Bauleistungen im Fokus

von Jürgen Nowacki

Auf der diesjährigen 66. EUROCONSTRUCT-Conferenz am 4. und 5. Dezember in Brüssel wurde von den 180 Experten und Analysten ein kritisches aber auch bereits für 2010 ein positives Wachstumsszenario gezeichnet.

In der letzten Target Trader Ausgabe berichteten wir über den ifo-Geschäftsklimaindex. Einerseits fiel die Geschäftserwartung im verarbeitenden Gewerbe und dem Großhandel für die nächsten 6 Monate so schlecht aus, wie seit der Ölkrise von 1982 nicht mehr. Andererseits glänzte vor allem das Bauhauptgewerbe mit einer weniger pessimistischen Geschäftserwartung und mit guten Umfrageergebnissen bei der Geschäftslage. Wir nehmen diese Zahlen zum Anlass, um Ihnen einen tieferen Einblick zu vermitteln und der Frage auf dem Grund zu gehen, ob und wann sich ein Investment im Bau- und Stahlsektor anbietet.

Von den 180 Konferenzteilnehmern der EUROCONSTRUCT wurde folgendes Fazit der Analysen erarbeitet:

  • Osteuropa bleibt auch zukünftig der stabilste Wachstumsmarkt in der EU
  • Der Klimawandel einerseits und steigende Energiepreise andererseits werden die Entwicklung in der Baubranche wesentlich beeinflussen
  • Infrastrukturmaßnahmen werden zukünftig stärker von den Problemen, die durch Klimaveränderung und Erderwärmung ausgehen, beeinflusst, als allgemein hin angenommen

Der Bausektor ist mit einer Leistung von 1,6 Billionen Euro eine der wichtigsten Schlüsselindustrien in Europa. Zum Vergleich: das entspricht in etwa dem Brutto-Sozialprodukt von Italien. Innerhalb der EU allerdings verschiebt sich das Wachstumsgefälle von Ost nach West. Polen, Tschechien, die Slowakei und Ungarn zeigen ungeachtet der durch die Finanzkrise ausgelösten Wachstumseinbrüche, positive Wachstumsraten. In Osteuropa dominiert das Wachstum vor allem im Bereich der öffentlichen Bauten, während in Westeuropa die Bauleistungen zu mehr als 50% durch den privaten Wohnungsmarkt erbracht werden. Trotzdem sollte berücksichtigt werden, dass das Pro-Kopf-Aufkommen in West-Europa immer noch 3 bis 4mal größer ist als in Osteuropa. Dieser Vergleich verdeutlicht das mögliche Wachstumspotenzial vor allem für den privaten Sektor.

Trotzdem, so die Experten, muss in 2009 mit einem allgemeinen Rückgang der Bauleistungen innerhalb der EU gerechnet werden. Insbesondere Irland und Spanien sollten im folgenden Jahr unter der allgemeinen Finanzkrise und der damit verbundenen Kreditverknappung zu leiden haben. 2010 bis 2011, so die Experten, dürfte das Gröbste überstanden sein. Übereinstimmung herrschte dahin gehend, dass vor allem im privaten Bereich Investitionen für Wärmeschutzmaßnahmen anstehen und sich dann auch der private Wohnungsbau insgesamt erholen wird.

Nicht zu unterschätzen sei aber auch der Bereich Infrastrukturmaßnahmen. Die Fachleute rechnen mit größeren Folgewirkungen durch die Erderwärmung auf die Infrastruktur als in der Vergangenheit. Sie mahnen ebenso an, sich unverzüglich mit innovativen Maßnahmen und neuen Technologien am Bau zu befassen, um den Wetterveränderungen und deren Auswirkungen besser gerecht zu werden. Zugleich sollte auch der Energieverbrauch in Wohnbereichen zukünftig besser gesteuert werden. Hierbei sind vor allem die steigenden Energiekosten für Klimaanlagen angesprochen worden.

Aber auch die Reduzierung von Abgasemissionen spielt zunehmend eine Rolle bei der Planung und Realisierung von Bauprojekten. Neue Technologien aus den Bereichen „neue Materialien" und „Photovoltaik" stehen dabei im Mittelpunkt.

Der Einbruch in Höhe von etwas mehr als 4% scheint in den Aktienmärkten eingepreist zu sein.                                  Quelle: 66th EUROCONSTRUCT, December 2008

Fazit: Investoren sollten sich verstärkt der Schlüsselindustrie Bau, Energiesparmaßnahmen, Photovoltaik und Infrastruktur zuwenden. Insbesondere die größeren Projekte im öffentlichen Bereichen wie Verkehr, Wasserversorgung, Abfallentsorgung, Schulen und Universitäten sollten wegen ihrer längeren Planungsphasen im Fokus von Regierungsbeschlüssen und damit auch im Mittelpunkt einer positiven Berichterstattung 2009 stehen.

 

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