally dauerte damals noch bis zum März – dann platzte die Internetblase und ein dreijähriger Bärenmarkt folgte.

Auch der Jahreswechsel in das laufende Jahr 2013 war von großen Ängsten getragen, die sich letztlich als haltlos erwiesen. Der von einigen Panikmachern für den 21. Dezember 2012 prognostizierte Weltuntergang (Stichwort: Zeitenwende im Maya-Kalender) ist ausgeblieben. Auch die wesentlich realistischere Gefahr einer erneuten Rezession in den USA durch die in den letzten Wochen in den Medien allgegenwärtige Fiskalklippe wurde (scheinbar) umschifft. Die Börsen legten einen sehr guten Jahresstart hin. Die Analystengilde übt sich wieder im gegenseitigen Übertreffen von Kurszielen. Die Realität wird sie bald wieder einholen. So, wie vor 13 Jahren auch.

Noch trägt QE 3

Dass die gegenwärtigen Überschuldungsprobleme nicht gelöst, sondern lediglich mit noch mehr Schulden überdeckt wurden, ist dabei nur einer von mehreren Schönheitsfehlern. Die Börsen ignorieren diesen Umstand seit zwei Jahren tapfer. Lediglich unterbrochen von einigen kurzen wachen Momenten, in denen es zu crashartigen Abverkäufen kam, die jedoch erneut mit Liquiditätsmaßnahmen der Notenbanken zugekleistert wurden. Die Wirksamkeit solcher Maßnahmen nimmt jedoch stetig ab, wie der nachfolgende Chart eindrucksvoll zeigt. Und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Börsen das gewohnte „Stehaufmännchen" bleiben.

Wenn QE 3 wirklich endet…

Erst vor drei Wochen legten die obersten US-Währungshüter noch eine Schippe drauf, indem Sie ihre monatlichen Anleihenkäufe von 45 auf 85 Mrd. Dollar ausweiteten. Doch bereits in der vergangenen Woche bekamen sie offenbar wieder kalte Füße: Das derzeit laufende Anleihenkaufprogramm QE 3 soll nun bereits Ende des Jahres wieder eingestellt werden. Ob es sich dabei lediglich um eine Art verbale Inflationsvermeidung oder um ein ernsthaftes Vorhaben handelt, lässt sich jetzt noch nicht feststellen. Fakt ist: die Märkte hängen einzig und allein am Liquiditätstropf der Notenbanken. Solange geldpolitische Maßnahmen wie Anleihenkäufe stattfinden, werden die Kurse tendenziell weiter ansteigen, bis sich eine Blase gebildet hat, die später wieder platzt. Wenn die US-Notenbank aber ihre Anleihenkäufe zum Jahresende tatsächlich einstellen sollte, dann sehen wir einen crashartigen Abverkauf, der spätestens im Herbst beginnen dürfte. Dann wären auch alle positiven Jahresprognosen für die Börsen Makulatur. Zumindest solange, bis die Notenbanken erneut die Druckerpresse anwerfen. Es gilt, sich auch in diesem Jahr stets neben der Chart- und Stimmungsanalyse auf den dritten großen Kurstreiber – die Politik der Notenbanken – einzustellen. Letztere dürften nach aktueller Lage der Dinge den Börsen spätestens im letzten Quartal in die Suppe spucken.

Kurzfristig nur in Einzeltiteln gutes Chance-Risiko-Verhältnis

Die Charttechnik bleibt unterdessen im kurzfristigen Bereich angespannt, mittelfristig aber nach wie vor freundlich. Die US-Indizes kämpfen derzeit mit ihren 2011er Hochs und werden voraussichtlich weiter Schwierigkeiten haben, diese gleich zu Jahresbeginn nachhaltig nach oben zu überwinden. Gleichzeitig hat der DAX den wohl zu euphorischen Sprung ins neue Jahr mit einer Konsolidierung zu verdauen. Eine baldige, echte Korrektur würde das kurzfristige Abwärtspotenzial hier auf wenige hundert Punkte begrenzen und ein ab Frühjahr wieder freundliches Marktumfeld bringen. Die Alternative dazu ist ein zähes weiteres Ansteigen und eine dafür umso größere und heftigere Korrektur im Frühjahr.

Bisher ist noch nicht abzusehen, für welche der beiden Varianten der Markt sich entscheidet. Kritisch ist jedoch die sehr große Sorglosigkeit, die der amerikanische Volatilitätsindex VIX derzeit signalisiert. Das derzeitige Niveau um 14 Punkte wurde dem Markt in der Vergangenheit schon häufiger zum Verhängnis – es führte nämlich immer wieder zu Börsenkorrekturen. Sehen Sie dazu auch meine ausführliche Analyse im Innenteil. Wir werden die Zeit bis zum Start dieser Korrektur (die noch von steigenden Kursen geprägt sein wird) mit kurzfristigen Trades auf Einzeltitel nutzen, die ein überdurchschnittliches Gewinnpotenzial in kurzer Zeit bei kalkulierbaren Risiken besitzen. Ich werde gerade in den kommenden Wochen verstärkt auf frühzeitige Gewinnmitnahmen achten und keine hohen Investitionsquoten mehr fahren, da man nie wissen kann, wann der Markt zu fallen beginnt. Erst nach der Korrektur empfehlen sich wieder Investments mit einem längerfristigen Anlagehorizont von mehreren Monaten. Diese werden dann von einem gemäßigteren Kursniveau aus bei wieder gedrückter Anlegerstimmung wesentlich profitabler sein als sie es in der gegenwärtigen Situation je sein könnten. Und das ist die gute Seite an diesem Umstand. Flexibilität in der Anlagestrategie wird also auch in diesem Jahr wieder sehr wichtig sein.

Henrik Voigt

Jahres-Ausblick 2013

von Henrik Voigt (03.01.2013)



Das US-Parlament hat in der Frage der Fiskalklippe buchstäblich in letzter Minute am Silvesterabend einen Kompromiss gefunden, die Märkte starten mit einem Kurssprung in das neue Jahr – jetzt ist also alles gut und die Kurse steigen weiter, nachdem die Weihnachtsrally bekanntlich ausgefallen ist? Wenn es nur so einfach wäre. Der halbgare Kompromiss in den USA entsprang vielleicht der angeheiterten Silvesterstimmung, als Millionen Amerikaner betrunken waren. Aber er löst keines der vorhandenen Probleme. Die beschlossenen Steuererhöhungen für Reiche in den USA bringen gerade einmal 62 Mrd. Dollar ein – bei einem Haushaltsdefizit von 1089 Mrd. Dollar! Positiv ist daran lediglich die Tatsache, dass 95 Prozent der Amerikaner gar nicht von dieser Steuererhöhung betroffen sind, sich der Konsumausfall also in Grenzen hält.

Die andere - wichtigere - Seite, die Ausgabenkürzungen und die Schuldenobergrenze, wurden bisher aber ganz aus den Verhandlungen ausgeklammert, weil hier keinerlei Einigung möglich war. Hier soll in den nächsten zwei Monaten ein neuer Deal abgeschlossen werden – mit ungewissen Erfolgsaussichten. Aber damit dürfte die Unsicherheit, die den Markt zuletzt lähmte, bald wieder zurückkehren. Gleichzeitig steigt das Risiko einer erneuten Abstufung des US-Kreditratings noch im 1. Quartal dieses Jahres. Sie erinnern sich vielleicht: eine ähnliche Ausgangslage führte zum Sommercrash 2011.

Die Fiskalklippe ist noch nicht ausgestanden

Dies geschieht in einer Zeit, die von negativen Markt-Entwicklungen „hinter den Kulissen" getragen wurde. Das „smart money" in den USA hat erneut (wie schon kurz vor der Herbstkorrektur) ungewöhnlich große Shortpositionen aufgebaut. Diese Markteilnehmer liegen sehr häufig richtig. Gleichzeitig verkaufen die US-Börseninsider seit Mitte Dezember massiv Aktien, nachdem sie im November noch auf der Käuferseite standen. Auch diese Anlegergruppe lag in der Vergangenheit an wichtigen Markt-Wendepunkten fast immer richtig. Und tatsächlich sind die US-Börsen seither nicht mehr wirklich gestiegen.

Insiderverkäufe deuten auf bevorstehende Korrektur

Die US-Insiderverkäufe lagen Mitte Dezember bei 6,67:1 (für jede gekaufte Aktie wurden also fast 7 verkauft). Hier zum Vergleich die Daten kurz vor den wichtigsten Marktkorrekturen 2012: 7,11:1 vor der Frühjahrskorrektur, 5,13:1 vor der Herbstkorrektur. Sie sehen: das kritische Niveau ist bereits seit zwei Wochen wieder erreicht. Mitte November lag der entsprechende Wert noch bei 1,54:1 und damit auf einem bullischen Niveau unterhalb von 2:1. Erst, wenn wir solche Werte erneut sehen, kann wieder groß zum Einstieg in Aktien geblasen werden.

Diesen negativen Faktoren steht eine hohe Liquidität, großer Anlagebedarf zu Jahresbeginn, eine positive Saisonalität und eine bis zuletzt beeindruckende Marktstärke vor allem im Euroraum positiv gegenüber. Es kann also gut sein, dass die im vergangenen Sommer gestartete Rally sich zunächst weiter fortsetzt. Dennoch es ist sehr wahrscheinlich, dass wir im ersten Quartal eine nennenswerte, mehrere Monate andauernde Korrektur an den Börsen sehen, die die übergroße Euphorie vertreibt und einen für den weiteren Verlauf günstigeren Pessimismus erzeugt.

Jahresverlauf 2013 aber eher positiv zu erwarten

Erst danach ist wieder selbstverständlicher von weiteren Kurszuwächsen auszugehen. Die ausgefallene Weihnachtsrally hat in dieser Hinsicht bereits ein gutes Werk getan, denn dieser Umstand steigert die Wahrscheinlichkeit, dass das Gesamtjahr an den Börsen positiv verläuft. Nach einer negativen letzten Jahreswoche beim S&P 500 stand die Wahrscheinlichkeit auf einen positiven Verlauf bis Ende Januar bei 71 %, bis zum März bei 71 %, bis zum September bei 79 % und bis zum Jahresende ebenfalls bei 79 %.

Was nach wie vor überhaupt nicht zu den positiven Gewinnwahrscheinlichkeiten an den Börsen passen will, sind die Fundamentaldaten. Deutschland und Europa schlittern mit den jüngsten Einkaufsmanagerindizes weit unterhalb der Wachstumsschwelle direkt in die Rezession und selbst die bisher starken USA weisen nur ein äußerst geringes und fragiles Wachstum auf. In diesem Jahr, wird sich die Börsenrally seit den 2011er Tiefs entweder als kolossaler Irrtum herausstellen, dem ein heftiger Bärenmarkt folgen wird. Oder wir sehen urplötzlich ein weltweit anspringendes Wachstum und die Märkte bekommen doch noch Recht. Das wäre dann schon eine echte Überraschung, die auch zu neuen Allzeithochs beim DAX führen könnte. Wenn sie denn eintritt.

Aufgrund der unkalkulierbaren Unsicherheiten im US-Budgetstreit und deren möglicher Auswirkungen auf die Börsen haben wir kurz vor dem Jahreswechsel noch Gewinne aus unseren Positionen mitgenommen oder zumindest eng abgesichert. Inzwischen hat sich die Lage an den Märkten zwar scheinbar wieder entspannt. Sie ist allerdings einer übertriebenen Euphorie gewichen, die Investitionen keineswegs attraktiver macht. Wir werden deshalb in den kommenden Wochen eher kurzfristige Anlagen tätigen. Es gilt, stets für plötzliche Kurseinbrüche gewappnet zu sein. Investments auf mittel- und langfristige Sicht werden erst wieder interessant, wenn sich die Euphorie in einer größeren Korrektur abgebaut hat. Diese dürfte noch im 1. Quartal starten, voraussichtlich mehrere Wochen oder gar Monate Zeit in Anspruch nehmen und deutlich günstigere Kurse mit sich bringen, wobei dann auch zeitweise wieder die Shortseite des Marktes interessant wird. Insgesamt erwarte ich dennoch einen positiven Jahresausklang. Flexibilität in der Anlagestrategie wird also auch in diesem Jahr wieder sehr wichtig sein.

Henrik Voigt

Rückblick und Ausblick

von Henrik Voigt (27.12.2012)



Die heutige letzte Ausgabe des Börsenjahres 2012 will ich für einen kleinen Jahresrückblick nutzen und daraus wichtige Schlüsse für das kommende Jahr ableiten. Das Börsenjahr 2012 begann zunächst gut mit einer 13wöchigen Rally, die zu einer enormen Euphorie an den Märkten führte. Wir standen dieser Rally sehr skeptisch gegenüber, was sich als goldrichtig erwies. Denn ein paar Monate später wurde sie komplett wieder ausradiert und der DAX landete nach anfänglichen Jahresgewinnen von gut 22 Prozent im Frühsommer wieder im Minus. Unser Musterdepot legte im Gegenzug auf etwa 15 Prozent Plus zu.

Die Aufwärtswende fand bisher nur an den Börsen statt

Dann kam die plötzliche Kehrtwende. In blindem Vertrauen auf gut Glück und die Wirksamkeit der extremen "Euro-Rettungsmaßnahmen" fingen die Märkte ab dem Sommer an zu steigen, obwohl sich die fundamentalen Rahmenbedingungen weiter verschlechterten und bis heute weiter verschlechtern. Eine nie dagewesene Abkoppelung zwischen Konjunktur-Realität und Kursentwicklung setzte ein, die allein darauf beruhte, dass die Ankündigung einer weiteren Lockerung der Geldpolitik die Krise schon „irgendwie" entschärfen werde. Ungeachtet des bisherigen Versagens eben jener Geldpolitik.

Nach der Verkündung der erwarteten geldpolitischen Lockerungen und einer erneut extrem hohen Euphorie an den Märkten setzte wie von uns erwartet im Herbst die nächste Korrekturwelle ein. Diese Korrektur zog sich zwar erneut einige Monate hin, verlief aber deutlich flacher als die Korrektur im Frühjahr. Das führte zu unserer Prognose, dass es sich nicht um eine Trendwende nach unten handeln würde, sondern lediglich um eine Verschnaufpause vor neuen Hochs. Tatsächlich kam auch gegen Ende November der erwartete Ausbruch nach oben, allerdings startete dieser Anlauf ein wenig zu früh. Typische Pessimismus-Niveaus früherer Korrekturen wurden nicht erreicht. Das führt zu der paradoxen Situation, dass wir jetzt zwar charttechnisch schöne und klare Kaufsignale sehen, aber dass gleichzeitig die Stimmung bereits wieder grenzwertig überhitzt ist, obwohl die Rally gerade erst begann. Ganz zu schweigen von der fundamentalen Situation, die sich bisher nicht nennenswert verbessert, sondern im Gegenteil seit fast zwei Jahren stetig verschlechtert hat. Bleibt zu hoffen, dass die Märkte nach fast zwei Jahren verfrühtem Optimismus nun doch endlich Recht bekommen und es zu einem wenigstens kleinen Aufschwung in Europa kommt. Denn sonst bleibt die Gefahr eines echten Bärenmarktes a là 2008 weiter bestehen.

In diesem extrem unsicheren Umfeld waren wir im Börsenjahr 2012 nie voll investiert. Meist lagen die Investitionsquoten nur bei 25 bis 50 Prozent, der Rest diente uns als Sicherheitspolster und wurde keinen Risiken ausgesetzt. Das führt auch dazu, dass wir im Vergleich zu einem stets voll investierten DAX-Indexpapier vermeintlich ein deutlich kleineres Jahresplus aufweisen als der Index. Allerdings haben wir dieses Plus lediglich mit einem Viertel des verfügbaren Kapitals erwirtschaftet. Bei voller Investition wäre es also rund 4x so groß ausgefallen. Das sollten Sie bei Vergleichen mit dem DAX auch berücksichtigen, da sonst Äpfel mit Birnen verglichen werden. Zudem hatten wir in diesem Jahr (wie in jedem Jahr) eine lediglich sehr geringe Depotschwankung, während der DAX zwischenzeitlich schon mal 22 Prozent in nur wenigen Wochen vom Hoch einbüßte und Tagesverluste von teilweise 5 Prozent einfuhr. Die fast 30 Prozent Kursgewinn beim DAX dürften dadurch nur extrem wenige Anleger mit eisernen Nerven und größeren Zwischenverlusten eingefahren haben. Die große Masse wurde in diesem Jahr durch die zahlreichen Richtungswechsel und die vermeintliche Abkoppelung von der Fundamentalentwicklung auf dem falschen Fuß erwischt und schließt das Jahr mit Verlusten ab. Uns haben hingegen die Seitwärtstrukturen zur richtigen Zeit gerettet. So gesehen stehen wir nicht schlecht da und können im kommenden Jahr unsere Performance ausbauen - zunächst mit einem großen Sicherheitsgurt in Gestalt eines Cashpolsters, welches seine Stärken in einer nicht mehr allzu fernen Korrektur treffend ausspielen dürfte.

Im gegenwärtigen Umfeld bleibt die Stimmungsanalyse der wichtigste Erfolgsfaktor

Wir haben es weiterhin mit einem lediglich stimmungs- und geldpolitisch getriebenen Markt zu tun, der dank Draghi & Co. seine eigentliche Funktion als Konjunkturbarometer weitgehend eingebüßt hat. Die Geldpolitik wird weiter locker bleiben, was den Markt auch künftig stützen dürfte. Allerdings kann sie bei stärkerem fundamentalen Gegenwind nicht noch deutlich lockerer werden und damit etwa ein Abrutschen in die Rezession verhindern, was zu Kurzschlussreaktionen der Märkte führen kann. Dennoch wird es schwierig bleiben, einigermaßen rentable und liquide Geldanlagen neben Aktien zu finden, was dieser Anlageklasse einen gewissen Schutz vor nachhaltigen Verlusten einräumen mag. Neben der Charttechnik bleibt es im kommenden Jahr erneut besonders wichtig auf die Stimmungsindikatoren zu achten, da diese mögliche Umkehrpunkte vergleichsweise zuverlässig anzeigen.

Diese Stimmungsindikatoren sind gerade in den letzten Wochen dieses Jahre erneut so stark in Richtung Euphorie gestiegen, dass die im November gestartete Rally entweder kurz vor einer größeren Korrektur steht oder sehr holprig und zäh verlaufen wird. Die Börseninsider verkaufen wieder mit ungewöhnlich hohen Volumina, ebenso ist das smart money wieder auf die Shortseite gewechselt, nachdem vor wenigen Wochen noch die Longseite eingenommen wurde. Wir nehmen daher heute einige Gewinne mit und ziehen bei anderen Positionen Stoppkurse enger und steigen ggf. nach einer Korrektur tiefer und damit günstiger wieder ein. Lieber verpasse ich den letzten Teil einer ausgelutschten Rally, als eine möglicherweise mehrmonatige Korrektur auf der falschen Seite des Marktes mitzumachen.

Zunächst defensiv, nach einer eventuellen Korrektur wieder offensiver

Für den Jahresverlauf insgesamt bin ich dennoch sehr optimistisch, da wir derzeit weltweit charttechnische Ausbrüche zur Oberseite sehen. Auch der DAX möchte in 2013 weiter aufwärts – und zwar bis an seine Allzeithochs. Lediglich die Tatsache, dass die Masse sofort auf diesen Zug aufspringt, stört derzeit. Aber das kann eine Korrektur sehr schnell wieder bereinigen. Tritt diese tatsächlich zu Jahresbeginn ein, dann werden wir die Investitionsquoten auch wieder hochfahren.

Henrik Voigt

2013 noch weiter aufwärts?

von Henrik Voigt (18.12.2012)

Die letzten Wochen brachten bei vielen Wirtschaftsdaten Erholungen. Liefert jetzt die Konjunktur endlich das, auf was die Börsen schon seit einem halben Jahr (bisher völlig ungerechtfertigt) spekulieren? Es wird höchste Zeit, denn sonst droht die bisher rein geldpolitisch verursachte Rally der letzten Monate wieder in einem jener berüchtigten Mini-Crashs zu enden, die wir seit 2010 jedes Jahr erleben mussten. Denn bisher wurden die reichlich verteilten Vorschusslorbeeren der Börsen nicht einmal ansatzweise durch die Konjunkturentwicklung bestätigt – üblicherweise ein nicht lange haltbarer Zustand.

Kommen Kurse und Konjunktur bald wieder in Einklang?

Im kommenden Jahr stehen die Chancen gar nicht mal so schlecht für eine Erholung der Weltkonjunktur. Das Wachstum in den USA scheint sich nach einem kleinen Dämpfer wegen der Unsicherheiten über die Fiskalklippe wieder zu berappeln, in China erholen sich Wirtschaft und Börsen ebenfalls. Nur in Europa bleiben die Wachstumsaussichten bislang sehr verhalten. Bleibt zu hoffen, dass sich das im Sog einer aufatmenden Weltwirtschaft noch ändert.

Das ist gleichzeitig die große Chance für das kommende Jahr: Charttechnisch sehen sowohl der DAX als auch der EuroStoxx mit ihren jüngsten Ausbrüchen nach oben sehr vielversprechend aus. Ich gehe davon aus, dass die alten Allzeithochs beim DAX um 8200 Punkte bis zum Frühjahr 2013 erreichbar sind. Konjunkturell günstiger Rückenwind wäre dabei natürlich sehr hilfreich.

Alle positiven Annahmen gelten allerdings nur unter der Bedingung, dass es in den USA bis Silvester eine Einigung bezüglich der Fiskalklippe geben wird, denn sonst drohen ein kräftiger Kursrutsch und die Aussicht auf eine neue Rezession. Und da wird es langsam eng. Die US-Politik hat leider in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass sie erst durch Schaden klug wird. Zuletzt löste sie durch einen ähnlichen Streit wie jetzt den Sommercrash 2011 aus.

Charttechnisch weiteres Aufwärtspotenzial

Auch die Anlegerstimmung ist derzeit nach der langen Herbstkorrektur auf mittelfristiger Basis noch nicht überhitzt. Kurzfristig sind allerdings sehr wohl Rückschläge möglich, weil zu viele Anleger in der Hoffnung auf eine Weihnachtsrally in Calls investiert sind. Ein kurzfristig belastender Faktor. Ich rechne bis zum Jahresende unter dem Strich nicht mit allzu großen Bewegungen, spätestens im Januar mit der überfälligen Mini-Korrektur. Die meisten Großanleger haben ihre Bücher bereits geschlossen. Diese dürften aber im nächsten Rücksetzer im neuen Jahr ihre Investments nachholen und die Kurse mittelfristig weiter nach oben treiben.

Der Leitindex S&P 500 hat sich in den letzten Wochen deutlich erholt, konnte im Gegensatz zum DAX jedoch bisher kein neues Jahreshoch erreichen. In der vergangenen Woche lief ein Rücksetzer, der dem Markt gut tut. Gleichzeitig ist Ende dieser Woche ein großer Terminverfallstag. Eine ähnliche Ausgangslage lag bisher fünf Mal vor. Immer, wenn der S&P 500 ein 1-Monats-Hoch Anfang Dezember in einer großen Terminverfallswoche erreichte, verlief der Rest dieser Handelswoche negativ. Danach gab es jedes Mal einen Anstieg ab dem auf den Verfallstag folgenden Tag bis zum Jahresende (Kursgewinne von ca. 1 Prozent, was ordentlich für diesen kurzen Zeitraum ist). In diesem Jahr scheint es wieder ähnlich abzulaufen. Ab Januar rechne ich mit deutlicher steigenden Kursen, allerdings mit häufigen Rückschlägen garniert. Der Boden Mitte November war leider nicht ganz so tragfähig wie erhofft, was zu erhöhten Schwankungen führen wird. Beim DAX stellt sich die Frage, ob nach der Rally der letzten 4 Wochen von 10 Prozent ohne eine veränderte Ausgangslage nicht bereits das meiste Aufwärtspotenzial bis zum Jahresende schon ausgeschöpft wurde. Käufe bieten sich hier erst bei Rücksetzern oder in Konsolidierungen an.

Wir haben mit ausgewählten Titeln den Grundstein für eine erfolgreiche Saison 2013 bereits gelegt. Aber gerade die kommenden Wochen dürfte weitere günstige Gelegenheiten bieten, diese Investments weiter auszubauen, um dann im neuen Jahr von der im Dezember gestarteten Rally zu profitieren. Halten Sie sich also für weitere Kaufempfehlungen bereit.

Henrik Voigt

Neue Rally läuft

von Henrik Voigt (13.12.2012)

Bedingt durch das Unvermögen des Frankfurter Flughafens, mit ein paar Schneeflocken in einem typischen Wintermonat fertig zu werden, erscheint diese Ausgabe wie angekündigt etwas später als gewohnt.

Noch ist der Pessimismus groß genug

An den Märkten wurden inzwischen Entwicklungen eingeleitet, die vorzeitig zu einer neuen Rally führen, die nicht nur bis an das Jahresende, sondern noch weiter bis zum Frühjahr andauern wird. Die Angst vor der „fiskalischen Klippe" in den USA (also automatische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im neuen Jahr) und einem Absturz in die Rezession scheint bei vielen Marktteilnehmern momentan groß zu sein. Vor allem an der Leitbörse in den USA sehen wir derzeit rekordverdächtig niedrige Investitionsquoten der Trader bei den Rydex Index Fonds – wohl aus Angst vor genau diesem Ereignis. In der Vergangenheit war das immer ein guter Kontraindikator. Das heißt, die Kurse standen 6 Monaten später immer deutlich höher. Im September hatten wir dagegen genau das umgekehrte Bild: Da gab es rekordhohe Investitionsquoten bei diesen Tradern. Das Ergebnis kennen Sie: Von September bis November gab es eine Korrektur.

Die Zeichen stehen jetzt also wieder auf Rally. Ein Unsicherheitsfaktor ist allerdings die Tatsache, dass der Markt an seinem Korrekturtief Ende November noch nicht ausreichend bereinigt war. Aus dieser Situation hat sich trotzdem eine Rally entwickelt, aber es bleiben einige Zweifel über deren Ausmaß und Stabilität. Für den Markt wäre eine etwas längere Korrektur bis Anfang Dezember besser gewesen. Ein weiterer Wermutstropfen ist die Tatsache, dass die zuletzt noch sehr pessimistischen US-Börsenbriefe in der vergangenen Woche plötzlich wieder sehr bullisch geworden sind. Wir dürften also sehr kurzfristig noch einen kleinen Rücksetzer sehen. Dieser ist aber ideal, um Longpositionen für die nächsten Monate auszubauen.

Longseite wird in Rücksetzer ausgebaut

Unsere Shortpositionen zu Absicherungszwecken haben wir zuletzt stark reduziert. Die Longseite wird bei günstigen Gelegenheiten weiter ausgebaut. Damit sind Sie gut für die Börsenrally der kommenden Monate gerüstet. Gewinne werden wir mitnehmen, sobald der Markt wie zuletzt im September erneut zu überhitzen droht. Halten Sie sich bitte stets für neue Handels-Empfehlungen bereit.

Henrik Voigt

DAX Profits Urlaubsausgabe

von Henrik Voigt (26.11.2012)

Da ich Sie während meines Urlaubes unmöglich ohne Analysen lassen möchte, habe ich zu Beginn meines Urlaubes noch mal meinen Platz am Schreibtisch eingenommen und für Sie die vorliegende Analyse verfasst, die Sie sicher durch die kommenden beiden Wochen bringen wird. Auch zwei neue Trading-Empfehlungen sind mit dabei, die ganz unabhängig von der momentanen Großwetterlage an den Märkten funktionieren werden. Aus Zeitgründen muss die aktuelle Ausgabe allerdings etwas kleiner als gewohnt ausfallen, was der Qualität des Inhaltes aber keinen Abbruch tut. Auf eine ausführliche Positionsbesprechung verzichte ich diesmal, weil es schlichtweg keinen neuen Handlungsbedarf gibt. Die Depotübersicht ist in der Fassung vom 22.11. - ergänzt um die beiden Neuempfehlungen. Bei den Stopps gibt es keinen Handlungsbedarf.

Wie Sie aus meinen letzten Ausgaben wissen, geht es an den Märkten derzeit um die Frage, ob wir uns nun einem Ende der Korrektur nähern und in eine neue Rallyphase bis zum Frühjahr einschwenken. Oder ob es noch weiterer Kursrückgänge bedarf, bis sich der dafür nötige Pessimismus eingestellt hat. An der Nachrichtenfront tut sich unterdessen nichts, was die Märkte wirklich schockieren könnte. Griechenland wird zwar hingehalten, aber die Märkte wissen ohnehin, dass eine Pleite politisch nicht gewollt und damit auch nicht zugelassen wird. Die fiskalische Klippe in den USA ist ein alter Hut und die Konjunktur dümpelt weiter vor sich hin.

Wann ist die Skepsis wieder groß genug für eine Rally?

Vielleicht drängen sich in dieser Situation Aktienengagements nicht besonders auf, allerdings gibt es auch kaum alternative Anlagen. Sobald wieder genug Skepsis an den Märkten eingekehrt ist, werden die Börsen demzufolge weiter zulegen. Wichtig ist bei Aktien allerdings, auf Qualität zu achten, das heißt auf Unternehmen, die auch jetzt noch ordentliche und steigende Gewinne generieren könne, was im gegenwärtigen Umfeld eines Abschwunges nicht einfach ist. Wir haben da aber sehr aussichtsreiche Kandidaten im Depot, die diese Fähigkeit teilweise seit Jahren beweisen. Auf der anderen Seite brauchen Sie auch keine Scheu zu haben, bei denjenigen Unternehmen auf fallende Kurse zu setzen, die diese Fähigkeit nicht besitzen. Im Gegenteil: Mit dieser weniger von einer einzigen Kursrichtung abhängigen Depotstruktur machen Sie Ihr Anlagevermögen krisenfest.

Jürgen Nowacki

Dankeschön – und denken Sie positiv!

von Jürgen Nowacki (22.11.2012)



Heute wird in den USA „Thanksgiving“, das wichtigste Familienfest, gefeiert. Ein guter Anlass, wie ich meine, danke dafür zu sagen, dass Sie mich mit Ihren Leserbriefen vier Jahre lang unterstützt haben.

Ja, es sind sogar etwas mehr als vier Jahre her, dass ich den Target Trader übernommen habe. In dieser Zeit ist an den Märkten viel passiert: Zuerst ein Erdbeben an den Finanzmärkten, ausgelöst durch unkontrollierbare Finanzprodukte, dann eine Vertrauenskrise in Euro-Staatsanleihen und nicht zu vergessen ein echtes katastrophales Erdbeben in Japan mit atomarer Katastrophe vor nicht einmal zwei Jahren. All das hat tiefe Spuren an den Märkten und bei Börsianern hinterlassen. Nicht nur großes Misstrauen gegenüber Banken und deren Produkten sowie gegenüber vielen Staaten und deren ruinösen Verschuldungsstrategien, sondern auch gegenüber Lebensversicherungen, deren Kunden stark verunsichert sind. Immer mehr Anleger fürchten, ihre Sparziele nicht zu erreichen und flüchten in Sachwerte. Das wiederum hat zur Folge, dass mancherorts die Immobilienpreise so stark gestiegen sind, dass die Bundesbank vor einer möglichen Blasenbildung warnt. Sollte es wirklich dazu kommen, wäen es wieder einmal die Kleinanleger, die darunter zu leiden hätten.

In dieser Zeit, liebe Leser, habe ich Sie sehr gerne betreut. Mir war es stets wichtig, Sie in meine Anlageentscheidungen so einzubeziehen, dass das Motto „Vermögensverwaltung in Eigenregie“ wirklich mit Leben erfüllt wird. Das hat, wie Sie sich bestimmt vorstellen können, viel Zeit und Engagement gefordert, weshalb ich mich zukünftig wieder stärker auf mein Kerngeschäft als Vermögensverwalter konzentriere und mich heute von Ihnen als Chefredakteur des Target Trader verabschieden möchte.

Einen herzlichen Dank richte ich auch an das Redaktionsteam im Verlag, das mich stets mit Engagement und Ideenreichtum unterstützt hat.

 

Henrik Voigt

Wende im Dezember?

von Henrik Voigt (20.11.2012)



Wer von Ihnen schon länger bei uns mit dabei ist, der wird sich an meine Ausgaben im August/September erinnern. Damals schrieb ich Ihnen, dass mit Aktien in den kommenden Monaten kein Blumentopf zu gewinnen sein wird, weil die Börsen vor (ganz nebenbei noch absolut ungerechtfertigtem) Optimismus überschäumen. Spätestens seit September geht es nun abwärts, bei einigen Indizes auch schon eher. An der Fundamentalsituation „weltweiter Abschwung" hat sich inzwischen nichts geändert. Aber immerhin ist die Anlegerstimmung deutlich besser (heißt: skeptischer) geworden, was in Kürze wieder risikoärmeres Investieren ermöglichen wird.

Während die „Commercial Hedgers" (eine Anlegergruppe, die sehr häufig richtig liegt) im August noch rekordhohe Shortpositionen auf den S&P 500 hielten und damit die Gefahr einer Korrektur enorm groß war, haben diese jetzt einen Großteil ihrer Positionen glattgestellt. Eine günstige Entwicklung für den weiteren Jahresverlauf, denn es empfiehlt sich in der Regel, dem „smart money" zu folgen. Ganz im Gegensatz dazu versuchen die vielen kleinen Trader am US-Markt ihr Glück mit inversen ETF`s, die bei fallenden Kursen zulegen. Deren Handelsvolumen stieg im November auf ein Niveau an, welches wir zuletzt im Herbst 2011 sahen – kurz bevor die Kurse zu einer großen Jahresendrally ansetzten. Wenn dieser Kontraindikator erneut so wirkt wie im vergangenen Herbst, dann dürften wir in Kürze eine sehr wichtige Bodenbildung an den Börsen sehen.

Stimmungsindikatoren günstig, aber noch nicht „unten"

Aber nicht alle Indikatoren sehen bereits wieder so günstig aus. Viele Anleger flüchten beispielsweise während einer Börsenkorrektur aus Aktien hinein in Geldmarktfonds. Gerade diese „ultrasicheren" Fonds erlebten in den letzten drei Monaten eine Renaissance. Allerdings stecken derzeit noch nicht genug Mittel in den Rydex Geldmarktfonds, um schon von dem exzessiven Pessimismus zu sprechen, den wir beispielsweise im März 2009 oder im Herbst 2011 sahen und der damals eine Rally an den Aktienmärkten fast zwingend machte. Aktuell werden hier nur etwa halb so viele Mittel wie an den genannten Extrempunkten geparkt. Betrachtet man diesen wichtigen Indikator, dann hat die Korrektur erst die Hälfte ihres Jobs – Anleger aus Aktien herauszutreiben – erledigt.

Vor allem die Hedgefonds stecken derzeit noch über beide Ohren in Aktien. Ihre Aktienquote beträgt aktuell über 40 % - so hoch wie am letzten Bullenmarkthoch im Juni 2007! Bei solch hohen Aktienquoten sehen wir in den folgenden vier Wochen in der Regel eine Underperformance des Aktienmarktes gegenüber anderen Anlageklassen. Erst, wenn die Aktienquote wieder unter 25 % gefallen ist, ist von einem nahenden Boden an den Börsen auszugehen. So, wie das zuletzt im Juni 2012 der Fall war.

Betrachten wir alle wichtigen Stimmungsindikatoren zusammen, so ist eine Bodenbildung bei den Aktien zwar jederzeit möglich, aber noch nicht sehr wahrscheinlich. Und zum jetzigen Zeitpunkt auch noch nicht unbedingt wünschenswert. Denn je pessimistischer die Stimmung nach einer Korrektur ist, umso größer ist das anschließende Aufwärtspotenzial und umso länger dauert die nachfolgende Rally. Wären die Börsen schon jetzt nach zwei Monaten moderater Korrektur „unten", dann bestünde die Gefahr, dass zu viele Anleger zu schnell wieder auf den vermeintlich schon wieder fahrenden Zug aufspringen würden. Wir würden dann entweder eine sehr zähe und schwache Rally bekommen. Oder es wäre bereits am Jahreshoch oder nur wenig höher wieder Schluss.

Mögliche Bodenbildung erfordert Zeit und Geduld

Der S&P 500 hat mein Mindestkorrekturziel bei 1325 Punkten noch nicht ganz abgearbeitet (es fehlte noch 1 Prozent). Charttechnisch sehen wir derzeit auch noch keine Bodenbildung. Es kann also jederzeit noch eine Etage tiefer gehen. In den kommenden zwei bis vier Wochen wird sich aber zeigen, ob aus der kleinen Kursstabilisierung der letzten Tage vielleicht ein Boden werden kann. Dann wäre voraussichtlich auch wieder genügend Pessimismus im Markt, um anschließend für eine wirklich große Rally bis ins nächste Frühjahr hinein zu sorgen. Auf jeden Fall ist eine Bodenbildung aber nicht ein Ereignis, welches über Nacht geschieht, sondern das seine Zeit braucht. Die tragfähigen Böden im Sommer 2010 und Herbst 2011 brauchten alle etwa drei Monate. Nur nach der Mini-Korrektur vom Frühjahr 2012 ging es nach drei Wochen bereits wieder aufwärts. Planen Sie also jetzt etwas Zeit ein und bringen Sie etwas Geduld mit – es lohnt sich.

In der aktuellen, noch immer unklaren Situation bleibt Flexibilität weiter Trumpf, was sich sehr gut in unserem Musterdepot mit Seitwärtsstrukturen und Trendpositionen in beiden Marktrichtungen widerspiegelt. Wir shorten Schwäche und wir kaufen Stärke. Im Idealfall gewinnen letztlich beide Positionierungsrichtungen und wir sind damit relativ unabhängig von der Gesamtmarktentwicklung. Ein Hochfahren der Investitionsquote ist für den Zeitpunkt geplant, an dem wir klare charttechnische Signale sehen und eindeutige Extrempunkte bei den Stimmungsindikatoren. In einer solchen Konstellation lässt sich meist besonders sicher, aber gleichzeitig sehr gewinnträchtig investieren. Ich rechne in etwa mit Mitte Dezember damit, falls die zuletzt günstige Entwicklung sich weiter fortsetzt.

Während der DAX seit der letzten Ausgabe unter heftigen Schwankungen und trotz kräftiger Erholung noch über ein halbes Prozent im Minus steht, hält sich unser Musterdepot unverändert und damit deutlich besser. Unsere Depotstruktur bewährt sich hervorragend.

Jürgen Nowacki

Thanksgiving steht vor der Tür – positive Überraschungen sind nicht ausgeschlossen

von Jürgen Nowacki (15.11.2012)



Sie mögen vielleicht denken, liebe Leser, was ist denn in den Nowacki gefahren? Die Aktienmarktindikatoren sind tiefrot und stehen auf Baisse. Namhafte Analysten sehen die USA auf ein Kliff zusteuern, welches ab dem 1.1.2013 die USA in eine tiefe Rezession stürzen könnte. Und wenn wir uns die Nachrichtenlage zu Europa ansehen, dann steht es wieder einmal auf Messers Schneide. Schlechte Konjunkturnachrichten kommen nicht nur aus Portugal und Spanien, sondern auch aus Italien und Frankreich – das ist nicht wegzudiskutieren.

Aber wo Schatten ist, da ist auch Licht, liebe Leser. Deutschland hat seine wichtigsten Exportmärkte in den USA und China. Die USA werden jetzt nach der Wahl schneller und pragmatischer sinnvolle Entscheidungen treffen können, als es Kritiker für möglich halten, davon bin ich fest überzeugt. Was besonders wichtig ist: Die Häuserpreise steigen, und die US-Verbraucher sind in bester Konsumlaune. Das lässt die Ladenkassen klingeln und stabilisiert den Binnenmarkt.

China wird, nachdem sich die neuen Machthaber eingearbeitet haben, um die wirtschaftliche Belebung kümmern, das ist sicher. Der neue Chef Xi Jinping wird die Wirtschaftspolitik seines Vorgängers fortführen, und die war nicht zum Schaden deutscher Exporte. Die Inflation ist niedrig; Kapital für Konjunkturprogramme ist reichlich vorhanden. Aus diesem Grund und weil ich die Aktienpositionen weitestgehend abgebaut habe, sind die Absicherungen mit DAX-PUTS überflüssig geworden. Wer aber den technischen Signalen und Charts folgen möchte, zieht jetzt seine Stopps weiter nach und sichert die Gewinne ab. In der heutigen Target-Trader-Ausgabe erfahren Sie, welches Potenzial Sie mit Ihren PUTs noch ausschöpfen können.

Jetzt gilt es aber, auch nach vorne zu schauen und einen Blick auf die Energiewende zu werfen – speziell auf den Trassenbau. Die Windernte auf See ist für Windenergieanlagen sehr profitabel, aber wie kommt der Strom an Land? Wussten Sie, liebe Leser, dass Stromkabel Lieferzeiten von 50 Monaten haben? Im heutigen Schwerpunkthema greife ich deshalb das Thema Kabelhersteller noch einmal auf, damit Sie diese Branche nicht aus den Augen verlieren. Warum ich Thankgiving in der Überschrift erwähnt habe? Das lesen Sie heute in DAX- und Dow-Outlook.

Henrik Voigt

Bodenbildung rückt näher

von Henrik Voigt (13.11.2012)


Die Welt-Leitbörse USA präsentiert sich seit der vergangenen Woche charttechnisch schwer angeschlagen. Hier sind weitere Kursverluste zu erwarten. Im Widerspruch dazu stehen die deutschen Indizes. Beim DAX zeigt sich nach wie vor ein bullisches Konsolidierungsmuster, was höchstens moderate Verluste und später neue Jahreshochs ankündigt. Beim MDAX ist der Aufwärtstrend nach dem neuen Allzeithoch weiter ungebrochen. Ich habe selten ein so uneinheitliches Bild gesehen. Das macht es noch schwerer, sich für eine bestimmte Positionierungsrichtung zu entscheiden.

Hilfreich ist in dieser unklaren Situation aber der Blick auf jene Indikatoren, die die Anlegerpositionierung widerspiegeln. Oft deuten Extreme in diesen Indikatoren auf einen bevorstehenden Trendwechsel hin. Aus diesem Grund hatte ich Ihnen im Spätsommer und Herbst auch vehement von Aktienkäufen abgeraten, was sich nun – mitten in der Korrektur – als richtig erweist. Die Masse war bereits investiert und das geht selten lange gut. Bei einigen Indikatoren sehen wir nun aber tatsächlich Extreme, die typisch für Böden sind. So stehen etwa die Insider am US-Markt wieder deutlich auf der Käuferseite, während diese noch im Sommer deutlich auf der Verkäuferseite standen.

Die Masse ist investiert – aber jetzt in Short-Papieren

Im Gegensatz dazu kauft die Masse der US-Anleger inverse ETF`s, um von einem Kursrutsch zu profitieren oder das Depot gegen einen solchen abzusichern. Das Volumen dieser Short-Papiere stieg kürzlich auf das zweithöchste Niveau in vier Jahren! Höher war es zuletzt nur am 04.10.2011, als der US-Markt sein Jahrestief 2011 ausbildete und fortan nur noch stieg. Überhaupt entwickelt sich der Aktienmarkt immer dann überdurchschnittlich gut, nachdem die Masse in Shortpapieren investiert ist (die Masse liegt bekanntlich meistens falsch). Dies gilt vor allem für den längerfristigen Zeithorizont. Historisch betrachtet zeigte der S&P 500 ein Jahr nach einer vergleichbaren Volumenspitze bei den inversen ETF`s wie aktuell jedes Mal ein Plus von im Durchschnitt beachtlichen +22.4% (in 22 von 22 beobachteten Fällen, Quelle: sentimenttrader.com). Indikatoren mit einer so hohen Trefferquote (von 100 %) sind übrigens wirklich selten.

Nächstes Indiz für einen ungewöhnlich hohen Pessimismus: Gemäß dem Hulbert Financial Digest sind die US-Börsenbriefschreiber erstmals wieder netto short seit Juni (dem letzten markanten Tief). Sie empfehlen also, auf fallende Kurse zu setzen. Ein guter Kontraindikator. Denn immer, wenn dies seit 1997 der Fall war, zeigte der S&P 500 innerhalb der nächsten drei Monate Gewinne in 79% aller Fälle, verbunden mit einem mittleren Gewinn von +4.9%. Auch nicht schlecht. Zumindest, wenn man dann eben nicht short war.

Wir haben hier also drei wichtige Indizien, dass der Markt in Kürze wieder nach oben abdrehen könnte. Es gibt aber durchaus noch andere bedeutsame Indikatoren, die noch nicht so erfreulich aussehen. Deshalb ist es wichtig, auch die entsprechenden charttechnischen Signale abzuwarten, die eine Trendwende des Marktes nach oben bestätigen. Diese liegen bisher noch nicht vor und werden sicher auch noch einige Wochen bis zu ihrer vollständigen Ausbildung brauchen. Aber es gibt klare Marken, die eine solche Wende nach oben anzeigen würden. Ich nenne Ihnen diese Marken wie immer im Analyseteil und werde entsprechende Anlageempfehlungen folgen lassen, wenn es soweit ist.

Volatiler Bodenbildungsprozess möglich – aber klare Kaufsignale abwarten

Für die nächsten Wochen erwarte ich zunächst eine erhöhte Volatilität, gefolgt von einer Bodenbildung. Zunächst dürften die Diskussionen um die „fiskalische Klippe" in den USA noch viele Anleger schrecken. Allerdings hat die saisonal stärkste Zeit für Aktien bereits begonnen. Mit der Wiederwahl des amtierenden US-Präsidenten Obama ist zudem eine Fortsetzung derjenigen Fiskal- und Geldpolitik sichergestellt, die zumindest für die Finanzmärkte in den vergangenen Jahren günstig war. Soll heißen: weitere Inflationierung und das Aufpumpen von Anlageblasen ist das einzige, was Notenbanken und Politikern in der aktuellen Situation einfällt.

Noch ist nicht sicher, ob die Notenbanken oder die Deflation schlussendlich den Kampf gewinnen werden. Aber zurzeit haben die Notenbanken leicht die Nase vorn. Bei der künstlich nach unten manipulierten Rendite einer zehnjährigen deutschen Bundesanleihe von 1,4 Prozent und einer offiziellen Inflationsrate von über 2 Prozent wird es dem Anleger ja ohnehin unmöglich gemacht, nicht in Aktien, Rohstoffe, Edelmetalle, Immobilien u.ä. zu investieren… Kursrisiko inklusive. Aber dies ist immer noch besser, als den sicheren Realwertverlust auf dem Sparbuch oder in Anleihen in Kauf zu nehmen. Als Resultat dieser verantwortungslosen Notenbankpolitik werden wir in den nächsten Jahren noch das Platzen mehrerer Blasen erleben. Dieser Zeitpunkt ist aber noch lange nicht gekommen. Die weit verbreitete Risikoaversion nach mehreren Crashs und Bärenmärkten in den letzten 12 Jahren hat dies bisher verhindert.

In der aktuellen, noch immer unklaren Situation bleibt Flexibilität weiter Trumpf. Wir werden weiterhin kurzfristig Einzeltitel in beiden Marktrichtungen spielen. Wir shorten Schwäche und wir kaufen Stärke. Im Idealfall gewinnen letztlich beide Positionierungsrichtungen und wir sind damit relativ unabhängig von der Gesamtmarktentwicklung. Ein Hochfahren der Investitionsquote ist für den Zeitpunkt geplant, zu dem wir klare charttechnische Signale sehen und eindeutige Extrempunkte bei den Stimmungsindikatoren. In einer solchen Konstellation lässt sich meist besonders sicher, aber gleichzeitig sehr gewinnträchtig investieren.

Jürgen Nowacki

General Motors sei Dank: Barack Obama gewinnt in Ohio – und damit das Rennen 

von Jürgen Nowacki (07.11.2012)

Es ist schon verrückt, aber mussten sich nicht die Deutschen mit ihrer Sozialen Marktwirtschaft jahrzehntelang vorhalten lassen, dass sie nach Meinung von US-Liberalen am Rande des Sozialismus agieren würden? Und mussten sich in Europa die Politiker nicht so manches Mal vorhalten lassen, die EU-Förderung habe in vielen Bereichen die Marktkräte außer Kraft gesetzt und Milliarden Euro seien fehlgeleitet worden?

Ökonomen sprechen von Fehlallokation des Gutes „Kapital“ wenn alte Industrien oder schlecht geführte Unternehmen mit Steuergeldern am Leben gehalten werden, anstatt dieses in Zukunftstechnologien und damit in stabilere Arbeitsplätze zu investieren. Der freie Wettbewerb und die vielbeschworenen selbstheilenden Kräte sowie der Erfindungsreichtum der Unternehmer wüden letztlich dafür Sorge tragen, so die Vertreter der liberalen Wirtschaftsordnung, dass unrentable Unternehmen ausgesondert und Platz machen wüden fü eine neue bessere Arbeitswelt.

Doch spätestens nach dem Zusammenbruch der elitären Bank- und Finanzwelt sieht man das in den USA etwas demütiger und differenzierter. Die Automobilindustrie ist ein gutes Beispiel dafür, wie hemmungslos heute immer öfter nach staatlicher Unterstüzung gerufen wird. Wussten Sie, liebe Leser, dass in den 1960er-Jahren BMW mit Hilfe der bayerischen Landesregierung gerettet wurde? 1975 war Citroën faktisch pleite,wurde dann mit Peugeot fusioniert und mit staatlicher Hilfe gerettet. Auch General Motors wurde 2010 durch Barack Obamas Interventionen und mit staatlicher Hilfe wieder auf die Beine gestellt. BMW gilt heute als eines der profitabelsten Unternehmen der Automobilbranche, und auch General Motors schreibt wieder schwarze Zahlen. Als Dankeschön hat sich jetzt eine ganze Wirtschaftsmetropole um Detroit herum bei Obama bedankt. Die Swing States, die eine hohe Beschäftigung in der Automobilindustrie haben, verhalfen ihm zum Wahlsieg.

Die Wall Street zeigt sich wenig optimistisch

Aber was macht die Wall Street am Tag nach der Wahl? Die Kurse fallen, wie ich es Ihnen in der vergangenen Woche auf Seite 1 im Target Trader prognostiziert habe. Sie fällt, weil jetzt nach der Wahl den Marktteilnehmern bewusst wird, dass sich in den USA faktisch nichts geändert hat. Der Albtraum, die Verschuldungskrise, geht weiter.Ich hoffe, liebe Leser, Sie haben meine Eilmitteilung am Mittwochvormittag gelesen und sich nicht von der Euphorie der Wahlfeierlichkeiten anstecken lassen. Falls Sie dennoch Aktien kaufen wollten, hatten Sie Gelegenheit, bis zur Eröffnung der New Yorker Börse Ihren Plan zu korrigieren.

Fassen wir zusammen: Die USA operieren an der Verschuldungsgrenze von 16 Billionen US Dollar. Wenn die Republikaner, die im Repräsentantenhaus die Mehrheit haben, nicht der Verlängerung der am 31. 12. dieses Jahres auslaufenden Sozial- und Steuerentlastungsgesetze zustimmen, dann treten automatisch Steuererhöungen und Ausgabenkürzungen in Höhe von rund 500 Mrd. USD (pro Jahr) in Kraft. Die Folge wird eine schwere Rezession in den USA sein.

Wie schnell werden sich die Kontrahenten jetzt an einen Tisch setzen, um ihrem Land das zu geben, was der Wahlkampf bisher nicht thematisiert hat? Die USA brauchen stabile Verhältnisse!

Henrik Voigt

US-Wahlrally noch wacklig, aber möglich

von Henrik Voigt (30.10.2012)



Die Anzeichen für eine kleine Rally an den Börsen im direkten Umfeld der heute stattfindenden US-Präsidentschaftswahl haben sich mit der Kurs-Stabilisierung der vergangenen Woche verstärkt. Allerdings steht diese Rally bisher auf sehr wackligen Beinen. Vor allem die Leitbörse USA zieht nicht wirklich mit, während ich mir um den DAX oder gar um den MDAX, der am Freitag schon wieder ein knappes neues Allzeithoch erreichte, weniger Sorgen mache. Aber selbst hier kann das Bild schlagartig wieder kippen, wenn die US-Börsen unter die Vorwochentiefs fallen würden.

Der S&P 500 hat im Oktober trotz Präsidentschaftswahl (eigentlich ein positives Vorzeichen) mehr als 2 Prozent an Wert verloren. Dies geschah bisher nur drei Mal (1932, 1976 und 2008). In allen drei Fällen verlor der Index danach im November weiter (-5.9%, -0.8% und -7.5%), gewann aber danach ebenso im Dezember in allen drei Fällen (+5.2%, +5.2% und +0.8%). Wenn sich die Geschichte wiederholen würde, dann würde auf einen schwachen November ein starker Dezember folgen. Unter statistischen Gesichtspunkten liegen allerdings zu wenige Daten vor, auf wirklich zuverlässige Schlüsse daraus ziehen zu können.

Euphorie deutlich abgekühlt

Was sich aber definitiv sagen lässt, ist Folgendes: die extrem euphorische Anlegerstimmung hat sich in den letzten Wochen recht gut abgekühlt. Erste Stimmungsindikatoren erreichen jetzt sogar schon ein Pessimismus-Niveau, welches bereits wieder als Kontraindikation taugt. Der Hulbert Sentiment Index auf den Nasdaq-Index etwa steht bei minus 38 % (die US-Börsenbriefschreiber sind für diesen Index also im Schnitt zu 38 % short ausgerichtet). Das ist der drittgrößte Pessimismus dieses Indikators in den letzten beiden Jahren nach dem 18.03.2011 (-42%) und dem 07.10.2011 (-44%). In beiden Fällen kam es direkt danach zu mehrmonatigen Kursanstiegen.

Auch die unmittelbare Crashgefahr ist in den letzten Wochen von einem gefährlich hohen auf ein ungefährliches Niveau gesunken. Nach dem „SKEW-Indikator", der die Wahrscheinlichkeit einer großen, unerwarteten Marktbewegung binnen 30 Tagen auf der Basis von Optionspreisen misst, ist diese von ungewöhnlich hohen 10 % Anfang Oktober auf aktuell nur noch 6,5 % gesunken, was nahe einem Drei-Jahres-Tief liegt. Auf diesem Niveau besteht für Aktienanlagen derzeit nur ein geringes Risiko und demnach hätte die Herbstkorrektur einen guten Job gemacht. Freilich gibt es noch andere Risikoindikatoren, die noch nicht ein so komfortables Niveau erreicht haben und auf weitere Abkühlung warten. Eine Rally ist auf dem gegenwärtigen Niveau also nicht „zwingend", aber gut möglich.

Verlässliche Richtungsentscheidung steht noch aus

Flexibilität bleibt also weiter Trumpf. Wir werden weiterhin kurzfristig Einzeltitel in beiden Marktrichtungen spielen. Wir shorten Schwäche und wir kaufen Stärke. Im Idealfall gewinnen letztlich beide Positionierungsrichtungen und wir sind damit relativ unabhängig von der Gesamtmarktentwicklung, die gerade in den kommenden Wochen schwer prognostizierbar sein wird, da sie auch vom (unbekannten) Wahlausgang abhängt. Meine letzten Kaufempfehlungen waren in der großen Mehrzahl Volltreffer und liegen bereits im Gewinn – mit weiterem Potenzial. Genau in dieser Art soll es in den kommenden Wochen weitergehen. Allerdings können wir uns erst dann auf eine Kursrichtung konzentrieren, wenn auch der Markt einen eindeutigen Trend einschlägt. Bisher scheint er sich noch alle Möglichkeiten offenhalten zu wollen. In dieser Situation liegen Sie mit unserem flexiblen und selektiv auf Einzeltitel ausgerichteten Depot goldrichtig.

Jürgen Nowacki

Die Marktkorrektur steht erst am Anfang, aber wir sehen trotzdem gute Trading-Chancen 

von Jürgen Nowacki (31.10.2012)
 

In der vergangenen Woche, liebe Leser, habe ich Ihnen beschrieben, wie schwer es ist mit Value-Investing Geld zu verdienen, wenn das Timing für die Märkte nicht stimmt. Die Schlagzeilen der US-Finanzpresse titeln überwiegend negativ –angefangen von einer ärmlichen Berichtssaison der Unternehmen, einem möglichen Schuldenschnitt in Athen, US-„fiscal cliff“ Wirbelsturm Sandy und nicht zuletzt die echte Finanzkrise in Japan. Ich habe Sie, liebe Leser, bereits vor drei Wochen darauf vorbereitet, was passiert, wenn die US-Notenbank ihr Pulver in Form von QE3 zu früh verschießt. Was will sie den negativen Nachrichten denn jetzt noch entgegensetzen?

Andererseits wissen Börsianer zwei Dinge: Zum einen „Wenn die Kanonen donnern, muss man kaufen“ und zum anderen „Wo Schatten ist, da ist auch Licht“. Also werden wir uns heute mit all diesen Herausforderungen beschäftigen, um unseren Fahrplan für die nächsten Wochen zu überprüfen. Das werden wir nicht in einer Ausgabe schaffen, weshalb es in DAX und DOW Outlook dazu nächste Woche eine Fortsetzung geben wird.

Im Devisensektor werden wir uns wegen der Finanzkrise in Japan das Währungspaar US-Dollar und Japanischer Yen ansehen. Hier wird sich, soviel sei bereits verraten, eine Tradingchance ergeben. Und was den US-Wahlkampf angeht, dürften viele Anleger auf die letzten Arbeitsmarktdaten vor dem Wahltermin blicken. Aber lassen Sie sich nicht aufs Glatteis führen, denn besonders wichtig sind zuerst die ADP-Arbeitsmarktdaten vom 12. November. Dann erst geht es um die Zahlen der US-Administration am Freitag um 13:30 MEZ. Wie sich nämlich in den vergangenen Monaten immer wieder zeigte, war die Anzahl der neu geschaffenen Stellen in der Privatwirtschaft stets besser, als es in den Arbeitsamt- Gesamtzahlen für Angestellte des öffentlichen Dienstes und der Privatwirtschaft zum Ausdruck kam.

Henrik Voigt

Zyklischer Zwischenanstieg vor der US-Wahl?


von Henrik Voigt (30.10.2012)

Die Börsen korrigieren seit etwa Mitte September. Die damals zu beobachtende, rekordverdächtig euphorische Anlegerstimmung ist Ursache dieser Korrektur. Die Euphorie hat sich seitdem etwas abgekühlt. Allerdings nicht so stark, dass die Kurse „zwangsläufig" wieder steigen müssten. Nun wirft ein Ereignis seine Schatten voraus, welches in der Vergangenheit oft für kurzfristig steigende Kurse gesorgt hat: In knapp zwei Wochen wird in den USA ein neuer Präsident gewählt, nämlich am 06. November.

Direkter Vor-Wahl-Zeitraum fast immer profitabel

Seit 1950 war der Zeitraum zwischen der letzten Oktoberwoche und der Präsidentenwahl in den USA in 12 von 15 Fällen von Kursgewinnen geprägt. Der S&P 50 gewann während dieses Zeitraumes im Durchschnitt 2,4 % (in den drei seltenen Verlustfällen waren es 1.4%, -0.6% und -2.5%). Sie sehen also: die Zeit direkt bis zum Wahltermin ist in der großen Mehrzahl aller Fälle eine mit Kursgewinnen. Freilich nur auf sehr kurzfristige Sicht, denn ich hatte bereits in einer zurückliegenden Ausgabe dargelegt, dass im Falle eines Regierungswechsels erneuter Druck auf den Börsen lasten wird, was sich ebenfalls historisch/ statistisch belegen lässt. Zurzeit zeigt sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Märkte wissen also selbst noch nicht, was sie in zwei Wochen erwarten wird.

Eine kleine „Vor-Wahl-Rally" würde aber derzeit gut ins charttechnische Bild passen, denn der S&P 500 steht kurz vor einer sehr wichtigen Unterstützung bei 1400 Punkten, die zumindest eine Zwischenerholung einleiten dürfte. Aufgrund der bisher zu gering abgekühlten Stimmungsindikatoren rechne ich von dieser Seite aber damit, dass es spätestens nach der Wahl wieder schwieriger wird mit weiteren Anstiegen. Auch sind die Indizes bereits charttechnisch angeschlagen. Sollte hier in den kommenden zwei Wochen trotz günstiger Voraussetzungen keine Besserung eintreten, dann geht es nach der Wahl definitiv weiter abwärts. Dies wäre nämlich ein Zeichen nachhaltiger Schwäche.

Immer flexibel bleiben

Flexibilität bleibt also weiter Trumpf. Wir werden weiterhin kurzfristig Einzeltitel in beiden Marktrichtungen spielen. Wir shorten Schwäche und wir kaufen Stärke. Im Idealfall gewinnen letztlich beide Positionierungsrichtungen und wir sind damit relativ unabhängig von der Gesamtmarktentwicklung, die gerade in den kommenden Wochen schwer prognostizierbar sein wird, da sie auch vom (unbekannten) Wahlausgang abhängt.

Meine letzten Kaufempfehlungen waren in der großen Mehrzahl Volltreffer und liegen bereits im Gewinn – mit weiterem Potenzial. Genau in dieser Art soll es in den kommenden Wochen weitergehen. Allerdings können wir uns erst dann auf eine Kursrichtung konzentrieren, wenn auch der Markt einen eindeutigen Trend einschlägt. Bisher scheint er sich noch alle Möglichkeiten offenhalten zu wollen. In dieser Situation liegen Sie mit unserem flexiblen und selektiv auf Einzeltitel ausgerichteten Depot goldrichtig.

Jürgen Nowacki

Value Investing ist kein Patentrezept

von Jürgen Nowacki (25.10.2012)


Value-Investing gegen Technische Analyse–und was sagt Ihr Bauchgefül dazu, liebe Leser?

Börsenperlen sollen sie sein, die man ganz leicht finden könne, versprechen vollmundig die Wirtschaftsgazetten. Man müsse nur nach Aktien suchen, die über ein Kurs-Buchwert-Verhätnis (KBV) unterhalb von 1 verfügen –dann werde man ganz einfach reich. Ich bin mir sicher, liebe Leser, das kennen Sie bereits alles, oder? Und trotzdem wundere ich mich, dass sogar in den teuersten Wirtschaftsblättern damit geworben wird.

Was ist das KBV genau, und wann funktioniert die Methode? Also, Sie nehmen den Kurs einer Aktie und den Buchwert des Unternehmens aus der letzten Bilanz, und teilen diesen durch die Anzahl der ausstehenden Aktien. Wenn Sie beispielsweise eine Daimler-Aktie besitzen, dann gehört Ihnen ein Anteil am Unternehmen im Wert von 42,69 EUR (Quelle: Handelsblatt). Wenn der Kurs der Aktie unter den Buchwert fällt (Kurs am 24.10. EUR 37,82) und Sie wollen noch eine Aktie kaufen, dann steigen Sie mit einem Discount von 11,4 Prozent (KBV 0,886) gegenüber dem Buchwert in Daimler ein. Winkt hier etwa ein todsicheres Geschäft, das man sich unbedingt sichern sollte? Um es mit Johann Wolfgang von Goethe zu sagen: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie…

Bei einem Kurs-Buchwert-Verhältnis unterhalb von 1,00 so werden Sie vielleicht denken, ist etwas faul. Denn kein Profi würde sich ein sicheres Geschäft durch die Lappen gehen lassen. Außrdem würden Börsenhändler mit ihren Arbitragegeschäften, wenn es sich wirklich lohnen würde, den Kurs schnell auf das Niveau des Buchwerts steigen lassen.

Recht haben Sie, liebe Leser. Und jetzt kommen wir zu der Frage: Wann sollte man als Investor solch eine Kennzahl schwerer im Entscheidungsprozess gewichten, und wann sollte man die Gewichtung zurücknehmen? Vor einer Baisse am Markt lassen Sie das KBV außer Betracht – denn wer sagt Ihnen, dass sich der Buchwert nicht innerhalb der nächsten Wochen und Monate verschlechtern wird? Zum Beispiel, wenn sich die Konjunktur eintrübt und aus Unternehmensgewinnen vielleicht -verluste werden. In der Hausse dagegen können Sie Aktien nach KBV selektieren, aber ob das dann nicht bereits zu spät ist?

Jetzt kommen wir zur Marktpsychologie und zur Technischen Analyse. Die Marktteilnehmer werden immer versuchen, die konjunkturelle Entwicklung der nächsten Monate in den Aktienkurs einfließen zu lassen.

Und dieser 11-prozentige Discount im obigen Daimler-Beispiel ist eher ein Warnsignal als eine gute Kaufgelegenheit –das werde ich Ihnen in der Rubrik DAX und Dow näher erläutern.

Also, was kommt da auf uns zu? Nichts Gutes, wenn man sich die jüngsten Umfragen des ifo- Instituts aus München bei rund 7.000 Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes ansieht. Der ifo- Geschäftsklimaindex ist im Oktober zum sechsten Mal in Folge gesunken und vor Baissen ist der ifo-Index in der Regel ein guter Frühindikator für die Wirtschaft –aber auch für Börsianer, die ihre Gewinne rechtzeitig in Sicherheit bringen können.

Henrik Voigt

Übermut tut selten gut

von Henrik Voigt (23.10.2012)

In der letzten Ausgabe hatte ich Ihnen berichtet, dass insbesondere dem US-Markt Kursrückgänge aufgrund „überraschend" schlechter Quartalszahlen bevorstehen dürften. Genau dies hat sich in der vergangenen Woche bewahrheitet, nachdem es eine ganze Weile so aussah, als würde der Markt die miesen Zahlen doch noch irgendwie ignorieren. Am Freitag platzte aber die Bombe und der US-Markt verlor auf einen Schlag seine gesamten Wochengewinne. An den US-Börsen gab es den schwächsten Tag seit Ende Juni. In den letzten Tagen legten die Bären dann noch kräftig nach.

Damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine echte Korrektur gestartet ist. Der besonders schwache Technologieindex Nasdaq 100 hat bis heute immerhin schon 7 Prozent von seinem Jahreshoch eingebüßt. Das ist keine kleine Konsolidierung mehr. Dabei sind kurzfristig weitere schlechte Nachrichten zu erwarten. Die laufende US-Berichtssaison für das dritte Quartal enttäuscht nämlich auf ganzer Linie. Die Zahlen rechtfertigen nicht im Geringsten die seit Juni verteilten Vorschusslorbeeren der Börsen. Nur 42,0 Prozent der Unternehmen, die bisher ihre Zahlen vorlegten, haben die Umsatzschätzungen der Analysten überboten. Der Wert war damit so gering wie zuletzt im ersten Quartal 2009. Der Durchschnittswert der letzten vier Jahre liegt dagegen bei deutlich höheren 59,0 Prozent.

DAX: Hochmut kommt vor dem Fall

Weitet sich aber die Korrektur in den USA aus, dann wird sich die jüngste Stärke des deutschen Aktienmarktes gegenüber den USA bald erledigt haben. Der MDAX erreichte zwar erst vor wenigen Tagen ein knappes neues Allzeithoch und auch der DAX ist von einem neuen Jahreshoch nur wenige Punkte entfernt gewesen. Hier handelt es sich allerdings eher um die finale Überreibung vor einer größeren Korrektur als um eine echte, nachhaltige Stärke. Eine ähnliche Situation hatten wir im Frühjahr, als der DAX vorübergehend auf ein neues Jahreshoch gestiegen war, während sich die US-Börsen bereits in einem Wendeprozess befanden (siehe Chart auf der nächsten Seite). Kurz darauf war es mit der Stärke beim DAX vorbei. Er holte seine Korrektur nach, und das gleich in doppeltem Ausmaß wie die US-Börsen. Währen der S&P 500 im Frühjahr nur etwa 10 Prozent vom Jahreshoch abgeben musste, waren es beim DAX gleich 20 Prozent (bzw. 1500 Punkte). Wir konnten diese Korrektur übrigens sehr profitabel handeln. Eine solche langwierige Korrektur könnte dem Markt auch diesmal wieder bevorstehen, zumal die Stimmungsindikatoren bisher nicht anzeigen, dass der Markt schon ausreichend bereinigt wäre. Auch der Monat Oktober mit seinem klassischen Volatilitätsanstieg würde gut zu diesem Szenario passen.

In dieser Situation liegen Sie mit unserem defensiven und selektiv auf Einzeltitel ausgerichteten Depot goldrichtig. Wir shorten Schwäche und wir kaufen Stärke. Im Idealfall gewinnen letztlich beide Positionierungsrichtungen und wir sind somit relativ unabhängig von der Gesamtmarktentwicklung, die gerade in den kommenden Wochen durchaus schwierig verlaufen dürfte.

Jürgen Nowacki

Aegerion Pharma erreicht unser Kursziel - Obama punktet 46:39 gegen Romney - Bestimmt jetzt China, wie die EU mit Griechenland umzugehen hat?

von Jürgen Nowacki (18.10.2012)

Ist Ihnen auch aufgefallen, dass die verbalen Attacken einiger CDU/FDP-Politiker gegen Griechenland nachgelassen haben? Es ist doch gar nicht so lange her, da meldete sich jeden Sonntag mindestens ein Hardliner aus der Regierungskoalition zu Wort und sprach aus, was er für richtig hielt – ganz gleich, ob es dem Euro, der Bundeskanzlerin und der Troika passte oder nicht. Diese Stimmen sind seit Merkels Besuch in Peking und dem Besuch des chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao in Brüssel verstummt.

Bundeskanzlerin Merkel fuhr kurze Zeit später nach Athen. Dort machte sie durchaus eine gute diplomatische Figur. Viele Menschen im Lande dachten sich „Die traut sich aber was“ oder „Mit der möchte ich jetzt nicht tauschen“. Sie, liebe Leser, kennen bestimmt auch jemanden in Ihrem Freundeskreis, der solche Gedanken hegte. Aber dieser Besuch in Athen, so kurz nach den Gesprächen in Peking und Brüssel, war kein Zufall. Chinas Führung hat eine klare Ansage formuliert: Peking ist bereit, zum Beispiel spanische Staatsanleihen zu kaufen, wenn sich in Brüssel endlich etwas in Richtung Rettung der Peripheriestaaten tut – und zwar schnell. Zur Bekräftigung der lauteren Absichten, in der Finanzkrise der EU unter die Arme zu greifen, wurden am Rande der Regierungsgespräche Industrieaufträge über rund 4,8 Mrd. Euro unterzeichnet.

Im Umkehrschluss heißt das aber: Entweder hilft jetzt die deutsche Regierung Athen, in der EU zu bleiben und damit eine Kettenreaktion zu verhindern – oder China wird sich aus dem Handel mit EU-Anleihen zurückziehen. Das, liebe Leser, ist die unmissverständliche Botschaft an die Regierung Merkel: Sie soll endlich handeln und mit der Polemik aufhören.. Offensichtlich ist diese Botschaft angekommen, denn kurze Zeit später flog die „Chefin vom Dienst“ nach Athen –und plötzlich sieht die Troika groß Fortschritte in der Schuldenbewältigung Griechenlands. Es wird noch einmal eine 2-jährige Fristverlängerung gewährt, und weitere Milliarden werden nach Athen durchgewunken. Wer zahlt, bestimmt, was die Musik spielt – und in diesem Fall wird die endlose schlechte Nachrichtenkampagne gegen notleidende EU-Peripherieländer mit einem Paukenschlag von den Chinesen beendet.

Wie die Details dieser Stallorder auch aussehen mögen, liebe Leser, ist unwichtig. Aber des Rätsels Lösung, warum der Euro steigt und die Renditen spanischer Anleihen trotz unveränderter Faktenlage fallen, ist offensichtlich: Die Chinesen kaufen spanische Anleihen. Und wenn das der Erfolg der diplomatischen Mission war, kann uns Anlegern das nur recht sein, oder?

Der US-Wahlkampf nimmt an Schärfe zu und im jüngsten Fernsehduell sieht der Nachrichtensender CNN/ORC in seiner Blitzumfrage Obama gegen Romney als Sieger, wenn auch knapp. 46 Prozent der befragten Wähler sagten in der Nacht zum Mittwoch, der Amtsinhaber habe die TV-Debatte gewonnen. 39 Prozent sahen den Republikaner Romney vorne. Aber was bedeutet das für die Börse? Ich habe Ihnen dazu in der Rubrik DAX und Dow Outlook einen Chart eingestellt, in dem Sie heute schon erkennen können, wie die Börse bis zum 6. November laufen könnte.

Treffer! Aegerion mit 26,72 Prozent Kursplus

Sie erinnern sich, liebe Leser? Im April 2011 schilderte ich Ihnen die Leidensgeschichte von Menschen mit einem FH-Fehler im Erbgut (FH = Familial hypercholesterolemia), also einem zu hohen vererbbaren Cholesterinspiegel. Kinder, die das fehlerhafte Gen erben, haben eine sehr niedrige Lebenserwartung. Das US-Biotech-Unternehmen Aegerion Pharmaceuticals, welches an der Erbgutkrankheit forscht, erhält jetzt von der obersten Bundesbehörde FDA die Freigabe ihres neuen Wirkstoffs. Das Produkt heißt Lomitapide und hat das Potenzial, schnell große Pharmapartner zu finden, die – auf den Forschungsergebnissen aufbauend – neue cholesterin-senkende Medikamente entwickeln, die preiswerter und sicherer sind als die bisherigen am Markt. Dieses Segment ist für die Pharmaindustrie ein Milliardenmarkt. Wer es hier schafft, neue Wege zu gehen und bei der FDA die Zulassung zu bekommen, hat gute Chancen auf ein lukratives Lizenzgeschäft.

Der Firmenchef Marc. D. Beer sprach erst kürzlich über das Jahr 2012 von einem Schicksalsjahr für Aegerion Pharmaceuticals. Sie, liebe Leser, haben mit mir an den Erfolg dieser Unternehmensstory geglaubt. Jetzt ist er da: Die Aktie ist nach oben ausgebrochen. Auch wenn sich der Kurs noch rasant weiter nach oben entwickeln kann, werden wir uns nun im Musterdepot von dieser Aktie trennen und Kasse machen, denn wir haben neue Investmentideen für Sie. Wer noch dabei bleiben möchte, setzt den Stopp weiter herauf und zieht ihn in einem gewissen Sicherheitsabstand nach.

