Beim ROHÖL jetzt ganz aktuell das erste Trendbruch-Verkaufsignal

Von Marcel Mußler

Das Rohöl bleibt für die Aktienseite der mit Abstand dominanteste Einflußfaktor von der Intermarketseite. Das ist sogar schon eine richtig übertriebene sentimenttechnische Abhängigkeit in diesen Tagen.

Oder: Müssen wir momentan im Grunde nicht eigentlich nur noch den Rohölchart analysieren? Ja, in diesen Tagen könnte man es fast meinen. Und das nicht erst seit gestern, sondern lediglich unverändert.

Wie ist die Lage? Vor allem sehr volatil! Und das wird es aller Voraussicht nach auch bleiben. Die Anfälligkeit für ständige und sich schnell abwechselnde Stimmungsschwankungen wird hoch bleiben. Es wird auch weiterhin so sein, daß uns einbrechende Rohölpreise am einen Tag noch die Erholungsrallye an den Aktienmärkten erklärt, um es vielleicht schon am Folgetag wieder gänzlich umgekehrt aussehen zu lassen.

Achten Sie in diesem Zusammenhang auch auf die Äußerungen der FED. Am Dienstag hat die FED verbesserte Konjunkturerwartungen in Aussicht gestellt. Für mich bedeutet das nichts anderes, als den Märkten damit eine zunehmende Bereitschaft zu einer Zinserhöhung anzukündigen, um sich damit endlich dem Thema Inflationsbekämpfung zu widmen. Das löste schließlich die neue Downrallye beim Rohöl aus. Und die FED weiß ganz genau, wann sie etwas sagt. Ich erinnere noch einmal daran, daß auch die „Eingreiftruppe" der FED Charts lesen kann. Und sie mußte sich zuletzt sehr erfinderische Gedanken machen, wie sie das Mega-Verkaufsignal an der Nasdaq noch abwenden will. Und so macht man das...

Damit komme ich nun aber zum Chart des Brent-Rohöl (16.07.08: 134,89 USD). Nach dem ersten erfolgreichen Test des roten kurzfristigeren Aufwärtstrends, hat es das Rohöl schließlich noch einmal versucht, es mit dem blauen langfristigen Aufwärtstrendkanal bzw. seiner False-Breakout-Erweiterung aufzunehmen. Erneut daran gescheitert, klappte es im Gegenzug nun im zweiten Anlauf mit dem Bruch des Aufwärtstrends. Das ist auch das, was den Aktienmärkten die jüngste Entlastung gebracht hat.

Allerdings muß ich davor waren, mit diesem Verkaufsignal eine zu große und vor allem auch zu unmittelbare Trendwendephilosophie zu verbinden. Denn analog zu den Aktienmärkten liegt beim Rohöl noch viel zu wenig Topbildung für solch ein Szenario vor. In letzter Konsequenz gibt es sogar noch überhaupt keine Topbildung. Dafür zunächst aber ein um so stärkeres Unterstützungsgeflecht, das eine substantielle Umsetzung des Verkaufsignals zusätzlich erschweren dürfte.

Brent-Rohöl in US-Dollar - daily Linechart

Das fängt schon an bei der unteren Begrenzung des braunen kurzfristigen Abwärtstrendkanals bei aktuell 133,80 USD. Bis dorthin ist trotz des Verkaufsignals zunächst alles nur eine ganz normale AB-C-Zwischenkonsolidierung. Diese untere Kanalbegrenzung wird zudem ergänzt von der relativ starken grünen Unterstützungszone bei 131,27/130,18 USD, die den dann erstmals etwas weiteren Weg bis zur nächsten Unterstützung bei 122,00 USD jetzt noch erheblich blockiert.

Nein, das sieht mir jetzt einfach noch nicht nach freiem Fall aus beim Rohöl. Vielmehr dürfte das Verkaufsignal schon bald wieder relativ seitwärts abgefangen werden. Um danach noch einmal den Weg auf neue Highs zu suchen. Das wird im Moment zwar noch vom Pullback an den roten Aufwärtstrend bei aktuell 138 USD behindert, dies jedoch nicht lange. Und ja,wenn sich das nächste High einmal nicht mehr durchsetzt, was ich übrigens gleichsam schon für absehbar halte, dann spreche ich erstmals auch von Topbildungssymptomen.

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