Weiter so, Herr Ackermann!?

von Jürgen Nowacki (09.07.09)

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hält weiterhin an seiner Zielsetzung von 25 Prozent Eigenkapitalrendite fest und sorgt damit für weiteren Zündstoff in einer Ethikdiskussion, die streng genommen, keine ist.

Warum haben die deutschen Medien mit dem Deutsche-Bank-Vorstand und seinem ambitionierten Renditeziel nur solche Probleme? Hat dasManagement nicht bewiesen, dass es einen guten
Job macht?

Besorgniserregend in dieser Ethikdiskussion ist meines Erachtens die Oberflächlichkeit, mit der hier Schlagzeilen produziert werden. Zum einen ist den meisten Kritikern gar nicht klar, um welche Art der Renditezielsetzung es hier überhaupt geht, denn 25 Prozent vor Steuern, Dividenden und Vorsorgerücklagen für allgemeine Bankrisiken ist im globalen Wettbewerb unter Banken eine übliche Messgröße.

Im Bankenbereich ist ein Renditeziel von 25% nichts ungewöhnliches

Dann sollte nicht vergessen werden, dass dieses Renditeziel eine mit Fremdkapital gehebelte Rendite ist. Also angenommen ein Unternehmer erwirtschaftet mit 100 Prozent Eigenkapital eine 10-prozentige Eigenkapitalrendite, dann sollte bei einem 50-prozentigen Fremdkapitalanteil schon eine 20-prozentige Rendite zu erwirtschaften sein, sofern das Geschäftsmodell das zulässt. Banken arbeiten allerdings mit einem noch höheren Fremdkapitaleinsatz. Nach dem Kreditwesengesetz (KWG) beträgt die Mindesteigenkapitalquote 8 Prozent (4% Kernkapital und 4% Ergänzungskapital). 

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Eine Aufarbeitung der jüngsten Ereignisse ist dringend geboten. Nur sollten wir die Diskussion vielleicht in zwei Bereiche aufteilen, erstens in die Frage nach dem Ursache-Wirkungszusammenhang des jüngsten Bankencrashs und zweitens eine Ethikdiskussion, die sich auch mit den Fragen auseinandersetzen sollte, warum es gerade die staatlich kontrollierten Landesbanken, deren Aufsichtgremien mit Politikern aller Couleur besetzt waren und es immer noch sind, so hart getroffen hat.

Die Diskussion sollte sich mehr mit den Risiken befassen

Die wichtigsten Fragen allerdings werden nach meiner Beobachtung in der öffentlichen Diskussion
nicht genügend gewürdigt. Und die lauten:

Warum dürfen außerbilanzielle Risiken in Größenordnungen entstehen, die zur Systemrelevanz führen und praktisch jedes Kreditinstitut in eine „Too-Big-to-Fail"-Größenordnung wachsen lassen?

Wie wird zukünftig die dringend nötige Transparenz von außerbilanziellen Risiken für Investoren
und Kunden geschaffen?

Was muss sich an den Mindestkapitalanforderungen ändern, wenn die Risiken einzelner Geschäftsmodelle gebührend Berücksichtigung finden sollen?

Fassen wir zusammen: Der Chef eines deutschen Unternehmens schafft es, in einer der schlimmsten Finanzkrisen ohne staatliche Hilfe auszukommen, und wird in denMedien als überheblich und arrogant abgestraft.

Was wir brauchen, ist eine Versachlichung der Diskussion

Der Einzug und die Verfestigung des realen Sozialismus in diesem Lande ist wohl kaum noch aufzuhalten. Allerdings sollten sich die Diskussionsführer und Meinungsmacher darüber im Klaren sein, dass eine Kultur, die kranke Unternehmen am Leben erhält und ihre Manager belohnt, gesunde Unternehmen und deren Manager bestenfalls im Wettbewerb benachteiligt und sie schlimmstenfalls sogar zerstört.

Sie zu diffamieren, schafft ein Klima für politische Polemik und ist keinesfalls hilfreich, nützliche Lehren zu ziehen. Wir brauchen eine vernünftige und sachliche Analyse der Krise und wir müssen den Leistungsträgern, die es schaffen in gesunden Unternehmen stabile Arbeitsplätze zu schaffen, Mut machen, das weiterhin in Deutschland zu tun.

Deswegen meine ich persönlich: Weiter so, Herr Ackermann!

 

Halten Sie die Finanzkrise für ausgestanden?
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