DAX steht charttechnisch am Rande des Abgrunds, aber nicht chancenlos!

 

Ein Beitrag von Jürgen H. Nowacki, Geschäftsführer my-Broker GmbH, www.my-broker.de

Der Deutsche Aktienindex DAX hat am Donnerstag auf dem tiefsten Stand seit Ende Juni 2005 geschlossen. Wie beim letzten Schwächefall am 10. Oktober konnte sich der Leitindex unterdessen deutlich von seinem Tagestief hocharbeiten, so dass auf Sicht der kommenden Tage durchaus eine Chance auf eine Kursreaktion nach oben ergibt. Ebenfalls wie zuletzt könnte der Index aber im Falle einer Erholung schnell wieder an Dynamik verlieren und wieder am kurzfristig steilen Abwärtstrend noch unten abprallen. Der DAX steht aus technischer Sicht am Abgrund.




Ein Blick auf den langfristigen Monatschart verrät, dass der DAX-Index gerade fast genau 61,80 Prozent seines zuvor langjährigen Aufwärtstrends von März 2003 bis Juni 2007 korrigiert hat. Nach der Theorie von Fibonacci hat der DAX damit sein maximales Korrekturziel bei 4.466 Punkten ausgeschöpft. Dabei haben die Kurse diese Korrekturmarke zweimal verletzt - beim scharfen Kursrutsch am „schwarzen Freitag" vor zwei Wochen und an diesem Donnerstag. Auf Schlusskursbasis konnten die Kurse aber jeweils diese wichtige Marke zurückerobern. Allerdings muss sie auch halten, um dem DAX eine Chance auf die erhoffte Stabilisierung zu geben. Daher steht der DAX am Abgrund - bricht die Marke und drücken weitere Kurse den DAX unter sein zuletzt ausgebildetes Tief bei 4.308 Punkten, müssten sich Investoren auf weiter fallende Kurse richtig 3.600 Zähler einstellen. Im Gegenszenario, im Falle eines dann wohl rasanten Kursanstiegs als Reaktion auf die scharfen Verluste, kann der DAX zunächst wieder sein Potenzial in Richtung 5.350 Punkte austesten. Von dieser Marke ist er zuletzt bereits abgeprallt.




Für die Beurteilung des aktuellen Chance-Risiko-Verhältnisses im DAX ergibt sich so ein deutliches Übergewicht beim Risiko - die Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigen Erholung ist bisher gering. Allerdings kann es immer mal wieder zu einer auch sehr abrupten Zwischenrallye kommen, die den DAX zunächst an seinen Widerstand bei 4.815 bis 4.935 Zählern heranführen kann. Hier bremsen die jüngsten Kursspitzen als horizontaler Widerstand. Hinzu kommt die Obergrenze des kurzfristigen, steilen Abwärtstrendkanals. Für einen solchen Sprung in die andere Richtung spricht kurzfristig ein Hammer, der an diesem Donnerstag im Chartbild ausgebildet wurde. Die jüngste Kurserholung wurde auch von einer solchen (bullishen) Tageskerze eingeleitet. Dies ändert aber nichts am oben angesprochenen Risiko im DAX auf weiter fallende Kurse, vor allem wenn der DAX unter 4.300 Punkte absackt.

Fazit: Für Trader ergibt sich jetzt eine Chance auf steigende Kurse zu handeln. Denn unterhalb von 4466 kann mit engen Stops die Position abgesichert und ein eventueller Verlust klein gehalten werden.




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