Die Charttechnik

Heute steht auch Ihnen die Charttechnik zu Verfügung

Dank der stetigen Entwicklung von Software-Programmen und der Verbreitung des Internets erfreut sich die Chartanalyse steigender Beliebtheit. Während bis zur Mitte der 90er Jahre eine charttechnische Auswertung mit dem PC für Privatanleger undenkbar war, so stehen dem Investoren oder Spekulanten aktuell unzählige kostenlose Chart-Tools im Internet zur Verfügung.

Ein weiterer Unterschied zu früheren Zeiten: Während die meisten Sparer im letzten Jahrhundert den Aktienhandel als hoch spekulativ betrachteten, ist es heute völlig normal, wenn am Stammtisch über das Thema „Finanzen & Börse" gesprochen wird. Die Börse hat im Laufe der Zeit seinen Ruf als „Black Box" verloren und heutzutage kann mit wenigen Mausklicks (und einer Legitimation) ein Online-Depot bei einer Direktbank oder einem Broker eröffnet werden.

Während früher in der Regel nur die Tageszeitung Aufschluss über Aktienkurse gab, erhalten Sie heute bei vielen Direktbanken bei einer Depoteröffnung entweder automatisch Echtzeitkurse (oder zumindest ein Kontingent), so dass Sie sekundengenaue Charts vor sich sehen und entsprechend schnell handeln können. Warum also ist die Charttechnik für Ihre Geldanlage so wichtig?

So einfach erlernen Sie die Charttechnik

Die Technische Analyse spaltet sich in die beiden Bereiche „Markttechnik" und „Charttechnik". Während die Markttechnik auf sogenannten „Technischen Indikatoren", also schlussendlich auf teilweise recht komplizierten mathematischen Formeln basiert, beruht die Charttechnik auf einigen simplen Regeln. Dies ist sicherlich ein großer Vorteil der Charttechnik, aber Vorsicht: Die Einfachheit der Regeln macht die Anwendung der Chartanalyse nicht zu einer einfachen „Technik". Um dies zu veranschaulichen:

Vielleicht kennen Sie auch den alten Börsianer-Spruch: „10 Charttechniker - 10 Interpretationen". Diese landläufige Meinung rührt daher, dass - anders als bei mathematischen Formeln - die Chartanalyse keine exakte Wissenschaft ist. Dazu ein Beispiel:

 

Im Chart ist der Dax-Verlauf von Mitte Juli bis Ende November letzten Jahres abgebildet. Wie Sie im Chart erkennen, weist der Deutsche Aktienindex in diesem Zeitraum einen schönen Aufwärtstrend (schwarze Linie) auf, der im November nach unten durchbrochen wurde. Zu diesem Zeitpunkt kursierten in den verschiedensten Internet-Medien noch verschiedenere Meinungen über die weitere Kurs-Entwicklung des deutschen Aktienbarometers.

Starre Chartisten sahen einen Trendbruch und berechneten mit Hilfe irreführender Parallelen und zahlreichen „Hilfslinien" die wahrscheinliche Zielzone des Dax-Kurses. Weitere Börsianer betrachteten die Bewegung von gerade einmal 5% als „Crash" und prognostizierten einen Weltuntergang - zumindest für den Dax...

Die Charttechnik bewahrt sie vor Verlusten und sichert Gewinne

Verfallen Sie also nicht in den Irrglauben, dass die Charttechnik tatsächlich eine exakte Technik mit starren Regeln ist. Die Chartanalyse ist ein äußerst sinvolles und wichtiges Werkzeug, das Ihnen Trends und mögliche Trendbrüche (nach oben wie nach unten) am Aktienmarkt anzeigt. Mit dieser Analyse-Form werden Sie also Ihre Wertpapiere nie zu Tiefstkursen kaufen können und auch selten bis nie am Hochpunkt verkaufen. Andererseits werden Sie mit Hilfe der Charttechnik aber auch höchst selten gravierende Verluste hinnehmen müssen, ein weiterer und der für mich entscheidende Vorteil. Zurück zum Dax-Beispiel:

