Droht den Aktienmärkten noch viel Schlimmeres?

Der DOW JONES steuert auf ein langjähriges Verkaufsignal zu.

von Marcel Mußler

Die rote Überschrift ist mehr als nur ein reißerischer Aufmacher. Wie begründet diese Frage durchaus ist, zeigt bereits der erste Markt, den ich heute besprechen möchte, und zwar der Dow Jones (06.06.08: 12.209,8 Punkte). Durch den Absturz vom Freitag hat das doppelte Rebreak unter die rote Nackenlinie bei 12.700 und den grünen Abwärtstrend weitere Nachhaltigkeit erzielt. Und für die Interpretation des Chartbildes wirkt sich das nun immer fataler aus.

Denn damit marschiert der Dow nun wieder zielstrebig auf den langfristigen Aufwärtstrend seit 2005 zu. Den der Dow offensichtlich zu seinem langfristigen unteren Hauptthema gemacht hat, nachdem es dort schon im Januar und im März zu auffälligen unteren False-Breakouts gekommen war. Und diese Mal ist es der dritte Anlauf auf den Trend bei in der neuen Woche 12.080 Punkten. Ich betone das deshalb, weil dritte Anläufe eine erhöhte Chance besitzen, sich entscheidend durchzusetzen. Das läßt sich sogar so oft beobachten, dass ich in diesem Zusammenhang auch gerne vom „berühmtberüchtigten" dritten Anlauf spreche. Die Lage ist also wirklich ernst.

Dow Jones-Index - weekly Barchart

 

Auf der anderen Seite rechne ich aber auch nicht damit, daß der Dow jetzt da durchgeht wie das heiße Messer durch die Butter. Wahrscheinlich wird er jetzt zunächst ersten Kontakt aufnehmen mit diesem Trend, und dann erst einmal Tage oder sogar einige Wochen darum kämpfen. Indem er mal darunterschaut, dann wieder darüberschaut, und vielleicht auch noch einmal etwas spürbarer nach oben zuckt. Doch los wird er dieses Thema damit so schnell nicht. Und auch wenn es vielleicht noch einmal einen ähnlichen Kampf gibt wie zuletzt im März, stehen die Chancen diesmal deutlich schlechter, daß er diesen Kampf am Ende noch einmal gewinnen wird.

Eine nochmalige, substantielle Befreiung nach oben gerät dagegen zunehmend außer Reichweite. Für diese Befreiung steht charttechnisch nach wie vor einzig und allein diese ominöse Nackenlinie bei 12.700 Punkten. Bis dahin ist alles nur eine weitere Zwischenerholung, bis dahin lasse ich mich nicht beeindrucken, und auch nicht wieder ins mittelfristige Bullenlager ziehen. Ich drücke es in diesen Tagen auch immer wieder gerne so aus: „Bullish ist darüber". Der Druck auf den langfristigen Aufwärtstrend nimmt also weiter zu. Und nicht zuletzt auch die A-BC-Erholungsstruktur fördert die Gefahr zusätzlich, daß es diesem Trend jetzt bald an den Kragen gehen wird. Beschäftigen wir uns daher vorsorglich schon einmal mit den weiteren Risiken und Perspektiven nach unten. Sobald sich dieser Trendbruch durchsetzt, wird ein neues Low unter dem vom Januar bei 11.634 zur minimalen Pflicht. Erst ab dann gibt es wieder Optionen auf ein unteres False-Breakout. Und wie gerne es gerade der Dow Jones mit den False-Breakouts hält, dürfte Ihnen bereits in meinen wenigen Studien aufgefallen sein. Ich bezeichne den Dow im übertragenen Sinne sogar immer wieder als den Erfinder des „False-Breakouts".

Ein neues Low unter 11.634 Punkten wird also zur minimalen Pflicht. Doch wo sollen wir die maximalen Risiken ansiedeln? Dafür steht ein neuer langfristiger Abwärtstrendkanal. Ich habe ihn im Chart noch nicht skizziert, um den Chart nicht unübersichtlich zu verzeichnen. Er verläuft aktuell bei 11.070 Punkten und fällt natürlich weiter. Das aktuelle Niveau ist durch die untere blaue Linie markiert. Das sind die realistischen, wenn wahrscheinlich auch maximalen Risiken, sobald es denn in den nächsten Wochen zu diesem Trendbruch kommt.

Womit ich nun auch zunehmend rechne. Und immer weniger mit einer nochmaligen Befreiung über 12.700. Ultimativ eilig habe ich es in der neuen Woche aber auch nicht. Zunächst spreche ich von einer Trading-Range von aktuell 12.080 (steigend) zu 12.700 (ganz leicht fallend). Je weiter der Dow jetzt doch noch einmal an diese 12.700 heranläuft, desto mehr werde ich über antizyklische Puts an den Aktienmärkten nachdenken. Nicht jedoch unmittelbar oberhalb des Trends oder am Trend. Lassen Sie sich auch nicht von ersten Intraday-False-Breakouts foppen.

 

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