Die Dow-Theorie: Der Markt weiß alles

Die Dow-Theorie gilt als eine der ältesten Theorien zur Erklärung des Geschehens auf den Aktienmärkten aufgrund markttechnischer Hypothesen.

Sie wurde von Charles H. Dow in einer Serie von Leitartikeln im Wall Street Journal in den Jahren 1900 bis 1902 begründet. Nach Dows Tod im Jahre 1902 wurden diese Ansätze von seinen Nachfolgern weiterverfolgt und zu einer Theorie ausgebaut.

Die Basisannahme der Theorie besagt, dass sich die Mehrheit aller Aktien an der Börse in gleicher oder ähnlicher Weise verhält. Nur wenige Aktien weisen ein grundsätzlich anderes Verhaltensmuster auf. Diese Annahme ermöglichte es nun, den Gesamtmarkt durch einen Index darzustellen.

Charles H. Dow hat 3 Indizes entwickelt, die ihm zur Charakterisierung des Marktverhaltens dienten: den Dow Jones Industrial Average (DJIA), den Dow Jones Transportation Average (DJTA, damals hieß er noch Dow Jones Rail Average) und den Dow Jones Utility Index (DJUI).

Die Dow-Theorie basiert auf 6 Annahmen:

1. Annahme:
„Die Indizes spiegeln alle relevanten Informationen wider“

Die Veränderungen in den Indizes reflektieren alle Beurteilungen und Aktivitäten der Marktteilnehmer, die das Marktgeschehen beeinflussen können. Nachrichten über nicht vorhersehbare Ereignisse wie z. B. Naturkatastrophen, Anschläge etc. werden schnell wahrgenommen und ihre Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage werden umgehend bewertet und berücksichtigt. Die Indizes sind daher ein unverfälschtes Abbild des Marktgeschehens.

2. Annahme:
„Die Index-Entwicklung besteht aus 3 Trendkomponenten“

  1. Der Primärtrend: Ausgedehnte Auf- und Abwärtsbewegungen von einem bis zu mehreren Jahren sind die stärksten Trendsetter.
  2. Der Sekundärtrend: Kurzfristige Schwankungen mit einer Dauer von mehreren Monaten bis zu 1 Jahr heben die Auf- bzw. Abwärtsbewegungen des Primärtrends teilweise wieder auf.
  3. Der Tertiärtrend: Fluktuationen von wenigen Tagen bis zu 2 Monaten Länge haben nur insofern eine Bedeutung, als sie Bestandteil der Sekundär- bzw. Primärtrends sind. Ihre Interpretation kann irreführend sein, da die Aktienkurse bis zu einem gewissen Grad, z. B. durch institutionelle Anleger oder auch Börsen-Publikationen, manipulierbar sind. Für Prognosen haben sie daher keine Bedeutung.

3. Annahme:
„Die zukünftige Aktienkurs-Entwicklung lässt sich aus dem vergangenen Marktgeschehen ableiten“

Solange jeder Kursanstieg ein höheres Niveau erreicht als der vorherige und jeder Abschwung auf einem höheren Niveau gestoppt wird als der vorherige, ist der Primärtrend aufwärts gerichtet. Wir befinden uns in einem „Bull Market“, einem Bullenmarkt.

Der Primärtrend ist abwärts gerichtet, solange jeder Abschwung ein tieferes Niveau erreicht als der vorherige und jeder Aufschwung vor dem Erreichen des vorherigen Niveaus zum Halten kommt. Dann befinden wir uns in einem „Bear Market“, einem Bärenmarkt.

Eine Umkehr in der Richtung des Primärtrends liegt dann vor, wenn

  • in einem Bull Market ein Hoch das Niveau des vorherigen Niveaus nicht erreicht und das folgende Tief das Niveau des vorherigen Tiefs unterschreitet (Trendumkehr vom steigenden zum fallenden Markt);
  • in einem Bear Market ein Tief das Niveau des vorherigen Tiefs nicht unterschreitet und das folgende Hoch das Niveau des vorherigen Hochs übertrifft (Trendumkehr vom fallenden zum steigenden Markt). Wir werden dies später im Rahmen der Chartanalyse erläutern.

4. Annahme:
„Die Umsätze liefern eine zusätzliche Trendaussage“

Im Allgemeinen sollten die Umsätze steigen, wenn sich die Kurse in Richtung des vorliegenden Primärtrends bewegen („Volume goes with the trend“). Im Bull Market sollten die Umsätze steigen, wenn die Kurse steigen und sinken, wenn auch die Kurse sinken. In einem Bear Market ist es umgekehrt. Bei sinkenden Kursen sollten die Umsätze steigen und bei steigenden Kursen sinken.

Tritt diese Entwicklung nicht ein, so kann dies ein Anzeichen für eine Trendumkehr sein. Informationen zur Trendumkehr können aus der Betrachtung der Indizes und der Umsätze gewonnen werden. Eine isolierte Betrachtung sollte nicht durchgeführt werden; sie kann leicht irreführend sein.

5. Annahme:
Die Dow-Linie

Eine Dow-Linie liegt dann vor, wenn die beiden Indizes DJIA und DJTA für einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen in einem Bereich von ca. 5% um ihren Mittelwert schwanken. Die Richtung des Ausbruchs aus dieser Formation ist ein Indikator für die zukünftige Richtung des Primärtrends. Je länger die Indizes in der Formation verharren, desto verlässlicher ist die Information bezüglich der neuen Trendrichtung. Brechen beide Indizes nach oben aus der Formation aus, so ist mit einem Aufwärtstrend zu rechnen.

6. Annahme:
Das Prinzip der Bestätigung

Dieses Prinzip besagt, dass kein Index allein das Signal einer Trendumkehr geben kann. Eine Umkehr muss durch beide Indizes angezeigt werden. Ein Trend bleibt bis zu einer signalisierten Umkehr bestehen.

So alt die Dow-Theorie auch ist, so bedeutsam sind doch deren Erkenntnisse. Nutzen Sie die wesentlichen Erkenntnisse in Kombination mit den fundamentalen Fakten des Marktes.