Will die Fed einen schwachen Dollar?

Jochen Steffens zu Fed. 

Ich lese viel von weiteren Zinssenkungen in den USA. Wenig lese ich von den massiven Gefahren, die bei einer weiteren Abwertung des Dollars entstehen. Die USA sind abhängig von ausländischen Krediten. Eine Abwertung des Dollars, also eine Inflationierung des Dollars, wird hauptsächlich die Gläubiger treffen: Inflation ist immer eine reale Enteignung der Gläubiger! (Nehmen wir an, Sie leihen jemanden 100.000 €. In dieser Zeit wertet der Euro um 10 % ab. Dann haben Sie real 10.000 € verloren. Geld, das einfach verschwunden ist.) Aus diesem Grund nehmen Banken grundsätzlich Zinsen, die deutlich über der Inflation liegen. Denn nur so können sie diese reale Enteignung der Gläubiger ausgleichen und darüber hinaus noch Gewinn machen. 

Reale Enteignung der Gläubiger

Wenn der Dollar weiter fällt, werden die Gläubiger der USA nach und nach Geld verlieren. Es wird dann irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem potenzielle neue Gläubiger höhere Zinsen fordern, wenn Sie der USA Geld leihen sollen. Da die USA einen immensen Geldbedarf hat, wird sie nicht umhin kommen, diese Zinsen auch zu zahlen. Diese höheren Zinsen, würden dann zu einer unheiligen Spirale führen. Die USA müssten sich immer mehr verschulden, um diese exponeziell steigenden Zinsen zu finanzieren. Das kann dazu führen, dass immer mehr Dollar gedruckt werden, sprich der Dollar wird immer weiter abwerten. Denn nur so kann die USA die immer höheren Zinsen/Schuldenlast finanzieren. Das wäre der Beginn einer Hyperinflation. Die Notenbanken werden zudem immer mehr die Bereitschaft verlieren, den Dollar zu stützen, da in einem solchen Fall der Euro den Dollar als Reservewährung ablöst.  Beides wird die USA verhindern müssen. Also, ich bin noch nicht überzeugt, dass es wirklich zu weiter fallenden Zinsen kommt, denn die Gefahr eine ausufernden Inflation ist einfach zu groß. Doch der Markt will diese Gefahren nicht sehen und feiert weiter die aktuelle Zinssenkung. Ich kann nicht beurteilen, wie lange diese Diskrepanz zwischen Gefahren und steigenden Kursen noch anhält. Ich weiß aber, dass sie sich auf die ein oder andere Weise auflösen wird.

Hier gibt es zwei Möglichkeiten:

Entweder sinken die Inflationsgefahren, die US-Wirtschaft zeigt wieder Stärke und all diese Sorgen werden hinfällig. Dann sehen wir weiter steigende Kurse. Oder aber, diese fundamentalen Sorgen (Inflation, Kreditmarktkrise, China, evtl. Deflation) verdichten sich, dann müssten die Kurse sich diesen Gefahren anpassen. Oft geschehen solche Anpassungen sehr schnell und dynamisch. Es käme also zu plötzlich stark fallenden Indizes. Wir haben es demnach aktuell mit vielen Gefahren zu tun. Man sollte zwar Gefahren auf der einen Seite nicht überbewerten, denn diese sind IMMER im Markt. Nur, und das ist der einzige Umstand, der mich so skeptisch macht: Normalerweise reagiert die Börse auf solche Gefahren hysterisch und ich sehe zurzeit nur Friede, Freude, Eierkuchen. Diese Sorgen sind also einfach noch nicht eingepreist. Stattdessen bilden sich neue Hochs.

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