Henrik Voigt

Erstmals Gewinnrückgänge seit vier Jahren befürchtet

von Henrik Voigt (16.10.2012)

Die ganze Welt glaubt, dass das Gelddrucken die Aktienmärkte nach oben pushen wird. Dabei dürfte der größte Teil dieser Rally schon längst eingepreist sein. Denn bisher hat sich die Hoffnung nicht erfüllt, dass mit einer gelockerten Geldpolitik entweder ein neuer Konjunkturaufschwung oder aber wenigstens ein deutlicher Inflationsanstieg erreicht wird. Denn anders lassen sich die gestiegenen Aktienkurse nicht mehr lange oben halten.

Schlechteste Quartalsergebnisse seit 2009 erwartet

Auf der anderen Seite warten viele schlechte Nachrichten. Die Weltwirtschaft verlangsamt sich sehr deutlich. Ganz besonders in den Schwellenländern, wo sie in den vergangenen zwei Jahren stark war und dafür sorgte, dass der Abschwung im Westen abgemildert wurde. Doch das ist jetzt vorbei. Wir werden deshalb in den kommenden ein bis zwei Jahren massive Enttäuschungen bei den Unternehmensgewinnen sehen. Die Frage ist nur noch, wann die Börsen beginnen, dies einzupreisen.

Die neue Quartalszahlensaison läuft bereits und vor allem zyklische (also konjunkturabhängige) Unternehmen enttäuschen derzeit sowohl bei ihren Ergebnissen als auch beim Ausblick. Vor allem letzterer setzt die Kurse unter Druck. Analysten gehen davon aus, dass die Gewinne im dritten Quartal zurückgehen, womit das erste negative Ergebnis nach elf(!) aufeinanderfolgenden Quartalen mit Gewinnen gegeben wäre. Beim S&P 500 wird mit einem Gewinnrückgang von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gerechnet. Noch vor drei Monaten hatten die Analysten einen Zuwachs von 1,9 Prozent vorausgesagt, aber die zahlreichen Gewinnwarnungen großer Unternehmen erzwangen hier eine Kehrtwende. Inzwischen wird mit einer Berichtssaison gerechnet, die zu den schlechtesten seit dem Jahr 2009 zählen wird.

US-Börsen bereits mit Umkehrformationen?

Nun wäre das nicht weiter schlimm, wenn es die Börse wie in den letzten Monaten nicht kümmern würde. Das tut es jetzt aber auf einmal. Das Lieblingsspielzeug „Geldpolitik" ist längst eingepreist. Nicht nur die Insider verkaufen jetzt in Scharen, sondern inzwischen immer mehr Anleger. Vor allem die US-Indizes haben in der vergangenen Woche ernstzunehmende Umkehrformationen fertig gestellt, die die Masse noch gar nicht bemerkt hat, geschweige denn ernst nimmt. Die Stimmungsindikatoren sind nämlich bisher überhaupt nicht nennenswert abgekühlt. Wenn das so weiter geht, dann hat die laufende Korrektur aber noch ein sehr großes Stück Arbeit zu verrichten. Dann sehen wir deutlich tiefere Kurse in den kommenden Monaten und eben nicht die allseits erwartete, große Jahresendrally.

In dieser Situation liegen Sie mit unserem defensiven und selektiv auf Einzeltitel ausgerichteten Depot goldrichtig. Sollte sich die Korrektur verstärken, dann werden wir entsprechende Positionen weiter ausbauen, um noch stärker von den fallenden Kursen zu profitieren. Strategische Käufe werden erst auf deutlich tieferen Niveaus und bei einer gravierenden Stimmungsabkühlung unter den Anlegern interessant. Es kann in den kommenden Monaten durchaus nochmals 20 Prozent abwärts gehen, bevor der Markt tatsächlich bereinigt ist. Geht es hingegen direkt auf neue Jahreshochs, dann bleibt das weitere Aufwärtspotenzial sehr begrenzt. Denn die Masse ist immer noch viel zu stark investiert. An den US-Börsen hatten wir kürzlich sogar die größte Netto-Long-Position der „Large Speculators" (also der klassischen Trendfolger) auf den Nasdaq-Index aller Zeiten! Da sage noch einer, die Masse wäre skeptisch. Blödsinn. Solche Extreme werden häufig zeitnah von einem Trendwechsel gefolgt. Und gerade beim Nasdaq liegt bereits eine entsprechende Wendeformation vor. Bleiben Sie also auf dem aktuellen Niveau ruhig skeptisch.

Jürgen Nowacki

Experten überrascht: US-Arbeitsmarktdaten bessern sich. Für Target Trader-Leser aber sind die Zahlen wie erwartet! 

von Jürgen Nowacki (10.10.2012)


Die Arbeitslosenquote der USA fällt auf 7,8 Prozent. Das Wall Street Journal berichtete in der vergangenen Woche, dass sich diese Zahlen sogar noch weiter verbessern könnten, denn mehr als 400.000 neue Jobs seien irgendwie durch die Statistik des Labor Departments gerutscht. Target Trader-Leser wissen seit Langem, dass die Zahlen des größen Personalvermittlers ADP, der seine Statistik zwei Tage vor den großn Zahlen des Arbeitsministeriums veröffentlicht, für Börsianer sehr viel wichtiger sind: Hier werden die neuen Jobs in der privaten Wirtschaft gezählt und nicht die staatlichen Stellen im öffentlichen Dienst.

„Weshalb berichten unsere Medien dann aber immer so negativ über die US-Konjunktur?“, wurde ich kürzlich von einem Wirtschaftsstudenten (BWL) gefragt. Nun, das könne daran liegen, habe ich dem jungen Mann geantwortet, dass es in unserer Gesellschaft und von unseren Medien sehr kritisch gesehen wird, wenn ein Wirtschaftssystem, welches so stark auf Eigenverantwortung und Eigeninitiative des Einzelnen setzt wie die USA, seine Krisen in der Regel schneller bewältigt als Wohlfahrtsstaaten. Schwächen des US-Systems werden in Europa häufig überzeichnet und Stärken ausgeblendet. Die Stärke Amerikas –und das sehen wir in den Stimmen der republikanischen Wähler –ist weniger eine militärische Stärke als vielmehr eine mentale Überlegenheit, die durch Eigenbestimmung und Eigenmotivation geprägt ist. Ein großer Teil der US-Bevölkerung will sich diese Kraft nicht nehmen lassen. Sie vertritt die Meinung, dass derjenige, der diese Motivation zerstört, sein Volk in die Abhängigkeit eines Wohlfahrtstaates führt –mit all den damit verbundenen negativen Konsequenzen. Das ist es, worum es im US-Wahlkampf geht.

Wenn wir diesen Gedanken aufgreifen, würde das in der letzten Konsequenz bedeuten, dass wir uns die kostspieligen Konjunkturprogramme und damit die ständig wachsende Staatsverschuldung sparen könnten. Die Steuern könnten sinken, und wenn wir das gemacht hätten, was John Maynard Keynes, (Britischer Ökonom und Mathematiker) in seiner „Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes (1936)“vorgesehen hat –nämlich in guten Zeiten die Schulden schnell zu tilgen – bräuchten wir auch nicht einen Großteil unserer Steuereinnahmen für Zins und Tilgung ausgeben.

Tja, nun bekommen wir die Finanzsteuer im kleinen Rahmen mit elf Mitgliedsländern. Die Medien feiern dies wie einen Erfolg, aber die großen Verlierer sind die Kleinanleger. Ähnlich wie die Einführung des Euro (politisch gewollt und wirtschaftlich ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang) reiht sich eine Fehlentscheidung an die nächste. Für private Spekulanten, Fondssparer und Versicherungskunden steht das Fazit heute schon fest: Die Finanzmärkte werden für Kleinanleger teurer. Die Bundesbank hat sich eindeutig in dieser Richtung geäußert, aber die Politiker ignorieren das. Ich werden Ihnen im heutigen Schwerpunkthema darlegen, warum es sich um eine Bagatellsteuer handelt die – wenn wir Glück haben – schnell wieder abgeschafft wird.

Henrik Voigt

Vorsicht: Der Oktober wird volatil

von Henrik Voigt (09.10.2012)

Schnallen Sie sich samt Ihrem Depot an, denn der Oktober wird sehr schwankungsfreudig werden! Wie ich zu dieser Aussage komme, nachdem die üblichen Saisonalmuster (mauer Sommer, schwacher September) in diesem Jahr so ganz und gar nicht funktionierten? Ganz einfach: Es gibt starke statistische Beweise für diese These – und die kommen direkt von der Weltleitbörse in den USA.

Kräftiger Volatilitätsanstieg im Oktober zu erwarten

Nach einem soeben erschienen Artikel des bekannten US-Analysten Markt Hulbert ergab sich in den letzten 25 Jahren im Oktober im Durchschnitt ein Volatilitätsanstieg von etwa 12 Prozent im Vergleich zum normalerweise schwächsten und eh schon volatilen Monat September. Im Vergleich zu den drei Vormonaten Juli, August, September ergibt sich sogar ein Volatilitätsanstieg von satten 18 Prozent. Der Schwankungsanstieg ist sogar dann noch deutlich messbar („statistisch signifikant" und damit nicht nur zufallsbedingt), wenn Sie die beiden schlimmsten Crashs der letzten Jahrzehnte – Oktober 1987 und Oktober 2008 – aus der Datenreihe entfernen. Der Oktober ist zwar im Schnitt nicht der absolut schlechteste Monat des Jahres. Aber er ist mit Abstand der schwankungsanfäligste. Und damit besteht die Gefahr, häufiger auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Zudem geht ein plötzlicher Anstieg der Volatilität häufig mit fallenden Kursen einher.

Warum das im Allgemeinen so ist, lässt sich nicht ergründen. Aber auch dieser Oktober hätte wieder reichlich Anlässe für plötzliche Marktbewegungen zu bieten – von einer verpatzten Quartalsberichtssaison und Gewinnwarnungen von Unternehmen über weitere Fehlgriffe in der Wirtschaftspolitik, unerwartet große Wachstumseinbrüche, der Unsicherheit über den US-Wahlausgang bis hin zu einem Flächenbrand im Nahen Osten (zuletzt Türkei-Syrien und später Israel-Iran?).

Insider verkaufen in Massen – kein gutes Zeichen

Aber vergessen Sie bitte nicht den eigentlichen Grund einer überfälligen Korrektur: Die Anstiege bei den Aktiennotierungen stehen in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Entwicklung. Die hohen Verkäufe der Insider sprechen da eine deutliche Sprache, Und sie haben jetzt auch den deutschen Markt erreicht. Viele deutsche Topmanager haben in den vergangenen Wochen Aktien ihres eigenen Unternehmens verkauft – so massiv wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor vier Jahren nicht mehr, als die US-Bank Lehman Brothers Pleite gegangen war. Sollte die  Weltwirtschaft noch einen weiteren kräftigen Dämpfer bekommen, und genau danach sieht es aus, dann besteht die Gefahr eines deflationären Schocks. Mit dann drastisch einbrechenden Notierungen, wie wir sie das letzte Mal im Jahr 2008 gesehen haben. Trotz und gerade wegen den Liquiditätsspritzen der Notenbanken.

Seitwärtsbewegung der letzten Wochen bereits eine Toppbildung?

Der Markt lief in den letzten Wochen ohnehin nur noch seitwärts – trotz oder gerade wegen der immer weiter angehobenen Kursziele der Analysten. Bereinigt wurde die viel zu optimistische Anlegerstimmung damit aber noch nicht einmal ansatzweise. In vielen Indizes sind bereits erste Toppingmuster erkennbar, die den Auftakt für eine echte Korrektur bringen, die diesen Namen auch verdient. Ich halte es deshalb für unerlässlich, wieder auf der Shortseite aktiv zu werden. So, wie das heute bereits geschehen ist (DAX-Korridorschein und ElringKlinger-Short).

Neue Jahreshoch sind jetzt erst einmal sehr unwahrscheinlich geworden. Würde es sie dennoch geben, dann wäre das weitere Potenzial nur sehr begrenzt. Und am Ende steht eine nur aufgeschobene und am Ende sehr viel stärkere Korrektur. Denn so oder so: ein zu optimistischer und nicht bereinigter Markt bleibt anfällig für einen heftigen Einbruch, wie bereits die letzten Jahre immer wieder gezeigt haben. Ausgehend von dieser Tatsache liegen Sie mit unserer defensiven Depotausrichtung goldrichtig. Strategische Käufe werden erst auf deutlich tieferen Niveaus und bei einer gravierenden Stimmungsabkühlung unter den Anlegern interessant.

Jürgen Nowacki

Tagesschau oberflächlich – oder manipuliert sie etwa?

von Jürgen Nowacki (04.10.2012)

Können Sie sich, liebe Leser, noch an die Anstandsregel erinnern: Zwischen 20:00 und 20:15 Uhr wird niemand angerufen, um nicht bei der Tageschau zu stören. Das waren noch Zeiten, als der politisch neutrale Journalismus so hoch im Kurs stand, nicht wahr?

Als Mitglied der Expertengruppe (Wirtschaft) beim Radiosender Antenne Bayern wurde ich am Dienstag gebeten, einen Kommentar zum frisch gekürten Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück zu formulieren. Bei meinen Recherchen stieß ich schnell auf die Attribute „Finanzexperte“ und „Angstgegner Angela Merkels“. Nun, das wäre noch zu tolerieren, aber dass die Tageschau dann am Donnerstag in ihren 20-Uhr-Nachrichten tönte, dass Brüssel Steinbrücks Pläne zur Bankentrennung unterstütze, das ist schon ein starkes Stück.

Fakt ist, dass in Brüssel bereits seit einem Jahr unter Leitung von EU-Wettbewerbskommissar Michel Barnier und die von ihm installierte Liikanen-Gruppe – ein Expertenteam um den finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen – an der Bankentrennung gearbeitet wird. Sie steht, ähnlich wie das Expertenteam der Vickers Kommission in London, vor dem Durchbruch zu einer europäischen Lösung. Ein Herr Steinbrück aber hat in diesen Expertenkommissionen meinen Recherchen nach nicht mitgearbeitet.

Jetzt soll uns in den Medien verkauft werden, dass deutsche Politiker irgendetwas mit der Bankentrennung zu tun gehabt haben. Nun, liebe Leser, eine weitergehende Beurteilung, was die Neutralität der ARD angeht, sei Ihnen überlassen.

Die Bankentrennung, oder zumindest eine Trennung riskanter Investmentbankaktivitäten vom Privatkundengeschäft, wird kommen – und sie wird sehr schnell kommen, davon können Sie ausgehen. Aber es handelt sich nicht um eine neue Erfindung aus Brüssel oder London. Dies war bereits in den USA von 1933 bis 1999 ein probates Mittel, die Banken an die kurze Leine zu nehmen. Sie wissen, liebe Leser, ich habe an dieser Stelle immer wieder für eine Rückkehr zur alten Bankentrennung nach dem Glass-Steagall Act von 1933 plädiert. Ich wünsche mir jetzt nur, dass dieses neue Gesetz nicht durch zu große Schlupflöcher und zu viele Ausnahmeregeln konterkariert wird.

Nun, wenn die Bankentrennung kommt, dann stellt sich die Frage, ob die Aktienmärkte davon profitieren können. Lassen Sie mich das gleich beantworten: Wären wir im Aktienmarkt in einer technisch besseren Situation, dann würde ich das bejahen. Wie ich Ihnen in der Rubrik DAX und DOW Outlook ausgearbeitet habe, steht der Markt aber vor ganz anderen Problemen. Erstens stehen wir technisch vor einer Korrekturphase, und zweitens steuern die USA auf ein „Fiscal Cliff“ zu. Was es mit dieser Klippe oder diesem Riff auf sich hat, das beschreibe ich heute für Sie im Schwerpunkthema.

Henrik Voigt

Bis November Korrektur?

von Henrik Voigt (02.10.2012)


Die europäische Rettungspolitik scheint an allen Fronten zu scheitern. Mit Ausnahme von Irland hat es bisher keiner der Krisenstaaten geschafft, seine Schuldenlast in dem geplanten Umfang zu senken – trotz aller Sparprogramme. Spaniens Schulden sind sogar gestiegen, bei Griechenlands wird über einen weiteren Schuldenschnitt, also über den nächsten Zahlungsausfall, diskutiert – trotz aller Überbrückungskredite. Die Welt meidet europäische Staatsanleihen und der Kontinent versinkt immer tiefer in der Rezession.

Ein Land konnte jedoch von der ganz auf Europa konzentrierten medialen Aufmerksamkeit besonders profitieren: der gigantische Schuldenberg der USA steht nach dem „Abstufungs-Crash“ 2011 schon längere Zeit nicht mehr im Focus. Das könnte sich jedoch bald ändern, denn zum Jahresende laufen eine Reihe von Steuervergünstigungen und Ausgabenkürzungen aus (die sog. „fiskalische Klippe“). Bis dahin müsste sich das zerstrittene US-Parlament auf Gegenmaßnahmen einigen. Ohne eine Einigung sind verheerende Auswirkungen auf die US-Konjunktur zu befürchten: eine Rezession von bis zu 3,5 % Ausmaß (siehe Grafik). Es gibt bereits deutlich negative Auswirkungen der Unsicherheit über die künftige Steuerpolitik in den US-Konjunkturdaten (Auftragseingänge schrumpfen dramatisch) und erste an den Börsen.

Die fiskalische Klippe in den USA wird das Korrekturthema der Börsen im Herbst


Diese Unsicherheit dürfte auch nach den Präsidentschaftswahlen Anfang November anhalten, denn eine gravierende Änderung der politischen Mehrheitsverhältnisse ist nicht zu erwarten. Beide Lager stehen sich weiterhin sehr unversöhnlich gegenüber. Gibt es aber keine Einigung auf eine möglichst konjunkturschonende Sparpolitik, könnte es erneut einen Crash wie den im August 2011 geben. Auch damals wusste das US-Parlament, was auf dem Spiel steht. Dennoch erfolgte eine Anhebung der Schuldenobergrenze (reine Kosmetik also) viel zu spät. Ewig werden auch die USA nicht um eine echte Austeritätspolitik wie in Europa herumkommen.

Was heißt das für die Kursentwicklung der nächsten Wochen? Die Anzeichen verdichten sich, dass bereits eine Korrektur oder ein Toppbildungsprozess gestartet ist. Im bisherigen Jahresverlauf orientierten sich die Börsen stark am US-Präsidentschaftszyklus. Dieser sieht ein Hoch Anfang September vor. Anschließend startet eine mehrwöchige Korrektur. Mit leichter Verspätung scheint dies nun einzutreten. Bis in den November hinein sollten jetzt tendenziell schwächere Kurse folgen, danach eine Jahresendrally.

Sie sollten das Zyklenmodell oben allerdings nur als grobe Richtschnur betrachten. Denn es bekommt einen sehr deutlichen „Knick“ nach unten, wenn die amtierende Partei (Demokraten) die Wahlen verliert. Während der Dow Jones Index bei einem Wahlsieg der amtierenden Partei 3 Monate später im Schnitt 4,1 % höher steht, liegt er bei einer Niederlage 2,0 % tiefer. Eine solche Wahlniederlage wird immer dann wahrscheinlich, wenn sich die US-Wirtschaft am Wahltag am Rande einer Rezession befindet. Einen deutlichen Abschwung sehen wir bereits. Die Konjunkturentwicklung ist der entscheidende Treiber der US-Börsen. Allerdings liegt der amtierende Präsidenten Obama derzeit in den Wahlumfragen leicht vorn.

Entscheidend für die Prognose des kommenden Jahres sind die Kursmuster der nächsten Wochen. Geht es nur moderat abwärts, dann sind neue Jahreshochs zu erwarten, mit dann allerdings begrenztem Aufwärtspotenzial. Sie liegen mit unserer defensiven Depotausrichtung goldrichtig in der bereits laufenden Korrektur. Strategische Käufe werden erst auf deutlich tieferen Niveaus und bei einer gravierenden Stimmungsabkühlung unter den Anlegern interessant.

Jürgen Nowacki

Nachrichtenlage am Aktienmarkt verzerrt das Bild

von Jürgen Nowacki (27.09.2012)


„Die Sorgen um Spanien sind zurück“ titeln die großen Wirtschaftszeitungen. Und zum Thema Griechenland heißt es: „IWF fordert Schuldenschnitt!“ Aber welche Nachrichten sind für Börsianer wirklich von Bedeutung? Börsianer handeln die Zukunft und müssen deshalb versuchen zu unterscheiden: zwischen alten Nachrichten, die bereits in den Aktienkursen enthalten sind, und der neuen Faktenlage, die noch nicht in die Bewertung eingeflossen sind.

Gerade in den letzten Tagen kamen aus den USA positive Aspekte zur Konjunkturbelebung, die aber kaum beachtet wurden. Wie Sie im Terminplaner der letzten Ausgabe auf Seite 2 lesen konnten, stand am Dienstag die Veröffentlichung des Case-Shiller-Index auf der Agenda. Die Zahlen, soviel darf ich vorab verraten, sprechen für sich: In unserem heutigen Schwerpunkthema werde ich Ihnen darlegen, warum die Entwicklung am US-Immobilienmarkt positiv einzuschätzen ist.

Der DAX verlor gestern 2 Prozent – vor allem durch schwächere Bankwerte. Meine Analyse zum Bankensektor der letzten Woche lautet: … solange die Widerstandsmarken nicht aus dem Markt genommen werden, kann nicht von einer Trendwende gesprochen sondern lediglich von einer technischen Reaktion innerhalb eines bestehenden Abwärtstrends ausgegangen werden. Das ist für die weitere Positionierung und das Risikomanagement wichtig.

Auf die jetzige Entwicklung im DAX, liebe Leser, wurden Sie bereits in der vorangegangenen TT-Ausgabe gut vorbereitet. Hexensabbat und der Quartalsabschluss der Fonds lassen noch einige Tage die Aktienmärkte korrigieren. Aber Sie werden sich wundern, wie schnell die amerikanische Börse den DAX wieder nach oben ziehen wird.

Die schlechten Nachrichten aus Europa sind zurück, ok. Ängstliche Anleger stoßen ihre Value-Stocks ab. Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber – sie werden ihre Dividendenpapiere bald zu einem höheren Preis zurückkaufen, da bin ich sicher. Denn das Spiel der Fondsmanager, und die wissen wie es gespielt wird, geht so: Kaufe billig bei schlechten Nachrichten und verkaufe teuer bei guten Nachrichten. So, liebe Leser, werden Gewinne gemacht.

Henrik Voigt

Die Zukunft wird „japanisch“

von Henrik Voigt (25.09.2012)


EZB und Fed übertreffen sich künftig beim Schuldenmachen, Inflation kommt, jetzt muss man Sachwerte/ Aktien haben, die Hausse beginnt erst - das ist derzeit der Konsens an den Börsen. Letzteres ist völliger Unsinn.

Eine dauerhafte Inflationierung von Seiten einer Notenbank hat bisher nie funktioniert. Das prominenteste Beispiel ist die japanische Notenbank. Sie versucht seit über 20 Jahren, mit einer Nullzinspolitik und Anleihenkäufen flankiert von staatlichen Konjunkturprogrammen, die Wirtschaft wieder anzukurbeln und eine Deflation zu verhindern. Völlig erfolglos. Der japanische Nikkei-Index hat sich seit seinem Höchststand bei 40.000 Punkten im Jahr 1989 geviertelt. Letzte Woche stand er bei 9000 Punkten.

Japan – offenbar das Vorbild unserer Notenbanken

Trotz dieser „beeindruckenden“ Erfolglosigkeit der Bank of Japan wendet man die gleiche Strategie in Europa und den USA an - genau genommen schon seit dem Jahr 2007. Ergebnis: der schwächste Aufschwung aller Zeiten (in Europa bereits Mitte 2011 beendet), erkauft mit der höchsten Verschuldung aller Zeiten. Die billionenschweren Konjunktur- und Rettungspakete konnten das Blatt nicht nachhaltig zum Guten wenden – im Gegenteil.

Das Ergebnis wird natürlich auch das gleiche sein wie in Japan: Überschuldung, geringe Kaufkraft, ein Wechsel zwischen schwachen Aufschwüngen und Rezessionen und ein Aktienmarkt, der sich sehr volatil über viele Jahre eher abwärts bewegt. Und diese Entwicklung beginnt erst, die eben nicht munter in Richtung neue Höchststände gehen wird, wie sich das die meisten Anleger erträumen. Das gibt das schwache Wachstum gar nicht her. Ein Vergleich zwischen dem S&P 500 seit dem Jahr 2000 und dem japanischen Nikkei seit 1989, also direkt nach den jeweiligen Allzeithochs, zeigt dies eindrucksvoll (siehe Chart oben).

Gleiche Politik, gleiches Ergebnis. Dieser Chart ist gleichzeitig eine Art Fahrplan für den DAX in den kommenden Jahren. Es wird sehr volatil abwärts gehen. Nach mehrjährigen Zwischenerholungen, in denen die Masse der Anleger wie jetzt von einem neuen Bullenmarkt mit neuen Allzeithochs träumt, wird es immer wieder zu heftigen Bärenmärkten auf neue Mehrjahrestiefs kommen. Eine solche Zwischenerholung sehen wir beim DAX seit dem März 2009. Seit dem Jahr 2010 geht es aber nur noch volatil seitwärts in einer Spanne zwischen ca. 5000 und 7500 Punkten. Jetzt ist der DAX wieder oben und von hier aus wird er wieder fallen. In diesem anspruchsvollen Anlageumfeld dürfte es sich als klug erweisen, einen erfahrenen Berater an seiner Seite zu haben, der nicht das große Bild aus den Augen verliert und sich nicht von der Stimmung der Massen beeinflussen lässt. Denn die ist gerade so euphorisch, wie seit dem letzten Bullenmarkthoch 2007 nicht mehr. Nach solchen Extremwerten in der Anlegerstimmung beginnt an den Börsen häufig ein Abwärtstrend, im besten Fall nur eine 1 bis 3 monatige Konsolidierung.

Wir in DAX Profits bewahren unsere unabhängige Meinung seit vielen Jahren. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass der jüngste Aufschwung beim DAX eine Übertreibung nach oben ist, die auf tönernen Füßen steht und wieder korrigiert werden wird. Normalerweise reflektieren die Börsenkurse die künftige wirtschaftliche Entwicklung. Beim DAX zeigt sich deshalb auch ein ziemlicher Gleichlauf mit dem deutschen ifo-Index für die Konjunkturverfassung.

Ifo-Index oder DAX - einer von beiden liegt schief

Seit Juni läuft die Situation hier aber völlig aus dem Ruder. Der ifo-Index fällt trotz der angeblich so heilsbringenden Notenbankmaßnahmen weiter (auch gestern wieder), und zwar sowohl mit der gegenwartsbezogenen Lagekomponente als auch mit der zukunftsbezogenen Erwartungskomponente, während der DAX wieder deutlich gestiegen ist (siehe Chart unten). Mit anderen Worten: die Gewinnperspektiven der Unternehmen verschlechtern sich dramatisch. Trotzdem waren die Anleger bereit, mehr Geld für diese schlechteren Aussichten zu bezahlen – eine Anomalie. Wir haben aber keine neue Welt mit neuen ökonomischen Gesetzen, kein finanzwirtschaftliches Perpetuum mobile, in der ein Abschwung Kursgewinne bringt. Nein, es ist nur eine Übertreibung der Börsen, die sehr deutlich korrigiert werden wird. Deshalb ist es wichtig, jetzt eine defensive Depotstruktur zu bevorzugen. Und bei Abschluss einer oberen Trendwende auf fallende Kurse zu spekulieren. Strategische Käufe werden erst auf deutlich tieferen Niveaus und bei einer gravierenden Stimmungsabkühlung unter den Anlegern interessant.

Jürgen Nowacki

Notenbanken in USA, Japan und Europa öffnen die Geldschleusen

von Jürgen Nowacki (20.09.2012)


Die Überschrift der letzten Target Trader Ausgaben – schlechte Wirtschaftsnachrichten sind gute Börsennachrichten – haben sich bestätigt. Nachdem die US-Notenbank am Donnerstag letzter Woche Ihr neues Ankaufprogramm (QE3) für hypothekenbesicherte Wertpapiere bekannt gab, folgte nur wenige Tage später Japan und befeuerte die Aktienmärkte. Ungewöhnliche Krisen verlangen nach ungewöhnlichen Lösungen. Auf diesen Nenner lässt sich die konzertierte Aktion der Notenbanken in den vergangenen Tagen zusammenfassen. Aber warum gleich so massiv? Wie steil muss der Abgrund sein, vor dem wir jetzt stehen? Zumal wenn berücksichtig wird, dass die Notenbank Chinas im Oktober vermutlich ebenfalls noch die Schleusen öffnen wird.

Offensichtlich geht es eben nicht nur darum, eine Rezession abzuwehren. Und zwar so, wie es die Notenbanken in den letzten Jahrzehnten immer wieder nach bewährtem Muster schafften, den kleinen und größeren Krisenentgegenzuwirken. Vielmehr geht es darum, ob das Vertrauen in das monetaristische System der nicht durch Gold gedeckten Währungen zurück gewonnen werden kann. Und das vor dem Hintergrund einer Vertrauenskrise, die sich wegen der hohen Schulden der Industrienationen wie ein Schwelbrand immer weiter ausweitet

Pest oder Cholera

Deswegen muss leider davon ausgegangen werden, dass sich die Krise nicht so schnell aus der Welt schaffen lässt, wie wir uns das alle wünschen. Natürlich würde sich die Situation entspannen, wenn starke Volkswirtschaften mit steigenden Steuereinnahmen ihre Verschuldung senken und das verlorene Vertrauen in ihre Währungen zurück gewinnen könnten. Aber sobald die Konjunktur anspringt, wäre das das Ende der Niedrigzinspolitik. Und das wiederum würde wegen der steigenden Zinsbelastungen die nationalen Haushalte sprengen. Die Verpflichtung der Notenbanken zur Geldwertstabilität zwingt sie zu Zinserhöhungen, sobald sich die Konjunktur nachhaltig erholt. Es klingt so, als könne man zwischen Pest oder Cholera wählen. Aber das ist nicht der Fall: Denn Eine Deflation/Depression zu bekämpfen ist ungleich schwieriger, ja beinahe unmöglich. Was sollten Notenbanken in einer Depression tun? Sie wären machtlos. Gegen Inflation allerdings können sich Notenbanken wehren – wenn es so weit kommen sollte. Also bleiben die Geldschleusen diesmal sehr viel länger offen – bis sich die Beschäftigung auch nachhaltig gebessert hat auch wenn die Geldwertstabilität dabei in den Hintergrund tritt.

Das jedenfalls ist die Botschaft von US-Notenbankchef Ben Bernanke an die Edelmetallmärkte, der die Festlegung der Niedrigzinspolitik jetzt bis mindestens Mitte 2015 ausgeweitet hat.

Aktien und Rohstoffe gefragt, aber wie lange noch?


Aktien, und Rohstoffe sind jetzt gefragt, aber der konjunkturelle Erholungsprozess, den ich soeben beschrieben habe, wird sich über Jahre hinziehen und hochvolatil bleiben, davor sei gewarnt. Im März dieses Jahres hatten wir bereits schon einmal einen DAX, der 20 Prozent Kursgewinn vorzuweisen
hatte. Innerhalb von 2 Monaten schmolz der Gewinn dann wieder in sich zusammen. Jetzt haben wir 25 Prozent Plus und wir alle stellen uns die Frage: Wird es diesmal halten? Nein, wird es nicht! Das möchte ich jetzt schon einmal klar äußern. Deshalb kommt es darauf an, das Timing bei Änderungen der Investitionsquote klug zu wählen und das schwer beladene Schiff sicher durch die Klippen zu manövrieren. Im heutigen Schwerpunkthema, welches wir in dieser Ausgabe vor der Rubrik DAX und DOW Outlook gesetzt haben zeige ich Ihnen, auf was Sie sich in den nächsten Wochen einstellen müssen, liebe Leser.

Henrik Voigt

Bis zur letzten Patrone

von Henrik Voigt (18.09.2012)


Die Überraschung der vergangenen Woche war sicherlich die Verkündung weiterer Anleihenkäufe durch die amerikanische Notenbank (QE 3). Damit zieht die Fed mit der Europäischen Zentralbank gleich, die in der Woche davor unbegrenzte Anleihenkäufe europäischer Krisenstaaten in Aussicht gestellt hatte (bisher aber noch keine einzige Anleihe gekauft hat, da die „Kandidaten“ derzeit um eine Umgehung der damit verbundenen Auflagen der Rettungsschirme feilschen). Die Notenbanken verschießen ihre letzte Munition, ohne dass sich dabei an der Krisenursache, der Überschuldung durch zu viele billige Kredite, auch nur das Geringste geändert hätte. Im Gegenteil: die Verschuldung wird künftig billiger und sich damit verstärken. Na bravo!

Was die amerikanische Fed angeht: Wie schlimm muss es um die US-Wirtschaft bestellt sein, wenn die Fed erstmals zu einem Zeitpunkt eingreift, an dem die US-Börsen nicht eingebrochen sind, sondern auf Jahreshoch und zugleich nahe der Allzeithochs notieren? Aber warum greift die US-Notenbank dann so halbherzig ein? Die geplanten Anleihenkäufe in Höhe von 40 Milliarden Dollar pro Monat führen lediglich zu einer Erhöhung des ohnehin schon gekauften Bestands von weniger als 1,5%. QE 1 und QE 2 konnten bisher nur eine kurzfristig stimulierende Wirkung entfachen, warum sollte dann ein halbherziges QE 3 das Blatt wenden? Handelt es sich hier vielleicht nur um Taktik kurz vor einer US-Präsidentschaftswahl?

QE 3 – aber die Zinsen steigen trotzdem

Die Zinsen steigen trotz QE 3! Allein in den letzten 6 Wochen von 1,4 auf 1,9% für US-Anleihen mit 10jähriger Laufzeit. QE 3 geht nach hinten los.

Bemerkenswert ist darüber hinaus der Umstand, dass trotz aller QE 3 –Spekulationen/ –Aktionen die Zinsen am Anleihenmarkt in den USA steigen und nicht fallen. Und dass sich dieser Anstieg gerade in den letzten Tagen stark beschleunigt hat. Die Politik der Fed verpufft also wirkungslos. Vorbote für ein Platzen der Staatsanleihenblase auch in den USA? Gut möglich. Was das für den Aktienmarkt bedeuten würde, ist Ihnen bestimmt noch aus dem Jahr 2008 in Erinnerung (damals platzte die Blase der hypothekenbesicherten Anleihen/ MBS). Das Geld fließt dann nicht an die Börsen, sondern es wird einfach vernichtet - in einer gewaltigen Deflation.

Gefährlich: US-Anleger rekordverdächtig optimistisch


Dennoch scheint die Mehrheit der Analysten davon auszugehen, dass jetzt goldene Zeiten für Wachstum und Aktien anbrechen. Das alte Argument „Flucht in Sachwerte“ hat wieder Hochkonjunktur. Dabei dürfte die Mehrheit der investitionswilligen Anleger schon längst investiert sein. Und das geht leider selten gut aus für die Kurse. Ein zuverlässiger Kontraindikator auf Sicht der Kursentwicklung von mehreren Monaten ist etwa der von Market Vane in den USA. Und dort zeigt sich derzeit ein bemerkenswerter Optimismus bei den befragten Anlegern. 69 % sind bullisch (und damit auch investiert). Ein Niveau, welches nur recht selten vorkommt. Wann immer es in den letzten Jahren erreicht wurde, war die nächste Abwärtsbewegung an den Börsen nicht weit.

Inzwischen sind alle Ereignisse, die den Markt stützen konnten, gelaufen. An der Schuldenkrise hat sich ebenso wenig etwas geändert wie an der schwachen Weltkonjunktur. Allmählich dürfte an den Börsen wieder Ernüchterung einkehren. In den kommenden Wochen werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit eine ausgedehnte Toppbildungsphase sehen, die womöglich mit dem euphorischen Hüpfer vom Freitag bereits gestartet ist. Wenn sich die euphorische Anlegerstimmung während der dann folgenden Korrektur nicht deutlich abkühlt, haben wir wohl auch das Ende des gesamten Bullenmarktes seit Frühjahr 2009 gesehen. Dann dürfte die Mutter aller Bärenmärkte folgen. Jetzt ist jedoch (noch) nicht die Zeit für große Investitionen. Wir halten momentan viel Cash und warten ab, ob der Markt tatsächlich schon reif für eine größere Toppbildung ist. Zeigen sich entsprechende Formationen, werden wir auf die nächste Abwärtsbewegung setzen. Sie dürfte womöglich tiefer laufen, als sich das so mancher Anleger derzeit vorstellen kann.

ESM durchgewunken: Unser Optimismus zum Marktgeschehen zahlt sich aus

von Jürgen Nowacki (12.09.2012)



Ob kleines oder großes Vermögen: Sobald es mehr verdienen soll oder muss als der „risikolose Zins“ einbringt, ist es immer auf hoher See – und damit natürlich etlichen Risiken ausgesetzt.

Der Target Trader hat Sie in den zurückliegenden Monaten in der Flaute genauso wie bei Sturm erfolgreich begleitet, denn die Musterdepots sind trotz einiger weniger glücklicher Anlageentscheidungen mit 10,86 Prozent beziehungsweise 16,89 Prozent im Plus. Wichtig ist mir jedoch: Sie haben mit wenig Arbeit und wenig Handelsgeschäften dieses Plus erwirtschaftet, denn „hin und her macht Taschen leer“ ist nicht nur ein geflügeltes, sondern auch ein wahres Wort am Parkett und im privaten Portfolio.

Karlsruhe hat entschieden. Doch damit, liebe Leser, sind die Probleme nicht vom Tisch –sie haben sich nur verschoben. Japan kämpft bereits seit 20 Jahren trotz steigender Geldmenge und wachsender Staatsverschuldung gegen eine Deflation. Und die Gefahr für Ihr Vermögen sollten Sie eher in diesem Bereich vermuten als im inflationären Umfeld der Rettungsschirme EFSF/EMS. Ich bin kein Berufsoptimist, sondern Realist und als solcher möchte ich Sie schon heute darauf vorbereiten, dass wir mit einem Aktiencrash rechnen müssen sobald das Thema Deflation akut wird.

Jetzt aber erfreuen wir uns erst noch etwas an der bereits im Juni prognostizierten Spätsommerrallye. In der Rubrik Devisen und Rohstoffe sage ich Ihnen dann, wie es mit dem Euro und dem Silber weitergeht. Und im Aktiensegment präsentiere ich Ihnen heute zwei vielversprechende Aktien – eine aus dem Versorger- und eine aus dem Pkw-Sektor. Beide haben 30 Prozent Kurspotenzial.

Henrik Voigt

Was wird denn gerettet?

von Henrik Voigt (11.09.2012)


Es ist schon seltsam: Wir haben spätestens seit dem Jahr 2008 eine Finanzkrise, die noch immer anhält. Es gab in dieser Zeit unzählige Krisengipfel, Rettungsschirme und Zentralbankinterventionen. Aus den geopferten Millionenbeträgen wurden erst Milliarden, dann Billionen. Seit dem vergangenen Donnerstag stützt die Europäische Zentralbank (EZB) schließlich sogar „unbegrenzt“ die stark Ausfall gefährdeten Staatsanleihen der Südländer, sofern sich diese unter die Auflagen einer der Rettungsschirme begeben. Die Zinsen für neue Schulden konnten damit zwar vorerst gesenkt werden, an dem riesigen Schuldenberg insgesamt hat sich allerdings nicht das Geringste geändert.

Wie alle bisherigen „Rettungsmaßnahmen“ wird auch diese schließlich wirkungslos verpuffen. Denn wie sagte bereits einer der größten Ökonomen unserer Zeit - Ludwig von Mises – so treffend: “Es gibt keine Möglichkeit, den finalen Zusammenbruch eines Booms zu verhindern, der durch Kreditexpansion erzeugt wurde. Die einzige Alternative lautet: Entweder die Krise entsteht früher durch die freiwillige Beendigung einer Kreditexpansion – oder sie entsteht später als finale und totale Katastrophe für das betreffende Währungssystem.”

EZB: Lieber Schrecken ohne Ende

Nun, die EZB hat sich für die zweite Variante entschieden, indem sie die Kreditexpansion in unbegrenzter Höhe vorantreibt. Dass damit der europäische Schuldenberg nicht kleiner, sondern deutlich größer wird, wenn die disziplinierende Wirkung höherer Zinsen bei einem höheren Schuldenstand wegfällt, dürfte jedem Anleger klar sein. Die Schulden werden durch die Ankäufe ja nicht weniger, sondern nur umverteilt: Vom betreffenden Land bzw. dessen Banken als Gläubiger auf die EZB (und damit auf alle Steuerzahler). Auch das Feigenblatt der Sparauflagen ändert nichts daran. Wir haben im Falle Griechenlands eindrucksvoll erleben können, wie ernst das mit den Auflagen gemeint ist. Griechenland hat quasi permanent gegen seine Sparauflagen verstoßen, hat dennoch immer neue Kredite bekommen, ist aber immer noch faktisch pleite und kann seine Ausgaben nur über den Tropf weiterer Finanzhilfen begleichen. Allein die Drohung eines exorbitant teuren Ausscheidens des Landes aus der Eurozone scheint hier aber ausreichend zu sein, um die Geldgeber (IWF, EZB, EU-Kommission) zu immer neuen Zahlungen zu animieren. Diese Gelder werden nie zurückgezahlt.

Das dürfte dann auch der Modellfall für Spanien oder Italien sein. Mit einer quasi unbegrenzt „druckfähigen“ und entsprechend willigen Zentralbank im Rücken, die ganz klar gegen ihren gesetzlichen Auftrag zum Erhalt der Geldwertstabilität verstößt und klamme Staaten einfach direkt über die Notenpresse refinanziert. Dabei verbleibt allerdings kurzfristig noch das Risiko, dass das ganze Vorhaben noch kippt, weil es den für die Stützungsaktionen der EZB notwendigen ESM-Rettungsschirm in der geplanten Form nicht geben wird, wenn dieser am Mittwoch durch das Bundesverfassungsgericht gestoppt oder zumindest über weitere Auflagen verzögert wird. Dies ist
wahrscheinlicher geworden, nachdem gestern der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages einen Verfassungsverstoß des ESM in Bezug auf das Budgetrecht des Parlamentes einräumen musste.

Alle bisherigen Rettungsversuche gescheitert

Bei aller Rettungswut unserer bisher in der nachhaltigen Krisenbewältigung erstaunlich erfolglosen Polit-Elite frage ich mich: Wo sind eigentlich all die Billionen Euro Rettungsgelder geblieben? Wer hat sich denn das ganze Geld einverleibt? Und was soll hier eigentlich gerettet werden? Die Disziplinlosigkeit mancher "Partnerländer“, das Vermögen der in Staatsanleihen investierten Banken, eine Gemeinschafts-Währung, die von Anfang an ein einziger Konstruktionsfehler war?

Damit wieder zu den Börsen: Das diese Zentralbankinterventionen begrüßen, ist keine Überraschung. Die Frage ist eher, wie viel davon bereits in den Kursen eingepreist ist. Und das dürfte eine ganze Menge sein, denn die Spekulationen auf entsprechende Notenbankinterventionen laufen praktisch schon seit Anfang Juni. Selbst wenn am Donnerstag die amerikanische Notenbank mit einem QE3-Anleihenkaufprogramm nachlegen würde, würde sich der positive Überraschungseffekt doch sehr in Grenzen halten, nachdem eine Mehrheit der Marktteilnehmer dies bereits erwartet.

US-Börseninsider erneut außergewöhnlich bärisch

Auf der anderen Seite haben die Börseninsider am US-Aktienmarkt inzwischen ihre Verkaufsaktivitäten massiv ausgeweitet. Gemäß dem Vickers Insider Report steht das Verhältnis Verkäufe zu Käufe jetzt bereits seit zwei Wochen bei 5,97:1 (es handelt sich also nicht nur um einen kurzen „Ausreißer“), während es im Durchschnitt der letzten Monate bei 2,91:1 stand. Das heißt: für jede gekaufte Aktie wurden jetzt knapp sechs verkauft. Das ist ungewöhnlich viel. Ein ähnlich hoher Wert wurde (abgesehen von einem kurzen „Ausreißer“ Anfang Juli) über einen längeren Zeitraum das letzte Mal am bisherigen US-Bullenmarkthoch Anfang Mai erreicht – danach ging es für mehrere Wochen deutlich abwärts. Die US-Insider sind also erneut sehr bärisch, was kein gutes Zeichen für den Aktienmarkt darstellt, auch wenn es im historischen Vergleich hin und wieder noch deutlich bärischere Werte von bis zu 13:1 gegeben hat.

Zusätzlich befinden wir uns aktuell im schwächsten Börsenmonat des Jahres, die fundamentale Situation rechtfertigt nicht einmal ansatzweise die Freudensprünge des Aktienmarktes der letzten drei Monate und die Leitbörse USA befindet sich an einem potenziellen Wendepunkt. Wir setzen daher sehr selektiv auf ausgewählte Titel, denen ich weiter ein hohes Potenzial auch in einem schwierigen Umfeld zutraue und halten vorläufig ein etwas dickeres Cashpolster für den Fall, dass sich unerwartet schnell neue Chancen ergeben.

Jürgen Nowacki

Schlechte Wirtschaftsnachrichten sind gute Börsennachrichten

von Jürgen Nowacki (04.09.2012)


Die nächsten Wochen werden für Börsianer, die Aktien nach den Signalen der Volkswirtschaft handeln, sehr schwer. Denn einerseits sagt uns die Vernunft, dass die größten Volkswirtschaften wie die USA ihr Wachstum nicht weiter auf Pump, sondern aus den Ersparnissen ihrer Bevölkerung heraus finanzieren sollten. Andererseits dauert es vor allem den Börsianern viel zu lange, bis sich solch ein Wachstum im makroökonomischen Datenkranz positiv niederschlägt. Und die Erwartungshaltung der Anleger ist naturgemäß viel höher, als es die reale Wirtschaft zu leisten vermag – das sorgt an den Märkten für große Kursschwankungen und Übertreibungen. Deshalb befindet sich der Aktienmarkt die  überwiegende Zeit in einer Phase der Unter- oder Übertreibung.

Liebe Leser, stellen Sie sich das wie Ebbe und Flut vor: Werden die Aktienmärkten mit billigem oder beinahe zinslosem Geld von den Notenbanken geflutet, steigen die Aktienkurse und entziehen die Notenbanken den Märkten diese Liquidität wieder, dann fallen die Aktienmärkte zurück. Deshalb warten die Marktteilnehmer Woche für Woche auf Liquiditätssignale von der Fed und der EZB. Was viele Börsianer aber an dieser Stelle übersehen, ist die Tatsache, dass der Druck auf die Notenbanken, die Liquidität zu erhöhen, in einem direkten Zusammenhang mit schlechten Konjunkturnachrichten steht. Daraus folgt für Börsianer: Schlechte Nachrichten können auch gut für die Aktienkurse sein.

Wie aber geht der Anleger mit diesen Phänomenen um? Und wann soll er kaufen oder aussteigen? Die Lösung heißt: Folgen Sie dem Big Money, also den Anlageentscheidungen der institutionellen Anleger. Diese gut informierten Investoren richten sich zu einem sehr hohen Prozentsatz nach den Aktionen der Notenbanken und den Indikatoren der Markttechnik, so wie Sie es, liebe Leser, im Target Trader Woche für Woche nachvollziehen können. In der Rubrik DAX und Dow Outlook werden wir die Tabelle der technischen Indikatoren heute erneut überprüfen, damit Sie auf einen Blick beurteilen und einschätzen können, wie hoch ihre persönliche Investitionsquote sein sollte.

Wie ich Ihnen in den zurückliegenden beiden TT-Ausgaben bereits angekündigte, habe ich das Sicherheitspolster, also die Cash-Reserve, im konservativen Depot (trotz der Kaufsignale in der Markttechnik) antizyklisch auf 64 Prozent heraufgesetzt. Damit erhöhe ich die Sicherheit und gewinne größere Handlungsfähigkeit im Depot. Mit dieser Strategie, liebe Leser, liegen wir bisher goldrichtig: Die Performance liegt nach 9 Monaten bei 10,52 Prozent im konservativen Depot und im aggressiven Depot bei 12,25 Prozent!

Henrik Voigt

Was setzt sich durch?

von Henrik Voigt (28.08.2012)


Zuletzt haben sich viele Konjunkturdaten weltweit leicht stabilisiert oder zumindest ihre Fallgeschwindigkeit verlangsamt. Der rezessivste Teil der entwickelten Welt bleibt aber nach wie vor Europa. Von einer Wende zum Besseren kann hier nach wie vor keine Rede sein. Angesichts dieser nicht gerade rosigen Aussichten haben die Aktienmärkte allerdings bereits sehr viel Hoffnung eingepreist, zu viel. Die saisonal schwächste Zeit des Jahres steht jetzt unmittelbar bevor und der Markt wird wieder anfällig für negative Überraschungen.

Noch stützt die Hoffnung auf weitere Lockerungen der Zentralbanken die Kurse. Aber deren Möglichkeiten dürften begrenzt sein, was großes Enttäuschungspotenzial für die Märkte birgt. Für die US-Notenbank dürfte sich so kurz vor einer US-Präsidentschaftswahl zurückhalten, zumal die US-Wirtschaftsdaten als auch die Aktienkurse schlichtweg nicht schlecht genug sind für derartige Notfallmaßnahmen. So wird man wohl auch auf der nächsten Sitzung Mitte September den Markt erneut vertrösten, was dieser kaum einfach verkraften wird.

Mehr Liquidität und trotzdem Rezession?

Was die Europäische Zentralbank angeht, so sind die Erwartungen hier noch viel höher. Sie gehen ja bereits in Richtung massivster, unbegrenzter Anleihenkäufe. Dagegen gibt es jedoch selbst innerhalb der EZB so großen Widerstand, dass konkrete Maßnahmen hier bisher völlig unterblieben. Und wie es aussieht, dürfte eine Einigung bis zur Septembersitzung auch diesmal nur schwer zu bewerkstelligen sein. Was im Sinne der europäischen Geldwertstabilität im Übrigen auch ganz gut wäre.

Neu ist die Tatsache, dass sich ein Notenbankmitglied (nämlich Bundesbankpräsident Weidmann) öffentlich und vehement gegen die geplanten Anleihenkäufe und damit gegen EZB-Chef Draghi stellt. In einem Gespräch mit dem Spiegel sprach er von einem gefährlichen Vorgang und einer möglichen Belastung der Steuerzahler. Solche Maßnahmen würden nahe an die Staatsfinanzierung durch die Notenpresse gehen. In einer Demokratie sollte über eine umfassende Vergemeinschaftung von Risiken in den Parlamenten und nicht in den Zentralbanken entschieden werden. Außerdem sieht er die Unabhängigkeit der EZB in Gefahr, weil die Geldpolitik stärker unter die Dominanz der Fiskalpolitik geraten würde. Und da hat er völlig Recht.

Ob Weidmanns Äußerungen die geplanten Anleihenkäufe der EZB verhindern können, wird sich erst in zwei Wochen zeigen. Auf alle Fälle zeigen sie aber, dass sich die EZB uneinig und damit weniger effektiv ist, was die Wirksamkeit der geplanten Maßnahmen beschneiden wird. Im Falle einer schweren Rezession werden neue geldpolitische Lockerungen zum x-ten Mal angesichts der offensichtlichen Überschuldung ohnehin nichts mehr bringen. Es ist nämlich ein weitverbreiteter Trugschluss, dass Notenbanken Rezessionen verhindern könnten.

Seit fast zehn Jahren pumpt die EZB immer mehr Liquidität in den Markt. Den Megacrash samt schwerer Rezession im Jahr 2008 konnte sie damit trotz eines drastischen „Lockerungsschubes“ ihrer Geldpolitik nicht verhindern. Andererseits setzten Wirtschaft und Börse ihre zyklische Erholung in den Jahren 2009 bis 2011 auch ohne neue Liquidität fort. Zyklen dominieren die konjunkturelle Entwicklung, nicht die Geldpolitik. Diese kann höchstens bestehende Entwicklungen anschieben oder bremsen, nicht aber auslösen oder umkehren. So konnte die im Herbst 2011 gestartete massive Bilanzverlängerung der EZB bis heute (also ein Jahr später!) den DAX nicht über die damals erreichten Hochs und damit aus seiner breiten Abwärtsbewegung hinausziehen. Von einer Verbesserung der heute deutlich schlechteren Wirtschaftsdaten ganz zu schweigen.

Damit zurück zu den Börsen: Die Volatilität ist inzwischen wie erwartet ausgehend von einem Fünf-Jahres-Tief deutlich angesprungen, die Kurse kamen unter Druck. In Richtung saisonal schwacher Herbst sollte sich dieser Abwärtsdruck noch deutlich verstärken. Erst Recht, wenn die viel zu hochgesteckten Hoffnungen auf die Wirksamkeit neuer Notenbankmaßnahmen enttäuscht werden. Dafür sind wir bestens positioniert. DAX und S&P 500 befinden sich an der Obergrenze ihrer maximal möglichen Erholungsmuster und sollten wie in den letzten beiden Jahren üblich von diesen Niveaus aus fallen.

Aber das ist auch der Punkt: Sollte es wider Erwarten trotzdem zu einem nachhaltigen Ausbruch nach oben kommen, dann dürfte es mit dem dann entstehenden großen charttechnischen Kaufsignal noch wochenlang zu tendenziell steigenden Kursen kommen. Wir würden dann unsere Long-Engagements in ausgewählten Titeln ausbauen, um davon zu profitieren. Wir liegen mit mehreren Orders für dieses noch wenig wahrscheinliche Szenario auf der Lauer, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

Jürgen Nowacki

Börsenmonat September – in Wahljahren ist er besser als sein Ruf

von Jürgen Nowacki (23.08.2012)

Der Börsenmonat September zählt statistisch zu den schlechtesten Börsenmonaten des Jahres. Der Grund: Nach den Kurseinbrüchen am 11. September 2001 und der Lehman-Pleite am 15. September 2008 werden Fondsmanager alle Jahre wieder vorsichtig und halten sich mit Aktienkäufen in dieser Zeit zurück. Für Dow Jones, S&P500 und Nasdaq ist der September sogar seit 1950 so etwas wie ein Angstmonat – wenngleich in Wahljahren die Performance besser ausgefallen ist. Insbesondere Oktober und November sind dagegen in Wahljahren statistisch gute Monate, weshalb es sich lohnt, im September bei einer möglichen Kurskorrektur in Valuestocks zuzugreifen. Ich zeige Ihnen das noch einmal in der Rubrik DAX und Dow Outlook in einem Langfrist-Chart, damit Sie gut vorbereitet sind.

Aktienmärkten sind wie Kinder: Sie wollen überrascht werden


Fassen wir noch einmal zusammen: Trotz guter Rahmenbedingungen an der Wall Street, die sich sehr positiv auf den deutschen Markt auswirken, ist es nach einem DAX-Anstieg von 1.100 Punkten ganz normal, dass Sie von vielen Experten jetzt keine Kaufempfehlungen bekommen. Zumal die Handelsumsätze weiter auf dem Rückzug sind und computergestützte Prognosemodelle oftmals eine höhere Fehlerquote auswerfen. Aber woran soll sich ein Trader bei fallenden Umsätzen orientieren? Sogar mein ehemaliger Kollege Robert Halver von der Baader Bank, den ich sehr schätze, scheint im Moment ratlos, wenn er in seiner Kolumne schreibt: „Rutscht der DAX wieder unter die Marke von 7.000, so liegt die nächste Unterstützung bei 6.875 Punkten – und wenn nicht, dann steigt er bis 7.200 Punkte.“ So geht es im Moment offenbar vielen Analysten. Es stellt sich also die Frage: Was haben aktive Börsianer momentan nicht auf der Agenda, was aber in naher Zukunft die Märkte überraschen und beeinflussen könnte? Dass es den Griechen gelingt, Vertrauen und mehr Zeit für ihre Strukturreformen zu gewinnen? Das könnte die Märkte tatsächlich positiv überraschen, denn derzeit wird viel zu viel über den möglichen Euro-Austritt Griechenlands diskutiert.

Platin-Spekulation nach nur 2 Wochen mit 35,2 Prozent im Gewinn

Da uns die Nachrichtensituation nicht weiterbringt, bleibt uns nur der Blick auf die technische Analyse und ihre Indikatoren. Und tatsachlich bekommen wir hier einige Anhaltspunkte für einen festeren Euro und weiter steigende Edelmetallpreise: Ideen mit Potenzial! Meine Platinempfehlung von vor 2 Wochen liegt jetzt bereits mit 35,2 Prozent im Plus – und was das Beste ist: Neueinsteiger können noch mitmachen. Um auf den Punkt zu kommen: Ja, wir kaufen morgen früh Silber. Die Gründe lesen Sie in der Rubrik Devisen und Rohstoffe.


Henrik Voigt

Bloß nicht!

von Henrik Voigt (21.08.2012)


Wenn der jüngste „Spiegel“-Bericht wahr ist, dann haben wir in einigen Wochen eine Art sozialistische Planwirtschaft in der gesamten Eurozone, die die Kaufkraft unseres Geldes dramatisch zerfallen lässt. Nach dem besagten Medienbericht erwägt die Europäische Zentralbank (EZB), für jedes Land einen „Zielzins“ festzulegen, der bei Überschreiten durch den Ankauf von Staatsanleihen in unbegrenzter Höhe wieder auf das gewünschte Niveau gedrückt werden soll. Dieser Zielzins soll nicht fix sein, sondern einen bestimmten Abstand zum Renditeniveau deutscher Bundesanleihen wahren. Beispielsweise dürften dann spanische Staatsanleihen nicht mehr als zwei Prozentpunkte höhere Renditen abwerfen als deutsche – unabhängig von ihrem höheren Ausfallrisiko.

EZB auf dem Weg in die Planwirtschaft?

Die offensichtlichen Folgen dürften klar sein: Da die EZB praktisch unbegrenzt Geld drucken kann, dürfte das gewünschte Zinsniveau auch kurzfristig erreicht werden. Freilich mit einigen gravierenden Nebenwirkungen: Die EZB würde dann beispielsweise Spanien direkt mit der Notenpresse finanzieren, was ihr ausdrücklich verboten ist. Um Verbote scheint man sich jedoch bei der EZB nicht mehr zu kümmern. Der Markt für Staatsanleihen wäre dann praktisch ein Witz, die Renditen eine Farce. Die EZB müsste über kurz oder lang ihre Bilanzsumme faktisch ins Unendliche ausdehnen. Zusätzlich würde der Reformdruck auf die Hochzinsländer in Europa damit praktisch auf null sinken. Der spanische Schuldenberg würde dann natürlich nicht kleiner, sondern größer werden. Und so ganz nebenbei würden auch die deutschen Zinsen steigen – mitgegangen, mitgehangen.

Gravierende Nebenwirkungen

Aber es gibt noch weit drastischere Auswirkungen. Die EZB würde mit unbegrenzten Anleihenkäufen über die Notenpresse den Außenwert des Euros ebenfalls in kürzester Zeit zerstören und alle Importe von außerhalb massiv verteuern (Rohstoffe zum Beispiel). Die Leute werden dann auch den letzten Rest Vertrauen in die Funktion des Geldes als langfristiges Wertaufbewahrungsmittel verlieren und werden ihr Geld sehr schnell ausgeben. Wohl weniger für Langfristanlagen wie immobilen, Aktien und Edelmetalle (oder auch Fremdwährungskonten), die für einen Großteil der Bevölkerung aus verschiedenen Gründen ohnehin nicht in Frage kommen, sondern vielmehr für ganz schnöden Konsum. Die daraus resultierende, immer schnellere Umlaufgeschwindigkeit des Geldes dürfte sehr schnell zu einer weiteren Zersetzung der Währung führen, im Extremfall bis zur Hyperinflation. Damit wäre dann die letzte und finale Phase eines Zerfalls der Eurozone eingeleitet – die Monetarisierung der Staatsschulden durch die Notenbank.

Bleibt zu hoffen, dass sich auf der nächsten EZB-Notenbanksitzung Anfang September die Stimmen der Vernunft durchsetzen werden und diese Pläne in der Schublade bleiben. Vielleicht kann da ja die amerikanische Notenbank, sonst nicht gerade ein Hort der Geldwertstabilität, noch teilweise als Vorbild dienen, die ihre Bilanzsummer trotz aller Hoffnungen der Märkte bisher nicht durch weitere Anleihenkäufe ausgeweitet hat und dies wohl auch auf der Sitzung am Mittwoch nicht tun wird. Womit wieder leichtes Enttäuschungspotenzial für die Aktienbörsen in dieser Woche besteht.

Anleger optimistisch, Smart Money short, Volatilität am Rekordtief


Diese sind ja auch in der vergangenen Woche trotz vor allem sehr mauer Frühindikatoren weiter leicht gestiegen, allerdings wirkt der Anstieg inzwischen sehr müde. Kein Wunder: Vom vielzitierten Pessimismus, der angeblich einen Absturz verhindern soll, ist inzwischen auch in den Langfristig ausgerichteten Stimmungsindikatoren nichts mehr zu sehen. Bei der Umfrage von Investors Intelligence tummeln sich jetzt fast doppelt so viele Bullen wie Bären (43,6 % Bullen vs. 26,6 % Bären). Das ist Optimismus pur, und ganz ohne neue Hochs bei den US-Indizes. Gleichzeitig hat das sogenannte „smart money“ seine Spekulation auf einen fallenden US-Markt ausgebaut und nähert sich damit weiter dem 8-Jahres-Hoch bei den Shortpositionen, von dem ich Ihnen in der vergangenen Ausgabe berichtete. Auch das ist sicher nicht der Stoff, aus dem eine gemütliche Sommer-Rally üblicherweise gebastelt wird.

Zur gleichen Zeit erreicht der Volatilitätsindex nun auf einem Fünf-Jahres-Tief (auch das zeigt die rekordverdächtige Sorglosigkeit an den Börsen!) eine wichtige Unterstützungslinie, von der aus die Volatilität üblicherweise deutlich ansteigt. Das würde jedoch Einbrüche am Aktienmarkt mit sich bringen, wie schon im Sommer 2008 oder im Sommer 2011, als zu viele Anleger dachten, die Börsen könnten sich dauerhaft vom fundamentalen Umfeld abkoppeln. Wir bleiben daher weiter in defensiven Seitwärtsstrukturen investiert, nehmen hier höchstens fallweise Gewinne mit. Gerade in Zeiten niedriger Volatilität kann so mancher Alphaschein dem normalen Hebelzertifikat in der Rendite den Rang weit ablaufen (bestes Beispiel: unser Praktiker Alpha mit nahezu Preis- Verdoppelung in nur drei Monaten!). Richtungsabhängige Trendpositionen gehen wir bei Einzeltiteln ein, die sich in charttechnisch aussichtsreicher Lage am Beginn von größeren Bewegungen befinden. Auch damit lassen sich weitgehend unabhängig vom Gesamtmarkt noch ein paar schnelle Gewinne einfahren. Massive Neupositionierungen bieten sich aber in der gegenwärtig widersprüchlichen Lage (noch) nicht an.

Jürgen Nowacki

Kritiker nörgeln, weil der deutsche Außenhandel auf Rekordkurs ist. Von mir bekommen Sie heute die 10 besten M‐DAX‐Aktien, die am meisten vom Export profitieren?

von Jürgen Nowacki (14.08.2012)


In den vergangenen Tagen hagelte es an der Konjunkturfront wieder schlechte Nachrichten. Schlagzeilen wie „Konjunkturlokomotive China verliert weiter an Schwung“ oder die Prognose der Banque de France, dass das französische Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal erneut um 0,1 Prozent schrumpfen werde, verunsicherten die Anleger.

Ja, und dann noch eine Nachricht von besonderer Tragweite: Deutschland exportiere zu viel – und das sei schädlich für das globale ökonomische Gleichgewicht. Da mögen sich viele Leser die Augen gerieben haben: Anstatt froh zu sein, dass die Konjunkturlokomotive Deutschland noch etwas Positives für den Welthandel beizutragen hat, müssen wir uns in Deutschland für unsere guten Produkte entschuldigen?

„Wir könnten in die Kritik kommen“, lautet ein Argument. Na, und?! Jede Nation versucht in erster Linie, seine eigenen Interessen durchzusetzen, nicht wahr? Aber wenn Deutschland das macht, dann ist es verkehrt, ja sogar schädlich für das ökonomische Gleichgewicht? Offensichtlich braucht eine Gemeinschaft immer einen Prügelknaben. Ob wir nun den vereinbarten Stabilitätskurs in der EU konsequent verfolgen, oder die besten Autos bauen – immer müssen wir uns dafür rechtfertigen. Seltsam: Wenn die USA und China die Rohstoffmärkte unter sich aufteilen, dann scheint das ok zu sein. Wenn es dem rohstoffarmen Deutschland trotzdem gelingt, den Außenhandel zu steigern, dann ist das kritikwürdig.

Liebe Börsianer, es wird immer kritisiert, dass die Börse unlogisch sei: Sie steige trotz schlechter Konjunkturnachrichten oder falle, sobald sich die Konjunktur bessere. Sollte sich die Börse etwa nach unseren Deutschlandkritikern richten? Nein, natürlich nicht. Aber wonach dann?

Bitte bedenken Sie, dass niedrige Zinsen, die wir uns als Aktienanleger wünschen, nur deshalb so niedrig sind, weil die Konjunktur nicht läuft. Das heißt: Eine Null-Zinspolitik der Notenbanken kann es nur geben, wenn die Konjunktur schlechte Nachrichten liefert. Würden sich die Konjunkturdaten bessern, müssten die Zinsen steigen – und das würde die Aktienkurse nach einer gewissen Zeit belasten. Das ist ein ganz einfacher monetärer Mechanismus, mit dem sich steigende und fallende Aktienkurse und das antizyklische Auf und Ab erklären lassen.

Nun müssen wir noch zwischen Trendwechsel und Marktkorrekturen unterscheiden. Im Juni habe ich Ihnen, liebe Leser, eine DAX-Einkaufsliste an die Hand gegeben, mit der Sie zu niedrigsten Kursen deutsche Blue Chips eingesammelt haben. Wir werden aber jetzt nach einem DAX-Anstieg von 1.100 Punkten keine großen Aktienpositionen mehr aufbauen, sondern erst einmal die Gewinne über Stop‐Loss mitnehmen und die nächste Korrektur abwarten. Nachdem ich Ihnen in der vergangenen Woche eine neue DAX-Einkaufsliste für schlechte Börsentage aufbereitet habe, bekommen Sie heute zusätzlich noch eine M-DAX-Einkaufsliste überreicht. Bitte drucken Sie sich die beiden Listen aus, damit Sie in einer Marktkorrektur schnell einen Überblick haben, welche Aktien wir als nächstes zum Kauf empfehlen.

Henrik Voigt

Nichts als heiße Luft

von Henrik Voigt (13.08.2012)


Die harten Fakten sprechen ein eindeutiges Bild: die Konjunkturschwäche verstärkt sich. So sank der letzte Woche gemeldete ifo-Index für das Wirtschaftsklima in der Eurozone auf 88,9 Zähler und notiert damit weit unter seinem 6-Jahres-Durchschnitt von 109 Punkten. Nach zwei leichten Zwischenerholungen im 1. Und 2. Quartal dieses Jahres auf zuletzt 100,3 Punkte sehen wir nun im 3. Quartal wieder einen deutlichen Einbruch, wobei Tempo und Umfang der Verschlechterung ungewöhnlich stark ausfallen. Auch in den kommenden sechs Monaten werde sich die Wirtschaft nicht erholen, war vom renommierten ifo-Institut dazu zu hören.

Das sollte den Aktienbullen eigentlich zu denken geben, die mit der Sommer-Rally jetzt bereits den kommenden Aufschwung einzupreisen meinen. Welchen Aufschwung? Selbst wenn man die Hoffnung hegen würde, dass uns die Emerging Markets mit ihrem Wachstum irgendwie aus dem Sumpf ziehen: Auch die dortigen Daten sind verheerend. Die chinesische Industrieproduktion fiel im Juli unerwartet stark auf ein Drei-Jahres-Tief. In Indien sank die Industrieproduktion den dritten Monat in Folge.

Hoffnung und heiße Luft

Was wir momentan an den Börsen sehen, lässt sich am besten so beschreiben: Hoffnung und heiße Luft. Hoffnung ist aber keine Anlagestrategie. Von den letzten drei Aufschwüngen haben die Börsen fünf eingepreist. Soll heißen: Die Märkte verrennen sich immer wieder in Szenarien, die der Realität nicht lange standhalten und dann wieder ausgepreist werden müssen, was schmerzhafte Kurseinbrüche mit sich bringt. Das letzte derartige Ereignis hatten wir erst zu Jahresbeginn.

Nicht ganz unschuldig an diesen haltlosen und heftigen Bewegungen sind einerseits die Manipulationen der Zentralbanken, die sich dem Diktat der Politik beugen und mit ihren Eingriffen ehemals funktionierende Märkte zerstören. Zum anderen haben wir psychologische Faktoren. Alles, was die festgefügten Vorstellungen von Gegenwart und Zukunft trübt, wird ausgeblendet (der Psychologe nennt das „kognitive Dissonanz“). Hier spielt auch das sogenannte Normalitätsbias hinein: es kann nicht sein, was nicht sein darf. Die Vergangenheit wird gedanklich einfach fortgeschrieben. Man wünscht sich, die Dinge werden so bleiben, weil sie immer schon so waren. Große Umbrüche kann sich eigentlich niemand vorstellen.

Ein Zerbrechen der Eurozone und Staatspleiten sind so unerfreulich, dass sie besser ausgeblendet werden, um nicht das eigene Wohlbefinden zu stören. Die Leute sagen „das interessiert mich alles nicht mehr“ und wenden sich erfreulicheren Dingen zu wie der Fußball-EM oder dem Eurovision Songcontest. An den Börsen sehen wir Zwischen-Rallys, weil man gerne einen Aufschwung sehen würde, der aber bisher immer ausblieb. Später fällt die ganze Bewegung wieder in sich zusammen. Der japanische Aktienmarkt kennt das schon seit über zwei Jahrzehnten, ohne das sich während dieser ganze Zeit etwas an der übergeordneten Abwärtsbewegung oder am ausbleibenden Wachstum geändert hätte.

Smart Money setzt massiv auf fallende Kurse

Momentan haben wir an der US-Leitbörse zusätzlich wieder einen viel zu starken Optimismus als Warnsignal. Der Hulbert Stock Newsletter Sentiment Index (HSNSI) verzeichnet derzeit 50 Prozent Optimisten, während es am Mai-Topp des S&P 500 nur 42 Prozent waren. Mehr Optimismus, obwohl die Börsen noch tiefer stehen, das geht nicht gut. Jeder weitere Anstieg wird nicht von
Dauer sein. Dazu kommt noch der Umstand, dass das „smart money“ inzwischen massiv auf einen Einbruch des Marktes spekuliert. Dieser Anlegergruppe wird nachgesagt, häufiger richtig zu liegen als jede andere. Die „Commercial Hedgers“ haben inzwischen die zweithöchsten Shortpositionen auf den S&P 500 seit über 8 Jahren aufgebaut! Es dauerte nach dem Aufbau größerer Shortpositionen im aktuellen Zyklus meist nicht lange, bis es zum einem Einbruch kam (letztmalig im Frühjahr übrigens).

Was machen wir in dieser Situation? Im Falle einer (unwahrscheinlichen) weiteren Aufwärtsbewegung mit neuen Jahreshochs an den Börsen werden wir unsere wenigen Shortpositionen sicherheitshalber schließen. Zeitgleich werden aber unsere weitgehend richtungsunabhängigen Seitwärts-Strukturen weiter ausgebaut, denn diese Aufwärtsbewegung wird nur vorübergehend sein. Mit etwas Glück bekommen wir diese sogar noch deutlich günstiger als heute, was noch mehr Renditepotenzial bringen würde. Auf steigende Kurse setzen wir lediglich bei ausgewählten Einzeltiteln in charttechnisch aussichtsreichen Situationen, die in der Lage sind, sich vom weiter eintrübenden Konjunkturumfeld abzukoppeln (siehe „Offene Orders“).

Jürgen Nowacki

Tipp24 haben Sie vergangenen Freitag genau zum richtigen Zeitpunkt gekauft, Nokia und Esprit avancieren mit neuen Jahreshöchstkursen!

von Jürgen Nowacki (09.08.2012)


Seit Juni bereits war uns allen klar: Wir müssen kaufen, denn Aktien waren viel zu billig. Aber wer gab den Startschuss? Wer traute sich aus der Deckung und sagte, wo es lang geht? Im Target Trader konnten Sie im Juni die günstigsten Kaufkurse für Münchener Rück, Continental und Siemens abräumen. Im Schwerpunkthema „Warum ich Nokia kaufe“ konnten Sie in der vergangenen Woche bereits alle Nokia‐ Kaufargumente umsetzen, die Sie erst in den nächsten Tagen in der Presse lesen werden. Und Sie konnten vergangenen Freitag die Nokia‐Aktie noch einmal billig bei 2,30 EUR nachkaufen. Aus zahlreichen Leserbriefen weiß ich, dass viele Leser noch einmal zugegriffen haben. Herzlichen Glückwunsch, denn Nokia konnte innerhalb der letzten 5 Handelstage um mehr als 15 Prozent im Kurs zulegen, und das, liebe Leser, ist erst der Anfang. Bitte nehmen Sie sich die jüngste TT‐Ausgabe noch einmal zur Hand.

Tipp24 notierte am Freitag den 3. August zur Eröffnung im Tief bei 34,90 EUR. Wir haben unsere Topempfehlung von vergangener Woche wie angekündigt zu 35,02 EUR ins Depot genommen und liegen bereits jetzt 3,7 Prozent vorne. Aber es ist noch nicht zu spät einzusteigen, denn die Aktie hat unglaubliches Potenzial. Geben sie nichts aus der Hand!

