Woran erkennen Sie, wenn der Trend dreht?

Für Sie ist es nicht nur wichtig, trendbestätigende Formationen zu erkennen. Sie sollten auch in der Lage sein, Trendwenden frühzeitig zu erkennen und dementsprechend zu handeln. Das 1. Signal für eine drohende Trendumkehr ist häufig der Bruch einer Trendlinie.

Die bekannteste ist die Kopf-Schulter-Trendumkehrformation

Die Kopf-Schulter-Formation ist die bekannteste und auch verlässlichste aller Trendumkehrformationen. Sie setzt sich aus 2 Schultern und 1 Kopf zusammen. Lassen Sie uns einmal folgendes idealtypische Chartbild analysieren:


So interpretieren Sie die Punkte A bis F:

  • Punkt A: Bei Punkt A ist der Aufwärtstrend noch intakt; der Umsatz nimmt zu.
  • Punkt B: Der Kurs korrigiert bei niedrigen Umsätzen; auch dieses Marktverhalten ist uns schon bekannt.
  • Punkt C: Ein neues Hoch wird erreicht, wobei die Topbildung das Überbieten des bisherigen Hochpunktes A auf niedrigerem Umsatz basiert. Sie wissen, dass die Durchbrechung eines Widerstands signifikanter ist, wenn sowohl der Kurs als auch der Umsatz steigen. Es ist damit noch nichts Ernsthaftes geschehen, dennoch sollten Sie sich bewusst sein, dass der Aufwärtstrend hier von weniger Marktteilnehmern getragen wird.
  • Punkt D: Die Kurse beginnen zu fallen, wobei die Unterstützungslinie in Punkt A unterschritten wird. Dies ist für Sie auf jeden Fall ein Warnzeichen, dass der Aufwärtstrend an Kraft verliert.
  • Punkt E: Der Kurs steigt wieder, jedoch auf Basis von geringen Umsätzen. Das vorherige Hoch in Punkt C wird nicht erreicht, sondern verharrt ungefähr im Kursniveau von Punkt A. Wir wissen, dass bei einem intakten Aufwärtstrend die vorherigen Kurshöhen hätten übertroffen werden müssen. E hätte also höher als C sein müssen. Dies wurde jedoch nicht erreicht. Zu diesem Zeitpunkt ist die primäre Aufwärtstrendlinie bereits gebrochen. Oft geschieht dies in Punkt D, wodurch zusätzliche Gefahr droht. Obwohl Sie an dieser Stelle bereits 3 Warnsignale aus dem Chartbild erkennen, werden sich viele Marktteilnehmer noch keiner Gefahr bewusst sein, da der bisherige Aufwärtstrend sich bisher nur seitwärts weiterentwickelt hat. Sie als technischer Trader haben Ihre Position bereits liquidiert und untersuchen den Chart, ob es sich lohnt, nun am Abwärtstrend Geld zu verdienen. Um ein entsprechendes Signal zu erhalten, ziehen Sie eine Trendlinie unter die Kurstiefpunkte B und D. Sie wird als Nackenlinie bezeichnet und verläuft meist leicht ansteigend. Das entscheidende Motiv für die Auflösung dieser Formation ist ein Schlusskurs, der unterhalb dieser Nackenlinie liegt. Geschieht dies, so fällt der Kurs unter hohen Umsätzen meist mehr als 3% nach unten, (Punkt F). Durch die Punkte C und E beziehungsweise D und F können Sie den neuen Abwärtstrend herauslesen.
  • Punkt F: Meist überprüft der Markt den neu entstandenen Trend und testet noch einmal die Nackenlinie. Erfolgt dieser Test bei hohem Volumen, so ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Verkaufsdruck vorliegt und der Kurs dann endgültig fällt. Geschieht dieser Test bei niedrigem Handelsvolumen, so ist der Durchbruch der Nackenlinie wahrscheinlicher.

So bestimmen Sie das Kursziel mithilfe einer Kopf-Schulter-Formation: Das Kursziel ermitteln sie, indem Sie die Strecke von Punkt C bis zur Nackenlinie messen und dann am Bruch der Nackenlinie (zwischen Punkt E und F) diese nach unten abtragen.

An der Steigung der Nackenlinie erkennen Sie die Marktstärke

Das Gegenteil einer Kopf-Schulter-Formation (quasi ihr Spiegelbild) ist die inverse Kopf-Schulter-Formation.

Der einzige, aber wichtige Unterschied ist das Umsatzmuster in der 2. Hälfte der Formation. Der sich abzeichnende Aufwärtstrend erfolgt bei sehr hohen Umsätzen; beim Bruch der Nackenlinie explodiert das Volumen förmlich; der Kursanstieg (Schlusskursbasis) beträgt meist über 3%. Die Steigung der Nackenlinie wird meistens leicht sein, kann aber auch waagrecht sein oder gar leicht fallend verlaufen.

Faustregel:

  • Je steiler eine Nackenlinie ansteigt, desto mehr Marktstärke beinhaltet sie. 
  • Je steiler sie fällt, desto wahrscheinlicher handelt es sich nicht um eine inverse Kopf-Schulter-Formation.

Auch Doppeltops und Doppeltiefs sind gute Indikatoren

Ein Doppeltop setzt sich aus einem Kurshoch, einem Zwischentief und einer zweiten Kursspitze zusammen. Dieses 2. Kurshoch reicht bis an das Niveau des 1. heran. Die im weiteren Verlauf fallenden Kurse unterschreiten dann das Kursniveau des 1. Zwischentiefs. Ein solches Chartbild wird auch als M-Formation bezeichnet.

M-Formation
Wenn D unter B liegt, wird der Kurs weiter abbröckeln

Ein Doppeltief ist genau das Spiegelbild davon und formt damit ein „W“. Daher wird sie auch W-Formation genannt. Diese Formationen treten zwar öfter auf als Kopf-Schulter-Formationen, sind aber weniger zuverlässig, da sie keine besonderen Voraussetzungen bis zu ihrer Vollendung erfüllen müssen.

W-Formation
W-Formationen sind häufig, aber weniger verlässlich

V-Formationen/inverse V-Formationen

Für diese Formationen ist charakteristisch, dass sie fast auf der Stelle drehen. Sie kommen meist in Märkten vor, die von einer Nachricht entscheidend abhängig sind oder wo der Markt in eine Kursrichtung übertrieben hat. Hier können Sie über die technische Analyse nur im Vorfeld Trendsignale ausmachen, da die Trendumkehr abrupt sein wird und innerhalb kurzer Zeit massive Kursveränderungen herbeigeführt werden. Die Umsätze sind bei dieser kurzlebigen Formation sehr hoch, insbesondere am Tag der Nachricht.

V-Formation