Wie setzt sich der Kurs eines Optionsscheins zusammen?

Sie wissen nun, wie ein Optionsschein aufgebaut ist und wie er funktioniert. Was Sie jetzt noch wissen müssen ist, wie sich die Preise dieser Optionsscheine an der Börse zusammensetzen. Denn Sie haben ja gesehen, dass unser Beispiel, der MAN Optionsschein, auch am 2. Januar 2006 einen Kurs von 0,14 Euro hatte. Und das, obwohl er ja rechnerisch eigentlich nichts wert war, weil die Aktie unter dem Bezugspreis von 60 Euro lag. Wie kommt das? Nun, neben seinem rein rechnerischen Wert setzt sich der Börsenwert eines Optionsscheins aus zwei weiteren Elementen zusammen, die beide eng zusammen wirken und den „immateriellen" Wert des Scheins darstellen. Dies sind:

1. die verbleibende Restlaufzeit des Optionsscheins und

2. die Volatilität der dem Schein zugrunde liegenden Aktie

Der Hintergrund ist folgender: Je länger ein Optionsschein noch läuft, desto größer ist ja die Chance, dass sich der Wert dieses Optionsscheins noch weiter steigert. Denn die zugrunde liegende Aktie hat noch reichlich Zeit zu steigen. Umso mehr, desto volatiler (d.h. schwankungsfreudiger) diese Aktie ist. Eine Aktie, die im Schnitt nur zehn Prozent pro Jahr schwankt hat weniger Aussichten, plötzlich stark zu steigen als eine andere, die in der Regel 20 oder 30 Prozent pro Jahr zu schwanken pflegt.

Die Kombination aus diesen Elementen Restlaufzeit des Scheins und Volatilität der zugrunde liegenden Aktie bilden alleine den Preis eines Optionsscheins, solange er noch keinen inneren Wert aufweist, d.h. der Aktienkurs den Bezugspreis des Optionsscheins nicht erreicht hat. So war, um unser Beispiel zu nehmen, die Summe dieser beiden Elemente Basis für den Preis von 0,14 Euro, welche der MAN-Options-schein am 2. Januar 2006 hatte, obwohl der Optionsschein eigentlich keinen echten Wert besaß. Je näher aber der Aktienkurs dem Bezugspreis des Optionsscheins kam, desto größer wurde die Chance, das angestrebte Ziel, am Ende der Laufzeit deutlich über dem Bezugspreis von 60 Euro für die MAN-Aktie zu liegen, zu erreichen. Daher stieg der Kurs des Scheins mit dem Aktienkurs stetig an.

Je näher das Ende der Laufzeit rückt, desto wichtiger wird der innere Wert. Restlaufzeit und Volatilität verlieren an Bedeutung.

In dem Moment, in dem der Bezugspreis von 60 Euro durch die Aktie überschritten wurde, gesellte sich zu den Elementen Restlaufzeit und Volatilität der echte, innere Wert des Optionsscheins hinzu. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung der Restlaufzeit immer weiter ab, je näher das Ende der Laufzeit rückt. Ich habe Ihnen dies im bereits bekannten Chart, der den Kursverlauf des MAN-Optionsscheins und der MAN-Aktie abbildet, oben grafisch dargestellt. Die Skalierung bezieht sich auf den Kurs des Optionsscheins.