Bei Esprit platzt die nächste Kursbombe, denn es kommt ein neuer Vorstand. Dem Esprit‐Aufsichtsrat ist es gelungen, Jose Manuel Martínez Gutiérrez, ehemaliger McKinsey‐Berater und Einzelhandelsexperte mit jahrelanger Erfahrung, von Inditex (Zara, Skandinavien) abzuwerben. Die Aktie war in den zurückliegenden Tagen regelrecht explodiert und legte innerhalb von 5 Handelstagen ebenfalls mehr als 14 Prozent zu.

Heute heißt es beim Nachrichtensender n‐tv: „Deutsche Anleger kaufen wieder mehr Aktien, weil sie dem Euro nicht trauen.“ Sie kaufen aber auch, weil die Dividendenrendite sehr viel attraktiver ist als Zinsen auf Rentenpapiere. Und sie kaufen, weil sie erkannt haben, dass deutsche und viele ausländische Unternehmen besser für ihre Aktionäre wirtschaften als so mancher Politiker für seine Wähler.

Nach einem Kursrückgang im Mai und Juni, der die ganzen Gewinne des ersten halben Jahres aufzehrte, steht der DAX jetzt etwa bei plus 18 Prozent. Und wie immer an dieser Stelle stellt sich jetzt die Frage „Wie geht es weiter“? Für meine Stammleser, die bereits bis auf die Cashreserven investiert sind, heißt es bereits seit einigen Wochen, Stopps nachzuziehen und Gewinne laufenzulassen. Für diejenigen, die noch investieren, habe ich im heutigen Schwerpunkthema eine Liste aller 30 DAX‐Werte angefertigt, aus der Sie die erwartete Dividendenrendite und das Kurspotenzial für die nächsten 3 Monate entnehmen können. Aber bevor Sie investieren und Ihre Netze auslegen, schauen Sie bitte in die Rubrik DAX‐ und Dow Outlook, denn es kann durchaus sein, dass wir jetzt erst einmal auf hohem Niveau konsolidieren und eine kleine Pause einlegen müssen. Damit könnten Sie Ihre Einkaufskurse optimieren und das gute Ergebnis meiner Musterdepots noch übertreffen. Wie viel Platz haben wir im DAX und Dow, bevor es zu größeren Gewinnmitnahmen
kommt? Das ist die schwierige Frage, der ich mich auch in dieser TT‐Ausgabe stelle

Henrik Voigt

Realitätsverweigerung pur

von Henrik Voigt (07.08.2012)


In den letzten Wochen mussten die Aktienbörsen zwar immer wieder schwere, mehrtägige Rückschläge verkraften. Sie erholten sich jedoch immer wieder recht zügig davon und bügelten die Verluste wenig später wieder aus. Unter dem Strich zeigt sich seit Anfang Juni ein steiler Aufwärtstrend mit vielen Zacken. Angesichts der sich besonders in Europa drastisch ausbreitenden Rezession ist dies ziemlich erstaunlich. Die anhaltende Nachfrageflaute in der Industrie und im Dienstleistungsbereich in ganz Europa ist inzwischen sogar die schwerste seit drei Jahren. Aussicht auf Besserung? Fehlanzeige. Der heute Mittag gemeldete Auftragseingang der deutschen Industrie im Juni kam mit -7,8% (Prognose: -7,0%, nach -5,3 % zuvor) im Vergleich zum Vorjahresmonat. Eigentlich sollte man doch annehmen, dass Kurse und Konjunkturaussichten wenigstens auf mittlere Sicht parallel laufen. Soviel zum Realitätssinn der Börsen, wo man sich derzeit wohl lieber gepflegten Illusionen hingibt.

Lockt der nächste Aufschwung?

Wird hier vielleicht bereits ein Ende des weltweiten Konjunkturabschwunges eingepreist und wir verpassen die nächste Rally? Das kann kaum sein. Denn ausgerechnet die Zykliker hinken der Rally weit hinterher (nicht zufällig konnte unser Alphaschein auf Klöckner deutlich weiter zulegen und lag zuletzt sogar über 110 % im Gewinn). Auch der Kupferpreis, einer der wichtigsten Indikatoren für die Weltkonjunktur, bleibt weiter schwach und schwebt weiter in der Gefahr, in Kürze einen wirklich großen Kurssturz zu erleben. Mehr dazu im Intermarket-Teil dieser Ausgabe.

Treiben dann die Spekulationen auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik die Kurse? Das schon eher. Die Frage ist allerdings, ob eine solche Lockerung denn auch Erfolg verspricht. Von der amerikanischen Notenbank sind derzeit wegen den insgesamt noch zu stabilen Konjunkturdaten und den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen keine weiteren Lockerungsschritte zu erwarten. Von der Europäischen Zentralbank hingegen schon eher. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen (Sparauflagen), die wiederum deflationär wirken. Falls man sich den überhaupt darauf einigen kann.

…oder eine drastische Inflation?

Die eigentlich inflationäre Lockerungspolitik der EZB hat bisher weder eine Inflation entfachen noch die Europäische Rezession beseitigen können. Das zeigen die entsprechenden Daten eindeutig. Sie war also ein Fehlschlag. Nicht, weil die Notenbank zu unentschlossen wäre, sondern weil das deflationär wirkende Platzen der Anleihenblase der südeuropäischen Länder bereits zu weit fortgeschritten ist, um mit den Mitteln der Geldpolitik noch nachhaltige Effekte zu erzielen. Es scheint allerdings zu dauern, bis sich das an den Aktienbörsen herumspricht, wo man sich derzeit lieber trügerischen Hoffnungen hingibt. Nach neun Zinssenkungen hilft auch keine zehnte, nach zwei Anleihenkaufprogrammen auch kein drittes. Wenn es anders wäre, hätten wir im Vorfeld der jüngsten Euro-Krisengipfel und EZB-Sitzungen eine große Rally bei den Edelmetallen – Inflationsbarometer Nummer Eins – sehen müssen. Faktisch laufen die Edelmetallpreise aber seit Monaten leicht abwärts und lassen damit keinen Inflationsdruck erkennen.

Die übliche Gier

Der Aktienmarkt verrennt sich wie im Winter 2011 wieder einmal in völlig haltlosen Spekulationen. Vor allem an der Leitbörse USA: Die ersten Stimmungsindikatoren haben hier bereits das Euphorieniveau vom Frühjahr überschritten, die Börseninsider verkaufen so stark wie noch nie in diesem Jahr, die niedrige Volatilität signalisiert extreme Sorglosigkeit, die Marktbreite ist auf ein selten gekanntes Niveau abgesunken, während sich an der fundamentalen Situation nichts verbessert hat, Das sind alles Faktoren, die mich zu extremer Vorsicht raten lassen.

Dazu kommt noch, dass den Börsen jetzt mit den Monaten August und September die saisonal schwierigste Zeit des Jahres bevorsteht. Allein in den vergangenen 15 Jahren mussten in diesem Zeitraum Monatsverluste von 5% und mehr hingenommen werden, in sechs Fällen sogar Abschläge von mehr als 10%. In Jahren, die auf einer „2“ enden, verstärkt sich dieser Effekt weiter. Eine Wiederholung des Sommercrashs vom letzten Jahr ist damit alles andere als ausgeschlossen, zumal der August mit 12 Prozent eine vergleichsweise hohe
Crashwahrscheinlichkeit beim DAX besitzt.

Lassen Sie sich nicht verrückt machen


Lassen Sie sich also nicht verrückt machen. Weitere Kursgewinne sind im August zwar möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Wenn es trotz aller unübersehbaren Warnsignale weiter aufwärts mit den Kursen geht, dann wird der nachfolgende Absturz wenig später umso schlimmer werden. Wir bevorzugen deshalb weiterhin defensive Anlagen. Der größte Teil unseres Portfolios steckt in Alphascheinen, die der Masse der Anleger weitgehend unbekannt sind. Diese haben den Vorteil, sich weitgehend unabhängig von steigenden oder fallenden Märkten zu entwickeln, aber dabei dennoch Vervielfachungspotenzial zu besitzen. Einen Teil Cash halten wir als Sicherheitspolster für besondere Gelegenheiten, einen kleinen Teil haben wir als Spekulationen auf fallende Kurse gesetzt. Sollten wir in Kürze tatsächlich einen heftigen Einbruch an den Märkten sehen, dann wird dieser Teil des Depots der absolute Renditebringer sein.

Jürgen Nowacki

Mit unserem Turnaround-Wert Nokia sind wir 24 Prozent im Gewinn!

von Jürgen Nowacki (02.08.2012)


In der Hoffnung, dass sich Deutschland endlich den Forderungen Italiens, Frankreichs und Spaniens nach einer Schuldenunion beugt, kommen stereotyp immer wieder die gleichen Forderungen auf dem Tisch: die Lizenz zum Gelddrucken für den ESM beispielsweise. Wenn der ständige Rettungsschirm ESM wirklich eine Banklizenz erhalten sollte, könnte er bei der EZB beispielsweise italienische oder französische Anleihen als Sicherheiten hinterlegen und sich dann zu niedrigsten Zinsen selbst refinanzieren. So haben sich das die schwächeren Euro-Partner gedacht. Aber ist es nicht kurzsichtig, diese dem Ansehen der EU schadende Diskussion vor dem 12. September, dem Tag, an dem das Bundesverfassungsgericht über das Schicksal des ESM entscheidet, so auf die Spitze zu treiben?

Jetzt noch einsteigen in Aktien?

Ich zeige Ihnen, liebe Leser, in der Rubrik DAX- und Dow-Outlook, auf was Sie sich in den nächsten Wochen einstellen müssen. Wie hoch die Cashquote, also das Sicherheitspolster, sein sollte und mit welchen Aktien Sie den Bullen in den nächsten Wochen reiten können.

Wir haben bereits die Cashquote in den Musterdepots etwas erhöht, um beim nächsten Sommergewitter nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Wie in der vergangenen Woche prognostiziert, haben wir das kurzfristige Kursziel im Dow Jones bei 13.100 Punkten erreicht und ziehen jetzt wieder neue Stopp-Marken für unsere Buchgewinne ein - beispielsweise auch bei Nokia. Sie wissen: Die Aktie habe ich Ihnen vor drei Wochen empfohlen, und jetzt sind wir bereits mit 24 Prozent im Gewinn. Damit Sie, liebe Leser, wissen, was ich als Nächstes plane, erhalten Sie heute Nokia als Schwerpunkthema. Ich kann bereits so viel verraten: Die Aktie hat trotz EU-Krise noch erhebliches Potenzial.

Henrik Voigt

Absurde Turbulenzen

von Henrik Voigt (01.08.2012)


Nachdem zwei Langfristtender, zwei Anleihenkaufprogramme und unzählige Zinssenkungen weder den Schuldenberg in Europa verkleinert noch die Rezessionen in immer mehr europäischen Ländern auch nur ansatzweise abgemildert haben, müssten die Märkte bei Statements von Politikern und Notenbanken eigentlich nur noch müde mit den Achseln zucken. Stattdessen fallen jedoch immer wieder Anleger darauf herein, wenn auf eine Neuauflage dieser im Endeffekt völlig sinnlosen Maßnahmen spekuliert wird. Oder wenn ein EZB-Präsident Draghi wie in der vergangenen Woche lediglich sagt „Glauben Sie mir“. Über diesen Wahnsinn an den Märkten werden wir sicher noch unseren Enkeln berichten.

Erhebliches Enttäuschungspotenzial


Am Mittwoch findet eine US-Notenbanksitzung statt, am Donnerstag eine EZB-Sitzung. Von beiden Ereignissen erhoffen sich die Anleger neue geldpolitische Lockerungen, die nach unzähligen vergeblichen Anläufen endlich eine Wende in der Krise bringen sollen. Diese Hoffnungen werden aber voraussichtlich herb enttäuscht werden. Die amerikanische Notenbank dürfte ihr Pulver noch mindestens bis zur nächsten Sitzung Mitte September trocken halten, nachdem sie erst auf ihrer letzten Sitzung eine Verlängerung des Anleihentauschprogrammes „Operation Twist“ beschlossen hatte. Die Europäische Zentralbank hat hingegen in der letzten Woche Erwartungen geschürt, dass am Donnerstag weitere geldpolitische Lockerungen wie etwa Aufkäufe spanischer und italienischer Anleihen verkündet werden. Die Aktien- und Anleihenmärkte haben diese Käufe bereits eingepreist. Gestern stellte sich jedoch heraus, dass es gar keine konkreten Planungen für solche Käufe gibt. Also wieder einmal nur leere Worte? Auch hier baut sich erhebliches Enttäuschungspotenzial auf. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass wir in den letzten Tagen lediglich die üblichen politischen Börsen gesehen haben, die leider immer sehr heftig, aber auch kurzlebig und nie verlässlich sind.

US-Fondsmanager bereits wieder zu dick investiert


Neben den rekordverdächtigen US-Insiderverkäufen, den sommerlich dünnen Umsätzen an den Börsen und der bevorstehenden negativen Saisonalität (August und September sind mit Abstand die schlechtesten Börsenmonate) haben die Aktienmärkte das Problem, dass die meisten Profis bereits wieder ähnlich dick investiert sind wie im Frühjahr am bisherigen Börsen-Topp. Das ist üblicherweise nicht gut für die Kursentwicklung der nachfolgenden Wochen, da neue Nachfrage nach Aktien nicht mehr zu erwarten ist, wenn sich die Masse bereits wieder bis zur Halskrause mit Aktien eingedeckt hat. Der Stimmungsindikator zeigt Ihnen, dass hohe Investitionsquoten direkt mit markanten Topps an den Börsen verbunden sind. Aktuell sehen wir wieder Investitionsraten auf dem Niveau der Topps von 2011 und 2012. Die derzeitigen Anstiege werden also nicht nachhaltig sein. Dies ist kein Umfeld für Langfristinvestitionen. Erst recht nicht, solange sich die Märkte entgegen der Fundamentalentwicklung bewegen und somit anfällig für negative Überraschungen bleiben.

„Heißer Herbst“ wahrscheinlich

Die Börsen haben nur solange Kursauftrieb, wie Politik und Notenbanken in die Märkte eingreifen, was aber kein Dauerzustand werden kann. Denn die Regierungen haben keinerlei finanziellen Spielraum mehr und stecken mit einem Bein in der endgültigen Pleite. Wie stabil diese Ausgangslage ist, können Sie sich sicher selbst leicht ausmalen. Ein Termin drückt hier besonders: Am 20. August muss Griechenland größere Schuldenbeträge zurückzahlen. Das Land ist aber nach zwei „Rettungspaketen“ im Mai 2010 und im März 2012 schon wieder zahlungsunfähig. Innerhalb der nächsten Wochen haben wir also den ersten Austrittskandidaten in der Eurozone und damit riesige Zahlungsausfälle auch für die Deutsche Bundesbank, der Griechenland inzwischen über 700 Mrd. Euro schuldet. Ich bin gespannt, wie die Verantwortlichen dieses Problem behandeln wollen. Denn unter den Teppich kehren oder auf die lange Bank schieben geht jetzt nicht mehr. Der EU steht ihre größte Zerreißprobe kurz bevor, die die Märkte nicht einfach ignorieren können.

Wir bevorzugen weiterhin defensive Anlagen. Der größte Teil unseres Portfolios steckt in Alphascheinen, die sich weitgehend unabhängig von steigenden oder fallenden Märkten entwickeln. Einen Teil Cash halten wir als Sicherheitspolster für besondere Gelegenheiten, einen kleinen Teil haben wir als Spekulationen auf fallende Kurse gesetzt. Dieser Teil wird momentan antizyklisch ausgebaut, da ich das größere Potenzial der Börsen in den nächsten Monaten aus den genannten Gründen auf der Unterseite erwarte.

Jürgen Nowacki

Bürgen sollst Du würgen

von Jürgen Nowacki (26.07.2012)


Wieder einmal sind es die Ratingagenturen, die uns das Leben schwer machen. Moody’s, einer der größten Überwacher internationaler Unternehmens- und Länderrisiken, erschüttert den DAX und die Indizes in USA und Asien. Aber, offen gesagt: Das war doch zu erwarten oder etwa nicht, liebe Leser?

Der Aufschrei bei Politikern und Medien ist völlig unverständlich. Wer so tut, als seien Bürgschaften in Milliardenhöhe ein Freundschaftsdienst, den man endlos beanspruchen könne, der hat Schillers „Bürgschaft“ nicht gelesen. Daher kommt auch das Zitat: „Ich lasse den Freund dir als Bürgen, Ihn magst du, entrinn' ich, erwürgen.“ Oder, wie es in Kurzform auch heißt „Bürgen sollst Du würgen“. Das heißt: Bürgschaftsverpflichtungen gehen zu Lasten des Bürgen und vermindern dessen Kreditwürdigkeit. Das wird auch halbwegs gesunden Ländern wie Österreich, Niederlande, Deutschland, Luxemburg und Finnland demnächst die eigene Refinanzierung verteuern. Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob die Bürgschaften in Anspruch genommen wurden oder nicht.

Wie im richtigen Leben hebeln wir in Deutschland unsere eigenen Schulden auf gefährliche Ausmaße – und das kommt uns spätestens dann teuer zu stehen, wenn es auch mit unserer eigenen Konjunktur bergab gehen sollte. Dann rächt es sich, dass wir es in Deutschland trotz enormer Steuereinnahmen nicht geschafft haben, Schulden zu begleichen, sondern einfach so weiter gewirtschaftet haben wie all die Jahre zuvor.

Der Verzicht auf Eurobonds sollte eigentlich helfen, höhere Zinsen zu vermeiden. Doch es wird so kommen: Unsere exzellenten Kreditratings werden herabgestuft, die Zinsen werden auch ohne Eurobonds steigen. Zurzeit weisen Experten zwar darauf hin, dass die USA ihr Tripple A verloren haben und trotzdem keine höheren Zinsen zahlen müssten. Aber, liebe Leser, das ist Amerika. Die haften nur für sich selbst. Und die haben eine Notenbank die eigene Staatsanleihen aufkauft wenn die USA keine Käufer dafür findet. In Europa ist das anders: Hier haften einige wenige EU-Länder für den Rest und drohen unter der Last zusammen zu brechen. Das hat Moody‘s deutlich gemacht. Und für die klare Ansage sollten wir den Amerikanern dankbar sein.

Anleger wie wir, die sich mutig in Blue Chips und deutsche Dividendenwerte einkauften, registrieren mit Sorge die Verkaufssignale, die sich am Markt zeigen. Aus diesem Grunde gehe ich im Schwerpunkthema heute auf das Hindenburg-Omen ein. Außerdem gibt es gute Gründe, die Gewinne bei Euro-Short-Positionen mitzunehmen und eine technische Reaktion bis 1,2680 US-Dollar abzuwarten.

Henrik Voigt

Die pure Not…

von Henrik Voigt (24.07.2012)


Angesichts der unverändert großen Rezessionsgefahr weltweit fällt es den meisten Analysten offenbar immer schwerer, die kräftige Kurserholung vom Juni/ Juli noch zu rechtfertigen. Wieder einmal wird der pure „Anlagenotstand“ beschworen, der die Anleger angeblich in Scharen an die Börsen treibt und der dafür sorgen soll, dass die Kurse auch entgegen den fundamental sehr mauen Geschäftsaussichten nie wieder fallen. Dazu passen allerdings nicht die starken Kursverluste der Börsen vom Wochenauftakt. Lassen Sie sich von solchen Kommentaren nicht in die Irre führen oder zu unüberlegten Anlageentscheidungen verleiten!

Fakten statt Märchen

Ich halte es lieber mit harten Fakten. Und Fakt ist, dass es an den Aktienbörsen in letzter Zeit nicht mehr so einfach war, Geld zu verdienen. Wir in DAX Profits stehen da als Ausnahme sehr gut da, weil wir nicht bedingungslos auf steigende Kurse angewiesen sind, die in einem rezessiven Umfeld nur kurzlebige Zwischenerscheinungen sind. So wie die letzten Wochen etwa. Eine Zwischenerholung der Aktienmärkte im Abwärtstrend reichte immerhin aus, um die Euphorie unter den Anlegern zurückzubringen. Mittelfristig ausgerichtete Stimmungsindikatoren wie der Hulbert Stock Newsletter Index haben sogar bereits wieder grenzwertig euphorische Zustände erreicht, wie wir sie zuletzt im Frühjahr sahen, als die Abwärtsbewegung begann.
An der US-Leitbörse zeigt sich: Der Risikoappetit der Anleger ist mittlerweile wieder auf ein Niveau geklettert, von dem aus es in der Vergangenheit stets wieder abwärts ging mit den Kursen. Es ist also Vorsicht angebracht.

US-Insiderverkäufe nahe Rekordniveau

Noch beunruhigender finde ich allerdings die Tatsache, dass die Verkäufe der Börseninsider (Fonds, Unternehmenslenker, Beteiligungsgesellschaften etc.) in den USA wieder ein ähnliches Rekordausmaß wie Anfang Mai erreichten, als dort die Abwärtsbewegung richtig in Fahrt kam. Verkaufen die Insider stark, dann lässt das meist nichts Gutes für die Kursentwicklung ahnen. Das Verhältnis von Verkäufen zu Käufen dieser richtungweisenden Anlegergruppe betrug Anfang Mai 2012 5,7:1 (bärisch für Aktien). Normalerweise liegt es durchschnittlich bei 2 bis 2,5:1 (alles darunter ist bullisch, alles darüber bärisch für Aktien). Während der Abwärtsbewegung der US-Börsen im Mai sank das Ratio bis zum Monatsende auf 1,6:1 und damit wieder in den bullischen Bereich, was die noch laufende Zwischenerholung im Juni/ Juli ermöglichte.

Inzwischen ist das Verhältnis aber wieder auf grenzwertige 5,5:1 gestiegen und damit wieder stark bärisch für Aktien. In den nächste Wochen sollte demnach eine mindestens etwa 10prozentige Korrektur am US-Aktienmarkt starten, aus der je nach Entwicklung der Wirtschaftsdaten aber durchaus auch mehr nach unten werden kann. Die US-Insiderverkäufe werden uns sicher rechtzeitig zeigen, wann sich diese Abwärtsbewegung dem Ende nähert, die jetzt erst beginnt. Und damit auch, wann es Zeit für eine andere Taktik ist.

Abwärtsbewegung steht bevor

Dass es den von der Schuldenkrise und der Rezession in Europa stärker betroffenen DAX während der nächsten Wochen stärker beuteln wird, halte ich dabei für sehr wahrscheinlich. Der Eurokurs sowie die Entwicklung der spanischen Anleihenzinsen auf neue Rekordwerte haben den letzten EU Gipfel ohnehin als Mogelpackung entlarvt. Die Frage ist nur noch, wann es den Aktienmärkten dämmert. Den Börsen stehen ja mit August und September zwei saisonal sehr schwache Monate bevor. Es ist also noch viel zu früh, sich aus der Deckung der Seitwärts- bzw. Short-Zertifikate zu wagen. In den nächsten Wochen werden wir diese defensiven Strukturen weiter ausbauen (wie teilweise auch heute bereits geschehen), um von der Kursschwäche der kommenden Wochen zu profitieren, während die Masse der wieder viel zu früh euphorischen Anleger sich wohl wie im letzten Sommer eine blutige Nase holen wird.

Jürgen Nowacki

Die Sommerrallye läuft weiter

von Jürgen Nowacki (19.07.2012)

Es gibt Tage, liebe Leser, da meint man, dass nichts vorankommt. Die Nachrichtenlage ist eher mau, und die wenigen Trader die vielleicht etwas für Umsatz sorgen könnten, warten entweder auf Kommentare von Ben Bernanke oder studieren Reiseprospekte.
  
Aber schlechte fundamentale Nachrichten, zum Beispiel die Entwicklung der US-Einzelhandelsumsätze (Juni) von minus 0,5 Prozent, will offenbar niemand hören, solange die Möglichkeit weiterer Krediterleichterungen im Markt bleibt. Nachdem sich Ben Bernanke gestern nicht wie erhofft zu weiteren Krediterleichterungen geäußert hat, bleibt die Hoffnung, dass er doch noch zu diesem Instrument greifen könnte – und das ist ein wesentlicher Eckpfeiler in der Marktpsychologie.

Daraus resultiert: Je schlechter die Konjunkturnachrichten, desto eher wird mit einem dritten Paket Quantitative Easing (QE3, Ankauf von US-Staatsanleihen durch die Notenbank) gerechnet. Und das stabilisiert die Wall Street. Verrückte Welt, sagen Sie? Recht haben Sie, aber Volkswirtschaft und Börse sind eben zwei verschiedene Dinge. Erinnern Sie sich bitte an die großen Umkehrpunkte in Dow und DAX von März 2003 und März 2009. Zu diesem Zeitpunkt waren die Börsen im Keller. Die Frühjahrsgutachten der 5 Weisen waren außerordentlich negativ und von tiefem wirtschaftlichem Pessimismus geprägt. Aber was machte die Börse daraus? Sie startete durch und zeigt uns heute in den Charts, dass die Veröffentlichung der schlechten Frühjahrsgutachten die besten Kaufzeitpunkte an der Wall Street und im DAX waren.

Wie wird es also weitergehen? Ich sage Ihnen: Die Sommerrallye, wie ich Sie Ihnen bereits seit einigen Wochen prognostiziert habe (unser konservatives Musterdepot liegt mit 9,96 Prozent im Plus), ist noch nicht vorbei. Aber ich sage auch: Wer nichts verpassen will, muss sich jetzt beeilen! In der Rubrik DAX und Dow Outlook erfahren Sie, wie Sie das umsetzen können. Außerdem: In der Rubrik Devisen und Rohstoffe gehe ich heute auf das Crude-Oil, also das schwere Erdöl, ein denn die Zeichen stehen gut, dass es hier jetzt zu einer Bodenbildung kommt.

Jürgen Nowacki

Der Markt auf Messers Schneide?

von Jürgen Nowacki (12.07.2012)

Unsere Euro-Analyse in der vergangenen Target Trader-Ausgabe war wieder einmal eine Punktladung. Das Kursziel wurde innerhalb weniger Tage mit 1,2289 USD erreicht.

Bei den Aktien, mit denen wir auf eine Turnaround-Situation spekulieren (Nokia und Metro), sieht es anders aus. Hier ist wegen der eingeleiteten Strukturmaßnahmen und der Machtkämpfe wie bei Esprit, wo kürzlich der Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende das Handtuch warfen, immer wieder mit Störungen zu rechnen - und damit auch mit Verzögerungen bei der prognostizierten Kursentwicklung. Aus diesem Grunde nehmen wir die Aktien der Gruppe „Fallen Angels“ (Nokia, Esprit) auch im aggressiven Musterdepot auf, um Ihnen, liebe Leser, deutlich zu machen, dass es sich hier um eine knallharte Spekulation auf das Gelingen im Turnaround handelt. Wir werden heute die Depots neu strukturieren und die Hebelprodukte mit Wert 0,0 von Nokia und Metro ausbuchen. Da wir von den Restrukturierungsmaßnahmen der Unternehmen nach wie vor überzeugt sind, werden wir jeweils die Aktien in das aggressive Musterdepot bzw. Metro mit einem Anteil von 3% in das konservative Depot aufnehmen.

Ja, und dann kommen wir zu meinem Lieblingsthema, der Sommerrallye 2012. In der nächsten Börse-Online-Ausgabe habe ich meine Argumente zum Thema „unterbewerte Aktienmärkte “ noch einmal dargestellt. Auch wenn es momentan eher so aussieht, als ob der Rallye-Motor stottert und mit Verzögerungen weiterer Kurssteigerungen zu rechnen ist. Die Aussage der Karlsruher Richter, sich jetzt so richtig Zeit zu nehmen, um die Klage zur Rechtmäßigkeit des Euro-Rettungsschirms ESM zu prüfen, sollte Sie nicht beunruhigen. Die Politik drängte auf einen Schnellschuss, doch die Verfassungsrichter werden ganz deutlich zeigen, dass das Gericht politisch nicht beeinflussbar ist. Ich bleibe dabei: Nerven behalten und optimistisch bleiben. Die Märkte wollen nach oben und nehmen jede kleine positive Nachricht für steigende Kurse wahr - und das werden wir auch in den Musterdepots nutzen.

Henrik Voigt

Starker Juli, Sommerrally?

von Henrik Voigt (10.07.2012)

Angesichts der starken Rezessionsgefahr einerseits und der weiter gelockerten Geldpolitik der Notenbanken andererseits fragen sich die meisten Anleger, ob die jüngste Stärke beim DAX nur ein Strohfeuer ist oder ob da womöglich noch eine Sommerrally draus wird.

Der Juli ist ein Monat saisonaler Stärke, allerdings folgen ihm traditionell sehr schwache Monate bis in den Herbst hinein. Auch wenn wir vielleicht in Richtung November (US-Präsidentschaftswahlen) den Versuch sehen werden, mit geschönten Zahlen gute Stimmung zu verbreiten, so ändert dies doch nichts am inzwischen sehr deutlichen Bild einer globalen Konjunkturabschwächung, die in weiten Teilen Europas bereits zur handfesten Rezession geworden ist. In den Kursen ist dies jedoch nur teilweise enthalten, da die Masse der Analysten von einem wieder anziehenden Wachstum ab dem Jahresende ausgeht. Nicht zufällig notiert der „Economic Surprise Index“ der Citi-Bank auf einem Mehrjahrestief und zeigt damit an, dass die Wachstumsschätzungen der Analysten viel zu optimistisch sind und in Kürze deutlich nach unten revidiert werden müssen.

Schwache Zahlen/ Ausblicke dürften das Blatt im Juli wenden

Gestern begann mit den Zahlen von Alcoa die neue Quartalsbilanzsaison. Die Zahlen fielen durchwachsen aus (Umsatzrückgang), was vor allem für konjunkturabhängige Werte kein gutes Omen ist. Überhaupt enttäuschen vor allem die Gewinne der bisher Erfolg gewohnten US-Unternehmen immer stärker. Die nachfolgende Grafik zeigt Ihnen, dass es für diese in den letzten Jahren immer schwieriger wurde, noch nennenswerte Gewinnsteigerungen auszuweisen.

Bereits im letzten Quartal fielen die Gewinne erstmals um 0,3 Prozent auf Jahressicht – ein absolutes Novum seit Beginn des Aufschwunges im März 2009(!). Auf den ersten Blick ist der Gewinnrückgang nicht wirklich dramatisch, aber davon ist die Inflationsrate noch nicht einmal abgezogen (der reale Verlust also deutlich höher). In Europa sieht es natürlich nicht besser aus. Die viel zu hoch gesteckten Erwartungen der Börse werden in den kommenden Quartalen wohl häufiger enttäuscht werden. Dann aber fehlt die Fantasie für weiter steigende Kurse. Kursrückgänge an den Börsen werden unvermeidlich sein.

Schuldenkrise breitet sich aus

Der Gewinnrückgang ist allerdings umso erstaunlicher, als die US-Unternehmen auf einem Berg von Cash sitzen, der allein bereits Ertrag bringen müsste. Der wesentliche Grund für diese Einbußen ist im Nachfragerückgang aus dem Ausland (Europa, Schwellenländer) zu suchen, nicht in der Schwäche der US-amerikanischen Nachfrage. Und das zeigt, dass die Europäische Schuldenkrise jetzt erstmals negative Auswirklungen auf die Weltkonjunktur hat. Die wurde bisher von vielen Analysten immer bestritten. Während der letzten Rezession 2008, die ihre Ursache in der amerikanischen Immobilienblase hatte, sahen wir das gleiche Bild mit den gleichen Auswirkungen. Eine neue Welt-Rezession im Zuge der platzenden Staatsanleihenblase ist also gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

Defensive Strategien weiter gefragt

Damit zur Strategie: Wir befinden uns demnach weiter in einer Hochrisiko-Umgebung. Ich gehe davon aus, dass wir weitere Kursrückgänge sehen werden, auch wenn es immer mal wieder zu stärkeren, stimmungsbedingten Zwischenerholungen wie jetzt im Juli kommen kann. In den nächsten 12 Monaten werden Sie die meisten Märkte aber auf einem niedrigeren Niveau kaufen können als heute. Ein langfristiger Aktienkauf scheidet daher aus. Wir werden uns weiterhin auf Seitwärtsstrukturen (Alphascheine u.ä.) konzentrieren und diese Positionen weiter ausbauen. Alle „lahmen Enten“ bei den Alphascheinen wurden in den letzten Wochen verkauft und damit wieder Platz für zahlreiche neue Positionen in den kommenden Wochen geschaffen. Halten Sie sich also bereit für entsprechende Neuempfehlungen. Sobald die Börsen ihren übergeordneten Abwärtstrend gegen Mitte/Ende Juli wieder aufnehmen, werden wir zudem verstärkt in Hebelzertifikate investieren, die bei fallenden Kursen gewinnen. Mit dieser Depotstruktur werden wir den DAX bis zum Jahresende um Längen schlagen.

Jürgen Nowacki

Börsenmonat Juli: In der Börsenstatistik einer der Besten

von Jürgen Nowacki (05.07.2012)

Nach dem vielversprechenden Anstieg im DAX und heutigen EZB-Zinssenkung folgt wohl jetzt eine kleine Pause. Es stellt sich als nächstes die Frage: Wann wird Spanien an die EFSF-Finanzhilfe für seine Banken kommen und so eine Restrukturierung beginnen können? Der Termin am 9. Juli, so viel steht heute schon fest, ist nicht zu halten. Ebenso fraglich ist, was das Bundesverfassungsgericht am Dienstag, den 10. Juli, zum ESM sagen wird.

Ob Immobilien, Renten oder Lebensversicherungen – jede Anlageform beinhaltet Risiken. Je langfristiger wir uns engagieren, umso größer ist die Gefahr, dass wir mögliche Verschiebungen – zwischen Chancen und Risiken – aus den Augen verlieren. Wer es versäumt, zuweilen darüber nachzudenken, ob die Risiken, für die man sich einmal entschieden hat, noch bezahlt werden, läuft Gefahr, Geld zu verlieren. Nehmen wir beispielsweise den Rentenmarkt: Deutsche Bundesanleihen rentieren derzeitig unter 1,6 Prozent Zinsen bei einer Laufzeit von 10 Jahren. Die Inflation ist erfreulicherweise unter 2 Prozent gesunken, liegt aber immer noch höher als der Zinsertrag. Es handelt sich also um ein Verlustgeschäft für private und institutionelle Anleger mit Lebens- und Erlebensversicherungen. Hier ist auch kein Puffer mehr vorhanden, um die Risiken abzudecken, die sich aus möglichen Kurschwankungen der Rentenpapiere ergeben. Das heißt: Rentenpapiere sind zu hoch bewertet, weil sie dem Anleger nichts mehr zu bieten haben.

Aktien aus dem DAX und S&P500 dagegen sind im Vergleich viel zu niedrig bewertet. Sie müssten -laut Formel der US-Notenbank FED - dreimal höher im Kurs stehen als zum jetzigen Zeitpunkt. In der Rubrik DAX & Dow Outlook werde ich näher auf diese Fehlbewertung eingehen. Sie werden staunen, welche Chancen sich kurzfristig daraus ableiten lassen.

Der Deutsche Aktienmarkt hat nach meiner Headline in der vergangenen Woche „und jetzt die Nerven behalten“ 350 Punkte gewonnen. Ich hoffe, Sie haben die DAX-Einkaufsliste - so wie ich sie Ihnen seit vier Wochen präsentiere - für Ihre Dispositionen genutzt. Wenn Sie das konservative Musterdepot nachgehandelt haben, brachte Ihnen das erste Halbjahr 2012 ein Plus von 8,8 Prozent. Heute sage ich Ihnen, wie es weiter geht.

Henrik Voigt

Too big to bail

von Henrik Voigt (03.07.2012)


Die Staaten der Eurozone haben sich auf dem EU-Gipfel Ende vergangener Woche auf eine Direkthilfe für angeschlagene Banken über den ESM geeinigt (deren Schulden sind dreimal so hoch wie die europäischen Staatsschulden!). Auch direkte Finanzhilfen ohne Sparauflagen an Pleite-Staaten werden künftig möglich sein, wenn sie die entsprechenden jährlichen Vorgaben der EU-Kommission erfüllen. Damit ist es den beiden großen „Wackelkandidaten“ Italien und Spanien auf dem 18. Krisengipfel gelungen, einen Teil ihrer Staats- und Bankenschulden direkt auf den deutschen Steuerzahler abzuwälzen. Diese Überraschung war den Aktienmärkten am Freitag einen satten Kurssprung wert. In ein paar Wochen wird man entsetzt feststellen, dass das Geld im ESM für solche Stützungen nicht einmal ansatzweise reichen wird.

Der ESM liegt in den Händen des Verfassungsgerichtes

Gleichzeitig wurde der ESM am Freitagabend von Bundestag und Bundesrat abgesegnet. Jetzt kann er nur noch durch die inzwischen vier eingegangenen Eilanträge gegen den ESM vor dem Bundesverfassungsgericht gestoppt werden. Sollte auch diese Instanz ihn passieren lassen, dann sähe die Zukunft für Deutschland schwarz aus. Denn dann wäre auch ohne Eurobonds eine Schuldenunion über den ESM möglich. Deutschland hat im ESM unter bestimmten Voraussetzungen, die sehr wahrscheinlich eintreten werden, kein Vetorecht mehr. Es kann dann einfach von den Südländern überstimmt werden, die nach eigenem Gutdünken über die Mittelverwendung entscheiden würden. Da wir den Löwenanteil dieser Gelder stellen müssen, könnten deutsche Steuergelder somit ohne Mitwirkung des Bundestags für andere Länder und für ausländische Banken verwendet werden. Unser Land wird somit immer tiefer in den Schuldensumpf mit hineingezogen. Man muss sich diesen Unsinn einmal vor Augen führen: Anstatt den überschuldeten Staaten keine weiteren Kredite mehr zu geben, kommen sie jetzt noch leichter an neues Geld (nämlich unseres)! Wer spart, ist letztlich der Dumme.

…unsere Zukunft damit auch

Der Chef des ifo-Institutes, Hans Werner Sinn, sagte gestern in einem Handelsblatt-Interview, die Finanzmärkte seien nun beruhigt, ja geradezu euphorisch, weil ein Weg gefunden wurde, das deutsche Vermögen zu verbrauchen. Dabei werde allerdings „die finanzielle Stabilität Deutschlands ... gefährdet“. Der Mann hat leider recht: Italien und Spanien mögen einen zeitlichen Aufschub ihrer bevorstehenden Staatspleiten herausgeschunden haben. Die deutsche Staatspleite ist damit allerdings wesentlich näher gerückt. Die Kreditausfallprämien Deutschlands schossen in der vergangenen Woche von 60 auf zeitweise über 95 Basispunkte nach oben. Ein Anstieg von über 50 Prozent!

Sinn legte beunruhigende Zahlen vor: Die Staatsschulden der fünf Krisenländer Italien, Griechenland, Portugal, Spanien, Irland betragen dem Ökonomen zufolge rund 3,4 Billionen Euro, hinzu kämen über 9,2 Billionen an Bankschulden in der Euro-Zone. „Wenn wir mal sagen, von diesen Schulden sind 20 Prozent abzuschreiben, dann sind das ja schon 2,4 Billionen. (...) Nun gut, die müssen wir ja nicht selber tragen. Die anderen Länder tragen ja mit. Aber wenn dann einer nach dem anderen fällt? Also es sind doch erhebliche Risiken für die Bundesrepublik Deutschland, die man jetzt hier so einfach eingeht".

Too big to bail

Für diesen riesigen Schuldenberg gilt nicht mehr die herkömmliche Devise „to obig to fail“ (zu groß, um Pleite zu gehen), sondern „too big to bail“ (zu groß, um gerrettet zu werden). Das gilt übrigens nicht nur für die europäischen Schulden, sondern auch für die in Japan, USA usw. Allen Beteiligten muss doch längst klar sein, dass alle „Reformen“, „Rettungsschirme“ und Notenbankinterventionen dieses Problem bisher nicht lösen konnten und es auch künftig nicht schaffen können, zumal diese ja weiter Kredite zur Rettungsmaxime machen. Es geht lediglich noch darum, die längst eingetretenen Staatspleiten solange wie möglich zu verschleiern, um dann eben erst etwas später, aber dafür gemeinsam unterzugehen. Sinn sagte richtig: „Es wurde ein Kesseltreiben veranstaltet. Um an unser Geld zu kommen, hat man Deutschland imperiale Gelüste vorgeworfen und uns den Hass der Völker prophezeit“. Jetzt könnten die Bürger, an deren Vermögen man will, nur noch auf das Verfassungsgericht hoffen“. Letzten Endes werden die Nationen die Verlierer sein, die in der Endphase dieser Schuldenorgien noch sparen, anstatt das Geld der von anderen Nationen finanzierten Rettungsschirme zu verprassen.

Finanzmärkte mit technischer Erholung

Und damit zu den Märkten. Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft werden mit einer Schuldenunion nicht besser, sondern schlechter. Wir werden tiefer in den Sumpf mit hineingezogen, wenn wir die Misere der Südländer künftig noch stärker finanzieren müssen. An den weltweiten Rezessionsgefahren hat sich unterdessen nicht das Geringste geändert. Im Gegenteil: die jüngsten Wirtschaftsdaten aus den USA, China und dem Euroraum deuten auf eine Verschärfung der rezessiven Gefahren hin. Wie passen da steigende Börsen ins Bild? Eigentlich gar nicht. Wir sehen nunmehr seit Anfang Juni eine technische Reaktion auf eine kurzfristig überverkaufte Marktlage, die zusätzlich von politischen Markteingriffen befeuert wurde. Solche Reaktionen sind vorübergehender Natur. Die Bewegung kann zwar im Juli noch etwas anhalten, wird dann allerdings von einer neuen Verkaufswelle abgelöst werden. Genau wie im letzten Jahr. Wir bleiben vorerst weiter vor allem in unseren Seitwärtsstrukturen investiert, die gerade in solch unsicheren Marktphasen punkten können. Hier nehmen wir lediglich einige Optimierungen vor. Der große Vorteil dieser Positionen ist es ja gerade, dass wir uns nicht auf eine bestimmte Marktrichtung festlegen müssen. Damit sinkt das Risiko in unklaren Marktphasen, wie wir sie bereits im vergangenen Sommer erleben mussten, deutlich.

Jürgen Nowacki

Und jetzt die Nerven behalten!

von Jürgen Nowacki (27.06.2012)


Griechenland ist abgehakt, Spanien drückt noch einmal kurzfristig auf das Börsengemüt. Doch der deutsche Einzelhandel und auch die Baubranche brummen. Und das Beste ist: Ja, meine DAX- Einkaufsliste die ich Ihnen seit drei Wochen präsentiere ist nahezu abgearbeitet. Adidas habe ich noch nicht bekommen, aber das Schöne an aggressiven Kauflimits ist: Wenn sie ausgeführt werden, freuen sich die Trader. Die Börsianer, die zu viele schlechte Nachrichten konsumieren, haben dagegen zähneklappernd ihre Stopps im Auge und werfen ihre Blue Chips im ungünstigsten Moment über Bord. Antizyklisches handeln ist profitabel, verlangt aber eine klare Strategie und Nerven.

Was gibt es denn wirklich Neues am Markt? Oder, anders gefragt: Welche schlechten Nachrichten sind so neu, dass sie erst noch in die Kurse eingearbeitet werden müssen? Sicher, die Medienberichterstattung zeugt von schlechter Laune, dabei hat sich doch in den vergangenen Tagen nichts geändert. Es gibt keine neuen Nachrichten! Aber genau diese schlechte Laune ist es, was wir brauchen, wenn die aggressiven Kauflimits greifen sollen, nicht wahr?

Jetzt geht es darum, die Börsengewinne für das 2. Halbjahr nicht nur zu planen, sondern den ersten Schritt zu tun – wir steigen ein, während alle anderen zögern. Wann wollen Sie kaufen, wenn nicht bei schlechten Nachrichten? Und wann wollen Sie wieder raus? Ich jedenfalls will bis Mitte August meine Gewinne einfahren und nicht im Horrormonat September ausgestoppt werden.

Bauindustrie boomt

Und außerdem, ist denn wirklich alles in der Wirtschaft so schlecht? Die Entwicklung einiger Rohstoffpreise lassen Unternehmerherzen höher schlagen, und der Euro ist ein regelrechtes Beschleunigungsprogramm für den Export. Die Zinsen bleiben niedrig, und die Menschen investieren in Betongold: Die Bauindustrie jubelt, und wenn Sie einen Handwerker brauchen, schreibt der Ihnen Rechnungen wie eine Mercedes- oder BMW-Werkstatt.

Die Signale stehen für mich ganz klar auf „Kaufen“. In der Rubrik DAX und Dow Outlook gehe ich die wichtigsten Punkte mit Ihnen heute durch. Sie werden sehen, es ist jetzt ein guter Zeitpunkt, optimistisch zu sein.

Henrik Voigt

Kurserholung beendet

von Henrik Voigt (26.06.2012)


Das wichtigste Ereignis der vergangenen Woche war die US-Notenbanksitzung. Wie erwartet wurde eine Verlängerung der laufenden Maßnahme „operation twist“ bis ins nächste Jahr beschlossen. Allerdings hatten die Börsen insgeheim auf ein QE 3 spekuliert. Und so war es auch kein Wunder, dass die Kurse kurz nach Bekanntgabe der Sitzungsergebnisse wieder einbrachen. Hier dürften einige größere Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt worden sein. Inzwischen sieht vor allem der Rohstoffmarkt mit neuen mittelfristigen Verkaufssignalen schwer angeschlagen aus, was auch kein gutes Zeichen für die Aktienbörsen ist.

QE 3 kam nicht, Börsen fallen

Wie geht es nun weiter? Während viele langfristige Stimmungsindikatoren noch weit davon entfernt sind, ein typisches Negativextrem für eine Bodenbildung am Aktienmarkt zu erreichen, haben wir bei einigen mittelfristigen Indikatoren durchaus recht hohen Pessimismus vorliegen. Dieser spricht für eine Fortsetzung der Zwischenerholung an den Börsen (voraussichtlich volatil seitwärts). Auch zeitlich gesehen ist die Verschnaufpause bisher recht kurz ausgefallen. Am Wochenende haben wir zudem Quartalswechsel. Gut möglich, dass bis dahin noch einige große Marktteilnehmer versuchen werden, die Kursentwicklung etwas zu schönen. Sie müssen allerdings damit auch nicht erfolgreich sein.

Denn rein charttechnisch betrachtet haben die Börsen genau auf den erwarteten Niveaus wieder nach unten abgedreht. Sie können also auch ohne Umschweife auf deutliche neue Tiefs fallen. Auf der fundamentalen Seite bleiben uns die Rezessionsgefahren weltweit erhalten bzw. haben sich in der vergangenen Woche noch drastisch verstärkt. Und damit fehlt jede Fantasie für nachhaltige Kurssteigerungen an den Börsen. Auch die Saisonalität spricht nicht für große Sprünge nach oben in den kommenden Monaten.

Ob das wirklich schon alles war?

Der Markt ist andererseits sehr nachrichtengetrieben und es kann immer wieder zu sehr heftigen Gegenbewegungen kommen. In Märkte hineinzupfuschen ist ja von Seiten der Politik wieder schwer in Mode gekommen, ohne dass sich das grundsätzliche Verständnis für Marktmechanismen erhöht hätte. Am grundsätzlichen Abwärtstrend dürfte sich vorerst aber nichts ändern. Eine Lösung der Schuldenkrise zeichnet sich ebenfalls nicht ab (woher auch?). Zusätzlich werden sich die Unsicherheiten in Europa eher verstärken, wenn wie geplant im Juli der wahrhaft Demokratie gefährdende und mit diktatorischen Vollmachten ausgestattete ESM („Europäischer Stabilitäts Mechanismus“ – schon der Name ist eine Farce) tatsächlich in Kraft treten sollte. Dem wird das Bundesverfassungsgericht hoffentlich noch Einhalt gebieten.

In der gegebenen Situation behalten wir unsere bewährte und defensive Depotstruktur bei, die uns in diesem Jahr bereits eine satte vierstellige Rendite eingebracht hat. Die Zwischenerholung hat uns aufgrund ausgestoppter Positionen einen Bruchteil dieser Gewinne genommen (ca. 0,5 % vom Gesamtdepot). Dafür bauen wir in der nächsten Gegenbewegung unsere Engagements auf fallende Kurse wieder aus. Momentan ist das Bild aber dafür noch zu unklar und wir bleiben einfach in den vorhandenen Positionen investiert. Ein Großteil des Depots besteht ohnehin aus Strukturen, die unabhängig von der Kursrichtung Rendite erwirtschaften können, so dass wir nicht ständig zum „rein und raus“ gezwungen sind. Unser Vorsprung zur DAX-Performance in diesem Jahr ist erneut stark gewachsen (DAX Profits: plus 16 %, DAX: plus 4 %).

Jürgen Nowacki

„Wer sorgt endlich für Ordnung?"

von Jürgen Nowacki (20.06.2012)

Alles spricht von der spanischen Bankenkrise so, als ob es sich um einen Schnupfen handeln würde und als müssten wir schlimmstenfalls die Spätfolgen der US-Bankenkrise behandeln müssen. Es werden mal eben 100 Mrd. Euro im Rahmen des EFSF-Rettungsschirms zugesagt - und dann gehen wir wieder zur Tagesordnung über, oder?

Wie konnten die spanischen Banken ihre verheerende Kreditvergabepraxis vor den Argusaugen der EZB in Frankfurt und der Europäischen Bankenaufsicht EBA* in London verbergen? Hat es nicht zahlreiche Stresstests gegeben, die uns immer wieder belegen sollten, dass alles in Ordnung mit Europas Banken sei? Die Finanzwelt wundert sich nur, dass die gesunden Banken fast 800 Milliarden Euro bei der EZB parken, anstatt das Geld zu einem höheren Zinssatz an andere Geschäftsbanken auszureichen. Was ist denn da nur faul?

Die Bankenaufsicht EBA initiiert seit 18 Monaten einen Bankenstresstest nach dem anderen und meldet der Finanzwelt nichts von der systemischen Krise in Spanien. Was nützen uns Rettungsschirme und Konjunkturprogramme, wenn es diese Experten nicht schaffen, Krisen solchen Ausmaßes zu identifizieren?

DAX: Bei guten Nachrichten öfter mal verkaufen

Für die Märkte spielt es wirklich keine Rolle mehr, was in Athen passiert. Mit diesen Worten habe ich Sie auf die Woche nach der Wahl vorbereitet. Alles bleibt beim Alten, weil die grundlegenden Probleme „Brandherd erkennen und Brandherd löschen“ nicht behoben werden. Deshalb hat es am Montag nach der Wahl keine 60 Handelsminuten gedauert – dann war die Euphorie der starken Markteröffnung verflogen. Aber, liebe Leser, das heißt nicht, dass wir von unserer positiven Markteinschätzung für DAX und DOW abrücken, im Gegenteil.

Wer die kursschwachen Tage der vergangenen Wochen für einen Positionsaufbau genutzt hat, wird sich jetzt bestätigt sehen: Wir liegen mit unserem konservativen Musterdepot (+6,71 Prozent) besser als der DAX mit seinen 5,93 Prozent. Heute gehe ich noch einmal auf das Thema der vor uns liegenden Sommerrallye in DAX und Dow ein – und es gibt eine erweiterte DAX-Einkaufsliste für Sie.

Henrik Voigt

Je eher, desto besser

von Henrik Voigt (19.06.2012)


Das Wahlergebnis in Griechenland wurde von den Börsen gestern zum Anlass für einen kräftigen Hüpfer genommen, der allerdings nicht lange anhielt. Immerhin wurden die Wahlen im Vorfeld von den Finanzmedien zum „Schicksalstag für Europa“ hochstilisiert. Dabei ändert deren Ausgang nicht das Geringste an der Europäischen Schuldenkrise. Die Schulden werden nicht weniger und die Wirtschaft schrumpft nicht weniger, nur weil eine neue Regierung gebildet wird. Und im Falle Griechenlands wird es wohl sogar wieder die alte Garde sein, die das Land erst in diese prekäre Lage gebracht hat. Eigentlich ist dies das Worst-Case-Szenario, denn dadurch wird ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nur hinausgezögert. Damit werden noch ein paar Hundert Milliarden Euro an nutzlosen Transferzahlungen mehr vergeudet und der Euro erst Recht zur Schwach-Währung.

Das Euro-Experiment ist gescheitert

In eine ähnliche Richtung deutet auch das wichtigere französische Wahlergebnis vom Wochenende. Mit dem Wahlsieg der Sozialisten werden in einem der mächtigsten Euroländer ausgerechnet jene Kräfte gestärkt, die Sparmaßnahmen ablehnen, neue Schulden machen (die Wiedereinführung der Rente mit 60 in Frankreich ist ein kleiner Vorgeschmack), den stärkeren Einsatz der Notenpresse und Eurobonds fordern. Aber auch solche Maßnahmen werden letztlich nichts am wirtschaftlichen Niedergang ändern und das Auseinanderbrechen der Eurozone höchstens verzögern, nicht aber rückgängig machen. Denn die Einheitswährung ist eine grundsätzliche Fehlkonstruktion, die sich mit kosmetischen Maßnahmen nicht beheben lässt. Mit Spanien und Italien stehen nun übrigens auch große europäische Volkswirtschaften auf der Kippe, die zu retten jeden Rahmen irgendwelcher Rettungsschirme sprengen wird. Je eher das Euro-Experiment scheitert, umso besser wird es für alle Beteiligten sein. Denn danach wäre ein Neustart ohne Klotz am Bein möglich.

Naives Hoffen auf Rettung durch die Notenbanken

In den nächsten Tagen dürften die Augen allerdings erst einmal auf die USA gerichtet sein. Am Mittwoch wird das Ergebnis der US-Notenbanksitzung bekannt gegeben. Die geldpolitische Lockerungsmaßnahme „operation twist“ (Laufzeitumschichtung von Staatsanleihen), die mit zur Zwischenrally von Herbst 2011 bis zum Frühjahr 2012 beigetragen hatte, läuft bald aus. Viele Markteilnehmer erhoffen sich nun weit mehr als eine bloße Verlängerung dieser Maßnahme. QE3-Gerüchte machen seit einigen Wochen die Runde und sind wohl auch verantwortlich dafür, dass sich die US-Börsen von ihren Korrekturtiefs deutlich erholen konnten. Sollte es lediglich eine Verlängerung des „operation twist“ geben, dann dürften die Börsenkurse kurz nach Ankündigung dieser Maßnahmen wieder deutlich einbrechen. Am wirtschaftlichen Abschwung in den USA hat sich unterdessen nichts geändert. Dieser hat bereits vor Monaten begonnen und er nimmt immer größere Ausmaße an. Ich gehe davon aus, dass dieses Thema im weiteren Jahresverlauf für die Börsen wichtiger sein wird als irgendwelche kosmetischen Notenbankmaßnahmen.

Zumal auch weitere geldpolitische Lockerungen den wirtschaftlichen Abschwung nicht aufhalten können. Dieser begann bereits im Sommer 2011. Trotz aller Notenbankmaßnahmen (1 Billion Euro LTRO in Europa, mehrere hundert Milliarden Dollar „operation twist“ in den USA) konnte dieser nicht gestoppt werden. Nahezu alle Frühindikatoren notieren heute deutlich tiefer als im vergangenen Jahr. Wenn die Märkte erst erkennen, dass die Notenbanken ihre Macht angesichts der Überschuldungssituation völlig verloren haben, dann dürfte es sehr ungemütlich an den Börsen werden.

Die Notenbanken versagen, unsere Strategie funktioniert hingegen

Zumindest für diejenigen Anleger, die dann noch über Aktien im Depot verfügen. Ich halte es weiter für unerlässlich, dass wir defensiv positioniert bleiben. Immerhin hat uns diese Strategie in diesem Jahr bereits mehrere Tausend Euro eingebracht. Aktuell leiden zwar die Short-Zertifikate durch die Zwischenrally, aber dafür legen die Seitwärtsstrukturen so gewaltig zu, dass wir trotz einer Kurserholung von mittlerweile 8 Prozent vom Tief beim DAX im Musterdepot unter dem Strich kaum Gewinne abgeben mussten und uns noch immer über komfortable 15,5 Prozent Jahresplus in nicht einmal 6 Monaten freuen können. Das muss der DAX erst einmal schaffen.

Eine nachhaltige Börsenrally wird es aber erst geben, wenn sich die Wirtschaftsdaten wieder verbessern. Aber der Abschwung hat gerade erst begonnen und er breitet sich inzwischen rund um die globalisierte Weltwirtschaft aus. Bisher zeigen selbst die jüngsten Daten eine starke Zunahme der deflationären Effekte. Jede Kurserholung an den Börsen wird deshalb nur kurzlebig bleiben.

Jürgen Nowacki

„Wo nur investieren oder gleich auswandern?

von Jürgen Nowacki (14.06.2012)


„Man mag es nicht mehr hören“ und „Gott sei Dank gibt es Fußball“ sind wohl die meisten Gemütsregungen, die ich derzeitig von Ihnen, liebe Leser, zu hören bekomme. Täglich melden sich jetzt all jene Experten in Wirtschaftskolumnen zu Wort, die entweder vorher ihre Meinung nicht sagen durften oder sich nicht trauten. Was in Europa alles schief läuft und wie man es besser machen müsste – ja, ich weiß, alles ist gesagt worden. Und irgendwann muss einfach auch mal Schluss sein. Das Volk will Taten sehen, Punkt.

Was die Kapitalanlage angeht, stehen Aktien weiter hoch im Kurs, insbesondere wenn die Unternehmen besser wirtschaften als umverteilungsorientierte Beamtenapparate.

Anleger suchen solide Staatsfinanzen

Bevor Sie aber jetzt Ihre Koffer packen und sich mit dem Gedanken tragen, in ein Land ohne Schulden auszuwandern, möchte ich Ihnen heute eine weitere Alternative vorstellen, die wir wegen der geringen Einwohnerzahl von 17 Millionen Menschen schnell übersehen. Chile, die Schweiz Südamerikas. Niedrige Verschuldung, rohstoffreich und mit einem Haushaltsüberschuss, na wie klingt das? Und die Verschuldung ist nicht einmal halb so hoch wie in Deutschland.

Ich war dort und kann Ihnen sagen, dass die Menschen dort sehr freundlich und fleißig sind. Auch als Unternehmer sind Sie in Chile herzlich willkommen, aber schauen wir uns erst einmal im heutigen Schwerpunkthema die Faktenlage an.

Henrik Voigt

Wer ist der Nächste?

von Henrik Voigt (12.06.2012)


Am Wochenende wurde die Katze endlich aus dem Sack gelassen: Spanien muss nach Griechenland, Portugal und Irland nun doch als viertes Land der Eurozone Notkredite aus dem Rettungsschirm ESFS in Höhe von 100 Milliarden Euro(!) beziehen, um der drohenden Pleite zu entgehen. Der Jubel an den Finanzmärkten über die vermeintliche „Rettung“ währte erstaunlich kurz, zumal die Modalitäten der Zahlung noch nicht einmal geklärt sind (die Finanzmittel sind zur Sanierung der spanischen Banken gedacht, aber der ESFS darf gar keine direkte Bankenstützung betreiben).

Der erste „große“ Wackelkandidat…

Auf den ersten Blick ist also alles wie gehabt bei den Peripherieländern. Sie bekommen ihre Finanzen nicht in den Griff. Wie denn auch in der kurzen Zeit? Dann schlüpfen diese Länder einfach unter den Rettungsschirm. Mit der unangenehmen Nebenwirkung, dass die Zahlungspflichten der (noch) stabilen Länder wie Deutschland durch den Bürgschaftsausfall der Pleiteländer drastisch zunehmen. Diesmal fällt die Bürgschafts-Summe Spaniens aus und muss durch die anderen Länder mit übernommen werden. Inzwischen hat übrigens Zypern als fünftes Land angekündigt, dass es wohl auch Hilfen aus dem Rettungsfonds benötigen wird. Am Ende wird kein Geld dieser Welt ausreichen, um alle überschuldeten Staaten irgendwie zu retten.

Aber etwas ist doch anders: Spanien ist die erste große Volkswirtschaft in Europa, die solche Hilfen nötig hat. Ein zweites großes Land – etwa Italien – dürfte nun schwerlich unter irgendwelche Rettungsschirme schlüpfen können, ohne deren Mittel zu sprengen. Deshalb erklärt sich wohl auch die Eile, mit der der zweite Rettungsschirm ESM – absurd genug - noch im Juni durch die nationalen Parlamente gepeitscht werden soll. Dieser würde dann unbegrenzt Mittel von seinen Mitgliedsländern nachfordern können. Woher die kommen sollen, ist allerdings bisher völlig unklar (ich tippe auf drastische Steuererhöhungen).

…und der erste ohne Auflagen

Das zweite Novum dieser Aktion: Spanien bekommt im Gegensatz zu den bisherigen Pleitekandidaten keinerlei Auflagen, Sparprogramme oder Kontrollen der Mittelverwendung auferlegt. Offizielle Begründung: Die Mittel seien ja nicht zur Rettung des spanischen Haushaltes, sondern lediglich zur Sanierung des spanischen Bankensystems gedacht (pikantes Detail am Rande: damit haftet der deutsche Steuerzahler nun direkt für die spanische Immobilienblase, auf die er nun absolut keinen Einfluss hatte). Ich sehe in dieser Haarspalterei lediglich den Versuch die Tatsache zu verschleiern, dass die Auflagen bei der Stützung potenzieller Pleiteländer inzwischen vollkommen entfallen sind. Das gilt erst Recht bei großen Volkswirtschaften.

Man hat es bisher in Europa nicht geschafft, die Haushalte der Peripherieländer zu sanieren und für deren Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum zu sorgen, versucht sich jetzt dafür in der Mittelverteilung ohne Gegenleistung. Die nächste Stufe der Verzweiflungstaten aus Brüssel ist dann wohl das Anwerfen der Notenpresse der EZB. Sollte die Zentralbank diesen eines Tages befolgen, dann wird er Euro noch schneller eine Weichwährung werden. Wir importieren dann noch mehr Inflation (Rohstoffe werden im momentan deutlich härteren Dollar abgerechnet).

Dann folgt der Griff nach der Notenpresse


Die anhaltend rekordhohen Benzinpreise trotz (in Dollar gerechnet) drastisch eingebrochener Ölpreise sind schon einmal ein Vorgeschmack auf diese Entwicklung. Eine Flucht in Sachwerte wird es aus diesem Grund innerhalb Europas nicht geben. Europäische Aktien werden in Euro abgerechnet und als Teil des Weichwährungsgebietes weiter gemieden werden. Wer möchte schon zusätzlich zum Kursrisiko Währungsverluste in Kauf nehmen. Europäische Unternehmen werden neben schwacher Inlandsnachfrage zudem mit deutlich steigenden Rohstoffkosten zu kämpfen haben. Nein, das Anwerfen der Notenpresse wird die Probleme in Europa nicht lösen, sondern verschlimmern.

Eine defensive Anlage-Strategie wie wir sie seit dem Sommer 2011 fahren bleibt deshalb auf absehbare Zeit der Schlüssel zum Anlage-Erfolg. Trotz unserer Ausrichtung auf Shortpositionen und einer plötzliche Zwischenerholung beim DAX von 400 Punkten notiert unsere Jahresperformance noch immer um das bisherige Hoch bei 16 % Plus – dank der Seitwärts-Strukturen, die Kursausschläge zu unseren Gunsten abfedern.

Jürgen Nowacki

„ Spanische Grippe beschäftigt weiterhin die Märkte“

von Jürgen Nowacki (06.06.2012)


Während die Medien noch lange darüber rätselten, ob die 200-Tage-Linie in den großen Indizes S&P500 und DAX auch halten würde, wussten Sie schon, wohin die Reise geht. Mein Kursziel von 6.038 Punkten wurde am Freitag vergangener Woche wie prognostiziert abgearbeitet.

Aber auch wenn es jetzt so aussieht, als ob die große Aktienbaisse eingesetzt hätte, so gehe ich davon aus, dass der Einbruch spätestens in 2 Wochen vorbei ist. Die Notenbanken haben weiteres Potenzial die Kreditzügel zu lockern, weshalb wir uns jetzt nicht vom Pessimismus anstiften lassen sollten. Erinnern Sie sich noch, welch‘ Trübsal die Medien im März 2009 über die Aktienmärkte verbreiteten? Dabei war in den Jahren 2009, 2010 und 2011 zu beobachten, dass es jeweils in der zweiten Jahreshälfte zu weiteren Aufwärtsbewegungen kam.

Deshalb folgen Sie der Börsenregel: Börsianer sollten einsteigen, wenn die Notenbanken die Kreditzügel lockern – und das werden Sie in Kürze in den USA und Europa beobachten können.

Matthias S. aus Berlin fragt: „Wie schätzen Sie die Lage in vielen Regionen ein, in denen die Indizes Topformationen oder SKS-Umkehr-formationen ausbilden bzw. bereits ausgebildet haben? Ist da nicht die Gefahr groß, dass es in den nächsten Wochen/Monaten weiter bergab geht – weltweit?“

Lieber Herr S., die SKS-Formation ist in der Tat ein Warnsignal, aber lassen Sie mich in dieser Ausgabe prüfen, ob es sich wirklich um Trendwendeformationen handelt. In der Rubrik DAX und Dow Outlook gehe ich der Problematik auf den Grund.

Halten wir fest: Spanien wird uns noch weiter beschäftigen, wobei klar sein dürfte, dass kein Geld direkt in die spanischen Banken fließen wird, sondern an die Regierung in Madrid. Damit wird sich auch die Schuldenquote erhöhen, was gerade an den Märkten über höhere Risikoaufschläge in die Rentenkurse eingepreist wird. Aber keine Sorge, auch das Thema wird sich auflösen, sobald die Eurobonds für Strukturmaßnahmen kommen. Sie werden sehen, wie schnell das geht.

Henrik Voigt

Wir waren vorbereitet

von Henrik Voigt (05.06.2012)


Die grottenschlechten US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag lösten an den Börsen weltweit nach Monaten einer eher sanften Korrektur erstmals größere Kursstürze aus. Es sieht so aus, als wäre die Masse von der Konjunkturentwicklung überrascht worden und als werden erst jetzt, nach einer Abwärtstrecke von fast 20 Prozent beim DAX (ausgehend vom Euphorie-Hoch Mitte März), die Realitäten allmählich zur Kenntnis genommen und größere Aktienbestände veräußert. Dabei hat sich die aktuelle Entwicklung bereits seit geraumer Zeit abgezeichnet. Ich berichtete immer wieder an dieser Stelle.

Wir hatten rechtzeitig vor der Entwicklung gewarnt

Noch im Januar feierten sich die Anleger selbst, als wir den stärksten Jahresauftakt an den Börsen aller Zeiten sahen. Die Börsen seien immun gegen schlechte Nachrichten geworden, hieß es damals. Dass dieser Kursanstieg überhaupt keine Substanz hatte, sondern nur von naiver Euphorie getragen wurde, interessierte damals die wenigsten Analysten. Wir wiesen hingegen immer wieder darauf hin, dass die euphorische Stimmung an den Börsen in Verbindung mit einer sehr schwachen Konjunkturentwicklung und einer ungelösten Schuldenkrise die Börsen im Jahr 2012 wohl ebenso hart abstürzen lassen werden wie im Crashjahr 2011.

Inzwischen wird dieses Szenario allmählich Realität, doch von einem Boden dürften wir noch weit entfernt sein. Dafür müsste die Stimmung viel pessimistischer sein. Diese ist jedoch allenfalls inzwischen im neutralen Bereich angekommen und hat somit noch viel Platz nach unten. Für einen Boden müsste sich zudem die konjunkturelle Entwicklung verbessern. Davon kann allerdings keine Rede sein. Der Abschwung beginnt erst. Die europäischen Einkaufsmanagerindizes beispielweise stehen jetzt auf einem Niveau unterhalb der Tiefs vom September 2011, die Börsen (insbesondere der DAX) notieren aber noch weit über diesem Stand. Hier besteht also noch erheblicher Anpassungsbedarf nach unten. DAX-Stände unter 5000 Punkte in diesem Jahr dürften also problemlos möglich sein, falls wir keinen konjunkturellen Lichtstreif am Horizont sehen. Und der ist derzeit nun wirklich nicht in Sicht.

Für Sie hat sich das ausgezahlt

Sie dürfte ein solches Börsenszenario allerdings nicht weiter stören. Sie waren durch meine Analysen rechtzeitig gewarnt und vorbereitet. Sie sind nicht den "Aktien-Pushern" auf den Leim gegangen, die seit Monaten immer wieder zum Nachkaufen animieren und so die Verluste ihrer Leser maximieren. Nein, Sie haben meine defensive Depotstrategie befolgt und stehen in diesem Jahr sehr schön im Plus und werden von der weiteren Entwicklung mit einem gut strukturierten Depot noch mehr profitieren. Den Rest (Rezession, Schuldenkrise etc.) können wir ohnehin nicht ändern. Aber es ist immer gut, auf alles vorbereitet zu sein. Egal, was da kommen möge. Und genau das ermögliche ich Ihnen auf diesen Seiten hier jede Woche.

Jürgen Nowacki

„Die Spur der Wölfe“ im Zeichen des €uro

von Jürgen Nowacki (29.05.2012)


Sind Wölfe schädlich? In der Schweiz, der Oberpfalz und der Lausitz werden Sie wieder angesiedelt. Den Schaf und Rinderzüchtern ist das nicht geheuer, aber die Wölfe helfen, die Population von Nagetieren und Wildschweinen zu regulieren.

Was das mit der Börse zu hat, werden Sie sich vielleicht fragen. Nun, seit einiger Zeit führe ich für Sie die Minikolumne „Die Spur der Wölfe“. Heute gehe ich noch einmal auf den praxisorientierten Nutzen ein, den Sie als Leser davon haben. Ein kleines Beispiel: Deutschland ist neben China und den USA Exportweltmeister, das freut uns. Besonders freut es uns, wenn die Exporte von schweren Maschinen, mit denen viele Facharbeiter ihr Lohn und Brot verdienen, in das nichteuropäische Ausland nach Asien und Amerika verkauft werden. Was aber würde passieren, wenn die Aufträge ausblieben, weil die Importeure darauf warten, dass der Euro immer billiger wird? Abwarten würde sich auszahlen und erhebliche Preisnachlässe bescheren. Also, wenn Sie als russischer Importeur für 300
Mio. Euro Mähdrescher in Hannover kaufen wollten, dann würden Sie doch mit der Auftragsvergabe wenn es irgend geht so lange warten, bis der Euro seinen Boden gefunden hat, oder? Sehen Sie – und die Wölfe, also die Spekulanten, übernehmen das Währungsrisiko gegen eine Prämie, die sich Im- und Exporteur teilen, sodass der Auftrag sofort vergeben werden kann.

In unserer Rubrik Devisen und Rohstoffe werde ich das Thema heute für Sie näher unter die Lupe nehmen und Ihnen sagen, ob es sich lohnt, noch auf einen fallenden Euro zu spekulieren.

Christian M. aus Dortmund fragt in seinem Leserbrief an die Target-Trader-Redaktion: „Ich möchte gerne Adidas-Aktien kaufen, sollte ich damit bis zum 18. Juni warten?“

Lieber Herr M.: Die Märkte werden in Erwartung der am 17. Juni in Paris stattfindenden Wahl zur Nationalversammlung und der Wahl in Griechenland noch einmal auf die Probe gestellt. Einerseits liegen alle Verhandlungen zwischen Paris und Berlin noch 2 Wochen auf Eis. Und in Athen wird das Wahlergebnis über den Verbleib Griechenlands im Euro entscheiden. Gleichzeitig ist der Börsenmonat Juni aber auch statistisch der zweitbeste Börsenmonat in einem US-Wahljahr. Was machen wir also? Das sage ich Ihnen in der Rubrik DAX und Dow Outlook.

Henrik Voigt

Neue Chancen überall

von Henrik Voigt (29.05.2012)

Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Wachstumsdaten aus Deutschland, Europa und China (unter anderem auch der wichtige ifo-Index) enttäuschten allesamt. Für DAX Profits-Leser keine Überraschung. Ich hatte die Entwicklung mit einer vorübergehenden Erholung bis maximal zum Frühjahr und einem nachfolgenden Einbruch in 2012 ja schon lange so prognostiziert und ausführlich begründet. Den Markt erwischt sie aber immer noch auf dem flachen Fuß.

Rezession nimmt Fahrt auf

Die Masse hat offenbar bis heute nicht verstanden, dass wir im Herbst 2011 nur eine kleine Verschnaufpause im Abschwung und keinen neuen Aufschwung gesehen haben, wie sie leicht in der obigen Grafik ersehen können. Unterhalb von 50 Punkten schrumpft die Wirtschaft. Nur Deutschland konnte diese wichtige Marke bei den Einkaufsmanagerindizes kurzzeitig zurückerobern. Aber selbst diese kleine Verschnaufpause ist seit März beendet. Nun geht es erneut in Richtung Rezession. Es macht eben wenig Sinn, sich nur mit Charttechnik oder nur mit Fundamentaldaten zu beschäftigen. Nein, man muss beide Faktoren und zusätzlich die Anlegerstimmung und die Intermarketlage im Zusammenspiel betrachten, wie wir das als wohl einziger Börsendienst seit Jahren tun.

Erst, wenn die Rezession überall in den Nachrichten und Börsendiensten „breitgetreten“ wird und deren Ende nicht mehr absehbar scheint, lohnt es sich wieder, nach Schnäppchen an den Börsen Ausschau zu halten. Bis dahin sind Aktien ein schlechtes Investment, da die Unternehmensgewinne und damit die Kurse stark unter Druck geraten werden. Nach unten ist jedenfalls noch viel Platz.

