Prognose 2009: Händler sprechen von steigenden Zinsen in 2009

von Jürgen Nowacki 

Anleger und Investoren sind irritiert. Einerseits spricht Notenbankchef Ben Bernanke vor delegierten der Handelskammer in Texas von den Möglichkeiten der FED im größeren Stil US-Staatspapiere anzukaufen und so die Renditen bei Zinspapieren weiter zu senken. Anderseits häufen sich trotz Finanzkrise Analysen zum Jahreswechsel mit steigenden Renditeerwartungen für 2009. Ein Widerspruch?

Für die Vertreter der Analysten die die Meinung vertreten, dass wir es hier mit einer tiefen Rezession zu tun haben, deren Bekämpfung aber letztlich erfolgreich verlaufen wird, hat die FED mit ihrer jüngsten Zinssenkung auf 1,00% ihr Pulver weitestgehend verschossen. Somit wäre zur Jahresmitte mit einer Bodenbildung und anschließender Zinssteigerung zu rechnen, sofern sich nicht weitere neue Krisenherde auftun.

Am Dienstag veröffentlicht das ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim) zum zweiten Mal in Folge Statistiken, die eine Besserung der Konjunktur erwarten lassen. Zwar befindet sich die Konjunkturerwartung für Dezember mit minus 45,2 Punkten immer noch erheblich unter ihrem Mittelwert von 26,8 Punkten. Aber die Umfragen ergeben einen leicht zunehmenden Optimismus dafür, dass sich die Zinssenkungen ab Mitte nächsten Jahres positiv auf die Wirtschaft auswirken werden.

Positiv könnte sich auch eine stabile Binnennachfrage im Einzelhandel auswirken. Denn trotz Diskussionen um Konsumgutscheine spricht der Einzelhandelsverband von einem positiven Weihnachtsgeschäft. Nach Aussage des HDE, Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, verlief auch die zweite Woche im Weihnachtsgeschäft zufriedenstellend. Diese Tendenz lässt sich auch in den USA feststellen, denn Black Friday, wie der Tag nach Thanksgiving in den USA genannt wird, brachte einen Umsatzplus in Höhe von 3% gegenüber dem Vorjahr, und das lässt hoffen. Warum dieser Tag ausgerechnet Black Friday genannt wird, dafür gibt es verschiedene Theorien. Eine lautet, da es sich um einen der umsatzstärksten Tage des Jahres handeln würde, hätten die Händler gute Chancen aus eventuell roten Umsatzzahlen noch schwarze Zahlen zu machen. Im Übrigen öffnen an diesem Tag viele Geschäfte bereits morgens um 5 Uhr ihre Pforten, um den Menschenmassen mehr Zeit für Ihre Schnäppchenjagd einzuräumen. Wer dieses Szenario einmal beobachtet hat, fühlt sich an frühere Zeiten des legendären Schlussverkauf's in Deutschland erinnert, wenn sich bereits Stunden vor der Ladenöffnung Menschenmassen vor den Kaufhäusern versammelten, um auf Schnäppchenjagd zu gehen.

Fazit: Anleger, die sich wegen der hohen Unsicherheiten an den Finanzmärkten mit den Gedanken tragen bei nächst bester Gelegenheit aus ihre Aktien heraus und hinein in festverzinsliche Staatsanleihen wechseln zu wollen, sei Wachsamkeit empfohlen. Der sichere Hafen „Staatsanleihen" sollte mit Vorsicht behandelt werden. Denn auch Rentenpapiere unterliegen zum Teil heftigen Kursschwankungen. Wer sich schon im sicheren Hafen der Rentenpapiere befindet, sollte vor dem geschilderten Hintergrund auch einmal an Gewinnmitnahmen denken. Vor allem bei Papieren mit längeren Laufzeiten erscheinen die Kursgewinne rückschlagsgefährdet. Ein Wechsel in weniger kursreagible Kurzläufer sei angeraten. Vor allem bei US-Dollar Papieren sollte das Währungsrisiko nicht unterschätzt werden. Auch hier winken Dollargewinne, die es einzufahren gilt.

 

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