USA geben möglicherweise ihren Status als führende Supermacht auf

von Henrik Voigt (31.03.09)

In der aktuellen Ausgabe schrieb ich für die Leser von Dax Profits über die drastische Abwertung des Dollars als Folge einer völlig verfehlten US-Notenbankpolitik, u. a. in Gestalt des jüngsten Bankenrettungsplans. Dieser Rettungsplan zieht eine nie dagewesene Neuverschuldung und damit einen starken Wertverfall des Dollars nach sich. Inzwischen mehren sich sogar ernstzunehmende Stimmen, die eine Ablösung des Dollars als Weltleitwährung fordern.

Forderungen nach neuer Weltleitwährung könnte der Auslöser werden

So drängt Russland im Vorfeld des Mitte dieser Woche in London stattfindenden G20-Treffens auf eine neue Reservewährung als Alternative zum US-Dollar und wird dabei auch von China unterstützt. Als eine solche alternative Reservewährung werden derzeit die Sonderziehungsrechte des IWF (Internationaler Währungsfonds) diskutiert.

Was vielleicht noch relativ harmlos klingt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als absoluter Hammerschlag. Bisher beantworteten die USA solche Vorstellungen anderer Staaten nämlich stets mit Krieg oder zumindest mit Kriegsdrohungen (etwa im Fall des Irak oder des Iran, als diese Staaten ihre Ölerlöse nicht mehr in Dollar fakturieren wollten). Hängt doch an der Weltleitwährung auch der Status der führenden Supermacht und Vorteile wie die Möglichkeit einer nahezu unbegrenzten Verschuldungsmöglichkeit. Wer das Geld hat, hat die Macht.

Selbst eigene Verbündete befürworten einen solchen Schritt

Inzwischen halten jedoch selbst enge Verbündete die Rolle der USA als Führungsmacht in der Welt für nicht mehr unbedingt notwendig. Der britische Außenminister David Miliband etwa betrachtet den G20-Gipfel am 2. April als Ausgangspunkt für eine multipolare Welt, weil die USA nach seiner Ansicht niemandem mehr Supermachtideen mehr aufdrängen wollen. Derartige Vorstellungen stoßen offenbar zumindest auf Duldung der Vereinigten Staaten, sonst würden sie wohl kaum öffentlich geäußert werden.

In dieser Woche wird daher womöglich Geschichte geschrieben! Eine Ära geht zu Ende. Die USA geben möglicherweise ihren Status als Führungsmacht infolge einer nicht mehr beherrschbaren Verschuldung und einer tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise auf. Die Folgen für die Märkte sind derzeit noch nicht vollständig absehbar und hängen von den Beschlüssen in London ab. In der aktuellen Ausgabe von Dax Profits habe ich jedoch schon einmal versucht, erste Schlüsse zu ziehen. Verfolgen Sie auf jeden Fall die Nachrichten in dieser Woche, es könnte sich Bedeutsames ereignen. Stellen Sie sich auf turbulente Märkte ein.

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