Aber wir brauchen glücklicherweise auch keine Aktien, um Gewinne zu machen. Unsere Zertifikate werfen gerade in Marktphasen wie diesen sehr gute Gewinne ab, während die Masse der Anleger Verluste hinnehmen muss. Unser Alphaschein auf Praktiker beispielsweise legte seit unserer Positionsaufstockung vor gerade einmal zwei Wochen fast 50 Prozent zu!

Zwischenerholung bietet neue Chancen

In den letzten beiden Wochen konnten sich die Kurse auf niedrigem Niveau etwas stabilisieren. Verwechseln Sie jedoch eine Zwischenerholung nicht mit einer Trendwende. Wir werden sehr bald wieder tiefere Kurse sehen. Die aktuelle Verschnaufpause bietet aber gute Gelegenheiten, um günstig weitere Spekulationen auf fallende Kure aufzubauen, was wir bei Aixtron und Pro7 bereits genutzt haben. Halten Sie sich bitte für weitere entsprechende Eilmeldungen bereit.

Jürgen Nowacki

Thilo Sarrazin und andere Euro-Experte

von Jürgen Nowacki (24.05.2012)

 

Seine Gegner reduzieren ihn auf die Anzahl seiner verkauften Bücher. Aber er hat es geschafft: Der ehemalige Bundesbanker ist mit seiner 417- Seiten-Faktensammlung und Euro-Analyse angekommen.

Die Medien stehen bei ihm Schlange, um das komplizierte Thema Gemeinschaftswährung mit einem Experten zu diskutieren, der weiß, wovon er spricht und offensichtlich keine Angst hat, sich für provokante Statements kritisieren zu lassen. Warum gerade Sarrazin? Nun, um es auf dem Punkt zu bringen: Er kann es. Sarrazin war von 2002 bis 2009 u.a. Finanzsenator in Berlin, und sogar seine politischen Gegner attestierten ihm eine vorbildliche Haushaltsführung mit Überschüssen wie sie die
Hauptstadt seitdem nicht mehr gesehen hat.

Nach den politischen Parolen wie „Die Renten sind sicher“ und „Wir brauchen den Euro, um einen Krieg zu verhindern“ (welchen Krieg?) spüren die Deutschen, dass sie über den Umweg des Euro drei Generationen nach Kriegsende noch einmal zur Kasse gebeten werden - das erklärt das große Interesse an einer sachlichen Auseinandersetzung. Warum ich das mit dem Slogan „Die Renten sind sicher“ verbinde? Dieses vom ehemaligen Arbeitsminister Blüm 1986 formulierte Versprechen
stellte sich bereits nach kurzer Zeit als frommer Wunsch heraus. Heute werden wir beinahe täglich von Politikern aller Couleur daran erinnert, wie wichtig es ist, dass jeder Einzelne auf Konsum verzichtet, um in die eigene Altersversorgung zu investieren. Was aber viel problematischer ist - und hier schließt sich der Kreis vom Rentenversprechen des Jahres 1986 zum Euro-Experiment: Es ist zunehmend fraglich, ob die Lebensversicherungen, die bis zu 98 Prozent in internationale Staatsanleihen investieren, ihre Zahlungsversprechen in 5 oder in 10 Jahren überhaupt einlösen können.

Liebe Leser, es liegt mir nichts daran, Sie zu verunsichern, aber der Target Trader hat immer klare Positionen bezogen - nicht nur bei der Kurszieldefinition von Währungen und Aktienkursen. Schreiben Sie mir bitte, wenn Sie anderer Meinung sind.

Kommen wir nun zum nächsten Staatsstreich mit der Überschrift „Schuldenübernahme für Nachbarstaaten“. Erinnern wir uns: Im Vertrag von Lissabon 2009 gibt es aus gutem Grund eine Nichtbeistands- Klausel (No-Bailout-Klausel). Damit ist gemeint, dass jedes Land der Europäischen Union für seine Schulden selber gerade stehen muss. Euro bonds bewirken genau das Gegenteil: Hier werden alle 17 EU-Länder in die Haftung genommen. Die gemeinschaftliche Haftung - und das gilt auch für den in der Öffentlichkeit diskutierten Schuldentilgungsfonds - verstößt eindeutig gegen Artikel 125 des Vertrages von Lissabon. Deutschland ist noch gegen die Einführung von Eurobonds, weil der Anreiz zur Haushaltskonsolidierung verloren gehen würde. Frankreich ist dafür und argumentiert, dass sich ohne Eurobonds die Krise noch verschärfen würde.

Euro-Projektbonds - das trojanische Pferd

Was liegt also näher, als eine abgeschwächte Form der Eurobonds, die Projektbonds für grenzüberschreitende Strukturprojekte auf dem Weg zu bringen und als politischen Willen der Vernunft zu feiern? Börsianern kann solch ein trojanisches Pferd nur recht sein, denn für diesen Fall winken kurzfristige Kursgewinne in DAX und Dow Jones. Langfristig jedoch sind gemeinschaftliche Projektbonds - und da sollten wir uns nichts vormachen - nur der erste Schritt einer Einführung von Eurobonds im großen Stil durch die Hintertür.

Der Krisenplan für die nächsten 2 Wochen

Die Märkte werden in Erwartung der am 17. Juni stattfindenden Wahl in Griechenland und des damit vermutlich verbundenen Linksrucks vorher noch einmal auf die Probe gestellt. Mit unserer Spekulation auf den fallenden Euro und aggressiven Kauflimits für DAX-Werte hoffe ich an schwachen Börsentagen zum Zuge zu kommen.

Henrik Voigt

Defensiv ist weiter goldrichtig

von Henrik Voigt (22.05.2012)


Irland scheint nach einer Studie der Deutschen Bank vor einem zweiten Banken-Bailout zu stehen, in Griechenland liegt die linksradikale Syriza-Partei kurz vor den Neuwahlen in Umfragen vorn (sie will bekanntlich die Schuldentilgung Griechenlands stoppen), die faulen Kredite spanischer Banken steigen auf ein neues 17-Jahres-Hoch, kurz: die Eurokrise weitet sich munter weiter aus. Und als wäre das nicht schon ernst genug, brechen jetzt immer mehr Konjunkturindikatoren in den bisher stabilen USA ein. In der vergangenen Woche erst der Philly Fed Index, ein wichtiger Frühindikator, der im Mai von +8,5 auf -5,8 Punkte einbrach (Erwartung: +10,0 Punkte) und damit im rezessiven Bereich liegt.

Krise? Ach, nö…

In den Börsenkommentaren konzentrierte man sich jedoch lieber auf das IPO von facebook und überschüttete das Unternehmen mit euphorischen Kommentaren. Seltsamerweise kannten alle Börsengänge ähnlicher SocialMedia-Unternehmen (Pandora, Groupon, Zynga, Yelp) in den letzten Monaten trotz eines seinerzeit stabilen Börsenumfeldes nur eine Richtung nach der Erstnotiz: nach unten. Lassen Sie sich keinen Bären aufbinden!

Generell ist es schon erstaunlich, dass an den Börsen nach wie vor jeder Anflug von Panik fehlt. Vielleicht hat man sich einfach an das Krisenthema gewöhnt. Bisher ging es ja auch immer irgendwie weiter. Und mit ein bisschen Kreativität der Notenbanken sogar zeitweise aufwärts. Gerade der US-Markt ist inzwischen kurzfristig stark überverkauft und die Anlegerstimmung ist dort von maßloser Euphorie in Vorsicht umgeschlagen. Eine technische Aufwärtsreaktion für ein paar Wochen im Ausmaß von 5 bis 10 Prozent könnte also durchaus drin sein. Sie ist freilich nicht zwingend (deshalb gilt weiterhin höchste Vorsicht mit „long“). Schafft der Markt mit dieser Ausgangslage nicht bald eine mehrwöchige Zwischenerholung, dann dürften wir direkt in einen crashartigen Verlauf einschwenken.

Reicht es wenigstens für eine Zwischenerholung der Börsen?

Was die kommenden Monate angeht, so dürften die weiter schwachen Wirtschaftsdaten und die schwache Saisonalität in der Tendenz weitere Kursrückgänge bringen (ca. 10 bis 20 Prozent in den großen Indizes). Ein Auseinanderbrechen der Eurozone erwarte ich in diesem Jahr unter normalen Umständen noch nicht, auch wenn Griechenland möglicherweise austritt. Wir werden zuvor noch Eurobonds (die ebenfalls scheitern werden), „konzertierte Notenbankmaßnahmen“ und weitere „Überraschungen“ sehen. Am Grundproblem der Überschuldung und damit an der Krisenursache werden auch diese nichts ändern, dafür aber für kurzes Aufatmen und mehr oder weniger große Bärenmarktrallys an den Märkten sorgen. Erst wenn der Euro gegenüber dem Dollar unter die Parität fällt (aktuell bei ca. 1,27), dürfte die heiße Phase des Zerfalls beginnen. Irgendwann zwischen 2013 und 2015. Große Sorgen bezüglich einer Währungsreform oder ähnlichen Extremereignissen sind also zum jetzigen Zeitpunkt völlig verfrüht.

Der Sachwert „Aktie“ produziert laufend Verluste im rezessiven Umfeld


Wohl ist aber eine weiterhin defensive Depotausrichtung angebracht. Was wir in den letzten Monaten an den Börsen – übrigens weltweit – gesehen haben, sind größere Wendeformationen nach unten und damit der Beginn einer längeren Abwärtstrecke. Übrigens ganz im Einklang mit der Eintrübung des fundamentalen Umfeldes. Wer die nächsten Jahre mit vermeintlich soliden Aktieninvestments überstehen möchte, kann gleich die Hälfte seines Vermögens verschenken. Wir werden in einem zumeist rezessiven Umfeld sicher keine munter weiter sprudelnden Unternehmensgewinne sehen. Etliche Unternehmen werden als Pennystocks enden oder sogar ganz vom Kurszettel verschwinden. Die Starken werden freilich überleben und sich besser als der Gesamtmarkt schlagen.

Mit unserer Strategie – ein Mix aus marktunabhängigen Strukturen, eher kurzfristig angelegten Hebeltrades (in letzter Zeit ausschließlich auf fallende Kurse) und Cash für Sonderchancen – fahren Sie wesentlich besser und vor allem profitabel. Wir liegen in diesem Jahr ca. 15 Prozent im Plus und damit beim doppelten Gewinn wie beim DAX – trotz Jahrhundert-Jahresauftakt. Und wir haben dieses Ergebnis mit wesentlich geringeren Schwankungen und niedrigerem Risiko als der DAX erreicht. Dabei achten wir bei unseren Positionen auch besonders auf Emittenten erstklassiger Bonität, bei denen das Ausfallrisiko nahe Null ist. Und wir überwachen als einer der wenigen Börsendienste die Entwicklung engmaschig, gehen bei sich abzeichnender Risikoerhöhung (wie etwa während des Crashs 2011) vorsichtshalber auch frühzeitig aus Positionen heraus. Mehr Sicherheit geht nicht, wenn Sie noch Rendite erzielen wollen. Und mehr Sicherheit bekommen Sie weder mit einem anderen Depotmix noch bei einem anderen Börsendienst.

Henrik Voigt

Keine Panik - kein Boden

von Henrik Voigt (18.05.2012)


Die Eurokrise verschärft sich, nur ist davon gerade in den Kommentaren der Börsenanalysten wenig zu spüren. Eine gesunde und normale Korrektur sei das beim DAX. Von Panik und Ausverkaufsstimmung keine Spur. Demnach wird es wohl noch eine ganze Weile so abwärts gehen wie in den letzten beiden Monaten seit dem Märzhoch.

Banken-Run verschärft die Situation

In Griechenland hat längst ein Run auf die Banken eingesetzt. Allein am Montag hoben die Bankkunden fast eine Milliarde Euro an Einlagen ab, was die Liquiditätssituation der dortigen Banken (ich komme übrigens gerade von dort) zusätzlich verschärfen wird. Die griechische Regierung kann bereits ihre Lieferanten nicht mehr bezahlen, Gehälter fließen nur noch aus den Notkrediten der EU. Aber auch diese Zahlungen werden gerade eingestellt, denn es gibt keine funktionsfähige Regierung und damit keinen Ansprechpartner für die EU. Ob sich daran nach den Neuwahlen am 17. Juni etwas ändern wird, steht in den Sternen.

Griechenland ist zwar für sich genommen eine kleine Volkswirtschaft in Europa. Aber bereits deren Staatsbankrott würde nach jüngsten Berechnungen von Volkwirtschaftlern Kosten von etwa einer Billion Euro verursachen. Und es geht längst nicht mehr nur um Griechenland. Auch in Spanien heben die Bankkunden inzwischen in Panik massenweise Milliardenbeträge ab, nachdem die spanische Sparkasse Bankia nur noch durch die Verstaatlichung vor dem Bankrott gerettet werden konnte. Frankreich droht unteressen weiter mit einer Nicht-Ratifizierung des Fiskalpaktes, wenn dieser nicht nach seinen Wünschen verändert wird. Die Eurozone zerfällt unterdessen weiter.

Und leider betrifft dies nicht nur die Südländer. Ifo-Präsident Hans Werner Sinn hat errechnet, dass bei einem Staatskonkurs Italiens, Griechenlands, Spaniens, Portugals und Irlands rund eine Billion (!) Euro an Kosten auf den deutschen Steuerzahler zukämen – 600 Milliarden an direkten Bürgschaften sowie etwa 300 Milliarden Euro an nicht einbringlichen Target-Forderungen der Bundesbank. Wie solche Summen dann aufzubringen wären, dazu fehlt mir leider die Fantasie, die die deutschen Politiker offenbar hatten, die die dafür nötigen Verpflichtungen eingegangen sind.

Die Politik bastelt weiter mit untauglichen Standardrezepten

Letztlich wird ein Auseinanderbrechen der Eurozone wohl nicht mehr zu vermeiden sein, auch wenn dieser aus politischen Gründen noch möglichst lange hinausgezögert werden soll. Die wirtschaftlich schwachen Südländer werden in einem gemeinsamen Währungsraum einfach nicht die nötige Wettbewerbsfähigkeit erlangen, die sie bräuchten, um wieder genügend Wachstum und damit Einnahmen zu generieren. Die Eurozone wird sich entscheiden müssen, ob sie als starke Kernzone überleben möchte (was den Austritt schwächerer Kandidaten notwendig macht), oder ob sie auf Jahrzehnte hinaus eine Transferunion blieben möchte, in der die stärkeren Nationen die schwachen alimentieren und dadurch ihre eigene Leistungsfähigkeit einbüßen.

Da ich weder schnelle noch wirklich progressive Schritte in dieser Richtung von der Politik erwarte (man hält sich lieber mit den untauglichen Standardrezepten der Vergangenheit auf), wird sich das Siechtum an den Aktienmärkten wohl noch eine Weile fortsetzen. Die wenigsten Analysten scheinen ja überhaupt verstanden zu haben, dass es hier nicht um eine Wachstumsdelle geht, sondern um den Fortbestand eines ganzen Wirtschaftsraumes. Lediglich der Devisenmarkt spiegelt dies im Eurokurs ganz klar wider.

Unsere defensive Depotausrichtung bleibt erste Wahl


Unter diesen Voraussetzungen bleibt eine defensive Depotausrichtung, so wie wir sie seit fast einem Jahr handhaben, natürlich erste Wahl. Damit konnten wir in diesem Jahr bereits schöne Gewinne einfahren. Ich gehe allerdings davon aus, dass die im März gestartete Abwärtsbewegung erst begonnen hat und dass diese noch sehr viel weiter laufen wird, als sich das die meisten
Anleger überhaupt vorstellen können. Das zeigen übrigens auch Vergleiche mit dem Topp im März 2000 (in dieser Ausgabe von DAX Profits). Die darauf folgende Bewegung verlief in ganz ähnlichen Mustern wie die jetzige. Damals dauerte das Trauerspiel ganze drei Jahre, bevor ein Boden gefunden wurde. Die Zeit, um auf Schnäppchenjagd zu gehen, wird auch noch kommen.
Dafür ist es jetzt allerdings noch viel zu früh. Jetzt genießen Sie Ihre sichere Depotausrichtung und freuen sich auf die weiteren Gewinne, die Sie damit jede Woche einfahren werden.

Jürgen Nowacki

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht – oder: JPMorgan erweist der Occupy Wall Street Bewegung einen Bärendienst

von Jürgen Nowacki (15.05.2012)


Sie besetzten die Wall Street und gingen damit in die Geschichte des Bankenviertels in Lower Manhattan New York ein. Die Bilder medienwirksamer Demonstrationen, aber auch die Räumung vom Zuccoti Park (früher Liberty Plaza Park) gegenüber dem Word Trade Center Site am 15. November 2011 gingen um die Welt. Es gab und gibt immer noch viel Sympathie für die jungen und älteren Demonstranten, die sich dagegen zur Wehr setzen, dass einige wenige Bankmitarbeiter immer noch unkontrolliert das Vermögen ihrer Bankkunden und Aktionäre verspielen dürfen. Ina Drew, Investment-Chefin bei JP Morgan Chase, und Cheftrader Achilles Macris aus London nehmen heute am Tage der JP Morgan- Hauptversammlung in Tampa, Florida, demonstrativ ihren Hut, damit die Kritik der Aktionäre am Vorstand nicht allzu heftig ausfällt.

Dieser Skandal ist aber nicht nur ein gefundenes Fressen für die weltweite Occupy-Bewegung, sondern auch für die Politiker, die seit Längerem strengere Handelsregeln fordern und sich bislang nicht gegen die Lobbyisten der Finanzindustrie durchsetzen konnten. In der heutigen Schwerpunktanalyse gehe ich auf das Thema der sogenannten „Volker Rule“ ein,
die eine strikte Trennung des Eigenhandels vom Einlagengeschäft der Kunden fordert - damit Sie wissen, was sich im US-Wahljahr noch zum Positiven ändern und die Finanzmärkte stabilisieren könnte.

Meine Einschätzung, dass sich die Aktienmärkte im Monat Mai mit prächtigen Einkaufskursen präsentieren werden, ist richtig. Die DAXEinkaufsliste wird in dieser Ausgabe des Target Trader länger, und Sie erfahren in DAX & Dow Outlook, warum ich weiterhin optimistisch für die Aktienmärkte bin und dass man sich diese Kaufgelegenheiten nicht entgehen lassen sollte.

Aber während Sie vielleicht ungeduldig auf das Ende der Aktienmarktkonsolidierung warten, verdienen Sie prächtig am fallenden Euro und am fallenden Gold. Ich präzisiere in dieser TT-Ausgabe meine Zielkursprognose, damit Sie wissen, wann Sie die Gewinne mit Euro-Puts realisieren sollten.

Jürgen Nowacki

„Trader, wo seid Ihr!“ 

von Jürgen Nowacki (09.05.2012)

„Trader, wo seid Ihr!“, lautete kürzlich die Überschrift eines Tradermagazins. Wohin man schaut: überall interessenloses dahindümpeln. Ob es der Euro ist, der sich trotz größter Finanzprobleme um die 1.30 USD herum lange Zeit behaupten konnte oder das schwarze Gold (crude oil), das im Kurs sogar von 125 auf jetzt 110 US-Dollar gefallen ist, obwohl die Welt vor einem Öl-Embargo seitens des Irans steht -niemand will der Erste sein. Alle warten die weitere Entwicklung geduldig ab, still ruht der See. Normalerweise handeln wir doch nach dem Motto: „Buy the rumor and sell the fact“ soll heißn, dass in der heißn Erwartungs-bzw. Spekulationsphase das Börsenkarussell gedreht wird, bis einem schwindelig wird. Und kommen die Fakten auf den Markt, passiert meist das Gegenteil von dem, was von Börsianern erwartet wurde. Ja, das macht Spaß. Aber nicht in den letzten Wochen.

Die Handelsvolumina sind stark rückläufig, was die Anfälligkeit für Fehlsignale bei automatischen Handelssystemen erheblich ansteigen lässt. Das wiederum führt dazu, dass die Algotrader, wie sie auch genannt werden, vielen Märkten zunehmend fern bleiben. Wie bereits einleitend erwähnt: Jetzt passiert an den Märkten nicht wirklich viel. Sollte sich Athen wieder beruhigen, wäre das genauso ein „non-event“ als verließ Griechenland die EU -nichts, was uns wirklich üerraschen wüde. Also keine Angst, auch wenn der DAX jetzt erst einmal weitere 6,1 Prozent verlieren wird (so meine DAX-Prognose), wäre das immer noch als leichtes Rückzugsgefecht einzuordnen.

Der legendäre Sack Reis ist da schon wichtiger

Der legendäre Sack Reis, der in China vom Fahrrad fällt - was angeblich niemanden interessiert -, veranlasst Fondsmanager, deutsche Aktien, insbesondere deutsche Exportwerte, unterzugewichten. Alles andere als ein „non-event“war die Zinssenkung in Australien in der letzten Woche. Sie ist mit 50 Basispunkten unerwartet hoch ausgefallen und hat sich negativ auf die asiatischen Aktienmäkte ausgewirkt. In unserem heutigen Schwerpunkthema sage ich Ihnen, warum wir zukünftig noch mehr auf den Australischen Dollar Acht geben sollten.

Der Euro konnte sich bislang erstaunlich gut halten, aber jetzt scheint meine Spekulation aufzugehen. Warum es für eine Euro-Shortposition noch nicht zu spät ist, erfahren Sie in der Rubrik Devisen und Rohstoffe.

Wir bereiten uns auf den 2. Teil der Speed-Depot Strategie vor. Letzte Woche haben wir Rockwood- Optionen mit 51,9 Prozent Gewinn glatt gestellt. Jetzt kommen die Aktienmärkte zurück und bieten uns eine vortreffliche Möglichkeit, ein zweites Mal den Markt zu entern. Wie Sie sehen sind wir auch aktiv selbst wenn die Algotrader sich vom Markt zurück ziehen.

Henrik Voigt

 

Es hat gerade erst begonnen

von Henrik Voigt (08.05.2012)



Die meisten meiner Prognosen mögen unerfreulich klingen, aber sie treten ungeachtet dessen trotzdem ein. Der erneute Absturz der Solarwerte ist inzwischen ebenso eine Tatsache wie der Umstand, dass sich fast alle größeren Volkswirtschaften in Europa nach einer kurzen Zwischenerholung in einer Rezession befinden. Die euphorische Stimmung an den Aktienmärkten ist inzwischen erster Verwunderung gewichen, warum die Hausse denn nicht einfach weitergeht. Wird sie aber nicht. Und schon gar nicht von diesem Niveau aus. Gut, dass wir frühzeitig auf eine defensive Strategie gesetzt haben, die sich nun voll auszahlt. Dabei kommen die eigentlich schwachen Monate aber erst noch.

Die Börsen stehen jetzt erst am Anfang eines Prozesses der Einpreisung einer konjunkturell und politisch unerfreulichen Entwicklung, die vermutlich noch in diesem Jahr zum einem schrittweisen Auseinanderbrechen der Eurozone führen wird (Griechenland wird den Anfang machen). Keines der hochverschuldeten Länder will mehr für die Schulden der „Partnerländer" einstehen, keines kann die eigenen Schulden je wieder zurückzahlen.

Wahlen erzwingen Aufkündigung der Sparpakete

Nach den vollmundigen Sparbekenntnissen der vergangenen Monate (die Finanzmärkte haben diese doch tatsächlich für eine Weile geglaubt!) zeigt sich jetzt, wo es ernst wird, dass es mit dem Sparen doch nicht so weit her ist. Man müsse ja auch wachsen. Und letztlich wurden bei jeder Wahl in diesem Jahr diejenigen Kräfte abgewählt, die weiter Sparen wollen. Es dürfte also eine Frage des politischen Überlebens sein, den Sparpakt wieder zu torpedieren. Was wiederum zu einer neuen Runde der Staatsschuldenkrise führen wird – ein Teufelskreis eben.

Aber an eine schnelle und einfache (und womöglich auch noch schmerzlose) Lösung haben ohnehin nur die Scharen blauäugiger Anleger geglaubt, die zu Jahresbeginn massenweise an die Börsen strömten, als die US-Stimmungsindikatoren bereits nahe ihren Extremniveaus notierten. Die Masse dürfte wieder einmal ziemlich genau das Topp erwischt haben. Europa begann seine Toppbildung ja bereits Anfang Februar, die stärkeren USA erst vor einigen Wochen. Wobei ich aber einräumen muss, dass die politisch massiv manipulierten Märkte schwer prognostizierbar bleiben. Die hemmungslose Liquiditätsschwemme fördert einerseits massiv Kreditspekulationen und daher auch mögliche Blasenbildungen. Gleichzeitig erhöht sie die Risiken, dass diese zur Unzeit platzen und dass sich die ökonomischen Auswirkungen damit verschärfen.

Die Entwicklung war aber vorhersehbar

Sie haben sich natürlich nicht einwickeln lassen, Sie waren ja von mir gewarnt worden. Und Sie können sich jetzt beruhigt zurücklehnen und die Früchte Ihres Erfolges genießen. Wir werden sicher noch einige Optimierungen im Depot vornehmen. Im Großen und Ganzen passt die Strategie allerdings sehr gut bis mindestens zum Herbst. Eine satte zweistellige Prozentrendite sollte auf alle Fälle in diesem Jahr möglich sein.

Jürgen Nowacki

Ein 500 Mrd. Euro Konjunkturprogramm sollte es mindestens sein, querfinanziert gegen EU-Fördermittel

von Jürgen Nowacki (02.05.2012)


Interessieren Sie sich auch für die Immobilienpreise, wenn Sie im Ausland Urlaub machen? Meine Frau beispielsweise kann es sich nicht verkneifen, immer wieder in kleine Maklerschaufenster zu sehen, um die Angebote zu vergleichen. Als ich kürzlich auf Teneriffa war haben wir uns dann auch konkret einige Immobilien angesehen und das Angenehme mit dem nützlichen Aspekt einer kleinen Exkursion verbunden, um Land und Leute näher kennen zu lernen. Was mich überraschte, waren weniger die Preisvorstellungen, sondern vielmehr die Bankenpraxis, bis zu 115 Prozent des Immobilienpreises (plus Nebenkosten und Einrichtung) zu finanzieren. Also das habe ich nicht verstanden: 3,5 Jahre nach der Lehmanpleite und zig Bankenstresstests werden spanische Immobilien immer noch doppelt so hoch finanziert wie in Deutschland? Und jetzt folgt, was folgen muss: die Ratingherabstufung spanischer Banken. Ich gehe heute in der Rubrik DAX und Dow Outlook näher darauf ein. Und hinterfrage für Sie, welche Auswirkungen das auf den deutschen Aktienmarkt hat.

Wann kommt New Deal für Europa?


The New Deal“ war ein Bündel von Wirtschafts- und Sozialreformen, das Präsident Franklin Delano Roosevelt als Antwort auf die Weltwirtschaftskrise durchsetzte. Er stellt einen großen Umbruch in der Wirtschafts-, Sozia- und Politikgeschichte der Vereinigten Staaten dar.

Während alle Welt heute rätselt, wie Spar- und Förderprogramme zur Konjunkturbelebung in Europa zusammen passen sollen, werden meinen Beobachtungen zufolge hinter den Kulissen die Waffen scharf gemacht und in Anlehnung an Roosevelts New Deal ein gewaltiges Konjunkturprogramm auf die Beine gestellt. Wie aber haben das damals die Amerikaner gemacht und wie könnte es in Europa finanziert werden? Die Frage halten wir für so wichtig, dass ich Ihnen „The New Deal in Europe“ heute als Schwerpunkthema anbiete.

Henrik Voigt

Nur noch eine Frage der Zeit

von Henrik Voigt (02.05.2012)


Feiertagsbedingt erscheint Ihre Wochenausgabe heute einen Tag später als gewohnt.

Seit ein paar Tagen befinden sich mit Großbritannien und Spanien zwei weitere europäische Länder ganz offiziell im Rezessionsstatus. Sie gesellen sich zu Holland, Belgien, Griechenland, Portugal, (in Kürze Italien)…. BIP-Daten sind ja etwas träge. Die deutlich schnelleren, aber auch volatileren europäischen Einkaufsmanagerindizes zeigen die rezessive Entwicklung hingegen seit dem August 2011. Sie fielen in der jüngsten Veröffentlichung in der vergangenen Woche nach einer mehrmonatigen, aber schwachen Zwischenerholung übrigens wieder auf die sehr schwachen Notierungen zurück, die kurz nach dem Börsencrash 2011 erreicht wurden. Oder anders ausgedrückt: die Lage ist jetzt wieder genauso schlecht wie zu den dunkelsten Zeiten im letzten Jahr. Nur die Börsen brauchen jetzt wieder etwas länger, um diesen Umstand zu würdigen. Noch dominiert die Hoffnung, dass uns die USA oder China schon irgendwie retten werden.

Europas Rezession breitet sich aus


Es bedarf eigentlich keiner großen Anstrengungen mehr um zu erkennen, dass sich Europa längst in einer Rezession befindet, die sich immer weiter ausbreitet. Die Sparprogramme der überschuldeten Staaten verstärken diese Rezession, weil die Staatsausgaben als wichtiger Wachstumstreiber ausfallen. Für eine Wachstumsstrategie ist aber schlicht kein Geld mehr da (alles für die „Rettung“ der Banken verpulvert). Da ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, bis die Unternehmensergebnisse auf breiter Front enttäuschen werden (noch stützen vor allem bei Großunternehmen die Exporte). Und dann wird auch Verkaufsdruck an den Börsen aufkommen.

…bald auch in die USA?

Inzwischen bekommen selbst die bisher wirtschaftlich starken USA diese Entwicklung zu spüren, von denen man wohl dachte, sie wären immun gegen diese Entwicklung. Auch hier gingen die Staatsausgaben vor allem in den letzten Monaten teils drastisch zurück. Die Auswirkungen spüren wir jetzt: die US-Wachstumsdaten brechen ein. Sie befinden sich aber noch im grünen Bereich, was eine Panik am US-Markt bislang verhindert hat. Nicht mehr lange jedoch, denn am Ende des Jahres droht den Vereinigten Staaten eine fiskalische Katastrophe, wenn die US-Regierung nicht auf breiter Front drastische Haushaltseinschnitte durchführt, um das ausufernde Defizit zu reduzieren (Stichwort Schuldenobergrenze).

Schon weit vorher wird das Ausmaß dieser Einschnitte auf dem Markt zu Volatilität führen. Noch versucht man sich an den Börsen mit Ignoranz und Zweckoptimismus. Aber erfahrungsgemäß dreht der Wind zwischen Mai und September eines Tages recht plötzlich nach Süden. Wie auch unser beliebter Volatilitätschart zeigt, der gerade um den Monat April herum in den letzten Jahren immer wieder mit seinen Ausbrüchen für den alljährlichen Kurseinbruch an den Märkten geführt hat.

An meiner Prognose halte ich fest: In den nächsten Wochen wird „ganz plötzlich“ starker Verkaufsruck an den Börsen aufkommen und das Märchen vom tollen Aufschwung zu den Akten gelegt werden. Erst, wenn sich die meisten westlichen Länder in einer Rezession befinden, die Stimmung an den Börsen extrem pessimistisch geworden ist und die Volatilitätsindizes auf einem Mehrjahreshoch notieren, lohnt es sich wieder, nach Schnäppchen bei Aktien zu schauen. Das kann allerdings auch ein bis zwei Jahre dauern…

Der Sommer wird ungemütlich für die Börsen, nicht für Sie

Bis dahin fahren Sie weiter am besten mit unserer bewährten Strategie: Unseren Korridorschein als relativ sicheres und langfristiges Investment für eine ordentliche Basisrendite, die Alphascheine als weitgehend richtungsunabhängige und mittelfristig ausgerichtete Gewinnbringer und je nach Situation ausgewählte Hebelscheine, die in mehr oder weniger langen Trendphasen für zusätzlichen Renditekick sorgen. Egal, ob wir nun einen echten Crash bekommen oder nicht: Mit diesem Depotmix sollten Sie bis zum Jahresende zusätzlich zu den bisherigen Gewinnen noch eine schöne Rendite einfahren können.

Jürgen Nowacki

Ein gutes Frühjahrsgutachten als AntiIndikator?

von Jürgen Nowacki (24.04.2012)


Meine Aktienmarktindikatoren im Target Trader haben wieder einmal recht behalten - leider. Den Aktienmarktaufschwung von Dezember bis März haben sie ebenso zuverlässig angezeigt wie die Korrektur der vergangenen Tage. Es geht mir nicht darum recht zu haben, sondern darum, Sie zu überzeugen, dass es für das Timing für Käufe und Verkäufe nicht auf fundamentale akademische Studien wie die Frühjahrs- und Herbstgutachten der 5 Weisen ankommt, sondern darauf, auf die Woche genau - und wenn möglich auf den Tag genau - den Börseneinstieg und - ausstieg zu planen.

Indikatoren sind nicht unfehlbar, und Unfehlbarkeit ist auch nicht die Botschaft, insbesondere wenn die Notenbanken an den Renten- und Devisenmärkten intervenieren. Aber diese Interventionen stören nur kurzzeitig die alles überlagernden Trends. Das große Bild der Marktentwicklung bleibt trotzdem erhalten, weshalb wir es auch nicht aus den Augen verlieren sollten. Ärgerlich für Trader sind die Störungen der Notenbanken aus einem anderen Grund. Trader erhalten kurzfristig Handelssignale, die oftmals nur kurze Zeit im Markt sind und schnell verpuffen. Hier gilt es Handelsregeln zu definieren, die die Fehlerquote reduzieren helfen. So zum Beispiel: Handele nicht das erste Trendsignal, sondern erst die Trendbestätigung. Das ist auch der Grund, warum ich noch keine DAX-Verkaufsoptionen (Puts) im Depot habe.

Als Schwerpunkthema behandele ich heute im Rahmen einer kleinen Serie das Thema: Euro-Währungsflucht. Im ersten Teil beleuchte ich die Anlagemöglichkeiten in Fremdwährungsanleihen auf Norwegische Kronen.

In der Rubrik DAX und Dow Outlook werde ich Ihnen erläutern, wie lange die Korrektur im Markt voraussichtlich dauern wird. Sie erhalten einen Fahrplan für die nächsten Wochen, mit denen Sie Ihren Börsenerfolg 2012 absichern können. Wie Sie wissen, haben wir ganz konkret den Kursaufschwung der vergangenen beiden Wochen prognostiziert, aber dessen Qualität und Nachhaltigkeit auch angezweifelt. Wir haben konsequent die Cashquote, also das Sicherheitspolster im konservativen Depot, auf mehr als 82,61 Prozent erhöht (s. Rubrik: Performance) und werden in Kürze shoppen gehen. Die niedrigen Kurse werde ich antizyklisch auch privat in DAX und Dow nutzen, denn im günstigen Einkauf liegt ein wesentlicher Faktor für den späteren Gewinn.

Henrik Voigt

Das kann heftig werden

von Henrik Voigt (24.04.2012)


In Frankreich zeichnet sich ein Machtwechsel zugunsten eines Präsidenten ab, der den EU-Fiskalpakt, Sparprogramme und Schuldenbremsen ablehnt und stattdessen eine direkte Staatsfinanzierung durch die EZB favorisiert. Auch in Griechenland wird innerhalb der nächsten beiden Wochen gewählt werden (der genaue Termin steht noch nicht fest). Wie die Umfragen zeigen, dürfte die EU auch hier nach den Wahlen ihren Ansprechpartner verlieren. Die Parteienlandschaft ist derart zersplittert, dass das Land schlimmstenfalls unregierbar wird. Und dann wären auch die gesamten bisherigen Hilfszahlungen von insgesamt 380 Milliarden Euro (oder umgerechnet 33.600 Euro pro Einwohner bzw. 177 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts) verloren.

EU zerstritten, weiterer Niedergang nicht ausgeschlossen

Die Entwicklung ist verfahren. Die bisherigen Sparmaßnahmen bringen zu wenig Einsparungen, um das Schuldenproblem schnell lösen zu können (Zeit haben die Schuldnerländer keine mehr), aber sie würgen gleichzeitig das Wachstum ab. Die gestern gemeldeten Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und Europa mit Notierungen um die 46 Punkte sprechen da eine deutliche Sprache: Rezession (alles unter 50 Punkten bedeutet Schrumpfung). Der Widerstand gegen die gegenwärtige EU-Politik von Sparen, Gelddrucken und Schuldenvergemeinschaftung dürfte also unter den Mitgliedländern eher größer als kleiner werden. Und die beiden einzigen echten, wenn auch unschönen Auswege – Auflösung der Währungsunion mit Rückkehr zu den nationalen Währungen oder Bildung eines einheitlichen EU-Staates unter einer Zentralregierung ähnlich der ehemaligen UdSSR – sind politisch nicht durchsetzbar. Wir werden also wohl oder übel ein weiteres Durchwursteln und politische Rangeleien zwischen den Ländern um die größten Vorteile erleben – verbunden mit einem weiteren ökonomischen Niedergang.

Wir sind fein raus

Aber auch in einem solchen Niedergang werden gut geführte Unternehmen weiterhin Gewinne machen und schlecht gemanagte Firmen radikal restrukturiert werden müssen oder untergehen. Und genau auf diese Szenario setzen wir mit unserer Alpha-Strategie, die gerade in den kommenden Monaten mit volatileren und eher fallenden Kursen weiter ihre Leistungsfähigkeit zeigen wird: nämlich unabhängig von der Marktlage schöne Renditen zu erzielen. Durch die Tatsache, dass unsere erfolgreichsten Positionen langsam ans Ende ihrer Laufzeit kommen und wir in länger laufende Papiere umschichten müssen, haben auch Neuleser in den nächsten Wochen die einmalige Chance, wieder von Anfang an mit bei den Neuempfehlungen dabei zu sein.


Immerhin liegen wir in diesem noch jungen Jahr mit dieser Defensivstrategie mit zweistelligen Prozentraten im Plus und haben damit sowohl den DAX als auch die meisten riskanteren Börsenbriefe überholt, die immer noch (vergeblich) von einem neuen Bullenmarkt träumen und derzeit Gefahr laufen, ihre gesamten Jahresgewinne wieder einzubüßen. Das Mantra der „Flucht in Sachwerte“ wird sich wie so häufig als reines Wunschdenken erweisen. In beginnenden Rezessionen gibt es keine Flucht in Aktien, sondern aus Aktien heraus.

Jürgen Nowacki

Jetzt droht den Niederlanden die Rezession

von Jürgen Nowacki (18.04.2012)

 

Spaniens Refinanzierung nur mit steigenden Zinsen möglich - aber der Brand schwelt weiter

Wenn Sie unter Google den Begriff Schwelbrand eingeben, werden Sie auf Begriffserläuterungen stoßen wie: „Brand ohne Flammenentwicklung, der nur anhand der Entstehung von schwacher Hitze oder Rauch wahrnehmbar ist“. So verhält es sich auch mit der EU-Finanzpolitik.

Seit Monaten mahnen die Wirtschaftsexperten, nicht nur den EURO-Rettungsschirm ESM zu erweitern, sondern auch über Investitionsprogramme die strukturellen Probleme der finanzschwachen Länder zu beseitigen und einen drohenden Schwelbrand sprich eine EU weite Rezession zu verhindern. Aber nichts passiert. Deutschland beispielsweise hat die Energiewende beschlossen und einen ehrgeizigen Zeitplan bis 2022 verkündet, aber anstatt sinnvolle Energie Konzepte zügig auf den Weg zu bringen und die südeuropäischen Länder in die Stromproduktion einzubinden, kümmert sich offensichtlich niemand darum, wie gesetzliche Hürden und Umweltverträglichkeit auf dem kurzen Dienstweg harmonisiert werden können. Beispielsweise muss Siemens jetzt seine Gewinnprognose von 6 Mrd. Euro revidieren und bildet lautet Gerüchten Rückstellungen in Höhe von 406 Millionen Euro, weil die Windkraftanlagen auf hoher See zwar Strom produzieren, dieser aber mangels Stromautobahnen nicht bis zur Küste transportiert werden kann.

Spanien konnte seine Refinanzierung an den Kapitalmärkten nur zu höheren Zinsen unterbringen. Innerhalb von 4 Wochen haben sich die Renditen nahezu verdoppelt. Wir sprechen in der Rubrik DAX- und Dow Outlook darüber, welche Auswirkungen das auf die Aktienmärkte hat.

Die Niederlande, daran besteht kein Zweifel mehr, werden in die Rezession fallen. Was soll, liebe Leser, eine EZB noch ausrichten, wenn es nur noch wenige EU-Länder wie Deutschland, Österreich und Finnland gibt, die etwas Wachstum vorzeigen? Ein großes Problem, das Finanzpolitiker und EZB auch nicht in den Begriff bekommen, sind die weiter wachsenden „Target 2-Salden“ der EU-Notenbanken. In der heutigen Schwerpunktausgabe werde ich darauf eingehen und die Frage erörtern, welche Gefahren dem Euro und den Aktienmärkten drohen.

Henrik Voigt

Wird das eine große Welle?

von Henrik Voigt (17.04.2012)

 

Eine Verkaufswelle an den Börsen hat inzwischen begonnen. Die Frage ist, wie groß diese werden wird. Was bis vor wenigen Wochen angesichts der scheinbaren Immunität gegen schlechte Nachrichten noch undenkbar schien, ist jetzt Realität. Und auf einmal nimmt der Markt Negativmeldungen wieder wahr. Nun wird eingepreist, dass sich die Rezession in Europa unerwartet schnell ausbreitet, dass das Risiko einer Staatspleite Spaniens und Italiens erheblich gestiegen ist, dass das Wachstum in den Schwellenländern (allen voran China) enttäuscht und dass selbst die bisher konjunkturell starken USA empfindliche Einbrüche bei den Wirtschaftsdaten hinnehmen müssen.

Fundamentaldaten mau, Saisonalität belastet zusätzlich…

Auch saisonal sieht es besonders beim DAX nicht gut aus in Jahren, die auf eine „2“ enden (wie 2012). Da verliert der Index nach einem häufig starken Auftaktquartal im Durchschnitt von April bis Juni 9,32%, um im dritten Quartal noch einmal 10,47% nachzugeben. Beim Dow Jones Index sieht die Durchschnittsperformance ähnlich mau aus.

Die Kurse werden allerdings kaum in einem einzigen Rutsch wieder in sich zusammenfallen, nur weil sich die Masse der Anleger mit ihrer Hoffnung auf einen kräftigen Aufschwung getäuscht sieht. Bisher sehen wir nur ein „Abwärtsdümpeln“, was zwar für vorerst wenig Verkaufsdruck spricht. Das hat aber für aufwärtsorientierte Anleger auch den Nachteil, dass es damit keine Marktbereinigung gibt und die Bewegung noch lange andauern kann. Die drastisch überhitzen US-Stimmungsindikatoren wurden jedenfalls bisher noch nicht einmal ansatzweise neutralisiert und so dürfte vorerst jeder neue Erholungsansatz nur kurzlebig sein.

Es stehen allerdings in den nächsten Monaten noch wichtige Wahlen an und da gilt es von Seiten der Politik, weiter gute Stimmung zu verbreiten. Dazu dürften auch neue Liquiditätsmaßnahmen gehören. Wenn nicht in Europa, so doch zumindest in den USA. Der Wirtschaft wird das angesichts der Überschuldung der Staaten sowie vieler Unternehmen und Privathaushalte sowie aufgrund der Risikoaversion der Banken nichts nützen. Aber die Kurse könnten dennoch wilde Sprünge aufführen.

…nur die Liquidität dürfte weiter üppig fließen

Insgesamt dürfte es das Beste sein, in den kommenden zwei Quartalen eher auf fallende Kurse zu setzen, einen Teil Liquidität vorzuhalten und einen größeren Teil in richtungsunabhängige Seitwärtsstrukturen zu investieren. Und genau so sieht unsere Depotstruktur derzeit aus. Hier brauchen wir lediglich noch einige (z.B. laufzeitorientierte) Optimierungen vornehmen. Vor Ihnen dürfte also eine sehr profitable Zeit liegen, die freilich gute Nerven verlangen wird.

Jürgen Nowacki

EZB kämpft gegen die Spanische Grippe

von Jürgen Nowacki (12.04.2012)

 

Mein Drehbuch für die Börsenentwicklung der vergangenen Tage hätte besser nicht sein können. Einerseits habe ich Sie bereits in der zurückliegenden Target-Trader Ausgabe -und damit vor dem größeren DAX-Einbruch - auf Spanien als nächsten EU-Wackelkandidaten mit negativem Einflussfaktor für die Märkte eingestimmt. Gleichzeitig habe ich aber auch vor allzu großem Pessimismus gewarnt, denn die Berichtssaison startet wie erwartet mit guten Zahlen von Alcoa und besser als meine Analystenkollegen angenommen haben. Dazu gleich mehr in der Rubrik DAX und Dow Ausblick.

Die spanische Grippe von 1918/19 gilt als die verheerendste Seuche des 20. Jahrhunderts. Der spanischen Finanzgrippe im Frühjahr 2012 frühzeitig entgegenzutreten hat sich die EZB auf die Fahne geschrieben. Wie am Mittwoch das EZB Direktionsmitglied Benoit Coeuré äußerte, würde die EZB nicht zögern, spanische Staatsanleihen anzukaufen, um den steigenden Renditen am Kapitalmarkt entgegenzuwirken Ich habe Ihnen dazu in der jüngsten TT-Ausgabe einen Chart gezeigt. Stellen Sie sich mit Ihren Investments darauf ein, dass spanische Banken demnächst unter dem Rettungsschirm des EWS Schutz suchen werden. Ich zeige Ihnen heute einen Fahrplan, mit dem Sie Ihre Investments besser koordinieren können.

Das Speed-Depot hat jetzt die zweite Position aufgenommen. Die schwächeren Kurse der vergangenen Tage haben dafür gesorgt, dass wir jetzt auch in Rockwood Holdings investiert sind. Abzuwarten, bis das Limit greift, war also genau richtig - getreu dem Sprichwort „im Einkauf liegt der Gewinn“. Möglicherweise stocke ich die Position noch etwas auf, aber dazu mehr in der Rubrik „aktuelles beim Speed-Depot“.

Henrik Voigt

Wir liegen goldrichtig

von Henrik Voigt (10.04.2012)

 

Ich hoffe, Sie hatten ein schönes Osterfest: Im Gegensatz zur Masse der Anleger mussten Sie sich ja keine Sorgen um Ihr Depot machen. Trotz oder gerade wegen der Osterkorrektur.

Wir haben derzeit die aggressivste und lockerste Geldpolitik aller Zeiten, aber die Konjunkturerholung seit dem Einbruch im vergangenen Jahr verlief bisher erstaunlich schwach. Und sie scheint bereits wieder zu Ende zu gehen. Selbst das europäische Zugpferd Deutschland bekommt nach den jüngsten Daten jetzt die ausbleibende Nachfrage aus den europäischen Nachbarländern und damit die Schuldenkrise zu spüren. Und die bisher von der Flaute weniger betroffenen USA stehen nach dem Auslaufen der Sondereffekte des ungewöhnlich warmen Winters in ihrer Wirtschaftsentwicklung plötzlich halbnackt da. Die jüngsten USArbeitsmarktdaten haben schwer enttäuscht - genau, wie wir das erwartet hatten. Die Börsen sind allerdings „überrascht“, was die plötzlichen Kurseinbrüche erklärt. Hier besteht allerdings noch weiterer Bereinigungsbedarf, der uns zusätzliche Gewinne einbringen wird.

Erst nach dem Schuldenabbau ist Wachstum möglich

Aus einem Entschuldungsprozess neues Wachstum herauszukitzeln, der normalerweise mehrere Jahrzehnte benötigt, dürfte sich wie immer in der Geschichte als unmöglich herausstellen. Da ändern auch diverse bevorstehende Wahlen nichts, wo die Titelverteidiger bei ausbleibenden schnellen Erfolgen wohl ihre Ämter verlieren werden. Das erklärt auch die Verbissenheit, mit der sie die Lage seit Monaten schönreden das sich die Balken nur so biegen. Die Entwicklung der Wirtschaftsdaten ergibt leider ein viel nüchterneres Bild.

Angesichts der erdrückend blassen Faktenlage verwundert es kaum, dass die Aktienmärkte pünktlich zum Wendemonat April nun endlich in eine Phase des Umdenkens übergehen und das Ausmaß der bisherigen, fast ausschließlich von sturem Schönreden getragenen Kursgewinne hinterfragen. Immerhin laufen die meisten europäischen Börsen schon seit über zwei Monaten seitwärts und die Gefahr, dass daraus eine erneute Trendwende nach unten wird, ist nicht eben klein.

Börsen auf dem Weg zu mehr Realismus?

Wir können diese Entwicklung nicht ändern, aber wir können uns ihr anpassen. Dass unsere Depotausrichtung goldrichtig war, zeigen gerade die letzten Wochen, in der es erneut schöne Gewinne gegeben hat – und das ohne große Risiken einzugehen.

Mehrere unserer Alphascheine haben über 30 Prozent Gewinn verbucht - allein in der vergangenen Woche! Auch unsere größte Depotposition, der Korridorschein, hat enorm zugelegt und steht jetzt auf Allzeithoch. In den nächsten Tagen und Wochen werden wir weitere aussichtsreiche Depotpositionen hinzunehmen, wenn sich der eingeschlagene Korrekturkurs der Börsen wie erwartet verfestigt. Immerhin ist es möglich, dass die nächste Trendbewegung nach unten Ihrem Depot in kürzester Zeit mehr Gewinne einbringt, als die letzten Monate Rally zusammengenommen, was an der Natur heftiger Abwärtsbewegungen begründet liegt. Ich werde jedenfalls dafür sorgen, dass Sie auf der richtigen Seite des Marktes stehen.

Jürgen Nowacki

Wird der ESM Rettungsschirm noch in diesem Jahr auf 2 Billionen Euro erhöht?

 

von Jürgen Nowacki (04.04.2012)

 

Und ein herzliches Willkommen unseren neuen Lesern in der Target Trader-Gemeinschaft.

Wenn ich mir überlege, wie oft in den vergangenen Wochen und Monaten die Haftungssummen für EU-Rettungsschirme trotz politischer Dementis nach oben hin angepasst wurden, und wenn ich zugrunde lege, dass das nicht die letzten Erhöhungen gewesen sein dürften - dann dürften die Mayas mit ihrer Weltuntergangsprophezeiung zum Ende des Jahres 2012 wohl noch einige Male in den Medien zitiert werden.

Ich bin kein Pessimist, verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Es ist nur so, dass uns die technischen Indikatoren trotz Gewinnmitnahmen wie wir sie heute gesehen haben, weiter steigende Aktienkurse signalisieren. Wegen der großen Unsicherheiten aber, die aus der Anlageklasse „Staatsanleihen“ herrühren, dürfen wir aber nur einen kleinen Teil des Vermögens in Aktien investieren.

Das ist auch der Grund, weshalb ich das Speed-Depot für Sie, liebe Leser, aufgebaut habe. Hier werden mit kleinem Kapitaleinsatz von maximal 6.000 Euro die Chancen genutzt, wenn der Markt sie bietet. Aber für den Markteintritt ist es wichtig, diszipliniert vorzugehen und den Einkauf zu optimieren. In der Rubrik DAX und Dow Outlook möchte heute für Sie der Frage nachgehen, welche Gefahren für den internationalen Aktienmarkt von der spanischen Börse ausgehen. Darauf aufbauend, sage ich Ihnen dann, wie die offenen Positionen behandelt werden, deren Kauflimit noch nicht erreicht wurde.

Der Monat April zählt mit einem durchschnittlichen Anstieg im Dow Jones von 2 % zu den besten Börsenmonaten (seit 1950) innerhalb eines 12 Monatszyklus.

Im ersten Quartal hat der DAX 20 Prozent zugelegt. Einen starken Anstieg habe ich Ihnen, wie Sie wissen, bereits im November 2011 prognostiziert und mit dem ersten Speed-Depot „Bankenstrategie“ umgesetzt. Das Ergebnis: innerhalb weniger Wochen ein Plus von mehr als 20 Prozent! Das ist weniger als ich erwartet habe, aber der Markt wird meiner Meinung nach im 2. Quartal sehr viel stärker schwanken und damit das Risiko für Anleger erhöhen - dem musste ich Rechnung tragen. Wir haben im ersten Quartal mit einem Sicherheitspolster von 60 bis 70 Prozent immerhin 8,67 Prozent verdient, und das wollen wir nicht wieder hergeben.

„Alles neu macht der Mai“, aber Sie werden bei den neuen Charts in dieser Ausgabe bemerken, dass wir bereits im April mit der Renovierung angefangen haben. Ich habe für Sie ein neues Trading- und Chartsystem in Betrieb genommen und werde Sie zukünftig noch besser mit Signalen aus der Markttechnik bedienen können. Ich bitte um Verständnis, wenn es einige Zeit braucht, bis wir uns alle daran gewöhnt haben. Ich verspreche Ihnen, die Erläuterungen wie bisher sorgfältig in den Bilduntertiteln zu dokumentieren, damit Sie sich schnell damit anfreunden.

Henrik Voigt

Zeit für den Frühjahrsputz

von Henrik Voigt (03.04.2012)


Es ist Zeit für den Frühjahrsputz in Ihrem Depot. Jetzt beginnt der April und damit endet die saisonal günstige Zeit für Aktien. Immerhin tendiert der DAX bereits seit zwei Monaten nur noch sehr schwach aufwärts, während die Volatilität dabei deutlich zunimmt. Das Potenzial nach oben scheint mir hier sehr begrenzt. Die jüngsten Fundamentaldaten haben gezeigt, dass die Konjunktur nicht im geringsten mit der Börsenentwicklung mithalten kann. Allmählich scheint das wohl auch den ersten Anlegern klar zu werden. Die Profis haben ihre rekordhohen Shortpositionen ähnlich wie im April 2011 inzwischen weiter ausgebaut.

Historisch betrachtet wird fast die gesamte Performance eines Aktienjahrs zwischen Ende Oktober und Ende April erzielt, also in den 6 „Wintermonaten“. Die ab Mai kommenden Monate bieten hingegen mehr Risiken und kaum Chancen. Zumindest nicht mit der klassischen „Long-Only-Strategie“. Besonders eindrucksvoll sieht man das an unserem VIX-Chart, den ich mehrfach im Videobericht gezeigt habe und heute ausführlich in dieser Ausgabe besprechen werde.

Aber genau für die nächsten, traditionell holprigen Monate sind Sie ja bereits bestens gerüstet. Die Korridor- und Alpha-Zertifikate legen in volatilen Seitwärts- oder gar Abwärtsphasen besonders deutlich zu. Direkt nach Ostern, wenn die Börsenumsätze wieder steigen, werden wir hier nachlegen, so dass eine noch gewinnträchtigere Depotstruktur entsteht. Sollten wir danach stärkere Einbrüche an den Börsen erleben, was verschiedene Indikatoren nicht gerade unwahrscheinlich erscheinen lassen, so können wir ganz flexibel mit passenden Hebelscheinen „nachlegen“, sobald wieder richtig Schwung in die Märkte kommt.

Jürgen Nowacki

In Amerika ist Wahlkampf – und Obama bekommt Unterstützung von der FED.

von Jürgen Nowacki (28.03.2012)


Ja, das würde sich in Deutschland so mancher Politiker auch gerne wünschen: Wahlunterstützung von der Bundesbank und der EZB. In den USA ist die Notenbank nicht so frei in ihren geldpolitischen Entscheidungen. Sie muss sich anders als die Bundesbank (Art.88 GG und Art.108 EGV) der Wirtschaftspolitik der Administration unterordnen.

Wahlkampf ist in den USA nicht zuletzt ein Geschäft mit der Börse, denn immerhin hängt die Altersversorgung der US-Amerikaner an der Wertentwicklung ihrer Aktienfonds. Und wenn im Wahljahr die Börse gut läuft, dann werden so manche Wähler auf eine Verlängerung der Amtszeit des amtierenden Präsidenten setzen und keine großen Risiken eingehen. FED-Präsident Ben Bernanke erklärte am vergangenen Montag, dass er die US-Wirtschaft weiter mit einer Politik des billigen Geldes fördern wolle. Trotz der steigenden Beschäftigungszahlen in den USA benötige die US-Wirtschaft Unterstützung, weshalb er die Null-Zinspolitik weiter fortführen werde.

Somit profitieren wir in Deutschland auch vom USWahlkampf, so kurios wie sich das anhört. Aber das lässt sich auch im Chart ablesen, den ich heute in der Rubrik DAX und Dow Outlook besprechen werde.

Aber denken wir heute nicht an November 2012, sondern an die nächsten Tage, denn es ist Quartalsende. In den zurückliegenden 22 Jahren, so haben die Analysten Jeffrey und Yale Hirsch festgestellt, gab es zum Quartalsende überwiegend Gewinnmitnahmen an der Börse. In 16 von 22 Jahren verlor der Dow Jones in den letzten Tagen durchschnittlich 1,7 Prozent. Das ist der Grund, weshalb wir uns mit dem Aufbau des Speed- Depots auch noch etwas Zeit lassen können. Mehr dazu erfahren Sie in der Rubrik DAX und Dow Outlook. Wichtig: behalten Sie den 4. April und den 25. April im Auge. ADP-Arbeitsmarktdaten für den Monat März und der nächste Sitzungstermin der US-Notenbank stehen an. Experten vermuten, dass es hier zu weiteren Krediterleichterungen kommen wird. Tja, man merkt, es ist Wahlkampf.

Henrik Voigt

Ein kleines „Zyklenwunder“

von Henrik Voigt (27.03.2012)


Der Frühling beginnt, die Sonne strahlt wieder warm, die Tage werden länger – die Kurse werden fallen. Wie komme ich darauf? Nun ja, die meisten markanten Wendepunkte an den Börsen ereignen sich zu Beginn des Frühlings (21. März) oder des Herbstes (21. September). Die laufende Rally an den Börsen begann beispielsweise am 23. September 2011 (also nur zwei Tage nach Herbstanfang). Das Fukushima-Crashtief lag am 16. März 2011, danach ging es nochmals steil aufwärts. Der letzte Bullenmarkt beim Weltleitindex S&P 500 lief vom 11. März 2003 bis zum 01. Oktober 2007, also ebenfalls um diese Zeitpunkte. Danach ging es kräftig abwärts. Eine mehrmonatige Zwischenerholung begann danach am 17. März 2008, den Boden des anschließenden Bärenmarktes fand der Index am 09. März 2009.

Frühlingsbeginn = Korrekturbeginn?

Seltsam: Diese Wendepunkte liegen sehr oft um das immer gleiche Datum. Warum das so ist, vermag ich nicht zu sagen. Vermutlich hat es etwas mit dem Einfluss der Sonnenwende zu diesen Zeitpunkten auf die Anlegerpsyche zu tun. Oder es sind eben einfach nur markante Zyklen. Auf alle Fälle ändert sich zu diesen Zeitpunkten die Risikoneigung der Anleger grundlegend und meist für mehrere Monate. Letzte Woche war jedenfalls wieder Frühlingsanfang und der DAX hinterließ gleich mal am 16. März ein markantes Hoch. Die vergangene Woche brachte dem US-Markt den bisher stärksten Wochenverlust des Jahres. Noch deutet nicht viel auf ein finales Hoch hin, denn die wichtigen Unterstützungen auf der Unterseite sind intakt. Das kann sich aber noch ändern, Und da ist es gut, vorher gewarnt gewesen zu sein.

So viele Bullen gab es noch nie

Immerhin präsentiert sich die Weltleitbörse in den USA stimmungsmäßig mit einem neuen Rekord: 65 Prozent Bullen bei der renommierten, von Market Vane verfassten Statistik konnte weder das Topp im vergangenen Jahr noch das letzte Bullenmarkthoch 2007 bieten. In den Monaten nach einer ähnlichen Börseneuphorie ging es damals stets abwärts. Grund zu erhöhter Vorsicht ist das allemal.

Auf der fundamentalen Seite sehen wir dagegen das seit dem vergangenen Jahr gewohnte Bild: Die Konjunkturdaten brechen insbesondere in Europa und in der früheren Konjunkturlokomotive China weiter ein. Europa befindet sich nun mit großer Wahrscheinlichkeit das zweite Quartal in Folge und damit bald auch offiziell in einer Rezession. Die Börsen hatten hingegen einen neuen Aufschwung eingepreist. 6 Monate hält dieser Realitätsverlust nun an. Eine Rally ohne Substanz hat üblicherweise kein langes Leben, auch wenn die lockere Geldpolitik dies eine zeitlang mit der Farbe des lockeren Geldes übertüncht. Das Aufwachen der Börsen dürfte schmerzhaft für viele überinvestierte Anleger werden.

Nicht für Sie, denn wir machen es richtig: Die Trendpositionen sind nur klein und zielen in beide Kursrichtungen. Mit Siemens und EON hatten wir die beiden Aktien mit der größten Aufwärtsperformance auf der Longseite im Depot, während wir mit United Internet, Commerzbank und Klöckner ausgerechnet bei denjenigen Aktien auf fallende Kurse setzten, die keine neuen
Jahreshochs mehr erreichten und mit Schwäche auffielen.

Jürgen Nowacki

Cashquote im Musterdepot steigt auf 72 Prozent

von Jürgen Nowacki (22.03.2012)

Es liegt was in der Luft - aber keiner weiß, genau was kommt. Gold, Euro und die Aktienmärkte zeigen sich im leichten Korrekturmodus, was sich aber binnen weniger Minuten ändern kann. Es scheint, als ob die Märkte auf diesem Niveau ihr Gleichgewicht und ihre fairen Preise gefunden hätten. Verändert sich eine von den drei Komponenten (Rohstoff-Renten und Devisenmärkte), so schlagen die Märkte Alarm. Was so gar nicht ins Bild passen will, ist die niedrige implizite Volatilität der Aktienmärkte. Das ist normalerweise ein gutes Zeichen, denn je niedriger die Vola, desto besser sind die Chancen auf einen steigenden Aktienmarkt. Ich werde Ihnen das in der Rubrik Schwerpunkthema näher erläutern. Andererseits haben wir in der Volatilität bereits ein sehr niedriges Niveau erreicht, was durch schlechte Nachrichten aus Politik und Wirtschaft schnell korrigiert werden könnte.

23 Prozent Gewinn mit Bankaktien und -Optionen realisiert

Diesem Ordnungsprinzip der Korrelation zwischen Aktienmarkt und Gold folgend, müsste der Euro eigentlich stärker und der US-Dollar schwächer werden. Das würde den US-Export und damit die Aktien der Wall Street begünstigen. Danach, lieber Leser sieht es aber nicht aus, im Gegenteil: Die Indikatoren signalisieren eine zunehmende Euro- Schwäche.

Aber kommen wir zurück zum Aktienmarkt. In Folge der Euroverkaufssignale habe ich mich gestern von der ETF-Position -Solactive Autosektor- und heute von Bankaktien/-Optionen getrennt und somit das Sicherheitspolster (Cashquote) im Musterdepot auf 72 Prozent erhöht. Es kann sein, dass ich damit etwas voreilig war, aber sicher ist sicher.

Henrik Voigt

Alles hängt an einer Aktie

von Henrik Voigt (20.03.2012)

 

Sie fragen sich vielleicht auch, warum die Börsen seit Jahresbeginn derart stark zugelegt haben. An den Wirtschaftsdaten kann es wohl nicht gelegen haben. Die USA sehen bestenfalls eine moderate Gegenreaktion auf den Abschwung des vergangenen Jahres. Und die stehen noch am besten da. Europa schlittert dagegen immer tiefer in die Rezession – kein Wunder, Sparen macht eben nicht fett. Aber auch das Wachstum der einzigen „Musterknaben“, nämlich der Schwellenländer, enttäuscht immer mehr. Fällt dieser Hauptmotor der Weltwirtschaft aus, dann dürften die hochverschuldeten und zum Sparen gezwungenen alten Industrienationen wohl kaum in der Lage sein, eine Abschwächung der bisher sicheren Boomregionen aufzufangen. Sie würden stattdessen doppelt hart getroffen.

Stimmung euphorisch, Lage naja, Aussichten trüb

Dennoch übt sich die Analystenschar angesichts der munter weiter steigenden Aktienkurse in blendendem Optimismus, dabei sehen wir längst die typischen Anzeichen einer Blasenbildung an den Märkten (extreme Euphorie, Einbruch der Marktbreite, Abkoppelung von der fundamentalen Entwicklung). Man empfiehlt schnell noch spät prozyklisch ein paar Aktien hinzu, um nicht den gesunden Aufschwung mit einer vermutlich dicken runden Null vor dem Komma zu verpassen. Immerhin könnte all das frisch gedruckte Geld ja am Ende doch für eine schöne Scheinblüte sorgen.

Ich gehe eher davon aus, dass wir im Laufe des Jahres verstärkt konjunkturelle Enttäuschungen anstelle eines herbeigedruckten Aufschwunges sehen werden. Der Ölpreis hat wieder ein typisches „Schockniveau“ erreicht und dürfte das zarte Erholungspflänzchen seit dem vergangenen Herbst bereits munter wieder abwürgen. Wie schon 2008 und 2011. Das renommierte ECRI-Institut aus den USA hält sicher nicht zufällig seit Monaten weiter an seinem "Recession Call" für die amerikanische Wirtschaft in diesem Jahr fest (und die haben einen guten Ruf zu verlieren, wenn sie falsch liegen). Was die Aktienbörsen aber nicht daran hindern dürfte, noch ein paar Wochen oder Monate weiter die aktuelle zweite Krise nach der aus 2008 klar zu unterschätzen. Auch Gier kann hartnäckig sein.

Eine einzige Aktie schießt den Vogel ab

Nicht ganz unschuldig daran ist die Euphorie um eine einzige Aktie: Apple. Das zweifellos über viele Jahre hinweg sehr erfolgreiche Unternehmen hatte kürzlich die magische Schwelle von 500 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung erreicht und ist jetzt ein besonders marktbestimmendes Indexschwergewicht. Allein der in den letzten Wochen fast senkrechte Anstieg dieser einen Aktie dürfte maßgeblich die Performance vieler US-Indizes bestimmt haben. Und er gibt Anlass zur Vorsicht, wie schon in der Vergangenheit bei ähnlichen Ereignissen. Warum und wie sich das auf Ihre Anlagestrategie auswirkt, erfahren Sie in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Jürgen Nowacki

Wir machen Frühjahrputz in den Depots

von Jürgen Nowacki (19.03.2012)


„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche …“, um mit Goethes Dr. Faust zu sprechen: Es wird Frühling - nicht nur in der Natur, auch in der Weltwirtschaft. IWF-Chefin Christine Lagarde hat es jetzt verkündet: „Die Weltwirtschaft steht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht mehr am Rande des Abgrunds.“ Kommt diese Wandlung nicht zu plötzlich? Es ist doch erst einige Wochen her, dass der europäischen Konjunktur eine schwere Rezession prognostizierte wurde. Und jetzt lässt die IWF-Chefin durchblicken, aus der EuroZone und den USA kämen Anzeichen für eine konjunkturelle Stabilisierung. Der Leser, der sich bislang mit seinen Aktienkäufen zurückgehalten hat, fragt sich: Wird hier Stimmung gemacht nach dem Motto Ludwig Erhards, der als Bundeskanzler die Worte prägte „Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie“?

Wie dem auch sein: Der deutsche Leitindex DAX hat in den ersten 72 Handelstagen 21,35 Prozent gewonnen. Unser aggressives Musterdepot liegt mit 13,04 Prozent zwar dahinter, hat aber zusätzlich noch ein Sicherheitspolster von knapp 60 Prozent Liquidität. Und nun stellt sich für viele Leser die Frage, ob sie die richtigen Aktien im Depot haben.

Also, was tun wir mit Hoffnungswerten, die im Nachhinein betrachtet viel zu teuer gekauft wurden? Nachkaufen und verbilligen oder rausnehmen und auf die Aktien setzen, die noch 30 bis 40 Prozent Kursgewinn vor sich haben?

Ich möchte Ihnen dabei helfen und biete Ihnen, an dass Sie mir ihre Hoffnungswerte mit Kaufdatum und Einstandspreis per E-Mail zukommen lassen. Ich werde diese Werte in den nächsten Ausgaben des Target Trader analysieren und besprechen. Allerdings muss ich eine Einschränkung machen: Bitte schicken Sie nur Aktien aus der DAX- und der STOXXFamilie. Da der Taget Trader nur Aktien analysiert, die eine gewisse Marktbreite aufweisen, bitte ich um Verständnis, wenn keine Penny Stocks empfohlen werden.

Natürlich mache ich schon mal eine Ausnahme: Immerhin hatte ich seinerzeit sehr erfolgreich Infinion-Aktien mit 0,80 Euro und 1,00 Euro für die Musterdepots gekauft. Oder ich setze - wie aktuell - schon mal auf einen Turnaround-Wert wie Nokia, der bei 4,00 Euro notiert.

Aber zum einen handelt es sich um gut aufgestellte Unternehmen, die sich in der Restrukturierung befinden, und zum anderen bevorzuge ich Unternehmen, die sich charttechnisch zuverlässig analysieren lassen.

Also: Ich helfe Ihnen beim Frühjahrsputz und beantworte Ihre Anfragen in einer der nächsten Ausgaben des Target Trader. Ist das ein Wort?

Jürgen Nowacki

Bankenstrategie mit 28 Prozent im Plus

von Jürgen Nowacki (15.03.2012)


In dieser sowie in der nächsten Woche werde ich Sie mit einer zusätzlichen aktualisierten Target Trader Ausgabe beliefern. Heute erhalten Sie also die überarbeiteten Charts und Tabellen in Ergänzung zu Ihrer Montagsausgabe für Ihren Depotabgleich.

Wenn Sie sich die Tabelle im Schwerpunkthema -Bankenstrategie- ansehen dann werden Sie fest stellen dass sich hier einiges getan hat. Alle Bankpositionen sind im Plus und haben mit lediglich 4.680,- Euro Kapitaleinsatz Buchgewinne von insgesamt rund 1.300,- Euro oder 28 Prozent in nur 6 Wochen vorzuweisen. Liebe Leser, diesen Buchgewinn jetzt bitte individuell und nach persönlichen Risikokriterien absichern und Stopps nachziehen, nicht versäumen! Kommen wir zu der Frage: Sollten wir jetzt bereits Gewinne mitnehmen?

Hexensabbat hat einen schlechten Ruf

Der Begriff Hexensabbat steht für einen Handelstag an dem nicht nur in den USA sondern weltweit Terminkontrakte und Optionen ihren Verfall erleben. Die Aktienmärkte stehen morgen also ganz im Zeichen des ersten großen Verfalltermins für Aktien-Optionen, Futures-Optionen und Futures (dritter Freitag im März-Juni-September und Dezember). An diesen Tagen ist der Handel weniger berechenbar weshalb sich viele Trader auch bereits einige Zeit vorher (Mittwochabend spätestens aber Donnerstag) aus dem Tagesgeschäft heraus ziehen und die freie Zeit nutzen ihre Logbücher zu führen und sich für ihre Familie etwas Freizeit zu gönnen.

Die US-Analysten Yale und Hirsch sind kürzlich der Frage nach gegangen inwieweit sich der große Verfalltermin positiv oder negativ auf die Börse auswirkt und sie haben folgendes fest gestellt. Der Märzverfalltermin an sich ist nicht bedenklich. In den letzten 29 Jahren (seit 1983) ist der S&P500 am Verfallstag 19 Mal gestiegen. Allerdings sollte auf Schwächesignale in der nächsten Woche geachtet werden. Denn nach einem guten Wochenauftakt, so die Analysten, hat es in der zweiten Wochenhälfte nach dem Hexensabbat im März häufig größere Gewinnmitnahmen gegeben. Ich fasse zusammen: der Verfallstermin März ist unbedenklich aber die Zyklik spricht eher für Gewinnmitnahmen in der letzten März- Woche. Am Montag erhalten Sie bereits die nächste TT-Ausgabe mit einer Schwerpunktanalyse zum Thema Gewinnmitnahmen im März.

Henrik Voigt

Träge wie ein Supertanker

von Henrik Voigt (13.03.2012)


Griechenland ist „gerettet“. In Wahrheit wurden nur 110 Mrd. Euro alte Schulden durch den Schuldenschnitt gestrichen und durch 130 Mrd. Euro neue Schulden aus dem zweiten „Rettungspaket“ ersetzt. Ach ja: Gleichzeitig gab es einen Gläubigerwechsel von den Banken zum Europäischen Steuerzahler. Man könnte durchaus vermuten, dass dieser Gläubigerwechsel das Hauptanliegen dieser Aktion war. Denn am griechischen Schuldenproblem hat sich nicht das Geringste geändert. Die Schulden sind jetzt höher als zuvor, die Wirtschaft schrumpft noch schneller, die Schuld-Zinsen sind noch höher gestiegen (auf jetzt 19 Prozent).

Europa rutscht in die Rezession, Börsen steigen


Auch auf der Konjunkturseite keine guten Nachrichten. Holland, Spanien und Italien sind tiefer in die Rezession gerutscht. Nicht eben kleine Volkswirtschaften. Für die gesamte Eurozone wird für dieses Jahr inzwischen selbst offiziell eine Rezession erwartet. Warum die Aktienkurse in dieser Situation munter weiter steigen, will sich mir beim besten Willen nicht erschließen. Der Herdentrieb ist momentan ganz offensichtlich stärker als der Bezug zur Realität. Ein laufender Trend braucht Zeit bis zu seiner Umkehr, vergleichbar mit einem Supertanker, der auch nicht auf der Stelle wenden kann. Aber das kennen wir ja vom letzten Jahr. Bereits im Februar 2011 gab es die ersten ernsten Warnsignale, dass sich die Konjunktur abkühlen würde. Aber damals stiegen die Börsen munter ein paar Monate weiter, um schließlich nach einer ausgiebigen Toppbildung, bei der vielen Kleinanlegern die Aktien aufs Auge gedrückt wurden, im August einen satten Crash hinzulegen.

Stimmung euphorischer als 2007 – Vorsicht!


