ZEW-Konjunkturerwartungen – Erwartungen im Aufwärtstrend

von Jürgen Nowacki

„Die Konjunkturerwartungen für Deutschland haben sich im Februar ein weiteres Mal erholt", meldet das ZEW, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim. Die Erwartungen sind um 25,2 Punkte gestiegen und liegen nun bei nur noch minus 5,8 Punkten, nach minus 31,0 Punkten im Vormonat. Mit diesem Wert liegen die Zahlen allerdings weiterhin unter ihrem Mittelwert von 26,4 Punkten (s. blaue Linie im Chart).

 

ZEW Konjunkturerwartungen von Februar 2007 bis Februar 2009

 

Die befragten Experten zeigen sich damit zum vierten Mal in Folge hinsichtlich der konjunkturellen
Entwicklung der nächsten sechs Monaten positiv gestimmt. Das dürfte auf die fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen zur Stimulierung der Konjunktur zurückzuführen sein.

Was macht Amerika?

Eine wesentliche Frage, die sich derzeit die Ökonomen stellen, ist allerdings, ob es nicht besser
gewesen wäre, im Rahmen des 2. Konjunkturprogramms die Steuern stärker zu senken und weniger
für Sozialprogramme auszugeben. In den USA besteht das Konjunkturprogramm zu einem wesentlichen Teil aus Steuererleichterungen, während in Deutschland keine Steuersenkung spürbar ist.

Nachfolgend zitieren wir die Fachredakteure des Portals www.BWL-Boten.de, die die steuerliche
Komponente für die arbeitende Bevölkerung einmal nachgerechnet haben.

So wird der in 2007/08 bei 7.664 Euro liegende Grundfreibetrag zunächst in 2009 auf 7.834 und dann in 2010 auf 8004 Euro angehoben und die Eingangssteuer sinkt von 15% auf 14%. Natürlich führt das auch nicht zu einer nennenswerten Senkung der Gesamtsteuerbelastung in den drei Jahren. Wer beispielsweise als Lediger über ein zu versteuerndes Einkommen in Höhe von 30.000
Euro verfügt, wird in 2008 mit 5.807 Euro Einkommensteuer belastet, in 2009 mit 5.698 Euro und in 2010 mit 5.625 Euro. Das entspricht in diesem Jahr einer Entlastung von sagenhaften 9,08 Euro pro Monat von 2008 auf 2009 und noch viel besseren 6,08 Euro/Monat von 2009 auf 2010.

Für fast alle Einkommensgruppen ist die tatsächliche Steuerentlastung geradezu lächerlich gering.
Das Konjunkturpaket, in Wirklichkeit eine krasse Mogelpackung:

Fazit: Konjunkturelle Erwartungen können schnell in Ernüchterung umschlagen. Im Wesentlichen wird es auf strukturelle Verbesserungen ankommen und weniger auf medienwirksame nszenierungen. Während in Deutschland stärker auf Schuldenmachen und Umverteilen gesetzt wird, haben die US-Republikaner ihrem 790-Milliarden-Dollar-Konjunkturpaket mehr marktwirtschaftliche Komponenten wie Steuersenkungen, eingepflanzt. Wir werden abwarten müssen, um zu sehen, wie das Experiment ausgeht.

 

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