DAX bei 5.000 - und das war es?

von Jürgen Nowacki

Aufmerksam verfolgen die Marktteilnehmer den Kampf um die 4.000er Marke im DAX. Nun, um das Fazit gleich vorwegzunehmen, die Schlacht ist aus unserer Sicht bereits geschlagen, die nächste Marke lautet - 5.000 -.

Bereits seit 3 Wochen weisen wir immer wieder darauf hin, dass die Märkte dermaßen überverkauft seien, dass eine kleine positive Nachricht ausreichen würde, um eine technische Reaktion auszulösen. Und genau das ist letzte Woche passiert, als Citigroup und Deutsche Bank gute Ertragszahlen für das erste Quartal 2009 bekanntgaben, wir berichteten darüber.

Die Leser des Target Trader mit E-Mail-Konto und Nutzer der SMS-Service-Dienste wissen, wie genau wir das Timing in Aktien und Devisenoptionen kommuniziert hatten. Wir wollen jetzt gar nicht auf Chartformationen eingehen, sondern einen Gedanken entwickeln, dessen Realisierung wir für sehr wahrscheinlich halten.

Seit Monaten notiert der V-DAX, der die implizite Volatilität des DAX über 45 Tage in Prozentpunkten angibt und der normalerweise um die 20 Prozent herum handelt, bei 40 bis 45 Prozent. Das beeinflusst die Optionsprämien und verteuert Kauf- und Verkaufsoptionen erheblich. Die Überlegung eines Optionsverkäufers könnte sein: „Wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ich als Stillhalter eine Aktie liefern muss (covered call writing) von 20 auf 40 Prozent gestiegen ist, werde ich dieses Geschäft nur eingehen, wenn ich eine wesentlich höhere Prämie erhalten kann." Und das funktioniert in gleicher Weise nicht nur mit Calls, sondern auch mit Puts. Deshalb ist es in solchen Marktlagen besser, spekulativ mit Derivaten (Mini Futures) zu arbeiten in die keine Volatilität eingerechnet wird, und auf Optionen zu verzichten. Für Stillhalter ist diese Börsenphase aber ausgezeichnet und begünstigt beispielweise auch Discountzertifikate.

Und jetzt unsere Überlegung: was meinen Sie haben Stillhalter vor 3 bis 4 Wochen über die weitere
Marktentwicklung prognostiziert?
Richtig, eine Erholung war nicht in Sicht und wenn jetzt noch die hohen Prämien berücksichtigt werden, dann musste man einfach (leer)verkaufen und sich die hohen Optionsprämien für Puts und Calls mit kurzen Restlaufzeiten zu sichern, genaugenommen die Laufzeiten bis 20. März, denn am Freitag ist der erste von 4 großen Verfallterminen in diesem Jahr. Spielen wir die Möglichkeiten weiter durch, dann wäre es naheliegend, dass die Auguren, die die Kauf-Optionen leer verkauft haben, jetzt in eine schwierige Phase kommen dürften. Sie werden ihren Verpflichtungen nachkommen und sich mit Aktien eindecken müssen, weil der Rückkauf von Optionen viel zu teuer wäre. Liegen wir mit unserer Überlegung richtig, dürfte die Folge am Anfang der Woche ein rasanter Kursanstieg in allen optionsfähigen Blue-Chips sein.

Wie aber wird es weitergehen, wenn wir die 5.000-Punktemarke im DAX in den nächsten Wochen geknackt haben? Ist denn tatsächlich ausgeschlossen, dass aus einer anfänglichen Markterholung eine tragfähige Aufwärtsbewegung werden kann? Unsere Meinung lautet: rechnen Sie besser nicht damit, denn die Notenbanken müssen, um eine drohende Superinflation zu vermeiden, die Liquidität, die sie jetzt in die Märkte pumpen, absorbieren. Das entspricht der Situation, wie wir sie am 3. Januar 2000 erlebten. Sie erinnern sich? Weltweit hatten die Computersysteme den drohenden Supergau des Millenniumwechsels überstanden und die Notenbanken absorbierten in den folgenden Wochen und Monaten die Liquidität, die sie den Märkten vorsichtshalber zuvor zur Verfügung gestellt hatten. Nur 3 Monate später, in einem fundamentalen Umfeld der wirtschaftlichen Prosperität, kollabierte der NASDAQ, dann der Neue Markt und die Internetblase platzte.Wir wissen nicht, welche Blasen 2009 noch platzen werden, wir wissen nur eins: die nächsten 1.000 Punkte im DAX sind wahrscheinlich leichter zu handeln als alles andere, was 2009 noch auf uns zukommen wird.

 

Halten Sie die Finanzkrise für ausgestanden?
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