Seltsam: Weder der Euro noch die Märkte für die Ausfallprämien Europäischer Staatsanleihen konnten sich nach dem Griechendeal nennenswert erholen. Die Euphorie konzentriert sich allein auf die Aktienmärkte. Insbesondere beim Blick auf die US-Stimmungsindikatoren muss ich annehmen, dass sich dieses Crash-Szenario aus 2011 in diesem Jahr wiederholen wird. Beispielsweise notiert der Bullenanteil bei Market Vane, einem sehr zuverlässigen Kontraindikator, derzeit bei satten 65 Prozent. Das ist mehr als an den wichtigen Topps Anfang 2011 und Mitte 2007 (mehrjähriges Bullenmarkthoch!). Danach gab es jedes Mal einen satten Kurseinbruch oder einen ganzen Bärenmarkt, auch wenn es bis dahin ein paar Wochen, manchmal auch Monate dauern kann. Das jetzt erreichte Kursniveau wird dabei auf jeden Fall deutlich unterboten werden. Immerhin reicht die saisonal günstige Zeit für Aktien noch bis Mitte Mai, das sind also nochetwa 8 Wochen. Spätestens dann dürfte es sehr „haarig“ werden an den Börsen.

Vorsicht ist deshalb vor allem mit großen und langfristig angelegten Aktien-Positionen angebracht. Das ist kein Umfeld für den klassischen Investor, hier bildet sich eine Blase. In dieser Situation fahren Sie weiter mit unserer zweiteiligen Strategie – kurzlaufende, offensive, eng abgesicherte Trendpositionen kombiniert mit langlaufenden, defensiven Seitwärtsstrukturen – nach wie vor am
besten.

Jürgen Nowacki

Technische Analysten werden vorsichtig

von Jürgen Nowacki (12.03.2012)


Am vergangenen Wochenende trafen sich die wichtigsten technischen Analysten (TA-Experten) der mit 1.200 Mitgliedern stärksten Landesorganisation innerhalb der IFTA* - die VTAD (Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands e.V.) - in Frankfurt zu Ihrer 8. Frühjahrskonferenz.

Das Thema lautete: „Angekündigten Krisen finden nicht statt“. Technische Analysten der großen Fondsgesellschaften und Lebensversicherungen, wie Sie sie vom Fernsehen oder den wichtigsten Wirtschaftszeitungen her kennen, äußerten sich hinter verschlossenen Türen über ihre persönliche Markteinschätzung zu Aktien,- Rohstoff,- Zins- und Devisenmärkte für die nächsten Wochen und Monate. Diese Veranstaltung hat Tradition, und die Trefferquote der vergangenen Jahre war exzellent, weshalb ich Ihnen das Fazit an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte. Ohne dass sich die Analysten abgesprochen hätten, kommen sie mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen zu einem Ergebnis, das sich wie folgt auf einen Nenner bringen lässt: Sie sind der Überzeugung, dass wir in den nächsten Wochen vor allem aber im April/Mai die Jahrestiefstände bei DAX und Euro sehen werden. Der weitere Jahresausblick ist dann wieder positiv. Aber vor allem die nächsten Wochen dürften schwierig werden, und es ist angeraten, erhöhte Vorsicht im Umgang mit gehebelten Derivaten oder hohen Aktienbeständen walten zu lassen.

Privatanleger- und Expertenmeinungen

Wenn ich Ihre Leserbriefe Revue passieren lasse, in denen Sie mir Ihre Markteinschätzung offenlegen, dann deckt sich Ihre Einschätzung mit der Meinung aus dem Expertengremium der technischen Analysten der VTAD. Solch eine hohe Übereinstimmung ist selten und muss besonders hervorgehoben werden.

Im Aktiensektor, so werden Sie heute feststellen, habe ich mich von einigen Positionen per Stop-Loss getrennt. Die Cashquote hat sich damit erhöht und schafft uns die Möglichkeit des Neueinstiegs, sobald die Aktienkurse korrigiert haben. Im aggressiven Depot nehme ich heute eine Standortbestimmung vor und erläutere Ihnen, wie ich mit den Turnaround- Werten weiterarbeiten werde. Schwerpunkt in dieser Ausgabe ist außerdem eine Analyse und Überprüfung der Bankenstrategie - auflösen oder halten?

Meine Datenbank platzte aus den Nähten, und eine Erweiterung wurde dringend notwendig. Diese ist nun abgeschlossen. Heute kann ich Ihnen also wieder Zahlen für die Depotbewertungen liefern. Sie werden sehen, dass wir mit der Vermögensverwaltung in den Depots für das 1. Quartal einen guten Start hatten. Jetzt geht es darum, eine gute Ausgangsposition für das zweite Quartal vorzubereiten. Auch wenn es uns Performance kosten wird, so erhöhe ich das Sicherheitspolster und sichere verbleibende Positionen aggressiver ab, als Sie es vielleicht gewohnt sind. Aber ich erinnere noch einmal an die Zielsetzung unserer Depotführung: „Komfortabel und ohne Stress die Chancen nutzen und das Erreichte bewahren.“

-Die Spur der Wölfe-

Die wöchentlichen COT-Daten, also die Positionierung der Hedgefonds, Großanleger und Kleinanleger in den Futuresmärkten, geben oft Aufschluss, wie sich die Kapitalströme der Investoren und Spekulanten entwickeln. Diese Daten sind aber nicht immer einfach zu vermitteln. Ab heute, liebe Leser, werden Sie in meinen Analysen Hinweise zur Positionierung der großen Spekulanten (Spur der Wölfe) und kleinen Anleger finden. Schreiben Sie mir doch, wie Sie damit zurecht kommen und ob ich das für Sie weiter entwickeln soll.

Jürgen Nowacki

Wie man Bankkunden zurückgewinnt

von Jürgen Nowacki (08.03.2012)

 

Unsere Bankenstrategie, wie ich Sie Ihnen am 26. Januar vorgestellt habe, kommt besser voran als der DAX. Die Commerzbank-Aktie ist zwar wieder unter 2 Euro gefallen, gut, aber die Strategie des Vorstands ist genau der richtige Weg: Er will jetzt das Kernkapital der Bank noch einmal durch ein Rückkaufprogramm von Hybridanleihen um 776 Mio. erhöhen und damit das Vertrauen in die Bank stärken. In Verbindung mit einem zusätzlichen Mitarbeiter-Anreizmodell, bei dem die Kundenzufriedenheit im Mittelpunkt der Bonifikation steht, wird diese Bank schneller mit positiven Nachrichten in das Bewusstsein der Börsianer zurückkehren, als manchem Wettbewerber recht sein wird.

Turnaround-Strategie mit Esprit trägt erste Früchte

Ich habe Ihnen die Commerzbank-Aktie bereits seit längerer Zeit wärmstens empfohlen. Es hat zwar etwas länger gedauert, bis sich der Kurs erholt hat, aber das ist bei einer Spekulation auf Turnaround-Werte nichts Ungewöhnliches. Dafür aber winken hier Aktienkursgewinne, die auf klugen Managemententscheidungen beruhen, und für Sie als Anleger Schritt für Schritt nachvollziehbar sind. Warum ich der Meinung bin, dass es hier noch viel zu holen gibt, erläutere ich Ihnen in der Rubrik DAX und Dow. Hier werde ich noch einmal auf meine Bankenstrategie eingehen. Neuen Lesern antworte ich auf die Frage, ob es sich jetzt noch lohnt einzusteigen.

Im Japanischen Yen haben Sie zum Höchstkurs Ihre Optionen verkauft. Gratulation! In der Rubrik Devisen und Rohstoffe erläutere ich Ihnen, wie sich der Devisenmarkt jetzt weiter entwickeln dürfte, Sie werden überrascht sein.

Henrik Voigt

EZB verkalkuliert sich

von Henrik Voigt (06.03.2012)


Mit dem neuen EZB-Tender in der vergangenen Woche hat die Europäische Zentralbank (EZB) unter Führung des Italieners Mario Draghi noch einmal die große Bazooka herausgeholt und ihre Munition auf insgesamt 1 Billion Euro(!) erhöht. Die Rechnung dahinter ist einfach: Da der EZB die direkte Staaten-Finanzierung verboten ist, werden die Banken mit besonders billigen Krediten über den Tender ausgestattet. Sie sollen davon bitteschön Staatsanleihen kaufen und dadurch mithelfen, die Zinsen auf einem erträglichen Niveau zu halten. Bisher hat das auch recht gut funktioniert – die italienischen und spanischen Anleihe-Zinsen sind tatsächlich deutlich zurückgekommen.

Banken parken Gelder lieber bei der EZB


Jetzt zeigt sich allerdings, dass die Banken das Geld lieber kurzfristig und völlig risikolos bei der EZB selbst anlegen. Insgesamt 820 Milliarden Euro haben die Geldhäuser am Freitag dort hinterlegt – also über 80 Prozent der über den Tender verliehenen Mittel. Offenbar sind die niedrigeren aber sicheren Zinsen bei der EZB inzwischen verlockender als das riskantere Geschäft mit den Staatsanleihen. Wenn dieses (an sich rationale) Verhalten der Banken allerdings anhält, dann kommt die Liquiditätsflut der Zentralbank erst gar nicht im Markt an. Und dann werden die Zinsen für die Anleihen der Krisenstaaten bald wieder drastisch steigen (so wie es die Ausfallprämien dafür seit Monaten munter weiter tun).

Und seit der vergangenen Woche gibt es einen weiteren triftigen Grund für Anleger, Staatsanleihen nicht mehr anzurühren. Der Bankenverband ISDA hatte am letzten Donnerstag entschieden, dass Griechenland kein „Credit Event“ darstellt und dass die dafür abgeschlossenen CDS-Ausfallversicherungen somit nicht fällig werden. Und das, obwohl es mit dem Schuldenschnitt einen (teilweisen) Zahlungsausfall in großem Stil gibt. Letztlich zeigt dieses Vorgehen dem Markt, das CDS-Ausfallversicherungen für Staatsanleihen offenbar das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden. Damit ist eine Absicherung gegen einen Zahlungsausfall bei Staatsanleihen aber nicht mehr möglich. Und das wiederum dürfte der Grundstein dafür sein, dass die meisten Großanleger keine Staatsanleihen mehr kaufen werden. Dann hätte die EZB ein neues Problem, welches sich auch mit neuer Liquidität nicht mehr lösen lässt.

Aktienrally stockt bereits

Vielleicht dämmert es ja bereits einigen Investoren und sie nehmen deshalb Geld vom Tisch. Die naive Rally an den Aktienbörsen, die ihre Nahrung mehr im Mangel an Anlage-Alternativen und im Herdentrieb fand als in fundierten Investmententscheidungen, stockt ja bereits seit über vier Wochen. Ob das der Auftakt für eine große Korrektur wird? Inzwischen sind die Finanzmärkte schwer kalkulierbar geworden, auch deshalb, weil die Manipulationen und „Absprachen“ zunehmen. In dieser Situation fahren Sie mit unserer zweiteiligen Strategie – kurzlaufende, offensive, eng abgesicherte Trendpositionen kombiniert mit langlaufenden, defensiven Seitwärtsstrukturen – nach wie vor am besten.

Henrik Voigt

Was hat der Bär drauf?

von Henrik Voigt (28.02.2012)


Es gehört wahrscheinlich zu den üblichen Kuriositäten an der Börse, dass die DAX-Korrektur der vergangenen Woche genau an dem Tag begann, als offiziell die Rettung Griechenlands verkündet wurde. Auch die kräftigen Kurseinbrüche im Juli und Oktober 2011 starteten just zu dem Zeitpunkt, als von der Politik wieder einmal eine „endgültige“ Problemlösung verkündet wurde. Die Märkte schienen da wohl anderer Meinung zu sein.

Crashmonat März?

Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich dieses Spiel im Verlauf erneut wiederholt. Überschäumender Börsenoptimismus und haufenweise offene Baustellen an der Schuldenfront vertragen sich üblicherweise nicht sehr lange. Inzwischen hat sich erhebliches Überraschungspotenzial auf der Unterseite angestaut. Auch die technischen Warnsignale (wie abnehmende Marktbreite, Short-Engagement der Profis etc.) nehmen zu. Es würde mich nicht wundern, wenn wieder einmal „ganz plötzlich“ alle Dämme brechen, wie etwa letztes Jahr im März. Der März ist häufig prädestiniert für solche Bewegungen. Sei es, durch einen Putsch in Griechenland, durch einen Krieg mit dem Iran oder ein anderes Ereignis, mit dem derzeit keiner wirklich rechnet. Allein der Blick auf die Preise an der Zapfsäule ist hier aber schon sehr aufschlussreich, denn Rohstoffmärkte sind häufig näher an der Realität als die Aktienbörsen. Bleiben Sie also weiter auf der Hut mit langfristigen Positionen.

Bisher ist an den Akitenmärkten noch kein großer Verkaufsdruck spürbar, so dass es sich lohnt, kurzfristig für beide Kursrichtungen offen zu bleiben. Überhaupt dürfte es sich in den nächsten Tagen und evtl. Wochen als klug erweisen, eher auf kurzfristige Bewegungen zu setzen. Denn die wirklich großen Muster an den Börsen, die dann für entsprechend lang anhaltende Bewegungen sorgen, dürften noch eine Weile brauchen, bis sie fertig sind (die angesprochenen Extremereignisse ausgenommen). Je länger diese Muster allerdings brauchen, umso mächtiger werden die anschließenden Kursbewegungen sein. Aber das kennen Sie ja vielleicht noch vom letzten Jahr.

Trendpositionen im kurzfristigen Zeitrahmen lohnend

Mit den letzten Trendpositionen spielen wir dieses kurzfristige Spiel wieder erfolgreich mit. Der 300-Prozenter auf den DAX (long) war ein guter Start. Wir haben diesen heute früh wieder aufgestockt, mit guten Chancen auf weitere Gewinne. Aber auch der Short auf Solarworld hat sich in den wenigen Tagen seit Empfehlung mit einem Plus von fast 500 € sehr gut entwickelt, nachdem die Solarförderung wieder „ganz überraschend“ gekürzt werden soll. Hier haben wir zwischenzeitlich die Gewinne einmal mitgenommen und steigen später günstiger erneut ein. Gut für unser Depot. Schlecht für diejenigen Kleinanleger, die den Verheißungen mancher
Börsenbriefe auf den Leim gegangen sind, dass mit Solaraktien wieder das große Geld zu holen sei. Das stimmt auf längere Sicht wohl höchstens für die Shortseite, wenn Sie sich die Charts der meisten Solaraktien einmal auf längere Sicht anschauen.

Aber auch unsere Seitwärtsstrukturen konnten seit der letzten Ausgabe von DAX Profits vor einer Woche wieder sehr schön zulegen. Gerade in Korrekturphasen wie jetzt, wo allmählich wieder etwas mehr Realitätssinn an den Märkten einkehrt, zeigt sich deren Potenzial. Ich habe hier bewusst auf die Outperformance fundamental und technisch starker Aktien gesetzt und gleichzeitig
Spekulationen auf die Underperformance problematischer Unternehmen beigemischt. Auf Sicht mehrerer Monate geht diese Rechnung tatsächlich auf. Und so hat das Musterdepot im Vergleich zur Vorwoche satte 1300 € zugelegt, obwohl sich beim DAX unter dem Strich nicht viel getan hat.

Wie es an den Märkten weitergeht, zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Henrik Voigt

Realitätsverlust wie selten

von Henrik Voigt (21.02.2012)


Die Märkte scheinen stur eine „Rettung“ Griechenlands vor dem baldigen Staatsbankrott einzupreisen und sich von allen anderen Realitäten abzukoppeln. Immer mehr Euroländer fallen in die Rezession und dürften damit noch größere Probleme bekommen, ihre in diesem Jahr fälligen Staatsschulden zu bedienen. Ihr Wachstum leidet nicht nur durch die verordneten Sparprogramme. Nein, auch der Ölpreis hat inzwischen Notierungen erreicht, die als stark rezessionsauslösend gewertet werden müssen. Wie bereits im vergangenen Jahr. Dieses Risiko wird – wie so Vieles – am Markt derzeit völlig ausgeblendet.

Inzwischen ist auch das deutsche Wirtschaftswachstum im negativen Bereich angekommen (-0,2 Prozent im abgelaufenen Quartal) – wie zuletzt Mitte 2008, als die Finanzkrise gerade so richtig Fahrt aufnahm und die Anleger während der ersten Erholungsrally noch glaubten, das Schlimmste bereits nach ein paar Monaten überstanden zu haben. Es ist immer wieder erstaunlich, wie kurz das Gedächtnis vieler Marktakteure doch ist.

Hinter den Kulissen brodelt es bereits

Inzwischen nehmen die bereits rekordverdächtigen Insiderverkäufe vor allem an den US-Leitbörsen weiter zu. Zusätzlich stieg das Credit Suisse Barometer für ein „Black Swan Ereignis“ (also ein unvorhersehbares Extrem-Ereignis, welches u.a. einen Börsencrash auslösen kann) auf einen neuen Höchststand. Ähnliche Notierungen erreichte der Index Mitte 2007 und Mitte 2011 - also zu Zeitpunkten, die nur wenige Wochen vor dem Beginn eines Bärenmarktes mit nachfolgendem crashartigen Kursverfall lagen.

Zählen wir Eins und Eins zusammen, dann paaren sich extreme Sorglosigkeit an den Börsen mit einer explosiven Nachrichtenlage und sich ausweitenden Insiderverkäufen. Und genau das sind die perfekten Zutaten für einen heftigen Kurseinbruch. Nein, das ist kein gesunder Bullenmarkt, sondern hier haben wir die Zutaten für eine Wiederholung der Ereignisse aus dem vergangenen Jahr. Wann genau diese eintreten werden, lässt sich allerdings nicht vorhersagen. Der Überraschungseffekt ist ja ein wichtiger Bestandteil dieser Mechanismen. Und so sollten Sie immer im Hinterkopf behalten, dass auch eine extreme Situation munter noch extremer werden kann. Im vergangenen Jahr gab es einen kräftigen Warnschuss im März und den eigentlichen Crash erst im August. Nicht auszuschließen, dass es sich genauso wiederholt.

Crash wohl auch in diesem Jahr – Sie sind gerüstet

In dieser Situation sind zwei Strategien erfolgversprechend. Zum einen sind Seitwärtsstrukturen lohnend, die bei heftigen, aber nicht nachhaltigen Kursbewegungen Seitwärtsrendite anhäufen und von Kursausschlägen unabhängiger machen. Zum anderen lohnen sich hoch gehebelte Engagements, mit denen Sie nur kurzzeitig und mit wenig Kapital im Markt stehen, wo Sie Ihre Gewinne nach wenigen Tagen direkt wieder mitnehmen und kleinere Restpositionen auf Einstandskurs abgesichert weiterlaufen lassen. Mit diesen beiden Strategien agiere ich seit einigen Monaten in DAX Profits, wobei ich insbesondere die letztgenannte Strategie jetzt stärker anwende, da sich dafür jetzt bessere Einstiegsmöglichkeiten ergeben. Teil dieser Strategie war beispielsweise auch unser hochgehebeltes DAX-Zertifikat, welches seit vergangenem Freitag zwischenzeitlich fast 700 Prozent Gewinn angehäuft hat und wo wir bald den Stopp für weitere Teilgewinnmitnahmen nachziehen können.

Aber das Beste kommt noch: Vor allem, wenn die Märkte in den nächsten Wochen zeigen werden, dass Börse keine Einbahnstraße ist, wird sich diese Strategie erst Recht auszahlen und vor allem den Seitwärtsstrukturen zu größeren Gewinnen verhelfen. Mit den passenden Hebelscheinen lässt sich dann noch eine hübsche Rendite obendrauf packen. Aber Sie müssen unter Umständen schnell und sehr beherzt agieren, wenn entsprechende Meldungen von mir kommen.

Jürgen Nowacki

US-Börsenzeitung BARRON’s titelt „ Dow Jones 15.000“! Für uns ein Warnsignal?

von Jürgen Nowacki (15.02.2012)

 

BARRON’s kommt aus dem Verlag des Wall Street Journal und ist als wöchentliche Börsenpostille so etwas wie die Bild Zeitung der Wall Street. Es wäre ein Fehler, dieses Blatt zu ignorieren, denn was auf der ersten Seite steht, spiegelt die Meinung und Befindlichkeit der breiten Anlegerschaft wider. Und die liegt, wie sich immer wieder zeigt, früher oder später schief. Ich kann mich noch gut erinnern, als im März 2000 BARRON’s (sinngemäß) titelte: „Internetfirmen Millionengräber?“ Sie können sich vorstellen, was dann passierte. Das war das Totenglöckchen für blutleere Unternehmenskonzepte. Der Hype für Internetfirmen war innerhalb von Stunden vorbei. Deutschlands Neuer Markt wurde einige Monate später zu Grabe getragen. Wegen dieser und ähnlicher Marktbeobachtungen achten viele Analysten, was die Markterwartungen in der Masse widerspiegelt. Die Frage der Woche lautet also: Kann sich der Optimismus für die Wall Street noch steigern? Wir gehen heute in der Rubrik DAX und Dow Outlook der Frage nach, ob Sie diesen Kontraindikator ernst nehmen müssen.

Der Euro kann sich trotz gewalttätiger Demonstranten in Athen wacker halten. Italien und Frankreich finanzieren sich bei sinkenden Risikoaufschlägen komfortabel. Und institutionelle Anleger bauen langsam ihre Netto-Short-Positionen auf den Euro ab. Trotzdem kommt kein Drive oder, wie Börsianer sagen, Momentum in den Markt. Gute News drohen bei einem Euro zwischen 1,3100 und 1,3180 zu verpuffen. Ich sage sage Ihnen in dieser Ausgabe, wie es mit Euro und Gold weitergeht. Wie lassen sich die Argumente, die für renditehaltige Immobilien sprechen, und die tatsächliche Verfügbarkeit Ihres Investments auf einen Nenner bringen? Im heutigen Schwerpunkthema REITs zeige ich Ihnen, wie Sie auf eine Bruttodividende von 5,6 Prozent und einen prognostizierten Kursgewinn von 26 Prozent kommen.

Henrik Voigt

Bären laufen sich warm

von Henrik Voigt (14.02.2012)

 

Griechenland hat gestern dem neuen Sparpaket zugestimmt, das als Voraussetzung für ein zweites Rettungspaket der EU gilt. Damit ist das leidige Thema allerdings noch nicht vom Tisch, denn Griechenland erlebt nun einen beispiellosen Aufstand der Bevölkerung, die teilweise um ihre Existenz kämpft. Auch die tatsächliche Umsetzung der Sparzusagen nach den Neuwahlen im April ist längst nicht sicher. Jahrzehntelang wuchernde Missstände lassen sich nun einmal nicht mit einem Federstrich beheben. Derart drastische Sparpakete schüren eher die Zwietracht innerhalb der Europäischen Union. Und sie würgen jegliches Wachstum ab. Das zweite griechische Sparpaket wird deshalb im Ergebnis genauso dürftig ausfallen wie das erste im April 2010. Weitere werden folgen, ein Fass ohne Boden.

Aussichten schlecht, Börsenstimmung bombig

Ähnlich sieht es auch der legendäre Groß-Investor George Soros. Er glaubt, dass Europa nicht mehr wachse, die Schulden zu hoch seien und auch die Banken in der Krise verharren (kleine Anmerkung: da steht Europa allerdings nicht allein). Die Zeit des Stillstands könne sogar länger dauern, Europa gar in ein verlorenes Jahrzehnt schlittern. Soros: „Dies wird Spannungen innerhalb der Europäischen Union erzeugen, welche die EU zerstören können. Und das ist eine reale Gefahr.“ Das Hilfspaket für Griechenland sieht er skeptisch: Damit würde sich die EU nur weitere sechs Monate kaufen, „um Griechenland stillzuhalten“. Griechenland befinde sich in einer „kranken Situation“, ausgelöst durch den „falschen Umgang der europäischen Autoritäten mit dem Problem“. Die EU, einst ein „erstrebenswertes Projekt“, sei für viele mehr zu einer Bedrohung geworden.

Während ich Soros wegen seinen oft zutreffenden Einschätzungen als Realisten bezeichnen würde, sind in den letzten Wochen bekannte „Perma-Bären“ (Dauerpessimisten) ins Bullenlager gewechselt. Das letzte Mal, als wir ein solches Ereignis beobachten konnten (April 2011: Star-Ökonom David Rosenberg wird bullisch), stand der Markt unmittelbar vor seinem letzten Hoch. Vor wenigen Tagen nun wechselte der für seine düsteren Aussichten bekannte prominente Ökonom Nouriel Roubini die Seiten und empfahl seinen Anlegern die Übergewichtung von Technologieaktien. Solche Empfehlungen von Perma-Bären taugten in der Vergangenheit meist gut als Kontraindikatoren, weil ihre bekanntesten Vertreter zwar fundamental langfristig richtig liegen, aber ein wirklich lausiges Timing besitzen. Allzu weit dürften die Börsen nach oben nun nicht mehr kommen.

Seltene Häufung von Kontraindikatoren

Aber es ist nicht nur dieser eine Kontraindikator. Es sind sämtliche Stimmungsindikatoren an den Börsen, die nun inzwischen fast alle versammelt auf „extrem optimistisch“ stehen. Es ist auch das Titelblatt der jüngsten Ausgabe des US-Anlegermagazins Barron`s, das mit einem Dow Jones-Kursziel von 15000 Punkten lockt. Hinzu gesellen sich noch rekordverdächtig hohe Insiderverkäufe an den US-Börsen. Unternehmenschefs und Großanleger flüchten zurzeit regelrecht aus dem USMarkt. Und die müssen es schließlich wissen. Zudem knicken immer mehr Vorläuferindikatoren ein. Ein Toppbildungsprozess dürfte bereits laufen. Kurzum: Die Börsen sind stimmungstechnisch reif für einen kräftigen Einbruch, vielleicht sogar für ein finales Erholungshoch.

Sie aber braucht das alles nicht zu stören. Wenn Sie sich mit Ihrer Depotstruktur am DAX-Profits- Musterdepot orientieren, dann wird gerade dieser bevorstehende Einbruch für kräftige Kursgewinne in Ihrem Depot sorgen. Und womöglich für einen ganz neuen, frischen Trend sorgen, der noch profitabler sein kann. Gerade Neuleser fragen sich bestimmt, was sie jetzt aus dem Musterdepot kaufen sollen. Für Sie habe ich einen besonderen Tipp in der Rubrik „Leserfrage der Woche“.

Jürgen Nowacki

Ist es mit dem Konsumrausch in Deutschland bald vorbei?

von Jürgen Nowacki (09.02.2012)


Griechenland und sein zweites Hilfspaket in Höhe von 130 Mrd. Euro sowie der Schuldenschnitt bestimmen die Titelseiten der Printmedien, und füllen seit Tagen die endlosen Nachrichtenschleifen der Fernsehsender. Aber was passiert mit dem Euro, wenn auch der Schuldenschnitt endlich unter Dach und Fach ist? Wird er steigen? Und müsste jetzt in den Euro spekulativ investiert werden?

Die Schuldenprobleme – und darüber herrscht ein breiter Konsens unter den Analysten – sind deshalb noch lange nicht vom Tisch, sie werden sich vielmehr ausweiten und auch Musterknaben wie Deutschland erfassen. Denn die negativen Nachrichten kommen erst noch, zum Beispiel dass die Belastungen für deutsche Steuerzahler in die Milliarden gehen werden. Entsprechend des Verteilungsschlüssels (Deutschland hat einen Anteil von 27 Prozent an der Europäischen Zentralbank EZB) entfallen bei einem EZB-Schuldenerlass Griechenlands von 10 Mrd. Euro 2,7 Mrd. Euro außerplanmäßig auf Deutschland. Hinzu kommen 22 Milliarden für den Rettungsschirm ESM, sofern es bei 500 Mrd. Euro Gesamtvolumen bleibt. Aber Sie wissen: Es ist bereits im Gespräch, den Fonds auf 1 Billion aufzustocken, was die Beteiligung Deutschlands auf 44 Mrd. Euro in Cash verdoppeln würde.

Die EZB bittet den Steuerzahler zur Kasse

Die EZB wird aber keine Gewinne machen und die Verluste im Handel mit notleidenden Rentenpapieren ausgleichen können. Darüber besteht kein Zweifel. Die Zeiten, in denen die Bundesbank jährlich zwischen 5 Mrd. und 7 Mrd. DM an den Finanzminister überweisen konnte, sind endgültig vorbei.

Der Konsumrausch im deutschen Einzelhandel dürfte insbesondere dann vorbei sein, wenn den Wählerinnen und Wählern bewusst wird, dass Deutschland selbst in Jahren mit sehr hohen Steuereinnahmen weitere Schulden angehäuft hat. Damit wird die persönliche Vorsorge wieder stärker in Vordergrund rücken. Und wenn es bei steigenden Steuern und Abgaben die unweigerlich kommen müssen möglich ist, wird die Sparquote zulasten des Konsums wieder steigen. Warum ich so schwarz sehe, werden Sie vielleicht fragen?

Nun, ich versuche realistisch zu bleiben – und auch wenn wir die nächsten Wochen noch eine gute Börse haben sollten, wovon ich überzeugt bin, gibt es keinen Anlass für Euphorie. Die deutsche Bevölkerung wird merken und lernen, was es heißt, Wahlversprechungen auf Kosten der Steuerzahler zu machen. Und sie wird verstehen, welche politischen Fehler gemacht wurden, wenn in guten Zeiten wie in 2011 trotz gigantischer Steuermehreinnahmen die Neuverschuldung um 17 ,3 Mrd. Euro ausgeweitet wurde.

Für uns bedeutet das: Der Euro bleibt im Abwärtstrend! Ich erwarte lediglich eine technische Reaktion, bei der wir täglich sehr genau hinsehen müssen, wie weit diese Zwischenerholung gehen kann. Wird sie uns nur wenige Stunden oder zwei bis drei Wochen erhalten bleiben? Ich werde das Thema für Sie heute in der Rubrik Devisen und Rohstoffe vertiefen.

Henrik Voigt

„Dieser Markt fällt nie mehr“

von Henrik Voigt (07.02.2012)


Die starken Zugewinne der Börsen im Januar machen viele Analysten ratlos. Oder euphorisch. Zitat aus einer Analyse: „…dieser Börsenweisheit gemäß kann es mit den Aktien eigentlich nur noch ununterbrochen weiter nach oben gehen.“ Solche Kommentare sind mir noch gut aus dem März 2000 in Erinnerung. Was danach kam, dürften Sie wissen.

Wieder einmal wird der Glaube an die Allmacht der Zentralbanken bemüht. Wie schon im vergangenen Jahr. Damals glaubte nahezu jeder Anleger, dass die US-Notenbank mit ihrer Liquiditätsflutung via QE 2 für immer währendes Wachstum und stetig steigende Aktienkurse sorgen könnte. Das hat sich allerdings als schmerzhafter Irrtum erwiesen. Die Konjunkturdaten brachen im vergangenen Jahr bereits lange vor dem Ende der Liquiditätsflut wieder ein. Das Auslaufen dieser Maßnahme gab den Börsen dann den Rest – und den zweiten Crash des Jahres.

Glaube und Hoffnung treiben die Kurse


Heute wieder ein ähnliches Bild in der Massenmeinung: „Die Notenbanken haben alles im Griff, dass Wachstum springt wieder an, Inflation kommt, Absicherung brauchen wir nicht mehr, die Kurse steigen ewig weiter.“ Jetzt soll die Europäische Zentralbank der Heilsbringer mit ihren unbegrenzten Krediten an die Banken sein. Und auch dies wird auf Dauer nicht funktionieren. Denn sonst bräuchten wir alle nie mehr arbeiten gehen und könnten einfach nur immer neues Geld drucken. Ein Überschuldungsproblem wird durch neue Kredite nicht gelöst, sondern verschärft. So, als würden Sie Feuer mit Benzin löschen wollen.

Eine Nebenwirkung haben die Manipulationen der Notenbanken bereits. In den letzten beiden Jahren ist der Börsenoptimismus in jeder Rally größer geworden, damit aber auch die anschließenden Korrekturen. Unter dem Strichkommen die Kurse immer weniger vom Fleck. Einen DAX auf aktuellem Niveau gab es auch vor einem Jahr schon. Der Mittelkurs der letzten Monate bei 6000 Punkten wurde auch schon vor zwei Jahren erreicht. Die Schwankungen werden heftiger. Extremereignisse wie Crashs (2010 einer, 2011 schon zwei) nehmen dabei zu, auch die Konjunkturzyklen werden kürzer und volatiler.

Was gibt es denn zu feiern?

Zurzeit fragt man sich wirklich, was die Börsen denn feiern. In Europa befinden sich Griechenland, Portugal und seit neuestem Belgien in einer Rezession. Spanien, Italien und Großbritannien stehen kurz davor – nicht eben kleine Volkswirtschaften. Viele Analysten gehen momentan davon aus, dass diese Rezessionen nur kurz und mild verlaufen. Aber wie soll das denn gehen? Die durch den Fiskalpakt verordneten Sparpakete wirken als großer Wachstumshemmer. Und andere Volkswirtschaften fallen als Wachstumslokomotive weitgehend aus. Deutschland exportiert mehr als es importiert. China hat eigene Wachstumsprobleme. Und die USA werden nach der x-ten Haushaltssperre in diesem Jahr selbst sparen und damit Ausgaben kürzen müssen. Viele der jüngsten amerikanischen Wirtschaftsräten und Unternehmensergebnisse waren zudem eine Enttäuschung.

Es ist natürlich logisch, dass vor wichtigen Wahlen – immerhin 40 weltweit in diesem Jahr - gute Stimmung in den Massenmedien verbreitet wird. Politiker wollen wiedergewählt werden und sich als große Heilsbringer darstellen. Allerdings wurde nicht eines der Probleme aus dem vergangenen Jahr gelöst.

Dass die Börsen in dieser Situation jetzt an größeren charttechnischen Ausbrüchen nach oben basteln, macht die Situation nicht einfacher. Kurzfristig könnte neues Kapital technisch orientierter Anleger in die Märkte gezogen werden. Im weiteren jahresverlauf dürfte die teilweise extrem euphorische Stimmung dann jeder Aufwärtsbewegung den Todesstoß versetzen. Oder zumindest für eine sehr drastische Korrektur sorgen.

Die Ausgangslage ist damit ähnlich wie vor einem Jahr: Ein charttechisch viel versprechendes Bild wird durch eine viel zu optimistische Anlegerschaft gefährdet, die sich viel zu schnell wieder in der Hoffnung auf einen neuen Bullenmarkt positioniert hat. Im Zweifel sind jedoch die Stimmungsdaten für das mittelfristige Potenzial wichtiger. Das dürfte spätestens das vergangene Jahr gelehrt haben. Diese Indikatoren sind auf Sicht von 1 bis 3 Monaten ein sehr guter Kontraindikation, wenn auch aufgrund ihres zeitlichen Vorlaufes zum unmittelbaren Positionstiming weniger geeignet. Zur Vorsicht mit in den Himmel schießenden Kurszielen mahnen sie dennoch. Derartige Extremstände erreichen die Märkte normalerweise nur in der Nähe langfristiger Hochpunkte.

Auch die Übertreibung nach oben wird korrigiert werden

Zusätzlich beginnt Anfang Februar eine bärische Saisonalität, die bis in den März reicht. Zeit für eine kalte Dusche. Heftige Korrekturen (teilweise auch Crashs) scheinen allmählich ganz normal zu werden. Wir bleiben deshalb sicherheitshalber weiter in Cash und Seitwärtsstrukturen investiert und bauen diese zu einem günstigen Zeitpunkt weiter aus. Die Longseite spielen wir lediglich mit kurzfristig angelegten Trades, die sich eng absichern lassen und bei denen zügig Gewinne mitgenommen werden können. Nur, um die jüngsten Ausbrüche nicht ungenutzt zu lassen. Damit werden sich die nächsten Wochen gut meistern lassen. Egal, was da kommt.

Wie es an den Märkten weitergeht, das zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Jürgen Nowacki

Der DAX macht seine Sache gut

von Jürgen Nowacki (02.02.2012)

 

Meine Stammleser wissen, dass ich das gute Börsenszenario erwartet habe. Sie wissen auch, dass ich unter anderem für Finanzwerte optimistisch gestimmt bin. Genau deshalb habe ich Ihnen in der vergangenen Woche den Fahrplan der 4.380/3.000-Euro-Bankenstrategie ausgearbeitet. Es geht darum, mit einem Kapitaleinsatz von 4.380 Euro in den nächsten 4 bis 6 Wochen einen Profit von 3.000 Euro zu erreichen. Zugegeben, der Einstieg hätte noch aggressiver limitiert werden können, aber wenn Sie solch eine Marktentwicklung vor sich sehen, wie wir sie jetzt trotz Schuldenkollaps in Griechenland und Portugal erleben, dann muss gehandelt werden – sonst läuft uns der Markt vor der Nase weg. Und wie geht es weiter? Verbilligen oder überhaupt gänzlich neu einsteigen? Ich sage Ihnen heute in der Schwerpunktanalyse, wie ich das Szenario einschätze. Übrigens: Zum Thema Schwerpunktanalyse werden Sie sicherlich bemerkt haben, dass die technische Analyse etwas in den Hintergrund gerückt ist, damit der Beitrag leichter lesbar wird. Ich hoffe, dass Ihnen diese Änderung zusagt.

Nutzen Sie den Aktienmarktcheck

Die Entscheidung ob es sich jetzt lohnt, im großen Stil in DAX-Werte zu investieren, oder ob es besser ist, eher vorsichtig zu agieren, das können Sie selbst kritisch unter die Lupe nehmen. Dazu gebe ich Ihnen 5 Prüfpunkte an die Hand. Wie das funktioniert, lesen Sie in dieser und in der nächsten Ausgabe: Prüfen Sie den Markt auf Herz und Nieren!

Folgen jetzt vier Monate Börsenhausse?

Im Devisensektor kommt der Euro nicht so recht aus den Startlöchern. Haben Sie bitte etwas Geduld: Der Appetit auf Risiko und Ertrag wird wachsen – und somit ist es nicht verwunderlich, dass erst in Blue Chips der Aktienmärkte und dann in Devisen und Rohstoffen spekuliert wird. Die Rotation zwischen den Risikoklassen kommt in Fahrt, sobald sich zeigt, dass der Markt das Tempo beschleunigt. Der Januar hat jetzt die Messlatte für Fondsmanager im DAX bei plus 9,47 Prozent und im S&P500 bei plus 4,25 Prozent vorgegeben. Zugegeben, der Februar ist mit einem durchschnittlichen Verlust von 2,0 Prozent p.a. in den zurückliegenden 13 Jahren kein Wonnemonat gewesen. Sollte jedoch Obama die Präsidentenwahl gewinnen, so würden uns noch vier gute Börsenmonate, so die Statistiken, ins Haus stehen. Anders herum formuliert: Wenn die Börsenmonate Januar bis Mai gut verlaufen, steigen die Chancen für Obama rapide. Er weiß dies - und er weiß auch, dass seine Wähler ihre Altersversorgung schwerpunktmäßig auf US-Aktien aufgebaut haben. In diesem Sinne: Das sind gute Voraussetzung für die Märkte und damit auch für Sie und mich. Erstens macht es viel mehr Spaß, bei steigenden Märkten dabei zu sein. Zweitens können die Gewinnsicherungs-Stopps schneller gesetzt werden, wenn der frühe Einstieg gelingt. Sie werden sehen, dass wir diese Strategie in nächster Zeit fortsetzen werden.

Wird 2012 wieder ein Crashjahr?

von Henrik Voigt (31.01.2012)


Der Januar ist fast vorüber. Er brachte den Aktienbörsen einen unerwartet starken Anstieg. Wie der Januar, so das gesamte Börsenjahr (der sogenannte „Januarindikator“), liest man jetzt wieder überall. Die meisten Indizes haben zudem ihre 200-Tage-Linien wieder zurückerobert. Die Baisse ist damit abgehakt und die Kurse werden jetzt nur noch steigen. Das ist allerdings vollkommener Quatsch.


Januarindikator mit bescheidener Trefferquote


Studien belegen, dass der ach so treffsichere Januarindikator nur sehr eingeschränkt und auch nur für den US-Markt funktioniert. Und nur dann, wenn Sie die 1930er Jahre auslassen (wofür es allerdings keinen statistisch relevanten Grund gibt). Eine Strategie, die auf „Kaufen und Liegenlassen“ basiert, hätte in den letzten Jahrzehnten allerdings mehr eingebracht als eine, die auf dem Januareffekt basiert. Wären Sie allen steigenden Januarmonaten seit 1896 am US-Markt gefolgt, dann wäre Folgendes passiert: Der Dow Jones Index wäre in 74% aller Fälle bis zum Jahresende gestiegen. Nicht schlecht. Aber er wäre es ohnehin auch in 67% aller Fälle (unabhängig vom Januarverlauf: Aktien steigen nun einmal häufiger als dass sie fallen). Die statistische Aussagekraft des Januars ist also sehr bescheiden.


Was die Rückeroberung der 200-Tage-Linie angeht, so übersehen die Analysten, die dabei gleich von einem neuen Bullenmarkt ausgehen, dass dieser Vorgang allein nur die halbe Miete ist. Die Durchschnittslinie muss nämlich auch noch steigen. Etwas Gutes hat die Verbreitung von Unsinn wie dem Januarindikator und dem bloßen Überkreuzen der 200-Tage-Linie als Bullenmarktstart natürlich: Sie erkennen leichter, wer keine Ahnung von Börse hat.


Wirtschaftsdaten sind eher Kaffeesatzleserei


Woran halten wir uns nun aber für die Kursprognose im weiteren Jahresverlauf? Die Wirtschaftsdaten sind ja sehr gemischt. Weite Teile Europas stecken bereits in einer ernsten Rezession, die sich durch die Sparprogramme der Pleiteländer verschärfen und nicht entspannen wird. Die Weltbank gab in der vergangenen Woche gleichzeitig eine Warnung für das Wachstum in den Entwicklungs- und Schwellenländern aus – immerhin (noch) die Länder mit den höchsten Wachstumsraten. Hier sieht es nach gegenseitigen Ansteckungseffekten aus. Andererseits halten sich die USA bisher erstaunlich stabil. Auch das deutsche Wachstum gibt noch keinen Anlass zu übergroßen Sorgen. Nur wie lange noch? Aktuell wetteifern die Kaffeesatzleser mit den Glaskugelbesitzern ja um den besten konjunkturellen Ausblick (z.B. das ifo-Institut).

An den Börsen haben wir zusätzlich das Problem, dass sie gern und häufig in beide Richtungen übertreiben, so dass die Börsenentwicklung zeitweise gar nichts mehr mit der fundamentalen Entwicklung zu tun haben muss. Ein Umstand lässt sich allerdings immer gut einordnen: Kurse kommen durch Angebot und Nachfrage zustande. Wenn zu viele Anleger die gleiche Stimmung teilen, dann ist eine Trendwende meist nicht weit. Wir haben es derzeit mit extremem Optimismus an den Börsen zu tun. Vor allem jene Anlegergruppe, die in der Mehrzahl der Fälle falsch liegt (die Kleinanleger) versprühen derzeit den größten Optimismus, während die Profis bereits wieder verstärkt auf fallende Kurse setzen (auch dazu habe ich eine Analyse für Sie im Intermarket-Teil). Nach der jüngsten Erhebung des Deutschen Aktieninstituts (DAI) ist die Zahl der Aktionäre in Deutschland auf den höchsten Stand seit fünf Jahren geklettert. Vor fünf Jahren hatten wir ein markantes Bullenmarkthoch, dessen Höchststände bisher nie wieder erreicht wurden. Auch das ist ein Kontraindikator.


Börsenstimmung indiziert extreme Korrekturgefahr


Stimmungsindikatoren mögen zeitlich nicht sehr präzise sein. Aber sie warnen bei Extremständen rechtzeitig vor einer dramatischen Entwicklung. Sie lassen den Schluss zu, dass wir in diesem Jahr mindestens eine scharfe Abwärtskorrektur von ca. 20% sehen werden. Je länger sich die Märkte allerdings trotz extremer Stimmungsindikatoren dieser Korrektur verweigern, umso größer
ist die Gefahr, dass daraus ein echter Crash wird, verbunden mit einem längeren Bärenmarkt. Harry S. Dent, der den Sommercrash 2011 richtig vorhersagte, geht spätestens für den Sommer diesen Jahres von einem solchen Crash aus. Er sieht eine Wiederholung der Finanzkrise von 2008, nur mit einer schärferen Rezession, voraus. Der Dow Jones Index fällt dann nach seiner Prognose auf 3500 Punkte, der Goldpreis wird sich halbieren und der US-Dollar stark steigen.


Chart- und stimmungstechnisch halte ich dieses Szenario für durchaus plausibel, auch wenn die Hochstimmung an den Börsen die Kurse noch ein paar Prozent höher treiben kann. Die Abwärtsrisiken sind allerdings erheblich höher, das zeigen historische Vergleiche mit ähnlichen Situationen wie heute. Ich halte es deshalb für unverzichtbar, weiter in defensiven Strukturen
investiert zu bleiben, die sich in der gegenwärtigen Marktlage wacker schlagen, in einer volatilen Topbildungsphase oder gar einem Crashmarkt aber deutlich zulegen können. Zusätzlich halten wir uns die Option offen, gehebelt auf Trendbewegungen zu setzen, sobald Charttechnik und Börsenstimmung wieder im Einklang stehen (der nächste große Trend wird abwärts zeigen).
Lassen Sie sich nicht auf die falsche Seite des Marktes locken. Bullenmärkte enden in Euphorie, sie beginnen nicht damit.


Wie es an den Märkten weitergeht, das zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Jürgen Nowacki

Politik unterstützt die Aktienmärkte, besser geht’s nicht!

von Jürgen Nowacki (25.01.2012)

 

Portugal spart sich gesund und sieht sich auf einem guten Weg, seine Schulden in den Griff zu bekommen. Griechenland wird seinen Schuldenschnitt - ob nun bei 60 oder 65 Prozent -hinbekommen, und US-IT Unternehmen machen fette Gewinne. Was wollen wir mehr?! Ja, sogar die US-Baubranche erholt sich zusehends. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht aber in den letzten Tagen drängt sich der Eindruck auf, dass trotz guter Nachrichten irgendwie keine gute Stimmung bei den Aktienkäufern mehr aufkommen will. Ist das nun gut oder schlecht für die Märkte? Dieser Frage gehen wir heute in der Rubrik DAX‐ und Dow‐Outlook auf den Grund.

An der Währungsfront scheint sich im Japanischen Yen eine Entspannung abzuzeichnen – das Land weist erstmals seit 31 Jahren für 2011 ein Handelsbilanzdefizit auf. Wir meinen, das sollten wir uns nicht entgehen lassen, und erläutern unseren Trade EUR/JPY Long.

Wolfgang Schäuble macht Druck unter dem Kessel und zieht den ESM um zwölf Monate vor. Er reagiert damit auf die Ratingherabstufung des alten und weniger wirkungsvollen Schutzschirms EFSM. Dabei wird es nicht bleiben, denn 500 Mrd. Euro Manövriermasse sind für Krisenfälle zu wenig. Hinter den Kulissen wird gerungen, und ich rechne mit positiven Impulsen für die Märkte.

Mach mal Pause, heißt ein bekannter Werbespruch und renommierte Trader der schreibenden Zunft wie JEA YU (Trading Full Circle), Holger Galuschke oder Karin Roller (Tradingwelten, Finanzbuchverlag, München) empfehlen immer wieder, eine schöpferische Pause einzulegen. Die Tage jetzt scheinen günstig dafür zu sein. Nicht nur, weil viele im Skiurlaub sind. Vielmehr ist es für die Traderpsyche unerlässlich, an umsatzschwachen Tagen eine Auszeit zu nehmen. Unser SMS-Service erreicht Sie auch in Davos. Falls Sie dort gerade in der weißen Pracht Urlauben: Viel Spaß und gute Erholung!

Henrik Voigt

Wann platzt der Ballon?

von Henrik Voigt (17.01.2012)

 

Immer dann, wenn eine Bärenmarktrally in ihre Endphase eintritt, kommt es an den Börsen zu aberwitzigen Kursbewegungen - und ebensolchen Begründungen dafür. Beispiele gefällig?

Aberwitzige Storys und Kursbewegungen…

Die Commerzbank hat einen Plan vorgelegt, wie sie ihren zusätzlichen Kapitalbedarf in Höhe von 5,3 Mrd. Euro ohne Kapitalerhöhung (nämlich durch eine schrumpfende Bilanz, einbehaltene Gewinne und die Härtung einer stillen Einlage der Allianz) stemmen will. Der Kurs schoss daraufhin in die Höhe – plus 50 Prozent in 3 Tagen. Die Analysten überschlagen sich mit den aberwitzigsten Kurszielen. Der Schönheitsfehler dabei: Ein Plan ist lediglich ein Papier, manchmal auch nur ein frommer Wunsch. Die EU-Bankenaufsicht EBA bezweifelt nach wie vor, dass die Commerzbank ihr Kapital aus eigener Kraft ausreichend stärken kann. Es erscheine "fast unausweichlich", dass Deutschlands zweitgrößtes Kreditinstitut erneut auf Staatshilfen zurückgreifen müsse, zitiert die FTD die EU-Beamten, die es eigentlich wissen müssen. Das gilt erst recht, wenn sich der bisherige Kapitalbedarf der Bank mit der bevorstehenden Staatspleite Griechenlands „unerwartet“ deutlich erhöht. Den Markt stört das momentan aber nicht.

Oder ein anderes Beispiel. Die Solaraktien waren die großen Verlierer des vergangenen Börsenjahres. Seit Dezember erholen sie sich kräftig – Prinzip Hoffnung. Die Chinesen wollen ihre Solarenergie-Erzeugung ausbauen. Aber die brauchen wohl kaum die teuren deutschen Anbieter dafür, haben sie doch genügend eigene Solarunternehmen, die wesentlich günstiger arbeiten können. Und der deutsche Markt? Am vergangenen Freitag gab es die Enttäuschung. Die deutsche Solarförderung wird künftig statt halbjährlich jetzt monatlich gekürzt und das womöglich noch in einem stärkeren Ausmaß als bisher erwartet, um die deutschen Strompreise nicht noch schneller steigen zu lassen, als sie es ohnehin schon tun. Die rasante Kurserholung der Solaraktien bekam an diesem Tag zwar einen kräftigen Knick. Aber bereits einen Tag später waren die Spekulanten wieder da und kauften, als wäre nichts gewesen.

…in der Endphase einer Bärenmarktrally

Alles schon einmal dagewesen. Momentan erinnern diese absurden Bewegungen nebst anheizender Analystenkommentare schon sehr an die seligen Zeiten des neuen Marktes. Praktisch in jeder Bärenmarktrally wurden damals Böden und aberwitzige Kursziele ausgerufen. Wie heute auch, wo vor allem viele Privatanleger meinen, dass nach den hohen Kursverlusten vieler Bank,- Solar,- Maschinenbauoder Chipaktien hier besonders großer Aufholbedarf bestehe.

Ich kann allerdings aus eigener Erfahrung nur davor warnen, solche kurzlebigen Marktphasen für bare Münze zu nehmen und diese Titel zu kaufen. Relative Schwäche hat fast immer die Tendenz, sich langfristig weiter fortzusetzen. Aktien, die in 2011 besonders hohe Kursverluste zu beklagen hatten, werden in 2012 kaum als Performancesieger über die Ziellinie laufen. Hier wartet noch erhebliches Angebot von Altbesitzern, die jede größere Kurserholung für Verkäufe nutzen werden. Zweistellige Kursgewinne am Tag mögen jetzt sehr verlockend sein. Allerdings werden diese von mindestens ebenso starken Kursverlusten abgelöst werden, sobald der Wind sich wieder dreht.

Stimmungsumschwung durch Griechenlandpleite?

Und der Anlass für ein Drehen der Windrichtung ist bereits erkennbar. Die Verhandlungen mit Griechenland über einen wesentlich größeren Forderungsverzicht der Gläubiger als bisher vereinbart stecken in einer Sackgasse. Gibt es keine Einigung, dann droht eine unkontrollierte Staatspleite mit allen „überraschenden“ Folgen für die Banken und die Finanzmärkte. Gibt es eine Einigung, dann werden die Hedgefonds gegen den Schuldenschnitt klagen und mit großer Wahrscheinlichkeit Recht bekommen (auch wenn die Börsen sicher vorher noch ihre obligatorische Jubelrally abfeiern müssen). Dann müssen Rettungsfonds und EZB (in der Konsequenz letztlich die Deutsche Bundesbank als deren Hauptgläubiger) zahlen und die Einigung mit den anderen Griechenlandgläubigern dürfte wieder Makulatur sein.

Die von kaum begründbarer Konjunktureuphorie ausgelöste Hochstimmung an den Börsen kann dann sehr schnell wieder kippen. Und zwar bis spätestens Mitte März, wahrscheinlich aber deutlich früher (dann gibt es eine endgültige Lösung für Griechenland oder deren Staatspleite). Bis dahin fahren Sie mit defensiven Strukturen aus unserem Musterdepot sehr gut. Danach wird es noch besser, wenn die spekulative Luft aus den „Schrott-Aktien“ des vergangenen Jahres wieder entweicht. Das geht für gewöhnlich sehr schnell, wenn einmal die Nadel im Luftballon steckt. Und dann können wir auch wieder verstärkt mit Hebelzertifikaten auf der Shortseite aktiv werden und schnell wieder größere Zusatzgewinne einfahren. In den dann wieder umsatzstärkeren Trendphasen können Sie dann wieder mit gehebelten Positionen sicherer am Markt agieren.

Henrik Voigt

Börsen im Zangengriff

von Henrik Voigt (17.01.2012)

 

Der vergangene Freitag hielt keine guten Nachrichten für die Börsen bereit. Die US-Ratingagentur Standard & Poors stufte die Kreditwürdigkeit von 9 Ländern der Eurozone herab. Frankreich, Österreich, Malta, Slowakei und Slowenien wurden um jeweils einen Schritt zurückgestuft. Die Kandidaten mit den größten Problemen - Italien, Spanien, Portugal und Zypern - gleich um zwei Stufen. Der Effekt: die betreffenden Länder werden sich ab sofort deutlich schwerer und teurer am Kapitalmarkt refinanzieren können. Gift für den eben erst begonnenen Entspannungsprozess bei den Zinsen italienischer und spanischer Staatsanleihen.


Abstufungsdruck wegen mangelhafter Lösungsansätze


Gestern legte S&P nach und stufte auch den Euro-Rettungsfonds EFSF um eine Stufe ab. Für diesen wird es nun noch schwerer, institutionelle Investoren zu finden. Schon im Herbst musste seine erste Auktion mangels Interesse abgesagt werden. Außerdem wurden auch die Ausblicke für 14 Euroländer auf „negativ“ gesetzt, was weitere Abstufungen innerhalb der nächsten Monate zur Folge haben dürfte. Die europäischen Staaten müssen im laufenden Jahr aber mehrere hundert Milliarden Euro an Verbindlichkeiten umschulden. Mit einem schlechteren Rating wird das schwierig und vor allem deutlich teurer. Die Lage in der Staatsschuldenkrise verschlechtert sich trotz aller Rettungsbemühungen schneller und drastischer.


Und das nicht ganz zufällig. Als ganz großer Wurf wurde zunächst auf dem letzten EU-Krisengipfel am 09.12.2011 die angestrebte Fiskalunion mit einer Schuldenbremse in Verfassungsrang verkauft. Wenige Wochen später ist von dem ganzen Vorhaben nicht mehr viel übrig geblieben. Die meisten EU-Länder wollen sich dann doch nicht von außen in die eigene Souveränität reinreden lassen. Die EU-Kommission hat nun nichts mehr zu bestellen, der EuGH fungiert nur noch als Schiedsgericht, die Schuldenbremse im Verfassungsrang ist freiwillig.


Krisenverschärfung in den nächsten Wochen zu erwarten


Ein letzter Ausweg für die Umschuldung der europäischen Länder: Die EZB druckt einfach Geld (wie es die Fed in den USA schon lange tut). Die EZB kann dies innerhalb ihres rechtlichen Rahmens nur dann, wenn sie auf den rechtlich einigermaßen zwingend festgelegten Sparwillen der EU-Staaten verweisen kann. Und daran hapert es. Ohne EZB aber keine Stabilisierung bei den Zinssätzen der Schrottanleihen möglich und damit keine Entspannung in der Schuldenkrise. Selbst dieser aufgeweichte Pakt wird nicht vor Ende März verabschiedet. Griechenland wirdaber schon einige Wochen früher – nämlich Mitte März - endgültig das Geld ausgehen, denn eine Einigung mit den Gläubigerbanken ist bisher stets gescheitert. Dieses Thema wird die Börsen dann spätestens Ende Februar beschäftigen, wenn die französischen und amerikanischen Banken ins Trudeln geraten (erstere wegen ihrer massiven Bestände an griechischen Anleihen, letztere wegen ihrer dann darauf fällig werdenden CDS-Ausfallversicherungen – Zahltag!).


US-Quartalszahlen mit Enttäuschungspotenzial


Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, droht unmittelbar weiteres Ungemach für die Börsen von der Quartalszahlenfront. Allein in dieser Woche berichten 40 größere US- und zahlreiche namhafte europäische Unternehmen. Vor allem die US-Unternehmensergebnisse werden den hoch gesteckten Erwartungen nicht gerecht. Statt des erhofften Gewinnwachstums von 15,3 % werden es wohl nur noch 10,7 % im Jahresvergleich werden. Absolut gesehen erreichen die Gewinne noch nicht einmal den Stand von 2010, obwohl die Aktienkurse bereits deutlich höher notieren. Von den 31 Unternehmen aus dem S&P 500, die bereits ihre Zahlen so früh vorgelegt haben, verfehlten bislang ein Drittel die Schätzungen. Nicht schlimm? Das haben wir immerhin nicht mehr seit dem letzten Bärenmarkt in 2008 gesehen!


Es sieht so aus, als hinterlässt der weltweite Wachstumsabschwung jetzt auch bei dem vermeintlich „abschwungresistenten“ USA deutliche Spuren in den Geschäftsergebnissen. Das wird sich gravierend auf die dortigen Börsen mit ihrer ambitionierten Bewertung und der extrem optimistischen Stimmung auswirken (ich berichtete letzte Woche). Mit schlechten US-Vorgaben und einer sich weiter verschärfenden Situation in Europa sind die Tage der DAX-Erholung hierzulande aber ebenfalls gezählt, auch wenn die momentane Jubelstimmung noch vieles überdeckt. Nicht zu vergessen der bald wieder verstärkte saisonale Gegenwind an den Börsen. Gut, dass wir seit Monaten eine defensive Strategie fahren und kaum Risikopositionen besitzen. So können Sie dem bevorstehenden Sturm nicht nur gelassen entgegensehen, sondern mit vielen Positionen (Alpha- und Hebel-Zertifikate) sogar noch davon profitieren.

Jürgen Nowacki

Statistiker behalten recht, die ersten fünf Handelstage handelt der S&P500 plus 1,83 Prozent

 

von Jürgen Nowacki (10.01.2012)


In den vergangenen Monaten habe ich Ihnen anhand verschiedener Datenquellen dargelegt, warum die US-Konjunktur besser läuft, als es in den Medien immer wieder kolportiert wurde. Jetzt haben Sie und ich den Beweis: Corporate Amerika produziert innerhalb von 4 Wochen (November bis Dezember) im privaten Sektor (Quelle: ADP) 325.000 neue Jobs. Meine positive Grundhaltung zum US-Aktienmarkt und die Aussage, dass sich Deutschland nicht von der erfreulichen Entwicklung abkoppeln wird, wurden bestätigt.

Die ersten fünf Handelstage haben im S&P500 mit einem Plus von 1,83 Prozent geschlossen. Was das aus statistischer Sicht mit dem Börsenjahr 2012 zu tun hat, schildere ich Ihnen in unserer Rubrik Dow und DAX Outlook. Nur so viel sei vorab verraten: 2012 wird ein Super-Börsenjahr!

Wie ich Ihnen im Dezember bereits angekündigt habe, werden wir den Target Trader weiter verbessern. Mit Ihren Leserbriefen - für die ich mich sehr bedanke - haben Sie mir und dem ganzen Team wichtige Hinweise gegeben, um Ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Bereits in der nächsten Target-Trader-Ausgabe werden wir die Verbesserungen umsetzen: Die Rubrik Konjunktur und Zinsen entfällt, um Ihnen noch mehr Informationen zum Musterdepot anbieten zu können. Sie erhalten also beispielsweise noch präzisere Aussagen dazu, ob sich ein Nachkauf bei vorhandenen Positionen lohnt oder wie Neueinsteiger mit dem Musterdepot und den bereits vorhandene Positionen umgehen sollten.

Henrik Voigt

Bären im Winterschlaf

von Henrik Voigt (03.01.2012)


Seit Wochen das gleiche Bild: der Markt schwankt zwischen häufig positiven Konjunkturmeldungen aus den USA und fast durchweg bedenklichen aus der Eurozone hin und her. Entsprechend hinkt Europa auch in der Aktienkurs- und Währungsentwicklung hinterher, während sich die US-Indizes weiter zäh aufwärts schrauben. Kursbestimmend werden auch die neuen Quartalszahlen der Unternehmen sein, vor allem dann, wenn sich die schlechten Konjunkturdaten auch verstärkt in den Bilanzen niederschlagen sollten. Die neue Berichtssaison begann gestern etwas durchwachsen.

Europa hinkt derzeit hinterher

Neben Konjunktur- und Unternehmensdaten schlägt die Schuldenkrise aber wieder verstärkt zu. Nicht umsonst zeigen sich die Bankaktien europaweit sehr schwach. Hier drückt die Angst vor Kapitalerhöhungen und steigenden Risiken, nachdem eine Kapitalerhöhung der UniCredit (umfasst u.a. auch die deutsche HypoVereinsbank) nur mit einem Kurseinbruch von 43 Prozent zu machen war. Zudem begannen die Zinsen der Krisenanleihen Europas nach kurzer Entspannungsphase wieder zu steigen. Die Renditen zehnjähriger italienischer Staatsanleihen liegen nun wieder über der kritischen Marke von 7 Prozent. Italien muss sich in den nächsten Wochen mit 150 Mrd. Euro refinanzieren. Ungarn musste für seine einjährigen Schatzwechsel sogar fast 10 Prozent Zinsen akzeptieren, nachdem die Ratingagentur Fitch das Land auf Ramsch-Niveau abstufte. Die Umschuldung Griechenlands ist nach wie vor ungeklärt. Das Land steht in Kürze ohne Geld da, weil die Troika-Kommission die eigentlich bereits im Dezember erwartete Hilfszahlung erst drei Monate später freigeben will. Grund sind abermals mangelnde Fortschritte bei der Sanierung des Staatshaushaltes.

Die Refinanzierung mehrerer Euroländer dürfte in den nächsten Monaten sehr schwierig werden. Wenn das aber nicht gelingt, dann wird der Rettungsschirm einspringen müssen. Doch dem fehlt es an der nötigen Kapitalausstattung. Nach den Worten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bleibt das Interesse privater Anleger (oder treffender: der Banken) am Euro-Rettungsschirm EFSF hinter den Erwartungen zurück. Die Investoren erwarteten offensichtlich höhere Garantien für ihr Engagement, sagte er im Südwestrundfunk.

Die Schuldenkrise wird radikalere Ansätze erzwingen


Eine nachhaltige Lösung der Schuldenkrise ist nach wie vor nicht in Sicht. Im Jahresverlauf wird der Druck der Märkte (vermutlich nach einem angedrohten oder tatsächlichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone) so groß werden, dass die Politik neue Verzweiflungstaten wagen wird. Dazu gehören dann wohl auch Euro-Bonds und das ungehemmte Anwerfen der Notenpresse. Das im Vorfeld dieser möglichen Ereignisse ein Bundespräsident „abgesägt“ wird, der sich in letzter Zeit kritisch gegenüber den Banken und ablehnend gegenüber Eurobonds geäußert hat, passt da nur ins Bild. Wer unbequem wird, hat plötzlich eine „Affäre“ in den Medien.

Der saisonal günstige Rückenwind um die Jahreswende ließ die Schuldenkrise zeitweise etwas in den Hintergrund treten. Aber dieser Rückenwind lässt Mitte Januar nach und schlägt dann bis in den März hinein in Gegenwind um. Gut möglich, dass die Schwankungen an den Börsen nun also wieder zunehmen, während die Kurse wieder Federn lassen müssen. Der klassische Aktienanleger wird sich ein dickes Fell zulegen und um seinen Kapitalerhalt bangen müssen.

Börsen werden wieder unberechenbarer – na und…

Sie muss das allerdings nicht weiter stören. Mit unseren größtenteils marktunabhängigen Strukturen im Musterdepot lässt sich in nahezu jedem Marktumfeld ganz entspannt Geld verdienen. Und mit den jüngsten, teilweise noch offenen Empfehlungen aus der vergangenen Woche bauen wir diese Strukturen noch weiter aus. Dadurch sind Sie beispielsweise auch bei den wenigen Aktien mit dabei, die trotz des schwierigen Marktumfeldes bereits wieder neue Allzeithochs erreicht haben. Ohne sich jedoch Gedanken darüber machen zu müssen, ob diese Hochs auch nachhaltig sind.

Jürgen Nowacki

Der Jahresanfang 2012 ist ein Auftakt nach Plan

von Jürgen Nowacki (04.01.2012)



Damit liege ich mit meinem 5.000 Euro Santa-Claus Rallye Depot genau richtig, denn 66 Prozent der Positionen sind nach nur drei Wochen im Gewinn. Die Spitzenposition belegt HeidelbergCement mit einem satten Plus von mehr 27 Prozent! Was besonders erfreulich ist: Sie konnten in aller Ruhe ihr Depot aufbauen. Darüber hinaus habe ich unseren Neueinsteigern zwei Wochen lang Mut machen können noch einzusteigen. Aber wie ich Ihnen bereits mit Start dieses Sonderdepots am 11. Dezember mitteilte, wird es nicht bei dieser positiven Auftaktveranstaltung bleiben. Das Jahr 2012 wird genauso volatil weiter gehen, wie wir es in 2011 erlebt haben, aber- und das ist unsere Chance - auf einem höheren Kursniveau. In der Rubrik DAX und Dow erläutern wir Ihnen heute, warum wir bereits in den nächsten Tagen die Gewinne des Santa-Claus Depots realisieren und möglicherweise auf die Shortrichtung umschwenken werden.

Was ist mit dem Euro los?

Italiens Sparprogramm in der Größenordnung von 30 Mrd. Euro genießt großes Vertrauen und wird den Worten des EU-Währungskommissars Olli Rehn zufolge bereits in 2013 zu einem ausgeglichenen Haushalt führen. Aber für die EU-Zone kommt diese Entwarnung offensichtlich zu spät: Wie das Marktforschungsinstitut MARKIT jetzt veröffentlicht, stehen die Konjunkturzeichen auf Sturm. Auch Deutschland werde sich dieser EU-Rezession nicht entziehen können, so der Chef-Ökonom Chris Williamson. Wir werden in der Rubrik Devisen und Rohstoffe die Frage klären, ob sich der Euro jetzt erholen kann, oder ob es schon bald weiter nach Süden geht.

Zu guter Letzt: Kaffee mit einer 200-Prozent-Chance

Warum nicht einmal wieder den Rohstoffmarkt handeln? Sie werden staunen, welche Kurschancen sich jetzt im Kaffee ergeben. Ich zeige Ihnen, wie Sie von den Kursschwankungen profitieren können. Das wird unser heutiges Schwerpunkthema sein - ich hoffe, Sie sind wieder dabei.

Henrik Voigt

Wie wird denn nun das Jahr?

 

von Henrik Voigt (03.01.2012)

 

Für den US-Aktienmarkt endete das Jahr 2011 mit einem unveränderten Kursstand im Vergleich zum Jahresbeginn (gemessen am S&P 500, in Dollar). Für diese Nullperformance mussten Investoren allerdings sehr heftige Schwankungen einstecken. Vom Kaufkraftverlust des US-Dollars einmal ganz abgesehen. Und da hatten es die US-Anleger noch gut. Der DAX büßte auf Jahressicht 17 % ein, der chinesische Shanghai Composite Index sogar 20 % (zur besseren Vergleichbarkeit wiederum gemessen in US-Dollar).

Vergessen Sie alle Kursziele für das Jahresende

Aber Schwamm drüber. 2012 wird dafür ganz toll. Zumindest, wenn man den stets sehr optimistischen Analystenschätzungen glaubt, die zu Jahresbeginn wieder herumgereicht werden. Die „USA Today“ veröffentlichte kürzlich ihre alljährliche Umfrage zur erwarteten Performance der US-Börsen in 2012. Und siehe da, im Schnitt erwarten die Analysten einen Kurszuwachs auf Jahressicht von 10,5 Prozent. Das ist ziemlich der gleiche Zuwachs, den die Analystengilde schon für 2011 erwartet hatte. Was daraus wurde, sehen Sie aber an den Zahlen oben.

Was ich damit sagen möchte, sind zwei Dinge. Zum einen können Sie Analystenschätzungen für das Gesamtjahr getrost vergessen. Sie treten fast nie ein. Und zum zweiten: Wenn die Analystenschar sehr optimistisch eingestellt ist, dann kommt es meistens anders. Auch das dürfte das vergangene Jahr eindrucksvoll bewiesen haben. In der Nähe von größeren Böden oder in frühen Phasen eines neuen Bullenmarktes müsste die Stimmung deutlich pessimistischer sein als sie es jetzt ist.

Analysten optimistisch, Big Money short

Dazu passt, dass ein Großteil des „Big Money“ (im Börsenjargon „Commercials“ genannt) seit einigen Wochen allmählich immer mehr Spekulationen auf fallende Kurse des für die Weltbörsen richtungsweisenden S&P 500 Index aufbauen. So, wie sie es bereits im gesamten 1. Halbjahr 2011 taten. Was danach kam, wissen Sie alle.

Nun ist ein Shortüberhang von Positionen der Commercials auf den S&P 500 kein Zeichen dafür, dass es gleich morgen einen Crash geben wird. Nein, diese Marktteilnehmer, die sehr oft richtig liegen, agieren meist mittelfristig und sie wollen eine große Bewegung erwischen. In 2011 dauerte es immerhin ganze 7 Monate, bevor die Börsen die von dieser Anlegergruppe antizipierte Kursrichtung einschlugen. Es dürfte sich dennoch für sie ausgezahlt haben, da die Bewegung entsprechend groß ausfiel. Beim Euro sehen wir hingegen genau das umgekehrte Bild: einen Long-Überhang der Commercials. Solange die Anlegergruppe von einem mittelfristig steigenden Euro ausgeht, dürfte es keinen unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Euroraumes geben. Das hatte ich ja bereits in der letzten Ausgabe geschrieben.

Defensive Strategien weiterhin lohnend

Die aktuelle Short-Positionierung des „Big Money“ deckt sich übrigens mit unserer defensiven Depotausrichtung. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es in 2012 noch einmal kräftig an den Märkten rumpeln wird. Ob wir dann bereits einen nachhaltigen Boden ausfindig machen können, wird entscheidend davon abhängen, wie pessimistisch die Stimmung dann sein wird. Je schlechter, desto besser für die Bullen. Bis dahin lohnt es sich, weiterhin vorsichtig zu agieren, defensive Positionen zu bevorzugen und Gewinne bei Trend-Trades frühzeitig zu realisieren. Und genau das ist es, was wir auch in den nächsten Monaten weiterhin tun werden.

Jürgen Nowacki

Analysten blicken eher pessimistisch auf 2012 – und was sagt uns das?

von Jürgen Nowacki (28.12.2011)

 

Die Printmedien überschütten uns in diesen Tagen mit Prognosen für das Börsenjahr 2012. Aber welchen Nutzen haben wir Anleger, Investoren und Börsianer davon zu erfahren, wo Analyst XY in den nächsten zwölf Monaten den DAX und Dollar sieht? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – aber mich interessiert nur, ob die Masse der Analysten negativ oder positiv für 2012 gestimmt ist. Mehr können die Medien nicht für mich tun. Und wenn Sie sich die Prognosen für 2012 anschauen, kommen Sie wahrscheinlich auch zu dem Schluss: Für 2012 sind viele Börsenbriefe und Analysten zwar pessimistisch gestimmt – was aber nach Auffassung der Vertreter der Behavioral Finance eine Contrary Opinion also Käufe auslösen würde. Demnach wiederum stehen wir vor einem guten Börsenjahr. Also, für mich klingt das alles sehr kompliziert und vage …Als Anleger muss ich doch täglich überprüfen, wie sich beispielsweise die aktuelle politische Lage im Nahen Osten auf den Rohölpreis auswirkt. Ich muss wissen, ob der Euro schwach oder der US‐Dollar fundamental stark ist. Wie wirken sich charttechnische Faktoren auf die Preisbildung aus –oder üerwiegen die geldpolitischen Maßahmen der EZB? Das alles sind Fragen, die niemand fü zwöf Monate im Voraus beantworten kann. 

Unsere Entscheidungen sind bankenneutral und effizient

Deshalb hat der Target Trader die Aufgabe, Ihnen, liebe Leser, nicht nur langfristige, sondern vor allem auch kurzfristige Entscheidungshilfen an die Hand zu geben, die Sie auf Ihr Risikoprofil adaptieren können. Und wenn externe Einflüsse Ihren Investmentplan über den Haufen zu werfen drohen, dann haben Sie im Target Trader einen Ratgeber, der Ihnen aktuelle Markteinflüsse erklärt. So bekommen Sie eine bankenneutrale Hilfestellung.

Anders als sonst zeige ich Ihnen heute einige Langfristcharts vom Dollarindex und von Gold – aber nicht, um in den Chor der zahlreichen Börsendienste einzustimmen, sondern um Ihnen die übergeordneten langfristigen Trends zu zeigen. Sie erhalten in dieser letzten TT-Ausgabe des Jahres 2011 wertvolle Hinweise auf die möliche Entwicklung am Devisenund Goldmarkt der nähsten Wochen und Monate. Und ich begrüde auch –klar und unmissverstädlich, wie Sie es gewohnt sind –meine Entscheidung. So könen Sie effizient arbeiten. Eines vorweg: Der Euro bleibt schwach, und er wird sogar noch schwächer, was den Aktienmärkten wiederum zu schaffen machen dürfte aber dazu später mehr.

