Was Sie als Trader über Kondratieff-Zyklen wissen sollten

1. Der nächste große Trend

Wenn Sie sich mit der Zukunft beschäftigen, kommen Sie an der Vergangenheit nicht vorbei. In den USA wie auch in den anderen früh industrialisierten Ländern ist ein langfristig steigender Basistrend erkennbar. Dieser langfristige Indexanstieg lässt sich durch das kontinuierliche Wirtschaftswachstum, die Steigerung von Ertragskraft, den Aufbau finanzieller Reserven und des Substanzwerts und der Steigerung des Produktionspotenzials erklären.

Bei langfristigen Untersuchungen (1881 – 1987) der Durchschnittsrendite von Aktienanlagen in den USA und Deutschland lässt sich feststellen, dass die Rendite zu etwa gleichen Teilen aus der Dividende und den Kursgewinnen stammt. Die so ermittelte Rendite nach Steuern beträgt in diesem langfristigen Vergleich mehr als 8%. Die Höhe der langfristigen Rendite bestätigt sich auch für den Vergleich des letzten Jahrhunderts.

Aber dieser Trend verläuft nicht linear. Gerade bei sehr langfristigen Betrachtungen zeigt sich ein Muster von Wellenbewegungen, das die Märkte sehr stark beeinflusst. Der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter hat sich schon in den 1920er Jahren mit dieser Thematik beschäftigt und mehrere Zyklen identifiziert, die er mit den Namen anderer berühmter Ökonomen benannt hat.

Der längste Zyklus ist der Kondratieff-Zyklus oder Primärtrend, der eine Dauer von 40 bis 60 Jahren hat. Diese Zyklen werden von grundlegenden Innovationen getragen, die die Produktivität massiv erhöhen.

Seit der Erfindung der Dampfmaschine hat es bis jetzt 5 Kondratieff-Zyklen gegeben, wie Sie der unten anstehenden Grafik dieser Seite entnehmen können. Jede dieser langen Wellen ist von einem Aufwärts- und Abwärtszyklus begleitet. Das entspricht auch weitestgehend dem Produktzyklus.

Die Erfindung der Dampfmaschine und der Baumwolle hat Anfang des 19. Jahrhunderts zur beginnenden Industrialisierung beigetragen. So war ein Webstuhl, der mit einer Dampfmaschine betrieben wurde, rund 200-mal produktiver als ein mechanischer Webstuhl. Die Folgen: höhere Produktion, niedrigere Preise. Das funktionierte fantastisch, bis man an die Kapazitätsgrenzen kam. Man brauchte Kohle und Erz und hatte keine geeigneten Transportmittel.

Deshalb kam es gegen 1850 zum 2. Kondratieff, der Erfindung der Eisenbahn. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Börsen von den Eisenbahngesellschaften dominiert. Heute können Sie diese Gesellschaften nur noch als historische Wertpapiere kaufen.

Ab 1900 begann dann der Zyklus der Elektrotechnik und der Chemie. Und nach dem 2. Weltkrieg begann mit zunehmender Industrialisierung dank des Wiederaufbaus der Aufschwung bei der Petrochemie und den Automobilen. Diese Branchen, die damals als äußerst fortschrittlich galten, sind heute eher auf dem absteigenden Ast.

Denn Ende der 80er Jahre ist das Informationszeitalter angebrochen. Unternehmen, die sich mit Informationstechnik (IT) beschäftigen, sind auch heute noch auf dem Vormarsch!

Erkennbar ist, dass die Zyklen seit dem 2. Weltkrieg kürzer werden. Der 4. Kondratieff hat nicht einmal mehr 40 Jahre gedauert.

Wie lang wird der 5. dauern? Wir wissen es nicht. Aber es wird sich lohnen, sich schon frühzeitig mit dem nächsten Zyklus zu beschäftigen.

Nach den Basisindustrien, die die ersten Zyklen gestützt haben, ist mit der Informationstechnik erstmals stärker der Dienstleistungsbereich zyklustreibend. Deshalb gehe wir davon aus, dass der nächste Zyklus sich mit dem Thema Gesundheit und Ökologie in seiner gesamten Breite beschäftigt. Dazu gehören die Biotechnologie, Medizin, Umwelttechnologie, optische Technologie etc. Es sind die Unternehmen, die die großen Krankheiten unseres Jahrhunderts erforschen und nach Lösungen suchen.


Quelle: Leo A. Neafiodow

Langfristig schwankt nicht nur der Primärtrend um den Basistrend, sondern der Primärtrend wird seinerseits vom Sekundärtrend, den so genannten Kitchin-Zyklen überlagert. Dieser Sekundärtrend stellt die konjunkturell bedingten Kursschwankungen dar und ist für die Aktienanalyse und die Anlageberatung im herkömmlichen Sinne mit Abstand am wichtigsten, da er sich auf überschaubare Zeiträume von 3 bis 5 Jahren erstreckt.

Der Sekundärzyklus setzt sich aus 2 aufeinander folgenden Sekundärtrends (aufsteigend und fallend) zusammen. In diesem Trend schwingen die Pro-Aktien-Gewinne und das allgemeine Kursniveau in etwa im gleichen Rhythmus. Das bedeutet: Steigende Unternehmensgewinne bedeuten steigende Kurse und fallende Unternehmensgewinne bedeuten fallende Kurse. In 2001 befanden wir uns im fallenden Sekundärtrend, wo fallende Unternehmensgewinne auch fallende Kurse bedeuteten. Dies galt bis Mitte 2002 immer noch.

Ließen sich die vorhergehenden Trends noch mit ökonomischen Veränderungen erklären, so ist der Tertiärtrend fast ausschließlich mit der Markttechnik, vor allem der Marktpsychologie, zu erklären. Dabei ist auffällig, dass bei flachem Sekundärtrend die Tertiärbewegungen relativ stark ausfallen, während bei steilem Sekundärtrend die Tertiärbewegung nur flach verläuft. Für die Praxis bedeutet dies, dass besonders in einem flachen Sekundärtrend Trading sehr viel Sinn macht.

Der Kondratieff-Zyklus definiert dem Trader bei seiner kurzfristigen Sicht aufgrund seiner vorausschauenden Analyse die Märkte und Themen, die für ein Investment in Frage kommen!