Bovespa: Kleine Erholungsrallye voraus

von Andreas Wolf 

Die letzten Wochen werden vielen Anlegern nicht nur wegen der Bankenkrise in unangenehmer Erinnerung bleiben. Auch die so genannten BRIC-Staaten hat es im Rahmen der Schockwellen aus den Vereinigten Staaten ordentlich zerlegt. Brasilien, Indien,  Russland, und China sahen Teile ihres neu erworbenen Wohlstandes sich fast schneller in Wohlgefallen auflösen, als ihnen nur annähernd lieb sein konnte. Die zuvor noch gerne beschriebene neue Rangordnung im Weltwirtschaftssystem erwies sich damit zunächst als Wunschdenken. Auch wenn sich das US-amerikanische Finanzsystem vor einer Periode der Restrukturierung und Neuorganisation befindet, so besagt das noch lange nicht, dass andere Länder aufgrund ihrer Stärke in bestimmten Wirtschaftszweigen von den Verwerfungen in den USA nicht betroffen wären. Für Brasilien, das zu letzt in den Abwärtssog der Hypothekenkrise gezogen wurde, kam es aber im Vergleich mit den drei anderen BRIC-Staaten auch deshalb nicht so schlimm, weil die dortige Regierung eine sehr moderate Wirtschaftspolitik betreibt, die keineswegs auf ein schnelles Extremwachstum ausgerichtet ist. Diese Solidität wird von den Investoren innerhalb des Weltfinanzsystems durchaus honoriert. Freilich wird auch Brasilien den USA nicht den ersten Platz in der Finanzrangordnung der Welt abspenstig machen können. Langfristig wird aber manche Investition nach Brasilien strömen, die ehedem in die USA gegangen ist.

Doch das ist Zukunftsmusik. Aktuell müssen sich Anleger am brasilianischen Aktienmarkt wieder mit rauhen Zeiten anfreunden. Das Erreichen eines neuen Allzeithochs im Mai bei 73.779 Punkten erscheint schon fast als ein in der Ferne liegendes historisches Ereignis. Gut ein Drittel verlor der Bovespa-Index seit dem an Wert. Ursächlich war im Wesentlichen der Abzug amerikanischer Investitionsgelder, die im Zuge der Bankenkrise dringend an der Heimatfront benötigt wurden. Mit dem Beschluss des US-Parlaments, das von der Regierung in die Wege geleitete Rettungspaket für die Finanzbranche in Gang zu setzen, wird sich zunächst einmal eine Phase der Entspannung an den Weltbörsen anschließen. Davon sollte auch der brasilianische Standardwerte-Index profitieren, der zwischen 47.500 und 50.000 Punkten gerade den Versuch unternimmt, einen kleinen Umkehrboden auszubilden.

Nachdem der MACD im Minusbereich bereits durch den Schnitt mit seiner Signallinie ein Kaufsignal generiert hat, ist auch beim Bodenbildungs-Indikator Coppock ein starkes Anziehen im Minusbereich zu verzeichnen. Beide Indikatoren zusammen deuten in ihrem Verhalten auf eine kleine Erholungsrallye des Bovespa-Index hin, die sich in den Bereich des aktuellen mittelfristigen Abwärtstrends bewegen dürfte. Dieser verläuft derzeit bei rund 57.000 Punkten in der Nähe wichtiger horizontaler Widerstandslinien. An diesem Punkt dürfte es dann zunächst mit der Aufwärtsbewegung zu Ende sein, da viele Anleger versuchen werden, an dieser Marke Gewinne mitzunehmen oder Verluste zu begrenzen. Ein erneuter Rückfall bis 50.000 Punkte ist deshalb die wahrscheinlichste Variante. Eine dynamische Fortsetzung der übergeordneten Abwärtsbewegung erscheint mir kurzfristig aber auch wenig wahrscheinlich. Bevorzugtes Szenario für die nächsten Wochen bleibt der Versuch einer Bodenbildung zwischen 50.000 und 55.000 Punkten.

 

Halten Sie die Finanzkrise für ausgestanden?
Ja
Nein
weiß nicht