 

Henrik Voigt

 

Auf ein Neues  

von Henrik Voigt (27.12.2011)

 

Das Jahr 2011 geht zu Ende. Es dürfte als eines der schwierigsten überhaupt in die Börsengeschichte eingehen. Zwei Crashs und der Rest trendlose, volatile Seitwärtsbewegung hat es in meiner gesamten, über zehnjährigen Börsenkarriere noch nie gegeben. Das kommende Jahr dürfte nicht unbedingt einfacher werden, auch wenn die Daueroptimisten schon wieder von neuen Allzeithochs im DAX träumen. Es werden für eine ganze Weile Träume bleiben.  

Serienproduktion „großer Würfe" angelaufen 

Die Politik lässt sich reihenweise „große Würfe" einfallen, um einen echten Systemkollaps so lange wie möglich zu vermeiden. Die meisten davon sind das Papier nicht wert. Eine echte Lösung ist nicht in Sicht. Die wird es auch mit den „Standardmaßnahmen" wie Garantien, Rettungspaketen, Sparprogrammen, Absichtserklärungen, Zinssenkungen, Liquiditätszufuhr bis hin zum Geld drucken nicht geben. Man möchte um jeden Preis alles „retten", aber niemand will letztlich dafür zahlen. Und schließlich ist Kapitalismus ohne Bankrott auch wie das Christentum ohne Hölle.  

Natürlich hält sich hartnäckig die Hoffnung, dass die Krise einfach so verschwindet. Die Leute suchen weiter nach einer Lösung, die es nicht geben kann: Dass der Geist wieder zurück in die Flasche geht. Da unterschätzt man aber die exponentielle Wirkung des Zinseszinses gewaltig. Die Schuldenproblematik hat sich in den letzten Jahren nicht verringert, sondern trotz (oder sogar wegen) aller Lösungsversuche dramatisch verstärkt. Im Jahr 2008 war das Problem noch privatwirtschaftlicher Natur (es betraf vor allem Banken und US-Hausbesitzer). Heute haben wir ein Problem, das die Staaten, die Finanzwirtschaft und einen Großteil der Realwirtschaft betrifft. Das Problem dabei ist, dass die Politiker uns nicht die Wahrheit sagen.

Die Schuldenkrise hat sich dennoch weiter verschärft  

Wie soll man auch 10 Billionen Dollar Staatsschulden allein in der OECD, auf die jährlich hohe zweistellige Milliardenbeträge an Zinsen anfallen, wieder wegsparen? Wenn die Verschuldung bereits Größenordnungen erreicht hat, die in vielen Ländern die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung übersteigen? Und diese Wirtschaftsleistung, wie im Falle Griechenlands, Italiens oder Hollands bereits deutlich sinkt und so immer weniger Steuereinnahmen bringt?

Optimismus ist sicher in vielen Situationen nützlich, aber er sollte den Blick für die Realität nicht verstellen. Spätestens seit dem Augustcrash dürfte klar sein, dass wir es nicht mit einem normalen Abschwung zu tun haben, sondern mit einer echten Schuldenkrise. Und zwar nicht nur in Europa, sondern in der gesamten westlichen Welt (die USA und Japan ganz besonders eingeschlossen). Und die oben genannten 10 Billionen Dollar sind geradezu niedlich, wenn man sich die 600 Billionen Dollar (kein Tippfehler!) an offenen Derivatepositionen des weltweiten Bankensystems (vor allem des amerikanischen) vor Augen führt. Sie merken bereits an den Größenordnungen: Hier müssen andere Lösungen her. Kein Wunder, dass der Ruf nach einem Reset des Finanzsystems lauter wird. Nur wie der aussehen soll, das weiß niemand. Eine solche Situation hat es schlichtweg nie gegeben. Es wird wohl eines Tages entweder auf eine Abschreibung der Schulden oder auf eine Monetarisierung durch höhere Inflation hinauslaufen. Wobei noch lange nicht klar ist, welcher Weg schließlich eingeschlagen wird (möglicherweise erst der eine und dann der andere). 

Eine echte Krisenlösung wird noch einige Jahre dauern

Was jahrzehntelang gutging – Schulden machen auf Teufel komm raus – geht jetzt plötzlich nicht mehr. Das Vertrauen in die ewige Solvenz des Staates ist dahin. Es wird so schnell auch nicht wiederkommen, da helfen auch die reichlich spät eingeleiteten Sparprogramme nicht mehr. Die Höhe der eingesparten Summen im Verhältnis zu den Schulden ist einfach zu lächerlich. Die Sparpakete werden also nur einen Aufschub bringen und nicht die Wende. Irgendwann wird er Druck größer und dann wird man das gesamte Finanzsystem vom Kopf auf die Füße stellen müssen, weil es gar nicht mehr anders geht. Ich hoffe ehrlich gesagt, dass dann etwas Neues, Besseres, Gerechteres entsteht. Und ich gehe nicht davon aus, dass dieser Punkt bereits unmittelbar vor uns liegt. Dafür sind die Möglichkeiten zur kreativen Augenwischerei unserer Polit-und Zentralbankenelite noch viel zu groß.

Einen unmittelbaren Zusammenbruch sehe ich aber nicht

Nun möchte ich mit diesen Ausführungen nicht den Weltuntergang an die Wand malen. Diesen wird es jedenfalls nicht geben. Dem Korn auf dem Acker ist es egal, in welcher Währung der Bauer bezahlt wird, der es anbaut. Und auch die Sonne wird morgen noch aufgehen. Die Börsen hingegen sind wie immer auf kurzfristige Gewinne aus und übertreiben – mal nach oben, dann wieder nach unten. Die Unsicherheit an den Märkten, wie es in dieser scheinbar ausweglosen Situation weitergeht, wir auch im kommenden Jahr bestehen bleiben. Und damit auch die hohen Schwankungen.

Wir haben glücklicherweise rechtzeitig auf diese Entwicklung reagiert und einen Großteil des Depots in Strukturen investiert, die in Zeiten großer Unsicherheit Stabilität und Gewinne versprechen. Unsere größte Position, das Korridorzertifikat auf den DAX, hat bereits innerhalb weniger Wochen fast die Hälfte seines für ein ganzes Jahr erwarteten Profite eingefahren. Auch die Alpha-Scheine entwickeln sich gut und bringen jede Woche einen in der Summe nicht unerheblichen Gewinn ins Depot. Damit können wir gelassen in das Jahr 2012 schauen. Und dafür lohnt es sich auch, etwas mehr Risiko in Kauf zu nehmen. Egal wie es für den DAX ausgeht: Für Sie dürfte es ein gutes Jahr werden.

Wie es an den Märkten weitergeht, das zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und natürlich ein erfolgreiches, gesundes und friedvolles neues Jahr.

Jürgen Nowacki

Das ifo-startet die St.-Claus-Rallye!

von Jürgen Nowacki (20.12.2011)



Am 11. Dezember haben wir Ihnen die 5.000-Euro-Adventsstrategie an die Hand gegeben sowie sechs Topunternehmen und deren sechs Kaufoptionen. All das haben wir danach ausgesucht, ob sie das Zeug dazu haben, bis zum Freitag, den 6. Januar, mindestens 100 Prozent zu verdienen. Das Timing haben wir aus ganz bestimmten Gründen auf den 11. Dezember gelegt, denn nach einer US-Langzeitstudie verlief die St.-Claus-Rallye von Mitte Dezember bis zum Ende ersten Januarwoche in mehr als 80 Prozent der zurückliegenden 61 Jahre sehr erfolgreich. Wir haben Ihnen in dieser Ausgabe noch einmal einige Kaufargumente aufgearbeitet und auf Aktualität hin überprüft. Sie werden feststellen: Es ist noch nicht zu spät, auf den fahrenden Schlitten von St. Claus aufzuspringen!

Unsere Argumente, jetzt noch einmal beherzt bei DAX-Unternehmen zuzugreifen, beziehen sich aber nicht nur auf die Argumente, dass der Markt überverkauft sei oder Fonds zum Jahresschluss noch einmal Performance zeigen müssten. Nein, auch auf die sinkende Volatilität kommt es an - und hier präsentieren wir Ihnen einen Chart, den Sie so schnell nicht vergessen werden, denn danach könnten wir im DAX ganz schnell auf 6.500 Punkte steigen.

Das ifo-Institut hat heute den zweiten Monat in Folge erfreuliche Zahlen mit seinen Geschäftsklimaindex präsentiert. Wir wissen, dass dieser Index bei vielen Fondsmanagern sehr beliebt ist, weil er als Frühindikator wichtige Erkenntnisse über die konjunkturelle Entwicklung liefert. Es gibt sogar Handelsstrategien, die auf dem ifo-Geschäftsklimaindex aufbauen und damit sehr erfolgreich sind.

Aber sehen Sie selbst: Wir haben Ihnen in einem DAX-Monatschart die ifo-Zahlen gegenübergestellt und es wird schnell klar, warum der Aktienmarkt Dienstagnachmittag so gestiegen ist.

Henrik Voigt

„Geldwäsche vom Feinsten“

von Henrik Voigt (20.12.2011)



Bei ihrem letzten Direktoriums-Meeting hatte die EZB beschlossen, den Banken unbegrenzt Liquidität zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich wurde auf dem letzten EU-Krisengipfel beschlossen, dass „private Gläubiger“ (faktisch mehrheitlich Banken) nicht an weiteren Kreditausfällen bei Staatsanleihen beteiligt werden.

Die Zielrichtung ist klar. Der EZB ist es gesetzlich verboten, mit der Druckerpresse eine direkte Staatsfinanzierung zu betreiben. Sie versucht jetzt aber durch die Hintertür, dieses Verbot zu umgehen. Die Geschäftsbanken sollen mit der von der EZB zur Verfügung gestellten Liquidität dies tun und werden im Gegenzug von weiteren Risiken verschont (die übernimmt wie immer der Steuerzahler). Außerdem halten die Banken die Papiere nicht lange. Die EZB kauft sie am Sekundärmarkt zurück. Dies darf sie tun. Ein Kommentator auf Business Insider nennt den Vorgang treffend „Geldwäsche vom Feinsten“.

Der Effekt etwa bei der Entwicklung der Zinsen für zweijährige spanische Staatsanleihen ist bemerkenswert. Während sich an den volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Spanien nichts zum Guten geändert hat, sanken die Zinsen in den letzten 3 Wochen von über 6 auf zeitweise unter 4 Prozent. Damit sinkt die Zinslast für den Staat und die Refinanzierung wird gesichert.

Kurzfristig schafft die EZB eine Atempause

Kurzfristig mag die EZB also für eine Atempause gesorgt haben. Im faktischen Wirtschaftskrieg der USA samt Ratingagenturen gegen Europa sicher keine schlechte Nachricht. Ob die Geschäfts-Banken auf der einen Seite und die einzelnen Mitgliedsbanken der EZB (namentlich die Bundesbank) das Spiel allerdings lange mitspielen werden, steht auf einem anderen Blatt. Von den möglichen Inflationsgefahren einmal ganz zu schweigen.

Langfristig ist mit dem „EZB-Coup“ immer noch kein Problem gelöst. Denn immerhin ist die akute Staatsschuldenkrise damit nicht vom Tisch, indem man kurzfristig die Zinssätze der Schuldtitel durch Aufkäufe manipuliert. Die erdrückende Schuldenlast bleibt, eine schnelle Lösung des Problems ist nicht erkennbar. Zu befürchten ist, dass die Völker Europas eines Tages die Rechnung dafür bezahlen werden. Einerseits über Sparpakete und andererseits über Inflation.

Das wird auf längere Sicht sowohl den Euro als auch die Eurozone die letzten Reste von verbliebenem Vertrauen kosten. Dadurch führt der ungezügelte Wille zur “Rettung” eher zum Gegenteil, nämlich zum Untergang des Euro in seiner jetzigen Form. Aber auch das muss kein Nachteil sein, wenn damit die grundsätzlichen Konstruktionsfehler der Währungsunion (etwa die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Peripheriestaaten durch die fehlende Abwertungsmöglichkeit) behoben werden könnten.

Europa ist aber nicht das einzige Problem

Für viele institutionelle Anleger ist Europa jedoch ein kleiner Fisch. Sie schauen sorgenvoll auf die größte Volkswirtschaft der Welt, auf China. Etliche Hedge-Fonds-Manager sind alarmiert über die wirtschaftliche Situation des Landes. Man habe den „zunehmenden Verdacht, dass sich der nächste Akt der rollenden, weltweiten Schuldenkrise wahrscheinlich im Osten abspielen wird“, schrieb die Emerging Sovereign Group vor kurzem an seine Kunden. Ein solches Szenario würde eine Entspannung in Europa zweifellos erschweren.

Fakt ist: die Unsicherheit an den Märkten wird noch geraume Zeit bestehen bleiben und damit einhergehend auch die hohe Volatilität. Trotz aller Bemühungen der Notenbanken ist eine Umkehr des deflationären Schubes seit dem Sommer nicht gelungen. Wir haben glücklicherweise rechtzeitig auf diese Entwicklung reagiert und einen Großteil des Depots in Strukturen investiert, die in Zeiten großer Unsicherheit Stabilität und Profits versprechen. Damit können Sie dem verrückten Treiben an den Börsen gelassen zuschauen und dennoch Gewinne einfahren Wie es an den Märkten weitergeht, das zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und natürlich ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest.

Jürgen Nowacki

Draußen vor der Tür

von Jürgen Nowacki (15.12.2011)


Die ganze Börsenwelt legte ihre Hoffnung auf den letzten Börsengipfel und für wenige Stunden waren sie Helden. Merkel und Sarkozy, das Traumpaar der Politbühne von den Medien auch Merkozy genannt, können für sich in Anspruch nehmen den Geburtsfehler einer fehlenden Fiskalunion nach 10 Jahren repariert zu haben. Aber kaum waren die überwiegend positiven Marktkommentare verstummt kam auch gleich eine kalte Dusche hinterher und man erzählt sich auf dem Parkett folgende Geschichte. Stellen Sie sich vor, unser Bundesbankpräsident ist schlicht und einfach übergangen worden, als es darum ging mal eben 200 Mrd. Euro aus dem IWF‐Fonds locker zu machen und für die Problemländer Italien und Spanien bereit zu stellen. Ja da möchte Herr Weidmann als Bundesbank Chef doch ein Wörtchen mitreden dürfen und bat, so erzählt man sich, unseren Finanzminister Schäuble einem Gespräch mit den Haushaltsausschuss des Bundestages zuzustimmen um die Risiken, die für deutsche Steuerzahler aus dieser Transaktion entstehen, absegnen zu lassen. Man ließ ihn vor der Tür stehen und hatte keinen Gesprächstermin für ihn, ließ aber ausrichten, dass er das nicht persönlich nehmen soll, es wäre keine Bewertung der Sachlage damit verbunden.

Also das Gespräch fand nicht statt, weil man auf Regierungsebene der Meinung ist das diese Abstimmung mit dem Haushaltsausschuss überflüssig sei, Weidmann soll halt tanzen wenn das Traumpaar Merkozy die Musik bestellt.

Vielleicht sollten Politiker wieder lernen, dass die Bundesbank erstens unabhängig ist und zur Kenntnis nehmen, dass wenn schon Vorschläge gemacht werden wie das Vertrauen in Bundes- und Notenbank wieder hergestellt werden könnte, solche Maßnahmen auch gefördert werden.

Vielleicht wäre dann auch der Euro nicht unter 1,30 abgetaucht, denn die Devisenmärkte haben ein feines Gespür dafür ob man seinen Job als Teamspieler ernst nimmt oder nur seinen persönlichen und schnellen Erfolg sucht.

Henrik Voigt

Es gibt keine zweite Chance

von Henrik Voigt (13.12.2011)


In der vergangenen Woche wurde der 15. Gipfel zur Rettung des Euro veranstaltet. Im Vorfeld dieses Ereignisses tönte Frankreichs Staatschef Sarkozy, eine zweite Chance zur Rettung des Euro werde es nicht geben. Ähnlich markige Worte waren allerdings auch schon im Vorfeld der vorangegangenen Gipfel zu hören. Dieser hier brachte nicht den erhofften großen Durchbruch. Wie schon die anderen davor nicht. Wie denn auch? Eine Überschuldungskrise ist nur durch eine offizielle Insolvenz lösbar. Und für die will niemand die politische Verantwortung übernehmen. Also wird weitergewurstelt, solange es eben geht.

Europa auf dem Weg in die Fiskalunion…

Die Eckpunkte der Gipfelbeschlüsse nun für Sie in Kurzfassung: Die 17 Eurostaaten plus 9 weitere EU-Mitglieder ohne Euro-Währung werden strengere Haushaltsregeln und nationale Schuldenbremsen einführen. Die nationalen Parlamente müssen dem allerdings noch zustimmen, was wegen verfassungsrechtlicher Bedenken keine leichte Aufgabe werden dürfte. Denn die Einhaltung dieser Schuldenbremsen soll von der EU überwacht werden, was einem teilweisen Verzicht auf die nationale (Haushalts-)Souveränität der Staaten gleichkommt, mit dem auch das deutsche Grundgesetz nicht konform geht.

In einen Nebensatz wurde übrigens die Vereinbarung gepackt, dass private Gläubiger bei der Rettung insolventer Staaten in Zukunft außen vor bleiben werden. Der Effekt: Ab sofort wird nur noch der Steuerzahler für Zahlungsausfälle haften. Damit sollen die Banken wieder dazu animiert werden, Staatsanleihen zu kaufen und damit die Ablösung fälliger Kredite und erträgliche Zinsen sicherstellen. Ob das funktionieren wird, ist noch unklar.

… aber die Schulden bleiben

All die kleinen „Wunderwaffen“, die sich viele Anleger vor allem zur Ankurbelung der Börsenkurse erhofft hatten, wie Eurobonds, Aufkäufe problematischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank, ein vielfach gehebelter Rettungsschirm für den Euro, eine Banklizenz für den EFSF usw. – all das wurde nicht beschlossen (als Wirtschaftswissenschaftler sage ich: Gott sei Dank!). Stattdessen spaltete sich Großbritannien stärker von der Eurozone ab. Die Briten wollen sich nicht so stark unter die EU-Knute begeben. Wer kann es ihnen verdenken.

Das bedeutet aber auch, dass die verbliebenen Euro-Staaten sehen müssen, woher sie das Geld für die Euro-Rettung nun allein bekommen. Der dauerhafte Rettungsschirm ESM soll ja auf Mitte 2012 vorgezogen werden und maximal 500 Milliarden Euro enthalten. Woher die kommen sollen, ist aber völlig unklar. Klar dagegen ist, dass diese Mittel nicht ausreichen werden. Der IWF soll
zusätzliche 150 Milliarden Euro von den Euro-Staaten bekommen. Wer die bezahlen wird ist aber ebenso unklar.

Der Zinsanstieg ist so nicht aufzuhalten

Die Rating-Agenturen werden sich die Hände reiben. Sie haben bereits angekündigt, dass es in Kürze Herabstufungen in Serie hageln wird, da sie keine kurzfristig wirksamen Lösungen erkennen können (die es auch nur schwerlich geben kann). Dann steht die Eurozone voraussichtlich schlechter da als vor dem Gipfel. Und die Zinsen für Schrottanleihen steigen wieder auf neue Rekorde. Da hilft auch keine Zinssenkung der EZB. Die Zinsen für Staatsanleihen macht der Markt über Angebot und Nachfrage, nicht die EZB. Die könnte höchstens hemmungslos aufkaufen, was ihr derzeitiges Mandat im Hinblick auf die Geldwertstabilität verbietet.

Alleine Italien muss im Frühjahr 2012 ganze 150 Milliarden Euro neu leihen, um fällige Kredite zu bedienen. Auf die dann herrschenden Konditionen dürfen wir gespannt sein. Und auf den 16. Euro-Krisengipfel. Denn der ist schon so gut wie sicher, denn das Theater mit der „Euro-Rettung“ wird genauso weitergehen. Und damit wohl auch das Hick-Hack an den Märkten. Gut, dass wir mit unserem Depot davon weitgehend unabhängig geworden sind.

Inzwischen zeigen die Gewinnwarnungen von Chemie- und Chipunternehmen aus den USA und die schlechten Wirtschaftsdaten aus China aus den letzten Tagen dass die Eurokrise allmählich weitere Kreise zieht. Viele europäische Großunternehmen und selbst mehrere Notenbanken bereiten sich inzwischen auf ein Auseinanderbrechen der Eurozone vor. Wie sich das auf die Märkte auswirken wird, das zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Jürgen Nowacki

Wie lange bleibt die EZB noch unabhängig?

von Jürgen Nowacki (08.12.2011)


Sie haben es gewusst. Für Sie ist die Nachricht, dass auch Deutschland seine höchste Benotung (Kreditrating AAA) verlieren wird, seit unserer jüngsten Target-Trader-Ausgabe keine Überraschung mehr. Ein Land, das trotz Rekordsteuereinnahmen immer noch neue Schulden aufsattelt, als wenn es kein Morgen gäbe, verdient eben nichts anderes. Das ist schade, denn gerade Deutschland hätte die Möglichkeit gehabt, als viel beachtetes EU-Land die Anleger weltweit vom Sparwillen Europas zu überzeugen. Dabei hätten auch unsere Nachbarn, zum Beispiel Griechenland und Italien, von Deutschlands Vorreiterrolle profitiert. Mit dem Haushaltsplan 2012 wurde in Deutschland eine Chance vertan, Zeichen für Europa zu setzen.

Börsianer auf der ganzen Welt, so sprechen die Medien, warten jetzt auf den Ausgang des EU-Gipfels. Wie naiv und hilflos Politiker mit dem Thema Überschuldung umgehen, sehen wir an Äußerungen wie: „... mit einer Bazooka oder Panzerfaust die Schulden beseitigen Zitat (David Cameron)“. Das sind nicht die Nachrichten, auf die Kreditgeber warten. Ob der Rettungsschirm nun verdoppelt oder verdreifacht wird, spielt kaum noch eine Rolle. Aber vielleicht probiert man auch wieder, nach der alten Formel Blei zu Gold zu machen?

Für Börsianer jedenfalls spielt das alles in diesem Jahr keine Rolle mehr. Und die Fondsmanager, die nicht bereits zum 30.11. ihre Bücher geschlossen haben, werden auch in den letzten zwei Wochen des Jahres keine Klimmzüge mehr machen.

Das heißt aber nicht, dass wir in der Target-Trader-Redaktion die Hände in den Schoß legen. Rechnen Sie bitte auch in den nächsten Tagen mit weiteren Eilmitteilungen zu den Devisenmärkten oder Aktien, die aus dem Bereich der erneuerbaren Energien kommen. Mit Zoltek haben wir Ihnen vor zwei Wochen einen möglichen Kursverdoppler geliefert. Seit unserer Eilmitteilung von gestern haben Sie Ihren 50-Prozent-Buchgewinn auch abgesichert!

Liebe Leser, wie bereits angekündigt, haben wir das Target-Trader-Outfit modifiziert und den Umfang leicht verkürzt, damit Sie alles noch schneller und auch mit Tablet-Computern noch besser erfassen können. Ich hoffe es, gefällt Ihnen auch, wenn wir zukünftig interessante Leserbriefe in die Ausgabe aufnehmen, um Ihnen die Märkte noch näherzubringen.

Henrik Voigt

In letzter Sekunde

von Henrik Voigt (06.12.2011)


In der vergangenen Woche gab es scheinbar einen Grund zum Feiern an den Börsen: In einer konzertierten Aktion verständigten sich die wichtigsten Notenbanken der Welt darauf, Dollarkredite für die Geschäftsbanken zu verbilligen, um eine drohende Kreditklemme zu verhindern. Die Indizes waren daraufhin nicht mehr zu halten und schossen regelrecht nach oben, denn viele Anleger wurden auf dem falschen Fuß erwischt, die auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten. Deren Eindeckungen trieben die Kurse maßgeblich so schnell nach oben. Gut, dass wir im Vorfeld alle hochgehebelten Puts versilbert hatten, solange noch Gewinne zu verbuchen waren.

Diese Aktion kam natürlich nicht zufällig. Einerseits wollten die Notenbanken damit eine weitere Verkaufswelle der Börsen verhindern (der Eingriff kam gezielt an wichtigen Unterstützungen maßgeblicher Börsenindizes). Andererseits geht hartnäckig das Gerücht um, dass eine große europäische Bank (als Favoriten gehandelt werden RBS oder Santander) kurz vor dem Zusammenbruch stand und nur so in letzter Sekunde noch gerettet werden konnte. Die Wahrheit werden wir vermutlich nie erfahren.

Notenbankeingriffe werden nur kurz Erleichterung bringen


Nun gut, durch die Verbilligung kurzfristiger Kredite durch die Notenbanken wurde ein unmittelbarer Zusammenbruch einiger besonders gefährdeter Großbanken durch eine Kreditklemme (Illiquidität) vorerst abgewendet. An der Bonität der Banken hat sich damit allerdings nicht das Geringste verändert, am Schuldenproblem insgesamt ebenfalls nicht. Faktisch wird es sogar schlimmer, wenn man in einer Überschuldungssituation Kredite billiger macht.

Eine ähnliche „konzertierte Aktion“ der großen Notenbanken gab es übrigens auch zu Beginn des vorangegangenen Bärenmarktes im Dezember 2007. Sie blieb erfolglos. Auch damals sahen wir eine kurzzeitige, fast senkrechte Rally an den Börsen, die allerdings bald wieder verkauft wurde. Die Finanzkrise ließ sich davon nicht aufhalten. Allein der Dow Jones Index verlor in den Monaten nach der ruhmreichen Liquiditätsmaßnahme 53 Prozent seines Wertes bis zum vorläufigen Tief im März 2009. Und das trotz weiterer, hunderte Milliarden schwerer Banken-Bailouts und Konjunkturprogramme. Nein, mit ein paar Zaubertricks lassen sich Bärenmärkte nicht aufhalten. Märkte sind größer als Zentralbanken und einmal eingeschlagene Trends werden nicht so schnell wieder umgekehrt. Da ist es leichter, einen Supertanker zu stoppen.

Als Nebenwirkung eines jeden derartigen Markteingriffes steigen allerdings Volatilität und Unsicherheit an den Börsen. Und die wird uns wohl auch in 2012 erhalten bleiben. Eine schnelle und überzeugende Lösung der Schuldenkrise ist nicht in Sicht. Bislang konzentriert man sich ausschließlich auf „Rettungspakete“, die im Anwendungsfall eine sofortige Erhöhung der Schuldenstände mit sich bringen anstelle einer Senkung. Inzwischen reagieren auch die Anleihenkurse bislang als solide geltender Staaten wie Deutschland sehr negativ auf diese Entwicklung mit steigenden Zinsen und sinkenden Kursen. Das ist jedoch Gift in dieser Situation, wo es hauptsächlich darum geht, höhere Zinskosten zu vermeiden, um die Schuldenstände nicht noch mehr zu erhöhen. Eine Verdoppelung der deutschen Anleihen-Zinsen von 2 auf im historischen Vergleich immer noch moderate 4 Prozent würde Deutschland 40 Mrd. Euro p.a. jährlich kosten und könnte auch die deutsche Volkswirtschaft an den Rand des Abgrundes drängen.

Die Lösung für unsichere Marktphasen: Alpha-Turbos

Mit dieser Gemengelage und weiteren Risiken wie ambitionierten Aktienbewertungen sowie Europa und China auf Rezessionskurs dürfte eine nachhaltige Rally an den Börsen kaum machbar sein. Andererseits wird seit Mitte August noch immer der erste steile Absturz an den Börsen in stabiler Seitenlage „verdaut“ und es ist völlig offen, wie lange dieser zähe Prozess noch dauert. Ich
habe mir deshalb über das Wochenende Gedanken gemacht, wie wir unser Musterdepot weiter von der extrem stimmungsanfälligen Marktentwicklung unabhängiger und damit profitabler machen. Und ich bin fündig geworden: In der wenig bekannten Anlageklasse der Alpha-Turbos. Damit setzen Sie gehebelt auf die Out- bzw. Underperformance einzelner Aktien im Vergleich zum DAX unabhängig davon, in welche Richtung sich der DAX und die betreffende Aktie tatsächlich bewegen. Wichtig ist lediglich, dass die Out- bzw. Underperformance weiter bestehen bleibt bzw. ausgebaut wird. Und da sich solche Tendenzen an den Börsen meist sehr lange fortsetzen, sind Sie mit diesen Scheinen auf der sicheren Seite und können den täglichen Schwankungen an den Märkten gelassen zuschauen.

Jürgen Nowacki

Chancen erkennen – Aktiv handeln – Langfristig profitieren

von Jürgen Nowacki (01.12.2011)


„Trader, jetzt aufgepasst“, lautete letzte Woche unsere Botschaft an Sie – und wir sollten recht behalten. Wir schrieben weiter: „Trader mit einem Trendfolgeansatz [für Devisen und Aktienmärkte] müssen jetzt auf der Hut sein ...“ und dann schilderten wir Ihnen, wie solch eine Gegenbewegung mit steigenden Aktienkursen aus heiterem Himmel über die Märkte hereinbrechen kann.

Aktienmärkte können sich kurzfristig immer wieder gegen den Abwärtstrend stemmen, insbesondere wenn Notenbanken zugunsten des Euro und damit für die Aktienmärkte intervenieren. Damit sollen nicht zuletzt Trader wie Sie vom Markt ferngehalten werden. Aber können Notenbankinterventionen auch Probleme lösen oder verschlimmern sie die Situation möglicherweise noch? Wir werden uns in dieser Ausgabe allerdings nicht mit Politik befassen, das haben wir in den letzten Monaten und Wochen zur Genüge getan und Sie dabei immer wieder auf Überraschungen vorbereitet. Heute wollen wir die Märkte abklopfen um festzustellen, wo sich ein Einstieg trotz Interventionen für Sie lohnen könnte. In unserer Rubrik Devisen und Rohstoffe wenden wir uns unter anderem dem Kanadischen Dollar zu, denn offensichtlich hat sich die kanadische Notenbank gestern nicht am Markt engagiert. Aber sehen Sie selbst, was wir herausgefunden haben.

Am Rohstoffmarkt werden wir uns dem Kupfer widmen, denn wenn China seine Geldschleusen öffnet, um in Europa und Amerika die Konjunktur zu beleben, dann müsste Kupfer ein gutes Geschäft sein. Dazu präsentieren wir Ihnen heute das Basismetall als Schwerpunktthema mit Chart und einer glasklaren Empfehlung.

US-Amerikaner feiern Thanksgiving mit großen Einzelhandelsumsätzen und der US Arbeitsmarkt läuft besser als erwartet
Das, liebe Leser, war für Sie keine großen Überraschung. Sie wissen spätestens seit Beginn der Berichtssaison Anfang Oktober und seit den exzellenten Zahlen der Kreditkartenunternehmen AMEX und VISA, dass es in den USA gar nicht so schlecht um das Konsumentenvertrauen bestellt ist. Der ADP National Employment Report (Arbeitsmarktreport der Privatwirtschaft) berichtete gestern von 206.000 neuen Jobs im November und von einer Revision für Oktober von 110.000 auf 130.000 neue Jobs – ja, wenn das kein Grund zum Feiern ist. Einen schönen zweiten Advent wünscht Ihnen …

Henrik Voigt

Wo kann ich mein Geld noch anlegen?

von Henrik Voigt (29.11.2011)


Es ist seit Monaten immer das gleiche Spiel: Irgendeine Organisation oder Zentralbank stellt wieder einmal Kredite für einen hoffnungslos überschuldeten Staat in Aussicht und schon rennen die Börsen, als hätten sich alle Schulden dieser Welt über Nacht in Luft aufgelöst. Kurze Zeit später fällt den Anlegern wieder ein, dass auch der potenzielle Retter (IWF, EZB oder wer auch immer) eigentlich genauso pleite ist und das versprochene Geld ja gar nicht hat. Nein, es sind wieder nur Versprechungen und neue Schulden, die hin- und hergeschoben werden. Die einzigen, die genug Geld auf der hohen Kante haben, sind die Schwellenländer. Und die halten sich aus dem europäischen Schuldenproblem klugerweise heraus.

Eine Schuldenkrise wird nicht durch neue Schulden gelöst

Wie war das noch? Wir haben eine Vertrauenskrise. Das Vertrauen in die Rückzahlbarkeit vor allem der europäischen Schulden ist zu gering geworden. Die Anleihekäufer streiken und wollen deutlich höhere Zinsen. Bisher sind keine Maßnahmen in Sicht, die dieses Vertrauen wiederherstellen, wie die munter weiter steigenden Zinssätze und Risikoprämien zeigen (Italiens dreijährige heute zu 7,89 %!). Inzwischen werden sogar die bislang als ausfallsicher geltenden deutschen Staatsanleihen gemieden. Eines Tages wird wohl das letzte Mittel sein, dass die Europäische Zentralbank unbegrenzt europäische Staatsanleihen aufkaufen und damit letztlich Geld drucken wird.

Aber wäre damit das Vertrauensproblem gelöst? Wohl kaum, es würde höchstens noch ein wenig Zeit gewonnen. Jeder Investor wird wissen, dass solche kosmetischen Maßnahmen an der Sache an sich nicht das Geringste ändern. Wenn die Schuldtitel durch das Anwerfen der Notenpresse rapide an realem Wert verlieren, werden sich erst Recht keine Käufer mehr dafür finden. Ansonsten brauchten wir ja nur Geld drucken und nie mehr arbeiten. Nein, so etwas hat in der Geschichte bisher noch nie funktioniert.

Die Anleihenblase wird komplett platzen

In 2008 platzte die amerikanische Immobilienblase und zog die Realwirtschaft weltweit in eine Rezession. Faktisch alle Anlageklassen – Aktien, Rohstoffe, Immobilien, Edelmetalle – verloren damals drastisch an Wert. Nur die Anleihen konnten sich behaupten. Keine Notenbank oder Regierung konnte dies verhindern. Jetzt erwischt es auch die Anleihen. Die Junk Bonds (Schrottanleihen) machten mit drastischen Kursverlusten und Zinsanstiegen den Anfang, danach erwischt es die solideren Titel. Der Zinsanstieg bisher grundsolider deutscher Staatsanleihen ist ein Vorgeschmack darauf. Die Blase platzt, die sich über Jahrzehnte aufgebaut hat. Und auch diesmal werden nach und nach wieder alle Anlageklassen betroffen sein. Die Notenbanken werden wie immer nicht viel dagegen ausrichten können – von einigen Zwischenerholungen abgesehen. Am Ende dieses Prozesses wird ein neues und vermutlich besseres und effizienteres Finanz- und Wirtschaftssystem geboren werden. Blasen, die wie in 2000, 2008 und 2011 auf exzessiven Schulden und falschen Versprechungen basieren, wird es dann nicht mehr geben. Und das ist ja auch nicht schlecht.

20 Prozent Seitwärts-Rendite mit überschaubarem Risiko – gibt`s hier

Bis dahin kann es allerdings noch eine Weile dauern. Die volatilen und auf längere Sicht noch richtungslosen Börsen werden uns deshalb kurzfristig weiterhin begleiten. Wir haben uns inzwischen darauf eingestellt, fassen Stoppkurse weiter, verkleinern Positionen und nehmen schneller Gewinne mit. Eine damit verbundene hohe Cashquote macht zwar in dieser Marktphase Sinn, allerdings liegt das Geld dann auch nur zu Minizinsen herum und wird langsam von der Inflation angeknabbert. Aber ich habe eine Lösung für dieses Problem gefunden: Meine neue, konservative Investment-Idee für Sie ist ein DAX-Korridor-Bonus-Zertifikat, welches Ihnen ohne viel „Zittern“ über 20 Prozent Rendite in einem Jahr einbringen wird und in das Sie gern auch einmal größere Summen investieren können..

Jürgen Nowacki

Die Hoffnungsträger der Energiewende verkommen zu Pennystocks; werden Großprojekte der Energiewende demnächst mit Eurobonds finanziert?

von Jürgen Nowacki (23.11.2011)



Wer hätte das gedacht, die Katastrophe um das AKW in Fukushima leitete nicht nur eine Energiewende ein, sondern fördert auch ein großes Umdenken in den Parteien und in ihrem Umgang miteinander. Offensichtlich gibt es mehr politische Gemeinsamkeiten zwischen schwarz und grün als zwischen schwarz und gelb. Wer aber glaubte, dass er jetzt mit grünen Investments auf der sicheren Seite sei, wird seinen Augen nicht mehr trauen. Solaraktien, einst die Hoffnungsträger für eine umweltfreundliche Energiebilanz, zerplatzen wie Seifenblasen und mancher Anleger fühlt sich unangenehm an das Scheitern der DOT-COM-Blase und den Niedergang des Neuen Marktes erinnert. Was aber vor 10 Jahren mit Web 2.0 technologische Umwälzungen und eine Revolution im Dienstleistungssektor – insbesondere bei Banken, Versicherungen und im Tourismus – auslöste, ist durch den Niedergang des Neuen Marktes nicht zum Stillstand gekommen. Die großen Player sind in den USA und Asien angesiedelt. Somit haben wir in Deutschland wieder einmal gute Grundlagenforschung geleistet, aber kaufen werden wir Produkte aus den USA und Asien, ein Vorgang, den wir bereits aus der Unterhaltungs und Kommunikationstechnik, aber auch aus der KFZ-Technik kennen.

Und trotzdem gibt es einige interessante Cleantech-Aktien, die von EU-Großprojekten zur profitieren sollten. Wenn Sie sich einmal Toray Industries* aus unserem Musterdepot ansehen, dann kann sich diese japanische Aktie gegen herbe Rückschläge der großen Aktienindizes gut behaupten. Ein guter Grund, einmal außerhalb Deutschlands in Asien und den USA nach vergleichbaren Papieren zu suchen, mit denen sich zukünftig Geld verdienen lässt.

Amerika läuft mit 15 Billionen US-Dollar Schulden in einen harten Wahlkampf. Hier wird nichts verschenkt und wer glaubt, dass Aktien jetzt erste Wahl wären, weil ein Präsidentenzyklus vor der Tür steht und Wahlgeschenke machen kann, den muss ich enttäuschen. Warum wir mit weiter fallenden Aktienkursen rechnen müssen, erklären wir in DAX und Dow – Outlook.

Aber es gibt auch einen Hoffnungsschimmer, denn wie wir es Ihnen bereits vor Wochen prognostiziert haben, wird der Euro-Bond kommen. Die Politiker werden uns bereits in den nächsten Tagen und selbstverständlich nach gewissenhafter Prüfung erläutern, warum es sinnvoll ist, europäische Großprojekte wie Autobahnen, Solarkraftwerke in Griechenland und Spanien aber auch militärische Projekte mit Eurobonds zu finanzieren. In dieser Ausgabe sprechen wir über die Konsequenzen daraus und wie Sie als Anleger davon profitieren können. Seien Sie gespannt.

US-Amerikaner sind in Holiday-Season-Stimmung und begehen ihr wichtigstes Familienfest Thanksgiving. Vielleicht feiern Sie auch ein bisschen mit und lassen sich am 1. Advent vom Geist der Vorweihnacht einfangen.

Henrik Voigt

Vorbereitung ist alles

von Henrik Voigt (22.11.2011)


Im Handelsblatt lese ich: „Die EZB ist längst die größte Bad Bank Europas. Nun erschüttert eine Debatte die Notenbank in den Grundfesten: Soll sie unbegrenzt Geld drucken, um taumelnden Staaten zu helfen? Es wäre ein Tabubruch mit Folgen“. Zweifellos gerät diese Krise immer mehr außer Kontrolle. Gleichzeitig verlieren die vermeintlichen „Rettungsmaßnahmen“ drastisch an Seriosität.

Vorbereitung ist besser als Ignoranz oder Panik

Die Welt wird aber davon nicht untergehen. Es gibt keinen Grund, in Weltuntergangsszenarien zu verfallen. Aber ebenso wenig wird in dieser Situation Schönfärberei weiterhelfen. Ich bereite mich und Sie lieber auf die Dinge vor, die da kommen mögen. Im Gegensatz zu Ihrem Bankberater, der nur dann Geld verdient, wenn er Ihnen möglichst viele (und zumeist teure und gerade in der aktuellen Marktsituation unsinnige) Bankprodukte verkauft, sind wir bei DAX Profits unabhängig. Ich verdiene nichts an meinen Empfehlungen für Sie. Aber nur, wenn Sie damit langfristig gut fahren, bleiben Sie mir als Leser treu. Und genau aus diesem Grund gilt meine ganze Expertise in diesem Dienst einem einzigen Streben: Sie möglichst gut vorbereitet und profitabel durch diese Krise zu bringen.

Ende vergangener Woche sind die amerikanischen Börsen wieder eingebrochen. Kupfer und Öl ebenfalls. Zu Beginn dieser Woche folgen die deutschen Indizes nach. Ihr Bankberater würde Sie jetzt wohl zum Durchhalten auffordern. Oder sogar zum Nachkaufen von Fondanteilen seiner Bank. Bis von Ihrem Vermögen im schlimmsten Fall nur noch Bruchteile übrig sind. Wir hingegen wissen es besser und haben diese erneute Wende nach unten seit Wochen auf unserer Rechnung. Wir haben uns nicht blenden lassen und uns entsprechend positioniert, so dass wir von einer größeren Abwärtswelle ganz erheblich profitieren werden, während die große Masse der Anleger Verluste hinnehmen muss (vor allem unser TecDAX Short-Zertifikat dürfte sich im Wert vervielfachen). Wir können die Situation nicht ändern. Aber wir sind optimal vorbereitet. Warten Sie einfach gelassen ab. Sie stehen auf der richtigen Seite.

Henrik Voigt

Startet hier ein neuer Bullenmarkt?

 

von Henrik Voigt (17.11.2011)


Während der Woche meiner Abwesenheit scheint sich nicht wirklich etwas verändert zu haben. Es war auch nicht wirklich zu erwarten gewesen. Die Börsen stehen genau dort, wo sie vor einer Woche auch standen, ungeachtet eines weiteren erfolglosen Rallyversuchs.

Italien und Griechenland bekommen neue Regierungen, aber damit allein sind die altbekannten Probleme nicht gelöst. Mit Holland rutscht nun ein weiteres, einst starkes Mitglied der Eurozone in die Rezession ab. Weder in der Frage der Kapitalerhöhungen für die Banken noch bei der Mittelausstattung für den erweiterten Rettungsschirm ist man indes weitergekommen. Inzwischen scheinen die europäischen Bankenprobleme auch die USA zu erreichen. Erst gestern kündigte die Ratingagentur Fitch eine bevorstehende Abstufung amerikanischer Geldinstitute aus genau diesem Grund an.

Atmen die Börsen nur kurz durch?

Doch immerhin halten sich die Börsen (im Gegensatz zum wieder schwächelnden Euro etwa) angesichts der mauen Nachrichtenlage noch recht stabil in der Nähe ihrer Erholungshochs von Ende Oktober auf. Hartnäckig hält sich die Hoffnung, dass die Schulden- und Konjunkturprobleme schon „irgendwie“ gelöst werden. So mancher Analyst will deshalb mit den markanten Tiefs Anfang Oktober bereits einen neuen Bullenmarkt ausgemacht haben.

Nach dem außerordentlich starken Börsenmonat Oktober ist die Hoffnung auf weitere Kurszuwächse bis Jahresende in einer saisonal üblicherweise starken Zeit für Aktien nicht ganz unberechtigt. Der November brachte bisher ein Durchatmen mit einer Seitwärtsbewegung. Kommt also noch mehr nach oben?

Das wird wohl kaum ein neuer Bullenmarkt

Nach der jüngsten Studie des bekannten US-Analysten Mark Hulbert zeigen alle zehn Bullenmärkte der letzten Jahrzehnte ein gemeinsames Merkmal: Die Börsenumsätze an der NYSE (New York Stock Exchange) zogen während der ersten sechs Wochen eines neuen Bullenmarktes im Vergleich zu den sechs Wochen davor deutlich an, und zwar im Schnitt um den Faktor 2,15. Einfacher ausgedrückt: Ein neuer Bullenmarkt zeigt in seiner Anfangsphase mehr als das doppelte Börsenvolumen als die letzten Wochen des kurz zuvor zu Ende gegangenen Bärenmarktes.

Seit den markanten Tiefs Anfang Oktober sind nun wieder 6 Wochen vergangen. Wie haben sich
die Börsenumsätze im Vergleich zu den 6 Wochen davor entwickelt? Sie liegen nur um den Faktor
1,87 höher. Kein Bullenmarkt startete bisher mit so wenig Power. Speziell jetzt im November scheinen die Umsätze förmlich auszutrocknen. Gestern beispielsweise sahen wir in den USA das drittniedrigste Umsatzvolumen des gesamten Jahres! Es sieht so aus, als hätten sich zu viele Anleger bereits im Oktober für eine mögliche Jahresendrally positioniert, die jetzt einfach nicht kommen will. Nebeneffekt dieser dünnen Börsenumsätze sind leider auch zahlreiche Fehlausbrüche. Trendbewegungen werden in solchen Phasen nur angetäuscht und meist direkt wieder negiert. Ein Platz auf dem Beobachtungsposten ist für mittelfristig orientierte Anleger und Trendtrader eher zu empfehlen als jeder hektischen Minibewegung des Marktes hinterherzulaufen.

Bereithalten - die Chancen liegen bald deutlich auf der Shortseite

Zusammen mit der vor allem in den USA wieder verdächtig euphorischen Anlegerstimmung haben wir eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Rally seit Oktober nur eine vorübergehende Zwischenerholung im Abwärtstrend und nicht der Start eines neuen Bullenmarktes ist. Die nächste größere Trendphase wird demnach wohl wieder abwärts gerichtet sein, die Chancen werden mittelfristig eher auf der Shortseite des Marktes zu finden sein. Wann diese Trendphase starten dürfte, das zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Jürgen Nowacki

Monti mit Vorschusslorbeeren

 

von Jürgen Nowacki (15.11.2011)

 

Wer erwartete, dass bereits die Inthronisierung einer neuen Regierung – und sei es auch nur einer Übergangsregierung – in Italien Wunder vollbringen könne, hat die Märkte nicht verstanden. Der Kursanstieg in der letzten Woche war zum einen dem bevorstehenden Wochenende und zum anderen dem gestiegenen US-Verbrauchervertrauen geschuldet, aber nicht dem Ende der Ära Berlusconi.

Auch wenn die Medien das Ende Berlusconis bereits als gelungenen Neuanfang feiern, sollte jedem Börsianer klar sein, dass es sich bei Silvio B. nicht um einen dummen Jungen handelt, demdie Macht und sein Spielzeug zu Kopfe gestiegen waren. Berlusconi wusste genau, wie er seine Landsleute zu nehmen hatte, und er wusste genau, was das Volk von ihm erwartete. Das, was er dem italienischen Volk auf Pump gegeben hat, hielt ihn an der Macht. Und es sind dieselben Beweggründe, die deutsche Politiker veranlassen, lieber die Neuverschuldung zu steigern und Steuergeschenke zu machen – wie Erziehungsgeld (Herdprämie) für Topverdiener – als die Gunst der Stunde zu nutzen und die Verschuldung zu senken. Aber kommen wir auf Retter Mario Monti zu sprechen. Was will der Wirtschaftsexperte und frühere EU-Kommissar besser machen? Wie wird er die Gewerkschaften mit ins Boot holen? Was nützen die zahlreichen Vorschusslorbeerenaus einer makellosen Bankenkarriere, wenn das Volk auf die Straßen geht und Banken und Autos anzündet wie in Athen? Nur wenn es gelingt, mit den Kommunisten und den Gewerkschaften ein Gesamtpaket zu schnüren, kann von einem tragfähigen Konzept gesprochen werden.

In der heutigen TT-Ausgabe widmen wir uns im Schwerpunktthema dem Erdöl und der Korrelation zwischen Öl und S&P 500 – und so viel bereits vorweg: Es sieht gar nicht so schlecht aus für die Wall Street. Lesen Sie hierzu auch mehr unter Dow und DAX – Ausblick. In unserer Rubrik Euro und Rohstoffe kommen wir auf eine brisante Kaufgelegenheit für Euro-Puts zu sprechen.

Jürgen Nowacki

Was Parlamente nicht schaffen, die Märkte bereiten dem Politzirkus ein Ende

 

von Jürgen Nowacki (09.11.2011)



Was wurde in den letzten Wochen und Monaten über die Irrationalität der Märkte gestänkert und wie wurden Trader diffamiert.Jetzt zeigt sich, dass die Märkte und ihre Akteure innerhalb von kurzer Zeit die politische Szene in Griechenland und Rom bereinigt haben. Das, was in den letzten Jahren keiner legitimierten Regierungsopposition gelungen ist, nämlich Regierungsmissstände zu beenden und die amtierenden Götter in feinstem Brioni-Tuch vom Sockel zu stoßen, hat jetzt schlussendlich der Markt vollzogen. Was ökonomisch falsch war, aber über viele Jahre hinweg politisch legitimiert wurde, hat jetzt durch die Finanzmärkte ein Ende gefunden.

Aber ist das nicht auch eine Warnung vor Fehlentwicklungen, wie wir sie momentan in der EZB beobachten können? Das neue Management der europäischen Notenbank stützt den Anleihemarkt bei jeder sich bietenden Gelegenheit und damit stärker als Vorgänger Jean Claude Trichet. Mario Draghi senkt überraschend und ohne Not die Zinsen und opfert das, was von der Geldwertstabilität noch übrig geblieben ist. Die Neutralität der EZB ist schon lange geopfert und hat einige Bundesbanker bewogen ihren Platz zu räumen. Das war offensichtlich aber nicht Warnung genug und hinter den Kulissen fragen sich die Experten, wann die Märkte auch bei der EZB eine Bereinigung vornehmen werden. Der Risikoaufschlag für italienische Anleihen ist weiter gestiegen und Rom muss für Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit jetztmehr als 6,60 Prozent Zinsen zahlen. Was die neuen Politiker nach der Ära Berlusconi machen werden, bleibt weiterhin unklar, aber es gibt Hoffnung vom Goldmarkt. Lesen Sie in unserer Rubrik Devisen und Gold, wie sich die Problememittelfristig auflösen könnten.

Fassen wir die Fakten einmal zusammen: Die Märkte und ihre Akteure mussten mit Sorge beobachten, wie die EZB mittlerweile für mehr als 180 Milliarden Euro Staatsanleihen Spaniens, Italiens und Irlands ankaufte, um Kurskosmetik am Markt zu betreiben. Es ist allgemeiner Konsens, dass die EZB für diese Geschäfte keine politische Legitimation hat. Die Märkte sind stark beunruhigt, weil die Verluste der EZB die Verluste der G17-Staaten sind.

Liebe Leser, in den Medien wird so getan, als ob Angela Merkel noch entscheiden könnte, dass die Goldreserven im Safe der Bundesbank bleiben, aber offensichtlich ist die Realität eine andere. Stellen Sie sich darauf ein, dass auch diese Hemmschwelle fallen wird. Wenn meine Vermutung richtig ist, dann bleibt der EZB nichts anderes übrig, als dem Goldpreis freien Lauf zu lassen und die Gold-/Devisenreserven für eine Erweiterung des Rettungsschirms zu opfern, oder die Experten führen zumindest teilweise den Goldstandard in Europa ein.

Henrik Voigt

Anlegerstimmung: zu schnell wieder zu euphorisch

 

von Henrik Voigt (08.11.2011)



Zunächst heiße ich die zahlreichen neuen Leser herzlich willkommen. Wenden Sie sich bitte bei Fragen direkt an mich.

Damit zu einer Standortbestimmung an den Märkten. Der Oktober war mit einem Plus von 11,62% einer der besten Monate in der Geschichte des DAX`. Ein neuer Bullenmarkt? Mitnichten: Die zehn größten Monatsgewinne in der Börsengeschichte ereigneten sich alle während langfristiger Bärenmärkte, waren also lediglich Zwischenerholungen im Abwärtstrend, die von neuen Tiefs gefolgt wurden. Die Gefahr ist groß, dass mit den Kursaufschlägen dieses Oktobers das Gleiche passiert. Warum?

Die Oktoberrally brachte vor allem eines: zu viel Euphorie

Zum einen haben wir es nach dem starken Pessimismus im August/September nun wieder extrem zügig mit überschäumender Euphorie an den Börsen zu tun bekommen, wie diverse Indikatoren zeigen. Keine Skepsis gegenüber der Rally mehr, die für eine konstante „wall-of-worry“ sorgen könnte und damit zu einem Andauern der Aufwärtsbewegung. Solange die Masse mehr Angst davor hat, den nächsten Bullenmarkt zu verpassen als vor weiteren Kursverlusten, wird das nichts.

Ein Beispiel: Der Hulbert Nasdaq Newsletter Sentiment Index, ein Stimmungsindikator mit einem sehr guten „track record“ als Kontraindikator für den spekulativen US-amerikanischen Nasdaq-Index, steht jetzt höher als am Hoch des Bullenmarktes im Mai. Die Gefahr ist groß, dass das Boot bereits wieder zu voll ist und die Rally schnell wieder in sich zusammen fällt. Die Stimmung stützt die Börsen nicht länger, sie belastet sie jetzt. Mark Hulbert, der Herausgeber des Stimmungsindikators, geht deshalb in seinem letzten Kommentar vom Freitag davon aus, dass die Anfang Oktober markierten Jahrestiefs an den US-Börsen erneut unterschritten werden.

Konjunktur: ECRI sieht US-Rezession als sicher an

Aber kommt wenigstens Schützenhilfe von den Wirtschaftsdaten? Ich beobachte u.a. regelmäßig den Leading Index des Economic Cycle Research Institute (ECRI), einen sehr zuverlässigen Früh-Indikator für das Wachstum in den USA. Mit diesem Indikator gelang es dem Institut im Gegensatz zu allen offiziellen Stellen, sechs der letzten sieben Rezessionen seit den 1960er Jahren vorherzusagen. Ich kenne keinen besseren Konjunkturindikator. Am 30. September 2011 sagte das ECRI mit ungewöhnlich klaren Worten eine erneute Rezession in den USA in den kommenden Monaten vorher („Early last week, ECRI notified clients that the U.S. economy is indeed tipping into a new recession. And there's nothing that policy makers can do to head it off.”). Ich habe noch nie erlebt, dass sich das Institut derart weit aus dem Fenster lehnte wie in diesem Bericht (bei einer Fehlprognose setzen sie ihren guten Ruf aufs Spiel, da sie bisher fast immer richtig lagen). Der Aktienmarkt schlug die Warnungen dennoch umgehend in den Wind. Ähnlich wie nach der letzten Rezessionswarnung des ECRI im Sommer 2008, wo es kurz darauf zu einer etwa 20prozentigen Bärenmarktrally kam – die letzte vor dem großen Crash. An der Rezessionswahrscheinlichkeit hat sich auch diesmal nichts geändert - im Gegenteil. Die ECRIDaten sind seither noch tiefer in den negativen (Schrumpfungs-)Bereich abgerutscht. Das Institut bekräftigte seine Rezessionswarnung erneut am 07.November.

Euro-Rettung steht auf tönernen Füßen


Gerade in Bärenmärkten ist man immer wieder erstaunt, mit welcher Sturheit Börsen eine Zeitlang
in die falsche Richtung laufen können. Mag sein, dass die Hoffnung auf eine schnelle Lösung der
europäischen Schuldenkrise hier die Haupttriebfeder ist. Allerdings werden Probleme, die über viele Jahrzehnte angehäuft wurden, kaum in ein paar Wochen gelöst sein. Das zeigt sich bereits bei dem mit großen Worten angekündigten erweiterten Europäischen Rettungsschirm EFSF. Er soll über einen ominösen Hebelmechanismus zwar auf über 1 Billion Euro gehebelt werden und könnte damit zunächst bei den kleineren Krisenstaaten eine Menge Zahlungsausfälle kompensieren. Aber es scheint nicht einmal zu gelingen, ihn mit echtem Geld von Investoren aufzufüllen, damit er überhaupt funktionsfähig wird. Die abgeblasene erste Anleihenauktion in der vergangenen Woche hat es recht drastisch gezeigt: Europa ist für die meisten Investoren zu riskant geworden.

Trotz Rettungspaketen: Griechenland ist längst pleite

Pikantes Detail am Rande: Griechische Staatsanleihen mit zweijähriger Laufzeit weisen inzwischen einen Zinssatz von 103 % auf. Der Markt rechnet trotz aller Rettungspakete und Zwischenkredite der EU also mit einem sicheren Zahlungsausfall und damit einer Staatspleite. Man möchte jedoch gerne eine offizielle Griechenland-Pleite so lange verhindern, bis der neue EFSF tatsächlich einsatzbereit (also mit ausreichend Investorenkapital unterlegt) ist, damit man damit die nächsten großen Wackelkandidaten Italien oder Spanien retten kann. Bislang scheint das nicht zu funktionieren. Aber selbst wenn: Das Wachstum der peripheren Länder ist zu schwach, um deren Handelsbilanzdefizite abzubauen. Die einzige Chance bestünde im vermehrten Gelddrucken durch die Europäische Zentralbank (EZB), was bislang glücklicherweise von Deutschland blockiert wird, wo aus historischen Gründen eine große Angst vor inflationären Entwicklungen herrscht.

Das ist die Realität, die die Aktienbörsen derzeit ausblenden. Wir bleiben weiter vorsichtig, lassen uns nicht in die Falle locken und halten viel Cash. Sobald die nächste große Verkaufswelle anrollt, klinken wir uns verstärkt in Abwärtsrichtung ein. Wann es losgehen dürfte, das zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Jürgen Nowacki

Die Eiszeit geht weiter

 

von Jürgen Nowacki (03.11.2011)


Alles dreht sich offensichtlich nur noch um Griechenland. Kaum dass man glaubt, eine weitere Entwicklungsstufe in der Krisenbewältigung erreicht zu haben, droht neues Ungemach. Warum, so fragt sich die ganze Welt, wurde das Referendum, also die Volksbefragung, nicht bereits vor Monaten vorgenommen? Jetzt werden Stimmen laut, die das hohe Verhandlungstempo der Unterhändler und Krisenstäbe kritisieren und argumentieren, dass es das gute Recht einer Nation sei, bei so wichtigen Fragen das Volkmit an Bord zu nehmen und seine Einschätzung zu berücksichtigen. Ja, das mag stimmen, zumindest wirkt es auf den ersten Blick plausibel. Aber was würden wir als Eltern davon halten, wenn der Schulbusfahrer während der Fahrt feststellt, dass er die Verantwortung für 50 Kinder nicht mehr tragen kann und während der Fahrt aussteigt?

Was haben die Verhandlungsführer übersehen? Hätten Sie ihre Finanzierungszusagen nicht nur vom Bericht der Troika, sondern auch vom vorherigen Votumder Bevölkerung abhängig machen müssen?

Muss sich das Gespann Sarkozy-Merkel tatsächlich den Vorwurf gefallen lassen, die Griechen überrannt zu haben? Mitnichten, denn Griechenland selbst war es, das Druck gemacht hat und keine Gelegenheit ausließ deutlich zu machen, wie wichtig die pünktliche Überweisung der sechsten Teilauszahlung Anfang November in Höhe von 8 Milliarden Euro aus dem ersten 110-Milliarden-Euro-Rettungspaket sei.

Jetzt, nachdem bereits 65 Milliarden Euro geflossen sind, soll das Volk befragt werden, ob es sparen oder gleich die Insolvenz in Kauf nehmen will? Diese Vorgehensweise ist naiv und absurd, denn nach Artikel 44 Absatz 2 der griechischen Verfassung*, so hat der Analyst Joachim Goldberg auf blognition.de recherchiert, kann es eine Volksbefragung zu allenmöglichen gesellschaftlichen Themen geben, aber nicht zum Finanzsektor. Papandreou hält sich demzufolge also selbst nicht an sein eigenes Grundgesetz und sieht sich offensichtlich selbst auch nicht mehr in der Lage, rechtswirksame Geschäfte oder besser Willenserklärungen für sein Volk abzugeben. Das ist die Kapitulation eines Politikers, mit dem ab sofort nicht weiter verhandelt werden dürfte. Die Verhandlungen müssten ruhen, bis eine neue Regierung die Amtsgeschäfte übernimmt.

Warum, so mag sich mancher Beobachter fragen, fallen aber die Aktienmärkte, wenn die Gefahr besteht, dass Griechenland aus der Eurozone austritt? Müssten die Aktienkurse dann nicht eher steigen? Europa könnte doch viel Geld sparen und die EZB brauchte keine Griechenbonds mehr anzukaufen.

Nun, es geht ja eben nicht nur um Griechenland, sondern vor allem um die Banken und Versicherungen, die in Griechenland investiert haben. Folglich haben wir mindestens bis zur Klärung aller Sachverhalte und bis zum Volksentscheid mit fallenden Aktien- und Rentenkursen zu rechnen. Wir haben das zur Kenntnis nehmen und in der Depotstrategie konsequenterweise Änderungen vornehmen müssen. Die Musterdepots sind bis auf wenige Aktien aus Sondersituationen und Edelmetalle geräumt und mit Euro- sowie DAX-Puts bestückt.

Die Eiszeit ist leider noch nicht vorbei! In unserer Rubrik Dow und DAX werden wir heute untersuchen, ob Versorgeraktien zukünftig bei Anlageentscheidungen als sicherer Hafen herangezogen werden können und damit eine Alternative zu den Staatsanleihen bilden.

Liebe Leserin, lieber Leser des Target Trader,
die Grundlage im Geschäftsleben sind übereinstimmende Willenserklärungen, aber auch die Geschäftsfähigkeit der Beteiligten. Eine Regierung, die ihre eigene Geschäftsfähigkeit und Legitimation zu einem Zeitpunkt in Frage stellt, an dem im höchsten Maße Gefahr im Verzuge ist, fügt seinen Partnern und damit seinem Land schweren Schaden zu. Die Folgewirkungen sind katastrophal und betreffen alle grenzüberschreitenden Geschäftsverbindungen. Hier werden gerade die letzten Sympathien, die dem griechischen Volk bislang entgegengebracht wurden, verspielt. Oder würden Sie ein Solarkraftwerk in einem Land vorfinanzieren oder Hotels bauen, wenn Vertragsbruch dort quasi gesellschaftsfähig ist und die Kultur bestimmt?

Henrik Voigt

Börsen am entscheidenden Punkt gescheitert?

 
von Henrik Voigt (01.11.2011)


Es passiert nicht alle Tage, dass die Börsen innerhalb von wenigen Monaten zwei vermeintliche große Trendwechsel (im Juli abwärts, im Oktober aufwärts) mit anschließenden, schlagartigen Indexbewegungen von mehr als 20 Prozent durchmachen. Soweit ich mich erinnere, gab es das noch nie. Diese enorme Volatilität und Schizophrenie der Märkte wird direkt durch die massivsten staatlichen Markteingriffe der Wirtschaftsgeschichte ausgelöst. Aber die Nebenwirkungen solcher „Verzweiflungstaten“ sind gravierend. In der Wirtschaftspresse finde ich heute ein Zitat von Felix Zulauf, einem bekannten Schweizer Vermögensverwalter: "Wir haben im Moment die größte Finanzmarktmanipulation der Geschichte durch die Notenbanken. Unsere Kinder werden in den Geschichtsbüchern lesen über den Unsinn, den wir veranstaltet haben. Aber es ist nicht das Ende der Welt, sondern nur der Welt, wie wir sie kannten". Hoffen wir, dass der Unsinn bald endet, damit etwas Besseres daraus entstehen kann.

Staaten müssen sich aus Märkten heraushalten

Mit dem neuen EU-Rettungsschirm werden die Anleihen insolventer Eurostaaten und damit gleichzeitig die involvierten Banken mit (vorwiegend deutschen) Steuermitteln subventioniert. Freilich um den Preis noch höherer Staatsschulden und mit dem Risiko, dass mittelfristig auch starke EU-Länder wie Deutschland unter die Räder kommen. Kaum wurde das neue Rettungspaket vor wenigen Tagen als „großer Wurf“ verkündet, scheren die Vertragspartner aber schon wieder aus. Griechenland will die Verträge mit einer Volksabstimmung über die Sparmaßnahmen kippen, die Banken wollen bessere Konditionen beim geplanten Schuldenschnitt, dem Rettungsschirm fehlen noch 560 Mrd. Euro an Finanzmitteln. Hier zeigt sich die ganze Unfähigkeit unserer Politelite, was inzwischen wohl auch die Finanzmärkte erkennen (besser spät als nie).

Große Richtungsentscheidung rückt näher

Die Volatilität an den Börsen ist derzeit wieder enorm hoch. Die Gefahr, dass die Märkte mittelfristig kaputtgespielt werden, wenn einseitig eine Minderheit von Marktteilnehmern mit viel zu hohen Risiken subventioniert wird, ist nicht gerade gering. In dieser Situation war es goldrichtig, dass wir in DAX Profits eine hohe Cashquote gehalten haben. In den nächsten Wochen dürfte der Markt eine mittelfristige Richtungsentscheidung treffen, die dann das längerfristige Halten von Positionen ermöglicht, was wiederum hohe Gewinne einbringen dürfte. Im Gegensatz zu vielen anderen Börsendiensten, die jetzt hohe zweistellige Depotverluste wieder aufholen müssen, weil sie im Crash mit prall gefüllten Depots und ohne sinnvolles Risikomanagement auf dem falschen Fuß erwischt wurden, können wir gelassen die Richtungsentscheidung der Märkte abwarten und uns dann mit größerer Sicherheit positionieren.

Crash oder Rally?

Die Märkte stehen jetzt an einem entscheidenden Punkt, an dem es auch um unsere weiterhin richtige Positionierung geht. Aktuell sehen wir eine deutliche Korrektur auf die ungesund steile Hoffnungsrally der letzten Wochen. Bringt diese keine neuen Jahrestiefs, dann hat sogar eine neue Bullenphase mit anschließenden Jahreshochs (bis etwa Mai 2012) eine Chance. Bricht die Rally aber schnell und komplett wieder zusammen und führt unter die alten Jahrestiefs, dann werden wir wohl Zeuge der stärksten Verkaufswelle des laufenden Jahres. Auf jeden Fall werden wir in Richtung Jahresende sehr große  Bewegungen sehen. Und wir werden auf der richtigen Seite des Marktes dabei sein. Wie es an den Börsen weitergeht, das zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits.

Jürgen Nowacki

Effektivere Nutzung des Euro-Rettungsschirms EFSF ein Blankoscheck?

 

von Jürgen Nowacki (26.10.2011)



Sorry, aber ich muss heute noch einmal auf das aktuelle EU-Gipfeltreffen eingehen. Für uns Marktakteure ist dieses Thema wichtig für die Positionierung. Während zum Thema Rettungsschirm in den Medien vor allem 2 Zahlen herumgereicht werden, nämlich eine Haftung des deutschen Steuerzahlers von 211 Mrd. Euro im Rahmen des EFSF-Rettungsschirms und eine Hebelung auf 1 Billion Euro, ist bereits heute vielen Volkswirten und Analysten klar, dass die in der letzten Woche genannte Planzahl von einer Hebelung auf 2 Billionen Euro vor allem aufgrund der Probleme mit Italien und Spanien sehr viel wahrscheinlicher ist. Außerdem dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass die EZB bis Ende letzter Woche bereits für 169 Milliarden Euro problematische Staatsanleihen zur Marktpflege angekauft hat. Wie soll das weitergehen, findet hier eine Haftungsausweitung über die EZB statt?

In diesem Zusammenhang wird auch deutlich, was es mit der Legitimation der Bundesregierung auf sich hat, wenn es heißt: „Die Bundestagsfraktionen von Union und FDP haben am Dienstagnachmittag einem Antrag zur „effektiveren Nutzung des Euro-Rettungsschirms EFSF zugestimmt“. Effektive Nutzung lässt eben offen, wie weit der Hebel gehen darf, und schafft alles andere als Transparenz. Es ist ganz klar, dass die Bundesregierung mit einer Vollmacht in die Verhandlungen gehen muss, die sie nicht einengt, aber es sollte uns Marktakteuren auch klar sein, dass der Spuk noch lange nicht vorbei ist, sondern jetzt erst einmal in die nächste Runde geht.

Fassen wir zusammen: Die Haftungsdiskussion für deutsche Steuerzahler ist noch lange nicht vom Tisch, die Unsicherheiten bleiben wegen schwammiger Haftungsbegrenzungen in den Aktienmärkten, in den Devisenmärkten aber auch in den Köpfen der Konsumenten, was die Rezessionsängste verschärfen dürfte. Dazu, lieber Leser, finden Sie heute eine Statistik in der Rubrik Konjunktur und Zinsen, die Sie sich unbedingt ansehen sollten. In unserer Rubrik DAX und Dow – Outlook erläutern wir Ihnen, warum wir trotz politischer Unsicherheiten weiterhin vorsichtig optimistisch für die Aktienmärkte sind und die Investitionsquote behutsam ausweiten werden.

Henrik Voigt

EU-Gipfel bisher ergebnislos


von Henrik Voigt (25.10.2011)


An den Börsen wird seit einigen Wochen wieder die Hoffnungskarte gespielt. Man hofft auf eine schnelle Lösung der Europäischen Schuldenkrise. Aber eine Krise, die sich über viele Jahrzehnte aufgebaut hat, lässt sich nicht innerhalb weniger Wochen lösen. Das zeigt auch die Tatsache, dass der medienwirksam inszenierte „große Wurf“ eigentlich auf dem EU-Gipfel am Sonntag hätte verkündet werden sollen. Stattdessen war die Uneinigkeit innerhalb der EU so groß, dass ein möglicher Kompromiss jetzt auf Mittwoch verschoben werden musste. Und auch da ist eine echte Lösung weiter fraglich.

Hoffnung allein macht keinen neuen Bullenmarkt

Tatsächlich braucht Europa in den kommenden drei Jahren die unvorstellbare Summe von 1,7 Billionen(!) Euro zur Bedienung seiner in diesem Zeitraum fälligen Staatsanleihen. Dann müssen die Staaten entweder zahlen, oder umschulden. Beide Möglichkeiten scheiden aber aus. Zum Zurückzahlen fehlt das Geld, zum Umschulden die Investoren. Kein Investor geht in den mittlerweile als hochriskant eingestuften europäischen Markt. Daran dürfte sich auch nichts ändern, wenn die Papiere über den erweiterten Rettungsschirm ESFS ausgegeben werden, denn der ist auch nur mit „Garantien und Versicherungen“, aber nicht mit genügend echtem Geld hinterlegt.

Es könnte also auch nach diesem „Rettungs-Mittwoch“ nichts weiter als eine neue Runde des Wartens auf eine wie auch immer geartete, schnelle Wende zum Besseren geben. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Dass diese Hoffnung bisher auf Sand gebaut ist, zeigen viele charttechnische Vorläuferindikatoren, die der allgemeinen Börsenerholung hinterherhinken, was wiederum Zeichen eines übergeordnet weiter anhaltenden Bärenmarktes ist.

Bleiben Sie gelassen

Obwohl sich die Märkte in den letzten Wochen stabilisieren konnten, schlagen die Stimmungen immer wieder sehr schnell um. Gefangen zwischen der Angst vor dem Verpassen der nächsten Rally und der Furcht vor dem nächsten Einbruch bleibt der Markt nervös. Die Volatilität ist nach wie vor sehr hoch. Alle hoffen, dass der Crash ein Fehlsignal war und verweigern sich der Erkenntnis, dass der Bullenmarkt zunächst vorbei ist. Und das, obwohl es eindeutige Parallelen zum letzten Bärenmarkt und ähnlichen Börsenphasen in den Jahren davor gibt. Erst wenn diese Parallelen aufgesprengt werden, können die Bullen wieder wirklich hoffen.

Diese Börsenphase kann sich problemlos noch einige Wochenhinziehen, bis die nächste größere Trendbewegung (voraussichtlich abwärts) einsetzt. Die Kursausschläge dürften dabei allmählich kleiner werden, der Aufwärtsdrang allerdings ebenso. Lassen Sie sich also von dem täglichen Geplänkel nicht verunsichern. Mit einer vergleichsweise niedrigen Investitionsquote, wie wir sie aktuell in DAX Profits haben, liegen Sie aktuell auf der sicheren Seite. Die Angst, die Kurse könnten davonlaufen, ist kontraproduktiv und führt zu Overtrading. Große Trends halten für gewöhnlich 1-3 Jahre. Es besteht also kein Anlass für überstürzte Entscheidungen.

Jürgen Nowacki

Himmelfahrtskommando gehebelter Rettungsschirm, ist das jetzt das Ende vom Euro?

 

von Jürgen Nowacki (20.10.2011)

 

Dienstagabend, die Wall Street reagiert freundlich auf die Veröffentlichung eines Guardian- Berichts, demzufolge der Rettungsschirm von 780 Mrd. Euro auf 2 Billionen Euro hochgehebelt werden soll. Lassen sich Politiker von der anfänglich positiven Reaktion der Wall Street tatsächlich zu solch einer Finanzakrobatik verleiten, dürfte der Euro schneller am Ende sein, als es den Optimisten in diesem Lande recht sein könnte.

Kommen wir noch einmal auf den Kern der Finanzkrise zurück. Die Industrienationen stecken im Schlamassel, weil Banken und vor allem Landesbanken ein vermeintlich sicheres Geschäft entdeckten und ihre Risiken hebelten. Die Rede ist von Kreditderivaten, die von den größten Ratingagenturen – also denselben Experten, die sich heute als Totengräber ganzer Volkswirtschaften entpuppen – mit den höchsten Bonitätsnoten ausgestattet wurden. Der Handel auf Kredit fand damit mit ihrem Segen statt. Diese Geschäftsidee entpuppte sich als fataler Irrtum und all die Banker, die dieses Spiel seinerzeit nicht mittragen wollten, und die darum als Bedenkenträger abgestempelt wurden oder deren Geschäftseinstellung als antiquiert bezeichnet wurde, sollten mit ihren Befürchtungen recht behalten. Ich kenne einige erfahrene und langgediente Banker, die als letzte Konsequenz ihren Hut genommen haben, weil sie dieses Geschäftsmodell mit der Gründung von Zweckgesellschaften im Ausland nicht mehr verantworten wollten. Aber das ist ein anderes Thema.

