Heuschrecken Ade oder die positiven Seiten der Finanzkrise

von Jürgen Nowacki (02.04.09)

Der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering prägte in der Heuschreckendebatte vom Frühjahr 2005 diesen Begriff für Private-Equity-Gesellschaften, die als „anonyme Investoren" wie Heuschrecken über gesunde Unternehmen herfallen, um sie in ihre Einzelteile zu zerlegen. Dass es sich hier nicht um eine plumpe Agitation des politisch linken Lagers, sondern um ein echtes Problem handelt, dem sich börsennotierte und vor allem gesunde Unternehmen ausgesetzt sehen, zeigt eine Stellungnahme des Sachverständigenrates in seinem Jahresgutachten 2005/06 „... befürchtet wurde, dass kurzfristig orientierte Finanzinvestoren sich an einem Unternehmen beteiligten, die Unternehmung zerlegten und Reserven auflösten, .... um dann das Unternehmen geschwächt zurückzulassen".

Gegen Bestrebungen auf politischer Ebene, über die Gesetzgebung für mehr Schutz der Unternehmen zu sorgen, wurde von den Gegnern dieser Diskussion der Fall WINCOR-NIXDORF angeführt. Der damalige Finanzinvestor KKR (Kohlberg, Kravis, Roberts & Co) übernahm 90 Prozent von Wincor, führte das Unternehmen erfolgreich im Mai 2004 an die Börse und stieg dann mit einem guten Gewinn aus. Während des Zeitraums der Beteiligung, so die Befürworter, stieg die Anzahl der Mitarbeiter von 3.400 auf 6.300 an, was als Erfolgsgeschichte einer Finanzbeteiligung gewertet werden kann.

Es gibt aber eben auch Strategen, die es auf gesunde Unternehmen abgesehen haben. Die Beteiligung wird von Anfang an als Waffe benutzt, um durchzusetzen, dass sich dass Unternehmen zu verschulden hat, um beispielsweise Sonderdividenden auszuschütten. Die Chance, dass solch ein hoch verschuldetes Unternehmen die nächste Rezession übersteht, steht schlecht und das Unternehmen ist dann nicht selten ein Fall für den Insolvenz-Verwalter.

Nun hört man in letzter Zeit des Öfteren, dass die Bankenkrise zu einem Crediterunch, also einer Kreditverknappung in der Wirtschaft, geführt habe. Auch die Industrie könne nur schwer an neue Kredite kommen. Das ist natürlich negative Entwicklung und als solche zu kritzisieren. Aber: Dieser Crediterunch blockiert auch Heuschrecken, also die Art von Finanzinvestoren, die mit hohem Fremdkapitaleinsatz arbeiten. Das kann sich für die Alteigentümer sogar positiv auswirken.

Jüngstes Beispiel: Die Deutsche Börse AG kann jetzt aufatmen, denn die US-Private-Equity-Fonds „Atticus-Capital" sowie TCI (Children's Investment Fund) haben sich finanziell übernommen und ihre Pläne fallen gelassen, die Führung der Gesellschaft zu übernehmen und den Konzern zu zerlegen. Der Aktienkurs reagierte daraufhin mit steigenden Kursen. Die Leser des Target Trader konnten im Musterdepot von einem Kursanstieg um 19,95% profitieren.

 

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