Konjunktureinbruch in Europa stützt den deutschen Rentenmarkt, aber wie lange?

von Jürgen Nowacki

Um durchschnittlich 1,8% dürfte die EU-Wirtschaft in 2009 schrumpfen. Sind die Analysten der EU-Kommission bislang davon ausgegangen, dass bereits im 2. Halbjahr mit einer Bodenbildung gerechnet werden kann, so erwarten die Auguren jetzt „frühestens" 2010 mit einer Erholung. Große Hoffnungen, eine weitere Kernschmelze zu verhindern, liegen zur Zeit auf die Förderprogramme der Mitgliedsländer und dem daraus resultierende Staatskonsum.

Währungskommissar Joaquín Almunia führt dazu weiter aus: „Jetzt gehe es darum, dass diese Maßnahmen auch Wirkung entfalten, durch erleichterte Kreditvergabe zu vernünftigen Preisen und durch die zügige Umsetzung der Konjunkturprogramme, um Investitionen und privaten Konsum rasch anzukurbeln. Um das Vertrauen wiederherzustellen, komme es auch darauf an, dass sich die Mitgliedstaaten ausdrücklich dazu verpflichten, die Verschlechterung der öffentlichen Finanzen umzukehren, sobald wir wieder in normalen wirtschaftlichen Fahrwassern sind, um die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen mittel- bis langfristig zu gewährleisten".

Besonders kritisch dürfte sich der Arbeitsmarkt entwickeln. Hier rechnet Almunia mit einer wachsenden Arbeitslosenquote auf über 8%. Trotzdem, so lautet eine aktuelle Eurobarometer-Umfrage, sind 63 % der Deutschen der Ansicht, dass die deutsche Wirtschaft im Vergleich zu den Volkswirtschaften anderer Mitgliedländer besser abschneiden dürfte. Diese Einschätzung kann sich aber auch schnell ändern, denn soeben hat die Bundesregierung ihre Wachstumsprognosen für 2009 um 2,25 % zurück genommen und es wird mit einem Rückgang der Exporte um 8,9% gerechnet. Besonders aufmerksam, so meinen wir, müssen im Moment die Anleihemärkte beobachtet werden. Die Zinsaufschläge für Anleihen aus Spanien, Frankreich Griechenland und den damit einhergehenden Kursverfall bei den 10 jährigen Notes könnte sich auch auf die Rentenmärkte der anderen Mitgliedsländer ausbreiten. Sollten sich Spekulationen einstellen, dass sich das Rating auch bei Bundesanleihen verschlechtern könnte, wäre ein Kurseinbruch nicht mehr auszuschließen.

Fazit: Wer jetzt Kursgewinne bei Rentenfonds und Anleihen hält, sollte die Märkte genau verfolgen und gegebenenfalls die Gewinne realisieren. Ein Wechsel in kürzere Laufzeiten würde helfen, die Volatilitäten in einem Rentenportfolio zu reduzieren. Solch eine Vorgehensweise entspricht jedenfalls mehr der Zielsetzung von Anlegern die Risiken vermeiden wollen, als eine Strategie des Aussitzens.

 

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