Jetzt wollen diejenigen, die stets auf Spekulanten geschimpft haben, selbst tricksen und wissen dabei ebensowenig wie die Elite-Banker vor 5 Jahren, wie das Spiel ausgehen wird. Darauf ein Halleluja.

Hebeln als Kardinalfehler

Politiker wie Wolfgang Bosbach, die bislang gegen eine Ausweitung des Rettungsschirms waren und damit argumentierten, dass die Gefahr einer ständigen Ausweitung von Haftung und Eventualverbindlichkeiten dem Euro schaden würde, finden sich bereits nach weniger als 3 Wochen bestätigt. Um es auf den Punkt zu bringen: Hebeln ist der KARDINALFEHLER vieler Spekulanten, die auf einer falschen Position sitzen.

Das Ende ist bekannt, der Totalverlust!

Dass der US-Aktienmarkt positive Signale aussendete, ist nicht mehr als ein Zufall. Denn wir haben Sie am Dienstagvormittag in einer Sondermitteilung und per SMS informiert, warum in der Wall Street am Abend mit einer technischen Reaktion zu rechnen war. In der heutigen Rubrik DOW und DAX – Outlook werden wir näher darauf eingehen, weshalb wir davon ausgehen, dass sich die Wall Street nach schwachen Handelstagen schnell wieder erholt, für Trader in Dow und DAX eine ideale Handelssituation.

Im Schwerpunktthema gehen wir heute mit einigen Aktien unseres Depots ins Gericht und beantworten die Frage, ob sich ein Einstieg beispielsweise bei Cisco mit 21 Prozent Buchgewinn im Musterdepot noch lohnt.

 

Henrik Voigt

 

 

Bärenmarktrally dauert an

 

von Henrik Voigt (18.10.2011)

 

 

Angesichts der starken Erholung an den Aktienbörsen in den zurückliegenden beiden Wochen gibt es keinen Zweifel mehr: Wir befinden uns in der ersten echten Bärenmarktrally seit dem Augustcrash. Die Anleger erhoffen sich vermutlich eine schnelle Lösung der Europäischen Schuldenkrise auf dem am Wochenende bevorstehenden EU-Gipfel. Probleme, die über Jahrzehnte entstanden sind, lassen sich aber nicht über Nacht aus der Welt schaffen. Mittlerweile sind viele technische Indikatoren durch die schnellen starken Kursanstiege so deutlich überhitzt, dass ein kräftiger Rückschlag überfällig war und inzwischen auch bereits läuft. Daraus dürfte jedoch noch nicht zwangsläufig die nächste große Verkaufswelle entstehen, denn der Markt ist noch immer recht pessimistisch.

Erstaunliches Börsen-Drehbuch aus dem Jahr 2008

Halten sich die Aktienbörsen in diesem Jahr weiter an das „Drehbuch", das uns der letzte Bärenmarkt 2008 hinterlassen hat, dann dürfte die laufende Korrektur ein bis zwei Drittel der jüngsten Kurserholung wieder ausradieren, bevor es bis etwa Ende November zu weiteren, allerdings weniger kräftigen Erholungen kommt. Bisher verlaufen die Kursmuster des aktuellen Bärenmarktes 2011 erstaunlicherweise fast komplett identisch mit den damaligen Verläufen, sowohl was die zeitlichen als auch was die preislichen Dimensionen angeht. Rechnen Sie allerdings nicht damit, dass sich 2008 ganz exakt wiederholen wird. An einem bestimmten Punkt weichen Analogien immer voneinander ab. Die Volatilität scheint in 2011 schon mal höher zu sein, was den Zeitrahmen auch verkürzen kann.

Diese enorme Volatilität dürfte auf das Konto der gigantischen staatlichen Eingriffe in die Märkte gehen. In den USA haben wir Eingriffe in den Aktienterminmarkt gesehen, Europa kauft aktuell Staatsanleihen auf und stützt Banken, in China sollen direkte Stützungskäufe bei Bankaktien eine Implosion des dortigen Finanzsektors verhindern, der durch die fallenden Immobilienpreise zunehmend in Schieflage gerät. Ich bezweifle zwar, dass solche Manipulationen irgendetwas an den einmal eingeschlagenen Trends ändern. Kurzfristig wird die Prognosesicherheit aber herabgesetzt, wenn der Staat sich in normalerweise freie Märkte einmischt. Wir müssen deshalb weiter auf der Hut bleiben und flexibel beide Kursrichtungen spielen.   

Kurserholung senkt Ausfallrisiken

Ein Gutes hat die Kurserholung natürlich auch: Die Kreditausfallsrisiken (CDS) der Banken sind so deutlich zurückgekommen, dass wir uns aktuell keine Sorgen um Ausfälle bei den Emittenten machen müssen. Mit der Bereitschaft der Euroländer, notfalls Geldinstitute in Schieflage auch „zwangskapitalisieren" (also faktisch verstaatlichen) zu lassen, dürften diese Sorgen so schnell auch nicht wiederkommen. Den Banken selbst gefallen solche Maßnahmen natürlich überhaupt nicht. Aber es sieht nicht so aus, als hätten sie in dieser Sache einen großen Verhandlungsspielraum.

Jürgen Nowacki

Fahrplan für die Krise und Stresstest ohne Wert

 

von Jürgen Nowacki (12.10.2011)

 

Erinnern Sie sich noch an den zweiten Bankenstresstest vom Juli dieses Jahres? 90 Institute aus 21 Ländern wurden getestet. Mit dieser Aktion sollte fürmehr Transparenz geworben und Vertrauen in die Bankenindustrie zurückgewonnen werden. Acht Banken sind damals durch den Test der EBA, der European Banking Authority gefallen. Fünf aus Spanien, zwei aus Griechenland und eine aus Österreich. Die belgisch-französische Dexia-Finanzgruppe war nicht dabei, sie absolvierte den Stresstest mit Bravour. Ja was soll das Ganze, werden Sie sich fragen und Sie haben recht, lieber Leser. Ein Armutszeugnis für die EBA, die nicht zum ersten Mal versagte. Beim ersten Stresstest wurde bei Irland ebenfalls übersehen, dass es mit der Risikobewertung nicht weit her war. Die Folge ist klar, das Vertrauen ist nun restlos dahin und Banken leihen sich untereinander kein Geld mehr.

Bravo – und die Konsequenzen daraus? Auch drei Jahre nach Lehmann scheint es immer noch keine durchgreifenden Gesetzesänderungen zu geben, die uns Anleger und Sparer zukünftig vor systematischen Risiken multinationaler Konzerne schützen. Ja es wird offensichtlich nicht einmal der Versuch unternommen, eine wirksame Gesetzesvorlage auf den Tisch zu legen. Stattdessen flüchten sich Politiker in eine Transaktionssteuer, wie peinlich. Als wenn das all die Probleme an der Wurzel packen könnte. „Too big to fail“, zu große Unternehmen, um sie fallen zu lassen, da muss man ansetzen. Amerika hat es nach dem Zusammenbruch 1929 mit dem Glass-Steagal Act vorgemacht. Ein Gesetz, das Banken 68 Jahre lang wirksam in die Wachstumsschranken gewiesen hat. Nur heute traut sich niemand mehr, dieses heiße Eisen anzupacken. Offensichtlich wurde noch nicht genug Schaden angerichtet. Vielleicht wird sich ja etwas ändern, wenn die Gruppe der Demonstranten groß genug geworden ist und die bevorstehenden US-Wahlen etwas bewirken, was in Europa niemand anpacken will.

Anpacken ist mein Stichwort für die nächsten Wochen. Der Fahrplan ist klar. Als nächstes bekommt Griechenland noch einmal 9 Mrd. Euro, damit die Banken, die noch Anleihen im Depot haben, noch nicht abschreiben müssen. Dann wird Slowakei als letztes EU-Mitglied den Weg für den Bankenrettungsschirm freimachen. Anschließend wird es einen Kapitalschnitt für griechische Anleihen in der Größenordnung von 50 bis 60 Prozent geben. Banken, die nach Stresstest 2 für gut befunden wurden, aber trotzdem gerettet werden müssen, werden enteignet. Das alles dürfte sich innerhalb der nächsten 3 Monate abspielen, richten Sie sich bitte auf weitere Turbulenzen an den Aktienmärkten ein.

Volltreffer beim Bund-Future

Wir haben Ihnen das Verkaufssignal für Deutsche Rentenfutures rechtzeitig an die Hand gegeben. Heute gehen wir in der Rubrik Konjunktur und Zinsen noch einmal darauf ein und beziehen Stellung zur weiteren Entwicklung. Dabei begründen wir, warum wir den DAX Put verkaufen.

Henrik Voigt

 

 

Euro-Tragödie letzter Akt?

 

von Henrik Voigt (11.10.2011)

 

 

Während die Börsen in der vergangenen Woche wieder einmal ein bisschen Erholung feierten, hat Europa seine erste Bankenpleite der aktuellen Euro-Schuldenkrise zu vermelden. Die wegen ihrer hohen Bestände an faktisch wertlosen Griechenland-Anleihen ins Schlingern geratene belgisch-französische Finanzgruppe Dexia muss zerschlagen werden und wird verstaatlicht, wie gestern gemeldet wurde. Um die Finanzierung für die nächsten zehn Jahre abzusichern, sagten Belgien, Luxemburg und Frankreich Staatsgarantien in Höhe von 90 Milliarden Euro zu. Die Lage ist ernst. Sogar so ernst, dass der eigentlich für kommende Woche EU-Herbstgipfel verschoben wird. Es soll ein dauerhaftes Gesamtkonzept erarbeitet werden - und das braucht Zeit. Voraussichtlich bis zum G20-Gipfel am 03./04.11. in Cannes.

Dexia - erstes Opfer der Euro-Krise

Dexia stekt bereits seit Jahren in Schwierigkeiten. Im Herbst 2008 musste das Institut von Belgien, Frankreich und Luxemburg zuletzt mit 6 Milliarden Euro gestützt werden. Das Engagement in Griechenland und anderen hoch verschuldeten Euro-Staaten brachte jetzt das Aus. Die 90 Milliarden Euro an Staatsgarantien zeigen, dass wir es in der aktuellen Euro-Krise mit ungleich höheren Größenordnungen zu tun haben als mit den vergleichsweise „niedlichen" einstelligen Milliardensummen in 2008.

Die Auswirkungen sind entsprechend. Der französische Finanzminister Francois Baroin versicherte zwar gestern eilig, dass Frankreichs Garantien für Dexia keine Auswirkungen auf den Schuldenstand oder die Kreditwürdigkeit seines Landes haben würden. Die Ratingagenturen scheinen das aber zu Recht anders zu sehen. Moody's erwägt wegen der Staatsgarantien bereits eine Abstufung der Bonität von Belgien.

Der Irrweg wird hoffentlich erkannt

Und das zeigt ganz klar, in welche Richtung die Reise geht. Wenn die Euro-Staaten versuchen, noch ein letztes Mal mit wahnwitzig teuren Rettungspaketen den Karren aus dem Dreck zu ziehen, wird ihre eigene Bonität zerstört und ihre Kreditkosten werden derartig hoch, dass am Ende eine Kettenreaktion zum Zusammenbruch des derzeitigen Finanzsystems führen würde.

So langsam scheint es aber zumindest der deutschen Regierung zu dämmern, dass es so nicht gehen kann. Immer mehr deutet darauf hin, dass Griechenland nicht mehr „gerettet" werden wird, sondern dass es in den nächsten Wochen eine offizielle Pleite- Erklärung verbunden mit einem Schuldenschnitt, also einem teilweisen Forderungsverzicht der Banken, geben wird. Im Gespräch sind aktuell mindestens 50 Prozent der ausstehenden Forderungen an Griechenland, Eurogruppenchef Juncker nannte gestern gar eine Größenordnung über 60 Prozent. Bisher waren maximal 21 Prozent vereinbart worden. Staatshilfen für die Banken soll es nur geben, sofern diese durch den „Haircut" akut in ihrer Existenz bedroht sind.

Alles hängt von den richtigen politischen Entscheidungen ab

Sollten aus den aktuellen Meinungen und Gerüchten echte Tatsachen werden, dann wäre dies der kurzfristig wohl billigere Ausweg für die noch starken Euro-Staaten. Auf viele Banken käme allerdings weiterer, ganz erheblicher Abschreibungsbedarf zu – und damit genau das Gegenteil von dem, was die Börsen in den letzten beiden Wochen erwartet haben. Eine Abwälzung der Ausfallrisiken zurück auf die Gläubiger wäre jedoch der einzig gangbare Weg, um ein Übergreifen der Krise auf die noch solventen Euro-Staaten zu verhindern. Abgesehen von der früher logischen Tatsache, dass Märkte normalerweise so funktionieren, dass die Gläubiger ihre Risiken allein tragen müssen, weil sie auch allein die Renditen dafür eingestrichen haben. Zinsen sind eben nicht nur eine Renditegröße, sondern auch ein Risikomaßstab.

Die Lage ist also keineswegs hoffnungslos, aber es hängt in den nächsten Wochen enorm viel davon ab, ob die Politik die richtigen/mutigen Entscheidungen treffen wird. Und da bin ich nach den rgahrungen der letzten Jahre etwas skeptisch. Die Börsen verteilen seit einer Woche trotzdem Vorschusslorbeeren. Ob das weiter anhält oder nur ein kurzer Hoffnungsschimmer war, das untersuche ich für Sie in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Jürgen Nowacki

Vor der Sommerpause: „Im Auge des Hurrikans“ traf den Nagel auf den Kopf…

 

von Jürgen Nowacki (05.10.2011)

 

Wir haben recht behalten. Zwischenzeitlich haben wir imDAX noch die Zwischenerholung erfolgreich mit DAX Wave Calls gehandelt und Ihnen genau zum richtigen Zeitpunkt empfohlen, die Gewinne bei den Calls zu realisieren und in der laufenden Abwärtswelle auf die Short-Seite zu wechseln.

Viel lieber, das können Sie uns glauben, würden wir den Markt mit Optimismus und Zuversicht von der Long-Seite her handeln, aber Politiker und Notenbanken lassen uns leider keine andere Wahl, als mit Short-Positionen und hoher Cashquote das Vermögen zu sichern. Aber wir sind trotzdem wieder auf der Kaufseite. Nachdem wir rechtzeitig unsere Goldminenaktien und Buchgewinne mit Stopps abgesichert haben, konnten Gewinne realisiert und Kapital freigesetzt werden, um jetzt wieder long zu gehen. Mehr dazu in unserer Rubrik DAX und Dow – Outlook.

Neue Kalman-Filtereinstellung zeigt Wirkung – USD/ZAR ein voller Erfolg. Heute folgen weitere Handelsideen

Monatelang haben wir an der Filtereinstellung unserer Kalmanfilter gearbeitet. Dann haben wir Sie informiert, dass die Testphase erfolgreich abgeschlossen wurde und das Live Trading beginnen sollte. Das Währungspaar USD/ZAR war wirklich ein gelungenerAuftakt! Lesen Sie mehr
dazu in unserer Rubrik Devisen und Rohstoffe.

Unsere Umfrage – für die rege Teilnahme, liebe Leser, bedanke ich mich bei Ihnen recht herzlich – hat ergeben: Sie wollen die wichtigsten Informationen, aber auch weniger Seiten Umfang. Im Laufe der letzten drei Jahre ist der Target Trader von der Seitenanzahl immer umfangreicher geworden. Einerseits gut, weil viele Hintergrundinformationen viel Platz benötigen, aber andererseits auch nachteilig, weil das Durcharbeiten Ihre Zeit inAnspruch nimmt.Wirmöchten Sie heute darüber informieren, dass wir die wöchentliche Ausgabe straffen und kürzen werden. Damit Sie es noch einfacher haben und die harten Fakten schneller finden sowie Handelsideen schneller umsetzen können, haben wir Sebastian Storfners Handelssystem auf das Musterdepot reduziert. Es handelt sich um das gegenwärtig erfolgreichste Musterdepot mit lediglich 5,68 Prozent Verlust (Marktverlust 18,92%). Die Signale bleiben Ihnen erhalten, aber die Gesamtausgabe wird schlanker.

Henrik Voigt

Bär sein lohnt sich

 

von Henrik Voigt (04.10.2011)


Die einst als Hort des grenzenlos freien Warenund Reiseverkehrs konzipierte EU wird mit der „Rettungswut“ ihrer Polit-Elite inzwischen immer mehr zu einem zentralistisch regierten und planwirtschaftlich ausgerichteten Bürokratiemonster. Mit der Diskussion um einen sogenannten „Hebel“ im künftigen erweiterten EFSF-Rettungsschirm gerät jetzt auch das letzte Heiligtum, die Geldwertstabilität, ins Visier der Eurokraten. Wenn die Garantien und Bürgschaften nicht mehr ausreichen werden, um immer neue Pleitekandidaten zu stützen, dann soll letztendlich einfach Geld gedruckt werden, um die Zahlungsausfälle noch irgendwie zu schultern. Wenn eine Schuldenproblematik aber so einfach lösbar wäre, warum arbeiten wir dann noch?

Die Börsen leiden jetzt zusätzlich unter der Dollaraufwertung

Die Verzweiflung muss sehr groß sein, wenn solche extremen Schritte überhaupt erwähnt werden. Ein Gewinner solcher (hoffentlich nicht ernst gemeinten) Diskussionen steht heute bereits fest: Es ist der bereits totgesagte US-Dollar, der seit einigen Wochen ein fulminantes Comeback feiert. Mit entsprechenden, negativen Auswirkungen auf die Rohstoff- und Aktienpreise, den diese leiden traditionell in Aufwertungsphasen des Dollars. Nun hat der Aktienmarkt neben der Rezessionsgefahr und dem Schuldenproblem also noch einen dritten Feind bekommen, der ihm zu schaffen macht. Da sich an allen drei Faktoren in naher Zukunft nicht viel ändern dürfte, kann der Bärenmarkt noch eine ganze Weile anhalten.

Finaler Sell-Off steht noch aus

Kurzfristige Stimmungsindikatoren zeigen allerdings, dass der Pessimismus der Anleger mittlerweile wieder sehr groß ist, was für die Möglichkeit einer temporären Bärenmarktrally spricht. Bis jetzt fehlt mir aber immer noch ein finaler Ausverkauf dafür. Wann und wo eine Rally einsetzen kann, das untersuche ich in dieser Ausgabe von DAX Profits.

Jürgen Nowacki

Zeitbombe ESFS!

 

von Jürgen Nowacki (29.09.2011)


Die Börsen spielen weiter verrückt, ein klarer neuer Trend will sich in diesem September einfach nicht einstellen. Allenfalls hartgesottene Day Trader finden an solchen Märkten Gefallen. Bei allen Positionen, die auf mehrere Tage oder Wochen angelegt werden, tappen die Anleger immer wieder in böse Fallen, egal ob sie als Bullen oder Bären daherkommen.

In diesen Monaten haben politische Börsen sehr lange Beine, ja die Märkte werden von der Politik geradezu getrieben.

Das große Thema, auch in allen deutschen TV-Diskussionen, ob Jauch, Plasberg oder Will, war die Abstimmung im deutschen Bundestag über den Euro-Rettungsschirm EFSF – was für ein Ungetüm!Wissen Sie auf der Stelle, was diese Abkürzung bedeutet? Es handelt sich um die „Europäische Finanzstabilisierungsfazilität“ – und wird dadurch nicht besser!

Die Wahrheit ist: Die große Mehrheit der deutschen Parlamentarier weiß gar nicht, über was sie da eigentlich abstimmt!

Deutschland ist das zehnte Land, das dem ESFS zustimmt. Österreich und Estland sollen in Kürze folgen, die Niederlande und Zypern stimmen erst im Oktober ab. Fehlt noch die von einer Regierungskrise gebeutelte Slowakei, die bereits das erste Griechenland-Hilfspaket ablehnte und dieses Mal wohl frühestens Mitte Oktober abstimmen wird.

Es kommt noch schlimmer: Das ESFS-Volumen soll mit einem finanztechnischen Trick vervielfacht werden, ohne dass der Deutsche Bundestag davon wirklich etwas merkt.


Inzwischen sickert durch, dass Barroso, Merkel und Sarkozy Details verabredet haben, die als geheime Kommandosache gelten: Der Fonds soll die eingesammelten Gelder mittels Derivaten und Verbriefungen hebeln und damit vervielfachen können. Letztlich stehen dann nicht die bisher im Raum stehenden 780 Milliarden Euro (Aufstockung von 440 Milliarden Euro), sondern mehrere Billionen Euro zur Verfügung, falls auch Italien oder gar Frankreich in akute Not geraten. Wir sitzen damit buchstäblich auf einer Zeitbombe!

Henrik Voigt

Wo Ihr Geld sicher ist


von Henrik Voigt (27.09.2011)


Die Deflation hat inzwischen auch den Industrie- und Edelmetallsektor erreicht, die Preise brechen teilweise crashartig ein. An den Emerging Markets spielen sich ähnliche Szenen ab. Damit befinden sich nun – abgesehen von den Anleihen - auch die letzten starken Bastionen der Bullen im Abwärtsstrudel. Ich hatte ja immer wieder betont, dass die Deflation schließlich alle Assetklassen (auch die Edelmetalle) erreichen wird und dabei bleibe ich auch. Auch viele Aktienindizes sind bereits in der vergangenen Woche wie prognostiziert nach unten ausgebrochen. Beim Dow Jones Index ergab sich mit 6,4% sogar der höchste Wochenverlust seit Oktober 2008. Daran ändert auch das derzeitige „Window Dressing“ nichts.

Wir haben den Ausbruch bereits erwartet

DAX Profits Leser dürften ganz entspannt sein. Wir hatten diesen Ausbruch nach unten seit Wochen erwartet und uns deshalb auf der Shortseite des Marktes positioniert. Nach der rechtzeitigen Auflösung unserer Longpositionen vor dem großen August-Crash gelang uns damit der zweite „Coup“. Während die Masse der Anleger wie seit Monaten noch immer in unflexiblen Hoffnungen auf eine wundersame Besserung und einem fortgesetzten, depotzerstörenden Griff ins fallende Messer gefangen ist, verdienen wir inzwischen an den Kurseinbrüchen. So traurig die Verschärfung der wirtschaftlichen Situation insbesondere der Eurozone auch ist: Wir können sie nicht ändern. Aber wir können davon profitieren.

Ich gehe auch nicht davon aus, dass die Abwärtsbewegung bereits vorbei ist. Es fehlen zumindest noch ein größerer, bereinigender Sell-Off und sehr viel deutlichere, neue Jahrestiefs in allen Indizes, bevor sich die Märkte in einer mehrmonatigen Bärenmarktrally zunächst wieder erholen dürften (voraussichtlich erst nach Ende der negativen Saisonalität im Oktober). Bis dahin werfen noch einige Ereignisse ihre Schatten voraus. Bisher sieht es nicht so aus, als würde die nächste Kredittranche für Griechenland freigegeben werden. Aus der EU-Kommission sind diesbezüglich zuletzt erstaunlich skeptische Stimmen zu hören. Ohne diese Freigabe stehen aber eine Pleite des Mittelmeerlandes und ein Crash im Bankensektor weiter im Raum. Allein die Unsicherheit darüber dürfte die Börsen immer wieder belasten.

Finaler Sell-Off steht noch aus

Auch die Rezessionsgefahr ist selbst beim „Konjunktur-Musterknaben“ Deutschland zuletzt deutlich gestiegen. Gestern wurde ein ifo-Index bei 107,5 Punkten gemeldet – an sich nicht dramatisch. Aber damit ergab sich der 3. Rückgang in Folge. Und das hieß in der Vergangenheit stets Rezession. Und ich glaube nicht, dass dieser Umstand bereits völlig in den Kursen enthalten ist. Denn sonst würden die Börsen Gewinn- und Umsatzwarnungen von Unternehmensseite wie gestern etwa bei Klöckner einfach ignorieren, was sie aber nicht tun. Auch die meisten Analysten streiten die Rezessionsgefahr noch immer vehement ab.

Vielleicht machen Sie sich derzeit Sorgen um die Stabilität unseres Finanzsystems. Die Kreditausfallprämein vieler Großbanken deutlich oberhalb der Höchststände von 2008 lassen diese Sorgen auch nicht grundlos erscheinen. Dennoch erwarte ich in den nächsten beiden Jahren keinen völligen Systemzusammenbruch. Für den Fall größerer Schieflagen im Bankenbereich gibt es offenbar bereits Notfallpläne von Bundesregierung und EU, die dann erneut mit Milliardenspritzen Banken retten (und vermutlich dann auch verstaatlichen) dürften. Nicht umsonst häufen sich die Warnungen wichtiger Amtsträger vor einer neuen Bankenkrise in den letzten Wochen (zuletzt gestern von EU-Währungskommissar Olli Rehn). Damit scheint man die Märkte auf ein baldiges „Kreditereignis“, also auf einen größeren Zahlungsausfall, vorbereiten zu wollen. Letztlich lösen wird man das Problem auch mit neuen Rettungspaketen nicht, aber man gewinnt wieder einmal etwas Zeit.

Vorsichtsmaßnahmen ja, Panik nein

Damit Sie immer im Bilde über die aktuelle Situation im Bankenbereich sind, veröffentliche ich ab sofort in jeder Ausgabe von DAX Profits die Kreditausfallprämien (CDS) der Banken. Sie können sich dann immer selbst ein Bild machen, wo Ihr Geld noch sicher ist und im Bedarfsfall auch
schnell umschichten (wie etwa Siemens in der vergangenen Woche, als das Unternehmen eine halbe Milliarde an Guthaben von französischen Banken abzog). Wenn sich die Lage also tatsächlich weiter verschärfen sollte, dann erfahren Sie es als Leser von DAX Profits lange vor der
großen Masse und können rechtzeitig reagieren. Wie Sie mich kennen, scheue ich mich nicht,Ihnen auch unangenehme Wahrheiten weiterzuleiten.

Einstweilen erhalte ich meine Empfehlung aufrecht, größere Mengen an Bargeld vorzuhalten (etwa für die laufenden Ausgaben von vier Wochen). Nicht, weil ich von einem totalen Systemzusammenbruch ausgehe, sondern weil wir nicht wissen können, ob und in welcher Weise
sich ein möglicher Kreditausfall in Griechenland in den nächsten Wochen auf das Bankensystem auswirken wird und wie schnell dann eventuelle Notfallmaßnahmen/ Liquiditätsspritzen von staatlicher Seite zur Verfügung stehen. Das ist allerdings eine reine Vorsichtsmaßnahme und keine Panikaktion. Im Übrigen bringt Ihnen das Bargeld auf dem Girokonto/Sparbuch ohnehin kaum Zinsen. Sie verlieren also nichts durch eine solche Vorsichtsmaßnahme.

Jürgen Nowacki

Verstörender Fed-Twist(er)

 

von Jürgen Nowacki (22.09.2011)


Ja, es ist Hurricane-Season in den USA – aber im die US-Notenbank (Fed) greift erneut in die Trickkiste und enttäuscht damit dieMärkte. Und sie setzt noch nach! Es gebe „erhebliche Abwärtsrisiken im Konjunkturausblick, einschließlich der Anspannungen in den weltweiten Finanzmärkten“.

Die Bärenmarkt-Rally geht damit jäh zu Ende, die Jahrestiefs rücken wieder in den Fokus!
Ich habe Sie mehrfach auf diese Gefahren hingewiesen


Die hohe Volatilität dürfte uns also noch einigeWochen erhalten bleiben. Für den DAX-Trader mag das paradiesisch klingen. Jede Position aber, die auf mehrere Wochen oder sogar Monate ausgerichtet ist, wird in solch einem Umfeld zwangsläufig zum Vabanquespiel. Und genau für solche mittelfristigen Investments steht der Target Trader. Die Zeiten sind also höchst anspruchsvoll! Ich werde natürlich mit aller zur Verfügung stehenden Expertise darauf hinarbeiten, Sie heil durch diesen Börsensturm zu bringen.

Passend dazu verkündete die Fed gestern die „Operation Twist“

Dabei handelt es sich um eineAktion, die schon während der Präsidentschaft von John F. Kennedy in den 1960er-Jahren ausprobiert wurde (übrigens mit eher bescheidenem Erfolg): Durch den Aufkauf langlaufender US-Staatsanleihen und den gleichzeitigen Verkauf kurzlaufender US-Staatsanleihen sollten insbesondere die Zinsen am langen Ende gesenkt werden. Sie sind für die Investitionstätigkeit von Unternehmen und den darbenden Häusermarkt besonders wichtig. Der Name Twist wiederum geht auf den Modetanz zurück, der bei der Jugend damals besonders populär war.

Ich sage Ihnen ganz ehrlich: Mich erinnert das Ganze eher an einen Katastrophenfilm aus
den 1990er-Jahren – Twister


Darin geht es umeinen verheerendenWirbelsturm. Und genau solch einer sucht derzeit die Finanzmärkte heim. DieMärkte sind verständlicherweise enttäuscht, hatten sie doch darauf spekuliert, dass Quantitative Easing III verkündet wird. Das hätte den großen Knall zwar auch nur weiter in die Zukunft verschoben – uns hätten aber einige mehr als passable Börsenmonate bevorgestanden.

Noch einmal möchte ich Sie auf einen neuen Dienst hinweisen!
Nach monatelangem Test haben wir vor kurzem zwei weitere Devisenhandelssysteme freigegeben. Sie erhalten diese kurzfristigen Signale montags und dienstags per Eilmitteilung und SMS zugeschickt. Sie richten sich nicht nur an CFD- und FOREX-affine Trader, sondern können
auch auf Hebelprodukte angewendet werden.

Zum Schluss noch eine Bitte an Sie, lieber Leser
Wir sind ständig bemüht, den Target Trader für Sie zu verbessern. Sie können uns dabei unterstützen, indem Sie sich ein paar Minuten ihrer kostbaren Zeit nehmen und unter folgendem Link ihre Meinung äußern.
https://www.research.net/s/IhreMeinungzaehlt

Henrik Voigt

`Versagen auf offener Bühne`

 

von Henrik Voigt (20.09.2011)


Heute beginnt eine wichtige, zweitägige US-Notenbanksitzung, von der sich die Märkte wahre Wunder zu erhoffen scheinen. Die Hoffnung ist groß, dass es eine erneute Lockerung der Geldpolitik geben wird – ähnlich wie im Herbst 2010. Immerhin sind die Kurse im Vorfeld dieser Sitzung in den letzten Wochen an den US-Börsen um gut 10 Prozent gestiegen. Auch der DAX zeigte zumindest in den letzten Tagen wieder ein Lebenszeichen.

Die Kursmuster dieses Anstiegs sind jedoch bärisch. Damit ist es sehr wahrscheinlich, dass es zu einer großen Enttäuschung für die Märkte kommen wird. US-Notenbankchef Bernanke sagte kürzlich selbst, dass eine weitere Lockerung der Geldpolitik aktuell kein Diskussionspunkt sei. Es würden aber noch eine Reihe von Mitteln zur Verfügung stehen, um die Wirtschaft zu stimulieren. Diese würden bei Bedarf auch eingesetzt werden, wobei er offen ließ, um welche Schritte es sich wohl handeln könnte.

Notenbanken haben ihr Pulver verschossen

Meine starke Vermutung ist, dass die Notenbanken ihr gesamtes Pulver bereits verschossen haben und ihnen nichts weiter als Verbalakrobatik bleibt. Ich frage mich lediglich noch, wann auch der Letzte kapiert hat, dass wir es mit einer echten Systemkrise zu tun haben, in der die klassischen „Heilungsmethoden“ wie billige Kredite, niedrige Zinsen und Konjunkturprogramme rein gar nichts mehr helfen. Ich befürchte, dass sich diese Erkenntnis erst dann durchsetzen wird, wenn kein Stein mehr auf dem anderen geblieben ist.

Apropos Banken: Deren Kursverläufe zeigen ansatzweise, wie ernst die Lage sein muss. Eine Commerzbank etwa notiert ja nicht „aus Versehen“ unterhalb ihrer Tiefstkurse vom Frühjahr 2009, dem bisherigen Höhepunkt der Finanzkrise. Auch die Kreditausfallprämien der Banken – ebenfalls höher als je zuvor - sind in der letzten Woche trotz zwischenzeitlicher Kurserholung kein Stück zurückgekommen.

Die Situation der Geschäftsbanken ist dramatisch

Die Lage hat sich also keineswegs entspannt. Im Gegenteil: Gegen 17 Banken, darunter auch die Deutsche Bank, ist eine milliardenschwere Klage der USA bezüglich Schadenersatzforderungen aus der Immobilienkrise anhängig - hier könnten weitere Bankenpleiten die Folge sein. Daneben droht weiterhin ein Ausfall von Anleihen europäischer Schuldnerstaaten, wobei hier Griechenland nur einer von vielen Schauplätzen ist. Frankreichs Großbanken sehen sich nach der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit in der vergangenen Woche gar mit dem Abzug von  Geldern großer Marktteilnehmer konfrontiert. Siemens hat einem Bericht der "Financial Times" zufolge Guthaben über mehr als eine halbe Mrd. Euro aus einer französischen Bank abgezogen und sie bei der Europäischen Zentralbank angelegt. Und eine große chinesische Staatsbank soll nach Informationen von Reuters bestimmte Devisengeschäfte mit diesen Instituten gestoppt haben. Hintergrund sind offenbar Sorgen um die künftige finanzielle Gesundheit der französischen Banken. Großanleger treffen solche Entscheidungen sicher nicht leichtfertig.

Womit diese Banken etwa im Insolvenzfall Griechenlands gerettet werden sollen, ist mir ein Rätsel. Derzeit ist nicht einmal Geld für neue Konjunkturprogramme da. Und neue Schulden können sich die noch stabilen Staaten nicht erlauben, wenn sie griechischen Verhältnissen entgehen wollen. Auf die nächsten kreativen Rettungsansätze unserer Politelite bin ich schon gespannt. Peter Sloterdijk hat den aktuellen Zustand in der Politik kürzlich sehr treffend „Überforderung auf offener Bühne“ genannt. Sie sitzen in der Zwickmühle zwischen zu hohen Schulden und zu geringem Wachstum.

Da dürfte der Griff zu Steuererhöhungen, wie etwa die geplante Transaktionssteuer für Börsengeschäfte, sehr verlocken. Angesichts der puren Höhe der Schulden werden solche Maßnahmen aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Auch die Sparpakete kommen einige
Jahrzehnte zu spät. Wobei mir ohnehin Zweifel an deren Ernsthaftigkeit kommen. Wie sagte der berühmte österreichische Nationalökonom Joseph Alois Schumpeter so treffend: " Eher legt sich ein Hund einen Wurstvorrat an als eine demokratische Regierung eine Budgetreserve."

Jürgen Nowacki

Im Auge des Hurrikans

 

von Jürgen Nowacki (15.09.2011)

Ja, es ist Hurricane-Season in den USA– aber imübertragenen Sinne auch in Europa. Was wie ein Tropensturm am 15. September 2008, dem Datum der Insolvenz von Lehmann Brothers begonnen hatte, ist nun ein richtiger Hurrikan geworden und alle Akteure (Spekulanten eingeschlossen) hoffen, dass es nicht so weitergeht.

Wenn ich Spekulanten hier mit einbeziehe, dann deshalb, weil es auch in der Welt der Trader, die ja bekanntlich auf steigende und fallende Kurse spekulieren, ein leichteres und angenehmeres Arbeitsklima gibt, wenn es den Märkten gut geht und zwischen Boomphase und Rezession alles seinen normalen Gang geht, wenn die Notenbanken ihre Funktion als unabhängige Wächter über Geldwertstabilität und in manchen Ländern auch über die Konjunktur wahrnehmen. Ja, das ist dieWelt, in der sich Trader wohl fühlen.

Warum der Dollar steigt? Der EZB gehen die Experten aus, Notenbanker ergreifen die Flucht
Das hätte sich Frau Dr.Merkel nicht träumen lassen.Wenn es so richtig stürmt, steht die Frau Ihren Mann und die Experten entdecken auf einmal ihr Gewissen und schleichen sich. Feministinnen, soweit sie noch nicht ausgestorben sind,müssten doch eigentlich dieser tapferen  KrisenmanagerinApplaus skandieren, aber auch von dort ist nichts zu hören, es herrscht intelligente Sprachlosigkeit. Also zurück an Bord und den Experten, die ihr Gewissen entdecken, als Parteifreunde der CDU die Gefolgschaft verweigern – um in der Termonologie zu bleiben: meutern und Ihrem Kapitän die Gefolgschaft, aber in einer elementaren Frage und Notsituation auch die Kanzlermehrheit verweigern. Oder, um es noch einmal anders auszudrücken, wenn es darum geht, in LibyenmitWaffengewalt einenAufstand zu unterstützen, steht GuidoWesterwelle
als Bündnisverräter da, aber wenn es darum geht, den Euro zu retten, wird eine Meuterei angezettelt. Und wer ist schuld? Genau, die Spekulanten. Ein Händler und Kollege vomDevisenhandel sagtemirmal: „Spekulanten sind wie Geier, wenn es irgendwo nach Aas riecht, sind sie zur Stelle“. Wenn es wirklich darum geht, den Spekulanten die Schuld für das Eurodesaster anzuhängen, dann drängt sich als Fazit auf: Es stinkt in Europa.

Euroretter China? Ist ja zum Lachen ... etwa so wie bei SAAB???
Zur Zeit wird wirklich nach jeden Strohhalm gegriffen, um politische Aktivität zu zeigen. Mal sind es Nachrichten darüber, dass Finanzminister in Telefonkonferenzen die Eurowelt retten, und dann mal wieder über die Chinesen, dieHafenanlagen in Piräus oder malade Automotive-Konzerne wie SAAB übernehmen. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung aus dem M&A Geschäft sagen, das ist in der Realität ein knochenhartes Geschäft und chinesische Investoren haben überhaupt keine Skrupel, mit ihrem Mammon zu winken. Sie warten aber gleichzeitig auch ab, bis der
Patient tot ist, um die Reste einzusammeln. Von diesen Volksfreunden können deutsche Kapitalisten noch etwas lernen. Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte ist, glauben Sie bitte nicht, dass sich durch solche Nachrichten etwas am Trendverhalten von Euro und DAX ändert. Wir haben Ihnen heute den MDAX als Schwerpunkthema ausgearbeitet, damit Sie einen Eindruck bekommen, was wirklich um uns herum am Markt passiert und was noch mit hoher Wahrscheinlichkeit vor uns liegt.
Um das Ergebnis vorwegzunehmen, auch wir wollen billig in den Aktienmarkt einsteigen, aber die Baisse, und das haben wir Ihnen bereits vor vier und fünf Wochen prognostiziert, ist noch nicht vorbei. Wir befinden uns im Auge des Hurrikans.

Um Sie in solch schweren Zeiten noch besser betreuen zu können, haben wir nach monatelangem Test zwei
weitere Devisenhandelssysteme freigegeben. Sie erhalten diese kurzfristigen Signale montags und dienstags per Eilmitteilung
und SMS zugeschickt. Sie richten sich nicht nur an CFD- und FOREX-affine Trader, sondern können auch
auf Hebelprodukte angewendet werden. In dieser Ausgabe finden Sie ein Beispiel für das Währungspaar
USD/ZAR
(Dollar gegen Südafrikanischen Rand). Außerdem werden wir Ihre Anregung aufnehmen und gleich im Anschluss an das Editorial eine To-do-Liste mit der Zusammenfassung aller Trades für Morgen liefern.

Zum Schluss noch eine Bitte an Sie, lieber Leser
Wir sind ständig bemüht, den Target Trader für Sie zu verbessern. Sie können uns dabei unterstützen, indem Sie sich
2 bis 3 Minuten ihrer kostbaren Zeit nehmen und unter folgendem Link ihre Meinung äußern.
https://www.research.net/s/IhreMeinungzaehlt

Henrik Voigt

Notfallpläne in der Schublade


von Henrik Voigt (13.09.2011)


Erneut überschlagen sich die Ereignisse in diesen Tagen. Die griechische Wirtschaft bricht nach den jüngsten Berechnungen stärker ein als zunächst von den Experten erwartet worden war. Damit steigt die Gefahr, dass das Land die vereinbarten Sparziele nicht einhalten kann, womit die Voraussetzungen für eine Auszahlung der nächsten Hilfstranche aus dem ersten Rettungspaket und die Vereinbarungen für ein zweites Hilfspaket nicht erreicht werden können. Prompt brechen die Kurse der europäischen Großbanken ein, während ihre Kreditausfallprämien weiter steigen. Diese Institute halten große Bestände an faktisch wertlosen Anleihen europäischer Krisenstaaten.

Im Bundesfinanzministerium laufen offenbar bereits Vorbereitungen für eine Griechenland-Pleite, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet. Offenbar sollen die Banken indirekt aus dem Rettungsschirm mit Milliarden versorgt werden, wenn sie ihre Bestände an Griechenland-Anleihen abschreiben müssten. FDP-Chef Rösler hatte gestern bereits ungewöhnlich offen über eine geordnete Insolvenz Athens diskutiert. Es dürfe bei Griechenland keine Denkverbote mehr geben, weshalb im Falle Griechenlands auch an eine Staatspleite gedacht werden müsse, schrieb der Bundeswirtschaftsminister in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Die Welt“.

Bundeskanzlerin Merkel pfiff ihn heute deshalb scharf zurück. Die geordnete Insolvenz eines Euro-Landes sei erst 2013 möglich, wenn der dauerhafte Euro-Rettungsmechanismus ESM funktionieren würde. Erst dann würden Anleihen ausgegeben, die eine geordnete Insolvenz erlaubten, sagte Merkel weiter. Bis dahin gebe es kein geordnetes Verfahren für einen Staatsbankrott. Eine unkontrollierte Zahlungsunfähigkeit Griechenlands müsse um jeden Preis verhindert werden, sagte Merkel in einem Interview im RBB-Inforadio.

Ich gehe nicht davon aus, dass Rösler und andere sich unkoordiniert zu solch delikaten Fragen wie einer Staatspleite Griechenlands äußern. Der ehemalige US-Präsident Franklin D.Roosevelt sagte einmal: „In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, dann kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war.“ Womöglich soll die Bevölkerung allmählich an eine früher als erwartet eintretende Staatspleite Griechenlands gewöhnt werden.

In diesem Fall dürfte das Land die Drachme wieder einführen und die griechischen Banken zumindest vorübergehend verstaatlicht werden. Das Gleiche dürfte dann für die meisten anderen europäischen Großbanken gelten, die wieder mit gigantischen Summen vor dem Bankrott gerettet werden müssten. Da man aus der Lehman-Pleite gelernt haben dürfte, rechne ich nicht damit, dass auch nur eines der größeren Geldhäuser in die Pleite entlassen wird (zumindest jetzt noch nicht).

Wie so häufig wird es an einem Wochenende dann einen Fernsehauftritt der Kanzlerin geben, in dem die außergewöhnlichen „Rettungs-Maßnahmen“ dargelegt werden und gleichzeitig zur Ruhe und Besonnenheit aufgefordert werden wird. Die Spareinlagen seien sicher usw. Es wäre gut möglich, dass viele Banken in dieser Situation erst einmal geschlossen bleiben, damit die Leute nicht zu viel Geld abheben. Mein Rat an Sie deshalb: Halten Sie vorsichtshalber größere Bargeldbestände als üblich vor, für den Fall, dass die Schuldenkrise weiter eskaliert. Nur als reine
Vorsichtsmaßnahme, um einige Wochen lang über die Runden zu kommen. Ihre Einlagen dürften unter der dann geltenden Staatsgarantie sicher sein, zumindest solange sich die Bundesrepublik Deutschland refinanzieren kann (zur Stunde ist das mit einer Kreditausfallprämie von nur 79
Basispunkten unproblematisch).

Ein Gutes hätte dieses Ereignis freilich: Die Katze wäre endlich aus dem Sack, die Unsicherheit für Aktienmarkt und Wirtschaft endlich vorbei. Und nachdem die Scherben zusammengekehrt worden sind, könnte man sich daran machen, eine starke Kern-Eurozone zu schaffen – ohne die
Krisenstaaten, die endlich wieder zurück zu ihren Schwachwährungen könnten, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Politisch war dieser Weg nie gewollt, ökonomisch das einzig Sinnvolle. In den kommenden Monaten dürften ihn die Märkte erzwingen. Wohin sich die Börsen bis dahin charttechnisch bewegen, das zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Jürgen Nowacki

Das war eine Woche mit Überraschungen

 von Jürgen Nowacki (08.09.2011)

 

was uns, den Börsianern, Spekulanten und Investoren derzeitig geboten wird, ist historisch und verlangt dem Trader wirklich viel ab. Stellenweise höre ich Händler fragen, ob man wohl Jagd auf sie mache, denn anders sei das Dementi der Schweizer Notenbank zum PEG von EUR/CHF und ihre darauf folgende überraschende Kehrtwende, mit der Entscheidung den Franken doch bei 1,20 EUR/CHF an den Euro zu koppeln, nicht zu erklären. In unserer Rubrik Devisen und Rohstoffe werden wir das Thema PEG näher ausleuchten.


Wir haben Ihnen in den letzten Wochen angekündigt, dass wir die Diversifizierung in Rohstoffe verstärkt fortsetzen werden. Im Kaffee haben wir jetzt vorerst 40 Prozent Gewinn mitgenommen, werden aber an schwachen Tagen wieder einsteigen. Im Cotton haben wir gestern unsere Handelsposition verstärkt, weil sich charttechnisch das Bild für Nachkäufe ergeben hat. Außerdem wollten wir Ihnen für den Fall, dass Sie noch nicht investiert sind, ganz aktuell eine Kaufgelegenheit präsentieren und Zeichen setzen. Sie haben gestern dazu eine SMS und Eilmitteilung erhalten.

Und weil wir gerade beim Sektor Rohstoffe sind, so ist Ihnen bestimmt aufgefallen, dass einige Tradermagazine von einer Handelschance im Weizen berichten.Wir habenWeizen auch auf dem Radar, aber es fehlten bislang die nötigen Handelssignale. Wir wollen den Rohstoff heute
für Sie im Schwerpunktthema analysieren und ihn emotionslos auf Herz und Nieren überprüfen.

Konjunkturprogramm USA, welche Branchen und Aktien werden profitieren?
Die Wall Street hat ein neues Thema auf der Agenda, die Frage nämlich, welche Branchen vom neuen Konjunkturprogramm Barack Obamas profitieren werden. Obama wird sich heute zu seinem Programm äußern und die Wall Street wird seine Vorschläge auf Nachhaltigkeit prüfen.
Wir aber werden Ihnen heute bereits die Branchen nennen, denn unser USA-Korrespondent Sebastian Storfner arbeitet in San Francisco und spricht täglich mit den interessantesten Unternehmen in Silicon Valley.

Zum Schluss noch eine Bitte an Sie, lieber Leser
Wir sind ständig bemüht, den Target Trader für Sie zu verbessern. Sie können uns dabei unterstützen, indem Sie sich 2 bis 3 Minuten ihrer kostbaren Zeit nehmen und unter folgendem Link ihre Meinung äußern.
https://www.research.net/s/IhreMeinungzaehl

Henrik Voigt

 

Die Lage spitzt sich zu

von Henrik Voigt (06.09.2011)

 

Die Nachrichten überschlagen sich in diesen Tagen. Viele europäische und amerikanische Konjunkturdaten stürzen auf den Stand von Anfang 2009 ab, als die Finanzkrise ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Parallel dazu steigen die Kreditausfallprämien vieler, vor allem südeuropäischer Banken auf neue Rekordstände oberhalb ihrer 2008er Hochs. Bundesbank-Präsident Jens Weimann fordert in der EU anstelle einer bloßen Transferunion eine echte Fiskalunion und damit die Entmachtung der nationalen Finanzpolitik, vor allem um zu verhindern, dass die Krisenländer nur halbherzige Konsolidierungsmaßnahmen einleiten.

US-Branchenprimus Goldman Sachs rät seinen Hedgefonds-Kunden in einer nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Analyse, sich aus dem Markt zu verabschieden, da die Banker eine neue schwere globale Rezession erwarten. Der Internationale Währungsfonds sieht in den Bilanzen vieler europäischer Banken riesige Löcher aufgrund ihres Engagements in Schuldtiteln diverserer Krisensaaten. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann verglich am Montag die aktuelle Situation gar direkt mit dem Herbst 2008, als die US-Investmentbank Lehman Brothers zusammenbrach und eine schwere Rezession startete.

In China bahnt sich eine inverse Zinsstruktur an, die ein sicheres Indiz für eine bevorstehende Rezession ist - nur 0,20%Rendite trennen die 2jährigen Anleihen noch von den 10jährigen. In den USA drohen den Banken eine Schadenersatzklage über 30 Milliarden Dollar wegen Betrügereien im Zusammenhang mit Hypothekengeschäften, die im Erfolgsfall bei den betroffenen Instituten aufgrund ihrer dünnen Eigenkapitaldecke zum Zusammenbruch führen und neue Rettungspakete nötig machen könnte.

Das war nur ein kleiner Auszug aus den Nachrichten der letzten Tage. Er zeigt, wie fragil unser Finanzsystem ist und dass die Lage sehr ernst ist. Es geht nicht nur um die Frage einer möglicherweise schweren Rezession (die geht vorbei), sondern um das schlichte Überleben des gegenwärtigen Finanzsystems als Ganzes.

Ich möchte nicht unnötig Panik schüren, aber wenn sich die Lage weiter zuspitzen sollte, was wir alle nicht hoffen wollen, dann sollten sie darüber nachdenken, etwas mehr Bargeld vorzuhalten als üblich und sich einen Konservenvorrat anlegen. Gerade die Charttechnik als sensibler Seismograph verheißt für die nahe Zukunft zunächst keine Besserung der Lage. Die bisherigen Krisenlösungsansätze haben auf ganzer Linie versagt, neue kurzfristige Lösungen (geschweige denn nachhaltige) sind bisher nirgends in Sicht. Die Charts zeigen nichts als einen kaum gebremsten Absturz. Der DAX hätte sich längst viel weiter erholen müssen. Stattdessen fällt er auf immer neue Jahrestiefs und vergrößert damit die Gefahr eines zweiten Crashs. Allein dieser fortgesetzte Verkaufsdruck ist ein schlechtes Zeichen, dass möglicherweise bald noch viel mehr bekannt wird, als bisher an die Öffentlichkeit gelangte. Und wir sollten diese Warnsignale ernst nehmen.

Sicher, die Welt wird deshalb nicht untergehen und ich möchte mir auch einen Rest Optimismus für die Zukunft bewahren. Aber die nächsten Wochen können noch einmal heftig werden und da gilt es, vorbereitet zu sein statt irgendwelche Parolen von Einstiegskursen gebetsmühlenartig zu wiederholen. Wenn die Lage ernst ist, dann ist es eben so.

Jürgen Nowacki

Die Märkte rechnen mit QE3

von Jürgen Nowacki (31.08.2011)

 

Wie erwartet verlief das Notenbanktreffen in Jackson Hole ohne große Überraschungen. Ben Bernanke hat seine Zusage, den Leitzins bis Mitte 2013 nahe null Prozent zu belassen, bekräftigt und er hat für die nächste FED-Sitzung am 20. September angekündigt eventuell die Notenbankpresse anzuwerfen. Man merkt der Wahlkampf wirft seine Schatten voraus. Die Strategie die Konjunktur in den USA notfalls mit einer Neuauflage von Quantitative Easing 3 (QE3) zu stützen und einer Rezession entgegenzuwirken schwächt merklich den Dollar und stärkt den Euro im Vorfeld.

Blasenbildung im Gold?

Einer Umfrage zufolge welche der Goldhändler pro-aurum in Auftrag gegeben hat, haben lediglich 8 Prozent der deutschen Anleger Gold im Depot. Kann man da wirklich von einer Blasenbildung sprechen? In unserer Rubrik Devisen und Rohstoffe werden wir Ihnen Rede und Antwort stehen, was Sie vom Devisenmarkt in den nächsten Tagen erwarten können.

Welche Goldminenaktien sich jetzt anbieten

Wir haben vor zwei Wochen begonnen das konservative Depot mit Minenaktien zu bestücken, die einen Anstieg ihrer Dividendenzahlungen vorzuweisen haben. Diese Strategie werden wir weiter verfolgen und haben Ihnen ein Zertifikat mit Platin- und Palladium-Minen heraus gesucht mit denen Sie vom weiteren Edelmetallboom profitieren können. Ist Ihnen, lieber Leser, in den letzten Tagen auch aufgefallen, dass einige Solarwerte gegen den Abwärtstrend des DAX verhältnismäßig stabil geblieben oder sogar gestiegen sind? Das ist der Grund weshalb wir Ihnen heute den TecDAX als Schwerpunkthema präsentieren. Und so viel kann ich bereits verraten, Sie haben das richtig beobachtet. Jetzt folgen die schwierigen Börsenmonate September und Oktober und das bereitet manchen Börsianer Kopfschmerzen. Wir sagen Ihnen in der Rubrik Zins- und Konjunkturbarometer warum Sie bei aller Vorsicht keine Bedenken haben brauchen.

Henrik Voigt

Der Bär wird nicht lange ruhen

von Henrik Voigt (30.08.2011)

 

Die von den Märkten mit Spannung erwartete Rede von US-Notenbankchef Ben Bernanke am vergangenen Freitag war eigentlich nur Eines: durchweg eine Enttäuschung. Der Fed- Chef ließ außer dem üblichen „Gesundbeten" der Konjunktur keinerlei konkrete Maßnahmen durchblicken und schob den schwarzen Peter stattdessen der chronisch klammen US-Regierung zu, die jetzt handeln müsse. Der Markt hatte dagegen ein neues Anleihenaufkaufprogramm a lá QE 3 erwartet und knickte bereits im Vorfeld der Rede deutlich ein.

Aber nichts da: Sofort erholten sich die Kurse wieder. Es scheint aktuell so, als würde sich die kürzlich gestartete Kurserholung zeitlich weiter hinziehen als zunächst gedacht. Das Prinzip Hoffnung kann nun im Extremfall bis Mitte September regieren, wenn die nächste Notenbanksitzung stattfindet. Aber machen wir uns nichts vor. Angesichts der aktuellen Situation – die westlichen Staaten am Rande einer neuen Rezession, die Regierungen so pleite, dass neue Konjunkturprograme undenkbar sind, die Notenbanken fast gänzlich ohne Munition – dürfte eine weitere kräftige Kurserholung schwierig werden.

Je länger sie jedoch dauern wird, umso drastischer wird der nächste Kursrutsch werden. Wir haben es weiterhin mit bärischen Konsolidierungsmustern zu tun, also lediglich mit Verschnaufpausen im Abwärtstrend. Auch das Umsatzverhalten – runter mit hohen, rauf mit niedrigen Umsätzen – spricht gegen eine echte Trendwende. Und nicht zuletzt ist der bald startende September der schwächste Monat des gesamten Börsenjahres. Aber das wollen Anleger, die sich gerade im vermeintlichen Schnäppchenrausch befinden, sicher nicht hören. Ich bleibe weiterhin bei meiner Aussage: Solange sich keine stabilen Bodenbildungsmuster ausbilden – und davon ist bisher nichts in Sicht - ist jede Kurserholung weiter mit äußerster Skepsis zu betrachten.

Jürgen Nowacki

Gruppenfoto in Jackson Hole, und das war es

 von Jürgen Nowacki (25.08.2011)


Wer mehr erwartet, liebe Leser, dürfte wohl enttäuscht werden. Ben Bernanke hat sein Pulver verschossen, die Renditen bewegen sich am untersten Ende der Fahnenstange und signalisieren damit eine ungebremste Nachfrage nach US-Staatsanleihen.


Was der Notenbankchef leisten konnte, hat er geleistet. Er hat seine Zusage, den Leitzins bis Mitte 2013 nahe null Prozent zu belassen, eingehalten. Das ist mehr, als man von einem Notenbankpräsidenten verlangen kann. Ziel der Strategie ist es, die Konjunktur in den USA zu stützen und einer Rezession entgegenzuwirken. In unserer Rubrik DAX und Dow werden wir untersuchen, inwieweit das gelingen kann.


Eine Überraschung waren die schlechten Konjunkturerwartungen des ifo-Instituts nicht, denn tags zuvor veröffentlichte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bereits grottenschlechte Zahlen. Die endlosen Diskussionen um die Einführung von Eurobonds in Verbindung mit neuen Ängsten vor den EU-Verschuldungsproblemen wirken kontraproduktiv und trüben die Stimmung der Investoren. Damit haben wir jetzt eine Situation, die unbedingt hätte vermieden werden müssen, denn nichts ist schwieriger als verspieltes Vertrauen in die Konjunktur zurückzugewinnen. So wie die Umfrageergebnisse des ifo-Instituts aussehen, ist hier wirklich viel Porzellan zerschlagen worden.


Die Eurobonds werden kommen, denn die Europäische Zentralbank (EZB) selbst hat bereits die Weichen gestellt und den ersten Schritt
gemacht, indem sie mit 110 Milliarden Euro am Rentenmarkt interveniert hat. Sie hat Staatsanleihen angekauft, um den notleidenden Nachbarn zu helfen. Das ist sehr nobel, aber wer hat ihr eigentlich dazu das Mandat erteilt? Interventionen im Währungssektor sind üblich und sie sind auch Aufgabe der Notenbank, aber Wechsel über 110 Milliarden Euro auszustellen dürfte auch die Legitimation einer unabhängigen Notenbank übersteigen. Da die Staatengemeinschaft für die Aktivitäten der EZB haftet, haben die EU-Mitglieder über Umwege die Einführung des Eurobonds bereits abgesegnet. Also warum führen wir dann seit Wochen in den Medien diese (Schein- )Dis-kussion? Um den Zeitungslesern das Gefühl zu vermitteln, dass sie über den politisch gewollten, aberblutleeren Euro noch mitbestimmen können? So sehe ich das und ich bin gespannt, wie sich die Elitebanker und Elitepolitiker aus der Verantwortung schleichen.

 

Wer wie ich die Entwicklung von Frühindikatoren in den letzten 25 Jahren verfolgt hat, wird mir zustimmen, dass es sich hier um wirklich ernst zu nehmende Konjunktursignale handelt. Wenn Politiker nicht endlich anfangen mit einer Stimme zu sprechen und Beschlüssen auch Taten folgen zu lassen, können wir uns das Geld für weitere Konjunkturpakete sparen. Sie werden ähnlich wie die Milliarden, die Hubschrauber Ben seit 2008 vom Himmel regnen ließ, nichts ausrichten. Eine weltweite Währungsreform wird sich dann wohl nicht mehr vermeiden lassen.

Henrik Voigt

Jetzt „Schnäppchenkurse“?

von Henrik Voigt (23.08.2011)


Der Aktienmarkt klammert sich in diesen Tagen an jeden Strohhalm, scheiterte aber mit jedem Erholungsversuch. Auch viele Volkswirte, Fundamentalanalysten und nicht zuletzt unser Finanzminister werden in diesen Tagen nicht müde zu verkünden, dass die Börsen übertreiben würden und
dass es keine Rezession geben werde. Sie dürften schlichtweg falsch liegen – wie an nahezu jedem größeren oberen Wendepunkt. Ein 2000-Punkte-Crash beim DAX ist kein Irrtum mehr. Alles andere ist leider frommes Wunschdenken.

Die nächsten Monate und vielleicht auch Jahre dürften durch Sparzwänge in Europa und den USA gekennzeichnet sein. Griechenland macht es bereits vor: (auch) durch die Sparpakete
beträgt das „Wachstum“ hier minus 5 Prozent, ist also stark rezessiv. Die meisten anderen westlichen Staaten werden folgen. Erst Recht, wenn die Nachfrage aus Asien zurückgeht, wo sich insbesondere in China inzwischen eine ziemlich harte Landung abzeichnet.

Ähnlich wie in Japan seit 1990 erwarte ich eine längere deflationäre Entwicklung, die immer mal wieder durch mehrmonatige Zwischenerholungen unterbrochen wird, sobald man vorübergehend wieder etwas an der Notenbankpolitik verändert. An der deflationären Grundtendenz dürfte das jedoch nichts ändern.

Nun ist es sicherlich kein Kinderspiel, nach der crashartigen Entwicklung der letzten Wochen weitere Kursrückgänge im DAX bis zunächst 4500 Punkte vorherzusagen, wie am Freitag in meinem Marktbericht geschehen. Immerhin sind die Märkte stark überverkauft und anfällig für eine Bärenmarktrally. Allerdings wollte ich auch nicht gleich an das Kursziel 5400 Punkte glauben, als ich es vor ca. zwei Wochen aus einer Chartformation berechnete. Am Freitag wurde es erreicht. Charttechnische Entwicklungen sind
eben verlässlicher als Wunschdenken. Solange sich keine stabilen Bodenbildungsmuster ausbilden – und davon ist bisher nichts in Sicht - ist jede Kurserholung weiter mit äußerster Skepsis zu betrachten.

Jürgen Nowacki

Jetzt könnte Ben Bernanke mit QE3 weitermachen, aber wem nützt es jetzt noch?

von Jürgen Nowacki (18.08.2011)

In den Medien wird immer wieder darüber spekuliert, wann Bernanke wohl sein drittes Ankaufsprogramm für US-Staatsanleihen (Quantitative Easing 3, QE3) starten wird, um die US-Wirtschaft wieder flottzumachen. Ich verstehe diese Diskussion offengestanden nicht, denn die USA haben doch seit Anfang August extrem fallende Renditen und steigende Kurse, also offensichtlich keine Probleme ihre Staatsanleihen an
den Mann zu bringen. Nur, wer kauft US T-Notes und Bonds eigentlich in einem solchen Ausmaß, dass die Renditen sogar crashartig fallen. Beim Bund-Future für deutsche Staatsanleihen mag das noch einleuchten, aber bei US-Papieren mit fallendem Rating? Wir werden das Phänomen in unserer Sparte Konjunktur und Zinsen für Sie heute ausleuchten.

Einen Run auf britische Staatsanleihen beobachtet unser USA-Korrespondent Sebastian Storfner bereits seit längerer Zeit, aber jetzt scheint sich auch hier der Trend noch einmal zu beschleunigen, sodass das Britische Pfund aktuell Kaufsignale setzt. In unserer Rubrik Devisen und Rohstoffe erfahren Sie mehr über den geplanten Positionsaufbau GBP/USD. Apropos Rohstoffe: Jetzt wird noch einmal bei Kaffee und Baumwolle zum  Einstieg geläutet.Wir haben bei Baumwolle das Rating von Halten auf Einsteigen heraufgesetzt.

Gold beschleunigt seinen Aufwärtstrend und offensichtlich erwarten die Profis hinter der Handelskulisse weiteres Ungemach in den Aktienmärkten, denn solch eine Kapitalflucht in Staatsanleihen und Gold habe ich in 25 Jahren als Broker noch nicht erlebt, das ist wirklich unheimlich. Was braut sich da wohl zusammen und sind Goldminenaktien jetzt eine Investmentchance?

Viel Erfolg an den Märkten wünscht Ihnen

Ihr TT Team

Jürgen Nowacki

Chefredakteur Target Trader

Henrik Voigt

Deflation greift um sich

 

von Henrik Voigt (16.08.2011)


Durch das Thema Staatsverschuldung haben die Märkte inzwischen Feuer gefangen. Die USA müssen in den kommenden Jahren 2,4 Billionen US-Dollar einsparen, um drastisch höheren Zinskosten zu entgehen. Die Staatsverschuldungskrise greift nun auch auf Italien und Frankreich über. Auch dort mussten massive Einsparungen beschlossen werden, um der baldigen Staatspleite zu entgehen. Die Risikoprämien für italienische und französische Staatsanleihen explodieren dennoch. China hingegen kann seine augenscheinlich hohen Wachstumsraten nur noch mit dem Bau staatlich verordneter Geisterstädte aufrechterhalten, was das BIPWachstum künstlich aufbläht. Das Land dürfte jedoch tatsächlich
kurz vor dem Platzen der größten Immobilienblase aller Zeiten stehen.

 

Es hat lange gedauert, bis die Aktienmärkte von den massiven Verschuldungsproblemen Notiz genommen haben. Dann ging es dafür umso schneller. Und nun fordert der Markt echte Lösungen
ein. Die derzeit aber nirgends in Sicht sind. Die Konjunktur schwächt sich seit Jahresbeginn immer weiter ab, neue Anschubmaßnahmen sind in der derzeitigen Lage schlichtweg unfinanzierbar, die dringend nötigen Sparmaßnahmen würgen den letzten Rest Wachstum zusätzlich ab.

 

Momentan sieht es tatsächlich so aus, als würden wir direkt in den nächsten deflationären Schub hineinlaufen. Der DAX-Crash der letzten beiden Wochen war nur der Auftakt dazu und nicht bereits
das Ende. Auch wenn heftige Gegenbewegungen vor allem viele Privatanleger dazu verleiten mögen, dies zu hoffen. Ich bin gespannt, auf welche Ideen die Politik in den nächsten Monaten kommt, um diese Deflation noch abzuwenden. Die untauglichen Standardrezepte wie „Geld drucken“ und „Zinsen niedrig halten“ helfen ja nicht mehr. Sollte keine echte Reform des heutigen, schuldenbasierten Finanzsystems dabei sein (und ein solcher Idealist bin ich nun auch wieder nicht), dann dürften die Märkte Nägel mit Köpfen machen. Und das würde bedeuten, dass nach den Aktien die Rohstoffe und später auch die Edelmetalle unter die deflationären Räder geraten. Aber schauen wir uns die charttechnischen Möglichkeiten zunächst einmal in Ruhe an – in dieser Ausgabe von DAX Profits.



Jürgen Nowacki

Der Crash ist vorbei aber die Baisse hat gerade erst begonnen

von Jürgen Nowacki (10.08.2011)

London steht in Flammen und 6.000 Polizisten sind überfordert und überrascht, mit welcher Härte sich perspektivlose Jugendliche gegen Polizisten in die Schlacht werfen. Aber diese Bilder sind uns leider nicht fremd, denn auch Paris, Athen und Berlin kennen diese negative Entwicklung nur zu gut. Auf der anderen Seite sehen Politiker aller Couleur, wohin es führen kann, wenn Stimmen gekauft werden und das Ruder einer defizitären Haushaltsführung nicht von allen Politikern gleichermaßen herumgerissen wird. Denn wenn die Autos erst einmal brennen, ist es den Steinewerfern egal, welche Partei Freund und welche Feind ist. Zu leiden haben dann alle diejenigen, die brav ihre Steuern zahlen und dem Staat nicht zur Last fallen, oder auch diejenigen, die sich mit ihren Spargroschen ein gebrauchtes Auto leisten, das dann in einer sogenannten 1.-Mai-Demonstration abgefackelt wird.

Lebensversicherungen besser als ihr Ruf

Warum ich das auf die erste Seite meines Börsenbriefes bringe, werden Sie vielleicht fragen. Nun, wir befassen uns mit Wirtschaft und wer nicht wirtschaften kann oder will, muss sich nicht wundern, wenn er abgestraft wird. Der Mob geht auf die Straße und bestraft den Staat heute für seine Perspektivlosigkeit. Morgen gehen vielleicht auch Rentner auf die Straße, weil ihre Altersversorgung nicht mehr gewährleistet ist. Heute sind Lebensversicherungen noch eine gute Kapitalanlage, aber wer weiß, wie das in 8 bis 10 Jahren aussieht. Lebensversicherungen haben seit den großen Kurseinbrüchen nach der Lehman-Pleite nur noch wenige Aktien, aber dafür umso mehr Staatsanleihen im Portfolio. Im Moment ist das gut, aber ob das für die Zukunft richtig ist, hängt davon ab, wie schnell Deutschland und Europa zu einer ordentlichen Haushaltsführung zurückfinden werden.

Unternehmer wissen nur zu genau, wie ein Kreditrating funktioniert

Jetzt regen sich vielerorts Politiker darüber auf, wenn eine Regierung im Kreditrating heruntergestuft wird, und die Kapitalmärkte setzen die Zinsen rauf, wenn das Ausfallrisiko von Staatsanleihen ansteigt. Aber das ist doch nichts Neues, liebe Leser. Die ökonomischen Gesetze gelten im Großen wie im Kleinen. Und wenn die USA jetzt herabgestuft worden sind, dann ist das nicht mehr als gerecht. Ich weiß, auf den ersten Blick ist das schwer zu verstehen und viele Marktteilnehmer haben sich darüber aufgeregt, aber ein Rating ist ein Vorgang, den jeder Kreditsuchende über sich ergehen lassen muss. Fragen Sie doch einmal Unternehmer in Deutschland, die einen Risikoaufschlag dafür zahlen müssen, dass sie keinen Nachfolger für ihr Unternehmen präsentieren können, oder dafür, dass sie in einer Branche arbeiten, in der das allgemeine Insolvenzrisiko ansteigt. Viele Unternehmen bekommen nur dann einen Kredit, wenn sie mit ihrem persönlichen Vermögen haften. Und wenn sich das Geschäftsklima verschlechtert, müssen sie mit einer Kündigung des Kredites rechnen. Ja, das ist die harte Realität der Wirtschaft. Das ist die alltägliche Praxis, mit der sich Unternehmer in Deutschland auseinandersetzen müssen und in der sie um ihr Überleben kämpfen müssen.

Der Kauf von Wählerstimmen ist vorbei

Wenn wir Glück haben, begreift Italien, dass es jetzt unliebsame Entscheidungen treffen muss. Und wenn deutsche Politiker aller Couleur genau hinsehen würden, wüssten Sie, dass jetzt nicht die richtige Zeit ist, um Wählerstimmen zu kaufen. Sie müssen vielmehr verhindern, dass Deutschland morgen und übermorgen ähnliche Probleme bekommt wie die USA, Spanien oder Italien. Die letzten Börsentage haben gezeigt, wie schnell es gehen kann, dass politischer Wankelmut, schlechte Kommunikation und Fehlentscheidungen von den Kapitalmärkten abgestraft werden. Wahlen sind nur alle 4 Jahre, aber der wirtschaftspolitische Weitblick und die wirtschaftspolitischen Versprechungen der Politiker werden an den Kapitalmärkten täglich auf die Probe gestellt und auf Glaubwürdigkeit geprüft.

Viel Erfolg an den Märkten wünscht Ihnen

Ihr TT Team

Jürgen Nowacki

Chefredakteur Target Trader

Henrik Voigt

Bärenmarkt steht fest

 

von Henrik Voigt (04.08.2011)


der DAX hat in den vergangenen beiden Handelswochen 1800 Punkte verloren – das ist ein echter Crash. Und dieser Crash markiert den Beginn eines neuen Bärenmarktes, also einer längerfristigen Abwärtsbewegung. Nachdem es zu Beginn der vergangenen Woche diesbezüglich noch Unsicherheiten gab, sind diese nun ausgeräumt.

DAX Profits im Gewinn

Ich bin heute heilfroh, dass ich nicht wie viele andere Börsendienste krampfhaft an geliebten Aktienpositionen festgehalten habe, sondern Ihnen rechtzeitig vor dem großen Sell-Off den Verkauf aller Aktienpositionen empfohlen habe. Unsere Flexibilität hat uns gerettet und Sie müssen jetzt nicht wie viele andere Anleger zittern. Außerdem haben wir bereits Anfang Juli mit dem Reverse- sowie dem Korridor-Schein auf den DAX frühzeitig auf fallende bzw. bestenfalls seitwärts laufende Kurse gesetzt. Was zunächst lediglich als Depotabsicherung für die nächsten Monate gedacht war, brachte in dieser Ausnahmesituation außerordentlich schnell Gewinne. Und deshalb stehen wir in diesem Jahr auch mit über 700,- Euro Gewinn da, während der DAX fast 20 Prozent Minus verkraften muss. Viele Depots sehen regelrecht zerbombt aus, wir lehnen uns dagegen entspannt zurück. In den nächsten Monaten wird unser Vorsprung zum DAX noch wesentlich drastischer ausfallen.

Dabei war der Beginn dieses Bärenmarktes extrem schwer vorherzusehen. Es gab diesmal nicht die üblichen Warnsignale. Die ansonsten bewährten Vorläuferindizes wie Transportindex, Nasdaq-Index oder Emerging Markets erreichten noch vor kurzem neue Allzeithochs, die Marktbreite war ebenfalls noch intakt, die Börsenumsätze wiesen eher auf eine Korrektur als auf eine Toppbildung hin. Ich denke, es ist genau dieser „Überraschungseffekt“, der die Bewegung in diesen Tagen so heftig ausfallen lässt. Und noch immer existieren viele Schieflagen, noch immer ist der Markt noch nicht komplett bereinigt. Noch denken sehr viele Anleger, es handle sich um einen Albtraum, der bald vorübergeht. Eine Übertreibung. Wenn sie sich da nicht täuschen.

Wir haben uns schnell in der neuen Realität zurechtgefunden. Die Börsen werden in dem Tempo vorerst nicht ewig weiterfallen. Es wird in Kürze zu einer mehrwöchigen Kurserholung kommen, möglicherweise angefacht durch außergewöhnliche Notenbankmaßnahmen, die immer dann einsetzen, wenn die Hütte bereits brennt. So findet heute Abend eine US-Notenbanksitzung statt, auf der beispielsweise QE 3 verkündet werden könnte, was dann eine massive Shorteindeckungsrally auslösen dürfte. Diese Erholung wird sprunghaft und schwer zu handeln sein. Unsere Korridorscheine sind die adäquate Antwort auf diese mögliche Bewegung, weil wir damit nicht das exakte Tief erwischen müssen und
in beiden Richtungen große Spielräume besitzen. Diese Erholung wird bis an einen bestimmten
markanten Punkt laufen. An diesem Punkt bestehen die besten Chancen, erneut auf weiter
fallende Kurse zu setzen, was wir dann natürlich auch tun werden.