Das Unterbieten der Aufwärtstrendlinie im obigen Chart bot dem erfahrenen Charttechniker einzig und alleine ein Signal, das es zu beachten galt: Der Trend ist in Gefahr! „In Gefahr" bedeutet aber nicht, dass ein Trend damit zwingend zu Ende sei, wie der weitere Dax-Verlauf zeigt:

Der vermeintliche „Crash" im November hielt nur eine Woche (rote Ellipse), bevor der Dax seine kräftige Aufwärtsbewegung wieder aufnahm. Seither bewegte sich der Dax in der Nähe der schwarzen Trendlinie, ohne sich beängstigend weit von ihr zu entfernen und konnte so wieder in seinen Trend zurückfinden. Dazu hat sich ab Dezember eine weitere Aufwärtstrendlinie etabliert. Und spätestens jetzt werden Sie verstehen, dass die Anwendung der Charttechnik immer auf den individuellen Betrachter ankommt.

Für den Investoren, der bereits im Sommer 2006 eingestiegen ist, hat die schwarze Linie sicherlich eine wichtigere Bedeutung als die grüne. Derjenige aber, der erst Ende letzten Jahres eingestiegen ist, wird der grünen Linie mehr Beachtung schenken. Und der Börsianer, der noch nicht engagiert ist, wird wiederum weitere bzw. andere charttechnische Gegebenheiten ins Kalkül ziehen, z.B. Unterstützungen und Widerstände (mehr hierzu finden Sie im Beitrag Charttechnik 2, siehe unten).

Bevor Sie also die Charttechnik erlernen, beachten Sie folgende Tipps

Charttechnik-Tipp 1: Machen Sie sich klar, warum Sie die Chartanalyse erlernen wollen. Um Ihr Wissen zu erweitern? Um mehr Geld zu verdienen, höhere Ergebnisse zu erzielen oder gar reich zu werden? Falls Sie bessere Ergebnisse erzielen wollen, seien Sie sich bewusst, dass die Charttechnik keine Wunderwaffe ist, aber sicherlich ein Instrument, mit der Sie ihr Börsenspiel entscheidend verbessern können. Auch hier gilt: Die Erfahrung ist unser großer Lehrmeister!

Charttechnik-Tipp 2: Nutzen Sie neben der Charttechnik weitere Strategien für die Bewertung von den Ein- und Ausstiegspunkten. Während in den 80er Jahren z.B. die Fronten zwischen Fundamental-Analyse (Unternehmenszahlen und - nachrichten) und der Chartanalyse sehr erhärtet waren, entwickelt sich in den letzten Jahren ein Trend zu einer Kombination beider Analysemethoden.

Charttechnik-Tipp 3: Gehen Sie bei Ihren Betrachtungen immer vom großen (langfristigen) Bild in das kleine Bild. Betrachten Sie also zunächst einen langfristigen Monats- oder Wochenchart (etwa 10 Jahre oder länger), danach einen mittelfristigen Wochenchart (etwa 2-5 Jahre) und dann einen kürzerfristigen Tageschart (6 bis 18 Monate). So bekommen Sie ein Gefühl für die Entwicklung der jeweiligen Werte und können Chance und Risiko besser abwägen.

Charttechnik-Tipp 4: Lernen Sie von den Profis. Nutzen Sie die Vielfalt des Internets und fordern sie z. B. kostenlose, seriöse Newsletter an, in denen regelmäßig Chartanalyse angewandt wird. Hier wären z.B. die kostenlosen Dienste Geldanlage-Strategie, Dax Daily oder auch Investor´s Daily eine gute Empfehlung. Testen Sie dann einfach selbst, ob Sie die eingezeichneten Trendlinien, Unterstützungen und Widerstände und die daraus resultierende Beurteilung der Autoren genauso sehen bzw. interpretieren würden.

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