Bund-Future: Erstes Überhitzungsanzeichen

von Andreas Wolf

Das Zusammenklappen der Aktienmärkte führt zu den typischen Reaktionen in den anderen Anlageklassen. Der Goldpreis klettert Tag für Tag ein paar US-Dollar nach oben und die Anleger decken sich mit Staatsanleihen ein. Befanden sich der Bund-Future, das Barometer für die deutschen Bundesanleihen mit einer 10-jährigen Laufzeit und der DAX im Gleichlauf. Die Besorgnis über eine hohe Inflationsrate, hevorgerufen durch die stark steigenden Lebensmittel- und Rohstoffpreise, belastete beide Indizes gleichmäßig. Das Hochkochen der Hypotheken- und Bankenkrise zu einer Finanzkrise hat dieses Bild aber grundlegend verändert. Seit August haben sich die Wege beider Indizes getrennt. Die Flucht in die Sicherheit hat den Bund-Future am Mittwoch auf den höchsten Stand seit dem ersten Aktienindexeinbruch getrieben. Seitdem hat sich aber ein kleines, technisches Umkehrsignal ergeben, ohne das die gegenläufigen Aktienmärkte bereits gedreht hätten. Grund war die unerwartet koordinierte Zinssenkung der wichtigsten Notenbanken dieser Welt. Da die Anleger davon ausgehen, dass es sich bei der Aktion nicht um den letzten Zinsschritt gehandelt haben dürfte, werden Anleihen in Zukunft weniger Erträge abwerfen als bisher.

Solange der Hurrikan über den Finanzmärkten allerdings noch tobt und noch keine Klarheit über die annähernden Kosten für die Rettung der Finanzsysteme und die Wiederbelebung der Wirtschaft abzuschätzen sind, wird der Rentenmarkt von der bestehenden Unsicherheit profitieren. Im Chartbild lässt sich erkennen, das der Index den oberen Rand eines kurzfristigen Aufwärtstrend seit Juli erreicht hat und dort abgeprallt ist. Das zu erwartende Finale im Aktienmarktausverkauf wird den Bund-Future einen erneuten Analuf auf den Widerstand bei 118 Prozent ermöglichen. Wegen der schon an Aufwärtsdynamik verlierenden Indikatoren MACD und Momentum, aber auch wegen der bereits geschilderten fundamentalen Gründe ist davon auszugehen, dass der Rentenmarkt nochmals eine Konsolidierung durchläuft.

Dies würde dann auch wieder mit der kurzfristig zu erwartenden Erholungsbewegung an den völlig überverkauften Aktienmärkten korrespondieren. Um den übergeordenten Widerstandsbereich 121/122 Prozent zu attakieren sollte währen der Konsolidierungsphase der Bereich um 114 Prozent nicht mehr nachhaltig unterschritten werden. Mit einer weiteren Schwächephase an den Aktienmärkten im Frühjahr 2009 sollte der Bund-Future dann den vorläufigen Höhepunkt seines im Sommer gestarteten Aufwärtszyklus erreichen. Die von den Regierungen ausgesprochenen Garantien für ganze Bankinstitute werden durch die Ausgabe neuer Staatanleihen gedeckt werden müssen. Die Flut der dafür notwenigen Emissionen wird den Rentenmarkt dann tendeziell eher belasten.

 

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