Bärenmärkte halten lange an
Denn eines ist sicher: Wenn der Bär erst einmal erwacht ist, legt er sich nicht gleich wieder
schlafen. Bärenmärkte dauern in der Regel länger als ein Jahr. Aber gerade sie bieten für aktive
Anleger unwahrscheinlich große Chancen auf schnelle Kursgewinne, denn die hohe Volatilität
lässt Bewegungen viel schneller ablaufen als in Bullenmärkten.

Jürgen Nowacki

Die Finanzwelt zittert vor dem (Kaputt)Sparen

 

von Jürgen Nowacki (04.08.2011)


Tja, wir haben es in der letzten Target-Trader-Ausgabe verkündet: Nachdem der Kompromiss zwischen Republikanern und Demokraten gefunden wurde, wird es darauf ankommen, was die Ratingagenturen daraus machen werden. Aber, sollten wir jetzt wirklich die ganze Wut über das Chaos an den Finanzmärkten an den Ratingagenturen auslassen?

Die Ratingagenturen sprechen eine klare Sprache, vielleicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt, das mag sein, aber sie dürfen etwas tun, was Politikern nur in der Opposition erlaubt ist, nämlich Missstände klar und deutlich artikulieren.

Über viele Jahre hinweg wurde Wachstum auf Pump finanziert. Und wenn es eine Regierung wagte, diese Missstände zu beheben, wurde sie selten dafür gelobt. Selbst der Musterschüler Deutschland zahlt heute noch Zinsen für Konjunkturpakete, die er auf Pump finanzierte.Selbst dieser Musterknabe hat es bis heute nicht geschafft, die Kredite, die dafür aufgenommen wurden, zurückzuzahlen. Und jeder weiß, trotz unerwartet hoher Steuereinnahmen muss sich Deutschland immer noch neu verschulden. Die Zinslast, die aus einer laxen Haushaltsführung entstanden ist, beläuft sich mittlerweilen auf mehr als 40 Milliarden Euro
pro Jahr und es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Ratingagenturen Deutschland unter die Lupe nehmen werden. Übrigens, um sich 40 Milliarden Euro Zinsbelastung (keine Tilgung) besser vorstellen zu können, geben wir Ihnen hier ein kleines Beispiel. Das neue Autobahnstück auf der A8 zwischen Augsburg und Günzburg soll etwa 400 Millionen Euro kosten und ist 41 km lang. Müssten wir keine Zinsen zahlen, könnten wir eine 6-spurige Autobahn bauen, die 4.100 km lang wäre. Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem mit steigender Verschuldung auch die Arbeitslosigkeit steigt, und das sehen wir in den USA, aber auch in Europa. Warum ich so pessimistisch bin, werden Sie vielleicht fragen, nun, wir haben eine Achillesferse, und das ist der Export.

Asien erhöht seine Zinsen, um die Inflation in den Griff zu bekommen. BMW-Chef Norbert Reithofer sagtein seiner Bilanzpressekonferenz am 2. August, dass die Nachfrage nach Luxusautos ungebrochen sei, er aber damit rechne, dass sich die Nachfrage in China abschwächen werde. Weitere Produktionskapazitäten aufzubauen sei mit hohen Risiken verbunden, so der Vorstand. Tja und genau dieses Szenario spielt die Börse jetzt durch. Wir werden es nicht schaffen, von unseren Schulden herunterzukommen, wenn jetzt am falschen Ende gespart wird, darüber sind sich ausnahmsweise alle Experten einig. Die Börse nimmt deshalb die guten Zahlen der Industrieunternehmen als gegeben hin und verbucht sie sogleich unter Vergangenheit.
Die Märkte versuchen derzeitig abzuschätzen, ob China und Indien auch zukünftig als Konjunkturlokomotive dienen und die Wachstumsschwäche Amerikas sowie Europas ausgleichen können. Und um auf die Ratingagenturen zurückzukommen: Sie wollen Konzepte sehen, die Hand und Fuß haben, ganz einfach. Das ist auch das Interesse von Investoren und das Einzige, was uns Börsianern mittel und langfristig nützt.

Der Tisch, an dem wir sitzen, ist reich gedeckt, heißt es in dem zitierten indianischen Sprichwort. Einer Umfrage zufolge, die in 11.000 deutschen Haushalten vorgenommen wurde, sind immer mehr Deutsche unzufrieden mit ihrem Beruf. Zuviel Stress und zu wenig Geld lautet eine Begründung der Wissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen, die die Befragung vorgenommen haben. Aber vielleicht liegt es nicht so sehr daran, dass der Stress zugenommen hat, als vielmehr daran, dass die Perspektiven verloren gegangen sind. Geht es in einem kurzen Menschenleben nicht viel öfter um die Frage: Was kommt danach? Was passiert, wenn ich meinen Job verliere und meine Hypothekenraten nicht mehr bezahlen kann?

 

Banken und Sparkassen berechnen heute ihren Kunden, die einen Dispokredit in Anspruch nehmen, mehr als 14 Prozent Zinsen, refinanzieren sich selbst aber mit lediglich 2 Prozent. Inwieweit haben denn die Banken ihre günstigen Notenbankkonditionen wirklich an Ihre Kunden weitergegeben? Als es darum ging,wie man Griechenland helfen könne, haben wir von Politikern zu hören bekommen, man müsse den Griechen die Zinsen senken, damit sie wieder auf die Beine kämen. Was sagen diese Politiker den Menschen in Deutschland, die seit Jahren einen Dispokredit in Anspruch nehmen müssen, drei Jobs machen und nicht wissen, wie sie aus der Schuldenfalle wieder herauskommen?

Fazit und um es auf dem Punkt zu bringen, die Zinsen für private Konsumenten sind viel zu hoch, das bremst die Binnennachfrage und hilft keineswegs unsere Exportabhängigkeit abzubauen. Anstatt sich kaputt zu sparen, muss die Neuverschuldung und der Zinsdienst im öffentlichen, aber auch im privaten Sektor reduziert werden. Investitionen müssen in den Bereichen Infrastruktur, Lehre und Forschung sowie in Technologien für erneuerbare Energien forciert werden, und zwar europaweit. Wer den Ratingagenturen solche Konzepte auf den Tisch legt, muss sich keine Sorgen um sein Rating machen.

 

Viel Erfolg an den Märkten wünscht Ihnen

Ihr TT Team

Jürgen Nowacki

Chefredakteur Target Trader

Jürgen Nowacki

High Noon in Washington, wer zieht zuerst? Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man direkt darüber lachen

von Jürgen Nowacki (27.07.2011)

 

Erinnern Sie sich noch, wie sich die deutsche Elite 1981 aufgeregt hat, als der Republikaner und einstige Schauspieler Ronald Reagan zum 40.US-Präsidenten gewählt wurde? Die Nation war schockiert und Reagan avancierte in zwei Amtsphasen zum erfolgreichsten Politiker der USA. Nicht zu vergessen seine Worte an der Berliner Mauer am 12. Juni 1987:

Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!"

Heute stehen sich Demokraten und Republikaner gegenüber und tragen ihrenWahlkampf auf offener Straße wie in einem alten US-Western aus, in dem Ronald Reagan mitgespielt haben könnte. Die Lässigkeit lässt etwas zu wünschen übrig, aber Reagan schaut vielleicht von oben zu und wundert sich über seine Parteifreunde und ihr Verständnis von Bürgernähe. Nein, ich will mich nicht lustig machen, und meine ehemaligen Kollegen, die an der New York Stock Exchange arbeiten würden mir das auch nicht verzeihen. Denn die finden das, was in Washington passiert, abscheulich und um es aufgut Deutsch zu sagen: sie sind richtig sauer über diese Art der Wahlkampfstrategie.

Ich wage heute folgende Prognose: Republikaner und Demokraten werden sich am kommenden Wochenende einigen, allerdings dürften die Wahlkampf-Schecks für die Republikaner kleiner ausfallen als erwartet, denn immer mehr Amerikaner unterstützen die Politik von Obama und lassen die Republikaner in Umfragen schlecht aussehen.

Aber wie sagte Ronald Reagan 1988 auf einer Vortragsveranstaltung vor US-Farmern: "Die furchterregendsten
Worte der englischen Sprache sind: 'Hi, ich bin von der Regierung und komme, um Ihnen zu helfen!'"

Aber kommen wir zum Geschäft. Vor dem geschilderten Hintergrund ist die Dollarstärke momentan nicht nachvollziehbar und viele von Ihnen liebe Leser werden sich fragen: wird der US-Dollar gestützt? Dieser Frage gehen wir in der Rubrik Devisen und Rohstoffe für Sie auf dem Grund. Zu den Aktienmärkten äußern wir uns in der Rubrik DAX und Dow Jones, und so viel sei bereits verraten, die Stimmung wird brisant. Zu unserer Aktienposition Nabi im Musterdepot erhalten Sie bald weitere Informationen. Möglicherweise werden wir nachkaufen, aber genaueres erfahren Sie in einer speziellen Sondermitteilung außerhalb der heutigen Target-Trader Ausgabe.

 

 

Viel Erfolg an den Märkten wünscht Ihnen

Ihr TT Team

Jürgen Nowacki

Chefredakteur Target Trader

 

Henrik Voigt

Sommerträgheit bald vorbei?

von Henrik Voigt (26.07.2011)

ich komme soeben aus Malaysia zurück. Das Land ist Teil der Emerging Markets und hat das ehrgeizige Ziel, bis zum Jahr 2020 von
einem Schwellenland zu einer hoch entwickelten Volkswirtschaft aufzuschließen – mit entsprechend hohem Einkommensniveau der Bevölkerung.Momentan sieht es tatsächlich so aus, als wäre dieses Ziel erreichbar. Mit zuletzt 6 % Wirtschaftswachstum, 5 % Arbeitslosenrate und 0,5 % Inflation bieten sich traumhafte Wirtschaftsdaten in dieser Volkswirtschaft. Und in vielen anderen vergleichbaren Schwellenländern sieht es nicht weniger gut aus.

Warum erzähle ich Ihnen das? Ganz einfach: Die westlichen Volkswirtschaften sind mit ihrer exorbitanten Verschuldung, ihrer Überalterung und ihren Überkapazitäten nicht mehr in der Lage, aus eigener Kraft genügend Wirtschaftswachstum zu generieren. Wir sind inzwischen sehr stark auf das Wachstum und die Nachfrage aus den Schwellenländern angewiesen. Das gilt ganz
besonders auch für unsere exportorientierte deutsche Wirtschaft. Für Malaysia etwa ist Deutschland bereits der wichtigste westliche Importpartner. Geht es den Schwellenländern gut, brauchen wir uns trotz Schuldenkrise keine Sorgen um unser eigenes Wachstum zu machen. Zumindest nicht, solange die westliche Schuldenkrise noch einigermaßen beherrschbar bleibt.

Insofern erleben wir derzeit sogar einen historischen Paradigmenwechsel: Nicht mehr der Westen ist die Weltkonjunktur-Lokomotive, sondern inzwischen sind es die Schwellenländer, die uns in einigen wirtschaftlichen, technologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen bald den Rang ablaufen werden, wenn wir nicht aufpassen.

Und genau aus diesem Grund gibt es inzwischen auch eine immer stärker werdende Abhängigkeit der westlichen Börsen von den Marktentwicklungen an den Emerging Markets. Bei DAX Profits
tragen wir diesem Umstand schon lange Rechnung, indem ich Ihnen jede entscheidende Veränderung dort in meinem Analyseteil präsentiere und Ihnen die Auswirkungen auf unsere Börsen
erläutere.

Jürgen Nowacki

Was kommt nach Steve Jobs und warum ist es manchmal besser, Kaffee statt Tee zu trinken ?

von Jürgen Nowacki (21.07.2011)

Nach den guten Zahlen des Aluminiumherstellers Alcoa überraschen IT-Unternehmen wie Google und Apple mit sehr guten Quartalszahlen.

Aber wie stabil ist der IT-Sektor auch ohne Apple? Kein anderes Unternehmen ist schließlich so auf seinen Unternehmensgründer fixiert wie die IT-Firma mit dem frechen Apfel-Logo. Der steile Anstieg des Apple-Kurses von 12,50 US-Dollar im Jahr 2004 auf zuletzt über 390 US-Dollar liegt vor allem an der Strategie von Steve Jobs. Aber Unternehmen mit einer Ein-Personen-Show bergen Risiken.Wir werden in der heutigen Ausgabe daher der Frage nachgehen, was mit dem NASDAQ ohne Apple passiert.

American Express überrascht die Börsianer gleich auf mehrfache Weise. Erstens wurde für das zweite Quartal ein höherer Gewinn ausgewiesen als erwartet und dann hat sich auch die Zahlungsmoral der Kartenkunden verbessert und zwar im erheblichen Ausmaß. Wir untersuchen in der Rubrik Konjunktur und Zinsen wie die Daten für den Zinsmarkt zu interpretieren sind.

Abwarten und Tee trinken, nur so kann man derzeit der politischen Börse die Stirn bieten. Aber den Kaffeemarkt sollten auch Teetrinker unter Ihnen nicht aus den Augen lassen, denn hier könnte sich eine erstklassige Tradingchance ergeben.

Kaffee ist heute unser Schwerpunkthema. Wussten Sie, dass Kaffeepflanzen nach einem guten Erntejahr eine Ruhepause brauchen? Im letzten Jahr, meldet die International Coffee Organization ICO, war ein solches: mit einem Produktionsüberschuss von annähernd 17 Prozent. Und das Beste daran ist, dass sich die Kaffeepreise trotzdem auf über 3,10 US-Dollar/Pound verdoppelt haben. Heute Morgen haben Sie bereits eine Eilmitteilung mit fundamentaler Analyse und eine Kaufempfehlung per EMail und SMS erhalten. In der heutigen TT-Ausgabe erläutern wir Ihnen zusätzlich noch die technischen Kaufgründe im Chart.

Viel Erfolg an den Märkten wünscht Ihnen

Ihr TT Team

Jürgen Nowacki
Chefredakteur Target Trader

Thomas Kallwaß

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Erwartungen der Experten und der Realität!

von Thomas Kallwaß (19.07.2011)

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist jeden Monat das Gleiche: kaum hat irgendein Forschungsinstitut seinen monatlichen Stimmungsindikator veröffentlicht, überschlagen sich die Zeitungen und Onlinemagazine. Entweder die Indikatoren signalisieren extreme Euphorie, schlimme Stagnation oder extremen Pessimismus – alle drei Möglichkeiten sind natürlich dankbare Schlagzeilenlieferanten.

Zeitungen verbreiten ungerechtfertigte Panik

Und so titeln die Zeitungen auch heute wieder über den ZEW Konjunkturerwartungsindex: „Sinkender ZEW-Index: Schuldenkrise verschreckt Anleger“ oder „ZEW-Konjunkturerwartungen sinken den fünften Monat in Folge“ oder „Aufschwung bedroht: Schuldenkrise belastet die Realwirtschaft“ oder „Wegen Schuldendebakel ZEW-Indikator auf Krisenniveau“. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das alles als Unsinn herausstellen wird, ist immens.

Es fehlt an Einordnung der Zahlenflut

Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich von der journalistischen Leistung der Medien schon seit langem enttäuscht bin. Allen Beteuerungen zum Trotz liefern die Journalisten schon seit langer Zeit keine sinnvolle Einordnung der täglichen Zahlenlieferungen mehr. Anhand der Meldungen ist es nicht mehr möglich, den Charakter der Zahlen zu bestimmen. Ist ein ZEWKonjunkturerwartungsindex von -15,1 schlecht? Natürlich, glaubt man den Medienberichten. Doch die Realität sieht anders aus.

Ich überprüfe alle Zahlen selbst auf ihren Sinngehalt

Dass die Erwartungen wirklich schlimmes andeuten, glaube ich nicht – und das aus gutem Grund, wie ich Ihnen gleich zeigen werde. Statt blind zu glauben, überprüfe ich für Sie jede Zahl selbst und setze sie in einen sinnvollen Zusammenhang. Es ist wirklich verblüffend, wie schnell sich dann die meisten Horrormeldungen in Luft auflösen.

Finanzmarktexperten sagen, es geht bergab. Stimmt das?

Glaubt man den Meldungen, so sind sich die befragten sogenannten Finanzmarktexperten einig: mit der Konjunktur geht es bergab. Und die Aktienkurse werden daher natürlich auch sinken. Stellt man aber einmal die Expertenvoraussagen der vergangenen 20 Jahre und das reale, also preisbereinigte, Wirtschaftswachstum gegenüber, so offenbart sich das ganze Desaster der Voraussagen.

Die Experten lagen nur einmal richtig – aber viel zu früh

In nur einem einzigen Fall lagen die Experten richtig – und das auch nur teilweise: bei der Finanzkrise. In 20 Jahren pendelt der Index der Erwartungen nur so zwischen Euphorie und Pessimismus hin und her, während das Bruttoinlandsprodukt fast die ganze Zeit über wie mit dem Lineal gezogen steigt. Und auch bei der Finanzkrise lagen die Experten nur teilweise richtig. Denn die Befragten zeigten sich schon lange vor Beginn des realen BIP-Rückgangs ausgesprochen pessimistisch.

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den Erwartungen der „Experten“ und der Realität

Also habe ich noch die Korrelation des ZEW-Konjunkturerwartungsindex und des Bruttoinlandsprodukts berechnet. Es ist eine negative Korrelation von -0,14. Werte nahe 0 bedeuten: es gibt fast keinen Zusammenhang zwischen den Konjunkturerwartungen und den realen Konjunkturentwicklungen. Und es geht weiter. Vergleicht man die Konjunkturerwartungen der vom ZEW ausgewählten „Finanzmarktexperten“ mit der Entwicklung des DAX, wird es wirklich gruselig. Die Korrelation beträgt nämlich -0,04, Das ist eine fast perfekte Nicht-Korrelation. Es ist ein nicht ansatzweise vorhandener Zusammenhang zwischen den Erwartungen von angeblichen Finanzmarktexperten und Reaktionen am Finanzmarkt.

Würden Sie sich nach den befragten „Experten“ richten, wären Sie bald pleite

Fakt ist: wenn Sie sich in den vergangenen 20 Jahren bei Ihren Anlageentscheidungen nach den Erwartungen der Experten gerichtet hätten, so wären Sie heute völlig pleite. Denn die Realität hatte statistisch gesehen in diesen 20 Jahren nichts mit den Erwartungen gemeinsam.

Lassen Sie sich nicht von den Medienberichten beirren

Also lassen Sie sich bitte nicht von dem Medientrommelfeuer aus der Ruhe bringen. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland erreicht monatlich neue Tiefstände, die Wirtschaft wächst so stark wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr und nach wie vor gibt es sehr viele Regionen in der Welt, die jährlich fast oder sogar zweistellig wachsen. Weshalb also in Panik geraten – so wie die Medien in Deutschland? Einen Grund dafür gibt es nicht.

Herzlichst, Ihr

Thomas Kallwaß
Chefredakteur CFD Profits

Thomas Kallwaß

Geduld zahlt sich auch beim Diamant FX Portfolio aus!

von Thomas Kallwaß (18.07.2011)

Liebe Leserinnen und Leser,
immer wieder zeigt sich, Geduld zahlt sich aus. Unsere Strategie basiert darauf, uberbewertete Wahrungen zu verkaufen und unterbewertete Wahrungen zu kaufen. Alles weitere lauft dann wie von selbst. Alles, was wir brauchen, ist Geduld. Wir kennen die Fehlbewertungen, aber wir können nicht wissen, wann sie korrigiert werden Geduld ist wichtig. Denn wir kennen zwar die fairen Bewertungen der Wahrungen und wir wissen auch, dass die Marktbewertungen nicht ewig von der fairen Bewertung abweichen konnen. Wir wissen aber nicht, wie lange es dauert, bis die Fehlbewertung korrigiert wird.

Teilweise waren Kontoverdoppelungen in wenigen Wochen möglich Beim unterbewerteten Yen dauerte es bis zum Jahr 2008 nur zweieinhalb Jahre – inzwischen ist der Yen sogar  berbewertet. Damals konnten binnen weniger Wochen mit einer nur 10.000 Einheiten grosen Position fast 5.000 Euro verdient werden.

Bei der isländischen Krone dauerte es 2008 sieben Jahre, bis die Kaufkraftparitat wieder erreicht wurde. Als die Korrektur der Uberbewertung begann, dauerte es nur wenige Wochen. Dabei konnten mit 10.000 Einheiten nicht weniger als 10.000 Euro verdient werden. Wir werden langfristig mit ALLEN Positionen Geld verdienen Langfristig werden wir mit all unseren Positionen Geld verdienen. Selbst bei Positionen, bei denen Sie sich das jetzt kaum vorstellen konnen, werden wir fruher oder spater in der Gewinnzone landen. So war es beim EURUSD, der 2010 hohe Verluste erzeugte und inzwischen in der Gewinnzone liegt. So war es 2011 beim Silber, das noch hohere Verluste anhaufte und dann binnen weniger Wochen wieder in die Gewinnzone zurück fand.

Alles Gute und viel Erfolg bei Ihren Aktivitäten,

Thomas Kallwaß
Chefredakteur Diamant FX Portfolio

Jürgen Nowacki

Glauben Sie an Zufälle?

von Jürgen Nowacki (14.07.2011)

Sehr geehrter Target Trader, was ist denn nur mit den Ratingagenturen los? Die Einschläge in Europa kommen immer näher und liest man zwischen den Zeilen, dann gehen die Politiker mittlerweile von einem regelrechten Feldzug gegen Europa aus. Und das genau zu einem Zeitpunkt, an dem es den US-Amerikanern selbst immer schwerer fällt, an ein Happy End ihrer eigenen Schuldenkrise zu glauben. Ich habe an dieser Stelle schon einmal angemerkt, dass ein Land, das 10 Jahre nach dem Terroranschlag vom 11. September immer noch nicht in der Lage ist, derWelt und vor allem den fundamentalistischen Islamisten ein neues World Trade Center zu präsentieren, sehr sehr große Probleme haben muss.

Wir Europäer, die Amerika immer noch lieben, sind umso enttäuschter, je mehr wir mit ansehen müssen, wie ein Land, das stets durch seine positive Lebenseinstellung aufgefallen ist, die Kraft verliert sich aufzuraffen und seine Probleme mit offenem Visier abzuarbeiten. Stattdessen wird der Versuch unternommen, das nahe Ende der neuenWelt noch als Show zu verkaufen:  das Gute gegen das Böse; die schlechten Demokraten, die das Volksvermögen an arme und kranke Bürger verschleudern, gegen die guten Republikaner, die bis zum letzten Blutstropfen für eine Leistungsgesellschaft kämpfen, die es gar nicht mehr gibt. Diese Leistungsgesellschaft, in der Menschen ihren Fähigkeiten und ihrer Leistungsbereitschaft entsprechend bezahlt werden und für die Amerika stets gekämpft hat, ist der Korruption und Gier zum Opfer gefallen und existiert nicht mehr.

Millionen von Immobilien an Menschen zu verkaufen, die sich eine Verschuldung nicht leisten können, und Finanzprodukte zu basteln, die von Investoren mit Verstand als Massenvernichtungswaffen bezeichnet (Warren Buffett) und von Ratingagenturen begleitet wurden, haben diese Leistungsgesellschaft demaskiert, ausgelöscht, ja dem schnellen Profit einer kleinen elitären Clique geopfert.

Eine schlechte Show, die uns da geboten wird, und wenn Sie mich fragen, lieber Leser, eine Show, in der es nur Verlierer geben kann

Rechnen Sie, lieber Leser, jetzt nicht damit, dass es eine schnelle politische Einigung zwischen Republikanern und Demokraten zum Wohle des großen Ganzen, zum Wohle Amerikas geben wird. Republikaner und Demokraten führen Wahlkampf auf Kosten ihrer eigenen Bevölkerung. Wir, die wir das Ganze beobachten, weil wir vielleicht überlegen in US-Unternehmen zu investieren und deren Aktien zu kaufen, müssen uns damit abfinden.

Ich möchte jetzt nicht darüber spekulieren, wer an dieser Entwicklung des Niedergangs die Hauptschuld trägt, aber ich möchte zwei Dinge zu bedenken geben.

Bei den großen Ratingagenturen handelt es sich um US-Unternehmen. Sie kämpfen auf Seiten der USA das letzte Gefecht um einen stabilen US-Dollar und damit gegen den Euro. Und was noch viel wichtiger ist, sie kämpfen um einen stabilen Rentenmarkt. Bernanke hat gestern verlauten lassen, dass er die Notenpresse wieder anwerfen werde, falls die USA in eine Wachstumsdelle fallen. Das ist gut und kann den Märkten kurzfristig helfen, aber die dringend benötigte Ruhe, die an den Finanzmärkten einkehren muss, wird uns vorenthalten.

Die Ratingagenturen spielen jetzt alle Horrorszenarien immer wieder durch, auch die, die bereits abgearbeitet wurden. Wir wissen seit Langem, dass Italien und Spanien in puncto Verschuldung keine Musterschüler sind, aber jetzt werden alte Geschichten immer und immer wieder über die Medien hochgekocht, um den Dollar zu stützen und damit die größten Gläubiger der USA, die Chinesen bei der Stange zu halten.

Sind US-Unternehmen die besseren Schuldner?

Aber eine Hoffnung bleibt uns. Die Aktienkurse dürften unter starken Schwankungen weiter steigen, denn die günstige Refinanzierung begünstigt die Gewinnsituation der Unternehmen. Außerdem besteht eine berechtigte Hoffnung, dass Unternehmen besser gemanagt werden als so mancher Staat, dessen Regierung alle 4 Jahre Wahlgeschenke machen muss. Aber noch ein wichtiger Aspekt: Ein amtierender Präsident kann in den USA immer noch auf die Wählergunst hoffen, wenn die Aktienkurse steigen. Denn daran hängt die private Altersversorgung der US-Bevölkerung. Obama wird also alles tun, damit ihm diese Wähler nicht abhanden kommen.

Wollen wir ihm also die Daumen drücken und frohes Gelingen wünschen. Denn die New Yorker Wall Street wird wohl noch lange der Taktgeber für den deutschen Aktienmarkt und damit für den DAX bleiben.

Viel Erfolg an den Märkten wünscht Ihnen

Ihr TT Team

Jürgen Nowacki
Chefredakteur Target Trader

Thomas Kallwaß

Weitere Zinserhöhung bei der EZB

von Thomas Kallwass (11.07.2011)

Liebe Leserinnen und Leser,

es ist gerade einmal zwei Wochen her, als die Mitgliedsnationen
der Internationalen Energieagentur ankündigten, 60 Millionen Barrel Erdöl zusätzlich auf den Markt zu bringen. Damals sanken die Ölpreise sehr schnell und sehr stark. 

Inflationssteuerung über Ölreservenfreigabe ist gescheitert...

Der sinkende Ölpreis war beabsichtigt, er sollte unter anderem
die Inflation eindämmen – und damit Zinserhöhungen in den westlichen Wahrungsraumen unnötig machen. Das wäre für das Diamant FX Portfolio eher negativ gewesen. Denn beim aktuellen Niedrigzinsniveau werfen zwei unserer drei Renditesaulen kaum Rendite ab. Auserdem gabe es bei niedrigen Zinsen keinen Anreiz, Geld aus den „sicheren Hafen“ wie Schweizer Franken oder Schwedische Krone zurück in den Euroraum zu holen –darauf spekulieren wir aber langfristig.

...damit hatten wir bereits gerechnet

Wir meldeten bereits vor zwei Wochen Zweifel an diesem Plan an. 60 Millionen Barrel klingen nach viel, decken aber nicht einmal den Tagesbedarf. Entsprechend kurzfristig sind dann auch die Marktreaktionen. Jetzt, keine zwei Wochen später, steht der Ölpreis wieder auf seinem alten Niveau. Und die EZB hob nicht zuletzt wegen der ungebrochen hohen Inflation in dieser Woche die Zinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr an.

Nun wird die Inflation mit steigenden Zinsen gesteuert

Das ist positiv für uns. Denn bei steigenden Zinsen verdienen
wir in den Renditesaulen „Interest“ und „Carry-Trades“ mehr Geld.

Aber nicht nur die EZB hat die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte
erhöht, sondern auch die Schwedische Zentralbank.

Wir schauen lieber zweimal hin, um auch hinter die Fassade blicken zu können

Doch am Kapitalmarkt genügt oftmals nicht nur ein Blick, um unter die Fassade schauen zu können. Denn bei näherer Betrachtung sinkt der prozentuale Zinsabstand zwischen dem Euroraum und Schweden immer weiter ab – selbst wenn beide Zentralbanken ihre Zinsen im Gleichschritt erhöhen.

Steigende Zinsen sind prinzipiell gut für das Diamant FX Portfolio

Im März 2011 bekam man in Schweden noch 1,5% Zinsen, im Euroraum nur 1%. Guthaben in Schweden wurden also 50% besser verzinst als Guthaben im Euroraum. Heute bekommen Sie im Euroraum 1,5% auf Tagesgeldguthaben bei der EZB und 2% auf Guthaben bei der Schwedischen Zentralbank. Der nominelle Abstand ist mit 0,5 Prozentpunkten gleichgeblieben. Der prozentuale Abstand sank jedoch von 50% auf nur noch 33%. Und mit jedem Zinsschritt wird dieser Abstand kleiner. Bei 2,5% Zinsen im Euroraum und 3% Zinsen in Schweden betragt der Abstand nur noch 20%. Es wird relativ gesehen immer unattraktiver fur Großanleger, Geld in Schweden anzulegen. Denn fur das erhebliche Kursrisiko – die Schwedische Krone ist massiv uberbewertet – bekommen die Anleger einen immer kleineren Risikoausgleich in Form hoherer Zinsen.

Wir erwarten einen Kapitalrücktransfer in den Euroraum

Auf den zweiten Blick sind die Zinserhohungen also positiv für uns. Bei sinkendem Zinsabstand steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wieder Kapital aus Schweden zurück in den Euroraum transferiert und damit die Überbewertung der Krone abgebaut wird. Daran verdienen wir Geld. Noch besser sieht es beim EURCHF aus. Dort beträgt der Zinsabstand bereits 1,25 Prozentpunkte. Hier steht dem Kursrisiko überhaupt kein Renditeausgleich gegenüber. Anleger, die ihr Geld im überbewerteten Schweizer Franken anlegen, tragen nicht nur das Kursrisiko, sie bekommen auch noch wesentlich weniger Zinsen als für Euroguthaben.

Auch hier dürfte mittelfristig wieder Kapital in den Euroraum zurückfließen und den EURCHF-Kurs erhöhen. Davon profitiert dann unsere Longposition. Bis es soweit ist, verdienen wir täglich am Zinsunterschied zwischen beiden Währungen.

Alles Gute und viel Erfolg bei Ihren Aktivitäten,

Thomas Kallwaß
Chefredakteur Diamant FX Portfolio

Henrik Voigt

 

 

Der nächste Boom kommt aus den Emerging Markets

von Henrik Voigt (11.07.2011)

Liebe Leser,

vor wenigen Tagen lief das letzte Programm der US-Notenbank zur Liquiditätsflutung der Märkte (QE 2) aus. Der von vielen Anlegern befürchtete Börsencrash blieb komplett aus. Es zeigt sich lediglich eine deutliche Aufwärtstrendabschwächung. Seit Jahresbeginn läuft der S&P 500 in einer 10-Prozent-Spanne seitwärts.

Beim DAX sieht es ähnlich aus, wobei die Volatilität hier höher ist, dafür aber eine leichte Aufwärtstendenz besteht. Alle langfristigen Aufwärtstrends sind intakt. Bemerkenswert ist vor allem die extrem pessimistische Anlegerstimmung, die die Kurse trotz ausbleibender neuer Liquiditätsspritzen gut nach unten absichert. Solange uns dieser hohe Pessimismus erhalten bleibt, ist eine schnelle Trendwende nach unten extrem unwahrscheinlich.

QE 3 momentan unwahrscheinlich…

Aus den USA fehlen bisher jegliche Anzeichen einer neuen geldpolitischen Lockerung (QE 3), die eine neue Flucht in Sachwerte (auch Aktien) auslösen und für eine sehr kräftige Börsenrally sorgen könnte. Nach Ansicht des früheren Notenbankchefs Alan Greenspan hatten die bisherigen Stimuli QE 1 und 2 wenig Auswirkungen auf die US-Wirtschaft, abgesehen von der Schwächung des US-Dollars und der damit verbundenen Ankurbelung der US-Exporte. „Es gibt keinerlei Beweis dafür, dass der gewaltige Zufluss von Geld in das System grundsätzlich etwas erreicht hat.", so Greenspan. Er fügte in einem kürzlich veröffentlichten Interview außerdem hinzu, dass er über eine neue Lockerung der Geldpolitik (QE3) überrascht wäre, da dies zur weiteren Schwächung des Dollars führen werde.

… aber die großen Trends werden längst woanders gemacht

Aus den USA, der immer noch größten Volkswirtschaft der Welt, ist also kurzfristig kaum mit neuen Impulsen für die Börsen zu rechnen. Woher dann? Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Emerging Markets inzwischen die Rolle der Weltkonjunkturlokomotive übernommen haben. Das zeigt sich auch in der Reaktion der westlichen Börsen auf die dortigen Kursentwicklungen. Die kurzfristigen Entwicklungen mögen noch von den USA vorgegeben werden, aber die langfristigen Trends kommen bereits aus den Emerging Markets. Hier kann man bereits von einem Paradigmenwechsel sprechen.

Solange Wirtschaft und Börsen dort weiter boomen, profitieren vor allem exportgetriebene Westmärkte wie der deutsche Aktienmarkt von dieser Entwicklung. Und genau aus diesem Grund schaue ich mir die Emerging Markets und dort insbesondere die chinesischen Börsen genau an, wenn ich längerfristige Prognosen für den DAX treffen will. Eine nachhaltige DAX-Rally ist ohne grünes Licht aus China kaum vorstellbar. Diese Börsen haben mittlerweile eine „Schlüsselloch-Funktion" für den deutschen Aktienmarkt. Solche ausgefeilten und regelmäßigen Intermarket-Analysen finden Sie übrigens nur hier in DAX Profits.

Was die jüngsten charttechnischen Entwicklungen für Sie bedeuten, habe ich für Sie in dieser Ausgabe von DAX Profits analysiert.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen. Herzliche Grüße und viel Erfolg, Ihr

Henrik Voigt

Jürgen Nowacki

Für Wolfgang Schäuble und Kollegen fällt der Urlaub ins Wasser, es sei denn, er verbringt ihn in Athen oder Lissabon

von Jürgen Nowacki (07.07.2011)


Sehr geehrter Target Trader,

Die Hausse ist noch nicht zu Ende“, schrieben wir in der letzten TT-Ausgabe vom 27. Juni und haben Ihnen begründet, warum wir zu dieser Einschätzung kamen. Nun, Sie wissen, wie es dann gelaufen ist: Der DAX stieg um 4 Prozent und der Dow Jones sogar um 5 Prozent. Nun scheinen die Kursgewinne bereits wieder auf den Prüfstand zu kommen, die Ratingagenturen machen sich unbeliebt, weil sie griechischen Staatsanleihen ein „D“ wie Default (Ausfall) verpassen wollen und die monatelangen Anstrengungen der Finanzminister werde mit einem Federstrich unter „Sie haben sich bemüht, aber…“ gebucht. Was die US-amerikanischen Ratingagenturen machen, sei vor allem Willkür, sagen europäische Politiker, die am liebsten eine europäische Ratingagentur errichten würden. Gegen diese Politik desWohlwollens ziehen die Kritiker zu Felde und meinen, eine Ratingagentur müsse vor allem unabhängig und ihrem eigenen Regelwerk verpflichtet sein, um ihr Geschäftsmodell zu schützen. Jetzt wird es kompliziert, denn die Unabhängigkeit wird angezweifelt und mit Verschwörungstheorien garniert. Portugal sei zuletzt systematisch herabgestuft worden. Zudem habe Moody's unter seinen Aktionären Finanzmarktakteure wie die Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway der US-Börsenlegende Warren Buffett. Eine unabhängige Bewertung von Finanzmarktrisiken dürfe so kaum möglich sein, schreibt der Stern auf seiner Webseite und zitiert Vermögensverwalter in Frankfurt. Das zielt in die richtige Richtung, aber ein Motiv, warum eine Ratingagentur ihre Unabhängigkeit und damit auch das Geschäftsmodell gefährden sollte, ist damit noch nicht hinreichend erklärt. Vielleicht sollte die Stern- Redaktion einmal folgender Idee nachgehen, und das ist nicht zynisch gemeint.

Spielcasino mit volkswirtschaftlichem Sprengstoff

Wenn Kreditagenturen wie Standard & Poorʻs jetzt den Daumen für Griechenland auf D (=Ausfall) senken, dann verdienen sich all diejenigen eine goldene Nase, die auf einen Ausfall spekuliert haben, selbst aber keine griechischen Staatsanleihen besitzen.

Der CDS-Handel hat laut Monatsbericht der deutschen Bundesbank vom Dezember 2004 eine Vorlauffunktion für den Zinsmarkt. Die Bundesbank schreibt: „Obgleich die Entwicklung der CDS-Märkte sich noch in einem frühen Stadium befindet, deuten eigene (Hervorhebung durch den TT) Untersuchungen darauf hin, dass die CDSMärkte durch die schnelle Verarbeitung neuer Marktinformationen gegenüber den Anleihemärkten eine Preisführerschaft aufweisen und einen deutlichen Vorlaufcharakter vor Kreditwürdigkeits-Herabstufungen durch Ratingagenturen haben.“ Sie schreibt außerdem: „Auf der  nderen Seite kann die Entwicklung der CDS-Märkte auch mit Risiken verbunden sein, etwa dann, wenn die Gefahr systemischer Krisen auf Grund neu entstandener Ansteckungskanäle zunimmt.“ Und über dieses Wissen verfügen die Experten bereits seit 7 Jahren. CDS sind keine Versicherungen, wie es landläufig gerne erklärt wird, sie sind nicht einmal regulär an einer Börse zum Handel zugelassen. Sie führen im Freiverkehr ein gefährliches Eigenleben, denn wie die Bundesbank bereits vor 7 Jahren festgestellt hat, wirken sie verschärfend auf systemische Krisen.

Fazit: Einerseits pumpen wir Milliardenkredite in die EU-Länder Griechenland, Irland und Portugal und lassen

es zu, dass die EZB zu einer riesigen Bad Bank verkommt, um – wie es uns Finanzminister Schäuble erst kürzlich wieder darlegte – eine systemische Krise zu verhindern. Anderseits schlummern die Forschungsergebnisse  der Bundesbank zum Thema Credit Default Swaps (CDS) und ihre systemischen Gefahren seit 7 Jahren in der Schublade. Politiker und vor allem die EU-Finanzminister dürften auch in den nächsten Tagen und Wochen nicht in den Schlaf finden, denn täglich werden neue Schreckensmeldungen kommen und die Renditen der Staatsanleihen weiter steigen lassen, wie die Bundesbank es vor 7 Jahren im Falle einer systemischen Krise prognostiziert hat.

Zu guter Letzt möchte ich noch einmal auf das wesentliche Unterscheidungsmerkmal eingehen, warum es sich bei den CDS nicht um Versicherungen gegen Kreditausfälle handelt. Wenn sich ein Versicherungsnehmer nicht bemüht, einen möglichen Schaden bei Eintritt des Versicherungsfalls zu reduzieren, kann er seinen Versicherungsschutz verlieren. Jeder kann sich vorstellen, warum diese Regelung wichtig und notwendig ist. Bei CDS-Produkten wird der Versicherungsfall nicht durch neutrale Gutachter, sondern durch Ratingagenturen festgestellt, die wirtschaftlich mit Kapitalgebern, Finanzakteuren und Spekulanten verflochten sind. Unsere Politiker werden wohl solange auf ihren wohlverdienten Urlaub verzichten müssen, bis sie aus diesen Interessenkonflikten ihre hoffentlich richtigen Schlüsse gezogen haben.

Viel Erfolg an den Märkten wünscht Ihnen

Ihr TT Team

Jürgen Nowacki

Chefredakteur Target Trader

Thomas Kallwaß

CFD Profits auf Allzeithoch!

von Thomas Kallwaß (05.07.2011)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

in der vergangenen Ausgabe zeigte ich Ihnen, dass der Markt vor einer griechischen Pleite wesentlich weniger Angst hat als die Medien es haben. Denn eine Pleite war bereits vollständig eingepreist und wäre keine Überraschung mehr gewesen. Wenn der Markt schon auf das schlimmste Szenario vorbereitet ist, dann könnten nur noch bessere Nachrichten kommen.

Die guten Nachrichten kamen schneller als gedacht

Und so war es auch. Griechenland beschloss ein drastisches Sparprogramm, das zur Voraussetzung für eine weitere Kredittranche gemacht worden war. Mit den neuen Krediten kann Griechenland Altschulden tilgen und seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Die echte Pleite ist damit wieder einmal ein Stück weit hinausgeschoben worden – was der Markt entsprechend feierte.

CFD Profits auf Allzeithoch

Denn ohne Zweifel handelte es sich um eine gute Nachricht, die die Pleite einpreisenden Kursabschläge wurden wieder zurückgenommen. Der DAX notiert auf dem höchsten Stand seit sechs Wochen – und damit CFD Profits auf einem Allzeithoch. Wir konnten also die Korrektur nutzen, um unsere Gewinne zu steigern. Sollte der Aktienmarkt wieder auf sein Jahreshoch steigen, werden wir unsere alten Gewinnhochs um fast ein Drittel übertroffen haben. Und das mit unseren schon bestehenden Positionen. Sie müssen keine weiteren Transaktionen durchführen, um diese Gewinne erzielen zu können.

Klassische Medien versagen bei Griechenland-Berichterstattung

Übrigens: Wieder einmal zeigen die klassischen Medien ihr Versagen. Sicherlich haben Sie auch vielfach gelesen, die europäischen Banken würden sich an der Rettung Griechenlands beteiligen. Die Banken würden das Geld, das sie von Griechenland für ihre Altanleihen bekommen, in neue Anleihen investieren. Das ist zwar richtig, ökonomisch betrachtet jedoch nur die halbe Wahrheit. Eine echte Hilfe wäre das nur, wenn die Konditionen der neuen Anleihen für Griechenland besser wären als die der alten.

Konditionen sind identisch mit Altanleihen…

Das ist jedoch nicht der Fall, die Konditionen sind nur anders. Abgezinst, also unter Berücksichtigung der kommenden Zinszahlungen, sind die neuen Anleihen exakt genauso viel wert wie die alten Anleihen, die Griechenland schon nicht allein schultern konnte.

…und Griechenland ist damit in der gleichen Situation wie zuvor

Mit anderen Worten: Die europäischen Banken kommen zum Nulltarif aus der Sache heraus und belasten Griechenland mit den gleichen Schulden wie zuvor. Die Großbank Société Générale kam zu dem Schluss, dass der Plan Griechenland überhaupt nicht helfen wird.

Herzlichst, Ihr

Thomas Kallwaß

Thomas Kallwaß

New Deal für Europa?

von Thomas Kallwaß (05.07.2011)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

jungst wurde in Griechenland ein neues Sparpaket beschlossen. Das war Voraussetzung fur die Auszahlung einer weiteren Kredittranche, mit der Griechenland vor allem Altanleihen tilgen wird. Gerettet sind damit jedoch vor allem die Besitzer dieser Anleihen, zum Beispiel deutsche Banken und Versicherungen. Griechenland selbst kann nicht gerade behaupten, die unter dem Diktat des neuen Sparpakets erhaltenen Kredite wurden helfen.

Die griechische Wirtschaft wird stranguliert...

Denn die immer neuen Sparmasnahmen und Steuererhohungen wurgen die griechische Wirtschaft regelrecht ab. Die im Eiltempo schrumpfende Wirtschaft nimmt den Menschen jede Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Bereits jetzt ist der Anteil der Lohne und Gehalter am griechischen BIP substanziell niedriger als in Deutschland. Die neuen Sparmasnahmen treffen jedoch wieder hauptsachlich die Burger. Wozu solch prozyklische extreme Sparmasnahmen fuhren, sollten vor allem die Deutschen sehr genau wissen.

...und nimmt den Menschen alle Hoffnung

Denn vor rund 80 Jahren waren es deutsche Politiker, die angesichts der enormen Auslandsverschuldung extreme Sparmasnahmen durchsetzten und damit den Weg fur die NSDAP bereiteten.

Dabei besteht Wirtschaft hauptsächlich aus Hoffnung

Es wundert daher nicht, dass inzwischen die Stimmen lauter werden, die fur Europa nicht noch mehr Sparmasnahmen fordern, sondern neue Perspektiven fur die Menschen. Wirtschaft ist hauptsachlich Psychologie. Die Menschen investieren dann in die Zukunft, wenn sie an die Zukunft glauben. In den Krisenstaaten Griechenland, Irland, Portugal und Spanien ist der Glaube an eine positive Zukunft verloren gegangen.

Es ist daher an der Zeit, in die Hoffnung zu investieren

Ein europaischer New Deal, ein großes Sonderkonjunkturprogramm, mit dem zum Beispiel in die Infrastruktur investiert und damit neue Nachfrage geschaffen wird, wäre in der Lage, den Glauben an die Zukunft wiederherzustellen. Er ware der sichtbare Beweis, dass es eine positive Zukunft gibt, in die es sich lohnt, zu investieren. Das staatlich Konjunkturprogramm ware daher nur die Initialzundung fur private Investitionen. Neue Staatsschulden sind nicht zwingend ein Problem Dieses kreditfinanzierte Konjunkturprogramm muss die Staatsverschuldung nicht langfristig erhohen. Die USA zeigten, dass die durch den New Deal und den zweiten Weltkrieg entstandenen Schulden kein Problem darstellen mussen. Dank der schneller wachsenden Wirtschaft sank der Schuldenberg in Relation zur Wirtschaftskraft schnell.

Es fehlt der Funke, der private Investitionen auslöst

Eine Initialzundung fur private Investitionen ist dringend notig. Denn trotz Wirtschaftskrise hat der private Sektor ausreichend Kapital fur Investitionen – es wird aus Angst vor der Zukunft nur nicht investiert.

Auch das Diamant FX Portfolio würde von einem New Deal profitieren...

Von einem solchen New Deal wurde auch das Diamant FX Portfolio sehr gut profitieren. Denn wo liegt denn das private Kapital, das investiert werden konnte? Es fluchtete in sichere Hafen wie den Schweizer Franken oder die Schwedische Krone, die in den vergangenen zwei Jahren extrem aufwerteten.

...denn es würde Kapital aus den sicheren Häfen in den Euro zurückfließen

Wird wieder Kapital aus diesen sicheren Hafen in die Eurozone umgeschichtet, dann bauen sich die enormen Uberbewertungen ab. Auf diese Korrektur spekulieren wir mit grosen Positionen innerhalb des Diamant FX Portfolios. Denn die Abweichungen von der Kaufkraftparitat sind so enorm, teils mehr als 50%, dass diese Fehlbewertungen nicht ewig aufrecht erhalten werden konnen ist mehr als wahrscheinlich. Ohne New Deal würde das trotzdem geschehen, nur länger dauern Die Fehlbewertungen werden auch ohne New Deal abgebaut, daran hegen wir gar keinen Zweifel. Es gibt in der Historie keinen Fall, in dem Fehlbewertungen nicht irgendwann korrigiert wurden. Mit einem New Deal wurde diese Korrektur nur schneller kommen.

Alles Gute und viel Erfolg bei Ihren Aktivitaten,

Thomas Kallwaß

 

Henrik Voigt

 

 

Börsen im Sommerloch

von Henrik Voigt (28.06.2011)

 

 

Liebe Leser,

wir befinden uns seit fast zwei Monaten in einem typischen Sommerloch mit dünnen Börsenumsätzen und umherdümpelnden Kursen. Die schiere Dauer der Korrektur seit Anfang Mai zermürbt die meisten Anleger, dabei halten sich die Kursverluste zumindest bei den Indizes in überschaubaren Grenzen. Die meisten Weltbörsen verzeichnen für das erste Halbjahr ein Kursplus, was keineswegs selbstverständlich ist. Ausgerechnet der US-Aktienmarkt, wo derzeit über eine erneute Rezession spekuliert wird, steht mit am Besten in diesem Jahr da. Mit über 4 Prozent Kursplus im 1. Halbjahr bewegt er sich nahezu im Rahmen seiner historischen Durchschnittsperformance (freilich in wenig werthaltigen Dollars gerechnet).

Das erste Halbjahr verlief völlig normal…

Beim DAX sieht es etwas magerer aus. Hier stört trotz guter Konjunkturlage wohl die Nähe zu einigen europäischen Schuldenstaaten, die für sich genommen eher unbedeutend sind, in ihrer Summe aber eine Kettenreaktion an den Finanzmärkten auslösen könnten. Die morgige Abstimmung im griechischen Parlament über das dortige Sparpaket steht ganz im Zeichen dessen und könnte für unangenehme Überraschungen sorgen. Zum befürchteten Finanzgau wird es jetzt jedoch noch nicht kommen. Wir haben ja noch die Transferunion, die für einige Jahre noch einen Aufschub bis zur Endabrechnung bringen dürfte. Das Thema eignet sich jetzt allerdings wunderbar als „Aufhänger" für die Börsen im Sommerloch.

…mit sehr guten Chancen im zweiten Halbjahr

Etwas Gutes hat die Situation natürlich. Die im Frühjahr drastisch überhitzten Stimmungsindikatoren sind in den letzten beiden Monaten ebenso drastisch abgekühlt. Das ist eine notwendige Voraussetzung für die Fortsetzung des Bullenmarktes. Mehrere dieser Indikatoren erreichten bereits die rekordverdächtig tiefen Pessimismus-Niveaus des letzten Sommers. Ein paar schwache Tage an den Börsen würden ausreichen, um relativ sichere Kaufzonen für antizyklisch agierende Anleger zu erreichen. Diese Kaufzonen haben bereits in den vergangenen Jahren immer wieder markante Tiefs produziert, von denen aus zumindest mehrwöchige Rallys starteten.

Die langfristigen Aufwärtstrends sind völlig intakt. Die Kurse haben nur noch wenig Abwärtspotenzial bis zu den entscheidenden Unterstützungen. Auch die Marktzyklik spricht ab Juli/August wieder für bessere Zeiten an den Börsen. Im besten Fall sehen wir womöglich bereits in den nächsten Wochen das erste Standbein

 

einer Rally, die womöglich länger andauern wird, als sich das die Masse der Anleger derzeit vorstellen kann.

Bis dahin ist jedoch weiterhin Geduld und Vorsicht angebracht. Niemand kann wissen, wann genau die Tiefs für diesen Sommer ausgelotet sein werden. Unberechenbare Seitwärtsbewegungen, wie sie für die Jahreszeit typisch sind, sind leider prädestiniert dafür, die meisten Anleger immer wieder auf dem falschen Fuß zu erwischen. Das kostet Geld und Nerven. Was die jüngsten charttechnischen Entwicklungen für Sie bedeuten, habe ich für Sie in dieser Ausgabe von DAX Profits analysiert.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen. Herzliche Grüße und viel Erfolg, Ihr

Henrik Voigt

Thomas Kallwaß

Die Krise macht dem Markt weniger Angst als den Medien

von Thomas Kallwaß (28.06.2011)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

in der heutigen Eilmeldung habe ich Ihnen gezeigt, dass die deutschen Aktien günstiger bewertet werden als die US-Aktien – gleichzeitig wird aber das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr das der USA um mehr als das Doppelte übertreffen. Hier liegt also noch ein enormes Potenzial in unseren Positionen.

Die Medien machen mehr Panik als nötig, …

Doch wird es überhaupt zu einer Rallye kommen? Sind 4% Wachstum – das stärkste Wachstum seit der Wiedervereinigung – überhaupt realistisch? Die Medien sind schließlich voll mit immer neuen Horrormeldungen.

… denn der Kapitalmarkt hat sich bereits auf eine Staatspleite eingerichtet

Natürlich beschreiben die Medien Horrorszenarien, denn schlechte Nachrichten sind schließlich das Geschäftsmodell. Fakt ist aber, dass der Kapitalmarkt bereits eine Staatspleite Griechenlands eingepreist hat. Griechische Anleihen zu versichern, kostet inzwischen mehr, als diese Anleihen wert sind. Die Versicherung ist sogar teurer als der ursprüngliche Ausgabepreis der Anleihe. Ein solch hoher Preis kann nur bedeuten, dass inzwischen jeder fest mit einer Pleite rechnet, dass die angenommene Wahrscheinlichkeit bei 100% liegt.

Jetzt kann es nur noch bessere Nachrichten geben

Ich frage Sie: Kann es noch schlimmer kommen? Nein, natürlich nicht. Wenn der Markt schon davon ausgeht, dass Griechenland in die Pleite rutscht, dann kann es nur noch bessere, nicht aber schlechtere Nachrichten geben. Mehr als eine Pleite geht nicht – und die wird ohnehin erwartet. Darüber hinaus ist das die Medienberichte prägende Griechenland ein kleines Licht. Die Wirtschaftskraft entspricht der Hessens. Sogar die USA, die momentan eine Wachstumsschwäche durchmachen, sind kein Problem. Denn die USA wachsen noch, nur eben langsamer als in der Vergangenheit. Aber auch das ist normal, schließlich kann es nicht ewig vierprozentige Wachstumsphasen geben.

Weltweit wird die Wirtschaft um 4,4% wachsen – ideale Bedingungen für eine Exportnation

Und in den aufstrebenden Märkten sieht es ganz anders aus. In China sorgen sich die Politiker trotz aller Gegenmaßnahmen noch immer mehr um das zu hohe als um ein zu niedriges Wachstumstempo. Japan steht vor einer teilweise total zerstörten Infrastruktur und dürfte in den kommenden Monaten und Jahren massiv auch aus Deutschland importieren. Der Internationale Währungsfonds geht von einem Weltwirtschaftswachstum von 4,4% aus – das sind ideale Bedingungen für eine Exportnation wie Deutschland.

Aufgeschobene Investitionen werden nachgeholt

Auch in den westlichen Nationen werden die Unternehmen die krisenbedingt aufgeschobenen Investitionen nachholen müssen. Die Unternehmen können zwar eine Zeit lang mit den abgeschriebenen Maschinen weiter arbeiten – irgendwann sinkt aber deren Produktivität bei gleichzeitig steigenden Wartungskosten. In diesem Bereich warten also weitere Aufträge auf die deutschen Unternehmen.

Erneuter Konjunktureinbruch ist unwahrscheinlicher denn je

Bei nüchterner Betrachtung ist also eine Double Dip Rezession, also ein erneuter Konjunktureinbruch, unwahrscheinlicher denn je – trotz Griechenland und hoher Rohstoffpreise. Die sind schließlich auch nur Gradmesser für die hohe Nachfrage.

Nach der traditionell schwachen Sommerphase geht es weiter bergauf

Ich hege also keinen Zweifel, dass die Aktienmärkte nach der traditionell schwachen Sommerphase zumindest in Deutschland neue Hochs anpeilen werden.

Herzlichst, Ihr

Thomas Kallwaß

Jürgen Nowacki

Das gigantische grüne Konjunkturprogramm muss jetzt organisiert werden

von Jürgen Nowacki (27.06.2011)

 

Sehr geehrter Target Trader,

das politische Wendemanöver von Schwarz-Gelb bringt die Grünen in Bedrängnis, sie werden jetzt gegen ihren Willen in die politische Verantwortung genommen. Was der Kanzlerin Angela Merkel mit ihrer Umkehr in der Energiepolitik gelang, wird in seiner gesamten Bandbreite wahrscheinlich erst in einigen Jahren als echte Reform gewürdigt werden. Denn war es nicht so, dass sich in derAtompolitik über Jahrzehnte hinweg ein fauler Kompromiss an den nächsten reihte? Die Folgekosten, wie sie beispielsweise die schlampige Entsorgung vonAtommüll in dermaroden Schachtanlage „Asse“ verursachten – umnur einen Fall herauszugreifen –, wurden für 2010 mit 3,7Milliarden Euro und mit mindestens noch einmal 2,2 Milliarden Euro für 2011 veranschlagt. Was die Jahre zuvor unter den Teppich gekehrt wurde, um die Illusion einer billigen Energieversorgung aufrechtzuerhalten, erhält jetzt eine reelle Chance ein gigantisches nationales sowie globales grünes Konjunkturprogramm auszulösen.

Welche Investitionen durch einenWechsel in die erneuerbaren Energien initiiert werden, kann im Moment nur geschätzt werden und dürfte einer Analyse der deutschen Bank zufolge allein imSmart-Grid-Sektor, wo es umdieModernisierung von Stromleitungen und die Förderung von Technologien zur Energieeinsparung geht, in den nächsten 3 Jahren einen Investitionsschub von 100 Milliarden Euro auslösen. Und Deutschland gilt technologisch als Marktführer!

Energie einsparen will auch die Airline-Industrie und beschert damit der EADSTochterAirbus auf dem Pariser Luftfahrtsalon in Le Bourget bis gestern einen Auftragsrekord von 50,1 Milliarden Euro für Kerosin sparende Mittelstreckenflugzeuge. Ob es um neue Technologien zur Speicherung von grünem Strom geht oder um die Verdrängung des Benzinmotors durch Elektromotoren, wir erleben derzeitig eine wahre Revolution undAufbruchstimmung in der gesamten Industrielandschaft. Aber, und das ist für viele Börsianer nicht nachvollziehbar, die Aktienmärkte generieren Verkaufssignale und partizipieren nicht an den guten Konjunkturnachrichten und den „Tugenden der Erde, die neue Werte schaffen“. Aber warum nicht?

QE3 wird nicht kommen, Märkte erwarten paradoxerweise eine Baisse

Die FED wird dem Markt Liquidität entziehen, denn sie will raus aus der Falle einer Nullprozent-Zinspolitik. Bernanke stand jetzt lange genug wie ein Boxer in der defensiven Ecke und muss sich jetzt befreien. Dazu gehört es, so schnell wie möglich den Ankauf von Staatsanleihen über die Notenpresse (Quantitative Easing 2, QE2) zu verringern und die Leitzinsen sobald als möglich zu erhöhen. Denn nur wenn die Notenbank die Zinsen erhöht, entsteht wieder Handlungsspielraum, um auf zukünftige Krisen reagieren zu können. Außerdem ist die Botschaft an die Märkte, dass es mit der Konjunktur langsam bergauf geht, mittlerweile dringend geboten und viel nachhaltiger als weitere Programme zur Aufrechterhaltung der hohen Liquidität. Aber warum erwarten Vermögensverwalter und Analysten jetzt eine Baisse, ja manche sogar einen Crash?

FED-Maßnahmen, die die überschüssige Liquidität einfangen sollen, haben die Aktienmärkte in der Vergangenheit immer wieder belastet, und das, so vermuten Fondsmanager, wird auch dieses Mal passieren. Wenn dann auch noch der Ölpreis fällt und damit einen Rückfall in die Rezession signalisiert, kommen die Märkte ins Grübeln und die Anleger reduzieren vorsichtshalber ihre Aktienbestände.

Die Hausse ist noch nicht zu Ende, wir sagen Ihnen warum

Für uns ist die Hausse noch nicht zu Ende, und das aus folgendem Grund: Der fallende Ölpreis ist nicht das Ergebnis einer fallenden Konjunktur, sondern hat politische Ursachen. Am Montag, dem 4. Juli, wenn die USA ein langes Wochenende vor sich haben und Millionen Amerikaner ihren Unabhängigkeitstag mit einem Kurzurlaub verbinden, soll kein überteuertes Benzin den Spaß am Nationalfeiertag verderben. Denn vergessen wir nicht, der US-Wahlkampf hat bereits begonnen. Und damit Ölpreisinterventionen auch schnell Wirkung zeigen, haben sich die wichtigsten Industrienationen gemeinsam entschlossen, den durch Libyeneffekte teuren Ölpreis herunterzuhandeln, indem sie Ihre strategischen Ölreserven auf den Markt werfen. Das hilft nicht nur den Autofahrern, sondern auch der Konjunktur und der Industrie, die sich an den Terminbörsen jetzt günstig gegen steigende Preise absichern kann.

Steigende Zinsen wären jetzt gut für die Konjunktur

Ein weiteres Paket QE3 wäre zum jetzigen Zeitpunkt das Eingeständnis, dass man die Wirtschaft in die Rezession zurückfallen sieht, was die Aktienmärkte erst recht belasten würde. Von Rezession kann aber zur Zeit nicht die Rede sein, wir werden Ihnen in der Rubrik Konjunktur und Zinsen aufzeigen, warum wir diese Meinung vertreten. Die jetzige Börsenphase, in der sich der Wechsel von der liquiditätsgetriebenen Börse hin zum fundamental fair bewerteten Markt vollzieht, ist durch eine Besonderheit gekennzeichnet. Im Verlauf des Wechsels funktionieren weder Handelssysteme noch Charttechnik zuverlässig. Stattdessen sind am Markt eine gehörige Portion Geduld und gesunder Menschverstand gefragt. Lassen Sie sich deshalb nicht durch Hiobsbotschaften beeinflussen und zu Shortspekulationen hinreißen, die sie nicht live vor dem Handelsschirm kontrollieren können, denn Fehlsignale sind jetzt an der Tagesordnung.

Die nächste Woche wird spannend

Die Handelswoche ist bedingt durch den US-Börsenfeiertag wieder sehr kurz. Machen Sie es wie die Amerikaner, nehmen Sie sich eine Auszeit und genießen Sie die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland, bevor es dann in der folgenden Woche wieder spannend wird, denn die Berichtssaison für das 2. Quartal steht bereits ante portas

Viel Erfolg an den Märkten wünscht Ihnen

Ihr TT Team

Jürgen Nowacki

Thomas Kalwaß

Konjunkturstimulation 2.0

von Thomas Kallwaß (26.06.2011)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie auch die Zeitungsmeldungen in der vergangenen Woche gelesen, laut denen nun 28 Industrienationen in einer konzertierten Aktion den Olpreis drucken mochten? Die Mitgliedsstaaten der Internationalen Energie Agentur wollen in den kommenden Wochen 60 Millionen Barrel Erdol aus ihren nationalen Reserven am Markt verkaufen. Das steigende Angebot soll fur fallende Preise sorgen. Die Ankundigung zog gleich einen ganzen Rattenschwanz an Folgen nach sich. Zuerst fiel naturlich der Olpreis. Es wurden aber noch eine ganze Latte weiterer Folgen hineininterpretiert.

Das steigende Ölangebot könnte ein wahres Konjunkturfeuerwerk entzünden...

Die Konjunktur wurde anziehen, der Inflationsdruck sinken und die Zinsen konnten niedrig bleiben. Am Devisenmarkt sorgten diese vermuteten Folgen fur Kapitalumschichtungen weg aus den hoch verzinsten Wahrungen hin zu den vermeintlichen krisensicheren Niedrigzinswahrungen. Logisch: wenn die Inflation sinkt, dann brauchen die Grosanleger keinen Inflationsausgleich in Form hoherer Zinsen. Dann konnen diese Anleger das Geld auch in den sehr niedrig verzinsten „sicheren“ Wahrungen wie dem Schweizer Franken bunkern. Aber die ganze auf niedrigen Olpreisen aufgebauten Theorien haben ein Problem:

...dabei ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein...

60 Millionen Barren sind so gut wie nichts. Vielleicht fiel es Ihnen auch auf, dass in den meisten Artikeln eine Einordnung dieser Zahl fehlte. Ohne einen Vergleichsmasstab kann kein Marktteilnehmer die Zahl von 60 Millionen Barrel einordnen. Da die Medien ihrer Pflicht in diesem Punkt nicht nachkamen, gebe ich Ihnen gern den Vergleichsmasstab.

... der nicht einmal einen Tagesbedarf deckt

Im vergangenen Jahr wurden pro Tag fast 90 Millionen Barrel verbraucht. Das war bereits ein neues Allzeithoch bei der Nachfrage - der Olpreis lag dennoch im Jahresschnitt 19% unter seinem Allzeithoch. Der Internationale Wahrungsfonds geht davon aus, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 4,4% wachsen wird. In den vergangenen acht Jahren stieg die Erdolnachfrage im Schnitt 0,6x so stark wie die Weltwirtschaft. Demnach durfte in diesem Jahr 2,64% mehr Ol nachgefragt werden als im vergangenen Jahr, oder 4,25% mehr als 2008, als der Olpreis in der Spitze auf uber 150 US-Dollar kletterte.

Zusätzliches Angebot entspricht nur 0,19% der Weltjahresnachfrage

Es ist illusorisch anzunehmen, dass eine einmalige Angebotserhohung um 0,19% den Olpreis nachhaltig beeinflussen konnte. Diese einmalige Angebotserhohung reicht nicht einmal aus, um die erwartbare Nachfragesteigerung in diesem Jahr zu kompensieren. Folgerichtig geht dann selbst die Internationale Energie Agentur davon aus, dass der Preis fur Erdol nachhaltig uber 100 US-Dollar steigen wird.

Die langfristigen Preisauswirkungen werden genauso minimal sein

Daher besteht fur uns auch gar kein Grund, jetzt in Verkaufspanik zu fallen und zum Beispiel unsere Position beim Erdolkonzern Total zu schliesen. Die 60 Millionen Barrel sind sprichwortlich nur ein Tropfen auf den heisen Stein. Dieser Tropfen wird schneller verdampfen, als die Initiatoren der Aktion hoffen.

Lagerbestände müssen später auch wieder aufgestockt werden

Ohnehin handelt es sich bei der Lagerbestandsauflosung lediglich um eine zeitliche Verschiebung des ohnehin bestehenden Angebots-Nachfrage-Verhaltnisses. Denn die Lagerbestande werden irgendwann auch wieder aufgebaut werden – und die Nachfrage wird dann wieder preissteigernd wirken.

Wir rechnen für Sie nach – da die Medien es nicht mehr tun

Sie sehen: Borse hat oft weniger mit rationalen Uberlegungen als vielmehr Angsten und Hoffnungen zu tun. Selbst Profis reagieren ofter rein emotional, als sie selbst zugeben wurden. Es lohnt sich also, ofter auch einmal nachzurechnen und die fundamentalen Grundlagen von Marktbewegungen zu beurteilen. Da die klassischen Medien diese Aufgaben leider nicht mehr erfullen, werden wir fur Sie umso genauer nachrechnen.

Niedrigzinsenwährungen bleiben unsere Chance

Und wenn wir nachrechnen, kommen wir nach wie vor zu dem Schluss, dass unsere Hauptpositionen entweder extrem uber- oder extrem unterbewertet sind. Die sogenannten sicheren Hafen wie der Schweizer Franken oder die Schwedische Krone werden sich fruher oder spater als Bumerang erweisen. Eine so extreme Uberbewertung wie bei diesen Wahrungen oder auch dem Yen kann nicht ewig Bestand haben. Kommt es zur Abwertung, sind es nicht vierstellige potentielle Gewinne, sondern sogar funfstellige, die auf uns warten.

Alles Gute und viel Erfolg bei Ihren Aktivitaten,

Thomas Kalwaß

Henrik Voigt

 

 

Nichts als Probleme?

von Henrik Voigt (20.06.2011)

 

 

Liebe Leser,

die Börsen „baden" in einem Meer von Problemen. Wie so häufig im Sommer. In den USA gibt es das Problem des schwachen Arbeitsmarktes, des am Boden liegenden Häusermarktes, des Streits um die Schuldenobergrenze und der schwächelnden Konjunktur. Europa sieht sich ebenfalls einer schwächeren Konjunkturdynamik ausgesetzt, außerdem birgt die Europäische Schuldenkrise das wohl größte Risiko für die Finanzmärkte. Die ganze Welt ächzt unter den vergleichsweise hohen Ölpreisen. Deutschland schlittert wegen EHEC geradewegs in die nächste Rezession – zumindest, wenn es nach manchen Medien geht. Nach der Finanzkrise jetzt die Gurkenkrise?

Pessimismus ist wieder in Mode

Alles richtig, alles ernstzunehmende Risiken für die Konjunktur (von EHEC abgesehen). Aber solange die Medien voll von Untergangsszenarien sind, wird es keinen Untergang geben. Große Krisen werden in Euphorie, Überheblichkeit und Gier geboren, nicht in Angst und Sorge. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich denke, dass die globale Schuldenkrise noch sehr ernste Auswirkungen bis hin zu einer Währungsreform haben wird. Aber noch nicht jetzt, wo um ihre Ämter besorgte Politiker noch immer alle Möglichkeiten nutzen, die volle Bandbreite kreativer Maßnahmen weiter auszuschöpfen. Noch sieht es tatsächlich so aus, als könnten sie noch etwas bewirken. Am Ende werden die Maßnahmen immer absurder werden.

Vergessen Sie bitte auch nicht, dass im nächsten Jahr in den USA Präsidentschaftswahlen stattfinden. Der amtierende Präsident möchte sicher wiedergewählt werden und dies wird kaum gelingen, wenn die Wirtschaft am Boden liegt. Bei der Wahl zwischen Pest oder Cholera (Inflation oder Rezession) dürfte sich die US-Regierung für dasjenige Übel entscheiden, was zumindest noch nominales Wachstum verspricht (also Inflation). So gut wie alle Wirtschaftsdaten und Unternehmensbilanzen werden ja auf nominaler Basis geführt (ohne Herausrechnung der Geldentwertung), was in Inflationszeiten Wachstum vorgaukelt, das es eigentlich nicht gibt.

Bald dürften wieder „unkonventionelle Maßnahmen" ziehen

Selbst einer der prominentesten Untergangspropheten, der amerikanische Ökonom Nouriel Roubini, sieht es beispielsweise als sehr wahrscheinlich an, dass die US-Notenbank Fed gegen Ende dieses Jahres eine neue Runde der lockeren Geldpolitik (QE3) einläuten wird. „Die Wahrscheinlichkeit von „QE3" werde deutlich steigen, wenn die Schwäche der US-Wirtschaft anhält und

 

der Aktienmarkt zehn Prozent oder mehr korrigiert. Besonders weil wir uns keine fiskalischen Anreizprogramme mehr leisten können, erhöht sich der Druck auf die einzig verbleibende Möglichkeit, nämlich einem weiteren Aufkaufprogramm von Wertpapieren", so der Wirtschaftsexperte. Erst wenn die Börsen das kommende QE 5, 7 oder 9 nicht mehr bejubeln, weil sie wissen dass es auf Dauer nichts bringt, wäre ich vom Ende dieses künstlichen Booms überzeugt. Aktuell ist das aber noch nicht abzusehen.

Weiterhin gehen die führenden Ökonomen der größten US-Banken davon aus, dass die Fed nicht vor Mitte des Jahres 2012 den Leitzins anheben werde. Da bleibt noch viel Spielraum für Glaube und Hoffnung, auch am Aktienmarkt. Und für die Aktie als nahezu einzig verbliebenes Analageinstrument, das eine Rendite oberhalb der Inflationsrate einbringt. Gefährlich wird es erst, wenn die Masse glaubt, mit den bisher ergriffenen Maßnahmen der lockeren Geldpolitik wurde das Problem „Finanzkrise" endgültig und dauerhaft gelöst. Diese Euphorie würden Sie dann aber sowohl in den Medien spüren als auch in den Stimmungsindikatoren ablesen können. Aktuell ist das Gegenteil der Fall. Auch in den Charts sind bisher keine Trendwendeformationen auszumachen, wie man sie an markanten Topps fast immer zu sehen bekommt. Da ist noch viel Luft für die Kurse nach oben, meine ich. Sobald der „Sommer-Blues" sich gelegt hat und die „wall of worry" wieder groß genug ist, an der die Kurse entlangsteigen.

Wie das Ganze aus charttechnischer Sicht derzeit aussieht, das zeige ich Ihnen in dieser Ausgabe von DAX Profits. Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen beim Lesen.

Herzliche Grüße und viel Erfolg, Ihr

Henrik Voigt

Thomas Kallwaß

 

1.500 Euro Depotwert im August?

 

von Thomas Kallwaß (21.06.2011)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

die Zeit für eine kurzfristige Trendwende könnte gekommen sein. Ich mache das an der Berichterstattung der Medien fest. Zum Thema Griechenland gibt es jetzt nur noch eine Steigerungsstufe: die echte, harte Staatspleite, nach der alle Banken Anleihen zum aktuellen Wert bilanzieren müssten, wodurch hohe Verluste drohen würden.

Dennoch: Eine Pleite Griechenlands wird es nicht geben – die Angst davor ist unbegründet

Alle denkbaren Steigerungsstufen davor wurden bereits erklommen. Die Panikmache, es käme zum Flächenbrand, wenn Griechenland nicht genau jetzt bestimmte Sparmaßnahmen beschließt, können Sie getrost ignorieren. Es wird keine Pleite Griechenlands geben! Zuviel Geld wurde bereits nach Griechenland überwiesen und zu viele Anleihen liegen noch bei Banken und Versicherungen, als dass die Euronationen jetzt noch einen Rückzieher machen könnten. Wie wollen die Politiker auch den Wählern erklären, dass sie das Land letztendlich doch Pleite gehen lassen, nachdem sie schon mehr als 150 Milliarden der griechischen Staatsschuld in die öffentlichen Haushalte der anderen Nationen umbuchten?

Solange Banken und Versicherungen griechische Anleihen besitzen, gibt es keine Umschuldung

Nein, die Euronationen werden Griechenland weiter mit frischem Geld versorgen. In zwei oder drei Jahren, wenn Griechenland praktisch alle Altschulden mit den neuen Mitteln tilgte, dann wird es eine Umschuldung geben. Denn dann hat so gut wie kein privater Anleger ein Problem damit – die Schulden liegen schließlich alle bei der EZB und den anderen Eurostaaten.

Folglich besteht auch weder jetzt noch später eine reale Gefahr für Banken, Versicherungen oder den Aktienmarkt allgemein.

Herzlichst, Ihr

Thomas Kallwaß

 

Halten Sie die Finanzkrise für ausgestanden?
Ja
Nein
weiß nicht